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      In Aschenroth steht das 100. Jubiläum der Kirchweihe an − Gelegenheit, um auf die bewegten Anfänge zurückzublicken

      Projekt Kirchenbau trotz Hyperinflation geglückt

      Reges Treiben herrschte am 29. Juli 1923 in dem damals knapp 130 Einwohner zählenden Bauerndorf Aschenroth. Auch die Bauern aus dem benachbarten Neutzenbrunn mit seinen 57 Einwohnern waren gekommen, gehörte das Dorf Richtung Talgrund doch bereits von alters her zu Aschenroth. Jeder wollte dem größten Ereignis in der Geschichte des kleinen Gemeinwesens beiwohnen: der Weihe des Neubaus der Filialkirche „St. Maria Patronin Bayerns“ durch Pfarrer Hermann Stelzer (1878–1941).

      Bis zu diesem Datum besaßen beide Dörfer noch kein eigenes Gotteshaus – mussten die Gläubigen im benachbarten Seifriedsburg oder in Weyersfeld zur Kirche gehen. Am 17. September um 10 Uhr werden nun die Gläubigen aus den beiden Dörfern gemeinsam bei einem Festgottesdienst das 100-jährige Bestehen ihres Gotteshauses feiern – errichtet in der Zeit der größten Not.

      Bau trotz Geldentwertung

      Zur Kirchweihe vor 100 Jahren war auf die Saalehöhen zwischen Gemünden und Hammelburg neben Dekan Oskar Holzmann aus Gemünden auch geistliche Prominenz aus Würzburg angereist. Lediglich 15 Monate lagen zwischen der Grundsteinlegung am 17. April 1922 und der Weihe. Zu jener Zeit herrschte überall in Deutschland große Not. Dem Land machten vor allem die von Frankreich geforderten Reparationszahlungen wegen des verlorenen Ersten Weltkrieges zu schaffen. In der Bevölkerung rumorte es. Geld, viel Geld kam in Umlauf. Eine Hyperinflation brach sich Bahn. Gegen Ende der Geldentwertung im November 1923 kostete ein Ei unvorstellbare 320 Milliarden Mark. In dieser Zeit der großen finanziellen Unsicherheit, die bereits 1918 begonnen hatte, schaffte es die Bevölkerung von Aschenroth und Neutzenbrunn gemeinsam mit Pfarrer Otto Maucher gerade noch so, ihr langersehntes Gotteshaus zu vollenden.

      Die Pläne für einen eigenen Kirchenbau im Stil des barockisierenden Heimatstils hatte man laut Heimatforscher Eugen Hahn aus Aschenroth bereits um 1860 gehegt. Ein Geschwisterpaar namens Horn habe 6000 Gulden für den Bau in Aussicht gestellt. Da sich dieser aber verzögerte, „investierten“ die Horns lieber im Spessart-Wallfahrtsort Rengersbrunn. Weitere Baupläne scheiterten, wie zum Beispiel das Ansinnen des Bauunternehmers und passionierten Jägers Friedrich Buchner aus Würzburg, den Rohbau zu finanzieren. Als Gegenleistung erwartete der weitbekannte Geschäftsmann die Aussetzung seiner Jagdpacht für die nächsten 25 Jahre. „Damit haben sich vor allem die Neutzenbrunner nicht recht anfreunden wollen“, sagt Hahn im Gespräch mit dem Sonntagsblatt.

      20 Pfennige im Monat

      Bewegung in den geplanten Kirchenbau sei erst durch die Gründung eines Kirchenbauvereins gekommen. 1902 traten diesem 74 Gläubige aus Aschenroth und Neutzenbrunn bei. Die Mitglieder verpflichteten sich, 20 Pfennig im Monat in eine gemeinsame Kasse einzuzahlen. Auch wurden die Bürger aus beiden Ortschaften von der politischen Gemeinde darum gebeten, freiwillig das 30-fache der jährlichen Ortssteuer (wohl Grundsteuer) an den Kirchenbauverein zu zahlen. „Im Laufe der Jahre hat die Spendenfreudigkeit nachgelassen“, sagt Hahn und erklärt, dass während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) die Zahlungen sogar ganz zum Erliegen gekommen seien.

      Im November 1920, als der Kirchenbauverein rund 60000 Mark auf der hohen Kante hatte, beauftragte dieser den Architekten und Kunsthistoriker Hermann Stelzer (1878–1941) mit dem Bau der Kirche. Das 922 Quadratmeter große Grundstück stellte der Aschenrother Gastwirt Johann Fröhlich unentgeltlich zur Verfügung. So kam es, dass die Kirche am Ortseingang (von Seifriedsburg kommend) unmittelbar an der Dorfstraße errichtet wurde, und aufgrund des Zuschnitts des Grundstücks der Altarraum im Westen, und nicht wie üblich, im Osten zur Ausführung kam.

