Von der Weihnachtskrippe bis zur Arche Noah, von den Pyramiden bis zur Geschichte von Josef und seinen Brüdern, vom armen Lazarus vor der Tür des reichen Mannes bis zum Auszug des Volkes Israel aus Ägypten durchs Rote Meer: Thomas Elbert hat dutzende Bibel-Szenen in Lego nachgebaut. „In meiner Zeit am Lehrstuhl für Neues Testament ist zum ersten Mal die Idee entstanden, Gleichnisse aus der Bibel bildlich darzustellen“, erzählt der Pfarrer. Ab 23. Januar ist vieles davon in Sandberg zu sehen. Bis dahin ist aber noch viel zu tun: „Ich muss sicher noch einige Nachtschichten einlegen“, sagt Elbert lachend.
Kaplan in Fladungen
Schon als Kind habe er gerne und viel mit Lego gespielt. In der Corona-Zeit hätten dann seine Neffen die Lego-Steine wiederentdeckt. Elbert, Jahrgang 1982, ist spätberufen. Er stammt aus Wenighösbach (Pastoraler Raum Aschaffenburg-Ost). Nach Realschulabschluss, kaufmännischer Ausbildung und Berufsoberschule studierte er Betriebswirtschaft und Recht. Als Diplom-Betriebswirt (FH) arbeitete er bei der Börsen-Zeitung und bei der Bundesbank im Bereich Bundeswertpapiere. 2014 trat er ins Würzburger Priesterseminar ein, von 2015 bis 2020 studierte er in Würzburg und Fribourg (Schweiz) Katholische Theologie. Nach der Priesterweihe am 4. Juni 2022 war Elbert Kaplan im Pastoralen Raum Haßberge Süd. Ab September 2022 wirkte er als Kaplan im Pastoralen Raum Mellrichstadt.
In Rauhenebrach habe er für Kindergartenkinder 2021 eine erste Lego-Krippe aufgebaut, weil es während der Corona-Pandemie einfach so wenige Möglichkeiten zur direkten Begegnung gegeben habe. In seiner Zeit in Fladungen seien dann vor allem Anregungen aus dem Lehrplan dazugekommen. Die Idee kam gut an: „Zum freiwilligen Bastel-Termin sind alle Schüler gekommen.“ In Fladungen machte er auch seine ersten Ausstellungen, damals ausgehend von der Weihnachtskrippe noch im Advent. Wie begeistert die Kinder waren, sieht man auch am Abschiedsgeschenk der Grundschule Nordheim: Schülerinnen und Schüler haben ihm eine Vase aus beschrifteten Lego-Steinen gebastelt und mit Lego-Blumen gefüllt. Das Geschenk hat einen Ehrenplatz in seiner Wohnung.
Umzug ins Sandberger Pfarrhaus
Seit 1. September sind nun Thomas Elbert und Bertram Ziegler die beiden neuen Teampfarrer für den Pastoralen Raum „Am Kreuzberg“. Elbert wohnt zunächst im Sandberger Pfarrhaus, seine Wohnung dort und die frühere Wohnung der Haushälterin sind nun Lego-Werkstatt. Mehrere Millionen Steine habe er mittlerweile verbaut. Den Ruf als „Lego-Pfarrer“ habe er von Fladungen mit nach Sandberg genommen, erzählt er lachend. Der Spitzname macht dem 43-Jährigen aber nichts aus: „Beim Gespräch über die Lego-Szenen ist wirklich Seelsorge möglich“, berichtet er, und: „Es kommen viele zu den Ausstellungen, die sonst nie mit einem Priester sprechen würden.“
Der Zugang ist spielerisch: Szenen wie die Weihnachtskrippe oder Moses im Körbchen würden sich von selbst erklären, bei anderen Szenen liefert Elbert kleine Texte. Ältere Kinder würden die Geschichten aus der Bibel selbst lesen, bei jüngeren Kindern lesen Erwachsene vor. „Das ist ganz selbstverständlich, während vermutlich daheim nie jemand auf die Idee käme, aus der Bibel vorzulesen.“
Für Elbert ist das Zusammenstecken der Lego-Bausteine ein guter Ausgleich zum Alltag. Wenn er aus Sitzungen oder von Notfällen komme, setze er sich oft an den Basteltisch. „Das ist eine gute Möglichkeit, den Kopf frei zu kriegen.“ Wenn er mit seinen Schulklassen arbeite, sei das immer ein Gemeinschaftserlebnis und gegenseitige Inspiration. Eine frühere Schulklasse habe sich zum Beispiel selbst beim Zug durchs Rote Meer dargestellt. Auf dem Foto kann Elbert heute noch die Namen aller Schüler aufzählen, die in der Gruppe mit kleinen Lego-Figuren verewigt sind.
Kostspielige Wertanlage
Die Lego-Steine kauft er gebraucht von Händlern, trotzdem sei das ein teures Hobby. „Da steckt ein Kleinwagen drin“, sagt er mit Blick auf die vielen Tafeln. Allerdings ist sich der frühere Banker sicher, dass es eine beständige Wertanlage ist. Schließlich würden einzelne Figuren aus seiner Sammlung mittlerweile teuer gehandelt. Manchmal tausche er Sets gegen Steine ein oder verkaufe seltene Sammlerstücke.
40 auf 40 Zentimeter sind die Grundelemente groß. Sie werden aneinander gelegt und mit Steinen verbunden. Die größte Ausstellungsfläche bestehe mittlerweile auf sechs mal 13 Platten, also 2,40 auf 5,20 Meter. Viele Landschaften sind noch aufgebaut, manches hat den Umzug allerdings nicht überstanden, so sind zum Beispiel auf dem Weinberg viele Rebstöcke umgefallen. Die Figuren hat Pfarrer Elbert alle rausgenommen, vieles muss also neu aufgebaut werden. Zudem hat er sich neue Projekte für die Ausstellung in Sandberg vorgenommen, etwa eine 80 Zentimeter lange Sphinx. Ob die allerdings rechtzeitig fertig wird, ist noch offen. Anregungen für seine Figuren holt er sich aus dem Internet, beim Bau selbst improvisiere er aber. Manchmal komme auch erst beim Bau die Idee, wie er ein Gleichnis mit den kleinen bunten Steinen am besten erzählt.
Info zur Ausstellung
Zu sehen ist die Ausstellung „Bibel einmal anders“ in der Pfarrscheune Sandberg, Kreuzbergstraße 14, an folgenden Tagen: an den Freitagen 23. und 30. Januar sowie 6. Februar jeweils von 13 bis 18 Uhr, an den Samstagen und Sonntagen 24. und 25. Januar, 31. Januar und 1. Februar sowie 7. und 8. Februar von 12 bis 18 Uhr. Pfarrer Thomas Elbert ist an diesen Tagen selbst vor Ort.
Ministranten- und Kommunion-Gruppen können Zusatztermine bei Pfarrer Elbert anfragen: Telefon 09701 9079721, Mail thomas.elbert@bistum-wuerzburg.de.
Der Eintritt ist frei, Spenden gehen ans Caritas-Kinderdorf Riedenberg. Theatergruppe, Kirchenchor, Minis und Frauenbund sorgen für die Verpflegung, der Erlös davon bleibt im Ort.
Von Ralf Ruppert



























































































