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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Sun, 09 Aug 2026 00:55:18 +0200</pubDate><lastBuildDate>Sun, 09 Aug 2026 00:55:18 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://sobla.de/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-74489</guid><pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:43:00 +0200</pubDate><title>Gib mir doch ein Zeichen!</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/gib-mir-doch-ein-zeichen/</link><description>Der Prophet Elija erlebt, was viele erleben: Er steckt in der Klemme, aber Gott redet nicht mit ihm – zumindest nicht so, wie er es erwartet: mit Naturgewalten. Schwester Kristina Wolf erklärt,was man tun kann, wenn die Stimme vom Himmel schweigt.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufervorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.</p><p>Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.</p><p>In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!</p><p>Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!</p><p>Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus niederund sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 14,22–33</strong></p><p></p><section compid="F2561A45-DA7C-4AA9-9876-454E7DBD6C43" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Elija ist verzweifelt, aber Gott sagt nichts, ausgerechnet jetzt, da er ein Wort von ihm so dringend braucht. Der Prophet hat leidenschaftlich für Gott gekämpft. Er hat alle seine Kräfte eingesetzt, um den Israeliten zu beweisen, dass nur Jahwe ihr Gott ist und dass das Gebet zu ihrer neuen Gottheit Baal ein wirkungsloser Götzendienst ist.</p><p>Erfolg hat Elija keinen, denn Ahab, der König des Nordreichs Israel, unterstützt die neue Religion, den Baal-Kult, den seine Frau Isebel aus ihrer phönizischen Heimat mitgebracht hat. Schlimmer noch: Ahab trachtet Elija nach dem Leben. Als Elija davon erfährt, flieht er in die Wüste. Dort, am Gottesberg Horeb, hofft er auf ein machtvolles Zeichen Gottes. So leidenschaftlich, wie er selbst für Jahwe gekämpft hat, soll auch dieser nun zeigen, dass er der Einzige ist und dass er die Israeliten zu sich zurückbringt.</p><p>Doch Gott enttäuscht Elija. Er zeigt sich nicht in großer Geste. Zwar kommt ein Sturm auf, Elija sieht Feuer und Erdbeben, wenn er in die Landschaft blickt. Aber Gott ist nicht in den Naturgewalten. Es bleibt still. Machtvolle Zeichen scheinen nicht mehr Gottes Art der Kommunikation zu sein.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Antwort nicht garantiert</h3><p>Schwester Kristina Wolf kann den Wunsch nach deutlichen Worten nachvollziehen. „Keine Antwort von Gott zu bekommen, ist für viele Menschen sehr schwer“, sagt sie. Die 58-jährige Missionsärztliche Schwester lebt in Frankfurt am Main. Dort hat sie 18 Jahre lang in einem Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität mitgearbeitet und Menschen begleitet, die nach Gott fragen.</p><p>Am Beginn ihrer eigenen Gottsuche stand, ähnlich wie bei Elija, die Hoffnung, dass Gott eine klare Vorstellung davon hat, was sie tun soll. „Als ich 18 war, habe ich mir gewünscht, dass Gott mir ziemlich deutlich sagt, was er von mir möchte“, erzählt sie.</p><p>Damals, während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, spürte sie, dass sie ihr Leben mit Gott leben wollte. Aber Gott äußerte sich nicht dazu. Zumindest nicht direkt. Sie erzählt, ein Kaplan habe ihr damals die Bibelstelle mit dem Propheten Elija nahegebracht, die sie seitdem nicht mehr vergessen habe.</p><p>Elija bekommt schließlich doch eine Antwort, aber auf völlig ungewohnte Weise, in einem kaum hörbaren, unspektakulären, säuselnden Wind. Der Kaplan sagte zu ihr: „Gott kommt nicht daher und spricht in großen Zeichen. Versuche, auf die leise Stimme zu hören.“</p><p>Aber wie geht das? Braucht man also Stille? „Das ist eine Möglichkeit“, sagt Schwester Kristina. „Stille heißt noch nicht, dass man Gottes Stimme hört, aber sie ist eine Hilfe.“ Selbst wenn man zehntägige oder dreißigtägige Exerzitien macht, sei das keine Garantie für eine Antwort. „Aber man kann lernen, von sich selbst abzusehen und seine Sinne zu öffnen“, sagt Schwester Kristina.</p><p>Gott mache sich eben auch außerhalb der Stille bemerkbar, sagt sie: „Vielleicht, weil mich auf einmal ein Wort eines anderen Menschen trifft. Oder weil ein Bibeltext mich berührt oder ein Moment in der Natur oder in einem Gottesdienst.“ Dann gebe es „eine Resonanz zwischen mir und dem, was mir von außen entgegenkommt“, sagt Schwester Kristina.</p><p>In der Zeit der Ausbildung spürte sie, dass die Gemeinschaft, die sie damals kennenlernte, noch „nicht die war, die mich angezogen hat“, erzählt sie. Später studierte sie Theologie, wurde Pastoralreferentin und fand die Gemeinschaft, in der sie heute lebt. „Bei dieser war sofort klar: Da ist ein ganz tiefes, inneres Ja in mir.“</p><p>Es waren viele Etappen über viele Jahre. Allmählich verschwand die Vorstellung, dass Gott Menschen einen Plan für das ganze Leben vorgibt, nach dem Motto: Du wirst Ordensfrau, du wirst Automechaniker, und du wirst Professorin, erzählt Schwester Kristina. Sie hat erfahren: Gott gibt einen Hinweis jeweils für den nächsten Schritt.</p><p>Welcher das ist, zeigt sich für Schwester Kristina darin, ob sich das, was man wählt, richtig anfühlt, „ob es stimmig ist, ob es auf lange Sicht zu mir und meinem Leben passt, nicht nur in diesem Moment“.</p><p>Besonders wichtig ist ihr, ob es „ein Mehr an Leben“ gibt. Sie erinnert an den Satz Jesu: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Dieser Satz ist für sie kein Versprechen, dass immer alles gut ist. „Ein Mehr an Leben oder Leben in Fülle bedeutet für mich, bis zu dem Brunnenpunkt des Schönen und des Schrecklichen durchzuschauen, an dem alles aus Gott hervorströmt.“ So hat es der Jesuit Al-fred Delp einmal ausgedrückt.</p><p>Auch Elija macht diese Erfahrung. Es ist eben nicht der Erfolg, der ihn zu Gott führt, sondern seine gescheiterte Mission.</p><p>Ist das die Art, auf die Gott sich im Leben meldet? Schwester Kristina sagt: „Ich wähle meinen Weg nach bestem Wissen und Gewissen, so, dass er sich richtig anfühlt, dass er stimmt. Und dann gehe ich.“<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p></section><section compid="A80A6625-47BE-417A-BF87-ED229274F429" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Kristina Wolf gehört zur Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern in Frankfurt am Main. Dort hat sie viele Jahre an einem Zentrum für christliche Meditation gearbeitet und Menschen bei ihrer Gottsuche begleitet.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74352</guid><pubDate>Sun, 02 Aug 2026 13:35:00 +0200</pubDate><title>Mehr Vertrauen geht nicht</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/mehr-vertrauen-geht-nicht/</link><description>Eine starke These im Römerbrief: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes! Paulus ermutigt damit die Gläubigen, die in seiner Zeit ausgegrenzt und verfolgt wurden. Ob der Satz ihnen wohl geholfen hat? Und hilft er heute?</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Evangelium</h3><p>In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!</p><p>Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: Bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.</p><p>Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.</p><p><strong>Matthäus 14,13–21</strong></p><p>Vor ungefähr zwei Jahren war ich bei einer Beerdigung. Eine alte Dame war gestorben, über 90 Jahre alt. Ich war als Lektorin eingesetzt – für genau die Lesung aus dem Brief an die Gemeinden in Rom, die an diesem Sonntag verkündet wird. Die alte Dame habe den Text selbst ausgesucht, hieß es. Er sei schon seit vielen Jahren einer ihrer Lieblingstexte gewesen.</p><p>Wer über 90 ist, hat sicher einiges mitgemacht. Schönes, aber auch Trauriges, Schmerzhaftes. Damit rechnet auch Paulus in seinem Brief. Er schrieb ihn wohl im Winter 56 oder im Frühjahr 57 auf seiner dritten Missionsreise. Bis dahin hatte er schon viel erlebt: Schönes, wenn er Erfolg hatte mit seiner Predigt, wenn er Freundschaften schloss in den jungen Gemeinden. Aber auch Übles: Er wurde aus Ortschaften vertrieben, ihm wurden Prügel angedroht, er wurde mehrfach verhaftet; später würde er noch Schiffbruch erleiden – buchstäblich wie im übertragenen Sinn. Und er erlebte, dass Christen wegen ihres Glaubens verfolgt, ausgegrenzt oder sogar getötet wurden.</p><p>Und doch konnte Paulus schreiben: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ Und: „Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Mehr Vertrauen geht nicht.</p><p>Aber ist das mehr als eine starke These? In der Kirche ist es ja oft so: Es wird in der Predigt behauptet, dass Gott durch die tiefsten Täler mitgeht. Aber stimmt das wirklich? Fühlen wir es? Eine Freundin, die einen schweren Verlust erlitten hat, sagte einmal: „Da geht man jahrzehntelang Sonntag für Sonntag in die Kirche, aber wenn man Gott einmal wirklich braucht, ist er nicht da!“</p><p>Mich hat diese Aussage beeindruckt – vor allem wegen der Ehrlichkeit, die aus ihr spricht. Sie zeigt mir, dass steile Behauptungen manchmal nicht reichen, auch wenn sie von Paulus stammen. Im Gegenteil könnten sie ein schlechtes Gewissen machen: Wenn ich Gottes Nähe nicht spüre, na, dann muss es wohl an mir liegen. Dann genügt mein Glaube wohl nicht. Dann mache ich etwas falsch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Mehr Kopf als Bauch</h3><p>Und Paulus? Man kann in ihn nicht hineinschauen. Alles, was wir kennen, sind seine Briefe, in denen er den Glauben der jungen Gemeinden stärken wollte. Eigene Zweifel oder innere Not hätten da keinen Platz gefunden, selbst wenn er welche gehabt hätte. Vielleicht hat aber auch diese eine umwerfende Begegnung mit Jesus, damals vor Damaskus, für das ganze Leben gereicht.</p><p>Die meisten von uns hatten eine solch umwerfende Gottesbegegnung aber nicht. Wie sollen wir also damit umgehen, wenn die Überzeugung „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes“ wankt, wenn wir sie nicht mehr spüren?</p><p>Vielleicht, indem wir sie als Versprechen lesen, das unser Gefühl nicht zwingend bestätigen muss, das mehr Kopf ist als Bauch, mehr Wollen als Emotion. So, wie wir es auch aus dem Alltag kennen: Wir glauben vom Kopf her, dass die Erde eine Kugel ist und sich ständig dreht – obwohl sie sich ziemlich flach und ziemlich unbeweglich anfühlt. Wir sind vom Kopf her überzeugt, dass der Flieger sicher landen wird, obwohl der Bauch gerade Saltos schlägt. Wir schlafen ruhig in dem vernünftigen Wissen, dass nach der Nacht wieder Tag wird und dass wir nach dem Flug wieder Boden unter den Füßen haben werden.</p><p>So ähnlich kann es mit Gott sein. Auch wenn der Tod uns trifft, wenn Mächtige das Glauben schwer machen, wenn Gegenwärtiges oder Zukünftiges uns zweifeln lässt, wenn wir in Höhen des Lebens Gott vergessen und ihn in Tiefen nicht finden, wenn uns andere Menschen den Glauben erschweren, weil sie unglaubwürdig sind oder Missbrauchstäter, wenn so etwas passiert und wir Gott subjektiv nicht mehr spüren – dann kann uns doch objektiv nichts scheiden von der Liebe Gottes. So, wie die Erde sich trotzdem dreht, ist er trotzdem da.</p><p>Sicher kennen Sie die Geschichte von dem Menschen, der nach seinem Tod gemeinsam mit Gott auf seinen Lebensweg zurückschaut. Meist sind zwei Spuren zu sehen, seine und Gottes. Doch in den ganz schwierigen Zeiten des Lebens fehlt eine Spur, und als der Mann deshalb Gott Vorwürfe macht, wie er ihn gerade da habe verlassen können, hört er: „In diesen Zeiten habe ich dich getragen.“ Denn auch wenn wir es gerade nicht spüren: Objektiv kann uns nichts scheiden von der Liebe Gottes.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74332</guid><pubDate>Mon, 27 Jul 2026 16:41:06 +0200</pubDate><title>Gedenken an Julius Kardinal Döpfner</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/gedenken-an-julius-kardinal-doepfner/</link><description>Bischof Dr. Franz Jung feiert in Würzburg und Hausen Gedenkgottesdienste zum 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner. An seinem Vor-Vor-Vor-Vorgänger schätzt Jung die „Beheimatung in der Tradition und Offenheit für die Fragen der Zeit“.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Mit zwei Gedenkgottesdiensten hat das Bistum Würzburg an den 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner erinnert. Er habe „in schwieriger Zeit dieses Bistum geleitet, den Wiederaufbau begleitet und sich zu einer wichtigen Figur der katholischen Kirche in Deutschland und weltweit entwickelt. Dankbar gedenken wir seines Wirkens“, begrüßte Bischof Dr. Franz Jung die Gläubigen am 24. Juli im Würzburger Kiliansdom. Zwei Tage später kam Jung in Döpfners Geburtsort Hausen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">1976 an einem Herzinfarkt gestorben</h3><p>Julius Döpfner war von 1948 bis 1957 Bischof von Würzburg, danach Bischof von Berlin und Erzbischof von München. 1958 wurde er zum Kardinal ernannt, 1965 wurde er nach der Gründung der Deutschen Bischofskonferenz deren erster Vorsitzender. Döpfner starb am 24. Juli 1976 in München an einem Herzinfarkt.</p><p>„Schön, dass ihr das Gedächtnis an diesen großen Seelsorger und Bischof wach haltet“, sagte Bischof Jung zu Beginn des Gottesdienstes in Hausen. Döpfner habe seine Kraft den Menschen geschenkt. Diakon Christoph Glaser erinnerte daran, dass Döpfner selbst seine Ehrentitel nicht wichtig gewesen seien. Überliefert ist eine Begegnung mit dem damaligen Bürgermeister von Hausen, bei der Döpfner nach der offiziellen Begrüßung sagte: „Hör doch auf, ich bin und bleib euer Julius vom Berg.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Rückzugsort“ an der Saale</h3><p>Andreas Wehner von der Kirchenverwaltung Hausen bezeichnete den Bad Kissinger Stadtteil als „Rückzugsort“ des Kardinals. „Sein Erbe möge uns stets begleiten und uns an die Bedeutung des Miteinanders erinnern.“ Zu den vielen Besucherinnen und Besuchern des Gedenkgottesdienstes, die noch persönliche Erinnerungen an Julius Kardinal Döpfner haben, zählt Roswitha Vorbeck (73). Lachend erzählt sie, dass sie als Kinder bei einem Empfang in Hausen im Auftrag der Sternschwestern ein Gedicht aufsagen mussten. Ein Junge habe am Ende zum hohen Besucher gesagt: „So ein Kradinal wie du möchte ich auch mal werden.“ Er habe bei Spaziergängen auch immer mit den Kindern geplaudert und wollte wissen, wer die Eltern sind. „Kardinal Döpfner hat immer interessiert nachgefragt“, erinnert sich Roswitha Vorbeck.</p><p>Vor allem um persönliche Erinnerungen ging es auch bei einer Begegnung im Burkardushaus, zu der unter anderem die Neffen des Kardinals, Konrad und Dr. Burkard Döpfner, gekommen waren. Beide sind Söhne von Kardinal Döpfners Bruder Paul. Der ehemalige Pastoral&shy;referent Burkard Döpfner teilte persönliche Familiengeschichten mit den Anwesenden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Führung durchs Döpfner-Museum</h3><p>In Hausen führte Werner Martin durch das Julius-Kardinal-Döpfner-Museum im ehemaligen Prämonstratenserkloster. In einem Gang und zwei Räumen sind viele Erinnerungen an den Hausener Ehrenbürger zu sehen, vom Foto mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst, über die Doktorurkunde aus Rom bis zu Kleidungsstücken Döpfners. Bischof Jung hat sich intensiv mit dem Leben Döpfners beschäftigt und konnte viele Erinnerungsstücke spontan in den historischen Kontext einordnen.</p><p>In seiner Predigt charakterisierte Jung seinen Vor-Vor-Vor-Vorgänger als zupackend und energisch, lernbereit und „beratungswillig, ja beratungshungrig“. Er habe sich in seinen drei Diözesen Würzburg, Berlin und München vieler Herausforderungen angenommen und als einer der vier Moderatoren für einen guten Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils wie auch später der Würzburger Synode gesorgt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">&quot;Kometenhafter Aufstieg&quot;</h3><p>Döpfners „kometenhafter Aufstieg“ zeige, wie sehr man in Rom seine direkte Herangehensweise an Probleme und seine Durchsetzungskraft geschätzt habe. Seine strukturierte Persönlichkeit, sein Organisationstalent und sein geschärfter Blick für Verfahren und Regelwerke seien „eine durchaus seltene Begabung, die gerade jetzt bei der Stärkung der Synodalität der Kirche wieder dringend benötigt wird und die wir beim Synodalen Weg so manches Mal schmerzlich vermisst haben“. Döpfner habe auch Fachleute gehört, darunter den Theologen Karl Rahner. Die Formulierung „in dieser Stunde der Kirche“ sei eines seiner Markenzeichen gewesen. Viele seiner Worte seien bis heute aktuell, etwa der Ausspruch „Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge“ nach dem Zweiten Weltkrieg.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Werft der Erneuerung“</h3><p>Ein weiteres Zitat, „Antisemitismus ist dem Christen vom Wesen her fremd“, sei heute wieder „von erschreckender Aktualität“. Döpfner habe während der Synode sehr unter den Spannungen zwischen „Erneuerern&quot; und „Bewahrern&quot; gelitten. Doch in seiner Schlussansprache sagte er: „Wir wurden zu einem Prozess gezwungen, dem wir einen neuen Stil des Miteinanders und Miteinanderumgehens zwischen Bischöfen, Priestern und Laien verdanken. Den möchten wir nicht mehr missen.“ Die Kirche sah er nicht „auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung“. Bei allem Streben nach Erneuerung habe Döpfner eine „nüchterne Liebe&quot; zur Kirche angemahnt. Das Ziel müsse immer die konkrete Kirche sein, „die hier und jetzt zum Zeugnis für Gottes erlösendes Wirken gerufen ist“.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Unterfranken war für ihn &quot;Kiliansland&quot;</h3><p>Bischof Jung sagte, dass ihn immer wieder die tiefe Verbundenheit Döpfners mit seiner fränkischen Heimat berühre. Unterfranken war für ihn „Kiliansland“, Franken insgesamt „Marienland“. In Döpfners Zeit fielen die Rückführung der Reliquien der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan aus Gerolzhofen nach Würzburg 1949 sowie die 1200-Jahr-Feier der Erhebung der Gebeine der Frankenapostel 1952.</p><p>Döpfner sei als Franke vor seinem Wirken in München durchaus skeptisch gewesen, habe München als „anmaßenden Emporkömmling“ gegenüber dem „alten, noblen Würzburg“ betrachtet. „Man kann eine neue Heimat finden, wenn man den liebenden Blick, den einem die eigene Heimat schärfte, nun auch anderen Menschen und ihren Lebensräumen schenkt&quot;, zitierte Jung Döpfner. Beheimatung in der Tradition und Offenheit für die Fragen der Zeit habe Döpfner in seiner Person vereint. Das mache ihn zu einem „vorbildlichen Hirten bis heute“. Jung schloss mit dem Wunsch: „Der Herr vergelte ihm, was er Gutes für unser Bistum Würzburg und die Kirche in Deutschland wie die Weltkirche getan hat.“</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74329</guid><pubDate>Mon, 27 Jul 2026 15:48:18 +0200</pubDate><title>Neue Glocken für die Kirche St. Sebastian in Gauaschach</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/neue-glocken-fuer-die-kirche-st-sebastian-in-gauaschach/</link><description>In der einzigen bayerischen Glockengießerei, der Firma Perner, entstehen zwei neue Glocken für den Hammelburger Stadtteil. Zum Guss der ersten Glocke fuhr ein Bus nach Passau.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Vor rund zehn Jahren hat der damalige Gauaschacher Kirchenpfleger Thomas Ziegler zum ersten Mal festgestellt, dass im Turm der Kirche St. Sebastian etwas nicht passt: „Der Glockenstuhl hat sich beim Läuten der Glocken verwunden und es hat alles gescheppert“, erinnert er sich. Im Mai 2020 wurde das Geläut dann offiziell außer Betrieb genommen, drei Monate später folgte eine baudynamische Untersuchung des Kirchturmes, bei der auch das Schwingungsverhalten des Glockenstuhles gemessen wurde. Ergebnis: Glocke 2 darf weiter läuten, die anderen drei bleiben dauerhaft abgeschaltet.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gesamte Glockenstube wird erneuert</h3><p>Die Kirchenverwaltung Gauaschach (Pastoraler Raum Hammelburg) musste sich also mit der Frage beschäftigen, wie es nun weitergehen soll. Die Empfehlung der Experten war eindeutig: Der alte Glockenstuhl aus Stahl muss raus und drei der vier Glocken sind es nicht wert, noch einmal neu montiert zu werden. Ausgerechnet die älteste Glocke aus dem Jahr 1920 ist die beste, weil sie aus Glocken-Bronze besteht. Allerdings kann sie aktuell nicht läuten, weil das Joch Schäden aufweist. Die anderen drei wurden im Jahr 1948 nur aus Weißbronze gefertigt. „Die hören sich an wie alte Blecheimer“, beschreibt Ziegler den Klang. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Bronze knapp gewesen. Damals sei auch der Stahl-Glockenstuhl eingebaut worden, der mittlerweile Rost und andere Mängel aufweist.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Legierung aus Kupfer und Zinn</h3><p>Während Glocken-Bronze aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn besteht, enthält Weißbronze noch Zink und Nickel. Diese Legierung klingt nicht nur schlechter, sondern hat auch einen höheren Verschleiß und bricht leichter. An den Gauaschacher Glocken ist zu sehen, dass sie schon vier Mal neu aufgehängt und dabei leicht gedreht wurden. Der Sachverständige gab den alten Glocken höchstens noch zehn Jahre und riet deshalb davon ab, sie noch einmal in einen neuen Glockenstuhl aus Eiche einzubauen.</p><p>Deshalb hat die Kirchenverwaltung vor zwei Jahren beschlossen, bei der Firma Perner in Passau einen neuen Holz-Glockenstuhl für nur noch drei Glocken sowie zwei neue Bronze-Glocken zu bestellen. Die gute Nachricht: Die örtliche Waldgenossenschaft zahlt – unter anderem mit Einnahmen aus den zahlreichen Windrädern rund um Gauaschach – eine der beiden Glocken. Dafür erhält die Glocke auch die Aufschrift „Waldgenossenschaft/ Gauaschach/ 2026“ und „Heiliger Sebastian/ Schutzpatron/ Wache über Dorf, Wald und Flur“. „Der Heilige Sebastian ist der Schutzpatron der Waldarbeiter, das passt also sehr gut“, sagt Simon Lilienweiß, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Gauaschach. Alle Mitglieder seien einbezogen worden und eine große Mehrheit habe sich dafür ausgesprochen, die 45.000 Euro teure Glocke zu bezahlen.</p><p>Die zweite Glocke ist beschriftet mit „Ave Maria/ In Dankbarkeit für unsere Heimat/ Damals und Heute“ und auf der Rückseite „Ortsbürger Gauaschach/ 2026“. Auch für diese Glocke gebe es eine große Spendenbereitschaft, berichtet der Hammelburger Pfarrer Thomas Eschenbacher. Die Gemeinde sei bei der Gestaltung und dem Klang der neuen Glocken mit einbezogen worden. „Ich bin komplett überwältigt“, kommentiert Eschenbacher die große Beteiligung der Pfarrgemeinde Gauaschach mit knapp 500 Gläubigen.