      Bereits im Mai 1921 wurde der vorgelegte Architekturplan von den Bürgern für gut befunden – mit einer einschiffigen Kirche und einer an der Ostseite durch zwei Rundbögen begrenzten Vorhalle. Das Langhaus besitzt drei Fensterachsen mit Segmentbögen, der Chor schließt im Westen den Kirchenbau mit einem Fünfachtelschluss ab.

      Selbstbewusster Bauherr

      Bereits vor der Grundsteinlegung im April 1921 hatte das Bischöfliche Ordinariat besorgt angefragt, wie man in Aschenroth die gewaltige Aufgabe finanziell stemmen wolle. Da die Gemeinde mit ihrem Bauverein Herr des Geschehens war, und nicht die Diözese, ließen sich die Aschenrother und Neutzenbrunner nicht hineinreden. Gleich nach der Baugenehmigung machte man sich ans Werk. Zu dieser Zeit betrug der Kostenvoranschlag noch 220000 Mark, wenig später sollten sich die Kosten laut Heimatforscher Hahn bereits verdoppeln haben.

      Mit dem Rohbau beauftragte man das Bauunternehmen Keidel aus dem benachbarten Hammelburg. Maurer und Helfer wohnten bis zur Fertigstellung bei den Holzrechtlern im Dorf – „Kost und Logis hatten sie frei“, erzählt Hahn. Den für den Bau vorgesehenen roten Sandstein stiftete Kilian Lutz aus Aschenroth in einem eigens von ihm für den Kirchenbau erschlossenen Steinbruch. Die rotsandsteinernen Formsteine besorgte sich der Bauherr für 14000 Mark im oberschwäbischen Saulgau. Am Bau beteiligten sich auch Bauern aus den umliegenden Dörfern, die kostenfrei Fuhr- und Spanndienste übernahmen.

      In einem Vierteljahr gebaut

      Als Mitte November 1923 die unstabile Rentenmark währungstechnisch die Reichsmark ablöste, der Wechselkurs der Mark zum Dollar 4,2 Billionen Mark betrug, war das große Gemeinschaftswerk Dank der Mitarbeit vieler Helfer bereits ein Vierteljahr vollendet. Langsam kehrte wieder Ruhe ein. Glücklicherweise schmerzte die Hyperinflation die Bauherren nicht. „Vielleicht im Gegenteil“, wie Hahn meint. Man habe frühzeitig mit den Planungen begonnen und diese auch zeitnah umgesetzt und wohl auch bezahlt.

      An der Einrichtung sparte der Bauherr auch nicht. Davon zeugen insgesamt drei Altäre. Den zweisäuligem barocken Hauptaltar besorgte man sich im Schloss von Wolfsmünster. Das Altarblatt stellt Maria mit dem Jesusknaben und Josef dar, gemalt von Eulogius Böhler (1861–1943) aus Würzburg. Die Bilder der beiden barockisierenden Seitenaltäre stammen von Hans Klein aus Würzburg; Dargestellt ist die Heilige Familie (rechter Altar) und „Christus als König“ (linker Altar). Zur weiteren Ausstattung gehören eine barocke Kanzel, eine kleine Orgel aus der Werkstatt von Michael Bittner (1816–1896) sowie ein Kreuzweg mit 14 Ölgemälden des Malers Joseph Nolten (1753–1810). Dieser Kreuzweg war laut Realschematismus der Diözese, 1922 nach Aschenroth gekommen, nachdem man ihn in Oberpleichfeld ausrangiert hatte. Wie viel die Einrichtung gekostet hat, darüber schweigen die schriftlichen Quellen.

      Keine starren Strukturen

      Wenn am Sonntag, 17. September, um 10 Uhr, Pfarrer Johannes Werst aus Wolfsmünster den Gottesdienst zelebriert, wird wohl angesichts des 100-jährigen Jubiläums auch so manch einer über die Zukunft der Kirche im Allgemeinen nachdenken. Doch in Aschenroth begegnet man Herausforderungen seit alters her mit kühlem Kopf. Als der Pfarrgemeinderat sich in jüngster Zeit auflöste, wurde er durch ein Gemeinderatsteam ersetzt. „Jetzt gibt es bei uns keine starren Strukturen mehr. Jeder kann da bei Aktionen mithelfen“, sagt Hubert Fröhlich, der diesem Team vorsteht. Eine Besonderheit zum Schluss: Als sich 1972 Aschenroth dazu entschloss, sich der Stadt Gemünden anzuschließen, musste der Rechtsnachfolger auch die Baulast der Kirche übernehmen. So hat die Stadt Gemünden bei der jüngsten Sanierung – durch Hebungen und Senkungen des Kirchenuntergrunds hatten sich Risse im Mauerwerk gebildet – tief in den Stadtsäckel gegriffen. Im Gegenzug rückten Freiwillige zum Großputz in der renovierten Kirche an. Dazu eingeladen hatte das Gemeindeteam.    

      Matthias Risser