Konsequente Linie fortführen
„Es gab und gibt kein braunes Netzwerk und keinen braunen Sumpf im Priesterseminar Würzburg.“ Das ist die Erkenntnis, die der Vorsitzende der eigens einberufenen Untersuchungskommision, Norbert Baumann, gewonnen hat. Das Gremium um den vorsitzenden Richter des Oberlandesgerichtes Bamberg hat ganze Arbeit geleistet – und das unentgeltlich und in seiner Freizeit. Die Kommission hat durch protokollierte Einzelbefragungen und durch geschickte Fragestellungen Licht ins Dunkel gebracht. Und die Bischöfe, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick und Bischof Friedhelm, haben ihre Konsequenzen aus dem 204 Seiten langen Untersuchungsbericht gezogen.
Kaum, dass Bischof Friedhelm vom Weltjugendtag zurückgekehrt ist, haben die Bischöfe zwei Seminaristen, einen Achtsemestrigen aus Bamberg und einen Zweitsemestrigen aus Würzburg, des Priesterseminars verwiesen. Ein angehender Theologe hatte mehrere unerträgliche „KZ-Witze“ erzählt, ein anderer ein Konzert der umstrittenen Musikgruppe „Frei. Wild“ besucht. Beide Seminaristen werden auch an keinem anderen deutschen Priesterseminar mehr unterkommen. Dies hat Bischof Friedhelm deutlich gemacht.
Über das Schicksal eines Siebtsemestrigen aus Bamberg ist noch kein endgültiges Urteil gesprochen worden. Ihm wird zur Last gelegt, sich inakzeptabel über Teilnehmer der Demonstration „Würzburg ist bunt – nicht braun“ geäußert zu haben: Denen (die sich gegen Naziumtriebe zur Wehr setzen), müsse man „auf die Fresse hauen“. Ob auch er gefeuert wird, liegt ganz im Ermessen von Erzbischof Schick. Ausgeschlossen hat er dies nicht.
Es ist gut, dass die Verantwortlichen hart durchgreifen. Antisemitismus und Rassismus sind mit dem Christentum wirklich unvereinbar, wie es der Erzbischof formuliert hat. Nur: Wie kommt es, dass das wahre Gesicht von einigen Priesteramtskandidaten erst im höheren Semester erkannt wird? Hier wird noch viel nachgearbeitet werden müssen. Vor allem muss künftig der Vorbeugung mehr Platz eingeräumt werden. Das Volk Gottes fordert glaubhafte Zeugen der Liebe Jesu.