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/358-neue-glocken-fur-gauaschach/embed?context=external&amp;theme=default" style="border: 0" frameborder="0" height="150" width="100%"></iframe></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">46 Gauaschacher beim Guss dabei</h3><p>Der Zusammenhalt zeigte sich auch beim Guss der ersten Glocke in der vergangenen Woche in Passau, zu der 46 Interessierte im Bus mitfuhren. Thomas Ziegler, von 2000 bis 2024 Kirchenpfleger im Ort, ist zwar eigentlich nicht mehr im Amt, begleitet aber die Erneuerung des Geläuts weiter. „Das habe ich der neuen Kirchenverwaltung versprochen.“ In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Verzögerungen gegeben, vom Baumoratorium des Bistums Würzburg bis zur Pandemie.</p><p>Den Glockenguss in Passau nennt Ziegler ein „einmaliges Erlebnis“: „Das macht mich glücklich, jetzt geht’s nicht mehr zurück.“ Im Oktober soll der Turm eingerüstet und der alte Glockenstuhl abgebaut werden. Der Boden der Glockenstube werde komplett erneuert. Danach baue die Firma Perner den neuen Glockenstuhl aus Eichenholz ein. Auch die Öffnungen im Turm sollen neue Holz-Verkleidungen erhalten, die den Schall der Glocken besser verbreiten, aber gleichzeitig die Lautstärke im unmittelbaren Umfeld der Kirche dämpfen. Zudem muss das Schiefer-Dach des Turmes neu gedeckt werden. Die Kosten schätzt Ziegler auf 170.000 Euro. Ein großer Teil sei bereits gedeckt, Spenden sind aber natürlich noch willkommen.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74238</guid><pubDate>Sun, 26 Jul 2026 07:08:00 +0200</pubDate><title>Ein Herrscher wie gemalt</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/ein-herrscher-wie-gemalt/</link><description>Die Lesung an diesem Sonntag erzählt von König Salomo. Als Nachfolger seines Vaters David hat er gerade erst Israels Thron bestiegen. Doch wer ist er eigentlich? Was zeichnet ihn aus? Was hat er erreicht?</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin,verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.</p><p>Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.</p><p>Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.</p><p>So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Habt ihr das alles verstanden?</p><p>Sie antworteten ihm: Ja. Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 13,44–52</strong></p><p></p><p>Das Alte Testament zeichnet ein fast märchenhaftes Bild von diesem König: Der junge Salomo hat gerade die Herrschaft von seinem Vater David übernommen. Er ist klug, weise, gerecht. Er besitzt unglaubliche Reichtümer. Das Volk Israel lebt in Frieden und Wohlstand. Drei Merkmale sind es, die ihn auszeichnen:</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Seine Herrschaft</h3><p>Salomo ist das zweite Kind von König David und Batseba. Als David alt und schwach wird und sich abzeichnet, dass er nicht mehr lange leben wird, will sein ältester, noch lebender Sohn Adonija den Thron für sich einnehmen. Er sammelt Männer um sich, darunter einen Priester und einen Feldherrn, und lädt sie und einige Königssöhne ein, mit ihm ein Festmahl zu feiern – und erklärt sich so vor der Elite des Reiches quasi selbst zum König.</p><p>König David verhindert das: Noch während Adonija mit seinen Anhängern feiert, lässt er Salomo von einem Priester zum König salben – und hält das Versprechen, das er einst Batseba gegeben hat, dass ihr Sohn ihm nachfolgen werde. Adonija fügt sich zunächst: Von seinen Anhängern verlassen, bleibt ihm keine andere Wahl. Doch kurz nachdem David gestorben ist, bittet er Salomo, jene junge Frau heiraten zu dürfen, die zuvor den Vater gepflegt und zu dessen Harem gehört hatte. Salomo wird wütend – und lässt seinen Bruder hinrichten.</p><p>Im ersten Moment scheint diese Tat übertrieben zu sein – tatsächlich sichert Salomo so aber seine Macht als Herrscher. Sein Bruder Adonija hat nicht irgendeine Frau verlangt: Die Ehe mit Frauen oder Nebenfrauen eines verstorbenen Herrschers war in den altorientalischen Kulturen ein Akt der Herrschaftsübernahme. Adonija hatte die Idee, selbst auf dem Thron zu sitzen, also nicht aufgegeben.</p><p>Durch die Hinrichtung seines Bruders, die Verfolgung von dessen Anhängern und die Heirat mit der Tochter des ägyptischen Pharaos festigt Salomo seine Machtansprüche. Die Bibel zeichnet das Bild eines selbstbewussten Königs, der sich absichert und seinen Einfluss ausbauen will.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Seine Weisheit</h3><p>Die Lesung aus dem 1. Buch der Könige an diesem Sonntag lässt aufhorchen. Sie zeigt Salomos andere Seite: demütig, bescheiden, gottesfürchtig. Auf die Frage Gottes im Traum, welchen Wunsch er ihm erfüllen solle, antwortet er nicht mit Reichtum oder einem Sieg über seine Feinde. Er wünscht sich ein hörendes Herz und Weisheit, um sein Volk gut regieren zu können.</p><p>Noch erfüllt Salomo, was sein Vater ihm auf dem Sterbebett aufgetragen hat: Höre auf Gott, bewahre seine Satzungen und Gebote. „Dann wirst du Erfolg haben bei allem, was du tust, und überall, wohin du dich wendest.“ (1 Kön 2,3)</p><p>Die berühmteste Stelle, die Salomos Weisheit bezeugt, folgt im nächsten Kapitel: das salomonische Urteil über zwei Frauen, die sich um ein Neugeborenes streiten. Als der König listig vorschlägt, das Kind in zwei Hälften zu teilen, sodass jede Frau einen Teil bekäme, findet er die wahre Mutter. Denn die willigt ein, das Kind der anderen Frau zu überlassen, um sein Leben zu retten. Ein Urteil, das Salomos Kompetenz als Herrscher und Richter unterstreicht.</p><p>Seine Weisheit und Klugheit sind über die Landesgrenzen Israels bekannt: Die Königin von Saba besucht Salomo, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. „Salomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können“, heißt es im 1. Buch der Könige (10,3). Die Klugheit des Herrschers lässt ihr gar den Atem stocken: „Deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe“, sagt sie (1 Kön 10,7).</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Sein Tempelbau</h3><p>Der Höhepunkt seiner Herrschaft ist der Bau des Tempels in Jerusalem. Salomo schließt einen Vertrag mit Hiram, dem König von Tyrus, der ihm Zedernholz und Handwerker schickt. Ausführlich erzählt die Bibel davon, wie der Tempel gebaut und ausgestattet wird. Sieben Jahre dauert es, ehe Salomo in einer prachtvollen Prozession die Bundeslade, das Heiligtum des Volkes Israel, in den Tempel bringen lässt. Vor dem versammelten Volk betet er inbrünstig zu Gott, dass er an der Seite der Israeliten bleiben und auf ihr Flehen und Bitten hören möge. Die Besonderheit: In sein Gebet schließt er Fremde mit ein. Auch sie sollen mit ihren Nöten und Sorgen im Tempel auf Gottes offenes Ohr hoffen dürfen. Der Tempel soll ein Ort für alle Suchenden sein, unabhängig von ihrer Herkunft. (1 Kön 8,41–43)</p><p></p><p>Doch je älter Salomo wird, desto unperfekter wird er. Zweimal ist er ermahnt worden, Gottes Gesetze einzuhalten: von seinem Vater König David und von Gott selbst nach der Weihe des Tempels. „Wenn ihr und eure Söhne euch von mir abwendet und die Gebote und Satzungen, die ich euch gegeben habe, übertretet, wenn ihr euch anschickt, andere Götter zu verehren und anzubeten, dann werde ich Israel in dem Land ausrotten, das ich ihm gegeben habe“, sagt Gott zu Salomo (1 Kön 9,6).</p><p>Und doch hält er sich nicht daran. Er liebt Frauen aus jenen Völkern, von denen Gott gesagt hatte: „Ihr dürft nicht zu ihnen gehen und sie dürfen nicht zu euch kommen; denn sie würden euer Herz ihren Göttern zuwenden“ (1 Kön 11,2). Und genau das passiert: Salomo dient nicht mehr allein dem Gott Israels, sondern verehrt andere Götter und Götzen und baut für sie Opferstätten.</p><p>Gottes Urteil ist eindeutig: Er wird Salomo das Königreich entreißen – allerdings aus Liebe zu David nicht zu seinen Lebzeiten. Seinem Sohn Rehabeam wird es allerdings nicht gelingen, die Herrschaft aufrechtzuerhalten. Das Königreich Israel zerfällt in ein Nord- und ein Südreich.</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-74098</guid><pubDate>Sun, 19 Jul 2026 07:13:00 +0200</pubDate><title>Verstehen oder missverstehen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/verstehen-oder-missverstehen/</link><description>Immer wieder hören wir in diesen Wochen im Evangelium Gleichnisse über das Reich Gottes. Warum redet Jesus so? Verwirrt das nicht mehr, als es nutzt? Könnte er nicht klarer predigen? Fragen an den Bibelwissenschaftler Gerd Häfner.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.</p><p>Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!</p><p>Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.</p><p>Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen, und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.</p><p>Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker! Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt;der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; der Feind, der es gesät hat, istder Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel.</p><p>Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: DerMenschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführtund Gesetzloses getan haben, und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 13,24–43</strong></p><section compid="302FE72F-B537-4036-BCEB-C2A8D84D9234" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Herr Professor Häfner, warum spricht Jesus eigentlich so gerne und so oft in Gleichnissen?</h3><p>Er spricht so, um Dinge klarzumachen, die ohne bildhafte Rede nicht so leicht verständlich sind. In der Botschaft Jesu geht es um die konkrete Frage, wie man vom Reich Gottes sprechen kann.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Jesus selbst sagt, dass er in Gleichnissen spricht, weil die Menge es sonst nicht verstehen könnte. Gleichzeitig heißt es, die Verkündigung in Gleichnissen führe dazu, dass Jesu Botschaft nicht verstanden wird. Wie passt das zusammen?</h3><p>Ja, da ist eine Spannung. Aber die Passage, die vom Unverständnishandelt, die sogenannte Parabeltheorie im vierten Kapitel des Markusevangeliums, ist ein Text, der nach meinem Eindruck nicht auf das Wirken Jesu zurückgeht, sondern aus späterer Sicht die Probleme und Missverständnisse in der Verkündigung deutet. Da war vielleicht die Frage aufgekommen: Warum kommt unsere Botschaft nicht an? Das verlangte nach einer Erklärung. Und die wird unter anderem dadurch unternommen, dass man den Doppelsinn des griechischen Begriffs für Gleichnis, also parabolē, ins Spiel bringt: Er kann auch „Rätselrede“ bedeuten. Wer die Botschaft Jesu ablehnt, dem oder der ist sie zum unverständlichen Rätsel geworden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Man sagt: Alle Vergleiche hinken. Da ist dann die Gefahr, dass etwas missverstanden wird, schon in den Bildern selbst gegeben, oder?</h3><p>Ich denke, die Gleichnisse sind dazu da, etwas zu klären; nicht, um etwas zu verrätseln. Manche Bilder werden im Lauf der Zeit jedoch schwerer verständlich, wenn die ursprüngliche Gesprächssituation mit ihrer Ausgangsfrage nicht mehr da ist. Das zeigt sich in der Überlieferung von frühchristlicher Zeit an.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Die Jünger, die Jesus verstehen, oder die Volksmenge, die Nachhilfe braucht: Wo können wir uns wiederfinden?</h3><p>Einerseits sollten sich die Glaubenden heute wohl eher in den Jüngern entdecken können als in den Außenstehenden. Aber andererseits brauchen auch Jünger eine Belehrung, und das Verstehen ist nicht immer gegeben. Aber das kann ja auch tröstlich sein, wenn wir solche Vergleiche anstellen und unseren Platz suchen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Sämann, Senfkorn, Perle: Ist die Vielzahl der Reich-Gottes-Vergleiche nicht verwirrend? Warum gibt es nicht einen einzigen passenden Vergleich?</h3><p>Ich glaube, dass ein Gleichniserzähler durch ein Bild immer nur einen Aspekt ausdrücken will. Deshalb halte ich es für schwierig, wenn man fast willkürlich sagt: Dieses Detail im Bild bedeutet genau das, jenes Detail bedeutet genau jenes und so weiter. Das muss man dann in der Wissenschaft schon sehr genau begründen, warum ein Bild oder ein Begriff so gedeutet wird. Etwa weil es schon in der jüdischen Tradition so verwendet wurde. Auch dort ist zum Beispiel das Bild des Vaters ein Bild für Gott. Oder der Weinberg kann als Sinnbild für Israel gelesen werden. Es geht aber immer darum, nicht bildliche Details auszudeuten, sondern die grundsätzliche Anlage eines Bildes, eines Gleichnisses zu verstehen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Sehen Sie denn auch Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Gleichnissen und Bildern?</h3><p>Ich sehe zwei unterschiedliche Strategien in den Gleichnissen. Zum einen finden wir Gleichnisse aus dem Alltagserleben der Menschen damals: aus dem landwirtschaftlichen Bereich und Bilder aus der Natur. Das ist etwa beim Gleichnis vom Sämann oder vom Sauerteig oder beim Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen so. Die Leute damals kannten diese Situationen. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Gleichnisse, die nicht Analogien zeigen wollen, sondern mit spannenden Geschichten eher aufrütteln. Das ist etwa in der Erzählung von den Arbeitern im Weinberg der Fall, wenn alle den gleichen Lohn bekommen – unabhängig von den Einsatzstunden, also ein ungewöhnliches Verhalten. Oder beim Gleichnis vom verlorenen Sohn. Da merkt man: Da wird nichts Gewöhnliches inszeniert, sondern das ruft Protest hervor – und bietet gerade so die Möglichkeit der Auseinandersetzung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Wenn heute solche Bilder nicht mehr im Alltag verständlich sind, passen sie dann noch?</h3><p>Ich glaube schon, dass Bilder aus der Natur oder etwa vom Sauerteig heute noch gut verstanden werden. Wer ein Brot in der Hand hält oder selbst backt, wird wissen, wie ein Sauerteig funktioniert. Eine Übersetzung der Bilder für heute ist außerdem eher Aufgabe der Predigt als der Exegese. Diese wird dabei als Grundlage dienen, um zu verstehen, was grundsätzlich ausgesagt werden soll.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Können wir heute Gleichnisse finden, die besser in unsere Welt passen?</h3><p>Vielleicht sind Naturbilder dauerhafter verständlich als aktuelle technische Vergleiche. Eine Fortschreibung funktioniert vielleicht eher bei dem zweiten genannten Typus der Gleichnisse, wenn es um menschliche Interaktion geht und das Verstehen von Zusammenhängen und Verhaltensweisen im Blick auf das Reich Gottes. Es bleibt dabei immer auch ein kreatives Potenzial in der Deutung und des Neu-Verstehens dieser Bilder, vor allem natürlich in der persönlichen Bibellektüre. Da ist viel Freiraum aus der jeweils eigenen Erfahrungswelt.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p></section><section compid="56B43847-C35F-4DF1-9EC4-D69A1E387661" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Gerd Häfner (66) ist Professor für Biblische Einleitungswissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73928</guid><pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:23:00 +0200</pubDate><title>„Wir müssen die Klage der Natur hören lernen“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wir-muessen-die-klage-der-natur-hoeren-lernen/</link><description>In der Lesung spricht Paulus über die Schöpfung, die seufzt und auf Erlösung hofft. Christlichen Umweltethikern wie Markus Vogt ist dieser Text sehr wichtig. Er sagt: Der Römerbrief ist realistisch, hoffnungsvoll und zeigt Wege zu einer vertieften Gottesbeziehung.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen.</p><p>Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.</p><p>Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre!</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 13,1–9</strong></p><section compid="5F806726-5849-4B56-9F0B-C95B98250697" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Herr Professor Vogt, was ist für Sie der Kern der Lesung?</h3><p>Dieses Bild, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Geburtswehen liegt, ist sehr, sehr einprägsam. Später seufzen dort auch der Heilige Geist und die ganze Menschheit. Das zeigt: Alles ist eins, wir sind eine Schöpfungsgemeinschaft und eine Schicksalsgemeinschaft. Es gibt keine Erlösung des Menschen ohne Erlösung der Natur – und umgekehrt keine Erlösung der Schöpfung ohne die Erlösung der Kinder Gottes.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Wenn die Natur leidet, leidet der Mensch – und umgekehrt?</h3><p>Ja, so sieht Paulus das, und so erleben wir es heute extrem. Durch das Fehlverhalten des Menschen leidet die Schöpfung, leiden die Mitgeschöpfe, die Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Und indem sie leiden, leidet auch der Mensch. Es gibt kein gelungenes Leben des Menschen ohne die Natur.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Auf welchem Hintergrund sagt Paulus so etwas? Er war ja kein Ökologe.</h3><p>Zum einen gab es im Judentum, in der ganzen biblischen Tradition von der Genesis bis zu den Gleichnissen Jesu eine große Naturverbundenheit. Andererseits ist der Paulustext aber erst mal eine Deutung der schwierigen Zeit, in der er lebte. Paulus hatte ein starkes Endzeitbewusstsein. Aber nicht resigniert, sondern als gespannte Erwartung auf etwas Neues, das wir jetzt noch nicht wissen können, auf das er aber mit Hoffnung blickt. Wie eben die Geburt eines Kindes trotz aller Schmerzen das Symbol der Hoffnung schlechthin ist.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Könnte man dann nicht sagen:Es ist gar nicht so schlimm, was wir der Schöpfung antun. Wir brauchen die Katastrophe, damit daraus etwas Wunderbares erwächst?</h3><p>Es gibt Leute, die sagen das. Peter Thiel zum Beispiel, der Tech-Unternehmer aus den USA. Er erwartet die Apokalypse in Europa, damit Besseres entsteht. Aber das ist eine sehr gefährliche Auslegung, und für sowas darf man Paulus sicher nicht in Anspruch nehmen. Paulus hat ein Katastrophenbewusstsein, aber ist dem Leid gegenüber nicht gleichgültig. Er will es nicht verklären, sondern nimmt die Situation mit ihren Abgründen realistisch wahr. Und trotzdem ist bei ihm alles darauf ausgerichtet, dieses Leid zu überwinden. Da steht die Kreuzestheologie im Hintergrund.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was hat die Kreuzestheologie denn damit zu tun?</h3><p>Der Dominikaner Matthew Fox hat das mal so formuliert: Der gekreuzigte Christus zeigt sich für uns heute aufs Neue in der gekreuzigten Schöpfung. Das ist vielleicht eine der einprägsamsten Deutungen dieser Textstelle.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Man erkennt in der leidenden Schöpfung Christus – so wie im leidenden Nächsten?</h3><p>Ja – auch wenn ich daran festhalte, dass die Würde des Menschen etwas Einmaliges ist, das nicht eingeebnet werden kann. Aber dass Gott Fleisch geworden ist, bedeutet ja nicht nur „Mensch geworden“, sondern, dass er mitten in Raum und Zeit gegenwärtig ist. Dass die ganze Schöpfung der Leib Gottes ist und Gott gewissermaßen die Seele der Schöpfung. Wir sind gewohnt zu sagen, dass Gottesliebe und Nächstenliebe eins sind. Aber wir müssen das weiterdenken: Gottesliebe und die Liebe zu allen Mitgeschöpfen sind eins. Die Beziehung zu Gott geht nicht vorbei an einer Beziehung zur Schöpfung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Das klingt nach einer deutlichen Erweiterung von Glaube und Ethik.</h3><p>Der Priester und Religionsphilosoph Raimon Panikkar hat mal gesagt: „Die ökologische Krise ist eine Offenbarung. Wenn wir sie nicht als Offenbarung deuten, nehmen wir sie nicht ernst genug.“ Das soll heißen: Die Begegnung mit der Schöpfung ist jetzt ein Ort der Gottesrede. Oder anders ausgedrückt: Die bisher stumme Schöpfung fängt an, zu uns zu sprechen. Wir erkennen ihre Verletzlichkeit und erkennen darin die Verletzlichkeit unserer eigenen Existenz und die Verletzlichkeit Gottes. Die Schöpfung wird zum Ort, um unsere Beziehung zu Gott neu zu ordnen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Ist es das, was in Wehen liegt und kommen soll?</h3><p>Vielleicht auch. Man kann es ein wenig vergleichen mit der Zeit der Aufklärung. Damals wurde die Versklavung des Menschen als Widerspruch zum Evangelium der Liebe erkannt und die Rede vom Gott der Liebe musste sich bewähren, indem man die Würde des Menschen verteidigt. Und parallel ist heute die verletzte Schöpfung ein Bewährungsort, wenn wir vom Schöpfergott reden. Die Schöpfung, der Leib Gottes, fängt an zu schreien. Diese Klage der Natur müssen wir hören lernen. Es ist der Ort, an dem sich der Glaube heute neu zu bewähren hat.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Sie lesen den Römerbrief also politisch?</h3><p>Und ethisch! Ich glaube, die Klimaverhandlungen sind ein mühsames Ringen um ein neues Bewusstsein für diese Verbundenheit mit der Schöpfung. Also: Menschenrechte und Naturrechte als Einheit zu denken, die sich wechselseitig bedingen und nur zusammen verwirklicht werden können. Das ist eine neue Stufe in der moralischen Entwicklung des Menschen. Und eine einprägsame Orientierung dafür formuliert dieser Paulustext, wenn man ihn aktuell liest.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Sie mögen den Text, oder?</h3><p>Ich finde, es ist ein ganz erstaunlicher, besonderer Text. Und das für heute so Relevante ist diese nüchterne Wahrnehmung der Katastrophe, des Umbruchs der Zeiten – und zugleich die unbändige Hoffnung. Die Schöpfung liegt in Seufzern, aber es entsteht etwas Neues, und die Herrlichkeit der kommenden Welt überstrahlt alles gegenwärtige Leiden.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p></section><section compid="106FC22A-EBBE-452A-A279-6547FEF1A7C4" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Der katholische Theologe Markus Vogt lehrt Christliche Sozialethik an der Universität München. Umweltethik gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73817</guid><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 12:58:00 +0200</pubDate><title>„Kommt alle her zu mir“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/kommt-alle-her-zu-mir/</link><description>Jesus hat ein Herz für Gestresste, für die, die Erholung brauchen. „Ich will euch erquicken“, sagt er im Evangelium. „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.“ Fünf Redakteurinnen und Redakteure erinnern sich, wo sie erfrischende Erfahrungen im Glauben gemacht haben.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.</p><p>Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.</p><p>Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 11,25–30</strong></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Bliss 20_pHL" wwclass="Bliss_Pro20Regular">Spaß gehört auf jeden Fall dazu</h3><p>Erquickend finde ich Glauben immer dann, wenn er über das hinausgeht, was scheinbar schon immer so war und was wir schon immer so gemacht haben.</p><p>Dieses Gefühl hatte ich zum ersten Mal vor über zwei Jahrzehnten auf einer Jugendwallfahrt. Wir feierten Gottesdienst auf der Wiese hinter dem Dom. Jemand forderte uns auf, uns an der Schulter von jemandem anderen festzuhalten und uns auf einem Bein stehend – ich glaube – die Schuhe auszuziehen. Passend zum Wallfahrtsmotto „Halt mich!