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Schon gelernt?

Kürzlich kam mir der Gedanke: Warum werden wir eigentlich nicht aufgefordert: Lasset uns beten, wie wir es von Jesus gelernt haben?

Evangelium

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.   Lukas 11,1–13   Angeleitet vom Gruppenleiter haben wir als Pfadfinder in jungen Jahren gebetet: „Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Seid bereit. Dieses Wort ist mein Wahlspruch. ‚Allzeit bereit‘ will ich sein und nach deinem Beispiel handeln ...“ Wenn ich den Gottesdienst am Dienstagabend in der Stadtpfarrkirche besuche, beenden die Mitglieder des Frauenbundes den Rosenkranz immer mit ihrem Bundesgebet: „Herr, wir bitten dich, lass uns deine Wege gehen in Familie und Beruf, lass uns unsere Aufgaben erkennen in Kirche und Volk ...“ Und am Ende jedes Kolpinggottesdienstes singen wir: „Ein Gotteshaus steht zu Köln am Rhein ...“   Ein gemeinsames Bekenntnis oder Lied stärkt das Miteinander, schafft Zusammenhalt und bildet Identität. Von den Jüngern Jesu hören wir im Evangelium, dass auch sie sich nach einem eigenen Gebet für ihre Gruppe sehnen. Und Jesus lehrt sie. Seitdem gehören diese Worte, wie sie Lukas überliefert, zum Erbe, das uns Jesus hinterlassen hat. So werden wir auch an diesem Sonntag wie in jedem Gottesdienst eingeladen: „Lasset uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat.“   Kürzlich kam mir der Gedanke: Warum werden wir eigentlich nicht aufgefordert: Lasset uns beten, wie wir es von Jesus gelernt haben? Lehren und Lernen gehören zusammen wie Geben und Nehmen. Lehren, das ist die Sache des Meisters, Lernen ist Aufgabe des Jüngers, des Schülers. Ist es etwa so, dass Jesus zwar gelehrt hat, aber wir haben es noch nicht gelernt? Wir haben vielleicht noch nicht begriffen, noch nicht verinnerlicht, worum es ihm geht.   Ich verstehe seine Worte folgendermaßen: Vater – so sollen wir, die Freunde Jesu, Gott ansprechen. Ganz persönlich und voll Vertrauen wie in einer Familie dürfen wir mit ihm reden. Dann sei unsere erste Sorge, dass Gott seine Sache voranbringt, dass seine Gegenwart unter uns wirklich werde. Danach dürfen wir auch das anfügen, was uns betrifft, unsere körperlichen und seelischen Nöte.   Jesu knappe Worte dazu bedeuten für mich: Gib uns jeden Tag das, was wir brauchen – Brot als Lebensgrundlage, Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken, soviel wir eben heute brauchen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.   Schenke uns auch das Gelingen unseres Miteinanders. Lass uns Zuneigung und Anerkennung, Wärme, Geborgenheit und Begegnung schenken und erfahren. Wir wollen uns für andere mit unseren Ideen und durch unsere Arbeit einsetzen.   Gewähre uns auch Ruhe und befreie uns von allem Müssen. Ja, bewahre uns davor, uns selbst für das Fundament unseres Lebens zu halten. Lass uns vielmehr darauf vertrauen, dass wir mit dem Schutz dessen unterwegs sind, der uns dieses Leben geschenkt hat und der uns fürsorglich wie ein Vater begleitet.   Habe ich das schon verstanden oder muss ich es mir von Jesus noch lehren lassen? Oft habe ich nicht das Gottvertrauen, zu dem uns Jesus mit seinem Gebet führen und ermutigen will. Aber eines ist für mich gewiss: Jedes gemeinsam gesprochene „Vater unser ...“ tut mir gut, stärkt mein Gottvertrauen, fördert das Miteinander. Wie steht es mit Ihren Lernfortschritten?   Der Autor („rudolf.reuter@bistum-wuerzburg.de“) ist Diakon in der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke und Altenseelsorger für das Dekanat Bad Neustadt.