Alles hat seine Ordnung
Auch besucht er jeden Morgen die Heilige Messe um 9.30 Uhr in der Hauskapelle – „in der ersten Reihe habe ich meinen Stammplatz“. Bereits eine Stunde vor Beginn der Messe ist er da. „Wenn jemand schwätzt, dann lässt er ein langgezogenes ,Psch’ los“, erzählt Edith Lux von den Kreuzschwestern aus Gemünden, die alle 14 Pfarrer im Seniorenheim gut kennt und auch betreut. „Bei uns ist Pfarrer Ryba der ,Patriarch’. Er hört darauf und hört es auch gerne.“ Eine Antwort auf die Frage nach dem Rezept, wie man so alt werden kann, hat Ryba nicht. „Schon meine Mutter ist 92 Jahre alt geworden, mein Bruder sogar 99.“ Nur seine Schwester und sein Vater (er war Maurer von Beruf), seien schon relativ früh gestorben. „Ich habe mich im Leben nie geschont“, sagt er. Und das ist wohl sein Rezept. „Als Gymnasiast habe ich 14 Stunden am Tag für die Schule gearbeitet“. Als „Vorzeigeschüler“ habe er vor allem seine Zeit mit Nachhilfe verbracht. „Wenn ich nach Hause kam, hatte ich selbst noch keinen Strich getan.“ Da habe er sich dann um 9 Uhr abends hinsetzen und seine Hausaufgaben erledigen müssen. Bei einem Mitschüler habe er zwei Jahre als Hauslehrer fungiert. Obwohl dieser ein schwacher Schüler gewesen sei, habe er ihn durchs Abitur gebracht.Telefoniert sehr gerne
Sein Wunsch, Priester zu werden, habe sich schon früh abgezeichnet. Als Sechsjähriger sei er vom Pfarrer den ganzen Sommer über auf die Frühkommunion am Ende der ersten Klasse vorbereitet worden. Dessen Religionsunterricht habe ihn entscheidend geprägt. Angesprochen auf die Ehrenbürgerwürden, die Ryba 1984 in Schonungen und zuletzt 1988 in Gemünden, seiner letzten Station als Pfarrer, erhalten hat, sagt er: „Wissen Sie, mein Vater war Maurer ...“ Und fährt nicht weiter fort. Was er damit meint, kann man zwischen den Zeilen und seinem spitzbübischen Lächeln lesen. „Beispielhafte Liebe und Pflichterfüllung“, wie ihm die Gemündener Ehrenbürgerurkunde attestiert, das ist ihm im Leben immer wichtig gewesen. Kommunikativ, wie man ihn von früher kennt, ist Ryba bis heute geblieben. Eineinhalb Stunden am Tag zwischen Messe und Mittagessen verbringt er am Telefon. „Ich telefoniere viel, werde aber auch viel angerufen.“Ein musischer Mensch
An seine Stationen als Seelsorger erinnert in seinem Zimmer eine selbstentworfene Batik mit der Darstellung kirchlicher Gebäude früherer Wirkungsstätten. Ryba, ein durch und durch musischer Mensch: Er hat gerne Aquarelle gemalt. Und bis vor zehn Jahren, zur Taufe einer Urgroßnichte, hat er noch Cello gespielt. In Gemünden gab er sogar in einem klassischen Ensemble den Ton an. Viel Freude hat dem Monsignore auch das Verfassen eines Heimatbuches über Groß Hoschütz gemacht – in tschechischer Sprache. Die beherrscht er auch heute noch fließend. Zusätzlich nahm er den Text im mährisch-tschechischen Dialekt auf Hörkassetten auf. Bücher und Tonträger hat er dann seiner Heimatstadt vermacht. Auf Kassetten festgehalten hat er auch das gesamte Brevier. Jeden Tag spielt er die Gebete auf seinem alten Rekorder ab und spricht sie leise nach. Ja, auch im hohen Alter kennt Monsignore seine Pflichten als Priester noch sehr genau.Monsignore Ryba singt auch im hohen Alter noch gerne. Ein Hörbeispiel (zwei Strophen von „O Haupt voll Blut und Wunden“).