“ Es war eine von vielen lustigen und schönen Aktionen. Sie machte einen Unterschied zu meiner Gemeinde, in der es so gut wie keine Jugendarbeit gab. Später habe ich bei Katholikentagen Ähnliches erlebt – Tanz, Konzerte und gut gelaunte Menschen. Seitdem finde ich erquickenden Glauben dort, wo auch Spaß dabei ist.</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_5">Eine Predigt, die nachhallt</h3><p>Wenn ich an ein erquickendes Glaubenserlebnis in den vergangenen Monaten denke, fällt mir die Feier der Osternacht in meiner Gemeinde ein. Seit drei Jahren feiern die beiden ehemals eigenständigen Kirchengemeinden in meinem Heimatort gemeinsam diese Messe – und das ist ein Gewinn! Statt einer halbvollen Kirche waren die Bänke nun gefüllt mit jenen Leuten, denen diese besondere Liturgie wichtig ist. Sie kannten die Lieder, die Texte, die Gebete – und ich fühlte mich getragen von dem kräftigen Gesang, den Gebeten und der Gemeinschaft.</p><p>Besonders war in diesem Jahr die Predigt unseres Pfarrers: Er hatte nur wenige Tage zuvor seinen eigenen Vater beerdigt und sprach nun von Hoffnung, von seinem Glauben an die Auferstehung und dem Willen, nicht beim Tod stehenzubleiben. Ein starkes Glaubenszeugnis, das viele in der Kirche berührte – und in mir lange nachhallte.</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_8">Eine starke Gemeinschaft</h3><p>Es war ein historisches Ereignis – ein Frühling für die Christen Europas so kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhangs: Im Mai 1989 reisten rund 20 000 Jugendliche zum ersten Ost-West-Treffen der Taizé-Bewegung in die südungarische Stadt Pécs. Ich, damals knapp 19, war dabei, und ich weiß noch, dass ich in meiner Ausbildungsstelle eine Notlüge brauchte, um ein paar freie Tage zu bekommen.</p><p>Als junge Katholikin in der ostdeutschen Diaspora wegen meines Glaubens oft belächelt, war dieses Treffen für mich überwältigend. In der starken Gemeinschaft fühlte ich mich bestätigt: Ich bin richtig, ich muss mich nicht verändern oder anpassen.</p><p>Später bin ich mehrmals direkt nach Taizé gefahren. An diesem Ort, geprägt von Ökumene, einer besonderen Spiritualität und einer großen Freiheit, ist mein Glaube gewachsen, sind (Brief-)Freundschaften entstanden. Eine Freundin ist mir erhalten geblieben: Gerlinde aus Salzburg, heute Theologin und Religionslehrerin.</p><p class="text-right"><em>Anja Sabel</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_12">In der Ruhe liegt Erquickung</h3><p>Wenn ich an meine jüngeren Glaubenserfahrungen denke, spricht mich eher die Verheißung an, Ruhe zu finden für die Seele. Erquickend sind für mich etwa Gottesdienste bei Pilgerreisen, die ich begleiten darf. Wenn wir mit kleinen Gruppen an wunderbaren Orten gemeinsam unseren Glauben feiern. Erquickend ist für mich das Halleluja in der Osternacht.</p><p>Doch wichtiger noch sind für mich die Momente, in denen ich Ruhe finde für meine Seele. In einem persönlichen Streit half mir, mich immer wieder an das Wort Jesu über die Vergebung zu erinnern: „Bis zu siebzigmal siebenmal“ sollen wir unserem Nächsten vergeben. Dieses Wort gab mir Kraft und Orientierung. Ebenso wie es mir hilft, in schwierigen Situationen vor dem Kreuz zu knien und meine Schwierigkeiten dem hinzuhalten, der die tiefsten menschlichen Täler durchschreiten musste. Dann weiß ich: Ich bin nicht allein. Ist das erquickend? Ich weiß es nicht. Aber so finde ich Ruhe und Frieden.</p><p class="text-right"><em>Ulrich Waschki</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_15">Es wird vielleicht mal wieder Zeit</h3><p>Wenn ich an erquickende Glaubenserfahrungen denke, fallen mir einige ein – aber alle liegen weit zurück. Die Nachtwallfahrt im Zeltlager in Frankreich etwa, als wir unter dem Sternenhimmel lagen und in die Dunkelheit hineinsangen. Oder die Karwoche bei Ordensfrauen, als wir in der kleinen Kapelle auf Gebetshöckerchen saßen. Oder die Tage bei Benediktinern; sie hatten mir einen klugen Pater an die Seite gestellt, und die Mischung aus Gespräch, Gebet und Bewegung hat mich erfrischt.</p><p>Mit den Jahren ist Routine eingekehrt. Auch heute gibt es Gottesdienste, die mich erquicken. Zum Beispiel am Ostermontag, als wir im Familiengottesdienst mit unserem Spontanchor ein „Halleluja“ fetzten und das in die Gemeinde übersprang. Aber etwas wirklich Besonderes?</p><p>Vor kurzem bekamen wir eine Postkarte aus Taizé, wo unsere kirchenkritische Tochter manchmal religiös auftankt. Am Ende stand: „Hier gibt es auch einen Erwachsenenbereich – probiert es doch mal aus!“ Vielleicht hat sie recht und es wäre mal wieder Zeit für eine Erfrischung im Glauben.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73856</guid><pubDate>Fri, 03 Jul 2026 09:57:41 +0200</pubDate><title>Offen sein für die Zweite Bekehrung</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/offen-sein-fuer-die-zweite-bekehrung/</link><description>Um Gottes Ruf zu hören, brauchen Menschen ein Gespür für die Verbindlichkeit des Glaubens. In dieser Hinsicht waren die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan Vorbilder. Sie ließen sich von Gottes Ruf erfassen – was ihre Lebenswege veränderte.</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Hab Mut, steh auf, er ruft dich!“ So lautete nicht nur das Motto unseres Katholikentags, sondern auch unser Jahresmotto, das uns durch unsere diesjährige Kiliani-Woche begleitet. Die Aufforderung, dem Ruf zu folgen und dementsprechend mutig aufzustehen, ist kennzeichnend für jede Berufungsgeschichte. Wenn Gott ruft, muss der Mensch hinhören und im Idealfall dem Ruf auch Folge leisten.</p><p>Das gilt auch für unsere Frankenapostel. Wer mit ihrer Geschichte vertraut ist, weiß jedoch, dass Kilian und seine Gefährten schon Christen waren und damit den Ruf zur Umkehr bereits vernommen hatten. Mehr noch, sie waren nicht nur Christen, sondern sie lebten in Irland sogar zusammen im Kloster, dem der Heilige Kilian als Abt vorstand. Sie wollten ihrer Berufung durch die Verpflichtung auf das klösterliche Zusammenleben eine besondere Verbindlichkeit geben.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kilian und seine Gefährten erfahren eine Zweite Bekehrung</h3><p>Doch dann geschah etwas Ungewöhnliches. Trotz ihrer Bekehrung zu Christus vernahmen die Mönche noch einmal einen Ruf zur Umkehr. Ausschlaggebend dafür war ihrer Lebensbeschreibung nach das Wort Jesu: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Lukas 9,23).</p><p>Auf dieses Wort hin reifte in ihnen der Entschluss, das Kloster zu verlassen, um in einer noch größeren Radikalität und Entschiedenheit Christus nachzufolgen. So verließen sie das sichere Kloster und ihre angestammte Insel, machten sich auf den Weg zum Festland, um dort das Evangelium zu verkünden und es mit ihrem Leben zu bezeugen. Sie hatten Mut, standen auf, und folgten dem Ruf des Herrn – ein zweites Mal.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Herausforderung der Zweiten Bekehrung</h3><p>Was damals geschah, ist in der Geschichte der Kirche kein Einzelfall. Vielmehr kennt die christliche Spiritualität das Phänomen der Zweiten Bekehrung. Das heißt, dass Menschen nach einer ersten Zeit ihres Lebens als Christen spüren, dass ihr Glauben eine Vertiefung braucht, um wirklich echt zu sein und zu tragen. Ja, dass da noch mehr sein muss als nur das, was sie bislang schon geglaubt und gelebt haben. Die Zweite Bekehrung ist wie ein Durchbruch zu Christus selbst. Erst mit ihm im Herzen wird der Glaube fruchtbar für die Kirche und die Welt.</p><p>Kilian, Kolonat und Totnan haben eine solche Zweite Bekehrung in ihrem Leben erfahren. Ihre Zweite Bekehrung hat sie zu Missionaren gemacht, weil Christus in ihren Herzen lebendig war. Deshalb drängte es sie, den Glauben weiterzugeben. Das scheint mir überaus bedeutsam zu sein. Denn wenn ich heute auf die Kirche in unserem Land und in unserem Bistum schaue, dann überkommt mich oft der Eindruck, als wenn auch wir vor einer solchen Zweiten Bekehrung stünden, als wenn es auch für uns an der Zeit wäre, auf eine solche Zweite Bekehrung zu hoffen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Das Wesen der Zweiten Bekehrung</h3><p>Doch worin besteht das Wesen der Zweiten Bekehrung? Sie wird vorbereitet durch das Gefühl, seit Jahren auf der Stelle zu treten. Man meint, den Glauben zu kennen. Man hat sich angefreundet mit den religiösen und kirchlichen Vollzügen. Man kennt sich aus und weiß, wie alles geht. Aber insgeheim ist aus dem Schwung des Beginns längst Routine oder Pflicht geworden, die einen eher lähmt als wirklich lebendig ausschreiten lässt.</p><p>Und plötzlich steht man vor der Frage, ob jetzt noch etwas kommt oder nicht. Man kann diese Frage verdrängen, weil sie nervt, einen herausfordert, ja auch anstrengend ist, da man sich ja längst eingerichtet und arrangiert hat. Oder aber man entscheidet sich dafür, diese Frage zuzulassen. Dann wird es spannend. Denn dann muss man Räume schaffen, um noch einmal genau hinzuhören. Man muss den Mut haben, aufzustehen, um die vertrauten Abläufe zu unterbrechen. Denn erst so wird man den Ruf des Herrn neu hören lernen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Zweiten Bekehrung Raum geben</h3><p>Und genau darum wird es meines Erachtens gehen müssen in der kommenden Zeit. Mutig aufzustehen, um jenseits der Routinen und eingespielten Abläufe zu fragen, wohin der Herr uns jetzt ruft.</p><p>Das ist eine Anfrage an die Art, wie wir Gottesdienst feiern. Planen wir Zeiten der Stille ein, um wirklich hinhören zu lernen, was er uns sagt? Das ist eine Anfrage an unsere Pläne und strategischen Überlegungen. Sind sie nur Mängelverwaltung oder bieten sie Raum für echte Neuaufbrüche? Das ist eine Anfrage an unsere Sitzungskultur. Arbeiten wir nur unter Druck große Tagesordnungen ab, oder nehmen wir uns auch noch die Zeit, zu fragen, ob wir auch wirklich das Richtige tun? Das ist eine Anfrage an unser Auftreten in der Öffentlichkeit. Wollen wir nur die uns zugewiesenen Nischen bedienen, oder bringen wir uns mit dem Evangelium des Lebens ein in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen unserer Zeit?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Gnade der Zweiten Bekehrung</h3><p>Die Zweite Bekehrung, da waren und sind sich alle geistlichen Lehrer einig, ist eine Gnade. Die kann man nicht machen. Aber man kann aufmerksam auf den Ruf hören, den der Herr an uns richtet. Man kann die innere Unruhe spüren. Man kann ahnen, dass jetzt eine nochmalige Vertiefung ansteht.</p><p>Wer dann den Ruf hört und mutig aufsteht, der wird in eine größere Tiefe und eine größere Freude am Glauben geführt. Der ist bereit, dem Herrn wirklich sein Herz zu schenken, ja wenn es sein muss, sogar sein Leben. Die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan haben es uns vorgelebt. Sie begleiten uns auf unserem Weg und sagen uns zu: Habt Mut, steht auf, er ruft euch! Auch heute!</p><p class="text-right"><em>Bischof Dr. Franz Jung</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73855</guid><pubDate>Fri, 03 Jul 2026 09:54:21 +0200</pubDate><title>Mit Rückenwind für die Seele</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/mit-rueckenwind-fuer-die-seele/</link><description>Seit den 1980er Jahren reist der Geistliche regelmäßig auf die friesische Insel, um als Tourismusseelsorger auszuhelfen. Ein Einblick.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Palästina, Israel, Syrien und die Türkei – das sind nur einige der Länder, die Josef Öhrlein bereist hat. In Europa habe er „so ungefähr alles besucht“. Der 85-Jährige liebt das Reisen. Menschen anderer Kulturen zu begegnen, ist ein wichtiger Teil seines Lebens. „Es gibt nur einen Gott und die Menschen verehren ihn unter verschiedenen Namen und Formen“, erläutert der seit 2004 pensionierte Priester, der Freundschaften über (Landes-)grenzen hinweg pflegt.</p><p>Von 1960 bis 1966 studierte Öhrlein in Würzburg und Bonn Theologie und Philosophie. Vor 60 Jahren, am 29. Juni 1966, weihte ihn Bischof Josef Stangl zum Priester. Dieses Jahr feiert Öhrlein somit sein Diamantenes Priesterjubiläum. Für das Weiheamt würde der gebürtige Retzbacher sich immer wieder entscheiden. Eine Leidenschaft hat er in der Pilger- und Tourismusseelsorge gefunden.</p><p>Doch auch in seiner fränkischen Heimat prägte er über Jahrzehnte das kirchliche und schulische Leben. Von Juli 1966 bis August 1970 war er in Mainaschaff und Schweinfurt-Sankt Josef als Kaplan tätig. Später arbeitete er acht Jahre lang als Religionslehrer an der staatlichen Realschule in Bad Neustadt. 26 Jahre lang unterrichtete er an der Würzburger Sankt-Ursula-Schule.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Brise für die Bronchien</h3><p>Seit 1981 reist er jedes Jahr zu der nordfriesischen Insel Sylt, um dort als Gastpriester auszuhelfen – damals zweimal, mittlerweile einmal jährlich. Seit nunmehr 45 Jahren hat er kein einziges Jahr ausgelassen. Auf Sylt trifft er Menschen aus aller Welt. Bekannt ist die nördlichste deutsche Insel vor allem durch ihre Kurorte und einen zirka 40 Kilometer langen Weststrand. Dank der Nordsee ist es dort mild und oft windig. Die klare Luft ist auch ein Grund, warum es Öhrlein regelmäßig dorthin zieht: „Ich habe mit den Bronchien immer ein wenig Probleme gehabt. Und die Luft hilft immer.“</p><p>Bei seinen Aufenthalten als Gastpriester und Tourismusseelsorger ist er beispielsweise für Gottesdienste und Predigten, Taufen und Beichten zuständig. Jeder Tag fordert ihn unterschiedlich. Manchmal ist alles „ganz normal“, erklärt Öhrlein. Er besuche den Strand und habe vielleicht noch eine abendliche Messe. Doch Öhrlein kennt nicht nur die Sonnenseite Sylts. „Es gab schon solche überraschenden Vorfälle“, sagt er. Einer davon hat sich tief in ihn eingeprägt: Ein Vater aus Polen besuchte seinen Sohn, der auf Sylt eine kleine Firma hatte und dort lebte. Er kam regelmäßig auf die Insel. Als der Vater eines Tages mit dem Moped unterwegs war, geschah eine Tragödie: Eine ältere Frau bog mit ihrem Auto aus einer Garage heraus und übersah ihn, woraufhin er tödlich verunglückte. Die polnische Familie bat Öhrlein, sie zum Leichenhaus zu begleiten und gemeinsam mit ihnen zu beten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Jeder ist prominent.“</h3><p>Auf der Insel sei das Bedürfnis der Menschen nach Gesprächen deutlich größer und sie würden offener mit ihm sprechen. Dafür führt der erfahrene Priester zwei Gründe an. Erstens: Die Leute stecken nicht in ihrem Alltag fest. Im Urlaub kommen sie zum Nachdenken. Zweitens: Die Gläubigen sind weit weg von ihrer gewohnten Umgebung: „Es gibt keine Rückkopplung und keine Sozialkontrolle“, erläutert Öhrlein, denn weder er, der Priester, noch andere Menschen kennen sie.</p><p>Bei seiner Arbeit als Gastpriester auf Sylt sei er sogar prominenten Persönlichkeiten begegnet. Bereits Günther Jauch und Johannes B. Kerner nahmen bei ihm auf der Kirchenbank Platz, ebenso einige Bischöfe. „Wer ist prominent?“, sinniert Öhrlein und beantwortet seine Frage im Anschluss direkt selbst: „Jeder ist prominent. Menschen müssen spüren, dass jeder – ganz egal, was er macht oder wer er ist – in gleicher Weise respektiert und geachtet wird.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Stille und Besinnung</h3><p>Öhrlein lebt in Würzburg. Ein Stück Sylt bringt er mit nach Unterfranken, wenn es um die eigene Lebensgestaltung geht. Denn heutzutage gestattet er sich selbst die Freiheit, seinen Tagesrhythmus so zu gestalten, wie es ihm persönlich guttut. Zu Beginn seiner Berufslaufbahn kamen stärker „erlebnisreiche“ Aufgaben auf ihn zu – etwa in der Jugendarbeit: Von 1967 bis zum Sommer 1970 baute Öhrlein in Schweinfurt unter zwei Pfarrern ein Pfarrzentrum mit auf. Er wirkte unter anderem bei der Planung und Finanzierung mit, führte im Rahmen von Genehmigungsverfahren Gespräche mit der Stadt und der Diözese und engagierte sich im Bauausschuss der Pfarrei. Die vielen Aufgaben forderten ihn und machten ihm zugleich viel Spaß.</p><p>Seit der Pensionierung vor 22 Jahren habe der zeitliche Druck von damals nachgelassen. Heute gebe es vermehrt Phasen der Stille und der Besinnung. „Das Hören, das hörende Lesen, das Beten der Psalmen und anderer Texte ist jetzt sehr viel wichtiger geworden“, erläutert Öhrlein. Einige seiner Lieblingsbücher stehen im Flur zwischen hunderten anderen in einem deckenhohen Regal. Im Wohnzimmer zieren Ikonen aus verschiedenen Ländern die Wände, und rund um das Sofa haben christliche Figuren ihren Platz gefunden.</p><p>Mitte Oktober wird der Priester wieder drei Wochen auf Sylt verbringen. Sonntags sei die St. Christophorus-Kirche in Westerland – einer Stadt an der Westküste der Nordseeinsel –&nbsp; voll. Viele Familien mit Kindern besuchen die Messe, erzählt Öhrlein: „Gottesdienst feiern auf Sylt macht Freude.“</p><p class="text-right"><em>Sarah Baus</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73837</guid><pubDate>Thu, 02 Jul 2026 09:58:54 +0200</pubDate><title>Wenn leben mit der Geburt endet</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/sternenkinder/</link><description>Lange wurden Geburten sogenannter Sternenkinder verschwiegen. Das hat sich geändert, weil es auch in der Region inzwischen gut organisierte Unterstützung gibt.</description><content:encoded><![CDATA[<p><span style="line-height:100%">Die Stille ist unerträglich: Kein erster Schrei. Schweigende Angehörige. Unausgesprochenes zwischen den Partnern. Oder Worte voller Hilfslosigkeit.&nbsp;</span>Wird ein Kind tot geboren, sind die <strong>seelischen Folgen für Eltern</strong> immens, aber auch für deren Umfeld.&nbsp;<span style="line-height:100%">Geburten von Sternenkindern kommen immer wieder vor. Langsam dringt das Thema an die breite Öffentlichkeit; weil Eltern, die ihre Kinder vor, bei oder kurz nach der Geburt verloren haben, ihr Schweigen brechen.</span></p><p><span style="line-height:100%">Eine davon ist Vanessa Suslow aus Erlenbach. Sie ist Mutter eines vierjährigen Sohnes und eines Mädchens, das im November 2023 als Sternenkind geboren wurde. Bis zur 18. Woche verlief die Schwangerschaft unauffällig. Doch während der Ultraschalluntersuchung, bei der sie das Geschlecht ihres Kindes erfuhr, hatte der Arzt eine Frage: „Waren Sie bei der Pränataldiagnostik?“ Nach Tagen der Ungewissheit kam der schreckliche Befund: Ein Fötus mit offenem Rücken, ablaufendem Hirnwasser und schon im Mutterleib <strong>praktisch ohne Überlebenschance</strong>. Die medizinisch bewanderte Altenpflegerin Suslow konnte sich nicht vorstellen, das Kind weiter auszutragen. „Der Abbruch der Schwangerschaft war für alle eine medizinische Notwendigkeit“, beschreibt sie die Situation heute.</span></p><p><span style="line-height:100%">Wirtschaftsfachwirtin Lena Weiss ist Mutter eines bald zehnjährigen und eines sechsmonatigen Sohnes und hat dazwischen zwei Sternenkinder geboren. Beim ersten waren in der zwölften Schwangerschaftswoche keine Herzschläge mehr zu sehen und zu hören. Der kleine, tote Fötus wurde durch eine Operation unter Vollnarkose „schnell weggeschafft“ und die Gebärmutter ausgeschabt. Was so technisch klingt, hinterließ Spuren. Zumal viele nahestehende Personen sich und Lena Weiss mit dem Umstand trösteten, „das Kind sei ja noch nicht wirklich da gewesen“.</span></p><p><span style="line-height:100%">Aufgefangen hat beide Frauen der <a href="https://sternenkind-mil.de/" title="Zur Website des Vereins" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Verein „Mein Sternenkind Miltenberg“</a>, in dem sich Eltern engagieren, deren Kinder in der Schwangerschaft, bei der Entbindung sowie in den ersten Lebenswochen verstorben sind. Gemeinsam bauten sie eine <strong>Selbsthilfegruppe samt Beratungsnetzwerk</strong> auf, mit Räumen im Ortskern von Kleinwallstadt (Pastoraler Raum Elsenfeld). Lena Weiss benötigte nach der Geburt ihres ersten Sternenkindes über ein Jahr, bis sie die Kraft hatte, hier vorbeizuschauen. „Doch hier wurde ich verstanden, sprechfähig und konnte aus den Erfahrungen anderer lernen.“</span></p><h3><span style="font-weight:normal"><span style="line-height:100%">Frühverstorbene als Menschen würdigen</span></span></h3><p><span style="line-height:100%">Eine weitere zentrale Anlaufstelle ist der <a href="https://www.skf-wue.de/" title="Zur Website" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Sozialdienst katholischer Frauen (SkF)</a>, der an mehreren Standorten in Unterfranken berät: unabhängig von der Religionszugehörigkeit, kostenfrei, auf Wunsch anonym, vor Ort, telefonisch oder online. In der <a href="https://www.skf-wue.de/einrichtungen/ksb-katholische-beratungsstelle-fuer-schwangerschaftsfragen/einrichtung.html" title="Zur Website" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen (KSB)</a> werden im Jahr bis zu 4000 Personen beraten, davon müssen sich etwa 150 Ratsuchende mit dem Verlust ihres Kindes auseinandersetzen. Unterstützt wird die KSB durch das <a href="https://www.skf-wue.de/einrichtungen/fachreferat-schwangerschaftsberatung/einrichtung.html" title="Zur Website" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Referat Schwangerschaftsberatung in der Diözese Würzburg</a>. „So können wir ein gutes Angebot bereitstellen, das jede Schwangere, jede Schwangerschaft und jedes Kind ernst nimmt“, erläutert Diözesanreferentin Anna Elisabeth Thieser. Auch wenn ein Kind früh sterbe, komme ihm die gleiche menschliche Würde zu. Es sei kein Makel.</span></p><p><span style="line-height:100%">Für die KSB-Beraterinnen ist die <strong>Arbeit mit Eltern von Sternenkindern </strong>eine besondere. „Manche Reaktionen des Umfelds sind für die Betroffenen kaum auszuhalten. Einige haben Angst davor in ihrer Trauer eine Zumutung zu sein, und verschließen sich. Andere erleben Tröstungsversuche als Kleinmachen ihres Schmerzes“, erklärt Ursula Omer, Beraterin und fachliche Leitung der Beratungsstelle in Aschaffenburg. Beraterin Susanne Resch aus Würzburg ergänzt: „Die Gleichzeitigkeit so vieler Gefühle – wie Trauer und Verzweiflung, Schmerz und Scham – ist manchmal überwältigend.“</span></p><h3><span style="line-height:100%">Stille Geburt: „Wie im wackeligen Boot“</span></h3><p><span style="line-height:100%">All dies kommt zusammen, wenn im Kreißsaal die <strong>Geburt eines Sternenkindes</strong>, eine Stille Geburt, vorbereitet wird. Wenn es ruhig bleiben wird, und drumherum das Notwendige geschehen muss, schlägt die Stunde der Hebammen. Neben der medizinischen Betreuung erfragen sie die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern, geben rechtliche Informationen, beraten zu Rückbildung und Nachversorgung und begleiten in den folgenden Wochen durchs Wochenbett. Theresa Geier, angestellte Hebamme in der Missio-Klinik Würzburg, findet ein bildhaftes Beispiel für diesen Prozess: „Es ist wie der gemeinsame Einstieg in ein wackeliges Boot. Wenn ich es den Betroffenen angenehmer gestalten kann, gehe ich zufriedener aus dem Kreißsaal hinaus.