Im Advent lohnt sich das Hinsehen. Dann leuchten in Karbach (Landkreis Main-Spessart) auf einmal geschmückte Fenster oder Hauseingänge in der Nacht. Papiersterne, Lichterketten, Kerzen und Krippenfiguren kündigen das nahe Weihnachtsfest an. Mitglieder der Gemeinde feiern am Sonntagabend vor einem der festlich gestalteten „Adventsfenster“ eine Andacht. Danach bleiben sie noch stehen, plaudern und stärken sich mit Glühwein und Gebäck. „So erreichen wir auch viele, die sonst nicht in die Kirche kommen“, erläutert Sandra Laudenbacher.
Aktive stiften Zusammenhalt
Die 49-Jährige ist Vorsitzende des Karbacher Gemeindeteams. Mit den anderen sieben Angehörigen ihres Teams lädt sie zu den Adventsandachten unter freiem Himmel ein. Die Abläufe und die Aufgabenverteilung haben sich eingespielt. Das sei wichtig, betont Laudenbacher. „Denn ein Ehrenamt ist auch mit Aufwand verbunden.“ Das Gemeindeteam wirbt Gastgeber für die „Adventsfenster“ an, bereitet die Andachten vor, hilft manchmal auch beim Auf- und Abbau.
Mitglieder eines Gemeindeteams stiften sozialen Zusammenhalt. Sie telefonieren, schreiben WhatsApp-Nachrichten, stellen Tische und Bänke für gemeinsame Feiern auf. Immer mit einem Ziel: damit andere Menschen miteinander in Kontakt kommen und zur Gemeinde werden können.
Am 1. März 2026 stehen in den bayerischen (Erz-)Bistümern Pfarrgemeinderatswahlen an. Dann werden im Bistum Würzburg entweder die Mitglieder von Gemeindeteams oder von Gemeinsamen Pfarrgemeinderäten neu gewählt. Während sich ein Gemeindeteam vorwiegend um das kirchliche Leben einer bestimmten Kirchengemeinde kümmert, tragen die Gemeinsamen Pfarrgemeinderäte Mitverantwortung für alle Gemeinden einer Pfarreiengemeinschaft. Welches Gremium sich zur Wahl stellt, entscheiden die Verantwortlichen vor Ort selbst. In Karbach werde das Gemeindeteam wohl wieder beim Gottesdienst gewählt, erzählt Sandra Laudenbacher. Pfarrer Stefan Redelberger hatte bei der Wahl 2022 die Gottesdienstbesucher um ihr Votum gebeten. Ihr Applaus ersetzte die Kreuze auf Wahlzetteln. Es war eine Wahl per Akklamation.
Zu Laudenbachers ehrenamtlichen Aktivitäten zählt auch das Kuchenbacken. Eier, Mehl und Backpulver brauchen sie und andere Freiwillige etwa für die Aktion „Kuchen to go“. Diese findet immer wieder statt. Dann verteilen die Mitglieder des Gemeindeteams Kuchenstücke in Paketen. Alle, die mögen, können gegen eine Spende ein Paket bekommen. Mit dem Spendengeld unterstützt das Gemeindeteam die Kirchenverwaltung, die Geld für die laufende Kirchenrenovierung braucht.
Weitermachen oder nicht?
Insgesamt kann sich Laudenbacher über viel Unterstützung aus den Reihen der Dorfgemeinschaft freuen. Bei den Adventsandachten beteiligen sich zum Beispiel die Dorfmusikanten, der Gesangverein oder der Fußballclub.
Trotz dieser guten Erfahrungen hat Laudenbacher entschieden, nach acht Jahren nicht mehr für das Gemeindeteam zu kandidieren. Insgesamt scheiden im kommenden Jahr in Karbach vier der acht Aktiven aus. „Es ist gut, wenn es immer wieder mal neue Mitglieder gibt“, findet sie. „Dann kommen frische Ideen rein, ohne die vieles eingefahren wäre.“ Sandra Laudenbacher wird sich dennoch weiter für die Gemeinde engagieren. Wenn eine Kuchenbäckerin oder eine Helferin beim Getränkeausschank gebraucht wird, will sie sich weiter einbringen. Rückendeckung ihres Ehemanns hat sie in jedem Fall. Dieser spielt in Karbach die Orgel.
In Ochsenfurt blickt Josef Pfeuffer, 65, auf Jahrzehnte im Pfarrgemeinderat zurück. Erfahrene Kräfte und Neumitglieder ergeben zusammen eine ideale Mischung, findet er. Zur Zeit stehen in den Pfarreiengemeinschaften Ochsenfurt und Tückelhausen in neun Kirchen Sammelboxen. Die sind bestimmt für die Zettel, auf denen Kirchenbesucher Kandidaten für die Wahl des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats vorschlagen können. „Die Anzahl von Vorschlägen ist niedrig, aber alle namentlich genannten Leute werden angefragt“, versichert Stephanie Klaiber, 56. Sie gehört dem Pfarrgemeinderat seit 2010 an.
