© Sonntagsblatt: Gößmann-Schmitt
Weihnachten ist nun schon bald wieder vorbei. Das spürt man auch beim heutigen Evangelium. Da bricht die harte Realität mit voller Wucht ins Leben der kleinen Familie ein. „Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten!“ So lautet die Botschaft, die der Engel Josef im Traum mitteilt. Plötzlich ist nichts mehr zu spüren von der heilen Welt. Was bleibt, ist die harte Realität, der wir uns alle stellen müssen.
Evangelium
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus an Stelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.
Matthäus 2,13–15.19–23
Weihnachten ist nun schon bald wieder vorbei. Das spürt man auch beim heutigen Evangelium. Die heimeligen Stunden sind vorbei, die Hirten und die Sterndeuter sind wieder auf dem Heimweg.
Da bricht die harte Realität mit voller Wucht ins Leben der kleinen Familie ein. „Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten!“ So lautet die Botschaft, die der Engel Josef im Traum mitteilt. Plötzlich ist nichts mehr zu spüren von der heilen Welt. Was bleibt, ist die harte Realität, der wir uns alle stellen müssen.
Heute feiern wir das Weihnachtsfest als ein himmlisches, süßes, mildes Fest. Ich denke, es geht jedem von uns so, dass wir uns an diesen Tagen keine Probleme wünschen, zur Ruhe kommen möchten und die Alltagssorgen einmal ausblenden wollen. Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir nicht zu sehr dieser Stimmung verfallen, die uns von den Geschäften und Weihnachtsmärkten suggeriert wird. Denn dann ist die Realität, die jeden früher oder später wieder einholt, noch härter und anstrengender.
Die Realität der kleinen Familie war auch hart. Jesus wurde als König geboren. So wird es uns vermittelt. Aber er wird nicht in einem Palast geboren, sondern in einem Stall. Die himmlischen Heerscharen, die von seiner Geburt zeugen, werden nicht von den Machthabern gehört, sondern von den Armen auf der Welt, von denen, die nichts haben – von ein paar Hirten. So deutet sich schon an, was Jesus in seinem Leben verwirklichen wird: Er ist ein König der Verlassenen, der Armen, der Kranken, und er wird sie aus dem Dunklen herausführen.
Das Jesuskind gehört nicht zu den Kindern, die mit Vorsorgeuntersuchungen aufwachsen, sondern es gehört zu den benachteiligten Kindern. Heute würden die Ämter ihn wohl einstufen als: „Bürger mit Migrationshintergrund“. Er ist ein Flüchtling, ein Asylant, ein Ausländer. Es ist also zu erkennen, dass sich seit der Geburt von Jesus nicht viel geändert hat. Noch immer gibt es Diktatoren, die Menschen verfolgen und sie zwingen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Wie grausam muss es sein, wegzugehen von dem, was einem vertraut ist, von Freunden und Verwandten, hin in eine neue „Heimat“, in der man sich fremd fühlt, die unbekannt ist.
Jesus leidet wie diese Menschen – von Geburt an. Er muss sich mit seiner Familie durchschlagen, um zu überleben. Aber er macht auch, als er sich selbst entscheiden kann, keinen Rückzieher. Er nimmt sein Kreuz auf sich und wird am Schluss vor dem Tod gerettet.
Jesus nimmt der Welt nicht das Schlimme, den Schrecken, und er wird auch nicht vor all dem behütet. Er durchlebt alles, wie auch wir so vieles durchleben müssen. Jesus kennt das Leben, das wir führen, und versteht es. Seit Ostern wissen wir: Er, der so armselig geboren wurde, hat uns alle befreit. Er hat all das durchlitten, um uns ins große „JA“ Gottes mit hineinzunehmen. Darauf dürfen wir immer wieder vertrauen – auch wenn uns unsere Realität eingeholt hat.
Die Autorin („barbara.goessmann-schmitt@bistum-wuerzburg.de“) ist Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald.