Evangelium
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Matthäusevangelium 5,13–16
Frühstück für Wohnungslose
Der heilige Franziskus küsst den Leprakranken. Alle anderen haben Angst, sich zu infizieren. Lepra gilt als unheilbar, die Gesellschaft duckt sich vor den Leprakranken weg. Franziskus von Assisi hat in dieser Zeit seine Umkehrmomente. Vom Lebemann und Genusssüchtigen zur selbstlosen Nachfolge Jesu Christi. Franziskus küsst den Aussätzigen, er zeigt ihm seine Liebe.
Diese Szene in Assisi soll sich im Jahr 1205 zugetragen haben. Franziskus stellt sich die Frage, was Jesus Christus in dieser Situation getan hätte. Danach handelt er. Ich als Kapuziner möchte beiden nachfolgen, das ist untrennbar: Jesus Christus und dem heiligen Franziskus.
Salzburg, im Jahr 2025: In der Unterkunft für Geflüchtete kümmert sich das Rote Kreuz um Menschen aus Syrien, Somalia, Afghanistan und Tschetschenien, die auf Asyl warten. Ein Bewohner der Unterkunft sagt: „Hier erleben wir, dass es doch noch Menschlichkeit gibt.“ Ich habe dort zwei Jahre lang, bis zum Jahresende, als Sozialbetreuer gearbeitet, stets nach den Maßstäben von Jesus und Franz. Meine Schützlinge kommen aus Kriegsgebieten, wo sie alles verloren haben, wo nur Verzweiflung herrscht und „wo viele nach den leidvollen Erfahrungen schon nicht mehr an Gott glauben“, wie der Bewohner erzählt. Ihm wurde hier das Zeichen gegeben, schildert der Bewohner weiter: „Ihr Geflüchteten seid hier nicht allein gelassen!“
Von Salzburg nach Frankfurt am Main: Menschlichkeit braucht es auch im Franziskustreff in der Frankfurter Innenstadt. Die Warteschlange ist meist schon lang, wenn um 7.45 Uhr die Tür aufgesperrt wird. Besonders bei den eisigen Temperaturen dieser Jahreszeit. 60 Ehrenamtliche verteilen sich auf die Schichten. Sie bekommen kein Geld für ihren Einsatz, helfen unverzweckt. Ohne sie würde nichts gehen in der Frühstücksstube in der Frankfurter City, die ich seit Jahresbeginn leiten darf. Bis zu 200 wohnungslosen und bedürftigen Menschen jeden Tag eine Mahlzeit geben. Bis zu 200 Mal Salz der Erde und Licht der Welt sein.
Michael Maldacker
Gottesdienst für Trauernde
Sieben Kerzen werden entzündet. Für jeden der sechs Toten und eine für alle Betroffenen. Musik, Lieder, Gebete drücken Trauer aus, aber auch Hoffnung. Rund 300 Menschen sind in die Johanniskirche gekommen. Viele versammeln sich draußen vor der Videoleinwand. Magdeburg am20. Dezember vergangenen Jahres: der ökumenische Gedenkgottesdienst an die Opfer des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt ein Jahr zuvor.
Selbstverständlich gehört der Gottesdienst zum Jahresgedenken an die schreckliche Tat. In einer Gegend, in der sich nur wenige Menschen zum christlichen Glauben und zu einer Kirche bekennen.
„Formen zu finden für das Gedenken und die Trauer“, sei eine Aufgabe der Kirchen, sagt Kathedralpfarrer Daniel Rudloff. Schon damals, am Tag nach dem Attentat, gab es einen Trauergottesdienst. „Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Trauer auszudrücken und nicht allein zu sein“, sagt Rudloff. Die Kirchen können das: Gemeinschaft stiften, Worte und Rituale angesichts eines unfassbaren Geschehens anbieten. „Gott, wir bringen unsere Sprachlosigkeit angesichts des Geschehens vor dich“, hatte Rudloff vor einem Jahr in dem Gottesdienst gebetet.
Beim Jahresgedenken verwies Bischof Gerhard Feige in seiner Predigt auf Hoffnungszeichen: Mit ihrer Hilfe direkt nach der Tat seien „viele einander zu Nächsten geworden und haben dadurch die Finsternis nach dieser menschenverachtenden Tat durchbrochen und ein Licht angezündet“. Denn gläubige Menschen seien überzeugt: „Nie aber kann die Dunkelheit das ganze Licht erfassen. Immer wieder lässt Gott es auf neue Weise aufflackern oder sogar erstrahlen.“ Schließlich hat Jesus uns genau das aufgetragen: Licht der Welt zu sein.
Ulrich Waschki
Protest für Menschenwürde
Die Krippe der katholischen St.-Susanna-Kirche in Dedham im US-Bundesstaat Massachusetts blieb am vergangenen Weihnachtsfest leer. Statt der Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind war nur ein Blatt Papier an der Glasscheibe des Stalls von Betlehem auf dem Kirchhof zu sehen. Darauf stand: „ICE war hier.“
ICE ist die Abkürzung für die Einwanderungsbehörde der USA. Seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trumphat sie damit begonnen, Menschen ausihren Wohnungen zu holen, sie auf der Straße, vor Schulen, Kindergärten und an anderen Orten festzunehmen, um sie abzuschieben – ohne Anhörung und ohne Rücksicht auf Familien. Viele trauen sich kaum noch vor die Tür und verzichten darauf, indie Stadt zu gehen, wenn es nicht notwendig ist.
Die Krippendarstellung mit der von der ICE abgeschobenen Heiligen Familie ist eines von vielen Beispielen, wie katholische Christinnen und Christen gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde protestieren. Auch katholische Bischöfe erheben die Stimme und kritisieren die Trump-Regierung für ihre restriktive Migrationspolitik. Vor Weihnachten gab die US-Bischofskonferenz eine offizielle Stellungnahme heraus. „Wir sind betrübt über die Verunglimpfung von Einwanderern“, heißt es darin. Ebenfalls betrübt seien sie, so betonten die US-Bischöfe, „wenn wir Eltern begegnen, die Angst haben, in Haft genommen zu werden, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen. Und wir sind traurig, wenn wir versuchen, all jene zu trösten, die schon von ihren Angehörigen getrennt wurden.“
Sie setzen Zeichen, die – wie Jesus es nannte – ein Licht für die Welt sind und vor allem die Dunkelheit jener erhellen, die Angst vor Gewalt und Abschiebung haben. So feierten Bischöfe und Priester vor Weihnachten einen Gottesdienst mit 300 Insassen im Abschiebegefängnis Adelanto in Kalifornien. Bischof Alberto Rojas von San Bernardino sagte dem Sender ABC7: „Die Inhaftierten sollen wissen, dass sie nicht vergessen sind. Die Kirche begleitet sie in ihrer Unsicherheit.“
Barbara Dreiling