“</span></p><p><span style="line-height:100%">Neben der medizinischen Versorgung geht es den Hebammen darum, einen <strong>Raum für Erinnerungen</strong> zu schaffen. „Alles, was im Kreißsaal nicht gemeinsam passiert, ist im Nachhinein nicht mehr möglich. Die Möglichkeiten, die wir heute haben, hatten die vorherigen Generationen nicht“, erklärt die Leitende Hebamme der Missio-Klinik, Antje Beck. So können Eltern ihr totgeborenes Kind noch in den Arm nehmen, wiegen oder Fußabdrücke erstellen. Dafür braucht es manchmal auch Überwindung. Schließlich sind die totgeborenen Kinder oft nicht voll ausgebildet.</span></p><p><span style="line-height:100%">Doch auch für die Hebammen ist die <strong>psychische Belastung</strong> immens. Deswegen ist der Umgang mit Sternenkindern inzwischen Teil der Berufsausbildung. Ein dreitägiges Seminar war es im Fall von Theresa Geier, „vor allem mit dem Ziel, Berührungsängste abzubauen“, wie sie erläutert. Bei der Begleitung einer Stillen Geburt sind dann die volle medizinische und psychologische Unterstützung der Mutter sowie die ständige Kommunikation mit den Eltern entscheidend, sowie die Tatsache, dass eine Hebamme an einem solchen Tag nur das eine betroffene Elternpaar betreut.</span></p><p><span style="line-height:100%">Sehr selten kommt es vor, dass ein Kind unerwartet rund um die Geburt verstirbt. „Diese ungebremsten Erfahrungen sind wohl die schlimmsten“, sagt Theresa Geier. „Es macht einen großen Unterschied, ob ich mich aktiv dafür entscheide, eine Totgeburt zu betreuen, oder einen Todesfall im Kreißsaal unvorbereitet erlebe. Das wäre auch für mich ein Schock.“ Deswegen ist es wichtig, dass neben den Angehörigen eines Sternenkindes auch das medizinische Personal psychologische Hilfe in Anspruch nehmen kann.</span></p><h3><span style="line-height:100%">Perspektiven im emotionalen Chaos</span></h3><p><span style="line-height:100%">Judith Dümler ist Trauerbegleiterin und als Gemeindereferentin in der Klinikseelsorge im Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt eingesetzt. Sie trifft Eltern, um ihnen Mut zuzusprechen, <strong>gemeinsam Abschied zu nehmen</strong> und womöglich zu beten. Denn gerade die Geburten von Sternenkindern führten in einen emotionalen Ausnahmezustand, sagt Dümler: „Junge Menschen, die davon ausgehen, das Leben selbst zu bestimmen, trifft diese Tragik mit voller Wucht. Es kann ungemein wertvoll sein, in diesen Schmerz eine Zukunftsperspektive zu tragen.“ Dümlers Trauerarbeit unterscheidet sich von Fall zu Fall. Für die einen breche nach einem Abbruch in der sechsten Schwangerschaftswoche die Welt zusammen, andere seien erleichtert, eine Schwangerschaft zum letztmöglichen Zeitpunkt abbrechen zu können.</span></p><p><span style="line-height:100%">Vanessa Suslows Sternenkind kam auf natürlichem Wege zur Welt. Die Mutter konnte das Mädchen noch direkt auf ihrer Haut spüren, bevor es mit einer letzten, leichten Bewegung des Brustkorbes in ihrem Arm verstarb. Lena Weiss erlebte zwei Sternenkindgeburten in Folge. Gestärkt durch die Gespräche im <a href="https://sternenkind-mil.de/" title="Zur Website des Vereins" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Verein „Mein Sternenkind Miltenberg“</a> überzeugte sie ihren Frauenarzt bei der zweiten, von einer Operation abzusehen. Der Fötus, in der achten Schwangerschaftswoche verstorben, bildete sich im Mutterleib zurück, ein natürlicher Abgang folgte. Das Leid an Körper und Geist aber blieb beiden Müttern.</span></p><p><span style="line-height:100%">Die Beispiele der Sternenkind-Familien zeigen, wie emotional und komplex die Beratungstätigkeit sein kann. Daher werden die Kompetenzen in Würzburg seit über 20 Jahren im <strong>Arbeitskreis Leere Wiege</strong>&nbsp;(<a href="https://www.ukw.de/fileadmin/user_upload/LeereWiege_Seelsorge_FL_22d.pdf" title="PDF-Download" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Infoflyer als PDF-Download</a>) gebündelt, einem Zusammenschluss von Hebammen, Klinikseelsorgenden, Schwangerschaftsberatungsstellen, dem Kinderhospizdienst der Malteser sowie den Vereinen Sternenzelt und KIWI. Der Arbeitskreis hat unter anderem dafür gesorgt, dass auf Haupt- und Waldfriedhof Erinnerungsorte geschaffen wurden und regelmäßige Gedenkfeiern stattfinden. „Alles, was hier für die Sternenkinder entstanden ist, ist diesem Arbeitskreis zu verdanken“, fasst Hebamme Antje Beck zusammen.</span></p><h3><span style="line-height:100%">Sichtbarkeit schaffen und Mut spenden</span></h3><p><span style="line-height:100%">Darüber hinaus stellt der Arbeitskreis <strong>politische Forderungen</strong> mit Blick auf die Sternenkind-Eltern: Regelungen für eine vorzeitige Rückkehr in bestehende Arbeitsverhältnisse, eine Ergänzung für Väter zum gestaffelten Mutterschutz bei Tot- und Fehlgeburten, garantierte Rückbildungskurse für Mütter und die Möglichkeit, trotz oder gerade wegen des Todesfalls in Elternzeit zu gehen. „Es ist eine gemeinsame Aufgabe, mehr Sichtbarkeit zu schaffen, Mut zuzusprechen und Trauerorte zu erkämpfen“, sagt KSB-Beraterin Susanne Resch.</span></p><p><span style="line-height:100%">Nach dem Würzburger Vorbild gründete sich 2021 in <a href="https://beratung-sternenkinder.de/" title="Zur Website" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Aschaffenburg das Netzwerk Sternenkinder</a>. Dessen erstes Projekt, eine Wanderausstellung, wird seit fünf Jahren durchgehend gezeigt. In Schweinfurt hat Klinikseelsorgerin Judith Dümler 2023 den <a href="https://www.skf-schweinfurt.de/hilfe-beratung/schwangerschaftsberatung/sternentreff/" title="Weitere Informationen" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Sternentreff </a>initiiert, in dem sich Eltern austauschen, die ein Kind im Mutterleib oder rund um die Geburt verloren haben.</span></p><p><span style="line-height:100%">Weltweit wird jedes Jahr am zweiten Dezembersonntag den<strong> frühverstorbenen und totgeborenen Kindern </strong>gedacht. Kerzen leuchten dann auch beim ökumenischen Gottesdienst, den der Arbeitskreis Leere Wiege in der Gethsemane-Kirche am Würzburger Heuchelhof veranstaltet. Dort kommen alle Altersgruppen zusammen, was zeigt: für die Zurückgebliebenen geht das Leben weiter. Teenager erinnern ebenso an ihre verstorbenen Geschwister wie Eltern, die ihr Kind bereits vor Jahrzehnten verloren haben. Kerzen in der Mitte des Raumes transportieren Liebe und Erinnerungen.</span></p><h3><span style="line-height:100%">Die Erinnerung bleibt bis zum Ende</span></h3><p><span style="line-height:100%">„Diese Hoffnungslichter schaffen einen einzigartigen Moment“, sagt die Gastgeberin, die evangelische Pfarrerin Dr. Claudia Kühner-Graßmann. Sie erinnert daran, dass die <strong>Trauerarbeit besonders herausfordernd</strong> ist, wenn sie nachgeborenes, nicht gelebtes Leben betrifft. „Die Folge der Generationen wird unterbrochen. Da sagt unser logisches Denken: Das sollte nicht sein.“ Gerade die heutige Senioren-Generation sei noch erzogen worden, solcherlei Schicksalsschläge zu verschweigen und zu verdrängen. „Oft bricht die Vergangenheit dann gegen Lebensende heraus“, berichtet Kühner-Graßmann. In einigen Fällen würden die Schicksale in der Familie erst bekannt, wenn Geistliche Trauergespräche für eine Beerdigung führten. „Einen Rat können wir immer geben: Lasst der Trauer Raum, bringt Eure Sorgen vor Gott und betet für das verstorbene Kind“, empfiehlt die Pfarrerin. „Im Gebet kann etwas entstehen, das in keiner Konkurrenz zu den anderen Angeboten steht.“</span></p><p><span style="line-height:100%">An Vanessa Suslows frühverstorbenes Kind – bei der Geburt 22 Zentimeter klein, 280 Gramm leicht – erinnert eine rosafarbene Urne in Sternform. Diese steht für die Familie gut sichtbar in einer Vitrine in der eigenen Wohnung. Lena Weiss suchte nach medizinischer Gewissheit. Im Kinderwunschzentrum der Würzburger Universitätsklinik wurde eine geteilte Gebärmutter als Ursache der Fehlgeburten ausgemacht. Nach einer geglückten Operation ist Weiss inzwischen wieder Mutter eines Sohnes. Nun ein lebendiges Kind im Arm zu halten, sei für sie noch immer wunderbar und befremdlich zugleich.</span></p><p class="text-right"><em><span style="line-height:100%">Sebastian Haas</span></em></p><h3><span style="font-weight:normal"><span style="line-height:100%">Zusatzinfo: Die Sache mit der Statistik</span></span></h3><p><span style="line-height:100%"><strong>Totgeburten und Schwangerschaftsabbrüche </strong>sind in Deutschland statistisch gut dokumentiert, <strong>Fehlgeburten</strong> unterliegen keiner Meldepflicht. Die Gesamtzahl der Schwangerschaften kann nur abgeleitet werden, sie beträgt deutschlandweit pro Jahr zwischen 850.000 und 900.000. Lebend zur Welt kamen im Jahr 2025 um die 655.000 Säuglinge. Somit endet fast jede vierte Schwangerschaft nicht mit der Geburt eines lebenden Kindes. Das Statistische Bundesamt vermeldete für 2025 106.000 Schwangerschaftsabbrüche. Vermutet werden mindestens genauso viele Fehlgeburten, also solche, bei denen die Schwangerschaft vor der 24. Woche endet oder das Kind weniger als 500 Gramm wiegt. Ist ein bereits verstorbenes Kind bei der Geburt weiter entwickelt, spricht man von einer Totgeburt. Deren Anzahl steigt kontinuierlich, auf zuletzt etwa 3.500 pro Jahr, und betrifft damit eine von 250 Schwangerschaften. Alleine für die Organisation der Sammelbeisetzungen von Sternenkindern im Raum Schweinfurt schreibt Koordinatorin Judith Dümler nach eigenen Angaben alle zwei Monate 20 bis 30 von Tot- oder Fehlgeburten sowie Schwangerschaftsabbrüchen Betroffene an.</span></p><h3><span style="font-weight:normal"><span style="line-height:100%">Zusatzinfo:</span></span><span style="line-height:100%">&nbsp;Die erste und letzte Erinnerung</span></h3><p><span style="line-height:100%">Bleibende Erinnerungen schafft die <a href="https://dein-sternenkind.eu/" title="Zur Website" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">Dein-Sternenkind Stiftung</a>, für die im deutschsprachigen Raum <strong>700 ehrenamtliche Fotografinnen und Fotografen im Einsatz</strong> sind. Im vergangenen Jahr verzeichneten sie gut 4.700 Einsätze. Schon allein diese Zahl ist höher als die offizielle Zahl der Totgeburten hierzulande. „Wir betreten Räume, die gefüllt sind mit Liebe und mit Trauer. Dafür braucht es Empathie und Mut“, sagt Stiftungs-Vorsitzender Oliver Wendlandt. Eine der Fotografinnen ist Grit Kreusch aus Lohr am Main (rechts im Einsatz zu sehen). Über eine App wird sie informiert, wenn Eltern Fotos ihres Sternenkindes wünschen. Zu Einsätzen nimmt sie nur ihren Kamerarucksack, Tücher, Plüschsterne und ein selbst gebasteltes Namensbändchen mit. Kreusch ist es eine Herzensangelegenheit, mit ihrem Tun eine bleibende Erinnerung für die Eltern zu schaffen. Psychisch belastend seien die Einsätze für sie nicht, weil sie viel Dankbarkeit erfahre. Die eigentliche emotionale Gratwanderung beginnt für sie später, wenn sie ihre Aufnahmen sichtet und behutsam bearbeitet. Danach schickt Kreusch ein kleines Paket mit den Fotos und Erinnerungsstücken an die Eltern. „Ohne jegliche Erwartungshaltung“, wie sie sagt. „Die Eltern müssen in ihrer Trauer keine Kraft für eine Rückmeldung aufbringen.“</span></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73468</guid><pubDate>Sun, 28 Jun 2026 12:50:00 +0200</pubDate><title>Fremde Gäste, offene Türen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/fremde-gaeste-offene-tueren/</link><description>Jesus lobt nicht die, die predigen, sondern die, die andere bei sich aufnehmen. Wer einem Müden ein Bett gibt, einem Durstigen einen Becher Wasser, der bekommt Lohn – sagt das Matthäusevangelium.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.</p><p>Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.</p><p>Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.</p><p><strong>Matthäus 10,37–42</strong></p><p>Eine, die pilgernden Fremden ihre Tür öffnet, ist Barbara Heimbach. Früher war die 63-Jährige auf vielen Pilgerwegen unterwegs. Zum ersten Mal vor zehn Jahren. Da ging es den Mosel-Camino entlang: „Von Koblenz bis Trier. Ich habe da wunderbare Erfahrungen gemacht“, sagt Barbara Heimbach. Mit einer Freundin lief sie jeden Tag etwa 20 Kilometer zu Fuß. Das letzte Mal war sie kurz vor Corona pilgern: den portugiesischen Jakobsweg. Porto bis Santiago. In 14 Tagen. Heute würde Heimbach gerne nochmal in die Wanderschuhe schlüpfen. Doch ihre Gesundheit lässt es nicht zu, erzählt sie.</p><p>Dafür öffnet Heimbach anderen Pilgernden die Tür. Genauer: die Tür zur Ferienwohnung auf ihrem Grundstück. Denn Pilgerunterkünfte zu finden, ist nicht immer einfach. Heimbach sagt: „An manchen Strecken, vor allem Richtung Frankreich, muss man lange im Voraus eine Unterkunft buchen. Da kann es schwierig werden, ein Bett zu finden.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">„Da sind immer schöne Gespräche entstanden“</h3><p>Dass Pilgernde auf Gastfreundschaft angewiesen sind, ist so alt wie das Pilgern selbst. Auch Jesus schickt seine Jünger los – ohne Geld, ohne zweites Hemd, angewiesen auf das, was unterwegs gegeben wird. „Wer euch aufnimmt“, sagt er, „nimmt mich auf.“ Wer einem dieser Wanderer auch nur einen Becher frisches Wasser reiche, der „wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen“ (Mt 10,40–42). Bei Heimbach gibt es zusätzlich Tee, Kaffee und abendliche Gespräche im Garten. Frühstück? Fehlanzeige! Heimbachs Angebot ist keine Heldentat, keine Predigt. Nur das, was Jesus fordert: ein Dach über dem Kopf für eine Nacht.</p><p>Nur wenige Euro kostet eine Übernachtung, doch um Geld geht es der ehemaligen Pilgerin nicht. Nüchtern sagt Heimbach: „Meinen Lebensunterhalt bestreite ich davon nicht, sonst wäre ich längst verhungert.“ Im vergangenen Jahr seien gerade einmal acht Pilgernde bei ihr untergekommen. Kein Grund, das Zimmer nicht zur Verfügung zu stellen. Heimbach sagt: „Wir hatten den Platz hier, und ich habe gesagt: Warum nicht?“</p><p>Schließlich kannte sie das Konzept privater Unterkünfte noch von ihren eigenen Pilgerreisen mit der Freundin: „Wir sind damals selbst in vielen Familien sehr nett aufgenommen worden“, sagt sie. „Da sind immer schöne Gespräche entstanden.“ Mit einer Gastgeber-Familie hat sie sich so gut verstanden, dass sie am Ende eine Karte aus Santiago geschickt hat. „Das war eine sehr herzliche Sache.“</p><p>Bei Matthäus sagt Jesus: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Steht also ein Müder auf der Türschwelle und bittet um Unterkunft, dann steht da mehr als nur ein Wanderer. Heimbach würde das wohl nicht so groß formulieren, würde im Fremden weder Jesus noch Gott sehen. Und doch stimmt es im Kleinen vielleicht auch bei ihr. Denn: Es gebe zwischen ihr und den Pilgernden „eine gemeinsame Basis“, sagt Heimbach.</p><p>„Manchmal setzen wir uns zusammen in den Garten und plaudern einfach ein bisschen.“ Dann erzählen beide Seiten – Gastgeberin und Pilger – von ihren Erfahrungen. „Warum wir losgelaufen sind oder wo wir uns schon alles verlaufen haben“, sagt Heimbach. Sehr berührt habe sie, als eine Gruppe Mädels nach einem Jahr noch einmal an die Tür klopfte, weil es ihnen so gut bei Heimbach gefallen hatte. „Sie haben die Unterkunft dann als Basis genommen, sind von dort aus auf Tagestouren gegangen. Denn auf manchen Abschnitten ist es einfach schwierig, Unterkünfte zu finden.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Sie gehen und kommen bei sich selbst an</h3><p>Die Pilgernden sind für Heimbach nicht nur Kurzzeitmieter. Es sind Menschen unterwegs, wie sie es selbst einst war. Und so gibt sie weiter, was ihr damals geschenkt wurde: ein Stück Verbundenheit auf fremdem Weg und eine offene Tür. Denn ohne Menschen, die Fremden ihre Türen öffnen, ist das Pilgern nur schwer möglich.</p><p>Eine solche Erfahrung wünscht Heimbach jedem einmal im Leben. Sie sagt: „Dieses weite Gehen führt dazu, dass man bei sich ankommt. Ich bin jedes Mal breit grinsend wiedergekommen und war komplett entspannt.“</p><p>Welchen Lohn Matthäus denen verspricht, die Pilgernden auf ihrem Weg Unterkunft bieten, lässt Jesus offen. Vielleicht zeigt er sich in unterschiedlicher Form: als Postkarte aus Santiago. Als Mädelsgruppe, die wiederkommt. Als Garten voller Geschichten.</p><p class="text-right"><em>Lisa Discher</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-73328</guid><pubDate>Sun, 21 Jun 2026 11:30:00 +0200</pubDate><title>Verfolgt von der eigenen Kirche</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/verfolgt-von-der-eigenen-kirche/</link><description>Jürgen Hauskeller hat erlebt, was der Prophet Jeremia beschreibt: die Verleumdung durch die „nächsten Bekannten“. Vorgesetzte und Mitbrüder haben den evangelischen Pfarrer in der DDR jahrzehntelang bespitzelt und später das Unrecht geleugnet.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!</p><p>Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!</p><p>Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.</p><p>Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 10,26–33</strong></p><p></p><section compid="FB148A9B-9B08-4F4C-8E4D-2FD512306843" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Gut 57 Jahre war das Leben von Pfarrer Jürgen Hauskeller überschattet von Bespitzelung, Verrat, Verleumdung und übler Nachrede – ähnlich, wie es in der Klage des Propheten Jeremia heißt: „Grauen ringsherum.“ Zum Teil ging das Unrecht sogar von der eigenen Kirche aus, von Glaubensbrüdern und -schwestern. Bis er daran „fast zugrunde gegangen wäre“, sagt Hauskeller. „Das war auch nach der Wende viele Jahre eine offene Wunde. Ich habe einfach keine Ruhe gefunden.“ Bis 2025 die Erlösung folgte: Bei einem Bußgottesdienst bat ihn die evangelische Kirche um Vergebung für das Unrecht, das sie ihm jahrzehntelang zugefügt hatte. „Das war, als ob sich Himmel und Erde berührt hätten“, sagt Hauskeller.</p><p>Geboren 1937 in Meuselwitz, wurde Hauskeller 1968 Jugendpfarrer in Zella-Mehlis, 1975 dann in Sondershausen. Mit seinen Gottesdiensten, in die er früh eine Band, neue geistliche Lieder und aktuelle Gesellschaftsthemen einband, hatte er Erfolg. „Fast automatisch“, sagt er, sei er ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit geraten. „In der DDR hatte der Staat das Monopol für die Jugendarbeit. Kirche war da nicht vorgesehen.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Kein Einziger hat gesagt: Es tut mir leid“</h3><p>Von 1968 bis 1989 wurde er von der Stasi beobachtet. Ziel war Zersetzung. Rund 1000 Seiten Berichte wurden über ihn gefertigt. Beteiligt waren, so belegen es die Akten, rund 100 Menschen. Darunter auch sein langjähriger Vorgesetzter, der 2008 verstorbene Superintendent Reinhold Adebahr, sowie andere Geistliche und Kirchenmitglieder.</p><p>Als Hauskeller 1992 Einsicht in seine Stasi-Unterlagen erhielt, war der Schock groß. Dass er beschattet wurde, sei für ihn, der in seinen Predigten unter anderem die zunehmende Militarisierung der DDR-Gesellschaft angeprangert hatte, zwar klar gewesen, sagt Hauskeller. Doch dass daran so viele Geistliche beteiligt waren, hatte er sich nicht vorstellen können. „Von den elf Mitgliedern im Landeskirchenrat haben zuletzt sechs für die Stasi gearbeitet“, sagt er. Auch sein ehemaliger Bischof Ingo Braecklein, vormals Mitglied der NSDAP, entpuppte sich als Inoffizieller Mitarbeiter (IM).</p><p>Doch das Schlimmste war für Hauskeller nicht die Bespitzelung, sondern die Schmach, die er anschließend erlebte. Trotz seiner Tätigkeit als IM „Storch“ und „Papst“ für das MfS blieb Adebahr bis 1998 Hauskellers direkter Vorgesetzter. Insgesamt 15 Menschen konfrontierte Hauskeller mit Erkenntnissen aus seinen Stasi-Akten. „Doch alle leugneten. Und am Ende wurden mir sogar Vorwürfe gemacht. Ich wurde beschimpft. Kein Einziger hat gesagt: Es tut mir leid“, erinnert sich der 89-Jährige. „Ich musste das Ganze dann abbrechen, weil ich das psychisch nicht weiter durchgestanden hätte.“</p><p>Mehr noch: Immer häufiger wurde er im Kollegenkreis als Unruheherd stigmatisiert. Und das, obwohl er – anders als viele andere Stasi-Opfer – die Presse nicht informierte. „Ich dachte immer: Wenn es eine Institution gibt, die mit Themen wie Schuld und Sünde oder Vergebung und Sühne gut umgehen kann, dann ist es die Kirche“, sagt Hauskeller. Doch das Gegenteil war der Fall. Als der Geistliche die Kirchenspitze unterrichtete, kam ihm das vor, als laufe er „gegen eine Wand“.</p><p>Der erste Bischof, den Hauskeller kurz vor dessen Rente ansprach, sagte, er wolle das heikle Thema nicht mehr anfassen; Hauskeller solle sich an seinen Nachfolger wenden. Doch der nachfolgende Bischof machte alles noch schlimmer. Er schenkte den Aussagen Adebahrs Glauben, der behauptete, er habe nie für die Stasi gearbeitet. Hauskeller galt im Kollegenkreis fortan als Nestbeschmutzer. Man warf ihm vor, er wolle Biografien zerstören. Zu allem Überfluss betraute die Thüringische Landeskirche den ehemaligen MfS-Mitarbeiter Braecklein 1991 mit der Aufarbeitung der Beziehungen kirchlicher Mitarbeiter zur Stasi. Für Hauskeller stand nun endgültig fest: „Meine Kirche betreibt lieber Täter- als Opferschutz.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Ich genieße jeden Tag als etwas ganz Besonderes“</h3><p>2000 ging er in den Ruhestand. 2002 zog er mit seiner Frau, einer evangelischen Pastorin, in den Kongo. Das Paar gründete dort zwei Waisenhäuser, ein Krankenhaus und eine Schule. Zudem adoptierten sie drei afrikanische Kinder. 2006 kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Für sein Engagement für die Kinder im Kongo wurde Hauskeller 2018 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Nur in seiner Kirche galt er weiterhin als Persona non grata. Man verweigerte ihm den Zugang zu seiner ehemaligen Kirche in Sondershausen. Auch die Taufe der drei Kinder in Hauskellers ehemaliger Gemeinde wurde ihm vom Gemeindekirchenrat verboten.</p><p>Erst als der Kirchenhistoriker Friedemann Stengel begann, die Kirchengeschichte der DDR neu aufzuarbeiten, setzte ein Umdenken ein. Hauskeller durfte seine Geschichte erzählen. Erst dem Historiker, dann auf einem Forum zur Aufarbeitung der Kirchengeschichte in Halle und schließlich zwei Bischöfen. Vor allem Bischöfin Ilse Junkermann zeigte sich nach einem dreistündigen Gespräch, für das sie zu Hauskeller nach Leipzig gereist war, tief betroffen.</p><p>36 Jahre nach der Wende erfolgte Pfingsten 2025 die Vergebungsbitte der Kirche und der Bußgottesdienst. „Das war eine Befreiung“, sagt der Geistliche. Anders als der Prophet Jeremia jedoch habe er „nie Rachegedanken“ gehabt, sagt der 89-Jährige. Gemeinsam mit seiner Frau Christine betreibt er den Verein „Hilfe für Menschen im Kongo“, reist oft und gerne ins Ausland. „Das erlebe ich als großes Geschenk. Ich genieße jeden Tag als etwas ganz Besonderes“, sagt er.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Andreas Kaiser</em></p><p></p></section><section compid="35EAF8A6-EC41-4C96-85E7-3BCF02DE8D71" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Jürgen Hauskeller studierte in den 1950er Jahren evangelische Theologie. Trotz vieler Repressalien gegen die Kirche wurde er Pfarrer wie sein Vater.