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Meister des geformten Lichts

KLINGENBERG. Licht ist Kraft, Licht ist Energie, Licht steht für Neubeginn und Hoffnung. Licht ist darum auch ein Zeichen für Auferstehung und Erlösung. Als Hans König in den 1950er Jahren aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und damit begann, seine eigenwilligen Kunstwerke zu schaffen, herrschte der Geist des Neuanfangs, des Wiederaufbaus. König schuf mit seinen vom Licht als wichtigstem Gestaltungselement getragenen Arbeiten die passende Kunst dazu.
2013 hätte der weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannte Künstler seinen 100. Geburtstag gefeiert, doch Hans König ist 2005 verstorben. In den 1950er Jahren machte er sich durch die Gestaltung von Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Plätzen einen Namen. Ab den 1960er Jahren gestaltete er, ausgehend von seinem Konzept des „geformten Lichts“, international beachtete Glasplastiken und Metallskulpturen.   Geboren wurde König am 23. Dezember 1913 in Bad Warmbrunn im Riesengebirge. Den Großteil seines Lebens aber verbrachte der Mosaik- und Glaskünstler im Klingenberger Stadtteil Trennfurt. König hatte an der Werkkunstschule Berlin und der Kunstakademie Dresden studiert. Als er 32 Jahre alt war, stellten ihm die Trennfurter Albertwerke ein Atelier zur Verfügung. Die Fabrik verarbeitete noch bis vor wenigen Jahren den in den Klingenberger Bergwerken gewonnenen Ton zu Fliesen und Platten. Die Klingenberger Keramik war Königs wichtigster Werkstoff. Mit ihm gestaltete er Mosaikwände für zahlreiche Kirchen und öffentliche Gebäude am Untermain und im Rhein-Main-Gebiet.  

Keine Kriegsknechte mehr

Gleich zu Beginn seines Schaffens entstand eines seiner Hauptwerke, der Kreuzweg der Kirche St. Maria Magdalena in Trennfurt am Main (Dekanat Obernburg). Mit dem aus tausenden kleinen, unregelmäßig gebrochenen Mosaikstückchen zusammengesetzten Kreuzweg, den er 1954 nach zweijähriger Arbeit fertiggestellt hatte, setzte der Bildhauer ein deutliches Zeichen gegen die NS-Jahre und ihr aggressives Pathos. In seinem Kommentar notiert er: „Keine Kriegsknechte mehr, keine Massenszenen, keine grölende Menge. Kein Verharren im Destruktiven durch ewige Wiederholung, kein Beharren auf Jammern und Verzweiflung.“   In 14 Stationen zeigt Hans König den Heiland als demütigen Mann, der sich für die Menschen hingibt und stellvertretend für sie leidet. Im Leuchten der Gesichter oder im Glänzen des Scheins, der das Haupt Christi umgibt, ist die heilsgeschichtliche Bedeutung des Geschehens zu erahnen.    Königs Schaffen fällt in eine Zeit, in der Kunst und Gesellschaft gegen alles Traditionelle, Verbindliche und Formbezogene rebellierten. Mit der Keramik findet er dafür einen passenden Werkstoff. Das Zerbrechen und Wiederzusammenfügen des spröden Materials verleiht den Bildern Ursprünglichkeit. Zudem zwingt es zu vereinfachten Formen, Flächen und Linien. Doch für eine  platte Politisierung taugt sein Werk nicht. Für den Christen Hans König hat die Kunst die zeitlose Aufgabe, dem menschlichen Leben Sinn und Würde zu verleihen.  

Banausen zerstören Kunst

Mit der Zeit verliert Königs Kunst  ihre Verbindung zum Gegenständlichen. Ab 1960 bricht und schneidet er Glas so, dass es das Licht einfängt und lenkt. Aus aufeinander gelegten Glasschichten entstehen  schwerelos wirkende, gedrehte und gefächerte Gebilde. Intensiv beschäftigte er sich damals auch mit der Hinterglasmalerei, bei der er auf eine dünne Glasscheibe lichtundurchlässige Farben aufträgt. In den 1970er und 80er Jahren kombiniert er dann Glas mit Metall zu Skulpturen.   Doch nicht überall hat man die Bedeutung des Bildhauers erkannt. Mit der Zerschlagung der Farbwerke Hoechst räumten Kunstbanausen auch das 36 Meter lange und 2,50 Meter hohe Wandmosaik, das König für das Empfangsgebäude geschaffen hatte, ab. Eines der Meisterwerke der westdeutschen Kunst der 1950er Jahre war unwiderbringlich verloren. 

Christian Ammon