© Sonntagsbaltt: Ralf Naumann

© Sonntagsblatt: Ralf Naumann
Steinbach. „Gesägt, gebohrt, gehämmert – bis es dämmert“ haben in den letzten Woche und Monaten viele freiwillige Helferinnen und Helfer. „Jetzt ist fast alles fertig“, freut sich nicht nur Regionaljugendseelsorger Matthias Vetter aus Haßfurt über das frischrenovierte Jugendhaus im kleinen Ort Steinbach bei Ebelsbach (Dekanat Haßberge).
Vielfältige Arbeiten waren für die dringend erforderliche Neugestaltung des „Hauses für alle Fälle“ notwendig. Das bereits 95-jährige ehemalige Pfarrhaus, das nach einem ersten Umbau seit 1985 nicht nur für die Jugendarbeit im Dekanat und der ganzen Diözese genutzt wird, war im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre gekommen.
Jugend packte mit an
Zunächst hatten insgesamt 24 Jugendliche und Erwachsene der Ottendorfer Ministranten sowie der Jugendfeuerwehr mit angepackt. Alle brachten die Renovierung anlässlich der bundesweiten 72-Stunden-Sozialaktion „Uns schickt der Himmel“ des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Mitte Juni in Gang. Drei Tage lang waren sie im Innen- als auch im Außenbereich im Großeinsatz.
Schon seit längerer Zeit hatte es Überlegungen der Regionalstelle, des Kirchlichen Jugendamtes in Würzburg und des Bischöflichen Ordinariats gegeben, das Jugendhaus als Jugend- und Übernach–tungshaus zu erhalten. „Wichtig war dabei, das marode Dach zu erneuern und gleichzeitig mit Wärmedämmung zu versehen, da die Energiekosten immens waren“, erklärt Mirjam Wolf, Sekretärin in der Regionalstelle. Auch sie hatte bei „72-Stunden“ selbst viele Stunden mitangepackt. Die 41-Jährige kümmerte sich zusammen mit den anderen Teilnehmern um das Abreißen der Wände im Dachgeschoss und die Beseitigung des Bauschutts, um die Gruppenräume im Erdgeschoss, den Flur, die Decke im Eingangsbereich sowie das Streichen und Dekorieren der Wände.
Auch danach wurde im Jugendhaus oft ganze Wochenenden oder bis tief in die Nacht gemalt, gebaut und geschraubt. Hanna Lutz aus Aidhausen, die bis September als Praktikantin in der Regionalstelle beschäftigt war, hatte bis November immer wieder ein sogenanntes „Ehrenamts-Team“ mit fünf bis zwölf Personen zusammengetrommelt. Besonders Dominic Meinhof (27) von den Baunacher Ministranten brachte als gelernter Bauzeichner und Hobby-Heimwerker viele Stunden ein und erleichterte die Baumaßnahmen zugleich mit seinen mitgebrachten Maschinen und Werkzeugen. Und die Ehrenamtlichen beschäftigten sich mit dem Schleifen und Streichen der Treppen, mit Reparaturarbeiten in den Sanitärräumen, mit dem Abbau und dem Zusammenbau von Möbeln. Auch beschafften sie gebrauchte Einrichtungsgegenstände oder kümmerten sich um die Abfallentsorgung. „Das Entfernen der Decke für den neuen Meditationsraum im zweiten Obergeschoss war sicherlich die schwerste Arbeit“, erinnert sich die Religionspädagogik-Studentin und fügt hinzu: „Am nervenaufreibendsten und langwierigsten war aber das Abschleifen der Treppe und das Anstreichen.“ Als „schön“ empfand sie auf der anderen Seite die Gestaltung einer neuen Garderobe. Etwa 1000 Stunden waren sie und ihre Mitstreiter dabei im Einsatz.
Umfangreiche Arbeiten
Die Planung für allen notwendigen Arbeiten, für die natürlich auch professionelle Firmen engagiert worden waren, übernahm derweil Manfred Schamberger vom Haßfurter Diözesanbüro, zuständig für Bauvorhaben an Kirchen und kirchlichen Gebäuden im Dekanat. Neben der neuen Eindeckung des Daches inklusive Dämmung, Schädlingsbekämpfung und Spenglerarbeiten wurden zudem ungenutzte Räume im Dachgeschoss zu einem Leiterzimmer und einem großzügigem Foyer ausgebaut. Zudem gibt es jetzt neue Fußböden. Weiter waren Maler-, Schreiner- (Fenster, Türen) und Elektrikarbeiten notwendig. Aus den einstigen Pfarreiräumen sind jetzt Schlafräume geworden, vom Erdgeschoss zum Keller wurde eine Brandschutzwand errichtet, der Kellereingang selbst mit Sanierputz auf Vordermann gebracht und die Fußböden im Erdgeschoss aufgearbeitet.
Die Renovierung ist aber noch nicht abgeschlossen. Als nächste Maßnahme steht die Erneuerung der Küche an, da der Umbau ihr den letzten Rest gegeben hat, lacht Hanna Lutz. Außerdem sollen noch die Schlafräume gestrichen und die sanitären Anlagen erneuert werden. Wann es zeitlich dazu kommt ist allerdings noch offen, da die Finanzierung noch nicht abschließend geklärt ist.
Rund 100 000 Euro
Insgesamt kostete die Um- und Neugestaltung bislang knapp 97 000 Euro. Die politische Gemeinde übernahm davon zirka 19 000 Euro, speziell für die Dacheindeckung und die Spenglerarbeiten. Den Restbetrag finanzierte die Diözese. Und für die Erneuerung des Blitzschutzes erhielten Regionalstelle und Diözesanbüro eine Firmenspende von knapp 4000 Euro. Die Materialkosten für die Ehrenamtseinsätze belaufen sich auf etwa 3000 Euro. 1000 Euro steuerte die Sparkasse Ostunterfranken anlässlich der Aktion „Große Talente“ 2012 bei.
„Es handelt sich um ein Übernachtungs- und Selbstversorgerhaus“ und bietet jetzt einer Gruppe mit bis zu 26 Personen Platz“, hofft Matthias Vetter auf weiterhin große Resonanz. „Wir würden uns freuen, wenn künftig noch mehr Gruppen sich für ein paar Tage oder ein Wochenende einmieten. Dann können sie sich selbst überzeugen, wie schön es hier im Jugendhaus geworden ist.“