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      Alfred Scheller ist seit 22 Jahren Seelsorger für Deutsche im Süden Spaniens

      Im Sommer nach Unterfranken

      Sie kommen gerade aus dem Urlaub? Tapetenwechsel ist heilsam – und das auch an einem Sonntagmorgen. Die Mitfeier eines Gottesdienstes in einer ungewohnten Form oder sogar in einer anderen Sprache kann den eigenen Glauben erfrischen. Das kann auch zuhause sein, wenn der Ortspfarrer Urlaub hat und die Gottesdienste des Vertreters Gewohntes aufbrechen.

      Erfrischend kann auch ein Gottesdienst mit Alfred Scheller sein. Er vertritt Pfarrer Stefan Vuletic in Böttigheim (Pastoraler Raum Ochsenfurt). „Oh, da ist ja sogar ein Kind“, sagt Scheller zu Beginn einer Werktagsmesse. „Willst du mir helfen?“ Und dann erklärt er in der Statio kindgerecht die Geschichte von der Enthauptung Johannes‘ des Täufers. Spontan übernimmt das kleine Mädchen die Rolle der Ministrantin. Bei seinen Gottesdiensten in Spanien dürfen alle anwesenden Kinder die Ministrantendienste übernehmen. Zwischendurch singt der Pfarrer am Altar zur Gitarre: „Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne“ und zum Abschluss ein spanisches Marienlied. Kein Wunder, schließlich verbringt „Don Alfredo“, wie er in Spanien genannt wird, in Böttigheim nur ein paar Wochen im Sommer und betreut in den übrigen Monaten seit 22 Jahren die international geprägte „Deutschsprachige Katholische Gemeinde an der Costa del Sol“ in Südspanien.

      Messen weltweit

      An weltweit 120 Orten bietet das Katholische Auslandssekretariat mit Sitz in Bonn die Gelegenheit, an deutschsprachigen Gottesdiensten teilzunehmen und deutschsprachige Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat dafür 60 Hauptamtliche ins Ausland gesendet. Ursprünglich ging es dabei vor allem um Auswanderer, die meist in der Neuen Welt ihr Glück suchten. Für diese Menschen ist das Sekretariat 1921 gegründet worden. Heute wandern weniger Deutsche aus als vor 100 Jahren. Viele Menschen gehen allerdings für ein paar Jahre ins Ausland, meist aus beruflichen Gründen. Und Millionen von Deutschsprachigen reisen als Touristen um die Welt. Einige bauen sich im Ausland einen Zweitwohnsitz auf.

      Übergangsstationen

      Für all diese Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten und -situationen sind die Auslandsgemeinden zuständig. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Stationen des Übergangs sind. Viele Gläubige halten sich nur ein paar Jahre oder sogar nur ein paar Urlaubstage im Umfeld dieser Gemeinden auf.

      Alfred Schellers Einsatzbereich erstreckt sich über ganz Andalusien. Er sagt: „Gemeinde – das ist ein dehnbarer Begriff.“ Gottesdienste finden vor allem samstags in Torrox und sonntags in Marbella statt. Zwei Orte, die 140 Kilometer auseinanderliegen. Der Pfarrer wohnt fast genau dazwischen. Bis zur Corona-Krise erteilte er auch den Religionsunterricht an der Deutschen Schule in Málaga: „Etwa 800 Kinder und Jugendliche besuchen diese Schule, ganz international gemischt. Viele von ihnen betreuen wir dann bei der Vorbereitung zur Erstkommunion und zur Firmung.“

      Unkonventionell

      Scheller erzählt von einem ukrainischen Mädchen, das dort auf der Schule war, um sich für den Umzug nach Deutschland vorzubereiten. „Bei ihrer Erstkommunion kam einiges durcheinander. Weil die Familie Terminprobleme hatte, konnten wir den Weißen Sonntag erst drei Wochen später feiern, aber auch nicht weiter aufschieben. Kurz davor war aber auch ein langjähriges Gemeindemitglied verstorben. Also Erstkommunion oder Requiem?“ Denn auch das Requiem war termingebunden. Also griff Scheller zu einer unkonventionellen Lösung und teilte den Altar liturgisch auf. Schmunzelnd erinnert er sich: „Rechts schwarz mit Urne, Bild und Osterkerze, links gelb mit der Kerze des Kommunionkindes. Erst das Requiem, dann unmittelbar danach die Erstkommunion.“

