Musik im Blut
Entstanden ist die Pfarrband vor gut einem halben Jahrzehnt, erzählt Miriam. Für die Erstkommunion traf sich die Gruppe zur Gestaltung des Festgottesdienstes. Und als man feststellte, dass eine Band auch unabhängig von dem aktuellen Anlass eine gute Sache war, entschlossen sich die Musiker, die Band zu einer festen Einrichtung zu machen. Um das musikalische Spektrum zu vergrößern und mehr Arrangementmöglichkeiten zu haben, stoßen immer wieder einzelne Musiker – insbesondere bei der Percussion – dazu. Festes Bandmitglied ist inzwischen die Querflötistin Eva-Maria Larisch, die bei manchem Lied mit Vor- und Zwischenspielen sowie kleineren Improvisationen besondere Aktente setzt. „Bevor wir diese Kirchenband gegründet hatten, haben wir alle schon in anderen Bands mitgespielt“, sagt Miriam Schug, die selbst im ökumenischen Monteverdichor Würzburg singt. Ihr Bruder Jonas wirkt in anderen, weltlichen Musikgruppen mit und ist nach ihren Worten ein so erfahrener Gitarrist, dass er ohne Mühen im Gottesdienst spontan den modernen Kirchenliedern mit „Riffs“ – kurzen, melodisch und rhythmisch prägnanten Motiven – und Melodieumspielungen speziellen Pepp verleihen kann. Die Kirchenband entstand nicht aus dem Nichts heraus, erzählt Miriam. Es gab schon eine Kirchenband in der Elterngeneration. Außerdem gab es eine Schola, in der die jetzigen Bandmitglieder ebenfalls mitgewirkt hatten. „Man kann schon sagen, dass die Schola in gewisser Weise von der Kirchenband abgelöst wurde.“ Das war ein organischer Prozess. Dass die Band derzeit keinen Namen hat, stört die Mitglieder nicht weiter. Es soll auch erst mal so bleiben.Noten per Mail
Neuen Schwung und einen echten Motivationsschub bekam die Kirchenband, als Peter Göttke im Jahr 2008 als neuer Pfarrer nach Wiesentheid kam. „Wir wurden als Kirchenband mit unserem Anliegen wirklich mit offenen Armen empfangen“, sagt Jonas Schug. Das kam nach den Worten des Bandleiters nicht von ungefähr. Denn Pfarrer Göttke liegt die Jugendarbeit am Herzen, er ist engagiert in Sachen Weltjugendtag und überhaupt Neuem gegenüber aufgeschlossen. Ein Problem, mit dem sich viele und vor allem junge Kirchenbands herumschlagen müssen, ist der Umstand, dass sich die Mitglieder oftmals zu einem bestimmten Zeitpunkt aus beruflichen, familiären oder ausbildungstechnischen Gründen in alle Winde zerstreuen, was dann organisatorisch nicht selten das Aus der Band bedeutet. In Wiesentheid hat die Band diesen Punkt ganz pragmatisch gelöst: Immer wenn die Mitwirkung in einem Sonntagsgottesdienst ansteht, schicken sich die Bandmitglieder die vorgesehenen Noten am Montag davor per E-Mail zu. Jeder übt dann für sich, bevor man sich vor dem Gottesdienst zur konzentrierten Probe trifft, berichtet Jonas Schug. Das geht so problemlos, weil die Bandmitglieder alle gute Musiker sind, meint Miriam Schug. Und an Auftritten mangelt es nicht.Ein frischer Wind
Jeden zweiten Sonntag im Monat findet ein Familiengottesdienst statt, den die Kirchenband gestaltet, alle zwei Monate ein Jugendgottesdienst. Und so tritt die Kirchenband durchschnittlich regelmäßig mindestens zweimal pro Monat auf. Das geschieht bei Taufen, Erstkommunion, Hochzeiten und andere kirchlichen Anlässen, an denen die Musikgruppe mitwirkt. Die mittlerweile recht bekannte Liedersammlung „Troubadour für Gott“ steht hierbei nicht im Zentrum. Aber natürlich singen sie auch mal moderne Klassiker wie „Laudato si“, wenn dies von der Gottesdienstgemeinde gewünscht wird. „Das sind halt einfach Lieder zum Mitsingen“, sagt Jonas Schug. Grundsätzlich würden sie ihr Repertoire dem Bereich Neues Geistliches Lied zuordnen.Offen für Ökumene
Um ihr Repertoire zu erweitern, nimmt die Band regelmäßig an den „Rock my Soul“-Tagungen des Arbeitskreises Neues Geistliches Lied der Diözese (AK NGL) teil. „Das ist für uns sehr wichtig“, sagt Jonas, der, wie Christina Weiss, bereits das zweite Mal in den Pfarrgemeinderat gewählt wurde. Auch sonst sind die Mitglieder in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. Dass man in Wiesentheid gerade in Sachen Ökumene offen ist, zeigt der Umstand, dass Querflötistin Eva-Maria Larisch der evangelisch-lutherischen Konfession angehört. Was das Ziel der musikalischen Gottesdienstgestaltung insgesamt angeht, sagt Miriam: „Uns kommt es darauf an, möglichst viele Menschen mit einzubeziehen, deswegen sind uns auch die Familiengottesdienste so wichtig, um junge Familien und ihre Kinder zu erreichen.“ Zu hören ist die Kirchenband in der ganzen Pfarreiengemeinschaft Kirchschönbach-Stadelschwarzach-Wiesentheid.Kirchenband Wiesentheid
Besetzung: Miriam Schug (Gesang), Christina Weiss (Gesang, Keyboard), Eva-Maria Larisch (Querflöte), Jonas Schug (Gitarre), Benedikt Schug (E-Bass).
Repertoire: Neues Geistliches Lied, Standardrepertoire von rund 90 Stücken.
Gründung: 2008
Auftritte: Familiengottesdienst (immer am zweiten Sonntag im Monat), Jugendgottes- dienste, Kommunion, Firmung, Hochfeste, Hochzeiten, Taufen
Kontakt: Jonas Schug, Nikolaus-Fey Straße 12, 97353 Wiesentheid, Telefon: 09383/ 302.
Frank Kupke