Biblische Themen
Weil er selbst ein „sehr religiöser Mensch“ sei, gestaltet Tupa am liebsten biblische Themen: Das Spektrum reicht von der alttestamentlichen Arche über Anden-Krippen und Szenen aus der Weihnachtsgeschichte bis hin zu Leidensdarstellungen und Kruzifixen. Mit seiner „Taytacha de los temblores“ (Schwarzes Kreuz von Cusco) errang Sabino Tupa heuer gar den ersten Platz des nationalen Kunsthandwerkerpreises, der seit 20 Jahren von der Künstlervereinigung und Handelsorganisation Inti Raymi ausgelobt und vom FAIR-Handel Münsterschwarzach unterstützt wird. Inti Raymi ist es auch zu verdanken, dass Tupa mittlerweile auch in Europa bekannt und geschätzt ist. Gegründet wurde die heute weltweit agierende Organisation von Orlando Vasquez (geboren 1953 in Lima) und seiner deutschen Frau Linda Kellhammer. In Nuevo Lurin, etwa 40 Kilometer südlich von Lima, eröffnete das Paar 1982 eine erste Künstler-Werkstatt, um den Menschen aus ländlichen Andenregionen wie Ayacucho eine Lebensperspektive zu verschaffen. Gerade sie, die Ärmsten der Armen, traf der Bürgerkrieg zwischen Staatsmacht und der maoistischen Rebellen-Bewegung Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) damals am ärgsten. Immer wieder standen sie in dem blutigen Guerilla-Krieg, der rund 70 000 Todesopfer forderte, zwischen zwei Feuern, und so flüchteten viele schließlich nach Nuevo-Lurin. Für sie wurde das Kunsthandwerk zur oft einzigen Einkommensquelle, die Werkstätten von Orlando Vasquez zum Rettungsanker.Fest der Sonne
Als sich mit den Jahren immer mehr Kunsthandwerker aus ganz Peru anschlossen, war die Kunsthandwerker-Vereinigung Inti Raymi geboren. Während man mit der Namensgebung (Fest der Sonne) bewusst an die alte Inkakultur anknüpfen wollte, wiesen die Ziele von Anfang an in die Zukunft: Erklärte Hauptanliegen sind die Förderung des peruanischen Kunsthandwerks, faire Preise und Arbeitsbedingungen sowie die Verbesserung der Lebensqualität durch Sozial-Programme und Investitionen. Mittlerweile gehören der Organisation etwa 200 Künstler an, die mit den unterschiedlichsten Materialien und in den verschiedensten Techniken und Stilrichtungen arbeiten. In Nuevo Lurin ist ein regelrechtes Handwerkerdorf mit Wohneinheiten, Werkstätten, Schulungsräumen, einem kleinen Museum sowie einer Gesundheitsstation entstanden; außerdem können die Handwerker günstige Kredite zur Anschaffung von Rohmaterialen oder für Investitionen in Anspruch nehmen.Produkte aus Alpaka
Einen guten Teil der dafür notwenigen Gelder erwirtschaftet die Firma Raymisa S.A, die den Vertrieb der Waren übernimmt. Während der lokale Markt sich im Wesentlichen auf Touristen beschränkt, gehen 95 Prozent der Produkte nach Europa, wo sie über FAIR-Handels-Organisationen verkauft werden. In Deutschland ist der FAIR-Handel Münsterschwarzach einer der wichtigsten Handelspartner von Inti Raymi, die Auswahl an Tupa-Stücken ist hier gar bundesweit einzigartig. Ein weiteres Produkt, das auch Vasquez’ Sohn am Herzen liegt, sind Textilien aus Alpakawolle. In Münsterschwarzach berichtete Jano Vasquez Kellhammer, der bei der peruanischen FAIR-Handelsorganisation Raymisa in der Produktentwicklung und Vermarktung tätig ist, vom Alpaka-Projekt in Tinki, einem unwirtlichen Andendorf auf 4200 Metern Höhe. „Die Haupterwerbsquelle der dort lebenden Q’ero-Indianer ist seit alters her die Alpakazucht“, so Vasquez. Aus Unwissen hätten die Alpakeros ihre edle, hochpreisige Alpaka-Wolle jedoch weit unter Wert verkauft, Inzucht unter den Alpakas habe zudem zu einer Verschlechterung der Wollqualität und damit zu schlechteren Preisen geführt. „An diesem Punkt haben wir vor 20 Jahren angesetzt“, erzählt Vasquez.Hohe Woll-Qualität
Neue Tiere wurden finanziert, eine Solarwaschanlage gebaut, Spinngeräte angeschafft und die Menschen über die richtige Zucht, Haltung und Schur der Tiere informiert. „Allein durch die Trennung der Wolle in verschiedene Qualitäten bekommen die Alpakeros heute erheblich mehr für ihre Ware“, so Vasquez stolz. Enorme Fortschritte habe man auch auf dem Gebiet der Verarbeitung gemacht. Statt dicker Pullover in traditionellen Mustern gibt es heute Kleidung in verschiedensten Farben, Qualitäten und Strickarten. Vor allem die Thermoqualität der Wolle – im Winter wärmend, im Sommer kühlend – finde bei den Kunden Anklang und sorge dafür, dass die Produzenten nicht mehr vom „Winterprodukt“ Alpaka abhängig sind. „Inti Raymi und der Faire Handel erweisen sich einmal mehr als Riesenchance für die Menschen und die Entwicklung des Landes und sie zeigen, dass Peru mehr zu bieten hat als nur Kaffee und Kakao“, so Vasquez.Anja Legge

