Antike Ruinen wie das Kolosseum, Kunst und Architektur aus Jahrtausenden, Metropole voller hupender Autos, Sperrungen für Staatsgäste sowie für Christen Wallfahrtsort und Herzkammer der katholischen Kirche: Rom ist einer der meistbesuchten Orte der Welt. Mehr als 20 Millionen Menschen kommen jährlich in die Stadt, für das Heilige Jahr 2025 werden sogar mehr als 30 Millionen erwartet. Dazu gehören auch Dutzende Gruppen mit mehreren Hundert Gläubigen aus dem Bistum Würzburg. Das Würzburger katholische Sonntagsblatt erkundete mit 44 Leserinnen und Lesern die Ewige Stadt.
„Extrem überwältigt“ von der Reise ist Thomas Brand aus Kleinheubach im Landkreis Miltenberg. „Die Eindrücke reichen für fünf Reisen“, meint der Lehrer, der kurz vor der Reise 50. Geburtstag feierte. Er, seine Frau Annette und seine Schwester Christine wurden zu der Pilgerreise eingeladen: Als Thomas Brands Mutter über die Leserreise des Sonntagsblatts las, wollte sie ihren Kindern und ihrer Schwiegertochter dieses besondere Erlebnis ermöglichen. Das Geschenk ist gelungen: „Es war eine sehr schöne Reise mit einer wunderbaren Gemeinschaft und gemeinsamen Gottesdiensten“, schwärmt Annette Brand. Ihre Schwägerin Christine Brand freute sich zudem über die vielen Informationen von Stadtführerin Kerstin Thiel-Lunghini zu den Gewohnheiten der Römer und den vielen Legenden rund um Kirchen und Heilige.
Bekannte aus dem Ort in der Stadt
Während es für die Brands die erste Rom-Reise war, war Johanna Hillenbrand (73) aus dem Oberschwarzacher Gemeindeteil Siegendorf bereits zum siebten Mal in Rom. Sie reiste mit ihren Geschwistern Christine (62) und Manfred (71). Groß war ihre Freude, als sie in Rom gleich mehrfach weiteren Siegendorfern über den Weg liefen: Pfarrer Andreas Engert war mit einer Pilgergruppe des Pastoralen Raumes Gerolzhofen gleichzeitig in der Stadt, so dass zehn Prozent der gut 80 Siegendorfer in Rom weilten. Neben den vielen Eindrücken lobte Johanna Hillenbrand die Organisation, allen voran die Begleitung durch Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, der sechs Jahre lang in Rom lebte und studierte.
Mit seinen Sprach- und Ortskenntnissen manövrierte Vorndran die Gruppe durch den Trubel der Stadt und gab viele praktische Tipps, etwa zum Bestellen eines Kaffees in den Pausen. Er öffnete der Gruppe auch manche Tür, die sonst verschlossen ist, etwa die zum Dikasterium für die Glaubenslehre gleich neben dem Petersplatz. Von dessen Dach-Terrasse hatten die Teilnehmer in der blauen Stunde einen einmaligen Blick auf die Peterskirche. Als „perfekt“ bezeichnet Christine Hillenbrand die Kombination aus spirituellen Erlebnissen und geschichtlichen Informationen. Zudem hatte die Gruppe an fast allen Tagen Sonne und strahlend blauen Himmel: „So ein Wetter kriegt man nur, wenn man einen guten Draht zum Himmel hat“, meint die 62-Jährige schmunzelnd.
"Das bleibt ewig in Erinnerung"
Zum ersten Mal fuhr Fridolin Riedmann (66) aus dem Karlstädter Stadtteil Rohrbach nach Rom. Für den erfahrenen Kreuzberg-Wallfahrer war es eine besondere Ehre, das Pilgerkreuz in die Peterskirche zu tragen: „Das bleibt einem ewig in Erinnerung.“ Angelika Stockinger aus Schweinfurt erlebte bereits ihr drittes reguläres Heiliges Jahr in Rom. Die 69-Jährige war 1975 zufällig mit ihrer Abitur-Abschluss-Klasse in der Ewigen Stadt. Im Jahr 2000 besuchte sie dann Rom mit der Familie im Rahmen eines Italien-Urlaubs. „Als ich die Anzeige im Sonntagsblatt sah, dachte ich: Die Tradition setze ich fort“, sagt die Schweinfurterin.
Bereits zum fünften Mal waren Caroline (58) und Michael (67) Kunkel in Rom. „Ich war überrascht, wie sich die Stadt auf die Pilgerströme vorbereitet hat und wie die Sicherheitsvorkehrungen optimiert wurden“, sagt Michael Kunkel. Seine Höhepunkte seien die Generalaudienz bei Papst Leo und das Besteigen der Kuppel der Peterskirche gewesen. Bei seiner Frau Caroline weckte der Besuch des schlichten Grabs von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore starke Emotionen. Zu Papst Franziskus habe sie einen ganz besonderen Bezug. „Die Welt braucht mehr Gebet“, laute eine seiner Botschaften, die ihr nahe gehen.