      Christlich-jüdisch

      Die verschiedenen Auslandsgemeinden an der Costa del Sol arbeiten in ökumenischer Eintracht zusammen, und jedes Jahr lädt der Bischof von Málaga alle in seiner Diözese ansässigen Glaubensgemeinschaften zu einem Nachmittag mit einer ökumenischen Feier und gemeinsamen Essen ins Priesterseminar ein. Mit den evangelischen deutschen Gemeinden hat die deutschsprachige katholische Gemeinde viele Schnittpunkte und ein sehr gutes Verhältnis. „Wir können uns aufeinander verlassen“, bringt es Alfred Scheller auf den Punkt. Zu Silvester und Neujahr hat der umtriebige Pfarrer auch ein jüdisches Ritual in den Jahreskreis übernommen. Zum jüdischen Neujahrsfest tauchen Juden ein Stück Apfel in Honig und wünschen sich, dass Gott ihnen das Jahr versüße. Scheller bringt den Honig dafür aus Unterfranken mit. Für unkonventionelle Seelsorge ist Alfred Scheller bekannt. Er ist sich sicher: „In unserer besonderen Situation ist das notwendig. Seelsorge ist hier einfach anders als in einer Pfarrei in Deutschland.“ Alle drei Jahre stellt er einen Verlängerungsauftrag. „Das wurde bislang immer bewilligt. Ich bin ja aus gesundheitlichen Gründen hier“.

      Zuvor war er 15 Jahre lang Pfarrer in der Gemeinde Saal im Landkreis Rhön-Grabfeld gewesen. Dort hatte er mit Gemeindereferentin Renate Baumann zusammengearbeitet und mit ihr und ihren pflegebedürftigen Eltern im Pfarrhaus eine WG gegründet. Auch wie es ihn dann nach Andalusien verschlagen hat, erzählt der gesprächige Franke: „Ende der 90er Jahre bin ich schwer an Rheuma erkrankt. Ärzte rieten mir zum Klimawechsel, zur Auswanderung. Also fragte ich im Ordinariat nach, und wurde dann zum Auslandssekretariat nach Bonn geschickt.“

      Renate Baumann ging zeitgleich in den Ruhestand und unterstützt den Pfarrer seither bei der Arbeit in der Extrem-Diaspora. 

      Alfred Scheller beschreibt seine Vorgehensweise so: „Du musst ja was machen, damit du die Leute lockst. Ich habe schon immer gern Gitarre im Gottesdienst gespielt, Renate dazu auch Flöte. Zu Kindern haben wir beide einen guten Draht und es gelingt meist, sie gut im Sonntagsgottesdienst zu integrieren, da ein eigener Kindergottesdienst wie in Bad Königshofen oder Saal nicht möglich ist. Nach dem Gottesdienst gab es zunächst Kirchenkaffee, dann entwickelte sich die monatliche Mitbringparty, anfangs mit Renates Suppe für alle aus dem Schnellkochtopf.“

      Später kam noch ein ständiger dritter Standort dazu: Elviria, die deutschsprachige Heilige Messe am Montagabend. Scheller erzählt: „Eines Tages waren da aber nur Spanier. Eine deutschsprachige Messe hätte wenig Sinn ergeben. In der Sakristei lag natürlich ein spanisches Messbuch und los ging es. Aber so habe ich erstmal überhaupt richtig Spanisch gelernt.“

      Mit den spanischen Gemeinden an der Costa del Sol gibt es gute Kontakte. Das ist auch nötig, denn die deutschsprachige Gemeinde verfügt über keine eigenen Räume. Pfarrer Scheller erinnert sich aber auch an eine unangenehme Situation: „Eines Tages kam der Ortspfarrer zu mir und wollte die Miete erhöhen. Die Deutschen hier in Andalusien seien doch alle reich, sagte er mir. Da habe ich geantwortet: Stimmt. Aber die meisten von ihnen kommen nicht zu mir in die Kirche, sondern sind sonntags auf dem Golfplatz.“ Den Hochsommer verbringen Alfred Scheller und Renate Baumann in Unterfranken. „Im Sommer ist es da unten einfach zu heiß für uns. Ich danke Pfarrer Stefan Vuletic dafür, dass ich in seiner Gemeinde aktiv mitwirken darf. Die Aufenthalte im Böttigheimer Pfarrhaus sind mir eine willkommene Erfrischung“, sagt Scheller. Ein Tapetenwechsel tut eben auch Alfred Scheller gut.

      Jens-Eberhard Jahn