Vor kurzem hat neben dem Messegelände in Frankfurt am Main ein Einkaufszentrum eröffnet. Das ist ja nun nichts außergewöhnliches, doch das „Skyline Plaza" benannte Gebäude hat es nicht nur in die Abendnachrichten geschafft, sondern sogar ins Feuilleton (!) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Offenbar also ein Kulturphänomen.
Ein Besuch am Ort des Geschehens am Tag nach der Eröffnung: Nach wie vor drängen Menschenmassen in das quietschbunte Riesengebäude im Stil der „Look-at-me-Architektur". Irgendetwas Besonderes ist allerdings nirgends zu sehen: Filialen der altbekannten Billig-Klamottenläden, die marktschreierischen Monopol-Elektroketten, dazwischen Systemgastronomie.
Trotzdem drängen sich die Leute wie verrückt nach dieser Ansammlung von Ramsch. Die Nachrichten verkünden währenddessen, die Zeit des „Geiz ist geil" sei vorbei, Papst Franziskus mahnt vehement den Konsumverzicht an. Doch die Realität der Menschen ist eine andere. Die Botschaft erreicht wohl nur einen Haufen Intellektueller und eingefleischter „Hardcore"-Christen. Aber die wussten das auch schon vorher.
Erschütternd: Die Macht des Immer-mehr-Konsumierens ist stärker als der Glaube und wird sogar schon zur „Kultur" hochstilisiert. Seltsam nur, dass dieser immergleiche Warenwahn keinem langweilig wird. Und bedenklich, dass es anderen Glaubensgemeinschaften auch nicht besser ergeht. Da mögen die Imame noch so sehr – und durchaus zu Recht – gegen den verderbten westlichen Lebensstil wettern. Auch ihre Gläubigen sieht man in großer Anzahl – und ebenso dick mit Plastiktüten bepackt wie die verdorbenen Westler – durch das „Skyline Plaza" hetzen.
Dabei kann man dem Haus schon von außen ansehen, dass hier Massenkonsum in übelster Form herrscht: Es sieht genauso billig aus wie die Waren, die man darin kaufen kann. Doch offenbar kann keiner mehr die Zeichen lesen. Der Fäulnisgeruch von Elend, Armut und Krankheit jener, die diesen Billigkram herstellen und oft mit ihrem Leben bezahlen, der kriecht dennoch unter den bunten Plastikfassaden hervor. Wir riechen ihn nur nicht.
Jerzy Staus
