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      Gedanken zum Evangelium - Siebter Sonntag der Osterzeit

      Nicht ganz von hier?

      Jesus sagt im Evangelium, dass seine Jünger nicht von der Welt seien. Was soll das bedeuten? Halten sich Jesus und seine Anhänger etwa für bessere Menschen? Die Franziskanerin Schwester Maria Magdalena Jardin hat eine Idee, was Jesus gemeint haben könnte.

      Evangelium

      In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir! Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie ­behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte. Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

      Johannes 17,6a.11b–19

      Schwester Maria Magdalena, Jesus sagte, dass seine Jünger „nicht von der Welt“ seien. Welche Welt haben Sie verlassen, als Sie Franziskanerin wurden?

      Ich glaube, ich habe die Welt des Eigentums verlassen. Als Franziskanerinnen haben wir keinen Besitz. Das macht sich auch im Kleinen bemerkbar. Ich sage nicht „mein PC“, weil das nicht meiner ist.

      Wie hat sich die Entscheidung damals angefühlt?

      Zum ersten Mal habe ich diese Konsequenz gespürt, als ich mein Pferd verkauft habe. Meine Familie hatte Pferde und ein Café. Als Älteste sollte ich das Geschäft fortführen. Als jemand dann tatsächlich mein Pferd kaufte, war es für mich wie ein Stich ins Herz. Ich dachte: Ja, das hast du jetzt von deiner Entscheidung. Und was du dafür bekommst, das kannst du nicht sehen, bestenfalls fühlen.

      Sie haben nicht gewusst, was Sie bekommen werden?

      Ja, das ist das Risiko. Natürlich hatte ich Freude mit diesem Pferd, mit dem Café, mit meiner Familie. Damit verband ich ganz viel. Trotzdem war die Entscheidung irgendwann innerlich klar: Das Ordensleben, das Leben in der Nähe Jesu, das zieht mich.

      Was haben Sie gewonnen?

      Ich glaube, ich habe eine große innere Freiheit gewonnen und einen inneren Eigenstand im Blick auf meine eigene Spiritualität. Natürlich haben wir eine franziskanische Spiritualität, aber dennoch gibt es für mich eine große innere Freiheit, die unbedingt mit Jesus von Nazaret zu tun hat.

      Wie verstehen Sie dann dieses „nicht von der Welt sein“?

      Natürlich lebe ich in der Welt mit allem, was da gelöst und verantwortet werden muss. Aber es gibt eine Motivation und eine Kraft in mir. Und die kommt von Jesus Christus.

      Man könnte den Satz auch abwertend verstehen und fragen: Halten sich die Jüngerinnen und Jünger Jesu für etwas Besseres?

      Jesus selbst hat sich mit Leib und Seele dieser Welt zugewandt. Wir kennen ihn als den, der bei der Hochzeit zu Kana gefeiert hat. Ich glaube, es ist nicht etwas Lebensverachtendes, das Jesus hier meint, im Gegenteil. Wir sollen mit unserem Leben auch die Welt bereichern. Gerne auch eine Botschaft haben für die Welt und sehr praktisch mit den Menschen leben. Nur der letzte Grund, auf dem wir stehen, der letzte Boden, das sollte das Vertrauen auf Jesus Christus sein.

      Was heißt dann „nicht von der Welt sein“?

      Wer sich ernsthaft mit Jesus Christus beschäftigt, der spürt, da ist eine Kraft von Gott, die ihn trägt. Und da, glaube ich, ist der Unterschied. Ich glaube, wir haben einen anderen Grund, auf dem wir stehen, der uns trägt und segnet. Das, was uns die Welt manchmal so anbietet, das müssen wir nicht alles nehmen. Wir müssen uns nicht an jedem Sonderangebot festmachen. Gott sei Dank nicht. So schön das auch manchmal ist. Wir Schwestern mögen auch das Schöne.

      Was bedeutet „nicht von der Welt“, wenn man nicht gleich in einen Orden eintritt?

      Wenn meine Entscheidungen sich an Gott abringen, dann bin ich nicht von der Welt. Wenn ich fokussiert bin auf Gott und nicht auf den letzten Cent, den ich verdiene, dann ist das bei Menschen, die nicht im Orden leben und ganz gewöhnliche Berufe haben, ganz genauso Nachfolge Jesu.

      Ist Ihr Gästekloster auch so eine Insel in der Welt, aber nicht von der Welt?

      Gäste können hier erleben, dass wir mitten in der Welt leben, dass wir einkaufen und alltägliche Sorgen haben. Und trotzdem spüren sie, dass wir eine andere Priorität gesetzt haben. Sie wollen wissen, mit welcher Haltung wir unser Leben bestehen.

      Es geht also nicht darum, die Welt hinter sich zu lassen?

      Das Kloster ist unsere Welt. Aber wenn wir es mit unserem Ordensgründer Franziskus von Assisi denken, ist auch die Welt unser Kloster. Er sah in der Welt ein einziges Kloster, um nah bei den Menschen zu sein. Das heißt für uns: Was unsere Gäste und Nachbarn beschäftigt, was ihnen Sorgen macht oder sie freut, das ist auch unsere Welt.

      Werden Sie durch Ihr Ordenskleid manchmal wahrgenommen wie aus der Welt gefallen?

      Manchmal werde ich von jungen Leuten gefragt: „Bist Du churchie? (kirchlich – Anm. d. Red.)“ Dann sage ich: „Ja, ich bin churchie, aber es ist okay für mich, es ist mein Ding.“ Und dann gucken sie ein bisschen komisch. Aber ich glaube, sie spüren, dass ich dazu stehe, dass mein Ordenskleid keine Verkleidung ist.

      Interview von Barbara Dreiling