„Es ist keine einfache Position, die Betriebsräte in Unternehmen inne haben“, sagt Köhler. Als Sozialberater in der Betriebsseelsorge des Bistums arbeitet er mit rund 80 bis 100 Mittel- und Kleinbetrieben zusammen, berät und unterstützt vor allem die Arbeitnehmerseite. Der Betriebsrat habe die Aufgabe, sich für die Belange der Kolleginnen und Kollegen einzusetzen und gleichzeitig das Wohl des Betriebes im Blick zu behalten. Daneben habe er darüber zu wachen, dass die zugunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze und Verträge eingehalten und alle Mitarbeiter gleich behandelt werden.
Weniger Betriebsräte
Köhler aber weiß: „Die Zahl der neuen Betriebe mit Betriebsrat sinkt.“ Immer mehr Firmen versuchen auf ein solches Gremium zu verzichten, beziehungsweise die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern. Ein Betriebsrat schränke ihre Handlungsfreiheit ein, sagt er und gibt ein Beispiel: Vor jeder Einstellung, Versetzung und Kündigung muss der Betriebsrat angehört werden. Gibt es keinen Betriebsrat, fällt das Mitwirkungsrecht weg, der Arbeitgeber entscheidet alleine.
Unter dem Motto „Macht Euch wichtig!“ rufen Klaus Köhler und seine Kollegen dazu auf, an den Betriebsratswahlen teilzunehmen und sich vielleicht sogar selbst als Kandidat zur Verfügung zu stellen. „Demokratie endet nicht am Werkstor“, erklärt er. „Uns als Kirche ist es wichtig, Menschen für diesen Einsatz zu gewinnen.“
Ständiger Leistungsdruck
In ihrem Aufruf zu den Betriebsratswahlen machen der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Robert Zollitsch, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Nikolaus Schneider, auf die Veränderungen der Arbeitswelt aufmerksam. Auch wenn die gestiegene Beschäftigungsrate den Arbeitnehmern Sicherheit gebe, habe die gute wirtschaftliche Entwicklung ihren Preis: Die Folgen eines permanenten Leistungsdrucks äußern sich auch darin, dass die Zahl psychischer Erkrankungen alarmierende Ausmaße erreicht habe. Es brauche eine Debatte, wie die Arbeit humaner gestaltet werden könne.
Als Sozialberater macht Klaus Köhler die Erfahrung, dass KAB und Betriebsseelsorge hilfreiche Adressen für Anliegen von Betriebsräten sind. „Wir werfen einen Blick von außen auf das Problem und stellen den Menschen in die Mitte“, erklärt er. Das KAB-Bildungswerk bietet den Betriebsräten ein umfangreiches Angebot von Seminaren an. Mit Veranstaltungen zum Arbeitsrecht und Workshops zu Themen wie Gesprächsführung und Konfliktmanagement werden Betriebsräte geschult. Für die ehrenamtlichen Betriebsräte sei diese Unterstützung wichtig. „Sie stehen oft zwischen den Stühlen der Geschäftsführung und der Arbeitnehmer“, sagt Köhler. Er sieht, dass sich viele Betriebe bemühen, dem Leistungsdruck entgegenzuwirken. Ein Gesundheitstag oder die „stufenweise Wiedereingliederung“ nach längerer Krankheit seien erste Ansätze. „Es ist ein Anfang, aber es gibt noch viel zu tun.“
Das aktuelle KAB-Bildungsprogramm für Betriebsräte im Internet unter „www.kab-wuerzburg. de/angebote/materialien/bildungsprogramm“.

