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      Rückblick auf den 103. Deutschen Katholikentag in Erfurt

      Fröhlich, friedlich, farbenfroh

      Trotz Regens feierten die Besucher auf dem Katholikentag in Erfurt ihren Glauben. Die Veranstaltung stand unter dem Leitwort  „Zukunft hat der Mensch des Friedens“ (Psalm 37,37). Die Würzburger Bistumsleitung weckte Vorfreude auf das nächste bundesweite Fest vom 13. bis 17. Mai 2026 am Main.

      Beim Abschlussgottesdienst luden Bischof Dr. Franz Jung und Diözesanvorsitzender Dr. Michael Wolf zum Katholikentag 2026 nach Würzburg ein. „Wir wollen ein Ort der Hoffnung sein, an dem die Gesellschaft zusammenkommt und sich das Leben tummelt“, sagte Bischof Jung. In Erfurt tobte fünf Tage lang das Leben. Über 20 000 Katholikentagsbesucher flanierten durch die Altstadt. Denn es gab viel zu sehen: Auf der Kirchenmeile stellten sich Bistümer, Ordensgemeinschaften und Verbände vor.

      Bocksbeutel und Laugenstangen

      Viele kirchlich Verantwortliche schenkten an ihren Ständen Getränke aus und lockten mit Knabbereien. Am Würzburger Bistumsstand gab es Bocksbeutel und Laugenstangen. Das Bistum präsentierte sich als künftiger Gastgeber. „Wir schlagen Brücken“ stand auf dem Wand-Panorama des Standes geschrieben.  Am 31. Mai traten dort die Leichtersbacher Musikanten auf und unterfränkische Prominenz warb für den Katholikentag 2026: Bischof Jung, Diözesanratsvorsitzender Wolf, Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Weinprinzessin Vivian Leutner. „Wir verstehen diesen Katholikentag auch als eine tolle Einladung, Brücken zu schlagen und Brücken zu bauen, Menschen, Gruppen und Religionen zu verbinden“, sagte Bischof Jung mit Verweis auf die begehbare Holzbrücke, die am Boden des Bistumsstands befestigt war.

      Weitere Bilder

      Darüber hinaus fanden auf dem Katholikentag zahlreiche Podiumsdiskussionen zwischen Vertretern von Kirche und Politik statt. Prominente Gäste waren unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock. Abseits der Politik wurde musiziert und getanzt. Etwa im Vorprogramm der Eröffnungsfeier am 29. Mai. Die Band „Patchwork“ aus Berlin machte Stimmung: „Jesus war ein Angler, er hatte eine Mission, es ist schon schwer ein Mensch zu sein und dann noch Gottes Sohn“, sang Frontmann Christoph Kießig auf dem Domplatz in Erfurt. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sagte in ihrer Eröffnungsrede, dass der Katholikentag ein Ort sein solle „an dem sich Angst in Mut verwandelt, Gewissheit in Tatkraft und Gottvertrauen in Nächstenliebe.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beklagte, dass weite Teile der Gesellschaft eine eigenartige Gleichgültigkeit gegenüber dem Religiösen hätten. Er fragte, ob die Botschaft der Kirche nicht zu leise oder zu blass sei. Die darauffolgenden Tage aber waren bunt und laut. Trotz des wechselhaften Wetters versammelten sich Besucher vor Freiluftbühnen und lauschten Bands und Chören. Bei Platzregen flohen sie in nahegelegene weiße Zelte der Bistümer, Orden und Verbände.

      Am 1. Juni musste das Abendprogramm aufgrund von Regen und Gewitter vorzeitig beendet werden. An den fünf Tagen fanden in Kirchen und Veranstaltungssälen mehr als 40 Podiumsgespräche, 60 Gottesdienste und 100 Bibelwerkstätten statt. Beim Gang durch die Erfurter Straßen begegnete man Priestern und Ordensleuten. Viele Gläubige kleideten sich mit den lila-orangefarbenen Schals des Katholikentags. Sie trugen sie um den Hals, an Taschen und Rucksäcken und hielten sie wie stolze Fans bei Veranstaltungen in die Höhe. Einige waren in humorvollen T-Shirts unterwegs. Darauf waren Aufschriften wie „Atheismus kann doch jeder“ oder „Katholisch – nicht nur sonntags“ zu lesen.

