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Schatzkästchen im Mittelmeer

Azurblaues Wasser, felsige Küsten, charmanter Menschenschlag. Das ist Malta, eine kleine Insel südlich von Sizilien im Mittelmeer. Obwohl der Staat das kleinste Mitgliedsland der Europäischen Union ist, gibt es genug zu entdecken. Davon haben sich 35 Teilnehmer einer einwöchigen Leserreise des Sonntagsblatts überzeugt.
Warm war es – und das durchgehend. Bei Temperaturen um 30 Grad und teilweise 100 Prozent Luftfeuchtigkeit hat sich Malta von seiner besten und vor allem sonnigsten Seite gezeigt. Bei einer Wassertemperatur von 24 Grad Celsius lag selbst das Baden im Mittelmeer noch locker im Rahmen. Und eine Abkühlung nach den interessanten, aber auch anstrengenden Tagestouren hat wohl jedem der Teilnehmer gut getan.   Doch alles der Reihe nach: Nach der etwas verspäteten Ankunft auf Malta galt es erst einmal, das große Hotel in Qawra, einem Teil der St. Pauls Bucht im Nordwesten, zu erkunden. Nach der Begrüßung durch Gundi Wagner, Gästebetreuerin der örtlichen Reiseagentur, wurden die Zimmer beziogenen. Ein wenig Ruhe war nötig, immerhin ging es am nächsten Tag gleich in die Hauptstadt der Insel: Valetta. Zusammen mit der einheimischen Reiseleiterin Mary Spiteri haben die Sonntagsblatt-Leser zunächst die Baracca-Gärten besucht, die einen traumhaften Blick auf den Großen Hafen boten. Während der Ausflüge erzählte Mary  viele Anekdoten über Malta und seine nicht einmal 500000 Einwohner. Malta selbst ist 28 Kilometer lang, von keinem Ort der Insel dauert es länger als eine halbe Stunde bis zum Meer. Vorausgesetzt natürlich, man gerät in keinen Stau.  

Malta – Insel der Ritter

Nach den Baracca-Gärten ging es vorbei am Sitz des Premierministers. Der befindet sich in der ehemaligen Kastillischen Herberge, einem Barockbau aus dem 18. Jahrhundert und ursprünglicher Palast der Johanniterriter. Dass Malta eine Insel der Ritter war, war fast an jeder Ecke zu bemerken. Kaum ein Souvenirladen ohne – mal mehr, mal weniger kitschige – Malteserkreuze. Im Jahr 1530 hatten die Johanniter Malta eingenommen, es war ein Geschenk Kaiser Karl V. 1571 wurde Malta schließlich offizieller Sitz des Malteserordens, der sich während der Reformation von  dem heute evangelischen Johanniterorden losgelöst hatte. Die von der Gruppe besichtigte prächtige St. Johns-Co-Kathedrale erzählt vom Leben dieser Ritter. Über 375 Ordensritter sind in ihr beigesetzt, aufwändige Marmorgrabplatten erzählen von ihren Taten.   

