Wege erzählen Geschichten – von Menschen, Begegnungen und Erinnerungen, von Glauben und Gemeinschaft. Ein solcher Weg führt seit 1610 von Heidingsfeld nach Walldürn, wohin sich Pilger auf den Weg zum Heiligen Blut machen. Über Generationen wurde diese besondere Tradition weitergeführt, Jahr für Jahr, nationalsozialistischer Verbote zum Trotz, oder auch in Kleingruppen während der Corona-Pandemie.
Aktiv seit Jahrhunderten, Verein seit 1966
2026 blickt der Wallfahrerverein Heidingsfeld nun auf 60 Jahre seines Bestehens zurück. Weil die Aufgaben rund um die Wallfahrt mit der Zeit immer zahlreicher wurden, gründeten 50 engagierte Heidingsfelder am 1. April 1966 einen Verein. Der sollte bewahren und sichern, was über Jahrhunderte gewachsen war. Behördengänge, Absprachen mit Polizei und Stadt, Versicherungen und die gesamte Organisation sollten auf verlässlichen Füßen stehen.
Gemeinsam beten und gehen, schweigen und lachen
Was als organisatorische Notwendigkeit begann, wurde zu gelebter Gemeinschaft. „Wer heute vom Wallfahrerverein spricht, meint Menschen, die früh aufstehen, Verantwortung übernehmen und aufeinander achten. Menschen, die gemeinsam beten und singen, lachen und feiern – und manchmal auch einfach schweigend nebeneinander hergehen. Doch man geht nie nur für sich allein“, formuliert es der aktuelle Vereinsvorsitzende Thomas Ch. Römmelt, der diese Position seit 2024 innehat. Die besondere Kraft der Heidingsfelder Wallfahrt sei, dass sie zugleich Heimat- und Familiengeschichte darstelle. „Drei Generationen laufen dann gemeinsam.“
Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit entstand 1985: Beim Festabend zu 375 Jahren Walldürn-Wallfahrt wurde die Heidingsfelder Delegation mit der Nachricht überrascht, dass in Walldürn ein „Heidingsfelder Weg“ entstehen sollte – im Odenwald also ein kleines Stück „Hätzfeld“, wie die Bewohner den Würzburger Ortsteil nennen.
Gefeiert wird am 15. November
Am 15. November ab 10 Uhr feiert der Wallfahrerverein seinen 60. Geburtstag mit einem Festgottesdienst in St. Laurentius. Im Pfarrsaal findet im Anschluss die Ehrung verdienter Vereinsmitglieder statt. 273 sind es heute, und beispielsweise sind drei von ihnen von Anfang an dabei. „Es soll ein Tag des Dankes und der Begegnung werden – für Mitglieder und Familien, für ehemalige und heutige Verantwortliche, für Helferinnen und Helfer sowie für die geistlichen Begleiter, die die Wallfahrten mit ihrem Wort und ihrem Segen begleitet haben“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Ch. Römmelt. „Ein Fest für ganz Heidingsfeld."
Sebastian Haas



