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      Drei afghanische Familien waren im katholischen Pfarrheim untergebracht

      Das Ende einer langen Flucht

      Seit dem Rückzug der US-Truppen und NATO-Verbände herrschen die Taliban in Afghanistan. Aus Angst vor Terror und Unterdrückung sind viele auf der Flucht – auch nach Deutschland. Drei Familien waren vor Kurzem in einem Pfarrheim in Hofheim untergebracht.

      Die Ministranten der Pfarrei St. Johannes der Täufer mussten etwas zusammenrücken. Im Pfarrheim sind seit Dezember drei afghanische Familien untergebracht gewesen. Mittlerweile wohnen sie in einem Haus außerhalb Hofheims. Doch neue Geflüchtete sollen einziehen. Die Räume sind vor allem Räume der Ministranten. Ärger gab es deshalb jedoch nicht, weiß Pfarrer Manuel Vetter.

      Gut integriert

      Im Gegenteil. Treffen sich die Ministranten, sind die afghanischen Gäste ebenfalls willkommen. Beim Kartenspiel oder TicTacToe-Spielen gibt es keine Verständigungsprobleme. Und auch sonst sind die Gäste gut integriert. „Sie bringen sich super ein und wollen immer was zu tun haben”, erzählt Pfarrer Vetter. So ist bereits der Vorgarten des Pfarrbüros gepflegt worden und die Kirchenpfleger der Pfarreiengemeinschaft werden unterstützt. Abdulghafur, einer der Geflüchteten, hat sogar den Kirchturm gereinigt. „Wir sind so dankbar. Sie engagieren sich so sehr und helfen, wo sie nur können”, sagt Pfarrsekretärin Michaela Stottele-Vogt. Omid, ein anderer Afghane, entgegnet, sie seien froh, dass sie helfen können.

      Er ist durch den Iran, die Türkei, Griechenland, Italien und Österreich nach Deutschland gekommen. Obwohl er und seine Familie oft mehrere Versuche benötigten, um über Grenzen zu gelangen, hat er nicht aufgegeben. Auf dem Schiff zwischen Griechenland und Italien gab es während der fünftägigen Fahrt nur eine Flasche Wasser pro Tag für jeden, erzählt er. Najmah, seine Frau, sagt, sie sind etwa zweieinhalb Jahre auf der Flucht gewesen. Abdulghafur erzählt, er habe auf der Flucht bereits im Iran und vier Jahre lang in Griechenland gelebt.

      Was der konkrete Anlass ihrer Flucht war, wollen sie nicht erzählen. Omid benennt zumindest ein Problem: Geld. Er habe sich entscheiden müssen, ob er heizt oder Lebensmittel kauft. Fast alle der Geflüchteten haben Verwandte, die schon länger in Deutschland sind. Deshalb sei Deutschland das Ziel gewesen.

      Familienangehörige

      Allerdings nicht nur, weil es vermeintlich leichter ist, dorthin zu gehen, wo bereits Familie ist. In der afghanischen Kultur ist es üblich, dass Familien zusammen wohnen. Bis zur Heirat, dann zieht das Paar zur Familie des Mannes bis zum Tod der Eltern. Außerdem, ergänzt einer der Afghanen, habe es ihm gefallen, was er bisher über Deutschland gehört hat.

      Abdulghafur hat eine ganz eigene Hoffnung. Er hat gesundheitliche Probleme mit seiner Hand. Fünf Operationen waren bislang erfolglos. Er hofft, dass die Ärzte in Deutschland ihm helfen können. Einig sind sich alle, was sie in Deutschland schätzen: die Sicherheit, die Bedeutung der Kinder und Frauen und dass hier für die armen und bedürftigen Menschen gesorgt wird. In Afghanistan würde sich niemand um diese Menschen kümmern.

      Keine Angst

      Die Kinder können hier ohne Angst spielen und zur Schule gehen. Die Frauen dürfen alleine das Haus verlassen. Eins der Mädchen erzählt, sie will deutsch lernen und einen Job finden. Ein anderes träumt von einem eigenen Buch. Sie hat bereits angefangen, zu schreiben. Sie hofft, dass es später einmal übersetzt wird. Sie schreibt über Afghanistan, die Menschen und ihre Probleme dort. So will sie den Menschen hier von ihrer Heimat erzählen.

      Worüber mancher deutsche Staatsbürger flucht, schätzt Omid besonders: die geltenden Regeln und Ordnungen. Er komme aus einem Land, wo es kaum Regeln gibt und das führe häufig zu Problemen. Eine der jungen Frauen ergänzt: Sie freut sich, dass sie mit ihrem Mann rausgehen darf und seine Hand halten darf. Sie mag die Freiheiten sehr. Jetzt, sagt sie, weiß sie, was das Leben ist.

      Alexandra Thätner

      Situation in Afghanistan

      Am 31. August 2021 haben die letzten US-Truppen und NATO-Verbände Afghanistan verlassen. Bereits zwei Wochen zuvor hatten die Taliban Kabul eingenommen. Sechs Wochen nach ihrer Machtübernahme bildeten sie eine Übergangsregierung. Seitdem ist das Leben in Afghanistan ein anderes.

      Obwohl die landesweiten Kämpfe mittlerweile beendet seien, bleibe die Sicherheitslage weiterhin instabil, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Website. „Es gibt Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen und Übergriffe durch Taliban-Vertreter”, heißt es dort. Weiter heißt es: „Landesweit kommt es immer wieder zu Attentaten, Überfällen, Entführungen (auch von Ausländern) und anderen Gewaltverbrechen. Daneben gibt es ein hohes Maß an Alltagskriminalität und organisierter Kriminalität in den Städten.”

      Bisher bestehende bürgerliche Freiheiten sind stark eingeschränkt. So müssen sich Mädchen und Frauen verschleiern, dürfen keine Hochschulen mehr besuchen und lediglich bis zur 7. Klasse zur Schule gehen. Außerdem gibt es ein Tätigkeitsverbot für Frauen in Hilfsorganisationen. Das führte dazu, dass einige Organisationen ihre Arbeit zumindest teilweise einschränken. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beklagt außerdem eine Zensur der Medien und Druck auf Journalisten. Die wirtschaftliche und humanitäre Situation habe sich drastisch verschlechtert. Die Preise der Lebensmittel und anderer Produkte des täglichen Bedarf seien stark angestiegen.