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72967</guid><pubDate>Sun, 14 Jun 2026 11:10:00 +0200</pubDate><title>Geht und verkündet!</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/geht-und-verkuendet/</link><description>Im Evangelium sendet Jesus die Apostel aus, um den Glauben zu verbreiten. Dass wenige viele Aufgaben erledigen müssen, wusste er schon damals. Wie lesen heutige Menschen, die in der Kirche arbeiten, den Text?</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!</p><p>Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat.</p><p>Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heidenund betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 9,36 – 10,8</strong></p><p></p><section compid="f36dbeba-e8d7-4f71-8c65-917ecafecb60" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_20_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro20Italic">Sie will den Mangel als Chance sehen</h3><p>„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter“, heißt es im Evangelium an diesem Sonntag. „Ja, das stimmt. Und finde ich es schade? Ja, natürlich“, sagt Kirsten Ludwig. „Ich finde es schlimm, dass sowohl in der Priesterausbildung als auch in der Ausbildung für Pastoral- und Gemeindereferentinnen kaum noch Nachwuchs ist. Das würde ich mir anders wünschen. Aber das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.“</p><p>Ludwig arbeitet als Pastorale Koordinatorin in der Pfarreiengemeinschaft Ankum-Eggermühlen-Kettenkamp im Bistum Osnabrück. Etwa 7000 Katholiken gehören zur Pfarrei, drei Kirchen, drei Kindergärten. Seit sieben Jahren arbeitet sie in der Gemeinde und teilt sich die Leitungsaufgaben mit dem Pfarrer.</p><p>Wenn sie das Evangelium hört, von den Arbeitern, die für die Ernte benötigt werden, setzt bei Ludwig ein gewisser Pragmatismus ein: „Meine Mutter hat für mich einen Satz geprägt: Das ist jetzt, wie es ist, und wir müssen das Beste daraus machen.“ Nicht im Sinne eines sehnsüchtigen Rückblicks auf das Vergangene, sondern mit großem Elan für die Zukunft. „Wir haben einen Priestermangel, einen Fachkräftemangel und einen Mitgliedermangel. Aber in dieser Situation stecken auch Chancen. Wir haben die Möglichkeit, nun ernsthaft zu schauen: Was geht noch? Was brauchen wir? Und was lassen wir?“</p><p>Das hat sie schon in ihrer Jugendarbeit gelernt. Sie erzählt, der Diakon in ihrer Heimatgemeinde habe sie als Jugendliche in der Leiterrunde der Katholischen Jungen Gemeinde gefragt: Wenn ihr was zu Sankt Martin machen wollt, tut ihr das, weil das jahrzehntelang so gemacht worden ist? Oder weil das eine Bedeutung für euch hat? „Diesen Satz habe ich nicht vergessen“, sagt Ludwig. Und die Haltung hat sie für sich übernommen.</p><p>In der Pfarreiengemeinschaft trifft sie heute auf viele Menschen, die Lust haben, Neues auszuprobieren. Seit zwei Jahren bieten sie zum Beispiel am Karsamstag auf Anregung einer Mutter aus der Erstkommunionvorbereitung eine Speisensegnung an. Vor allem polnische Familien kommen dazu aus der ganzen Umgebung. „Dann stand nach dem Gottesdienst eine Frau vor mir und sagte, dass sie sich zum ersten Mal in der Kirche in Deutschland gesehen fühlt. Sowas macht mich betroffen – ist aber auch ein Ansporn.“</p><p>In ihrem Beruf kümmert sich Ludwig um die Finanzen der Pfarrei, um das Personal und momentan vor allem um die Zukunft der verschiedenen Gebäude. Bei all der Bürokratie möchte sie den Auftrag Jesu aus dem Evangelium nicht vergessen: Geht und verkündet, das Himmelreich ist nahe! „Wir müssen uns immer wieder darauf fokussieren, warum wir das alles tun. Wofür ärgern wir uns mit Strukturprozessen herum? Was ist der eigentliche Kern unseres Tuns?“, fragt Ludwig. Die Verwaltungsarbeit, aber auch die Arbeit in Gremien dürfe nicht zum Selbstzweck werden. Ludwig sagt: „Deswegen finde ich es so wichtig, zum Beispiel mit einem Gebet zu starten oder zu enden. Oder immer wieder die Botschaft des Evangeliums bei der Arbeit durchscheinen zu lassen.“</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><p>Kirsten Ludwig stammt aus dem Münsterland. Seit 2019 ist sie Pastorale Koordinatorin in der Pfarreiengemeinschaft Ankum, Eggermühlen und Kettenkamp.</p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_20_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro20Italic">Er will den Menschen Ruhe verschaffen</h3><p>Ja, in diesem Evangelium kann sich Felix Evers gut wiederfinden. „Es ist für mich ein Gegenbild zu dem, was ich oft in der Kirche erlebe: dass wir Kraft für Strukturprozesse einsetzen, statt zu den Menschen zu gehen, um sie für Jesus zu gewinnen. Dass wir jammern über Abbrüche, statt einfach aufzubrechen.“</p><p>Evers ist Priester und leitet die Pfarrei St. Paulus, Apostel der Völker in Hamburg. Fünf Kirchen gehören dazu, drei Kitas, zwei Schulen – und Menschen aus 100 Nationen. „Bei uns ist die Welt zu Hause“, sagt er.</p><p>Ist er von all dem, was täglich auf ihn zukommt, manchmal „müde und erschöpft“, wie es im Evangelium heißt? „Ja!“, sagt Evers ohne Zögern. „Oft.“ Und setzt hinzu: „Übrigens hat mich das aus der Chefetage schon sehr lange niemand gefragt. Seelsorge für Seelsorger funktioniert nicht.“ Regelmäßige Exerzitien sind für ihn wichtig. Und das Wissen, dass es anderen noch schlechter geht. „Wenn ich erlebe, wie erschöpft Kinder und Jugendliche manchmal sind, relativiert sich meine eigene Müdigkeit.“</p><p>Gibt es also, wie Jesus sagt, zu wenige Arbeiter im Weinberg des Herrn? Evers schüttelt den Kopf. „In allen Gemeinden, in denen ich war, habe ich viele Männer und Frauen gefunden, die mitgearbeitet haben.“ Er könnte sich gut vorstellen, dass Ehrenamtlichen die Hände aufgelegt werden, um sie mit der Leitung einer Ortsgemeinde zu beauftragen. „Es gibt nicht zu wenige Arbeiterinnen und Arbeiter, sie werden einfach zu wenig wahrgenommen.“</p><p>Früher auch von ihm, wie er selbstkritisch zugibt. „Jesus schlägt vor, für Berufungen zu beten, und das mache ich auch“, sagt Evers. „Aber als ich junger Kaplan war, dachte ich noch, damit seien vor allem Priester gemeint. Bis auf einmal in meiner Gemeinde zwei Frauen von Jesus berufen wurden – das hat meine Sichtweise geändert.“</p><p>Im Evangelium sendet Jesus zu verschiedenen Aufgaben aus: verkünden, heilen, aufwecken, Dämonen vertreiben. Was liegt ihm am nächsten? „Heilen“, sagt Evers. „Mein größter Wunsch ist es, den Menschen Ruhe zu verschaffen. Viel zu lange hat die Kirche mit ihrer Verkündigung Angst, Schuld und Scham verbreitet und die Menschen damit krank gemacht.“ Solche „dämonischen Gottesbilder“ möchte er vertreiben.</p><p>Bleibt der letzte Satz des Evangeliums: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Was hält Evers davon? „Für mich heißt das: Bei Gott gibt es nichts zu verdienen, im Himmel gibt es kein Bankkonto.“ Gottes Liebe, sagt er, „empfangen wir als Geschenk, ganz ohne Vorleistungen“. Und genauso will er sie weitergeben.</p><p>Er sieht das auch als Gegenbild zur Leistungsgesellschaft. „Viel zu oft sagen alte Menschen: Ich bin zu nichts mehr nütze, ich will niemandem zur Last fallen. Aber wir müssen nichts leisten, um voll Würde zu sein. Auf diese Frohbotschaft wartet die verwundete Schöpfung Gottes.“</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p></section><section compid="6b56cb65-9fab-461c-868a-61be7fb14c4c" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p>Felix Evers stammt aus Mecklenburg. Seit 2019 leitet der Priester die Pfarrei&nbsp; Paulus, Apostel der Völker im Hamburger Osten.&nbsp;</p></section><p></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72846</guid><pubDate>Sun, 07 Jun 2026 07:49:00 +0200</pubDate><title>Ohne Berührungsangst</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/ohne-beruehrungsangst/</link><description>Jesus tut, was die Frommen seiner Zeit empört: Er geht zu Menschen, die einen schlechten Ruf haben, spricht und isst mit ihnen. Sie brauchen ihn besonders, sagt er, und jeder hat eine Chance verdient. So sieht das auch Marion Königbauer, die Strafgefangene begleitet.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.</p><p>Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war, siehe, viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?</p><p>Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 9,9–13</strong></p><section compid="B52A184F-DB0F-4954-B8C3-322589D44244" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Wie sie das nur tun könne, mit Tätern unterwegs sein? Diese Frage stellen Marion Königbauer viele Menschen in ihrer Umgebung. Hat sie keine Angst vor Straftätern, die einen Mord begangen haben oder wegen anderer übler Taten im Gefängnis sitzen?</p><p>Königbauer ist Sozialarbeiterin beim „SKM Donau-Ries – Katholischer Verband für soziale Dienste e.V.“ und dort für die Straffälligenhilfe zuständig. Sie sagt: „Die Tat macht nicht den Menschen aus.“ Für sie ist es wichtig, in ihrem Gegenüber zuerst den Menschen zu sehen. Dass er straffällig geworden ist, sei nur ein Aspekt seines Lebens.</p><p>So könnte es auch Jesus gesehen haben, als er beim Zöllner Matthäus zu Gast war inmitten von anderen Gästen, die auch als Sünder galten. Zur Zeit Jesu war Zöllner ein einträglicher Beruf, aber er machte die Menschen zu Außenseitern – möglicherweise, weil sie mit den römischen Besatzern kollaborierten. Der Evangelist Lukas sagt über den Zöllner Zachäus zudem, dass er unrechtmäßig reich geworden ist. Er soll die Menschen betrogen und ihnen zu viel Geld abgenommen haben.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Jeder bekommt einen Vertrauensvorschuss von mir“</h3><p>Jesus weiß das. Aber er will den Zöllnern offenbar nicht ihr Menschsein absprechen. „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“, sagt er und bleibt im Haus des Matthäus, während die religiösen Eliten es nicht fassen können. „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“, fragen die Pharisäer.</p><p>Mit Leuten zu essen, die andere ablehnen, das kennt auch Königbauer. Zu ihrer Arbeit gehört die Ausgangsbegleitung. Regelmäßig ist sie an der Seite eines Inhaftierten in Donauwörth und Umgebung unterwegs. Sie holt ihn vormittags am Gefängnistor ab und bringt ihn nachmittags wieder zurück. Dazwischen tun sie, worauf der Mensch Lust hat: in ein Café gehen, über Alltägliches plaudern, einkaufen, Behördengänge erledigen oder das Grab verstorbener Angehöriger auf dem Friedhof besuchen.</p><p>Die begleiteten Ausgänge sind eine der Lockerungsstufen, die ein Strafgefangener durchlaufen muss, bevor er aus der Haft entlassen wird. Wenn ein Gefängnisinsasse keine Angehörigen hat, die ihn begleiten können, tun das Königbauer und ihre Kolleginnen. Angst hat sie nicht. „Jeder bekommt einen Vertrauensvorschuss von mir. Den muss man sich nicht erarbeiten“, sagt sie. Meist hat sie den Menschen schon zuvor bei Gesprächen kennengelernt.</p><p>Naiv ist sie auch nicht. Sie weiß, dass der Mensch wegen Mord, Raub, Betrug oder schwerer Körperverletzung verurteilt worden ist. Doch sie möchte ihm helfen, zurück in die Gesellschaft zu finden, und sieht, dass er das auch möchte. „Die Menschen, die ich begleite, übernehmen Verantwortung für das, was sie getan haben. Sie haben ihre Strafe verbüßt und möchten nun die Chance auf ein normales Leben haben.“</p><p>Für Menschen, die einmal im Gefängnis saßen, ist der Zutritt zum gesellschaftlichen Leben sehr schwer. „Vorurteile begegnen ehemaligen Strafgefangenen auf Schritt und Tritt“, sagt Königbauer. Sie erzählt von einem Gefängnisinsassen, dem Bankangestellte verweigern wollten, ein Konto zu eröffnen – angeblich, weil er einmal Schulden gehabt hatte. Königbauer hat ihn dann zur Bank begleitet und dort erklärt, dass jeder Mensch das Recht auf ein Basiskonto hat. „Es war für ihn demütigend, dass er das nicht allein geschafft hat.“ Später erlebte er eine ähnliche Zurückweisung bei einer Krankenversicherung – und traute sich nicht mehr, allein dorthin zu gehen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Die Mitarbeiter im Tierheim haben ihn genommen, wie er ist“</h3><p>Um eine Arbeit oder eine Wohnung zu finden, spielten manche ein Doppelleben, erzählt Königbauer. „Sie fürchten sich davor, preiszugeben, warum sie in Haft waren, oder dass sie überhaupt in Haft waren.“ Stattdessen wollten manche in ihren Lebenslauf schreiben, dass sie im Ausland waren. Das gehe aber nicht lange gut, sagt Königbauer. Sie ermutige die ehemaligen Häftlinge stattdessen, „mit offenen Karten zu spielen“. Das sei auf Dauer der bessere Weg, auch wenn man zunächst viele Absagen bekommt, „die einen wieder zurückwerfen“.</p><p>Es gibt aber auch solche, die sich von der kriminellen Vergangenheit eines Menschen nicht schrecken lassen. Königbauer erzählt von einem ehemaligen Gefängnisinsassen, der später, als er schon unbegleitete Ausgänge machen durfte, ganz oft ins Tierheim gefahren sei und dort ehrenamtlich mitgearbeitet hat. Auch während mehrtägiger Hafturlaube hat er sich dort engagiert, ist mit Hunden Gassi gegangen, hat geputzt oder repariert, was kaputt war.</p><p>„Die Mitarbeiter im Tierheim haben ihn genommen, wie er ist“, sagt Königbauer. Sie hätten genau gewusst, dass er wegen Mordes im Gefängnis war. „Doch sie konnten das ausblenden und haben gesehen, wie er mit den Tieren umgeht.“ Dass sie ihm fast ohne Vorurteile begegneten und ihm Vertrauen schenkten, habe dem Inhaftierten geholfen, sagt Königbauer.</p><p>Auf den Vorwurf der Pharisäer, wie Jesus nur mit Zöllner und Sündern essen kann, antwortet Königbauer: „Hätte Jesus den Zöllnern und Sündern nicht die Hand gereicht, hätten sie den Weg zurück in die Gesellschaft nicht gefunden.“ Die Frage sei auch, fügt sie hinzu, „ob man nicht selber schon Sünden begangen hat und eher auf der anderen Seite sitzen sollte. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p></section><section compid="0827F654-DF5D-4B45-AC10-4D462C322077" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Marion Königbauer ist Sozialarbeiterin beim „SKM Donau-Ries – Katholischer Verband für soziale Dienste e.V.“ und dort zuständig für die Straffälligenhilfe.</p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72896</guid><pubDate>Fri, 05 Jun 2026 07:41:25 +0200</pubDate><title>Metall schmiedete eine Gemeinschaft</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/metall-schmiedete-eine-gemeinschaft/</link><description>Vor 25 Jahren gründete sich die Ökumenische Nagelkreuzinitiative Würzburg. Mit Gebeten, Veranstaltungen und Versöhnungsgesten wollen die Aktiven mehr Miteinander in eine oft friedlose Welt bringen. Drei Zimmermannsnägel sind ihr gemeinsames Bindeglied.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Monika Soder (78) erinnert sich. In ihrer Kindheit und Jugend war der Zweite Weltkrieg in ihrer Familie sehr präsent: „Mein Vater hat in Frankreich in der Normandie einen Bauchschuss erlitten. Er musste mit einem Pferdefuhrwerk in ein Lazarett gebracht und operiert werden. Unter den Nachwirkungen dieser Kriegsverletzung hat er ein Leben lang gelitten.“ Zeitlebens trug er eine riesige Narbe am Bauch mit sich herum. Außerdem ließ damals in Würzburg noch manches zerstörte Gebäude an die Katastrophe des Weltkriegs denken.</p><p>Elisabeth Nikolai (77) verlor beim großen Luftangriff auf die Stadt am 16. März 1945 eine Großmutter. Daher war der 16. März in ihrer Familie stets ein stiller Tag. „Wir hatten eine Kerze im Fenster und haben das Massengrab am Hauptfriedhof besucht.“ Wie Monika Soder wuchs Nikolai mit den unmittelbaren Auswirkungen des Krieges auf. Heute engagieren sich die beiden Frauen für das Versöhnungswerk der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gemeinsames Anliegen</h3><p>Wer dieser Gemeinschaft beitritt, erhält vom Versöhnungszentrum in der britischen Stadt Coventry ein aus drei Nägeln gefertigtes Kreuz. Es erinnert an den Krieg und die Notwendigkeit menschlicher Versöhnung. Vor 25 Jahren, am 16. März 2001, trat Würzburg der Gemeinschaft bei. Die Stadt wurde das 33. Ökumenische Nagelkreuzzentrum in Deutschland. Zeitgleich gründete sich die Ökumenische Nagelkreuzinitiative für Frieden und Versöhnung in Würzburg. Nikolai war als Mitglied eines Gebetskreises schon bei der Gründung dabei. Soder kam vor einigen Jahren über ihren Mann, den früheren Bistumshistoriker Erik Soder von Güldenstubbe, dazu. Mit den evangelischen Pfarrerinnen Antje Biller und Margarete Allolio bilden die beiden Katholikinnen den Leitungskreis des Nagelkreuzzentrums.</p><p>Die Initiative hat derzeit rund 30 Mitglieder. „Wir sind überwiegend Laien, die dem Gedanken der Versöhnung nahestehen und diesen Gedanken weitertragen“, sagt Nikolai. Soder hebt positiv hervor: „Ich komme mit vielfältigen Menschen zusammen, für die Friedensarbeit ganz wichtig ist.“</p><p>Das Nagelkreuz ist das zentrale Symbol der Gemeinschaft. Deutsche Luftangriffe hatten am 14. und 15. November 1940 die historische Kathedrale in der mittelenglischen Stadt Coventry zerstört. Drei Nägel, aus den Trümmern geborgen, machten die Kathedrale weltweit bekannt. Dompropst Richard Howard ließ aus diesen Nägeln ein Kreuz fertigen und begann bald danach, dieses charakteristische Kreuz zum Gedenken zu vergeben. 1947 erhielt Kiel als erste deutsche Stadt ein Nagelkreuz. Würzburg folgte am 56. Jahrestag seiner Zerstörung. Der aus Coventry angereiste Vertreter der Nagelkreuzgemeinschaft, Canon Andrew White, überreichte damals Bürgermeister Dr. Adolf Bauer das Versöhnungssymbol. Zudem erhielt die örtliche Nagelkreuzinitiative ein Wandernagelkreuz. Dieses wird seit 25 Jahren jedes Jahr am 16. März einem Stadtteil, einer Kirchengemeinde oder anderen Organisation für ein Jahr überlassen. Vertreter der Kirchen, der Stadt und Mitglieder der Initiative begleiten das Wandernagelkreuz jeweils auf dem Weg zu seinem neuen Standort.</p><p>2026 führte dieser „Weg der Versöhnung“ zu Einrichtungen des Diakonischen Werks Würzburg. Das Team der Diakonie lässt das Nagelkreuz bis zum kommenden Jahr durch seine Einrichtungen für Jugendliche und Senioren sowie Beratungsstellen wandern.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kreuz auf Wanderschaft</h3><p>Elisabeth Nikolai und Monika Soder bereiten den jährlichen „Weg der Versöhnung“ und die Übergabe des Wander&shy;nagelkreuzes vor. Außerdem laden sie zum wöchentlichen Friedensgebet am Freitag um 13 Uhr in die Würzburger Marienkapelle ein. Weltweit beten die Mitglieder der Nagelkreuz&shy;gemeinschaft am Freitag das Versöhnungsgebet von Coventry mit dem siebenmaligen Ruf „Vater, vergib.“</p><p>Daneben hat die Gemeinschaft auch eine Versöhnungsskulptur. Sie zeigt zwei kniende, sich umarmende Menschen. Diese Skulptur wird seit 2013 mit dem Wandernagelkreuz übergeben, um auch Menschen anzusprechen, die sich nicht zum Christentum bekennen.</p><p>Nikolai und Soder weisen darauf hin, dass diese Friedensarbeit vor 25 Jahren maßgeblich von zwei evangelischen Christen in Würzburg angestoßen und vorangetrieben wurde – der Ehrenamtlichen Johanna Falk und Pfarrer Claus Deininger. Dank Falks Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft lässt das Versöhnungszentrum in Coventry seit 2003 alle weltweit verliehenen Nagelkreuze in der Schlosserei der Justizvollzugsanstalt Würzburg fertigen.</p><p>Die Schrecken des Weltkriegs liegen nun über 80 Jahre zurück. „Aber wir haben eine Welt voller Krieg und viele Menschen haben Angst wegen dieser Kriege“, bemerkt Soder. Sie und Nikolai sind sich einig: Glaube, Gebet und Versöhnungsarbeit sind auch gegenwärtig aktuell.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Ulrich Bausewein</em></p><p>Zum Jubiläum des Ökumenischen Nagelkreuzzentrums ist für Samstag, 13. Juni, um 10 Uhr eine Stadtführung zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten geplant. Treffpunkt ist am Burkardushaus, Am Bruderhof 1. Um 15 Uhr folgt im Matthias-Ehrenfried-Haus, Bahnhofstraße 4–6, ein Vortrag mit Diskussion zum Thema „Jetzt ist nie wieder: Einstehen für Versöhnung“. Der Jubiläumsfestakt (Anmeldung bis zum 6. Juni bitte per E-Mail an <a href="mailto:juergen.reichel@elkb.de">juergen.reichel@elkb.de</a>) ist für 18 Uhr im Wenzelsaal des Rathauses angesetzt. Für Sonntag, 14. Juni,10 Uhr, lädt die Nagelkreuzinitiative zum ökumenischen Festgottesdienst in die St.-Johannis-Kirche, Rennweger Ring 1, ein.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72895</guid><pubDate>Fri, 05 Jun 2026 07:37:48 +0200</pubDate><title>Ein Teddy als Fürsprecher</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/ein-teddy-als-fuersprecher/</link><description>Ukrainische Künstler schreiben Ikonen und versuchen so, den Krieg im Land zu ertragen. Ihre zum Teil ungewöhnlichen Motive tragen sie auf ausgediente Munitionskisten auf.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Einschläge von Raketen und Drohnen muss ein Mensch erst einmal aushalten. Der Lärm in den Ohren trifft auf das Wissen im Kopf, dass andere jetzt gerade ihren Besitz verlieren, verletzt oder getötet werden. Und dass einen dasselbe Schicksal ereilen kann. Über solche extremen Grenzerfahrungen spricht die Künstlerin Sonia Atlantova sehr sachlich. „Nach einer Nacht mit Beschuss, wenn man von Müdigkeit und Wut beherrscht wird, ist es wichtig, sich zu sammeln“, stellt sie nüchtern fest.</p><p>Atlantova, 45 Jahre alt, hat ihren eigenen Weg gefunden, sich zu sammeln. In ihrer Werkstatt in Kiew stellt sie mit ihrem Mann Oleksandr Klymenko (49) und ihrem Sohn Herman (26) Ikonen her. Sorgfältig drücken die Künstler ihre Pinselspitzen auf Holz und lassen in mehrtägiger Arbeit religiöse Bilder entstehen. So ist es in einem Video zu sehen, das Atlantova beim Katholikentag im Würzburger Burkardushaus vor Publikum vorführte. Einige ihrer Ikonen waren zu diesem Zeitpunkt in der Marienkapelle in Würzburg ausgestellt. Sie erinnerten Besucherinnen und Besucher an den Krieg in der Ukraine – einen Krieg, den Atlantova ständig als Last mit sich herumträgt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">In Heiliges verwandelt</h3><p>Atlantovas Ikonen entstehen nicht auf weißem Hintergrund. So entspräche es der klassischen Ikonenkunst. Ihre Ikonen sind auf dunklem Holz geschrieben – dem Holz ausgedienter Munitionskisten. Mit Farben und Pinseln verwandeln Atlantova und ihre Angehörigen Kriegsmaterial in etwas Heiliges. Die Idee dazu hatte ihr Mann, wie die Künstlerin ihrem Zuhörerkreis in Würzburg erzählt. Ihm war beim Besuch eines Freundes an der Front aufgefallen, dass sich das Holz der Munitionskisten als Grundlage für Ikonen eignen würde. Seine Frau hielt die Idee für absurd und lieferte sich harte Diskussionen mit ihrem Mann. Letztlich konnte Oleksandr Sonia überzeugen. Er argumentierte, auch das Marterwerkzeug Kreuz sei im Christentum zum Symbol für Leben und Erlösung geworden.