Nach biblischem Verständnis empfängt Jesus durch diesen Geist den Lebensatem Gottes, voll Liebe und Schöpferkraft, um zu befreien, zu verwandeln. Es ist derselbe Geist, der auch heute ermutigt, seinen Schritten zu folgen. Matthäus stellt auch klar, dass sich Jesus vom Täufer Johannes unterscheidet. Nur Er ist der „geliebte Sohn“ Gottes. Der Geist Gottes kommt auf Ihn herab. Deshalb kann nur Jesus mit Heiligem Geist und Feuer taufen. Nach biblischer Tradition ist der Geist der Atem Gottes, der Neues schafft. Er ist die Kraft Gott, um alles Leben zu verwandeln; die liebende Energie, die immer das Beste für seine Kinder realisiert.
Evangelium
In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.
Matthäus 3,13–17
Auch in Bolivien zeigt sich die religiöse Krise in einer langsam, aber stetig wachsenden Säkularisierung und im Abwandern von Katholiken zu Sekten. Viele Gläubige bleiben beim Erfüllen von Riten, ohne den Sinn zu verstehen. Christen merken das erste Mal, dass wir nicht in einer heilen, immunen Welt leben. Denn der Katholizismus ist nicht mehr das offizielle Bekenntnis des Landes Bolivien. Im täglichen Leben rechnet man nicht mehr mit Gott. Man kommt gut ohne Ihn aus.
Aber es gibt verschiedene Wirklichkeiten. Hier auf dem Land (55 Kilometer von der Zwei-Millionen-Stadt Santa Cruz entfernt) scheint die Welt noch in Ordnung. Die Traditionen tragen noch. Doch wenn die Jugendlichen nach dem Abitur zum Studium in die Metropole gehen, merken sie, dass Gott gar nicht der wichtige Impulsgeber ist, der Er in den Pfarreigruppen zu sein schien. Man bleibt katholisch ohne lebendigen Kontakt mit Gott.
Warum erzähle ich das? Weil die menschlichen und religiösen Probleme in der einen Welt gar nicht so verschieden sind, auch wenn die Antworten differieren können. Im Evangelium ist vom Tauchen Jesu im Jordan die Rede. Das Entscheidende ist aber nicht die Taufe selbst, sondern die Annahme des Geistes, den der Vater über Ihn ausgießt.
Nach biblischem Verständnis empfängt Jesus durch diesen Geist den Lebensatem Gottes, voll Liebe und Schöpferkraft, um zu befreien, zu verwandeln. Es ist derselbe Geist, der auch heute ermutigt, seinen Schritten zu folgen. Matthäus stellt auch klar, dass sich Jesus vom Täufer Johannes unterscheidet. Nur Er ist der „geliebte Sohn“ Gottes. Der Geist Gottes kommt auf Ihn herab. Deshalb kann nur Jesus mit Heiligem Geist und Feuer taufen. Nach biblischer Tradition ist der Geist der Atem Gottes, der Neues schafft. Er ist die Kraft Gott, um alles Leben zu verwandeln; die liebende Energie, die immer das Beste für seine Kinder realisiert.
Aus diesem Grund weiß Jesus sich gesandt, nicht zu verurteilen, zu zerstören und zu verdammen, sondern zu heilen, aufzubauen und zu segnen. Die Evangelisten erzählen, wie Jesus, voll von diesem guten Geist Gottes, sich ganz der Aufgabe widmet, von „unreinen Geistern“ zu befreien, die zerstören, versklaven und entmenschlichen. In Bolivien wie in Deutschland ist die Frage, ob wir Christen weiterhin indifferent bleiben können angesichts einer fortschreitenden religiösen Gleichgültigkeit?
Manchmal sind wir selbst es, die den Geist in der Kirche auslöschen durch unsere Blindheit und Passivität. Mehr motiviert, das Bewährte zu konservieren, ist es schwieriger, offen zu bleiben für die Kreativität des ständig erneuernden Geistes Gottes, der täglich zur Umkehr aufruft. Die Botschaften von Papst Franziskus geben uns in Bolivien Impulse, wach zu bleiben und den unbequemen Weg zu den am Rand Stehenden und Indifferenten zu gehen. 2013 etwa haben 60 Angehörige unserer Pfarrei freiwillig alle Haushalte in 4 von 17 Dörfern besucht.
Seit der großen lateinamerikanischen Bischofsversammlung 2007 in Aparecida in Brasilien sind wir zu einer „permanenten Mission“ aufgerufen, bei der alle Getauften „Jünger und Missionare“ sind. Welcher „Geist“ inspiriert uns heute in der konkreten Wirklichkeit, die jeder – wo auch immer er lebt – zu bestehen hat?
Der Autor („thomas.hermes@bistum-wuerzburg.de“) ist Priester der Diözese Würzburg, freigestellt als Missionar und seit knapp 20 Jahren in Bolivien/Südamerika im Einsatz.