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Kursänderung

Es braucht beides: die konkrete Hilfe vor Ort, für den einzelnen Menschen und die politische Arbeit, um Rahmenbedingungen zu ändern.
Die Überraschung war groß, als die neue bayerische Sozialministerin Emilia Müller schon wenige Tage nach Amtsantritt eine Kursänderung in der Asylpolitik ankündigte: Barleistungen anstelle von Essenspaketen, schnellerer Einstieg in den Arbeitsmarkt und eine zusätzliche Erstaufnahme-Einrichtung sind die Eckpunkte. Alles Forderungen, die schon lange an die bayerische Staatsregierung herangetragen worden, aber bislang auf taube Ohren gestoßen waren. Natürlich sollte man mit Vorschusslorbeeren zurückhaltend sein und erst einmal abwarten, was davon letztlich umgesetzt wird und wie. Aber es scheint wirklich ein Umdenken eingesetzt zu haben – nicht nur bei der zuständigen Ministerin, sondern bei der Staatsregierung. Emilia Müller ist nicht der Typ, der zu großer Show und öffentlichkeitswirksamen Alleingängen neigt.    Nicht nur den Asylbewerbern selbst wird dieser Kurswechsel Verbesserungen bringen, sondern auch denen, die sich vor Ort für sie engagieren. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass jetzt Bewegung in die bayerische Asylpolitik gekommen ist. Sie haben nicht nur vor Ort praktische Hilfe geleistet und versucht, Unzulänglichkeiten und Unmenschlichkeiten, mit denen sie konfrontiert wurden, zu mildern. Sie haben diese auch beständig thematisiert und Veränderungen eingeklagt. Und sie haben Mitstreiter gesucht und gefunden, wie etwa den Würzburger Bischof. Immer wieder hat er sich zum Anwalt der Asylbewerber gemacht, sowohl Behörden und der Staatsregierung wie auch seiner eigenen Bistumsverwaltung gegenüber.    Es braucht beides: die konkrete Hilfe vor Ort, für den einzelnen Menschen und die politische Arbeit, um Rahmenbedingungen zu ändern. Mal ist das eine wichtiger, mal das andere, keinesfalls darf man das eine gegen das andere aufrechnen oder gar ausspielen. Der eine kann seine Möglichkeiten und Fähigkeiten eben da besser einsetzen, der andere dort. Möglichkeiten des Engagements jedenfalls gibt es in Hülle und Fülle: Wohnraum zur Verfügung stellen, Arbeitsmöglichkeiten schaffen, beim Umgang mit Behörden helfen – oder einfach nur Zeit schenken.     Wolfgang Bullin