Stromausfall auf der ganzen Insel

Zu einem kurzen Schreck kam es am nächsten Tag bei einem Besuch in Mdina, der ehemaligen Hauptstadt der Insel. Vier Teilnehmer der Gruppe waren plötzlich verschwunden – sie waren wohl zu sehr in ein Gespräch vertieft gewesen. Nachdem sie wieder aufgetaucht waren, stimmte der Mitgereiste Pfarrer Reinhold Herbig aus Marktheidenfeld spontan in einer Kirche ein Danklied an. Und als die Gruppe einmal ihre Freude am gemeinsamen Singen entdeckt hatte, ließ sie es sich auch nicht mehr nehmen, jeden Tag mit einem Lied im Bus zu beginnen – sehr zur Freude von Fremdenführerin Mary, die Marienlieder und die Frankenhymne hatten es ihr angetan.   Der Ausflug nach Gozo, der kleinen Nachbarinsel Maltas, startete mit einer unruhigen Nacht: Auf ganz Malta war der Strom ausgefallen. Im Hotel sprang daraufhin ein Notstromaggregat an, das seinen Dienst zwar zuverlässig, aber auch äußerst laut verrichtete. Ihre gute Stimmung ließen sich die Reisenden aber dadurch nicht nehmen. Doch am nächsten Tag luden Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel wieder zum Entdecken ein. Auf Gozo, einer 14 Kilometer langen und sieben Kilometer breiten Insel, wartete zur Mittagspause ein traditionelles Gericht: In einem Lokal gab es eingelegten Pfefferkäse, frischen Ricotta, getrocknete Tomaten und – eine besondere Spezialität – frische Kapern. Dazu servierte die Besitzerin des Lokales, eine Britin, frisches Brot und diverse Hausweine.    Mary Spiteri berichtete während ihrer Ausflüge mit den Sonntagsblatt-Lesern viel vom Leben auf Malta. Die 60-Jährige führt schon seit 24 Jahren Gruppen durch die Orte und Städte der Inseln und spricht neben Maltesisch und Deutsch auch fließend Englisch, Spanisch und Italienisch. Verrückt seien die Malteser vor allem in einem Punkt, sagt sie. „Bei Hochzeiten.“ Summen von 20000 Euro seien da keine Seltenheit. Zufällig hat dann am gleichen Abend im Hotel eine Hochzeit stattgefunden. Mit einem Rolls Royce fuhr das Brautpaar vor, umgeben von mehreren Blumenmädchen und Brautjungfern.   Dafür wurde sogar der Privatstrand des Hotels teilweise gesperrt. Am Abend krönte das Paar seine Feier mit einem Hochzeitsfeuerwerk; sehr zur Freude der anderen Hotelgäste, die in den Genuss dieses Spektakels kamen.  Nachdenklich wurde die Stimmung, als wieder ein Flüchtlingsboot im Mittelmeer auftauchte. Vielen war das kurz zuvor geschehene Unglück mit fast 300 Toten vor der italienischen Insel Lampedusa noch im Gedächtnis geblieben. Dieses Mal ging es zum Glück glimpflicher aus. Viele der Flüchtlinge – hauptsächlich Syrer auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg – wurden gerettet und in Flüchtlingslager nach Malta gebracht.  

Sonne hier, Regen in der Heimat

Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst in der St. Barbara Kirche in Valetta. Dort finden jeden Sonntag Messen auf deutsch, englisch und französisch statt. Die deutsche Messe zelebrierte Vater John Sammut, der selbst früher Touristengruppen durch Malta geführt hatte, gemeinsam mit Pfarrer Reinhold Herbig. Zur Freude der anderen Besucher zeigte die Reisegruppe aus der Diözese wieder ihr Gesangstalent und stimmte zum Abschluss ein Marienlied an. Während der Reise haben sich die 35 Teilnehmer immer wieder Wetterberichte aus der Heimat zukommen lassen.   Kalt und regnerisch sei es in Unterfranken, berichteten Freunde und Angehörige. Umso mehr wurden dann Mittelmeer und laue Abende an der Hotelbar genossen. Doch es half nichts – irgendwann war der letzte Tag auf Malta angebrochen. Wer wollte, konnte an einem zusätzlichen Ausflug zum „Limestone Heritage“ teilnehmen. Hier wird gezeigt, wie in den vergangenen 100 Jahren Kalkstein, das wichtigste Baumaterial auf Malta, abgebaut wurde. Anschließend ging es noch in den botanischen Garten am Präsidentenpalast. Als besonderes Bonbon bekam die Gruppe sogar die Präsidentengattin zu Gesicht.    Am Abend gab es schließlich noch ein kulinarisches Schmankerl: Kaninchen, das maltesische Nationalgericht. Das Echo war eindeutig: So ein gut zubereitetes Kaninchen hatten viele schon lange nicht mehr gegessen. Gemeinsam mit Gundi Wagner und ihrer Schwester Jutta, der deutschen Hotelleitung, wurde es ein fröhlicher und geselliger Abend.  Besonders ins Herz geschlossen hatte die Gruppe am Ende wohl auch Busfahrer Martin, der stets sein Bestes gegeben hatte, um die Gruppe pünktlich und zuverlässig an ihr Ziel zu bringen; keine leichte Aufgabe angesichts des doch recht dichten Verkehrs.   Nach einem angenehmen Flug von Malta nach Frankfurt blickte man in zwar müde aussehende, aber doch viele zufriedene Gesichter. Malta hatte für die Reisegruppe seine Schatzkiste geöffnet und viele spannende Geschichten offenbart.  
Sophia Michalzik