Teamarbeit auch unter den Pfarreien
In Ochsenfurt und Tückelhausen kooperieren die Pfarrgemeinderäte seit 2023. Die gewählten Vertreter der neun Kirchengemeinden sind in einem Gemeinsamen Pfarrgemeinderat vereint. Dieser trifft sich etwa alle acht Wochen zu abendfüllenden Sitzungen. Martina Pohl, 52, vertritt Hopferstadt, das zur Pfarreiengemeinschaft Tückelhausen gehört. Sie hat nun ihre erste Wahlperiode hinter sich. „Die Arbeit im Team macht Spaß“, erklärt sie. Es sei gelungen, unterschiedliche Gemeinden miteinander zu vernetzen. Da gibt es zum Beispiel Unterschiede zwischen der Stadt Ochsenfurt und den Gemeinden im Umland.
„Es ist schwerer, in der Stadt Menschen zu organisieren“, findet Pfeuffer. Die Anonymität ist größer als zum Beispiel in Hopferstadt. Dort haben 2024 und 2025 alle Erstkommunionkinder mit dem Ministrieren begonnen, worüber sich Pohl besonders freut. Dann gibt es in manchen Gemeinden Bittgänge, in anderen nicht. Manche haben sich bei der Fronleichnamsprozession zusammengetan oder bei den Rorategottesdiensten im Advent. Der Wunsch von Kirchengemeinden nach Eigenständigkeit werde in jedem Fall respektiert, betonen die drei Ehrenamtlichen. Ebenso wie das Bedürfnis nach verstärkter Kooperation.
Plattform für schnellen Austausch
Beim Vernetzen und Zusammenwachsen hilft die App „Ochsenfurt katholisch“. Diese biete eine sichere Plattform für den schnellen Austausch, loben die Pfarrgemeinderatsmitglieder. Gemeindeteams, Gottesdienstbeauftragte, Ministranten und andere können sich über die Anwendung in mehreren offenen oder geschlossenen Gruppen austauschen.
Mithilfe der App werben die Ehrenamtlichen für ihre Aktionen, zum Beispiel für den Kleinochsenfurter Adventsmarkt oder das „Pilgern mit Pedalen“. Dabei fuhren am 1. Juni rund zwei Dutzend Radfreunde durch den Ochsenfurter Gau. Das niedrigschwellige Angebot richtete sich gezielt auch an Menschen, die der Sonntagsgottesdienst nicht mehr erreicht.
Ermutigung motiviert fürs Ehrenamt
Ermutigung aus den Gemeinden motiviert die Ehrenamtlichen. „Nach dem Friedhofsgang an Allerheiligen haben wir zum Beispiel von mehreren gehört, dass es sehr schön war“, erinnert sich Martina Pohl. Sie wird sich im März 2026 wieder zur Wahl stellen, ebenso wie ihre Kollegen Stephanie Klaiber und Josef Pfeuffer. „Wenn man eine positive Rückmeldung bekommt, denkt man sich: Es hat sich gelohnt“, unterstreicht Klaiber.
Von Ulrich Bausewein
Pfarrgemeinderatswahl am1. März 2026 – kurz erklärt
Die Pfarrgemeinderatswahl am 1. März 2026 in Bayern steht unter dem Motto „Gemeinsam gestalten – gefällt mir“. Die Wahl findet alle vier Jahre statt. Im Bistum Würzburg sind Katholiken ab 14 Jahren in der Gemeinde wahlberechtigt, in der sie wohnen. Wählbar sind Katholiken ab 16 Jahren. Die Gemeinsamen Pfarrgemeinderäte im Bistum Würzburg haben in Rücksprache mit den örtlichen Gemeindeteams entschieden, ob der Gemeinsame Pfarrgemeinderat oder die Gemeindeteams einer Pfarreiengemeinschaft zur Wahl stehen. Die Entscheidung darüber steht den Ehrenamtlichen frei.
Die Wahlausschüsse haben mit Gemeindeteams oder Gemeinsamen Pfarrgemeinderäten geklärt, wie die Wahl ablaufen soll. Bei der Wahl eines Gemeindeteams sind Allgemeine Briefwahl, Urnenwahl oder die Wahl in einer Versammlung möglich. So wird das Gemeindeteam in Karbach zum Beispiel beim Sonntagsgottesdienst gewählt. Bei der Wahl eines Gemeinsamen Pfarrgemeinderats sind Urnenwahl oder Allgemeine Briefwahl möglich. Die Allgemeine Briefwahl wird zum Beispiel in den Pfarreiengemeinschaften Ochsenfurt und Tückelhausen angewandt.
Die Pfarrgemeinderatswahl kann als Listenwahl oder als Persönlichkeitswahl stattfinden. Bei der Listenwahl kreuzen die Wahlberechtigten auf der Kandidatenliste die Personen ihrer Wahl an. Eine Persönlichkeitswahl findet statt, wenn weniger oder genauso viele Kandidaten gefunden wurden, wie gewählt werden können. Dann können Wahlberechtigte weitere Personen auf dem Stimmzettel ergänzen und sogar alle ihre Stimmen an diese eigenständig Ergänzten vergeben. Findet eine Persönlichkeitswahl statt, informiert der zuständige Wahlausschuss die Wahlberechtigten. Die Anzahl der maximal abzugebenden Stimmen hängt von der Größe des zu wählenden Gremiums ab.
von Ulrich Bausewein



