An seinen ersten Katholikentag erinnert sich Johannes Simon bis heute. 1994 war das, die Gastgeberstadt hieß Dresden. Die Deutsche Einheit lag wenige Jahre zurück und Sachsens Hauptstadt beherbergte gläubige Christen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Wir haben die Chance der offenen Grenze genutzt“, erinnert sich Simon. Er war damals im Bistum Würzburg für die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrei zuständig und fuhr mit einem Eichstätter Kollegen nach Dresden. Dort gaben sie bei einem Workshop Tipps, wie ein guter Pfarrbrief aufgebaut sein sollte.
In Dresden begegneten ihnen braunkohlehaltige Luft und die Reste der zerfallenen Frauenkirche. Aber die Laune sei gut gewesen, erzählt Simon: „Es herrschte Aufbruchsstimmung und wir waren froh, dabei zu sein. Es ergaben sich Kontakte zu Menschen mit anderer Lebenswelt und -geschichte. Das war damals ein guter Anfang.“ Heute sind alle ostdeutschen Bistümer ins Netzwerk Pfarrbriefservice.de eingebunden. Simon ist der Initiator des Netzwerks und leitete es von 2002 bis zu seinem Ruhestand 2025.
Nie zum privaten Vergnügen
Gäbe es einen Pokal für die häufigste Teilnahme an Katholikentagen, käme Simon wohl in die engere Auswahl. Seit 1994 war er bei fast jedem Katholikentag dabei und dazu noch bei den Ökumenischen Kirchentagen 2003 in Berlin, 2010 in München und 2021in Frankfurt am Main. Allerdings war er nie zum privaten Vergnügen dort, sondern immer im Auftrag des Bistums Würzburg. „Meine Erfahrungen mit dem Katholikentag beziehen sich vorallem auf die Quadratmeter des Standes von Bistum und Pfarrbriefservice.de. Das ist mein Raum gewesen.“ Mit dem Pfarrbriefservice-Team und Mitgliedern des Diözesanrats der Katholiken erledigte Simon die Aufgaben am Stand: Gespräche führen, Probiermengen aus dem Bocksbeutel ausschenken, Tischkalender und Postkarten verteilen. Das Team empfing und betreute namhafte Persönlichkeiten aus dem Bistum Würzburg, etwa Bischof Dr. Franz Jung, die damalige Generaloberin Schwester Dr. Katharina Ganz oder den Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Peter Bofinger.
Der Katholikentag zog von Ort zu Ort. Auf die Hafenmetropole Hamburg folgte die Münsterstadt Ulm, auf Regensburg mit seinem Bischofssitz das weitgehend kirchenferne Leipzig. Eine erfolgreiche Präsenz beim Katholikentag hängt aus Simons Sicht aber nicht von der jeweiligen Stadt ab. „Es kommt darauf an, ein Thema zu setzen, das nicht nur für die kirchlichen Insider relevant ist“, bekräftigt er. Gelungen sei dies zum Beispiel 2008 in Osnabrück. Dort erwiesen sich Postkarten mit dem Aufdruck „Kinder bringen Farbe ins Leben“ als Renner. Das Standteam habe Tausende solcher Karten unter die Leute gebracht, erinnert sich Simon. 2014 in Regensburg standen Darsteller der Passionsspiele Sömmersdorf in ihren Originalkostümen am Stand. Mit Römerhelm, Brustpanzer und Langarm-Tunika zogen sie zahlreiche Besucher an. Auch diesen Katholikentag verbucht Simon als Erfolg.
32 Jahre nach dem Auftakt
Mittlerweile ist der Pastoralreferent 66 Jahre alt. Da er das Berufsleben hinter sich gelassen hat, steht bald eine Premiere an: 32 Jahre nach seinem Einstand beim Katholikentag wird er zum ersten Mal eine solche Versammlung privat besuchen. Auf diese Erfahrung in Würzburg freut er sich schon, wie er schmunzelnd durchblicken lässt: „Dann geht die Privatperson Johannes Simon zum Katholikentag und trinkt nun auch mal an einem Stand ein Schöppchen.“
Ulrich Bausewein

