Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Wie für mich gemacht?

Zweiter Sonntag im Jahreskreis
Jesaja spricht davon, dass Gott ihn „schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat“. Gibt es das? Dass man eine Aufgabe findet, die mehr ist als ein Job? Eine Ärztin und ein Krankenpfleger erzählen von Beruf und Berufung.

Evangelium

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.

Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir sagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.

Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Johannesevangelium 1,29–34

Der Gedanke, dass sie mal Ärztin werden will, kam immer wieder. „Das erste Mal, dass ich Medizin machen wollte, muss in der achten, neunten Klasse gewesen sein“, sagt Johanna Engelhard. Sie hat sich auch über andere Ausbildungen informiert, nach dem Abitur absolvierte sie einen Freiwilligendienst im Bereich Schulsozialarbeit. Doch der Berufswunsch blieb.

Heute arbeitet die 26-Jährige am Klinikum Osnabrück. Dass sie das sechs Jahre dauernde Studium geschafft hat und sich nun in der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin befindet, schreibt sie nicht nur ihrem eigenen Fleiß zu. „Auch da hat ab und zu jemand mitgeholfen“, sagt sie.

Hatte Gott einen Plan für sie? „Es war immer wieder dasselbe Thema, mit dem ich mich konfrontiert fühlte“, sagt sie. „Irgendwann war klar, dass es Medizin wird.“ Sie glaubte immer daran, dass Ärztin zu sein ihre Aufgabe ist, trotz vieler Zweifel.

Der Weg zum Ziel war nicht immer schön

Die begannen schon während der Schulzeit. „Im letzten Schuljahr habe ich meine Hobbys aufgegeben und jede freie Minute gelernt“, erzählt sie. Sie habe ständig die Schule im Kopf gehabt, um eine Abiturnote zu erhalten, mit der sie zum Medizinstudium zugelassen wird. „Das hat nicht nur Spaß gemacht“, sagt sie.

Später war es der Berufseinstieg, der sie desillusioniert hat. „Der Praxisschock trifft alle hart“, sagt Engelhard. Sie kann ihren Patientinnen und Patienten nicht so nahe sein, wie sie gerne möchte. „Man verbringt enorm viel Zeit am Computer, ordnet medizinische Maßnahmen an und meldet Untersuchungen an“, sagt sie. Die Arbeitsbelastung ist hoch. Engelhard berichtet von Überstunden, die Normalität sind, und davon, dass sie auf Familienfeiern verzichtet, um im Krankenhaus einzuspringen.

Warum hat sie an ihrem Plan festgehalten? „Zumindest in der Zeit, in der ich am Patienten bin, kann ich den Menschen beistehen. Das ist eine total schöne Aufgabe“, sagt Engelhard. Dabei gehe es nicht ausschließlich um körperliche Beschwerden, sondern auch darum, dass viele Menschen Angst haben, mit ihren Gebrechen allein zu sein.

Kranke unterstützen will auch Karl-Heinz Meyer. Dass er darin einmal seine Berufung sieht, kam ihm lange nicht in den Sinn. Nach seinem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Dreher in einem Metallbetrieb und arbeitete dort anschließend als Geselle. Mit 19 Jahren und bei gutem Verdienst machte ihm seine Arbeit durchaus Spaß, doch sie erfüllte ihn nicht. „Irgendwas hat gefehlt“, sagt er.

Heute ist der 55-Jährige Krankenpfleger bei einem ambulanten Pflegedienst. Doch der Weg dahin war lang und nicht geplant. Während seiner Tätigkeit im Metallbetrieb hat er das Fachabitur nachgemacht und anschließend noch Werkstofftechnik studiert, um Berufsschullehrer zu werden. An einen Pflegeberuf hat er auch damals nicht gedacht; niemand in seiner Familie arbeitete je im Gesundheitswesen.

Viele würden sagen, es sei Zufall gewesen. Meyer sagt, dass es „sich gefügt hat“: Als er relativ spät im Leben noch seinen Zivildienst leisten musste, bekam er als einzige freie Stelle die eines Pflegehelfers im Klinikum Osnabrück. Der erste Tag im Krankenhaus war ein Schock. Er erzählt, dass er von einer dementen Patientin eine Backpfeife bekam. Der Anblick so vieler Krankheiten und Leiden ließ ihn zweifeln, ob er die 18 Monate durchhält.

Der Weg zum Zie lwar extrem kurvenreich

Doch mit der Zeit hat er sich wohlgefühlt. „Es war ein großer Zusammenhalt im Team und die Arbeit im Dienst an den Menschen war sehr erfüllend“, sagt er. Später hat er in den Semesterferien immer wieder Dienste als Pflegehelfer übernommen. Die Arbeit gefiel ihm und half auch, sein Studium zu finanzieren.

Bald stand er vor einem Dilemma. Sollte er als Diplom-Ingenieur noch mal eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen? Sollte er sein Ziel Berufsschullehrer aufgeben? Auch seine Freunde rieten ihm davon ab. Heute sagt er: „Ich habe es trotzdem gemacht und ich muss sagen, dass ich als Krankenpfleger mit meinem Leben sehr zufrieden bin.“

Wer Meyer und Engelhard zuhört, ahnt, dass es das gibt: eine Aufgabe fürs Leben, ein Beruf, der wie für einen gemacht ist. Um sie zu finden, sind die Ärztin und der Krankenpfleger ihren Zweifeln nachgegangen, haben Unzufriedenheit ernstgenommen, haben sich auf Unbekanntes eingelassen und auf Freizeit verzichtet. Die Anzeichen, die sie beschreiben und die dafür sprechen, dass man seine Berufung gefunden hat, sind Glück und Zufriedenheit.

Dafür ging Meyer mit Anfang 50 noch mal ein Risiko ein. Er wechselte vom Krankenhaus in den ambulanten Pflegedienst, um wieder mehr Zeit für die Patienten zu haben. Es hat sich gelohnt, er ist glücklich auf seiner neuen Stelle. Einerseits glaubt er, dass Gott die Menschen „schon ein bisschen dahinlenkt, wo ihr Platz ist“. Andererseits müsse man sein Leben selbst in die Hand nehmen und auch mal neue Wege riskieren, sagt Meyer. Dabei dürfe man „auf Gott vertrauen. Er wird für dich sorgen.“

Dass es im Leben immer weitergeht, glaubt auch Johanna Engelhard. Wirklich berufen fühlt sie sich für die Palliativmedizin, also die Begleitung von Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt. Sie sagt: „Dann wäre ich wirklich bei meiner Aufgabe angekommen.“

Barbara Dreiling