Sieben Künstlerinnen und Künstler hatten sich im Jahr 2005 mit dem Pilgerthema auseinandergesetzt. Vier Wochen lang arbeiteten sie sich in ihren Stein hinein und durch ihren Stein hindurch – unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit an der Dettelbacher Mainlände. Auf diese Weise entstanden Skulpturen über einen „fundamentalen Aspekt der menschlichen Existenz“, wie es im Begleitheft zum Projekt heißt. „Leben ist immer Pilgerschaft, wie immer die selbst gesteckten oder vorgegebenen inneren oder äußerlichen Ziele auch heißen mögen.“
Übergang und Durchblick
Wer den Skulpturenweg entdecken will und mit dem Auto nach Dettelbach unterwegs ist (mit dem Bus braucht es von Würzburg aus eine halbe Stunde), stellt dieses am besten am Parkplatz am Maintor ab. Von dort aus sind es keine 100 Meter die Straße zurück zum Startpunkt. Ebenso ist es möglich, das Auto am anderen Ende des Skulpturenwegs abzustellen und vom Friedhof am Haslauer Platz in entgegengesetzter Richtung zu gehen.
Der wuchtige Block „In Transito“, gefertigt von der italienischen Künstlerin Emanuela Camacci, eröffnet den Skulpturenweg. Ein Übergang ist dargestellt: Die Bewegung während des Pilgerns ins Innere hinein. Innen ein großer Kreis, dazwischen Platz für Luft und Leere – und Platz für den Durchblick auf den Grünstreifen entlang der Stadtmauer.
Acht Köpfe, Körper, Blicke
Diesem Grünstreifen folgend erreicht man nach wenigen Minuten Caroline Bachmanns Figur „Die Acht“. Sie zeigt ebenso viele Pilger, Köpfe, Seelen, Gefühle, Blicke. „Die Zahl acht ist eine Endlosschleife. Die Pilger, wir alle, durchwandern diese Schleifen“, erklärt die Schweizer Bildhauerin. Mit ihren Figuren hat sie dem Steinblock besonderes Leben eingehaucht, und sie lässt sogar ein Wesen von ihrer Skulptur hinabblicken, das einer alten, weisen Schildkröte gleicht.
Unfertig Unterwegs
Der Skulpturenweg macht nun, weiter an der Stadtmauer entlang, einen Bogen nach links. Es geht treppauf zur nächsten steinernen Figur, geschaffen von Winnie Henke aus Hannover. Die Gestalt mit dem Namen „Unterwegs“ scheint noch in der Entstehung begriffen: Eine unfertige Hälfte liegt neben ihr auf dem Boden, sie selbst hat keine Augen, mit denen sie einen Weg erkennen könnte, doch hat sie Ohren, um zu verstehen, was um sie herum geschieht.
Wo Kilian Pause macht
Weiter geht es die Treppen an der Stadtbefestigung hinauf. Auf der Höhe des Faltertores geht es nach rechts, vorbei an Schützenhaus und Stadtverwaltung, und dann nochmals leicht rechts in den Wallfahrtsweg hinein. Hier beginnt zusätzlich die Dettelbacher Via Dolorosa, der „Weg der Sieben Schmerzen Mariens“, auf geradem Weg bis zur Wallfahrtskirche Maria im Sand.
Kleine Bildstöcke fordern zum Innehalten auf, und ebenso die nächste Station des Skulpturenwegs: „Kilians Rest“ (also Kilians Rast, Pause, Erholung) der irischen Bildhauerin Eileen MacDonagh. Aus dem klobigen Stein, mit Sitzgelegenheit für eine schmale Person, ragt ein Bäumchen. Das spendet Schatten oder schützt vor Regen und sorgt so dafür, dass eine Unterhaltung mit dem heiligen Kilian gerne etwas länger dauern darf.
Ein Steinblock vor der Wallfahrtskirche
Etwas mehr Platz zum Sitzen gibt es ein paar hundert Meter weiter an der Wallfahrtskirche. Unter großen Kastanien ist Gelegenheit für eine Pause mit Blick auf Maria im Sand – und auf „Camino“, die fünfte Skulptur. In den liegenden Steinblock hat Susanne Tunn aus dem niedersächsischen Alfhausen einen (Pilger-)Weg hineingeschliffen. Der Weg ist nicht gerade, mäandert über und um den Stein herum, wird vom Regen durchspült, oder auch mal vom Schnee gänzlich verdeckt.
Wer auf dem Skulpturenweg unterwegs ist, sollte nun die 1613 fertiggestellte Wallfahrtskirche besuchen. Zumindest, um einen Blick auf die Schmerzhafte Muttergottes zu werfen. Die spätgotische Pietà steht seit fast 250 Jahren hinter Glas inmitten eines prächtigen Rokoko-Altars. Dass sie ein wundertätiges Gnadenbild sein soll, bezeugen zwei Dutzend Votivbilder.
Zwei Figuren mit Aussicht
Der Pilgervolk-Weg führt rechts an der Kirche vorbei, an der Straße entlang, zum Haslauer Platz, wo sich ein schöner Blick über die Umgebung eröffnet. Schon von weitem sind auch die beiden letzten Skulpturen zu sehen. Zunächst ein „Fremder“: Ein Findling aus Granit, vom Österreicher Hermann Gschaider in einen großen Block aus Muschelkalk gesetzt. Die Figur des tschechischen Bildhauers Miloslav Chlupác hat die Szenerie im Blick. Sein „Jakobsstein“ trägt Muschel und Stab als Zeichen der Pilgerschaft. Sein Pilger ist angekommen. Den Stab nutzt er nicht mehr für die Bewegung, sondern zum Verweilen, und denkt dabei nach über die Frage: War es die Mühe wert?
Zum Abschluss in die Altstadt
Da die Mühe bei diesem Spaziergang über einen Kilometer nicht allzu groß ist, empfiehlt sich auf dem Rückweg ein Abstecher in die Dettelbacher Altstadt: Vom Wallfahrtsweg kommend durch das Faltertor hindurch in den Ortskern. Durch die enge Falterstraße geht es geradewegs auf die Kirche St. Augustinus zu, die ebenso einen Besuch lohnt wie das direkt unterhalb gelegene Kultur- und Kommunikationszentrum und das spätgotische Rathaus, das den Dettelbach überbrückt. Zu guter Letzt in einer der örtlichen Konditoreien die berühmten Muskazinen verspeisen – dann hat sich der Besuch in Dettelbach endgültig gelohnt!
Sebastian Haas
Das Museum zur Tour
Im Baumannschen Haus von 1487 ist das „Kunstmuseum Dettelbach Pilger und Wallfahrer“ untergebracht. Integriert ist es in das Kultur- und Kommunikationszentrum mit Tourist-Information, Stadtbibliothek und Vinothek, geöffnet montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr. Gezeigt wird Kunst vom Mittelalter bis heute, die sich mit der Tradition des Pilgerns und Wallfahrens beschäftigt.











