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Beispiel für das Europa der Zukunft?

Kommentar von Wolfang Bullin
Kommentar von Wolfang Bullin
Die Kirche sieht ihre Verantwortung für die Gestaltung des künftigen Europa, und sie hat diesem Europa auch Perspektiven und Leitlinien anzubieten, die es davor bewahren, zu einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft herabzusinken. Das sagt der Papst in seinem Schreiben „Ecclesia in Europa“ (siehe Sonntagsblatt vom 6. Juli 2003). Das unterstreicht auch Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand im Gespräch mit dem Sonntagsblatt über dieses Dokument. Und als Beispiele nennt Hillenbrand das Modell der Einheit in Vielfalt und unter dem Stichwort „Politische Diakonie“ die Chance der Kirche, dem Verfall der politischen Kultur entgegenzuwirken. Und das zu Recht, denn die Kirche besitzt ja einen reichen Schatz an Wahrheiten, Werten, Traditionen und Erfahrungen und hat den Auftrag, dies alles weiterzugeben.
Allerdings erhebt sich die Frage, ob die Stimme der Kirche in Europa überhaupt in diesem Maße gefragt ist, und ob sie die Kraft hat, ihre Stimme vernehmbar einzubringen. Umfrageergebnisse der letzten Zeit und die Diskussion um den Gottesbezug in der EU-Verfassung legen da eher eine negative Antwort nahe. Die Gründe dafür dürften wohl weniger in der Botschaft der Kirche zu suchen sein, als vielmehr darin, wie diese Botschaft vom „Bodenpersonal des lieben Gottes“, und da in erster Linie von den Amtsträgern, den Menschen vermittelt und vorgelebt wird. Gerade was die viel beschworene Einheit in Vielfalt, sowohl innerkirchlich wie auch im Blick auf die Ökumene betrifft, konnte man jüngst in mehrfacher Hinsicht erleben, wie weit da Theorie und Praxis auseinanderklaffen; wie leichtfertig gewachsenens Vertrauen aufs Spiel gesetzt und Menschen mit kirchenrechtlichen Argumenten, da wo eigentlich seelsorgliche angebracht wären, vor den Kopf gestoßen werden. Und auch mit der Nachhilfe in politischer Kultur dürfte es nicht weit her sein, wenn man sich vergegenwärtigt, wie man in der Kirche immer wieder miteinander umgeht; welche Rolle Sanktionen und Angst, speziell Angst vor Denunziation, bei den Verkündigern der Frohen Botschaft spielen; dass persönliche Eitelkeiten, Neid, Missgunst und Intrigen unter Amtsträgern leider allzu oft das Klima in Leitungsgremien bestimmen. Das alles gefährdet auch die Vertrauensbasis der Kirche vor Ort. Aber auch die braucht eine Kirche, die Europa mitgestalten will.