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Für Körper und Seele

Essen ist fertig! – Früher schallte dieser Ruf mehrmals am Tag zu festgelegten Zeiten durchs Haus und rief sämtliche Familienmitglieder an den Tisch. Heute ist das anders. Während gemeinsame Mahlzeiten in Familien mit jüngeren Kindern noch einigermaßen machbar sind, wird es mit dem Heranwachsen der Kids immer schwieriger. Für manch eine Familie ist es beinahe unmöglich, zwischen Arbeit, Schule, Freizeitaktivitäten und Ehrenamt noch einen Termin für ein gemeinsames Essen zu finden. Doch sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, lohnt sich auf jeden Fall – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Wenig Zeit miteinander

„Der Familienalltag definiert sich heute aus knapper Zeit, vielen Verpflichtungen, wenig Ritualen und wenig Zeit miteinander“, konstatiert Heinz Rüschstroer, Leiter der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen der Diözese Würzburg. Zu ihm kommen Menschen, die Unterstützung in partnerschaftlichen, familiären oder persönlichen Fragen und Konflikten benötigen. „Natürlich geht es da nicht primär um Esstisch-Prob­leme“, lacht der Diplom-Psychologe. „Doch ob und wie sich eine Familie zum gemeinsamen Essen trifft und Zeit miteinander verbringt, ist schon ein Symptom für die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander“, sagt er.    Erst jüngst sei eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern im Alter von 13, 16 und 18 Jahren bei ihm gewesen. Zu Beginn der Beratung habe die Frau ein Bild der aktuellen Familiensituation gemalt. „Auf dem Bild gab es drei Zimmer, in denen sich jeweils eines der Kinder aufhielt – beim Musikhören, am PC, beim Telefonieren“, berichtet er. Die Mutter aber saß unten und hatte „nicht das Gefühl, noch eine Familie zu haben“. Ihr Wunsch, einen Familienabend pro Woche einzurichten, fand Rüschstroer „bescheiden“. In Einzelgesprächen mit den Kindern sei dann herausgekommen, dass sie sich schon gerne Zeit für ein gemeinsames Abend­essen nehmen würden, aber „wenn keiner anfängt, dann holt sich eben jeder was aus dem Kühlschrank“. Er empfahl der Familie, zunächst die eigenen Wünsche und Erwartungen zu sondieren und dann auf ihre Machbarkeit hin zu überprüfen. „Wenn man vom kleinsten gemeinsamen Nenner ausgeht und sich in kleinen Schritten an die Wunschvorstellung herantastet, wird man plötzlich wieder handlungsfähig statt fremdgesteuert“, so Rüschstroer.  

Wohlfühlprogramm

Dass das gemeinsame Essen nicht nur Sättigung für den Körper, sondern auch „Wohlfühlprogramm für die Seele“ ist, hört auch Ingrid Ingelmann, stellvertretende Leiterin der Beratungsstelle, immer wieder. „Die Familie kommt miteinander in Kontakt, nimmt einander bewusst wahr und verbringt eine entspannte Zeit“, sagt die Diplom-Psychologin. „All das stärkt die Verbundenheit, fördert das Wir-Gefühl und lässt Gemeinschaft sinnlich erlebbar werden.“    Doch damit nicht genug. Auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht haben gemeinsame Mahlzeiten eine ganze Reihe positiver Effekte auf Groß und Klein: Während kleinere Kinder hier neue Geschmäcker erproben, Einblicke in die Lebensmittelkunde erhalten und ganz nebenbei Esskultur und Tischmanieren einüben, arbeiten Jugendliche durch Mithilfe bei der Essenszubereitung an ihrer Selbstständigkeit. Und dies, so die Experten, beuge wiederum Übergewicht und einseitiger Ernährung vor.    Eine Forsa-Studie im Auftrag des Happiness Instituts aus dem Jahr 2013 spricht gar von regelrechten „Glücksgefühlen am Abendbrottisch“. „Gemeinsame Mahlzeiten machen Kinder gesund und schlau“, hält die Studie fest: „Kinder, die regelmäßig mit der Familie essen, ernähren sich ausgewogener, haben einen größeren Wortschatz und sind selbstbewusster.“ Und auch die Erwachsenen profitieren laut Studie deutlich: So verspüren rund zwei von drei Deutschen beim gemeinsamen Essen mit Familie und Freunden „große Lebensfreude“. Vor allem die Unterhaltung mit den anderen Familienmitgliedern oder dem Partner genießen die Befragten. 65 Prozent haben das Gefühl, die gemeinsame Zeit bringe sie den anderen näher. Knapp die Hälfte fühlt sich bei den gemeinsamen Mahlzeiten entspannter und weniger gestresst.  Nicht zuletzt ist der Familien-Esstisch aber auch ein Abbild der christlichen Mahlgemeinschaft. „Kinder, die Gemeinschaft immer wieder in der Familie erleben, können bei der Erstkommunionvorbereitung eine Verbindung zu dieser Erfahrung herstellen“, ist Ingrid Ingelmann überzeugt.     

Tipps

Zum Weiterlesen empfiehlt sich die Ausgabe 1/2013 der Zeitschrift „neue gespräche“ mit dem Titel „Rettet den Esstisch!“.  Das Heft ist erhältlich beim   Familienbund der Katholiken, Kürschnerhof 2, 97070 Würzburg, Telefon 0931/386-65221, E-Mail „fdk@bistum-wuerzburg.de“   oder bei der   AKF – Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung, Mainzer Str. 47, 53179 Bonn, Telefon 0228/371877, E-Mail „info@akf-bonn.de“, Internet „www.akf-bonn.de“. Freiwillig – kostenfrei – verschwiegen – die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen: Eine Beratung kann jeder in Anspruch nehmen, der Unterstützung oder Begleitung in partnerschaftlichen, familiären oder persönlichen Fragen und Konflikten benötigt. Die Beratung ist kostenfrei; um eine Spende im Rahmen der eigenen Möglichkeiten wird gebeten.   Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diözese Würzburg, Dominikanerplatz 8, 97070 Würzburg, Telefon 0931/386-69000,  E-Mail „info@eheberatung-wuerzburg.de“, Internet „www.eheberatung-wuerzburg.de“.   Anja Legge