Der künftige Wiener Erzbischof Josef Grünwidl verdankt seine Berufung unter anderem einem Jahr in Deutschland. Das sagte er in einem Interview mit der österreichischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Demnach fiel seine Entscheidung für den Priesterberuf während seines Auslandsjahrs 1983/84 in Würzburg. Schon als Ministrant in seiner Heimatgemeinde hätten ihn die Liturgie und die Kirchenmusik fasziniert. In Würzburg habe ihn vor allem die Gemeindearbeit bestärkt: „Da habe ich gesagt: ‚Das ist meine Berufung: Ich möchte in der Kirche für die Menschen und für Christus arbeiten.‘“ Eine Sprecherin des Erzbistums Wien teilte auf Nachfrage des Sonntagsblatts mit, dass Grünwidl während seines Auslandsjahres als Seminarist vor allem in den Pfarreien Heidingsfeld und am Heuchelhof tätig war.
Quartier bei Protestanten
Das Jahr in Würzburg sei eine intensive Zeit mit tollen Professoren gewesen, heißt es weiter aus Wien. Es habe schöne, ökumenische Begegnungen gegeben, unter anderem habe er bei einer evangelischen Familie gewohnt. „Würzburg ist eine wunderschöne Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe“, zitiert die Sprecherin den künftigen Erzbischof. Kontakte nach Würzburg gebe es heute allerdings keine mehr, weil sowohl die Vermieter als auch die Pfarrer von damals bereits verstorben seien.
Die Spurensuche im Bistum Würzburg ist schwierig: Die Redaktion hat niemanden gefunden, der sich an den jungen österreichischen Austausch-Studenten erinnert. Den Priester-Weihe-Jahrgängen Mitte der 1980er Jahre sagt auf Nachfrage der Name Josef Grünwidl nichts. Dr. Helmut Gabel fungierte ab 1983 als Subregens im Priesterseminar: „Wenn jemand als Seminarist sein Freijahr in einer anderen Diözese macht, wohnt er ja privat und hat in der Regel keine Verbindung zum dortigen Priesterseminar.“
Auch am Heuchelhof ging die Spurensuche ins Leere. Wolfgang Bullin, langjähriger Chefredakteur des Sonntagsblatts und mittlerweile stellvertretender Vorstand der Kirchenverwaltung Heuchelhof, hat keine Zeitzeugen gefunden, die sich an den jungen Josef Grünwidl erinnern. In Heidingsfeld erinnert sich Ernst Reusch (79) zwar an einen im Ort tätigen Priester, der später Bischof wurde, der hieß jedoch Franz Xaver Eder. Eder (1925–2013) studierte in den 1960er Jahren in Würzburg und arbeitete in Heidingsfeld mit. Von 1984 bis 2001 war er Passauer Bischof.
Amt zunächst abgelehnt
Josef Grünwidl wurde nach seiner Zeit in Würzburg Zeremoniar des damaligen Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl (1931–2023). Das habe die Erfahrungen aus Würzburg untermauert: „Ich war dann zwei Jahre mit ihm unterwegs, auch bei vielen Pfarrbesuchen, und habe auch sehr viele Kontakte mit Pfarrgemeinden und Menschen gehabt – und da ist noch einmal klarer geworden: Das ist mein Weg, als Priester bei den Menschen zu sein und Kirche zu leben.“
Grünwidl wünscht sich, auch als Bischof Seelsorger bleiben zu können und nah bei den Menschen zu sein. „Ich hoffe, dass ich als Bischof der Erzdiözese Wien nicht im Management und in reinen Verwaltungsaufgaben aufgehe.“ Grünwidl hatte das Amt des Erzbischofs von Wien zunächst „aus großem Respekt vor diesem hohen Amt und auch vor den großen Herausforderungen“ abgelehnt. Allerdings habe er viel Zuspruch von Gläubigen bekommen, auch der Apostolische Nuntius blieb hartnäckig. Grünwidl hat am Ende nach eigenen Worten erkannt: „Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar.“ Jetzt könne er „aus vollem Herzen ‚Ja‘“ zu seiner neuen Aufgabe sagen.
Vorgänger Schönborn
Grünwidl wird am 24. Januar zum 33. Bischof und 17. Erzbischof von Wien geweiht. Die Feier beginnt um 14 Uhr im Stephansdom und wird von Grünwidls Vorgänger geleitet, dem emeritierte Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn. Er wurde 1945 im Sudetenland als Christoph Maria Michael Hugo Damian Peter Adalbert Graf von Schönborn geboren. Damit gibt es eine weitere Verbindung nach Unterfranken, weil das Geschlecht der Schönborns drei Würzburger Fürstbischöfe stellte: Johann Philipp von Schönborn (1642–1673), Johann Philipp Franz von Schönborn (1719–1724) und Friedrich Karl von Schönborn (1729–1746).
Der aktuelle Würzburger Bischof Dr. Franz Jung hat Josef Grünwidl zu seiner Ernennung gratuliert. Bei der Bischofsweihe in Wien ist allerdings keine Vertretung aus dem Bistum Würzburg geplant.
Wissen Sie mehr?
Unsere Spurensuche war erfolglos, aber vielleicht können Sie sich an Josef Grünwidl in Würzburg erinnern oder haben sogar ein Foto aus der Zeit? Dann freuen wir uns über eine Nachricht an info@sobla.de.
Von Ralf Ruppert

