Papst Franziskus hat zwei Tage, bevor in Suttgart das dritte Dialogforum des von der Bischofskonferenz ausgerufenen Gesprächsprozesses begann, zu einem „offenen Dialog“ aufgefordert.
Der Zeitpunkt hätte besser nicht sein können. Zwei Tage, bevor in Suttgart das dritte Dialogforum des von der Bischofskonferenz ausgerufenen Gesprächsprozesses begann, hatte Papst Franziskus zu einem „offenen Dialog“, zu einem Dialog ohne „vorgefertigte Konzepte“ aufgefordert. Getan hat er das in einem in der linksliberalen Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlichten offenen Brief (siehe Seite 7). Dieser Brief des Papstes bedeutet, dass das, was die katholische Kirche in Deutschland mit dem Dialogprozess anstrebt, eine offene, vorurteilsfreie Kommunikation, absolut auf der Linie des Papstes liegt. Das ist auch eine Rückenstärkung für Erzbischof Robert Zollitsch, der als Vorsitzender der Bischofskonferenz das Dialogprojekt auf den Weg gebracht hat und dafür auch manchen Widerstand in den eigenen Reihen überwinden musste.
So wohltuend diese Bestärkung aus Rom auch sein mag, ist sie natürlich keine Erfolgsgarantie. Bei allem Lob für die Offenheit und gute Atmosphäre bei den bisherigen Gesprächsrunden in Hannover, Mannheim und Stuttgart haben diese doch auch gezeigt, dass es ein schwieriger und steiniger Weg der kleinen Schritte ist. Und sie haben gezeigt, dass die Umsetzung dessen, was Papst Franziskus in seinem offenen Brief für den Umgang der Kirche mit der Welt, mit den Nichtglaubenden einfordert, schon innerhalb der Gemeinschaft der Glaubenden noch längst keine Selbstverständlichkeit ist, erst gelernt und eingeübt werden muss.
Ein schmerzliches Beispiel dafür ist die verfahrene Situation im Bistum Limburg. Nachdem man sich quasi parallel zur Veröffentlichung des Papstbriefes und zum Dialogforum in Stuttgart auch in dieser Sache auf den Weg des Dialogs gewagt hat, könnte das zu einer Art Lackmustest dafür werden, ob und wie das mit dem entscheidenden Schritt vom Reden zum Handeln funktioniert. Dass dieser Schritt im Dialogprozess nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden darf, wurde diesmal heftiger eingefordert als in Hannover und Mannheim. Die nachdrücklichste Aufforderung, ihn auch zu wagen, kommt inzwischen aus dem Vatikan.
Wolfgang Bullin