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Er war der Erste

Gedanken zur Schriftlesung – Fest der Taufe des Herrn
Die Lesung aus der Apostelgeschichte klingt unscheinbar. Spannend wird sie erst, wenn man sich anschaut, wann, wo und warum sie gehalten wurde. Und wer ungenannt im Mittelpunkt steht: der römische Hauptmann Kornelius.

Schriftlesung

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.

Apostelgeschichte 10,34–38

In der Lesung aus der Apostelgeschichte an diesem Sonntag taucht der Name Kornelius nicht auf. Stattdessen redet Petrus – darüber, dass die Menschen vor Gott gleich sind, dass Jesus Christus der Herr aller ist und dass er, von Gott gesalbt, umherzog und Gutes tat. Dabei ist der Auftritt von Kornelius an dieser Stelle wichtig für die weitere Geschichte der christlichen Kirche.

Die ersten Christen waren zu dieser Zeit in einer entscheidenden Phase. Viele Juden hatten sich ihnen angeschlossen, erste Gemeinden außerhalb Jerusalems waren gegründet worden. Die Apostel zogen umher und verkündeten Gottes Wort und die frohe Botschaft von Jesus und seiner Auferstehung. Auch immer mehr Heiden hörten davon – und fanden zum Glauben. Doch die Apostel waren sich uneins: Konnte man den christlichen Glauben annehmen, ohne zuvor Jude zu sein? Konnte man Jesus folgen, ohne die jüdischen Speisevorschriften einzuhalten, ohne beschnitten worden zu sein? Konnten Heiden direkt Christen werden?

An dieser Stelle taucht Kornelius auf. Er war römischer Hauptmann in der Stadt Caesarea, die am Mittelmeer lag, und befehligte rund 100 Soldaten. Die Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten Römern glaubte Kornelius an den Gott Israels – ohne allerdings Jude zu sein. In der Bibel heißt es: „Er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott.“ (Apg 10,2) Dieser Kornelius hatte eines Tages eine Vision: Ein Engel kam und beauftragte ihn, einige Männer nach Joppe, dem heutigen Jaffa bei Tel Aviv, zu schicken, um Simon Petrus von dort zu holen.

Zu gleicher Zeit war Petrus zu Gast bei einem Gerber namens Simon, der in Joppe ein Haus am Meer besaß. In der Mittagszeit stieg Petrus auf das Dach, um zu beten – und auch er hatte eine Vision (Apg 10,11–16). Er sah den Himmel offen und eine Art Gefäß wurde aus dem Himmel zu ihm herabgelassen. Die Bibel beschreibt es wie ein Leinentuch, das an seinen vier Ecken gehalten wurde. In diesem Tuch waren alle möglichen Käfer, Insekten, Kriechtiere und Vögel. Eine Stimme verlangte nun von Petrus: „Schlachte und iss!“

Für Petrus ein Unding: Er war Anhänger Jesu und gehörte zu den Christen – zugleich war er aber auch Jude und befolgte die jüdischen Speisegebote und Reinheitsvorschriften. Diese Tiere zu essen, war ihm verboten und so antwortete er: „Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen.“ Da sagte die Stimme aus dem Himmel: „Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!“ Das wiederholte sich noch zweimal. Petrus aber blieb ratlos auf dem Dach zurück. Was sollte diese seltsame Aufforderung nur bedeuten?

Kurz nach Petrus’ Vision erreichten die Männer, die Kornelius geschickt hatte, das Haus des Gerbers. Und Petrus machte sich am nächsten Tag mit ihnen auf den Weg nach Caesarea zu Kornelius. Der erwartete die Gruppe bereits und hatte einige Freunde und Verwandte zusammengerufen, um die Männer zu begrüßen. Als er Petrus sah, warf er sich ehrfürchtig zu Boden – eine Geste, die bei Petrus, der sicherlich skeptisch war, einen römischen Hauptmann zu besuchen, Wirkung zeigte. „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch“, sagte er. (Apg 10,25f)

Petrus hat eine neue Erkenntnis

Zugleich machte er aber deutlich, welche Besonderheit es ist, dass er das Haus des Römers betrat: „Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten.“ Er gab aber auch zu, dass er zu Kornelius gekommen sei, weil er inzwischen wisse, dass „man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf“. (Apg 10,28)

Kornelius erzählte Petrus von seiner Vision und vom Auftrag der Engel, Petrus in sein Haus zu holen. Da erkannte Petrus endgültig Gottes Plan und sprach jene Sätze, die wir an diesem Sonntag in der Lesung hören: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“

Petrus predigte vor den versammelten Menschen im Haus über Gott, von seiner Größe und Macht, über Jesus und alles, was in Galiläa und Jerusalem passiert war. Und noch während Petrus redete, kam der Heilige Geist auf alle herab. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gereist waren, konnten es nicht fassen, dass der Geist auch auf die römischen Heiden niederging. Petrus aber wies sie zurecht: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ Und er taufte Kornelius und alle, die dort versammelt waren – eine Sensation!

Kornelius ist der erste Getaufte, der in der Bibel explizit als Heidenchrist dargestellt wird. Das zeigt: Die frühen Christen öffneten sich in dieser Frage. Es sind nicht nur Juden, die gläubig werden und den Geist empfangen können – eine Vorstellung, die auch Petrus lange bevorzugte. Er erkannte, dass auch Heiden getauft werden können, ohne zunächst den jüdischen Glauben annehmen zu müssen. Mit dieser Meinung hielt Petrus sich nicht mehr länger zurück: Im Konflikt mit den anderen Aposteln setzte auch er sich auf dem sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem für die Öffnung der christlichen Gemeinden zu den Heiden ein. (Apg 15,6–11)

Kerstin Ostendorf