      Kritiker des Katholikentags

      Doch auch Kritiker machten durch Schriftzüge auf Kleidung, Schildern und meterhohen Figuren, die an den Aufbau auf Karnevalswagen erinnerten, auf sich aufmerksam. Auf dem Anger, einem ehemaligen Handelsplatz Erfurts, hatten Demonstranten ein Zelt aufgebaut. Darauf stand „Religionsfreie Zone“. Sie kritisierten finanzielle Staatsleistungen an die Kirche und die aus ihrer Sicht mangelnde Aufarbeitung von Missbrauchsfällen.

      Dass Besucher des Katholikentags den Dialog mit den Demonstrierenden gesucht hätten, lobte der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr in einem Interview mit dem Kölner Domradio. Die Erfurter hätten mitbekommen, dass sich Christen nicht hinter die Kirchenmauern zurückziehen, sondern ihre Positionen einbringen und auch mit nichtreligiösen Menschen diskutieren, sagte er.

      Die Aktionsgruppe „11. Gebot“ war für die aufgestellten Figuren verantwortlich. Ihr 11. Gebot lautet: „Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen.“ Mehr mediale Aufmerksamkeit bekamen Aktivisten der Letzten Generation. Bei einer Podiumsveranstaltung mit Bundeskanzler Olaf Scholz störten sie seinen Auftritt mit Zwischenrufen, sodass die Veranstaltung unterbrochen werden musste. Wie schon beim vergangenen Katholikentag in Stuttgart, war Scholz auch dieses Jahr der Einladung zum Katholikentag gefolgt. Mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow besuchte der Bundeskanzler unter anderem die Helferzentrale. Von dort aus wurden die über 900 Ehrenamtlichen koordiniert.

      Bischof Neymeyr sowie ZdK-Präsidentin Stetter-Karp dankten dem Engagement der Helfenden und betonten, dass ein Katholikentag ohne ihre Mithilfe nicht zu stemmen sei. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, würdigte außerdem das Wirken der evangelischen Kirche auf dem Katholikentag. Es sei nicht selbstverständlich, dass die amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Kirsten Fehrs, fünf Tage lang dabei gewesen sei, sagte er bei der abschließenden Pressekonferenz.

      Das Programm des Katholikentags mit 500 Veranstaltungen wurde im Vergleich zu vergangenen Katholikentagen stark reduziert. Im Jahr 2022 in Stuttgart waren es noch 1500 Veranstaltungen. Auch hat Erfurt deutlich weniger Unterbringungsmöglichkeiten zu bieten als eine so große Stadt wie Stuttgart. Dementsprechend waren Hotels in der Stadt schnell ausgebucht. 

      Weniger Programm, mehr Ökumene

      Weniger Programm, kreative Beherbergung und mehr Ökumene könnten auch Lehren für den Katholikentag in Würzburg sein. Auf die Gemeinsamkeiten zwischen Erfurt und Würzburg machte Diözesanratsvorsitzender Wolf beim Abschlussgottesdienst aufmerksam. So hätten beide Städte eine Brücke als Wahrzeichen, sagte er. Und die Alte Mainbrücke sei mehr als eine Straße über den Fluss. „Von ihr blickt man direkt in die Stadt; man sieht die Weinberge, auf denen unser berühmter Frankenwein wächst, und die Wohnhäuser, in denen wir leben.“ Bischof Jung ergänzte, dass sich auch die Kirche am Bild der Mainbrücke orientieren könne: „Wir wollen eine Gemeinschaft sein, die Menschen mit Gott und untereinander verbindet und Begegnung ermöglicht.“

      Angelina Horosun