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Der, der uns verheißen war?

Immer wieder frage ich mich, wenn ich das höre, wie es Johannes im Gefängnis wohl ergangen ist, als er dies alles von seinen Jüngern hörte. Er konnte sich nur auf ihr Wort verlassen. Vielleicht hätte er es doch selbst gerne mit eigenen Augen gesehen. Es ist ja nicht einfach, alles zu glauben, was man so hört. Hier komme ich immer auch bei uns, bei mir an. Wir sind gerade in der Adventszeit. Stellen wir uns auch die Frage, ob dieser Jesus der war, der uns Menschen verheißen wurde? Oder hetzen wir durch diese Zeit, in der wir uns jedes Jahr aufs Neue darauf vorbereiten, ihn willkommen zu heißen, ohne darüber nachzudenken?

Evangelium

In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Matthäus 11,2–11   Wir stecken gerade mitten drin in der besinnlichen Adventszeit. Noch neun Tage sind es, bis wir das Weihnachtsfest feiern. Weihnachten, mit den Bäumen, den glitzernden Lichtern überall und den Geschenken. Aber auch mit dem Stress, die letzten Geschenke zu finden, mit überfüllten Geschäften und oft leider auch mit Streit in den Familien.   Mit all dem musste sich Johannes der Täufer nicht auseinandersetzen. Er stellte eine ganz andere Frage, eine viel existentiellere Frage! „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Johannes kannte die Verheißung, dass der Messias kommen soll. Der, der alle befreit und das Reich Gottes in die Welt bringt. Es war ihm, der im Gefängnis saß und praktisch lahmgelegt war, ein Anliegen, diesem Jesus, von dem er so viel hörte, diese Frage zu stellen. In dieser Zeit war das mit Sicherheit auch eine sehr legitime Frage. In einer Zeit, in der viele Propheten auftraten und ihre Ansichten lautstark kundtaten. Wahrscheinlich erwartete Johannes ein ganz einfaches „Ja“ oder „Nein“ von Jesus. Aber er bekam eine sehr ausführliche Antwort. Jesus ließ ihm durch die Jünger sagen, was sie selbst erleben konnten. Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.   Immer wieder frage ich mich, wenn ich das höre, wie es Johannes im Gefängnis wohl ergangen ist, als er dies alles von seinen Jüngern hörte. Er konnte sich nur auf ihr Wort verlassen. Vielleicht hätte er es doch selbst gerne mit eigenen Augen gesehen. Es ist ja nicht einfach, alles zu glauben, was man so hört. Hier komme ich immer auch bei uns, bei mir an. Wir sind gerade in der Adventszeit. Stellen wir uns auch die Frage, ob dieser Jesus der war, der uns Menschen verheißen wurde? Oder hetzen wir durch diese Zeit, in der wir uns jedes Jahr aufs Neue darauf vorbereiten, ihn willkommen zu heißen, ohne darüber nachzudenken?   Eigentlich geht es uns doch so wie Johannes. Er sitzt im Gefängnis und kann nichts von dem, was er hört, sehen. Er kann diesen Jesus nicht berühren, keine seiner Wunder­taten und seiner Ansprachen ans Volk miterleben. Er kann sich nur auf das verlassen, was ihm von seinen Jüngern berichtet wird. Wir heute können Jesus auch nicht mehr berühren und seine Wunder sehen. Wir können uns nur auf das verlassen, was die Bibel von ihm erzählt.   Und doch ist es wichtig, sich mit dieser Botschaft auseinanderzu-setzen. Auch für uns ist es wertvoll und richtig, dass wir diese Botschaft immer wieder hinterfragen. Wir sollten sie nicht einfach hinnehmen, denn nur wer sie hinterfragt, kann zu einem wahren Glauben kommen, und nur so können wir wirklich ein wahrhaftiges Weihnachtsfest feiern. Ich kann mir vorstellen, dass Jesus lieber solch direkte Fragen hat, durch die wir uns mit ihm auseinandersetzen, als dass wir alles glauben, was uns gesagt wird. Er möchte lebendig sein, in jeder und jedem von uns, und mit uns gemeinsam unsere Geschichte schreiben.   Lassen wir also in dieser Adventszeit immer wieder einmal das „Drumherum“ und stellen wir uns die Frage: „Auf wen bereiten wir uns vor, und warum?“   Die Autorin („barbara.goessmann-schmitt@bistum-wuerzburg.de“) ist Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft St. Franzikus am Steigerwald.