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Dialog zum Thema Tod

Seit rund 20 Jahren lebt und arbeitet Dr. Humberto Tapia Perez in Deutschland. Seine mexikanischen Wurzeln und der Umgang mit den Verstorbenen haben ihn nie los gelassen. In Schweinfurt initiierte er dazu eine Ausstellung rund um Allerheiligen und den „Dia de Muertos“.

Die eigene Vergänglichkeit ist für Dr. Humberto Tapia Perez das verbindende Element aller Menschen: „Egal woher wir kommen, der Tod ist der große Gemeinschaftspunkt, der uns vereint“, sagt der 43-jährige Arzt. Tapia Perez ist in der mexikanischen Großstadt San Luis Potosí geboren und aufgewachsen. Nach dem Medizinstudium in Mexiko kam er 2007 nach Deutschland, absolvierte in Magdeburg Facharzt-Ausbildung und Promotion. Über Marburg ging es weiter in die Forschung nach Würzburg. Weil er wieder operieren wollte, wechselte er schließlich 2017 als Neurochirurg ans Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt.

Neben der Medizin ist die Kunst die zweite große Leidenschaft von Humberto Tapia Perez: „Ab der 7. Klasse habe ich eine Sonder-Werkstatt für Kunst besucht“, erzählt der 43-Jährige. Darin lernte er Mal- und Zeichen-Techniken kennen. „Kunst hat mich mein ganzes Leben begleitet“, sagt der Wahl-Schweinfurter, und: „Kunst sollte für alle zum Alltag gehören.“ In Deutschland vermisse er Kunstwerke im öffentlichen Raum. Er wolle Schweinfurt bunter machen, denn: „Kunst kann Menschen zusammenbringen und Brücken bauen.“

Tapia Perez engagiert sich in Schweinfurt im Vorstand des Vereins „Kulturpackt“. Als wichtige Einrichtung sieht er auch die Initiative „Panamericanos“ an, die Menschen mit Verbindungen nach Nord- und Lateinamerika sowie Sprachinteressierte in der Region Main-Rhön vernetzt. Darin tauschen sich ehemalige US-Soldaten und Menschen aus Südamerika aus. „Wir decken den gesamten amerikanischen Kontinent ab und haben einen guten Zusammenhalt“, sagt Tapia Perez, der im Juni 2026 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Schweinfurter Integrationsbeirats gewählt wurde.

Offener Abend zum Auftakt

Über den Integrationsbeirat lernte er das Begegnungs- und Sozialzentrum „Casa Vielfalt“ kennen. Dort entstand die Idee zum Kunstprojekt „Leben, Tod, Erinnerung – ein interkultureller Dialog“. Im Juni lud Humberto Tapia Perez zu einem offenen Abend ein, bei dem es um Trauer und Erinnerung in verschiedenen Kulturen ging. Der Arzt und Künstler bezeichnet sich selbst als „spiritueller Mensch“. In Mexiko sei er einerseits stark katholisch geprägt worden, habe aber auch die mexikanischen Bräuche erlebt.

Die Erinnerung an die Vorfahren gehe in Mexiko auf Urvölker wie zum Beispiel Maya und Azteken zurück und sei bis heute trotz der Eroberung durch die Spanier Teil der nationalen Identität. Auch wenn sich das Land heute in großen Teilen aus den Nachfahren der Indigenen, Spanier und Sklaven zusammensetze, vereine alle Mexikaner die besondere Verbindung zu ihren Ahnen, die nach alten Volksglauben nach dem Tod eine neunjährige Reise mit vielen Stationen absolvieren.

Ausdruck dieser besonderen Beziehung ist der Dia de Muertos, der rund um die christlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen gefeiert wird. Höhepunkt der mehrtägigen Feier sei in seiner Heimat die Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen: „Schüler schreiben Gedichte über den Tod, auf dem Friedhof wird an festlich geschmückten Tafeln gegessen, Totenköpfe werden mit dem eigenen Namen beschriftet“, zählt Tapia Perez die Rituale auf. Auch wenn es in der mexikanischen Mythologie kein Paradies, sondern einen tiefen Traum gebe, sei das Ziel des Gedenkens doch sehr ähnlich wie in den christlichen Kirchen: „Eigentlich geht es darum, die Menschen in dieser Welt zu einem besseren Handeln zu bringen.“ Auch Gottesdienste gehören dazu: „Es gibt keinen Konflikt mit der Kirche.“

Teil der interkulturellen Wochen

Die Stadt Schweinfurt veranstaltet vom 2. Oktober bis 2. November interkulturelle Wochen. Am Ende des offenen Abends stand das Ziel einer Ausstellung zum Thema Leben, Tod und Erinnerung. 16 Interessierte haben spontan ihre Teilnahme zugesagt. Von Malerei bis Zeichnung, von Collage bis Fotografie sind alle Techniken erlaubt, allerdings wird es keine Skulpturen oder Installationen bei der Ausstellung geben. Partner sind der Malteser Hospizdienst und der Schweinfurter Caritasverband.

Zur Gruppe gehören Kunstschaffende, Kreative, Initiativen und Krebs-Patienten, die sich besonders intensiv mit dem Thema Tod auseinander setzen. Deshalb nehmen auch Susanne Krumm, Kunst- und Gestaltungstherapeutin in der Klinik für Psychosomatik des Leopoldina-Krankenhauses, und weitere Personen aus der Krebsberatungsstelle an dem Projekt teil. Das stärke den interdisziplinären und interkulturellen Charakter der Initiative.

Humberto Tapia Perez selbst hat sich für die Ausstellung intensiv mit mexikanischen, nordischen und griechischen Sagen befasst. „Europa lehnt den Tod ab“ hat er sein Bild überschrieben, in dem neben Europa und dem Stier viele Symbole auftauchen, die in mehreren Sagenwelten einen Platz haben, etwa Baum, Schlange oder Fluss.

Ralf Ruppert

Eröffnet wird die Ausstellung in der „Casa Vielfalt“ am Samstag, 24. Oktober, um 12 Uhr. Zu sehen ist sie bis 14. November. Weitere Infos auf www.caritas-sw.de/leben-tod-erinnerung-ein-interkultureller-dialog.

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