</p><p>2014 begann das Ehepaar mit dem Schreiben dieser besonderen Ikonen. Ihre erste Ausstellung hatten sie in der Sophienkathedrale in Kiew, einem nationalen Wahrzeichen der Ukraine. Das Projekt bekam eine Menge Aufmerksamkeit, mehr als Atlantova nach eigenen Worten erwartet hatte. Vielleicht weil ihre Ikonen wie eine passende Antwort auf den Krieg wirkten. Ab 2014 kämpften Russen und Ukrainer erbittert um die Ostukraine, 2022 weitete Russland seine Angriffe auf das gesamte Land aus. Die Ikonen führen die Realität des Krieges vor Augen, weil ihr Material aus Militärbeständen stammt. Doch die religiösen Bilder verheißen auch Gottes Gegenwart und die Erlösung von Leid und Schmerz.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Unschuldige Fürsprecher</h3><p>Atlantova und ihre Angehörigen fühlen besonders mit den Kindern, die verletzt, getötet oder von russischen Kämpfern aus der Ukraine verschleppt wurden. „Heute sind sie Kinder, in zehn Jahren werden sie in der russischen Armee kämpfen“, prophezeit Atlantova. Fünf Darstellungen aus ihrer Werkstatt sind diesen entführten Kindern gewidmet. Auf drei Ikonen sind Jesus, die Gottesmutter Maria und der heilige Nikolaus abgebildet. Zwei kleinere Tafeln zeigen einen Teddybär und eine Puppe. Mit erhobenen Armen wenden sie sich dem guten Hirten Jesus zu. Sie sind keine Heiligen, aber unschuldige Fürsprecher.</p><p>Schon bei der ersten Ikonenausstellung 2014 gab es Kaufangebote von Kirchenbesuchern. Daher gingen Sonia und Oleksandr dazu über, Ikonen zu verkaufen oder als Auftragsarbeiten zu schreiben. Das eingenommene Geld fließt in medizinische Projekte, die Menschen das Überleben ermöglichen. In der Region um die Stadt Cherson wird damit zum Beispiel ein Krankentransportdienst unterstützt, an dem die örtlichen Dominikaner beteiligt sind. Mit ihrer Ikonenkunst stießen die Künstler international auf Interesse. Ihre Werke waren bereits an über 100 Orten in Afrika, Europa und Nordamerika zu sehen. Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj überreichte Papst Leo XIV. eine der Ikonen als Geschenk.</p><p>Manche Ikonen der Künstler aus Kiew sind mit den Namen Gefallener beschrieben. Damit knüpfen sie an eine alte ostkirchliche Tradition an. Ein Mensch, dessen Name auf einer Ikone vermerkt ist, wird besonders der liebenden Zuwendung Gottes empfohlen. Für ihre Arbeit am Projekt „Ikonen auf Munitionskisten“ haben Sonia Atlantova und ihr Mann den Verdienst&shy;orden der Ukraine Dritter Klasse erhalten. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieses Projekt bald zu Ende gehen könnte.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Ulrich Bausewein</em></p><p>Mehr Informationen zum Projektin deutscher Sprache finden sich onlineunter <a href="https://icons-ammo-boxes.eu/de" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.icons-ammo-boxes.eu/de</a>.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72743</guid><pubDate>Sun, 31 May 2026 09:49:00 +0200</pubDate><title>Drei sind keiner zu viel</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/drei-sind-keiner-zu-viel/</link><description>Was gibt es nicht alles für Versuche, das Geheimnis der Dreifaltigkeit anschaulich zu machen. Dabei ist es gar nicht so schwer, sagt jedenfalls Papst Franziskus. Vater, Sohn und Heiliger Geist erinnern uns daran, wie wertvoll Beziehungen sind und wie wichtig es ist, sie zu pflegen. </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.</p><p>Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.</p><p>Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 3,16–18</strong></p><p>Etwas mehr als ein Jahr ist Papst Franziskus nun tot und ich muss – bei aller Wertschätzung für seinen Nachfolger Leo – sagen: Ich vermisse ihn. Er hatte so eine Art, das Komplizierte manchmal einfach wegzulassen und auf den Kern der Sache zu kommen. Manchmal wurde ihm deshalb vorgeworfen, er sei – besonders im Vergleich zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. – ein schlechter Theologe. Vielleicht war er aber auch nur ein Seelsorger.</p><p>Ein Beispiel dafür ist das, was er in einer Predigt am Dreifaltigkeitssonntag 2022 über die Trinität sagte, über die kluge Theologen ganze Regalmeter Bücher geschrieben haben und die Studierende in Dogmatik-Prüfungen immer noch in Schweiß ausbrechen lässt. Franzikus verweigerte sich der spekulativen Debatte und sagte stattdessen: „Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit ist keine theologische Übung, sondern eine Revolution in unserem Denken.“ Denn Gott lebe uns vor, wie wir leben sollen – nicht einsam, sondern gemeinsam: „Gott, in dem jede Person – Vater, Sohn und Geist – in ständiger Beziehung zur anderen und nicht für sich selbst lebt, fordert uns auf, mit den anderen und für die anderen zu leben.“</p><p>Tatsächlich ist das christliche Gottesbild einzigartig: ein Gott, der in sich Gemeinschaft ist. Während Judentum und Islam betonen, dass Gott Einer ist, in sich ruhend und sich selbst genügend, glauben Christen an einen Gott der Beziehung, des Gesprächs – und das schon in Gott selbst. Das ist eine Revolution.</p><p>Im Denken, wie Franziskus sagte, aber auch im Handeln: „Die Dreifaltigkeit lehrt uns, dass wir niemals ohne den anderen sein können. Wir sind nicht Inseln, wir sind in Beziehung geschaffen, um zu leben.“ Und das auf allen Ebenen, die das Leben so ausmachen, im Kleinen wie im Großen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro12Bold">Zweierbeziehung</h3><p>Nein, es ist nicht revolutionär, auf eine liebevolle Partnerschaft zu hoffen, schließlich ist das schon bei Adam und Eva so angelegt. Aber in Zeiten der Individualisierung ist es nicht mehr selbstverständlich. Denn sich dauerhaft auf ein Du einzulassen, bedeutet immer auch, das Ich zurückzunehmen; den oder die andere so sein zu lassen, wie er ist – auch mit Fehlern und Macken. In dem Wissen, dass andere Perspektiven stören, aber auch bereichern können.</p><p>Vielleicht ist es ja eine schräge Idee, aber könnte Gottvater nicht auch manchmal irritiert sein von dem, was der Sohn denkt oder wohin der Geist in seiner übersprühenden Kraft weht? Oder dankbar, weil ihn die anderen bereichern?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro12Bold">Familie</h3><p>Wenn aus zwei, drei werden – oder vier oder fünf –, wird es noch schwieriger, und wenn jeder eine Ich-AG bildet, wird das gemeinsame Unternehmen nicht lange überleben. Wie die Scheidungsraten jedes Jahr aufs Neue beweisen. Insofern ist es durchaus mutig, das Projekt Familie zu wagen. Und vielleicht ist es heute geradezu revolutionär, ernsthaft zu versuchen, alle normalen Spannungen, den alltäglichen Stress und auch die ermüdenden Routinen gemeinsam auszuhalten. Schließlich hat auch Gott seinen Sohn in einer ganz normalen Familie aufwachsen lassen. Pubertierende Alleingänge und harte Konflikte mit der Mutter inklusive.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro12Bold">Freunde</h3><p>So wie Gott Gemeinschaft ist, schätzte auch Jesus die Gemeinschaft. Er zog nicht allein umher, sondern sammelte Freundinnen und Freunde um sich. Er besuchte Hochzeiten, Festessen und Jerusalem zu Pessah. Nichts dagegen, sich mal zurückzuziehen, aber richtig wohl fühlte sich Jesus offenbar in Menschenmengen.</p><p>„Wir sind keine Inseln“, sagte Papst Franziskus, schon gar keine einsamen. Und wenn Jesus uns schon Freunde nennt, wie viel mehr sollten wir dann offen sein für Menschen, die unsere Freundschaft suchen. Und wie viel mehr sollten wir bestehende Freundschaften pflegen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro12Bold">Nachbarschaft</h3><p>Bei Partnern, Familie, Freunden – da ist überall Liebe im Spiel oder zumindest Sympathie, da fällt es relativ leicht, mit ihnen und für sie zu leben. Anders bei denen, die wir uns nicht ausgesucht haben, die nähere und ferne Nachbarschaft zum Beispiel.</p><p>Die Nörglerin von oben vielleicht oder der junge Mann von gegenüber mit seinem röhrenden Motorrad. Die Kinder, die auf dem Garagenvorplatz Fußball spielen und den Ball gegen die Tore donnern. Ganz zu schweigen von dem Alten ein Stück die Straße runter, der sich als Blockwart aufspielt. Mit denen will man aus guten Gründen nichts zu tun haben.</p><p>Haben wir aber trotzdem, denn schließlich leben wir in einem Viertel, in einer Stadt. Da hilft es ungemein, eine zumindest halbwegs gute Beziehung aufzubauen. Ja, vielleicht sogar aktiv dazu beizutragen, dass Beziehungen sich verbessern. Indem wir uns zum Beispiel in der Stadtteilinitiative engagieren oder im Dorf. Indem wir im Gemeinderat mitarbeiten oder im Verein. Ein Gott, der in sich Gemeinschaft ist, wird jeden Versuch begrüßen, die Gemeinschaft unter Menschen zu stärken. Gerade unter denen, die sich nicht automatisch nahestehen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro12Bold">Welt</h3><p>Unser Gott ist keiner, der auf Nationen oder Religionen schaut. Unser Gott ist der, der die Erde liebt und alles, was auf ihr lebt. Deshalb können wir nicht so tun, als sei Europa eine Insel oder als gingen uns die Armen im globalen Süden nichts an. Die Menschheit, ja, die gesamte belebte Welt ist eine Gemeinschaft. Um es biblisch auszudrücken: „Wenn ein Glied Teil leidet, leidet der gesamte Körper mit.“ Deshalb ist der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kein Job für ein paar linke Spinner. Es ist Auftrag des dreieinen Gottes.</p><p>„Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit ist keine theologische Übung, sondern eine Revolution in unserem Denken“, sagte Papst Franziskus. „Denn sie fordert uns auf, mit den anderen und für die anderen zu leben.“ Vielleicht ist das keine große Theologie. Aber ein Weg, die Welt ein bisschen besser zu machen.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72754</guid><pubDate>Wed, 27 May 2026 16:50:12 +0200</pubDate><title>Die Pfarrgemeinde Motten hat ihre Kirche verkleinert</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/die-pfarrgemeinde-motten-hat-ihre-kirche-verkleinert/</link><description>Sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher, steigende Kosten für den Unterhalt: Die Kirchenverwaltung St. Bartholomäus Motten hat reagiert und das Kirchenschiff aus den 1960er Jahren durch einen Neubau ersetzt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Seit 15 Jahren ist Michael Mahr Kirchenpfleger in Motten, und seit 15 Jahren beherrscht vor allem ein Thema seine ehrenamtliche Tätigkeit: Wie geht es mit der Pfarrkirche weiter? In seinem ersten Amtsjahr sei es noch um die Sanierung der alten Kirche aus dem Jahr 1968 gegangen. Nach einer Sitzung stellte Mahr dann die wegweisende Frage: „Warum reißen wir die Kirche nicht einfach ab?“ Im Jahr 2012 fiel in Abstimmung mit der Bauabteilung genau dieser Beschluss.</p><p>14 Jahre später steht nun der Neubau. Schon alleine wegen seines sägezahnförmigen Sheddaches wurde das alte Kirchenschiff im Volksmund oft als „Fabrik“ bezeichnet. Kalt und für die immer geringere Zahl an Kirchenbesuchern viel zu groß war das mehr als 600 Quadratmeter große Kirchenschiff. Der Neubau hat gerade einmal 240 Quadratmeter Grundfläche. „In der alten Kirche fühlte man sich verloren, in der neuen fühlt man sich geborgen“, fasst Architektin Traudel Schwarz von der Abteilung Bau der Diözese Würzburg die Veränderung zusammen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kirche hoch über dem Dorf</h3><p>Nachdem 2012 der Beschluss für einen Neubau gefallen war, wurde zunächst ein Architekt gesucht. Nach mehreren Absagen wandte sich die Bauabteilung des Bistums an das Büro Staib in Sommerhausen, das schon mehrere Kirchen im Bistum umgebaut oder saniert hat. Architekt Friedrich Staib zögerte zunächst, ließ sich aber nach eigenen Worten von der lebendigen Gemeinde und der Lage des Gebäudes überzeugen: „Die Kirche passt auf das ganze Tal auf“, sagt Staib. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass der Kirchenraum auch die Natur ringsum mit einbeziehen soll.</p><p>Beim Neubau in den 1960er Jahren hatte der damalige Architekt Emil Mai aus Schweinfurt den Altar in Richtung Norden gestellt, die Kirchenbesucher hatten den Turm rechts von sich und das große Glasfenster mit einer Darstellung des blutenden Herzens&nbsp; von Ernst Tesar hinter sich. Der Neubau ist nun wieder geostet, der verkleinerte Altar steht an historischer Stelle im Turm, über der Wand darüber sind Wandanschlüsse zu erkennen, die vermutlich von einem früheren Kirchenschiff übrig geblieben sind. „Wir haben diese Verletzungen absichtlich belassen“, betont Staib.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Diözese übernimmt 97 Prozent</h3><p>Lange gerungen wurde auch um die Finanzierung, die Diözese stimmte schließlich einem Zuschuss von 97 Prozent zu. „Das ist noch ein Altfall, heute wäre ein solcher Fördersatz nicht mehr möglich“, stellt Diözesanbaumeisterin Katja Mark-Engert klar. Mitten in die Planung kam das Bau-Moratorium des Bistums Würzburg, also ein Stopp für alle Bauprojekte. Der Abriss der alten Bausubstanz begann deshalb erst im Frühjahr 2024. Sakristei, Turm sowie die Süd- und ein Teil der Westwand blieben stehen. Ab Herbst 2024 wurde dann neu gebaut, vor einem Jahr feierte die Kirchenverwaltung Richtfest.</p><p>Als Bausumme waren rund 3,8 Millionen Euro veranschlagt, nach aktuellem Stand bleibe der Neubau auch im Kostenrahmen. Das sei möglich gewesen, weil die Kirchenverwaltung laut Mark-Engert auf „Schnickschnack“ verzichtet habe. „Wir wollten die Architektur pur lassen“, ergänzt Architekt Friedrich Staib und verweist unter anderem auf den ungestrichenen Kratzputz im Innenraum. Auch technisch gab es oft nur die Mindestlösung: Heizkörper sucht man etwa im Kirchenschiff vergeblich. Eine Wandtemperierung im Sockelbereich, um die Fenster und am Übergang zum Dach sorgt lediglich für eine Grund-Temperierung. „Es geht darum, das Bauwerk trocken zu halten.“ Geheizt wird mit Holz-Pellets.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Pfarrhaus und Pfarrheim verkauft</h3><p>Für die Kirchenverwaltung war der Kirchen-Neubau trotz der hohen Förderung ein großer Kraftakt. Zur Finanzierung trug bei, dass das Pfarrhaus an eine Privatperson und das benachbarte Josefsheim an die Gemeinde Motten verkauft wurden. Daneben gab es Spenden und die Kirchenvwerwaltung musste einen Kredit aufnehmen. Kirchenpfleger Michael Mahr hofft, dass auch die Betriebskosten für die Kirche auf höchstens ein Drittel des früheren Stands sinken.</p><p>Ehrenamtliche brachten zudem Eigenleistung ein, indem sie zum Beispiel die Baustelle reinigten oder die alten Bänke aufarbeiteten. „Wir haben versucht, unseren Beitrag zu leisten“, sagt Kirchenpfleger Michael Mahr und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro und der Abteilung Bau in Würzburg. „Es war immer jemand da, der tolle Vorschläge gemacht hat.“ Mahr hofft, dass die Kirchengemeinde durch den Neubau nun gut für die Zukunft gerüstet ist.</p><p>Die neue Orgel für die Mottener Kirche stammt aus dem Übungsraum der Kirchenmusik im Torhaus am Kardinal-Döpfner-Platz in Würzburg. Die Klais-Orgel wurde überarbeitet, frühere Draht-Züge durch Holzlamellen ersetzt und ein Gehäuse ergänzt. Das Kunstreferat steuerte einen Tabernakel aus Frauenroth bei. Die alte Orgel und der alte Tabernakel stehen heute in Polen. Auch der alte Beichtstuhl wurde verkauft. Die historischen Kreuzweg-Bilder sowie die Skulpturen (darunter eine Emmausgruppe) der Bergtheimer Holzbildhauer Karl und Tilmar Hornung kehrten in den Kirchenraum zurück. Der große Altar aus Kalkstein wurde in mehrere Blöcke gesägt und aufgeteilt.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_MITEinzug_pLT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Bischof Jung kommt nach Motten</h3><p>Bischof Dr. Franz Jung kommt am Sonntag, 7. Juni, zu einem Pontifikalgottesdienst mit Altarweihe nach Motten. Die Kirche selbst wird laut Liturgiereferent Dr. Stephan Steger trotz der umfangreichen Umbauarbeiten nicht neu geweiht. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr, die musikalische Gestaltung übernehmen die Döllautaler Musikanten und der Kirchenchor unter Leitung von Dieter Blum.</p><p class="text-right"><em>Von Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72605</guid><pubDate>Sun, 24 May 2026 17:58:00 +0200</pubDate><title>Eine Kraft, die bewegt</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/eine-kraft-die-bewegt/</link><description>Wie sieht der Heilige Geist aus? Die Bibel spricht über ihn in Bildern, beschreibt ihn als Taube, Feuer oder Wind. Doch die Botschaft aller Symbole ist dieselbe: Man erkennt den Geist an seinen Wirkungen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.</p><p><strong>Johannesevangelium 20,19–23</strong></p><section compid="BE04EF77-6018-44EA-AAFB-BA38AD50EFA4" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic"><strong><em>Taube</em></strong></h3><p><br /><br />Die meisten Menschen werden auf die Frage, wie sie sich den Heiligen Geist vorstellen, mit dem Bild der Taube antworten. In vielen Kirchen und Gemälden wird der Heilige Geist so dargestellt. Der Ursprung dieser Vorstellung liegt in den vier Evangelien, in der Erzählung von Jesu Taufe am Jordan: Als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er „den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen“, beschreibt etwa Matthäus die Szene. Die Taube wurde so zum prägenden Symbol des Geistes.</p><p>Der Vogel galt in der Antike als besonders rein und arglos und wurde gern als Opfertier im Tempel genommen. Im Gegensatz zu Adler, Löwe oder Stier, die in der Bibel für Kraft und Herrschaft stehen, ist die Taube wehrlos und zart. Ist der Heilige Geist also schwach – oder die Taube doch das falsche Symbol? Nein, denn der Heilige Geist will nicht durch Stärke oder Macht überzeugen. Er wirbt, er berührt, er zwingt niemanden zum Glauben. Die Taube zeigt, mit welcher Sanftheit Gott wirkt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/$ID/NormalParagraphStyle" wwclass="Charter_BT_Pro12Regular"><br /><em><strong>Feuerzunge</strong></em></h3></section><section compid="1A33B468-912B-4F14-A9D5-AF8617381A68" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Die Lesung aus der Apostelgeschichte an diesem Sonntag beschreibt, was die Jünger am Pfingsttag erleben: Sie alle waren zusammen, als Zungen wie von Feuer erschienen und sich auf jeden von ihnen eine niederließ. „Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt“, heißt es. In der Bibel ist das Feuer immer wieder ein Zeichen für die Gegenwart Gottes, etwa im Alten Testament, als Gott sich Mose im brennenden Dornbusch zeigt. Oder als er in der Feuersäule das Volk Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten herausführt.</p><p>Die Feuerzungen, die am Pfingsttag über die Jünger kommen, wurden schon von Johannes dem Täufer angekündigt. „Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“, heißt es bei Matthäus. Dabei ist die Form des Feuers entscheidend: Es sind nicht einfach Flammen, sondern Zungen. Als die Jünger davon berührt werden, ist jede Sprachbarriere aufgehoben: Jeder in Jerusalem kann die Jünger in seiner Muttersprache hören und verstehen.</p><p>Es ist das Gegenteil von dem, was im Buch Genesis beim Turmbau zu Babel erzählt wird (Gen 11). Dort ist beschrieben, wie Gott die Menschen verwirrt, ihnen die gemeinsame Sprache nimmt und sie über alle Welt zerstreut, als sie versuchen, sich ihm gleich zu machen. An Pfingsten kommen nun alle zusammen und jeder kann mit jedem sprechen. Der Geist heilt, was die Sünde zerbrochen hat.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/$ID/NormalParagraphStyle" wwclass="Charter_BT_Pro12Regular"><br /><em><strong>Öl und Salbung</strong></em></h3></section><section compid="7940C4B8-BD8B-486E-86F8-7FE6D8B56074" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Öl wird in der Bibel meist dann benutzt, wenn ein König, ein Priester oder ein Prophet gesalbt wird. Beim Propheten Samuel etwa heißt es, dass er das Horn mit dem Öl nahm und David salbte, „mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.“ (1 Sam 16,13) Die Salbung ist ein Zeichen, dass der Geist Gottes auf dem Menschen ruht – und zugleich eine Beauftragung, in seinen Dienst zu treten.</p><p>So wird auch heute noch bei der Taufe, bei der Firmung, bei der Weihe und der Krankensalbung Öl benutzt. Es riecht, es glänzt auf der Haut, es zieht ein, heilt und schützt – so wie der Geist. Er durchdringt jede Pore des Menschen, er lässt alles Böse an der glatten Oberfläche abgleiten, er heilt Wunden und stärkt die Zuversicht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/$ID/NormalParagraphStyle" wwclass="Charter_BT_Pro12Regular"><br /><em><strong>Wind oder Atem</strong></em></h3></section><section compid="5B94A94C-0F4B-4C46-8AD2-1CD02037E4BC" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus“, heißt es in der Apostelgeschichte. Der Wind ist am Pfingsttag das erste Zeichen für den Heiligen Geist: Er kündigt an und bereitet vor, dass nun Großes passieren wird.</p><p>Das hebräische Wort ruach und das griechische Wort pneuma bedeuten jeweils Wind, Atem und Geist. Schon in den ursprünglichen Sprachen der Bibel ist das Symbol Wind also mit dem Heiligen Geist verknüpft. Und es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten: Wind ist unsichtbar, er lässt sich nicht besitzen oder eindämmen, er ist kräftig und treibt Mühlen oder Segelschiffe an. So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Wir können seine Wirkung spüren, in unseren Gebeten, in der Gemeinschaft mit anderen, in der Kirche.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/$ID/NormalParagraphStyle" wwclass="Charter_BT_Pro12Regular"><br /><em><strong>Handauflegung</strong></em></h3></section><section compid="DA9B9D16-1A44-4656-9308-68FAE050CB73" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Schon die Apostelgeschichte zeigt: Die Handauflegung ist der zentrale Akt der Geistübertragung. Petrus und Johannes kommen nach Samaria und legen den Menschen nach ihrer Taufe die Hände auf. So empfangen sie den Geist (Apg 8,17). In Ephesus tauft Paulus zwölf Männer und legt ihnen die Hände auf (Apg 19,6) und Stephanus und weitere Männer werden durch Handauflegung der Apostel in ihr Amt eingeführt (Apg 6,6).</p><p>Der Heilige Geist ist nicht irgendeine abstrakte Kraft, die wir Christen uns herbeiwünschen. Er wird empfangen – durch einen konkreten Akt und durch eine Person. Doch nicht allein auf die Berührung kommt es an. Genauso entscheidend ist das Gebet: Komm, Heiliger Geist! Ohne diese Bitte würde die Handauflegung zum Hokuspokus.</p><p class="text-right"><br /><em>Kerstin Ostendorf</em></p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72417</guid><pubDate>Sun, 17 May 2026 07:35:00 +0200</pubDate><title>Genau so ist Gott</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/genau-so-ist-gott/</link><description>Gott ist ganz anders, hört man oft. Das stimmt vielleicht – aber doch nur zum Teil. Denn wir haben ihn zwar nie gesehen, aber dafür kennen wir Jesus. Und es ist nicht verwegen, von ihm auf seinen Vater zu schließen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.</p><p>Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!</p><p>Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.