Keine Kriegsknechte mehr
Gleich zu Beginn seines Schaffens entstand eines seiner Hauptwerke, der Kreuzweg der Kirche St. Maria Magdalena in Trennfurt am Main (Dekanat Obernburg). Mit dem aus tausenden kleinen, unregelmäßig gebrochenen Mosaikstückchen zusammengesetzten Kreuzweg, den er 1954 nach zweijähriger Arbeit fertiggestellt hatte, setzte der Bildhauer ein deutliches Zeichen gegen die NS-Jahre und ihr aggressives Pathos. In seinem Kommentar notiert er: „Keine Kriegsknechte mehr, keine Massenszenen, keine grölende Menge. Kein Verharren im Destruktiven durch ewige Wiederholung, kein Beharren auf Jammern und Verzweiflung.“ In 14 Stationen zeigt Hans König den Heiland als demütigen Mann, der sich für die Menschen hingibt und stellvertretend für sie leidet. Im Leuchten der Gesichter oder im Glänzen des Scheins, der das Haupt Christi umgibt, ist die heilsgeschichtliche Bedeutung des Geschehens zu erahnen. Königs Schaffen fällt in eine Zeit, in der Kunst und Gesellschaft gegen alles Traditionelle, Verbindliche und Formbezogene rebellierten. Mit der Keramik findet er dafür einen passenden Werkstoff. Das Zerbrechen und Wiederzusammenfügen des spröden Materials verleiht den Bildern Ursprünglichkeit. Zudem zwingt es zu vereinfachten Formen, Flächen und Linien. Doch für eine platte Politisierung taugt sein Werk nicht. Für den Christen Hans König hat die Kunst die zeitlose Aufgabe, dem menschlichen Leben Sinn und Würde zu verleihen.Banausen zerstören Kunst
Mit der Zeit verliert Königs Kunst ihre Verbindung zum Gegenständlichen. Ab 1960 bricht und schneidet er Glas so, dass es das Licht einfängt und lenkt. Aus aufeinander gelegten Glasschichten entstehen schwerelos wirkende, gedrehte und gefächerte Gebilde. Intensiv beschäftigte er sich damals auch mit der Hinterglasmalerei, bei der er auf eine dünne Glasscheibe lichtundurchlässige Farben aufträgt. In den 1970er und 80er Jahren kombiniert er dann Glas mit Metall zu Skulpturen. Doch nicht überall hat man die Bedeutung des Bildhauers erkannt. Mit der Zerschlagung der Farbwerke Hoechst räumten Kunstbanausen auch das 36 Meter lange und 2,50 Meter hohe Wandmosaik, das König für das Empfangsgebäude geschaffen hatte, ab. Eines der Meisterwerke der westdeutschen Kunst der 1950er Jahre war unwiderbringlich verloren.Christian Ammon


