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Was die Tat teuflisch macht

Erster Fastensonntag
Immer am 1. Fastensonntag wird im Evangelium verkündet, wie Jesus in der Wüste in Versuchung geführt wird. Wenn man sein weiteres Leben betrachtet, merkt man: Jesus hat wohl nicht prinzipiell etwas gegen die Vorschläge des Teufels. Ihn stört das Ziel: der Eigennutz.

Evangelium

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.

Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.

Matthäusevangelium 4,1–11

Die bei Matthäus und Lukas sehr ausführlich erzählte, geradezu dramatische Geschichte der Begegnung Jesu mit dem Versucher ist so bekannt, dass man kaum noch über sie nachdenkt. Ist doch klar, dass Jesus gewinnt. Ist doch klar, dass er den Verführungen des Teufels widersteht.

Aber was ist eigentlich das Teuflische an der Sache? Denn wenn man genau hinschaut, ist Jesus im Grunde den drei Vorschlägen des Teufels gar nicht so abgeneigt. Oder noch genauer: Eigentlich macht er das, was der Teufel will. Nur später. Und mit anderer Zielrichtung. Das glauben Sie nicht? Schauen wir mal ...

Steine zu Brot

Jesus hat Hunger. Kein Wunder: Seit 40 Tagen hält er sich in der Wüste auf, um zu fasten und zu beten. Noch ist er nur ein Zimmermannssohn aus Nazaret, aber er ist auf der Suche nach seiner wahren Berufung. Und um die zu finden, geht er in die Einsamkeit. So wie viele vor und nach ihm. Fasten und beten – ein religiöses Urprinzip.

Und dann kommt die Versuchung: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Aber Jesus tut es nicht. Mit einer frommen Begründung: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Zeitsprung: Jesus ist mit Hunderten oder gar Tausenden Menschen in einer einsamen Gegend zusammen. Sie sind gekommen, um ihn zu hören: Männer, Frauen und Kinder. Den ganzen Tag sind sie schon zusammen und irgendwann knurrt ihnen der Magen. Matthäus erzählt: „Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ (Mt 14,15)

Was dann folgt, wissen Sie: die wunderbare Brotvermehrung. Nein, Jesus macht nicht aus Steinen Brot, aber er sorgt doch dafür, dass es alle zu essen haben. „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.“ (Mt 14,19–20)

Sie merken, so unähnlich ist die Situation gar nicht: Es geht um eine einsame Gegend, um Menschen, die aus religiösen Gründen dorthin gekommen sind, es geht um Hunger und Wunderkräfte. Einmal verweigert sich Jesus, einmal wirkt er das Wunder. Der Unterschied: Einmal geht es um ihn selbst, das andere Mal um andere Menschen. Offensichtlich ist das für Jesus entscheidend: Ob er sich selbst satt macht oder die, die ihm gefolgt sind, um ihm zuzuhören. Ob er sich selbst Gutes tut oder anderen. Anders gesagt: Ob er aus Egoismus handelt oder aus Nächstenliebe. Egoismus ist teuflisch, Nächstenliebe göttlich.

Stürz dich hinab

Die zweite Versuchung spielt auf dem Dach des Tempels. Jesus steht am Abgrund, es geht um Leben und Tod. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab!“ Die Engel, so die Logik, würden ihn schon auffangen. Wieder weigert sich Jesus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen!“

Zeitsprung: Jesus wird von Maria und Martha nach Betanien gerufen. Ihr Bruder Lazarus ist krank. Jesus kann heilen, das wissen die Frauen. Doch Jesus verspätet sich und als er kommt, ist es zu spät: Lazarus ist tot. Sogar bestattet ist er schon. Und Maria klagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ (Johannes 11,32).

Was dann folgt, wissen Sie: Jesus erweckt den Toten zum Leben. Aber nicht aus eigener Kraft. Bei Johannes heißt es: „Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (11,41). Offensichtlich hat Jesus gebetet, seinen Vater angefleht, Lazarus aus dem Tod zu holen – und hat damit Gott auf die Probe gestellt.

Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: Es geht um Leben und Tod. Und es geht um die Bitte, Gott möge jemanden wundersam erretten. Der Unterschied: Einmal geht es um Jesus selbst und eine ziemlich sinnfreie Show. Das andere Mal geht es um Lazarus, um seine weinenden Schwestern und um alle, die dabei sind. Jesus betet: „Vater, ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Gott zu bitten um der Show willen, ist teuflisch. Ihn zu bitten, um zu retten, ist göttlich.

Alle Reiche der Welt

Schließlich die dritte Versuchung: Der Teufel geht mit Jesus auf einen hohen Berg. „Er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben.“ Und wieder widersteht Jesus: „Weg mit dir, Satan!“

Zeitsprung: Wir befinden uns ganz am Ende des Matthäusevangeliums. Jesus ist auferstanden von den Toten. In Galiläa, auf einem hohen Berg, zeigt er sich seinen Jüngern und erteilt ihnen einen Auftrag. Er sagt: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“

Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: der Berg, die Reiche der Welt, die Menschen, die alle Jesus gehören sollen, der Macht hat im Himmel wie auf Erden. Der Unterschied: Im ersten Fall soll Jesus sie bekommen im Namen des Bösen und mutmaßlich mit Gewalt, denn das ist der Preis: dass „du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“. Im zweiten Fall will Jesus die Reiche der Welt erobern im Namen der Liebe und mutmaßlich durch Verkündigung und Vorbild, denn Jesus sagt: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“

Was diese kleine Gegenüberstellung zeigt? Dass es nicht immer auf die Tat selbst ankommt, sondern auf den Geist, in dem sie vollbracht wird. Auf das Ziel. Und da gilt: Egoismus, Selbstdarstellung und Gewalt sind teuflisch. Nächstenliebe, Hilfe und die Kraft der Liebe sind göttlich. Und wir alle stehen wie Jesus in der Wüste in der Spannung zwischen diesen Polen.

Susanne Haverkamp