</p><p>Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 17,1–11a</strong></p><p>Es ist auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Wahl, dass an den letzten drei Sonntagen der Osterzeit aus den Abschiedsreden Jesu gelesen wird. Im Abendmahlssaal hat er sie, so erzählt es der Evangelist Johannes, gehalten. Also vor Ostern. Andererseits naht mit Riesenschritten der endgültige Abschied. 40 Tage nach Ostern enden die Erscheinungen des Auferstandenen: Jesus geht zum Vater. Da tut es gut, noch mal seine Abschiedsworte zu hören. „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück“ zum Beispiel. Oder: „Ich gehe, um euch einen Platz vorzubereiten.“</p><p>In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums wird auch noch einmal klar formuliert, wer Jesus ist. „Ich und der Vater sind eins“, steht dort zum Beispiel. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Oder an diesem Sonntag: „Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein.“</p><p>Warum wird hier, kurz vor dem Abschied, das alles nochmal so eingeschärft? Vielleicht, könnte man meinen, aus dogmatischen Gründen: um Irrtümer abzuwehren, die im jungen Christentum über Jesus im Umlauf waren. Vielleicht aber auch, um den Jüngerinnen und Jüngern aller Zeiten eine Hilfestellung zu geben. Um ihnen deutlich zu machen: „Meint nicht, ihr wisst nichts von Gott, nur weil ihr ihn nicht seht. Ihr habt doch Jesus erlebt oder zumindest gehört, wie er war, was er getan und gepredigt hat. Genau so ist Gott!“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott will das Heil der Menschen</h3><p>Dass Jesus nur Gutes für jeden einzelnen Menschen will, zieht sich durch sein ganzes irdisches Leben. Von „Euch ist heute der Retter geboren“ auf den Feldern Betlehems bis „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ am Kreuz erzählen die Evangelien von dem einen großen Wunsch Jesu: Glück, Heil, gelingendes Leben für alle.</p><p>Das ist der Kern seiner Heilungen: wenn er macht, dass Blinde sehen, Lahme sich aufrichten und Aussätzige in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Das ist der Kern seiner Predigt: wenn er sagt, dass der Sabbat für den Menschen da ist, nicht der Mensch für den Sabbat und dass die glücklich sind, die Frieden stiften und für Gerechtigkeit eintreten. Das ist der Kern seines Verhaltens: wenn er mit Zöllnern und Sündern isst, wenn er Brautleute vor Peinlichkeiten rettet oder Frauen vor der Steinigung.</p><p>Jesus will ganz offensichtlich das Heil und das Glück der Menschen. Und Gott will es auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott kommt es im Kern auf Nächstenliebe an</h3><p>Jesus ist ein frommer Mann, ja. Er betet. Er geht in die Synagoge. Aber er steht auch in der Tradition der Propheten: „Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der Herr. Bringt mir nicht länger nutzlose Gaben, Räucheropfer, die mir ein Gräuel sind! Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Lernt erst, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht! Streitet für die Witwen!“ (Jesaja 1)</p><p>Auch Jesus kritisiert die vermeintlich Frommen. Den Priester und den Leviten zum Beispiel, die im Gleichnis an dem von Räubern Überfallenen vorübergehen, um nicht unrein zu werden. Oder die, die sich mit Fasten und Beten brüsten, aber den Armen nicht helfen. Am ausdrücklichsten formuliert ist dieser Gedanke aber in Jesu Rede vom Endgericht (Matthäus 25). Zu Gott kommen demnach jene, die Hungrige speisen, Nackte kleiden, Kranke besuchen, Obdachlose aufnehmen. Gebet und Gottesdienst sind von Jesus geschätzt und praktiziert. Aber dass sie ein Kriterium für das Himmelreich sind, ist mit keiner Silbe erwähnt. Noch nicht einmal gefragt werden die Menschen danach.</p><p>Für Jesus ist Glaube praktische Tat. Er will, dass wir unsere Nächsten, Übernächsten und sogar die Fremden lieben. Nicht nur theoretisch als frommer Spruch, sondern konkret und sichtbar im täglichen Leben. Und Gott will es auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott kann auch streng sein</h3><p>Jesus ist kein sanfter Ist-doch-alles-egal-Typ. Er hat klare Prinzipien und streitet dafür. So schickt er die Ehebrecherin mit den Worten nach Hause: „Geh und sündige von nun an nicht mehr.“ Den begriffsstutzigen Petrus weist er hart zurecht: „Tritt hinter mich, du Satan.“ Die Händler und Geldwechsler prügelt er aus dem Tempel. Nett ist das nicht.</p><p>Zu Pharisäern und Schriftgelehrten, den Frommen seiner Zeit, ist Jesus besonders streng. Er beschimpft sie als „Heuchler“ und „blinde Narren“. „Weh euch“, sagt er. „Ihr werdet nicht ins Himmelreich kommen!“ Das 13. Kapitel bei Matthäus ist eine einzige öffentliche Schmährede.</p><p>Jesus ist auch nicht der Meinung, dass jeder machen kann, was er will. „Kein Jota“ des Gesetzes wolle er aufheben, sagt er. Im Gegenteil verschärft er es: „Jeder, der zu seinem Bruder sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ Männern, die Frauen hinterherschauen, rät er: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“</p><p>Jesus ist fordernd. Und manchmal auch sehr streng. Er will, dass wir das Gute tun und die Gebote halten. Und Gott will das auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott vergibt dem, der Vergebung sucht</h3><p>Strenge hin oder her: Jesus ist groß im Vergeben. So groß, dass seine Jünger ihn einmal skeptisch fragen: „Wie oft muss ich vegeben?“ Die Antwort Jesu ist ernüchternd: „Unendlich oft.“ Und Jesus geht mit gutem Beispiel voran. „Deine Sünden sind dir vergeben“, sagt er verschiedenen Menschen und zum Entsetzen der Frommen, die sagen: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“</p><p>Jesus sagt aber auch: Vergebung gibt es nicht umsonst. „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vegeben unseren Schuldigern“, heißt es im Vaterunser. Und „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“</p><p>Jesus will vergeben. Denen, die darum bitten und selbst danach handeln. Und Gott will es auch.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72268</guid><pubDate>Sun, 10 May 2026 09:57:00 +0200</pubDate><title>Lebe so, dass du gefragt wirst</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/lebe-so-dass-du-gefragt-wirst/</link><description>In den Lesungen der Osterzeit wird erzählt, wie die Jünger beseelt auszogen, um den Glauben an Christus zu verkünden. Gehört Mission zur DNA der Kirche? Und warum ist das so ein schwieriges Thema? Der Benediktiner Maurus Runge gibt Antworten.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.</p><p>Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch&nbsp; ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.</p><p>Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 14,15–21</strong></p><p></p><p><em>Pater Maurus, „wir wollen ja nicht missionieren“ ist ein häufig gehörter Satz, auch in der Kirche. Gehört Mission nicht zur DNA der Kirche?</em></p><p>Mission meint dem Wort nach „Sendung“ – und das gehört schon zur DNA der Kirche. Wir haben eine frohe Botschaft, die es wert ist, weitererzählt zu werden. Das Problem ist, was daraus gemacht worden ist, als wir Europäer imperialistisch und kolonialistisch gemeint haben, dass wir anderen Kulturen und Völkern sagen müssen, wo es langgeht. Das macht den Begriff heute für viele schwierig und verbrannt.</p><p><em>Auch der Papst hat ja kürzlich ein solches Missionsverständnis kritisiert.</em></p><p>Ja, Papst Leo war ja selbst über viele Jahre Missionar in Peru, hat auch einen internationalen Orden geleitet und kennt die Situation und Geschichte.</p><p><em>Dennoch stellt sich die Frage: Wenn man eine gute Botschaft hat, ist es dann nicht nur zum Besten für die, denen man sie überbringt?</em></p><p>Es kommt auf die Art und Weise an. Wenn ich von einer Botschaft überzeugt bin, dann möchte ich auch andere davon überzeugen. Jeder, der evangelisieren will, muss erst selbst evangelisiert sein. Aber das geht nicht mit Gewalt. Vor einigen Jahren haben die französischen Bischöfe das Wort geprägt „Den Glauben anbieten“. Das ist eher eine Einladung als eine allein seligmachende Wahrheit, die man überstülpt – auch wenn das lange Zeit so im Verständnis der katholischen Kirche war.</p><p><em>Wie kam es dazu?</em></p><p>In den ersten Jahrhunderten musste sich das Christentum gegen Verfolgung durchsetzen und behaupten. Ab dem vierten Jahrhundert mit der sogenannten Konstantinischen Wende wurde das Christentum dann Staatsreligion und damit auch der Versuchung der politischen Macht ausgesetzt. Das ist immer gefährlich und hat letztlich auch zu den unseligen Akten des Imperialismus und Kolonialismus geführt.</p><p><em>Wann hat sich das geändert?</em></p><p>Spätestens das Zweite Vatikanische Konzil hat in den 1960er Jahren sehr klar gemacht, dass auch in anderen Religionen und Kulturen wenigstens Saatkörner der Wahrheit zu finden sind. Die haben wir nicht exklusiv – und da können wir auch von anderen Religionen und Kulturen lernen, nicht zuletzt im interreligiösen Dialog.</p><p><em>Die Missionsbenediktiner haben das Wort Mission schon im Namen. Was ist das Besondere ihrer Mission?</em></p><p>Das Wichtigste ist, dass nie nur mit dem Wort verkündigt wurde, sondern dass die Mitbrüder auch bei den Menschen waren, sie zum Teil aus der Sklaverei herausgekauft haben, Brunnen gebohrt haben, die Armut bekämpft, die Gesundheitsversorgung mit aufgebaut oder die Schulbildung ermöglicht haben und so weiter. Das ist ein ganzheitlicher Ansatz von Mission, der uns wichtig ist.</p><p><em>Gilt das auch heute noch so?</em></p><p>Früher haben wir von Heimatklöstern im deutschsprachigen Raum gesprochen und von Missionsklöstern etwa in Afrika. Heute sind alle unsere Klosterniederlassungen Heimatklöster für die Menschen, die dort leben – und gleichzeitig Missionsklöster. Es gibt eine Präsenz auf Kuba, wo wir von den Einheimischen eine große Wertschätzung dafür erfahren, dass unsere Mitbrüder unter schwierigen Bedingungen vor Ort bei den Menschen bleiben. Und es gab vor einigen Jahren eine Gründung der „Cella Sankt Benedikt“ als Stadtkloster in Hannover. Mission ist keine Einbahnstraße mehr. Das geht bis dahin, dass auch Mitbrüder aus Afrika nach Deutschland kommen, um älter werdende Gemeinschaften hier zu unterstützen.</p><p><em>Was sind Kriterien für eine gelingende Mission?</em></p><p>Das Leben der Menschen zu teilen, auf Augenhöhe, ohne Besserwisserei und Überheblichkeit und im Austausch miteinander, das ist eine der ersten Missionsmethoden – „bescheiden und ehrfürchtig“, wie es im 1. Petrusbrief heißt, der ja auch die zweite Lesung dieses Sonntags ist.</p><p><em>Wie sieht das konkret aus?</em></p><p>Mein Verständnis von Mission wird sehr gut in dem Satz aus der Lesung ausgedrückt: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt. Ich möchte ergänzen: Aber dann lebe auch so, dass du danach gefragt wirst! Die Menschen merken, ob man von oben herab ihnen etwas überstülpen will, oder ob ich erfüllt bin von dem, was und wie ich lebe. Auch das ist Mission und das geht ja auch virtuell mit den Möglichkeiten des Internets. Bei den Menschen zu sein, erstreckt sich auch auf die digitalen Kanäle.</p><p><em>Sie selbst sind auch auf Social Media unterwegs ...</em></p><p>Ja, und da erlebe ich, dass Menschen, die mit Kirche wenig zu tun haben und auch nicht zum Gottesdienst gehen, doch Bedürfnisse haben, die das alltägliche Leben übersteigen. Die melden sich und bitten etwa um ein Gebet für jemanden, der krank oder gestorben ist – oder zünden eine Kerze an. Das geht ganz konkret in unserer Marienkapelle im Kloster oder auch virtuell auf unserer Internetseite.</p><p><em>Was kann man von diesem Missionsverständnis als einfacher Christ, als Christin lernen?</em></p><p>Jeder Missionar ist zuerst ein Lernender. Der Blick nach innen, von was wir erfüllt sind, und der Blick nach außen, für wen wir da sein wollen, was wir erreichen wollen, gehören zusammen – Vision und Mission. Aber das gilt ja ganz grundsätzlich: Auch Firmen formulieren heute für sich oft eine „Vision“ und eine „Mission“ in ihrer Firmenphilosophie. Der Unterschied ist, dass es bei uns nicht um Quartalsabschlüsse und Zahlen geht, sondern unsere Botschaft langfristig angelegt ist und das ganze Leben betrifft, nicht nur die Arbeit.</p><p class="text-right"><em>Interview: Michael Kinnen</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Zur Person</h3><p>Pater Maurus Runge ist Missionsbenediktiner in der Abtei Königsmünster in Meschede. Als Missionsprokurator hält er Kontakt zu Klöstern weltweit.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72347</guid><pubDate>Fri, 08 May 2026 09:00:28 +0200</pubDate><title>Barrieren benennen und einreißen lassen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/barrieren-benennen-und-einreissen-lassen/</link><description>Die Veranstalter wollen Programm und Orte so gestalten, dass der Kreis der Teilnehmenden groß und vielfältig ist. Inklusionsaktivistin Evi Gerhard pocht auf diese Barrierefreiheit, auch auf einem Podium des Diözesan-Caritasverbands.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="88a47175-6db4-443a-8b06-29df212f5d80" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Evi Gerhard ist Aktivistin. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Maximalforderungen zu stellen. „Barrierefreiheit ist unverzichtbar: in Vortragsräumen, in Toiletten, online“, sagt sie. „Ich erwarte, dass 80 Prozent der Veranstaltungen beim Katholikentag barrierefrei sind: erreichbar mit dem Rollstuhl, nachzuverfolgen für Seh- und Hörbehinderte und für Personen, die Ruheräume benötigen oder eine Übersetzung in leichte Sprache.“</p><p>Hannah Aldenborg stellt sich den Maximalforderungen. Sie ist im Katholikentagsbüro für Barrierefreiheit zuständig. Aldenborg vermittelt zwischen den Ansprüchen von Personen mit Einschränkungen und den Möglichkeiten der Veranstalter. Eine barrierefreie Großveranstaltung über fünf Tage wird auch sie nicht gestalten können. „Aber wir versuchen, für alles eine Lösung zu finden“, verspricht sie, „und vor allem kommunizieren wir offen, was wir tun können und was nicht.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Barrierefreiheit bedingt Teilhabe aller</h3><p>Evi Gerhard hat Aldenborg samt Kolleginnen und Kollegen regelmäßig Rückmeldung gegeben zu Barrieren in der Stadt und im Katholikentagsprogramm. „Teilhabe heißt, trotz Einschränkungen an Aktivitäten aller Art teilnehmen zu können“, erklärt sie. „Barrierefreiheit ist die technische, bauliche Voraussetzung dafür.“</p><p>Deshalb hat sie auf Hürden aufmerksam gemacht, die ihr eine Teilnahme am Katholikentag erschweren: die nur durch einen barrierefreien Eingang an der Talavera erreichbare, unübersichtliche Kirchenmeile; klein gedruckte Symbole im Katholikentags-Programm; hohe Eintrittspreise; wenige online verfolgbare Veranstaltungen, Gebärdendolmetscher und barrierefreie Toiletten. „Und komme ich zu einer interessanten Veranstaltung im 3. Obergeschoss des Siebold-Gymnasiums?“</p><p>Fragen wie diese landen früher oder später bei Hannah Aldenborg –&nbsp; auch über einen Online-Fragebogen, bei dem etwa 200 Gäste des Katholikentags Angaben zum eigenen Unterstützungsbedarf gemacht haben. In den Wochen vor der Veranstaltung ist Aldenborg nun damit beschäftigt, die barrierefreie Unterbringung, An- und Abreise von Gästen zu organisieren, Sitzplatzkarten für die zentralen Veranstaltungen zu verschicken, die Beschilderung für die Veranstaltungsorte vorzubereiten, Gebärdendolmetscher einzuteilen sowie die Personen einzuarbeiten, die vor Ort ansprechbar sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gespräche mit den lokalen Experten</h3><p>Fragen zur Barrierefreiheit fallen auch auf die gastgebende Stadt zurück. In Würzburg kam deshalb der Beirat „Katholikentag barrierefrei“ seit Oktober 2025 monatlich zusammen, er bestand aus etwa zehn Personen aus der Würzburger Zivilgesellschaft und Verwaltung, mit und ohne Behinderung. Auch soziale Barrieren kamen hier zur Sprache: Denn trotz öffentlicher Förderung kostet eine Dauerkarte fürs Großevent 135 Euro, ein Tagesticket 39 Euro. Für viele ist das zu teuer. „Im Gegenzug kann alles, was draußen passiert, kostenlos besucht werden; dazu alle Gottesdienste und Livestreams. Ein gutes Basisangebot“, sagt Hannah Aldenborg.</p><p>Gespräche gab es auch mit dem Behindertenbeirat der Stadt und dem kommunalen Beauftragten Julian Wendel. Der lobt die „offene, engagierte, zielorientierte Netzwerkarbeit“. Nach Wendels Ansicht nehmen die christlichen Kirchen hierzulande eine Vorreiterfunktion in Sachen Inklusion ein. „Zwei Beispiele: Selbst alte, kleine Kirchen auf dem Land sind meist barrierefrei betretbar. Bei den Ministranten, in Jugendarbeit und Kinderkirche werden Gleichberechtigung, Teilhabe und Behinderung selbstverständlich thematisiert.“</p><p>Doch nütze das nichts, wenn es beim Katholikentag darum gehe, akute Bedürfnisse aller Besucher bei allen Veranstaltungen in allen Gebäuden zu erfüllen. „Das ist schlichtweg nicht möglich“, sagt Wendel. Die größtmögliche Barrierefreiheit sei nur mit deutlich mehr Geld, Personal und zeitlichem Vorlauf zu erreichen.</p><p>Ihren Ruf nach Barrierefreiheit wird Evi Gerhard auf dem Katholikentag wiederholen. Zum Motto „Ist es lohnend, Mut zu haben? Am Rand der Gesellschaft oder mit Mut mittendrin“ diskutiert sie dann mit Würzburgs ehemaligem Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Keine Angst vor großen Namen</h3><p>Angst vor großen Namen kennt Evi Gerhard nicht. Sie weiß: „Ich habe genug Verbündete und brauche nur den letzten Funken Mut, um tatsächlich auf die Bühne zu gehen.“ Erzählen wird sie dann auch von den vielen Gesprächen, die nötig waren, bis sie ihren Platz in der Runde zum Thema Inklusion sicher hatte – und bis das Podium, neben der barrierefreien Erreichbarkeit für sie selbst, ergänzt war um Livestream und Gebärdensprach-Dolmetschung für das Publikum.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Alle Schwierigkeiten dokumentieren</h3><p>Für den Verlauf des Großevents hat sich Gerhard viel vorgenommen. Wenn alle Fahrdienste organisiert sind („in die überfüllte Straßenbahn traue ich mich während des Katholikentags nicht“), möchte sie dokumentieren, was ihr vor Ort Schwierigkeiten bereitet. Helfende Hände seien dabei herzlich willkommen. Währenddessen wird Hannah Aldenborg im Hintergrund Unterstützung vermitteln, wo sie nötig ist. „Niemand darf vor verschlossenen Türen stehen und ohne Hilfe bleiben“, sagt sie. Auch sie wird die Barrieren dokumentieren, damit sie beim Katholikentag 2028 verschwinden. Dafür wird sie die Impulse von Evi Gerhard dankbar annehmen.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p></section><section compid="86f9c197-985f-4fc1-9777-a8052fac6715" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p></p></section><section compid="c375613b-405f-4b73-9855-6e57e96303d6" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_1">Barrieren vor Ort?</h3><p>Wer vor und beim Katholikentag Fragen zur Barrierefreiheit hat, einen Begleit- oder Fahrdienstbenötigt, kann sich an die Service-Hotline wenden: Telefon 0931 870 93 002.</p><p>Am Würzburger Hauptbahnhof öffnet in Zusammenarbeit mit der Bahnhofsmission ein Infostand,an dem entsprechende Anliegen bearbeitet werden. Natürlich sind auch die Mitarbeitenden weiterer Servicepunkte ansprechbar.</p><p></p></section><section compid="65503114-32c4-4f09-a442-3b88a9cc6309" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p><strong>Das Podium mit Evi Gerhard</strong> wird vom Caritasverband für die Diözese Würzburg vorbereitet und findet am Donnerstag um 14 Uhr im Congress Centrum statt, auch im Livestream. Zudem hält sie den Workshop „Teilhabe schafft Vertrauen – mitmachen fördert Demokratie“ mit Stefan Lutz-Simon (Jugendbildungsstätte Unterfranken) am Samstag um 11 Uhr in der Demokratiekirche (Marienkapelle).</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72346</guid><pubDate>Fri, 08 May 2026 08:55:38 +0200</pubDate><title>Springer für die Pfarrbriefe</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/springer-fuer-die-pfarrbriefe/</link><description>Der Pfarrbriefexperte hatte meistens Standdienst. Auf kleinem Raum wurde er Teil einer großen Geschichte.</description><content:encoded><![CDATA[<p>An seinen ersten Katholikentag erinnert sich Johannes Simon bis heute. 1994 war das, die Gastgeberstadt hieß Dresden. Die Deutsche Einheit lag wenige Jahre zurück und Sachsens Hauptstadt beherbergte gläubige Christen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Wir haben die Chance der offenen Grenze genutzt“, erinnert sich Simon. Er war damals im Bistum Würzburg für die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrei zuständig und fuhr mit einem Eichstätter Kollegen nach Dresden. Dort gaben sie bei einem Workshop Tipps, wie ein guter Pfarrbrief aufgebaut sein sollte.</p><p>In Dresden begegneten ihnen braunkohlehaltige Luft und die Reste der zerfallenen Frauenkirche. Aber die Laune sei gut gewesen, erzählt Simon: „Es herrschte Aufbruchsstimmung und wir waren froh, dabei zu sein. Es ergaben sich Kontakte zu Menschen mit anderer Lebenswelt und -geschichte. Das war damals ein guter Anfang.“ Heute sind alle ostdeutschen Bistümer ins Netzwerk Pfarrbriefservice.de eingebunden. Simon ist der Initiator des Netzwerks und leitete es von 2002 bis zu seinem Ruhestand 2025.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Nie zum privaten Vergnügen</h3><p>Gäbe es einen Pokal für die häufigste Teilnahme an Katholiken&shy;tagen, käme Simon wohl in die engere Auswahl. Seit 1994 war er bei fast jedem Katholikentag dabei und dazu noch bei den Ökumenischen Kirchentagen 2003 in Berlin, 2010 in München und 2021in Frankfurt am Main. Allerdings war er nie zum privaten Ver&shy;gnügen dort, sondern immer im Auftrag des Bistums Würzburg. „Meine Erfahrungen mit dem Katholikentag beziehen sich vorallem auf die Quadratmeter des Standes von Bistum und Pfarrbriefservice.de. Das ist mein Raum gewesen.“ Mit dem Pfarrbriefservice-Team und Mitgliedern des Diözesanrats der Katholiken erledigte Simon die Aufgaben am Stand: Gespräche führen, Probiermengen aus dem Bocksbeutel ausschenken, Tischkalender und Postkarten verteilen. Das Team empfing und betreute namhafte Persönlichkeiten aus dem Bistum Würzburg, etwa Bischof Dr. Franz Jung, die damalige Generaloberin Schwester Dr. Katharina Ganz oder den Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Peter Bofinger.</p><p>Der Katholikentag zog von Ort zu Ort. Auf die Hafenmetropole Hamburg folgte die Münsterstadt Ulm, auf Regensburg mit seinem Bischofssitz das weitgehend kirchenferne Leipzig. Eine erfolgreiche Präsenz beim Katholikentag hängt aus Simons Sicht aber nicht von der jeweiligen Stadt ab. „Es kommt darauf an, ein Thema zu setzen, das nicht nur für die kirchlichen Insider relevant ist“, bekräftigt er. Gelungen sei dies zum Beispiel 2008 in Osnabrück. Dort erwiesen sich Postkarten mit dem Aufdruck „Kinder bringen Farbe ins Leben“ als Renner. Das Standteam habe Tausende solcher Karten unter die Leute gebracht, erinnert sich Simon. 2014 in Regensburg standen Darsteller der Passionsspiele Sömmersdorf in ihren Originalkostümen am Stand. Mit Römerhelm, Brustpanzer und Langarm-Tunika zogen sie zahlreiche Besucher an. Auch diesen Katholikentag verbucht Simon als Erfolg.