Wer in diesen Tagen nach Nordafrika blickt, den erfüllt wohl tiefe Sorge: Mittlerweile sind die Spannungen so groß, dass das Auswärtige Amt sogar von Reisen nach Ägypten abrät. Doch nicht nur dort ist der Frieden ernsthaft in Gefahr. Auch im Osten des vielfältigen Kontinents hat sich die Situation verändert. Seit einiger Zeit gibt es in Tansania, dem Land unserer Partnerdiözese Mbinga, Spannungen zwischen Muslimen und Christen.
Doch hier ist sogleich Vorsicht geboten: Es sind nur einige wenige, die versuchen, die Stimmung im Land aufzuheizen. Jüngster Anlass zur Sorge war ein Säure-Attentat auf zwei Britinnen, die als freiwillige Helfer in einer Schule auf Sansibar, eine Insel vor der Küste Tansanias, gearbeitet haben.
Nicht nur Touristen sind entsetzt, auch die Einheimischen sind schockiert. Viele Vertreter von Kirchen und muslimischen Organisationen versuchen nun gegenzusteuern und den Trend aufzuhalten. In Mbinga, im Südwesten des Landes, ist die Situation zwar noch vergleichsweise ruhig, gefährlich ist die Situation aber trotzdem für alle.
Dass Tansania, ohnehin schon von Armut gebeutelt, nun auch noch um seinen sozialen Frieden bangen muss, ist eine traurige Entwicklung. Denn das Land hat mehr zu bieten als man als unwissender Deutscher ahnen mag: Da gibt es Landschaften, deren Schönheit einmalig ist, und es gibt vor allem Menschen, deren Herzlichkeit und Gastfreundschaft trotz eigener Nöte ungebrochen groß ist.
Dass ein Dialog zwischen den Religionen möglich ist, hat eine kleine Gemeinde hoch in den Bergen vorgemacht: Weil keine der Religionsgemeinschaften ein Gotteshaus in der Goldgräberstadt Darpori hatte, haben sie eben zusammen eines gebaut.
So war es kaum verwunderlich, dass Weihbischof Ulrich Boom auf seiner Reise durch Mbinga auch von feiernden Muslimen und evangelischen Christen begrüßt wurde – eine schöne Geste. In dieser abgelegenen Region ist das Gemeinsame wohl doch noch größer als das Trennende. Es bleibt Tansania zu wünschen, dass ein Dialog gelingt; und dass eine kleine Stadt vielleicht ein Vorbild für viele sein kann.
