Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Der „Patriarch“ wird 100

Mit großen, gütigen Augen blickt Monsignore Josef Ryba sein Gegenüber an. Wenigstens ein ganz klein wenig möchte er seinen Gesprächspartner erkennen. Sein Augenlicht aber, das sich seit drei Jahrzehnten immer weiter verschlechtert hat, lässt dies kaum noch zu. Über sein Gesicht zieht sich dennoch immer wieder ein Lächeln, freundlich, mild. Bisweilen trägt es auch spitzbübische Züge. Es scheint, als ob er seine Verbindung zum Jungsein nie verloren hat. Mit Geduld erträgt er alle Fragen. Beantworten könne er nicht mehr alles, sagt er fast entschuldigend. Der freundliche ältere Herr mit wachem Geist feiert am 22. Februar, 100. Geburtstag. Geboren in Groß Hoschütz in der Erzdiözese Olmütz (Sudetenland/Tschechien), ist er der älteste Priester der Diözese Würzburg.
Vergleicht man sein Gesicht mit dem müden Antlitz des Fürstbischofs Rudolf von Scherenberg mit den eingefallenen Wangen, das der Bildhauer Riemenschneider in dessen Epitaph im Würzburger Kiliansdom 1498 dargestellt hat, so ist Ryba weit entfernt vom Greisenhaften. „Er sieht noch recht gut aus“, könnte man ihm ohne zu Schmeicheln bescheinigen. Er ist schlank, kleidet sich gepflegt mit weißem Hemd, Strickjacke und dunkler Hose und bewegt sich noch ohne Rollator in seinem Zimmer auf der Pflegestation des St. Theklaheims in Würzburg. Die Gehhilfe nutzt er nur, wenn er mal das Haus verlässt. Sonst nie.

 

Alles hat seine Ordnung

Auch besucht er jeden Morgen die Heilige Messe um 9.30 Uhr in der Hauskapelle – „in der ers­ten Reihe habe ich meinen Stammplatz“. Bereits eine Stunde vor Beginn der Messe ist er da. „Wenn jemand schwätzt, dann lässt er ein langgezogenes ,Psch’ los“, erzählt Edith Lux von den Kreuzschwestern aus Gemünden, die alle 14 Pfarrer im Seniorenheim gut kennt und auch betreut. „Bei uns ist Pfarrer Ryba der ,Patriarch’. Er hört darauf und hört es auch gerne.“   Eine Antwort auf die Frage nach dem Rezept, wie man so alt werden kann, hat Ryba nicht. „Schon meine Mutter ist 92 Jahre alt geworden, mein Bruder sogar 99.“ Nur seine Schwester und sein Vater (er war Maurer von Beruf), seien schon relativ früh gestorben. „Ich habe mich im Leben nie geschont“, sagt er. Und das ist wohl sein Rezept. „Als Gymnasiast habe ich 14 Stunden am Tag für die Schule gearbeitet“. Als „Vorzeigeschüler“  habe er vor allem seine Zeit mit Nachhilfe verbracht. „Wenn ich nach Hause kam, hatte ich selbst noch keinen Strich getan.“ Da habe er sich dann um 9 Uhr abends hinsetzen und seine Hausaufgaben erledigen müssen. Bei einem Mitschüler habe er zwei Jahre als Hauslehrer fungiert. Obwohl dieser ein schwacher Schüler gewesen sei, habe er ihn durchs Abitur gebracht.   

Telefoniert sehr gerne

Sein Wunsch, Priester zu werden, habe sich schon früh abgezeichnet. Als Sechsjähriger sei er vom Pfarrer den ganzen Sommer über auf die Frühkommunion am Ende der ers­ten Klasse vorbereitet worden. Dessen Religionsunterricht habe ihn entscheidend geprägt. Angesprochen auf die Ehrenbürgerwürden, die Ryba 1984 in Schonungen und zuletzt 1988 in Gemünden, seiner letzten Station als Pfarrer, erhalten hat, sagt er: „Wissen Sie, mein Vater war Maurer ...“ Und fährt nicht weiter fort. Was er damit meint, kann man zwischen den Zeilen und seinem spitzbübischen Lächeln lesen. „Beispielhafte Liebe und Pflichterfüllung“, wie ihm die Gemündener Ehrenbürgerurkunde attestiert, das ist ihm im Leben immer wichtig gewesen. Kommunikativ, wie man ihn von früher kennt, ist Ryba bis heute geblieben. Eineinhalb Stunden am Tag zwischen Messe und Mittag­essen verbringt er am Telefon. „Ich telefoniere viel, werde aber auch viel angerufen.“  

Ein musischer Mensch

An seine Stationen als Seelsorger erinnert in seinem Zimmer eine selbstentworfene Batik mit der Darstellung kirchlicher Gebäude früherer Wirkungsstätten. Ryba, ein durch und durch musischer Mensch: Er hat gerne Aquarelle gemalt. Und bis vor zehn Jahren, zur Taufe einer Urgroßnichte, hat er noch Cello gespielt. In Gemünden gab er sogar in einem  klassischen Ensemb­le den Ton an. Viel Freude hat dem Monsignore auch das Verfassen eines Heimatbuches über Groß Hoschütz gemacht – in tschechischer Sprache. Die beherrscht er auch heute noch fließend. Zusätzlich nahm er den Text im mährisch-tschechischen Dia­lekt auf Hörkassetten auf. Bücher und Tonträger hat er dann seiner Heimatstadt vermacht. Auf Kassetten festgehalten hat er auch das gesamte Brevier. Jeden Tag spielt er die Gebete auf seinem alten Rekorder ab und spricht sie leise nach. Ja, auch im hohen Alter kennt Monsignore seine Pflichten als Priester noch sehr genau.  

Monsignore Ryba singt auch im hohen Alter noch gerne. Ein Hörbeispiel (zwei Strophen von „O Haupt voll Blut und Wun­den“).

 

Lebenslauf

Geboren: Am 22. Februar 1914 in Groß Hoschütz in der Erzdiözese Olmütz, Tschechien.   Priesterweihe: Am 29. Juni 1938 im Veitsdom von Prag.   Tätigkeiten im Osten: Bis zu seiner Aussiedlung 1946 in die Bundesrepublik war er in Asch, Zieditz und in Liebenstein.   Aussiedlung: Ryba kommt 1946 in die Diözese Würzburg.   Tätigkeiten im Westen:  1946 bis 1949: Wartmannsroth und Völkersleier.  1949 bis 1952: Kuratus Lager Hammelburg, Bonnland.  1952 bis 1966: Pfarrer in Schonungen – 1984 Ehrenbürger.  1966 bis 1989: Pfarrer in Ge­münden – 1988 Ehrenbürger.  1990 bis Anfang 2013: Seelsorger in Ettleben.   Seit Anfang 2013: Im St. Thek­laheim in Würzburg.