„Das Besondere an der Leserreise des Sonntagsblatts waren die Begegnungen“, lautet die Bilanz von Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran. „Emotional sehr bewegend“ sei vor allem seine erste persönliche Begegnung mit Papst Leo XIV. nach der Generalaudienz gewesen. Vorndran begleitete im Mai die erste von drei Mitarbeiter-Wallfahrten der Diözese Würzburg. Anreisetag war der 8. Mai, am Abend besuchten die Pilger zum Abschluss noch einmal müde den Petersplatz, als über der Sixtinischen Kapelle plötzlich weißer Rauch aufstieg. Kurze Zeit später erlebten sie live mit, wie Papst Leo XIV. auf dem Balkon erschien.
Zwei Ausgaben im Gepäck
Genau ein halbes Jahr später kam es auf Vermittlung des Würzburger Bischofs nun zum persönlichen Treffen: Generalvikar Vorndran als Herausgeber des Sonntagsblatts und Redaktionsleiter Ralf Ruppert stellten dem Heiligen Vater kurz das Würzburger katholische Sonntagsblatt vor. Die Kirchenzeitung feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen und ist somit eine der ältesten noch existierenden Kirchenzeitungen weltweit. Papst Leo begegnete den Gästen aus Würzburg sehr präsent und konzentriert. Die Begrüßung auf Deutsch erwiderte er mit einem freundlichen „Guten Morgen! Ah, aus Würzburg“. Vorndran interpretiert das so, dass sich der Papst gut an seinen Besuch in Würzburg erinnert.
Ruppert und Vorndran hatten ihm zwei Ausgaben das Sonntagsblatts mit nach Rom gebracht: Die erste Ausgabe des Jahres 2025, in dem die Geschichte der Kirchenzeitung seit 1850 beleuchtet wird, und eine Ausgabe aus dem Sommer, bei der Augustinerpater Markus Reis aus Münnerstadt auf dem Cover abgebildet ist. Papst Leo hatte in seiner Zeit als Generalprior des Augustinerordens Münnerstadt besucht. Vorndran sprach noch die Rede von Papst Leo XIV. an die Medienschaffenden an, in der er vier Tage nach seiner Wahl zu einer „Entwaffnung der Worte“ aufgerufen hatte. Als Erinnerung an die Begegnung erhielten beide einen Rosenkranz in einem Etui mit dem Papstwappen.
Vorndran erwähnt in seiner Bilanz auch die vielen Begegnungen und Glaubensgespräche innerhalb der Pilgergruppe. „Diese Gemeinschaft im Glauben hat den Funken überspringen lassen und allen spürbar gut getan“, sagt Vorndran, und: „Ich hatte den Eindruck, dass alle Pilgerinnen und Pilger menschlich bereichert und im Glauben gestärkt nach Hause zurückgekehrt sind. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Eine weitere interessante Begegnungen hatte die Gruppe mit Prälat Peter Klasvogt, seit kurzem neuer Rektor im Campo Santo Teutonico. Er stellte die Geschichte des wenige Tage zuvor aufgestellten Altars von Lucas Cranach aus dem Naumburger Dom mit den neuen Tafeln von Michael Triegel vor. Im Dikasterium für die Glaubenslehre traf die Gruppe aus Würzburg schließlich Pfarrer Dr. Manfred Bauer, der seit mehr als zehn Jahren dort tätig ist. „Wir erhielten nicht nur Einblick in den vatikanischen Alltag, sondern durften am Ende auch von der Dachterrasse einen Panoramablick auf den Petersdom werfen“, sagt Vorndran.
Mitarbeiter der Diözese in Rom
Vor und nach der Leserreise des Sonntagsblatts besuchten zwei weitere Gruppen mit jeweils rund 50 Mitarbeitenden der Diözese Würzburg Rom. Nachdem Generalvikar Vorndran die Gruppe im Mai begleitet hatte, fuhren im Oktober Bischof Franz Jung und im November Weihbischof Paul Reder mit. Auf dem Programm standen auch Ausflüge nach Castel Gandolfo und zum Kloster Subiaco. „Bei den Reisen war zu spüren, dass die Gemeinschaft auch gut für die Dienstgemeinschaft war“, berichtet Johannes Weismantel, der mit seiner Agentur „Spiritel“ die Reisen organisierte. Er und seine Frau Cornelia begleiteten im Heiligen Jahr sieben Pilgergruppen mit insgesamt rund 330 Teilnehmern aus der Diözese Würzburg.
Alleine in den Herbstferien wurden bei der Generalaudienz vier Gruppen aus dem Bistum begrüßt: Diakon Kim Sell war mit zehn Pilgern aus Bad Brückenau in Rom, die Pfarrer Andreas Kneitz und Andreas Engert mit jeweils knapp 50 Gläubigen aus den Pastoralen Räumen Würzburg Nord-West und Gerolzhofen.
Von Ralf Ruppert








































