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Vorstoß bis zum Kern

Zunächst klingt es wenig aufregend – beim dritten Dialogtreffen der Kirche in Deutschland geht es um die Liturgie. Blickt man genauer hin, geht es um Konsequenzen aus dem Priestermangel, eine stärkere Einbeziehung von Laien, neue liturgische Chancen, aber auch Grenzen. Am 13. und 14. September beraten darüber in Stuttgart rund 300 Vertreter von Diözesen, Verbänden, Orden und geistlichen Gemeinschaften.

„Ich hoffe, dass die Offenheit von allen so groß ist wie bei den vergangenen Gesprächsforen", sagt der Würzburger Diözesanratsvorsitzende Karl-Peter Büttner. Neben den liturgischen Debatten hofft er beim dritten Dialogtreffen auch auf Neues aus den Kommissionen, die sich im Auftrag der deutschen Bischöfe mit der Pastoral für wiederverheiratete Geschiedene und mit dem kirchlichen Arbeitsrecht befassen.

Würzburg vertreten

Außer Büttner gehören zur Delegation des Bistums Würzburg: Dialogbeauftragte Monika Albert, BDKJ-Diözesanvorsitzende Monika Cupok, Gottesdienstbeauftragte Sabine Nöth (Sömmersdorf), Dekan Stefan Gessner (Haßberge), Pfarrer Dr. Christian Lutz (Miltenberg) sowie Liturgiereferent Dr. Stephan Steger. Durch wen die Diözesanleitung vertreten sein wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

An Themen wird es in Stuttgart nicht mangeln: Im Herbst setzen die deutschen Bischöfe die Neuübersetzung des Messbuchs in Kraft. Manche Priester lehnen diese aus Gewissensgründen ab. Rund 500 Pfarrer haben deshalb die Bischöfe aufgefordert, der vom Vatikan verlangten Neuübersetzung nicht zuzustimmen. Ihrer Ansicht nach verstärkt sie eher Probleme, statt Menschen für Gott und die Teilnahme an der Liturgie zu gewinnen.

Auch das neue Gotteslob liefert Gesprächsstoff. Es soll eine zeitgemäße Liturgie ermöglichen – nicht nur mit modernem Liedgut. Schließlich sind darin Texte enthalten, die Ehrenamtlichen beim Gestalten von Gottesdiensten helfen sollen. Das entspricht wohl auch einem Anliegen von Papst Franziskus: Als Erzbischof von Buenos Aires soll er Christen bei Priestermangel geraten haben, notfalls Garagen zu mieten „und wenigstens von einem Laien Wortgottesdienst mit Kommunion" halten zu lassen. Passend dazu wird die Wort-Gottes-Feier im Gotteslob berücksichtigt und durch katechetische Texte erläutert.

Gerade die von Laien geleiteten Wort-Gottes-Feiern erhitzen in jüngster Zeit die Gemüter. Angesichts des zunehmenden Priestermangels wird zwar die stärkere Einbeziehung von Laien ge­for­dert – etwa, wenn Sonntagsmessen ausfallen müssen und das Gemeindeleben zum Erliegen kommt. Doch wie viel liturgische Freiheit ist Laien überhaupt erlaubt?

Wenig, blickt man etwa nach Eichstätt, Regensburg und Augsburg. Bischof Konrad Zdarsa etwa lehnt in pfarrerlosen Kirchengemeinden sonntägliche Wortgottesdienste ab. Er vertraut darauf, dass die Gläubigen auch einen weiteren Weg zur Eucharistiefeier auf sich nehmen. Allerdings vernimmt der Vorsitzende des Augsburger Diö­zesanrats, Helmut Mangold, inzwischen moderatere Töne seines Bischofs. Dieser überlasse es mitunter den Geistlichen vor Ort, ob ein Wortgottesdienst gefeiert werden könne.

Auch der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki betont trotz Priestermangels und rückläufiger Katholikenzahlen die zentrale Stellung der Eucharistiefeier. Wortgottesdienste von Laien lehnt der Kardinal ab.

Dabei war genau das in der DDR früher gang und gäbe. Wort-Gottes-Feiern – auch mit Kommunion­austeilung – seien dort historisch verankert, erklärt der Magdeburger Diakon Wolfgang Gerlich, zuständig für die Ausbildung von Gottesdienst-Beauftragten. Gläubige in der Diaspora seien mit solchen „Stationsgottesdiensten" groß geworden.

Wort-Gottes-Feiern mit Lesepredigt und Kommunionausteilung – im Bistum Rottenburg-Stuttgart gibt es sie seit vielen Jahren. Dort gebe es das „Grundverständnis, dass sich die Gemeinde an möglichst vielen Orten am Sonntag versammelt, um das Wort Gottes zu hören, zu bedenken und als Nahrung für den Alltag zu feiern", erläutert Domkapitular Paul Hildebrand. „Wir halten nichts von weiten Wegen."

Hohe Wertschätzung

Das Bedürfnis vieler Gläubiger, die Kommunion zu empfangen, spreche von einer „hohen Wertschätzung" dieses Sakramentes, findet Hildebrand. Überhaupt wundert er sich etwas über die aktuellen Diskussionen. In einem Hirtenwort der Bischofskonferenz von 2003 seien Wortgottesdienste als liturgische Möglichkeit „offiziell anerkannt". Manchen Bischöfen sei dies offenbar nicht bewusst: „Sie sollten mal ihre eigenen Beschlüsse nachlesen."

Angelika Prauß/red