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">32 Jahre nach dem Auftakt</h3><p>Mittlerweile ist der Pastoralreferent 66 Jahre alt. Da er das Berufsleben hinter sich gelassen hat, steht bald eine Premiere an: 32 Jahre nach seinem Einstand beim Katholikentag wird er zum ersten Mal eine solche Versammlung privat besuchen. Auf diese Erfahrung in Würzburg freut er sich schon, wie er schmunzelnd durchblicken lässt: „Dann geht die Privatperson Johannes Simon zum Katholikentag und trinkt nun auch mal an einem Stand ein Schöppchen.“</p><p class="text-right"><em>Ulrich Bausewein</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72142</guid><pubDate>Sun, 03 May 2026 08:04:00 +0200</pubDate><title>„Vielleicht ist es wieder an der Zeit“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/vielleicht-ist-es-wieder-an-der-zeit/</link><description>Die Lesung aus der Apostelgeschichte verstehen viele als die Stelle, mit der das Diakonat eingesetzt wurde. Ganz so einfach ist es nicht, sagt der Theologe Andreas Müller. Und erzählt, welche Aufgaben Diakone hatten. Und welche Diakoninnen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.</p><p>Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.</p><p>Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 14,1–12</strong></p><section compid="8888C777-841E-4E0A-B2DA-37EC5FE9B129" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p><em>Herr Professor Müller, sind die Diakone aus der Apostelgeschichte vergleichbar mit Diakonen heute?</em></p><p>Da gilt es zunächst, mit einem Missverständnis aufzuräumen: Im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte ist gar nicht von Diakonen die Rede. Dass dem Siebenerkreis um Stephanus so etwas wie ein Diakonenamt zugeschrieben wird, findet erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts statt. Diakonia heißt Dienst – und hier gleich zweimal: „Dienst des Tisches“ des Stephanus-Kreises und „Dienst des Wortes“ der zwölf Jünger. Das eine bezeichnet die Sorge um bedürftige Witwen, das andere die Wortverkündigung. Diakonia meint hier also keineswegs nur karitative Tätigkeit.</p><p><em>Welche Aufgabe hatten die ersten Diakone dann?</em></p><p>Wenn Diakone – bei Paulus auch Diakoninnen – erwähnt werden, geht es wohl um Gemeindeleitung. Das bezieht sich auf die Verwaltung des Geldes, aber Diakone waren auch Gesandte und Repräsentanten ihrer Gemeinde zu anderen Gemeinden, um dort zu berichten. Dem Wort nach ist ein Diakon ein für einen Dienst Beauftragter – und zwar neben den Episkopen, die später dann mit den Bischöfen identifiziert werden. Der Auftrag kommt zunächst von der Gemeinde, nicht vom Bischof.</p><p><em>Eine Unterordnung im dreigliedrigen Amt von Bischöfen, Priestern und Diakonen gab es also nicht?</em></p><p>Zumindest nicht in den neutestamentlichen Texten. Das kam erst später mit der Institutionalisierung und Organisation der Kirche. Das ist Folge einer sehr langen Entwicklung mit vielen Veränderungen.</p><p><em>Wann begann das?</em></p><p>Zum Ende des zweiten und Beginn des dritten Jahrhunderts kam immer mehr die Frage auf, wer die Gemeinde leiten soll. Das wurde dann der Bischof, der damit auch der einzige Leiter der Gemeinden wurde. Man spricht von dem monarchischen Episkopat. Erst ab da ordnete sich ein Diakon dem Bischof unter. Je institutioneller die Kirche wurde, desto mehr haben sich dann solche Ämter herausgebildet, wie wir sie heute kennen.</p><p><em>Und wie sieht es mit den karitativen und mit den liturgischen Aufgaben für Diakone aus?</em></p><p>Die wurden im Lauf der Jahrhunderte immer präziser festgelegt. Die Witwenversorgung, wie sie in der Apostelgeschichte erwähnt wird, hat schon eine lange Tradition, auch im Judentum. Die liturgischen Aufgaben, etwa bei der Taufe, sind keineswegs nur Assistenz, sondern in manchen Texten eigenständige Aufgaben. Allerdings ist die Eucharistiefeier da ausgenommen. Die Hauptaufgabe war aber die Leitung.</p><p><em>Das klingt für heutige Ohren ungewohnt und etwas überraschend.</em></p><p>Ja, für Diakone, die sich mehr Einfluss in der Gemeinde wünschen oder auch für Frauen, die einen Zugang zum diakonischen Amt wollen, sind das spannende Texte.</p><p><em>Sie sagten gerade, dass Paulus aus den damaligen Gemeinden auch weibliche Diakone kannte?</em></p><p>Das Wort „diakonos“ kann je nach Artikel sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet werden. Es gab sicher belegt Frauen mit dem Titel „Diakon“. Die waren möglicherweise auch in der Gemeindeleitung tätig. Die Protagonistin für weibliche Diakone war Phoebe, diakonos der Gemeinde von Kenchreae in der Nähe von Korinth, wie es im Römerbrief heißt. Sogar Paulus ordnet sich ihr unter und bezeichnet sie als seine „Patronin“ – was auch immer das konkret heißen mag. Auf jeden Fall hatten Frauen – auch etwa Iounias oder Lydia – eine starke Stellung in den paulinischen Gemeinden.</p><p><em>Das hat sich dann aber geändert …</em></p><p>Es gibt eine syrisch überlieferte Kirchenordnung aus dem dritten Jahrhundert, in der die Diakoninnen mit einem eigenen Amt gegen Witwen abgegrenzt werden. Witwen waren oft nicht nur Frauen, die ihre Männer verloren hatten, sondern vielen von ihnen kamen eigene Aufgaben zu, etwa in der Caritas oder im Gebet. Diakoninnen dagegen wurden klar dem Bischof untergeordnet und damit zwar mit einem eigenen Amt ausgestattet, aber eben domestiziert. Die großen ökumenischen Konzilien haben das dann nach und nach ausgestaltet, aber es ist unumstritten, dass es ein Diakonenamt für Frauen gab. Was das für heute bedeutet, bleibt aber offen.</p><p><em>Welche Aufgaben hatten Diakoninnen?</em></p><p>Bei den Erwachsenentaufen waren sie oft assistierend tätig, wenn es um Ganzkörpersalbungen bei Frauen ging. Das ist dann auch eine liturgische Aufgabe. Ein anderes Beispiel sind Hausbesuche in Haushalten, in denen es für Männer anstößig gewesen wäre, sie zu betreten – etwa, weil Nichtchristen dazugehörten.</p><p><em>Wo gibt es heute in der christlichen Ökumene Diakoninnen?</em></p><p>Koptische Christen pflegen das Amt schon lange wieder. Die griechische Orthodoxie diskutiert es. Dabei geht es dann nicht nur um eine karitative, sondern auch um eine liturgische Rolle in den Gemeinden. Der orthodoxe Patriarch von Alexandrien hat kürzlich sogar eine entsprechende Weihe durchgeführt. In der frühen Kirche ist nicht einheitlich geregelt, ob es eine Handauflegung oder gar eine Weihe für Frauen in diese Ämter geben soll.</p><p><em>Wo sehen Sie als Historiker die Lehren aus dieser Geschichte?</em></p><p>Die Kirchen sind heute in einer großen Umbruchsphase; das bezieht sich nicht nur auf den Personalmangel, sondern auch auf Gemeindestrukturen. Da sollte man überlegen: Was ist theologisch möglich und historisch sogar schon erprobt? Es gab Zeiten, in denen weder die Gemeindeleitung durch Diakone noch die Einsetzung von weiblichen Diakonen theologisch ein Problem war; die damaligen Zeitumstände förderten es sogar. Vielleicht ist es heute in Europa wieder an der Zeit, darüber auch in der katholischen Kirche ernsthaft nachzudenken.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Interview von Michael Kinnen</em></p></section><section compid="4AD0E89C-EEF9-4AE5-88C8-E98003336B63" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Andreas Müller studierte Evangelische Theologie in Bethel, Bern und Heidelberg und Orthodoxe Theologie in Thessaloniki. Er ist Professor für Kirchen- und Religionsgeschichte des 1. Jahrtausends an der Universität Kiel.</p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72181</guid><pubDate>Thu, 30 Apr 2026 13:21:21 +0200</pubDate><title>Leserreise des Sonntagsblatts im Oktober nach Griechenland</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/leser-gehen-auf-reisen/</link><description>Unter dem Motto „Auf den Spuren des Apostels Paulus“ erkundet das Würzburger katholische Sonntagsblatt im Oktober antike Stätten in Griechenland.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="328467A3-D3FA-4C16-B804-8C5B31F5EF58" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Pfarrer Frank Elsesser freut sich schon auf die nächste Leserreise des Würzburger katholischen Sonntagsblatts: „Die griechische Kultur und Geschichte hat mich schon immer interessiert“, erzählt der Teampfarrer im Pastoralen Raum Würzburg links des Mains. Trotzdem sei er noch nie dort gewesen. Von Mittwoch, 21., bis Mittwoch, 28. Oktober, begleiten er und Redaktionsleiter Ralf Ruppert die nächste Leserreise der Bistumszeitung.</p><p>Im Programm hat sich Elsässer bereits die Station Korinth vorgemerkt. „Die Korinther-Briefe sind mir sehr wertvoll“, sagt Elsesser. Die Texte des Apostels Paulus seien ihm besonders vertraut. „Die Paulus-Texte verbinden das Leben Jesu mit der Zeit.“ Paulus habe dazu beigetragen, die christliche Welt zu weiten. In Vorbereitung auf die Reise habe er sich zudem über die Meteora-Klöster informiert, die wie riesige Adlerhorste auf hohen Felsen gebaut wurden.</p><p>Pfarrer Elsässer ist bei der Leserreise für die geistliche Begleitung zuständig. Er bietet unter anderem an den acht Tagen Gespräche an. Auf der Fahrt zum Flughafen wird es zudem einen spirituellen Impuls und einen Reise-Segen geben. Außerdem feiert Pfarrer Elsässer mindestens einen Gottesdienst mit der Reisegruppe, voraussichtlich am Sonntag, 25. Oktober, in Delphi. Details werden aber noch geklärt.</p><p>Die Reise verspricht eine Verbindung aus antiker Geschichte, frühchristlicher und byzantinischer Spiritualität, Begegnungen mit den Wurzeln Europas und mediterraner Lebensfreude. Busse holen die Teilnehmer am Mittwoch, 21. Oktober, in Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg ab. Um 14.40 Uhr hebt das Flugzeug nach Thessaloniki in Frankfurt ab. Am Abend sind der Bezug des Hotels und ein Abendessen vorgesehen. Vor Ort wartet eine deutsch sprechende Reiseleitung. Um die Wege kurz zu halten, wechselt die Gruppe drei Mal das Hotel. Erste Station am Donnerstag, 22. Oktober, ist Philippi. Der Apostel Paulus besuchte die 360 vor Christus gegründete Stadt während seiner Missionsreise und gründete dort die erste christliche Gemeinde Europas. Nach dem Besuch von Agora, Theater und Basilika geht es weiter nach Kavala, dem antiken Neapolis, wo Paulus europäischen Boden betrat.</p><p>Am Freitag, 23. Oktober, steht eine Stadtrundfahrt durch Thessaloniki an. Nach zwei Nächten im ersten Hotel fährt die Reisegruppe weiter in die beiden antiken Orte Veria und Vergina. Übernachtet wird in Kalambaka unterhalb der Meteora-Felsen, dem Reiseziel für Samstag, 24. Oktober: Die Klöster dort gehören zum Unesco-Weltkulturerbe und zu den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Griechenlands. Die Sonntagsblatt-Leser besuchen zwei Klöster mit einzigartigen Wandmalereien. Am Abend geht es zur Übernachtung nach Delphi, wo die Gruppe den größten Teil des Sonntags verbringt.</p><p>Am Sonntagabend bringt der Bus die Gruppe zur Klosteranlage Ossios Lukas und in den Küstenort Mati, rund 30 Kilometer von Athen entfernt, wo die Gruppe die verbleibenden drei Tage übernachtet. Den Montag, 26. Oktober, können die Teilnehmer entweder eigenständig verbringen oder einen Ausflug auf die Halbinsel Peleponnes mit Stationen in Korinth, Mykene und Epidaurus buchen. Für Dienstag, 27. Oktober stehen Athen mit der Akropolis und Kap Sounion im Programm. Am Mittwoch, 28. Oktober, landet das Flugzeug voraussichtlich um 16.20 Uhr in Frankfurt, von wo die Gruppe wieder mit dem Bus abgeholt wird.</p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p></section><section compid="3F976729-56DF-48CE-AE97-FD7F27056963" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"></section><section compid="0568110C-8C82-4FB3-B291-062F0D952B1B" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_2">Anmeldung</h3><p>Weitere Informationen gibt es direkt beim Würzburger katholischen Sonntagsblatt. Ein ausführliches Programm mit Zeiten, Preisen und Geschäftsbedingungen können Sie anfordern unter 0931 386-11220 oder per Mail an <a href="mailto:info@sobla.de">info@sobla.de</a>.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72001</guid><pubDate>Sun, 26 Apr 2026 12:58:00 +0200</pubDate><title>„Geh da durch, du schaffst das“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/geh-da-durch-du-schaffst-das/</link><description>„Lasst euch retten!“, beschwört Petrus in der Lesung seine Zuhörer. Dass der eigene Wunsch, gerettet zu werden, entscheidend ist, weiß auch Pater Christian. Er hilft auf einem besonderen Hof Suchtkranken, ins Leben zurückzufinden.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.</p><p>Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.</p><p>Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 10,1–10</strong></p><p></p><p>„Du musst Bock auf dieses Leben haben“, sagt Pater Christian. Jeder Mann, der sich bei ihm auf der Fazenda da Esperanca im brandenburgischen Nauen vorstellt, hört diesen Satz. Es sind Männer, die eine Suchterkrankung haben – und auf dem „Hof der Hoffnung“ einen Neustart wagen wollen. „Die eigene Motivation ist dafür entscheidend“, sagt Pater Christian. Jeder Bewerber muss ein Motivationsschreiben verfassen und kann zu einem Probe-Wohnen kommen, ehe er sich für zwölf Monate der Gemeinschaft auf dem Hof anschließen kann.</p><p>„Wir nehmen niemanden, der uns einfach von der Justiz geschickt wird“, sagt Pater Christian und denkt dabei an die Frage Jesu: Was willst du, dass ich dir tue? „Der Blinde sagt, dass er wieder sehen möchte. Erst dann heilt Jesus ihn. Er muss aktiv werden. Jesus tut nichts gegen seinen Willen.“ So passt auch das Wort aus der Apostelgeschichte an diesem Sonntag: „Lasst euch retten“, ruft Petrus den Menschen zu, die sich um ihn und die anderen Apostel versammelt haben. Sie müssen selbst tätig werden, müssen das Leben als Christ wirklich wollen und sich dafür entscheiden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kein Alkohol, kein Internet</h3><p>Die „Höfe der Hoffnung“, die Fazenda da Esperanca, wurden 1983 in Brasilien gegründet. Mitglieder der Kirchengemeinde der Stadt Guaratingueta bei Sao Paulo hatten damals den Wunsch, das Evangelium in die Tat umzusetzen. Ein junger Mann namens Nelson nahm sich einen Satz aus dem Paulusbrief besonders zu Herzen: „Ich bin dem Schwachen ein Schwacher geworden.“ Täglich lief er auf dem Weg zu seiner Arbeit an einer Gruppe Drogenabhängiger vorbei. Schließlich unterhielt er sich mit einem Mann, der ein Armband knüpfte – und besuchte ihn und die anderen fortan regelmäßig. „Nicht, um zu missionieren oder sie vom Drogenkonsum abzuhalten, sondern um Freundschaft mit ihnen zu leben“, sagt Pater Christian, der selbst viele Jahre in Brasilien lebte. Irgendwann vertraute jener Drogenabhängige Nelson an, dass er die Drogen hinter sich lassen will – und Nelson half ihm beim Entzug. „Mit Nelson und Antonio, dem ersten Rekuperanten, hat unsere Arbeit begonnen“, sagt Pater Christian.</p><p>Auf dem Gut Neuhof in Brandenburg führt er sie weiter. Momentan leben dort 15 Männer. Sie haben eine Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht oder leiden unter Depressionen. „Ich weiß von einem Mann, der die letzten zwei Jahre nur im Bett gelegen hat. Ihm fehlte jeder Antrieb“, sagt Pater Christian. Um auf dem Hof zu leben, müssen die Männer erst einen Entzug machen und dann in der Lage sein, sich an die Regeln zu halten: keine Drogen, kein Alkohol, keine Zigaretten – und kein Internet oder Telefon. „Es geht darum, neue Beziehungen aufzubauen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, sagt Pater Christian – weit weg von allen Reizen, die wieder zur Sucht führen könnten. In den ersten drei Monaten darf auch die Familie nicht zu Besuch kommen, nur das Schreiben von Briefen ist jederzeit möglich.</p><p>Der Geistliche erlebt, dass sich die Bewohner in der Gemeinschaft oft schnell weiterentwickeln, dass die Männer sich verändern, dass sie gerettet werden wollen. Er erinnert sich an einen Mann, der schon im ersten Brief an seine Mutter schrieb, er fühle sich auf dem Hof wohl. „Die Mutter erzählte mir, er habe sich seit mehr als drei Jahren nirgends mehr wohlgefühlt“, sagt Pater Christian. Oder ein 16-Jähriger, der nach dem Probe-Wohnen am liebsten gleich auf dem Hof geblieben wäre, weil er sich dort so gut aufgenommen fühlte. Oder ein Rockmusiker, der sich nach einem Monat auf dem Hof die lange Mähne abschnitt. „Keiner hatte ihm gesagt, er solle sich die Haare schneiden. Aber es war sein Ausdruck für die Veränderung.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Wir geben aufeinander acht“</h3><p>Die Männer auf dem Hof stützen sich gegenseitig beim Kampf gegen die Sucht. „Wir leben wie in einer Familie“, sagt Pater Christian. „Wir geben aufeinander acht, sind füreinander da.“ Wenn der Wunsch nach einem Joint oder einem Schluck Schnaps übermächtig wird, dann sind es die ehemaligen Bewohner des Hofes, die heute noch zu Besuch kommen oder mithelfen und sagen: „Ey, mir ging es genauso. Geh da durch, du schaffst das.“ Das sporne an durchzuhalten, sagt Pater Christian.</p><p>Die Männer leben gemeinsam – und sorgen auch gemeinsam für ihren Unterhalt. Sie arbeiten auf dem Hof, im Stall, im Garten, im Gästehaus oder im Hofcafé. Jeder trägt zum Unterhalt bei. Und jeder nimmt an den Gebetszeiten und Gottesdiensten teil. „Das religiöse Programm ist bei uns Pflicht“, sagt Pater Christian. Fünfmal in der Woche feiern sie die Heilige Messe, morgens wird der Rosenkranz gebetet und das Tagesevangelium gehört. „Wir nehmen einen Satz daraus und gehen mit diesen Worten durch den Tag. Zum Beispiel: Hab Mut, dich zu verändern. Und am Abend schauen wir noch einmal, wo es uns gelungen ist, dieses Wort zu leben.“</p><p>Die Einbindung in die katholische Spiritualität sei sicherlich das Ungewöhnlichste bei dieser Form der Suchttherapie. „Die Männer hier sind nicht alle Christen oder gläubig und die müssen auch nicht katholisch werden“, sagt Pater Christian. „Aber sie müssen bessere Menschen werden. Wir helfen ihnen, dass sie lernen zu lieben – sich und die anderen.“ Er müsse Gott nicht zu den Männern bringen. „Jeder Mensch ist gut. In jedem Menschen ist Gott schon da. Ich werde nie an den Punkt kommen zu sagen: Ich habe keine Hoffnung mehr für dich.“</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><p class="text-right"></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Hintergrund</h3><p>Weitere Informationen zur christlichen Suchthilfe auf den verschiedenen Höfen der Fazenda da Esperanca finden Sie unter <a href="https://www.fazenda.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.fazenda.de</a>. Pater Christian erreichen Sie per E-Mail: <a href="mailto:gut-neuhof@fazenda.de">gut-neuhof@fazenda.de</a></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71874</guid><pubDate>Sun, 19 Apr 2026 15:11:00 +0200</pubDate><title>Geteiltes Brot, geteilter Keks</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/geteiltes-brot-geteilter-keks/</link><description>Kann man anderen den Glauben erklären, wie Jesus es bei den Emmausjüngern versucht? Worte reichen nicht. Es braucht noch mehr, sagt Dorothea Allgäuer von den Kleinen Schwestern Jesu. </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah: Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.</p><p>Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn?</p><p>Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.</p><p>Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!</p><p>Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah: Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.</p><p>Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Lukasevangelium 24,13–35</strong></p><section compid="5BD47306-7249-4D78-A3E9-A446ED85AEDA" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Es sind fast immer ihre Mitmenschen und oft die Nichtgläubigen oder die Andersgläubigen, durch die Dorothea Allgäuer ihrem eigenen Glauben näherkommt. So fühlt sie es zumindest. Dabei ist ihr der Glaube von Kindheit an vertraut.</p><p>Dorothea (52) gehört zur Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu und möchte entsprechend der Geschwisterlichkeit, die sie mit allen zu leben versucht, in diesem Text mit Vornamen genannt werden.</p><p>Eigentlich sollte es im Interview mit ihr darum gehen, wie man als gläubiger Mensch anderen den Glauben erklärt, so wie Jesus den Emmausjüngern erklärt, dass er auferstanden ist. Die beiden sind schockiert über seinen Tod und gehen von Jerusalem, dem Ort seiner Kreuzigung, weg. Auf dem Weg gesellt Jesus sich zu ihnen. Aber trotz seiner kundigen Worte verstehen sie ihn nicht.</p><p>Dorothea liebt diese Geschichte; sie erinnert sie daran, wie sie selbst mit Jesus in Kontakt gekommen ist. Erklärungen und Glaubenswissen waren dabei nützlich, haben sie aber irgendwann nicht mehr weitergeführt. Stattdessen war es das Mitleben mit anderen Menschen, durch das sie etwas vom Glauben an Gott begriff. So wie vor Jahrzehnten bei einem Freiwilligeneinsatz, einer Mission auf Zeit in Kirgisistan.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Es ist ein Geben und ein Nehmen</h3><p>„Ich habe Menschen getroffen, die hatten nichts, die waren arm bis aufs Hemd und haben mir doch so eine Zufriedenheit und Lebensfreude entgegengebracht.“ Sie fragte sich, warum alles, was sie besaß, sie dennoch so unerfüllt zurückließ. Den Menschen in Kirgisistan habe sie es zu verdanken, dass sie ihr Leben umgekrempelt hat, sagt die Ordensfrau. Sie wollte „ein Stück weit werden wie sie – freier von Besitz und was man tut und hat, und freier für Gott und die Mitmenschen“.</p><p>Glauben komme eben „nicht von oben, nicht von jemandem, der alles erklärt und alles weiß“, sagt sie. Stattdessen sind es Beziehungen und das gemeinsame Leben, „dieses Gegenseitige, das für uns ganz wichtig ist“. So war es ja auch bei den Emmausjüngern. Sie erkannten Jesus nicht durch das, was er ihnen erklärte, sondern als er mit ihnen das Brot brach.</p><p>Mit ihrer Gemeinschaft lebt Dorothea dort, wo man „eine Ordensfrau nicht unbedingt erwarten würde“, sagt sie: in einer Wohnung in einem Plattenbau am Stadtrand von Halle an der Saale. Obwohl sie ausgebildete Krankenpflegerin ist, arbeitet sie als Küchenhilfe in einer Großküche. So wie alle Kleinen Schwestern und Kleinen Brüder Jesu verdient sie den Lebensunterhalt ihrer Gemeinschaft mit geringbezahlten Tätigkeiten, für die man keine Ausbildung braucht.</p><p>Sind es dann also Nachbarinnen und Kollegen, mit denen Glaubensgespräche entstehen? „Ich spüre, dass die Menschen nicht als Erstes nach dem Glauben fragen“, sagt Dorothea. „Es ist eher so, dass die Menschen Interesse an meiner Lebensform als Ordensfrau haben. Manchmal ergeben sich dann auch tiefere Gespräche.“</p><p>Dass sie in einer katholischen Gemeinschaft lebt, kann man ihr nicht immer ansehen. Sie trägt kein Ordenskleid und das kleine Holzkreuz und den Ring muss sie vor der Küchenarbeit ablegen. Wenn sich herausstelle, dass sie Ordensfrau ist, hätten ihre Kolleginnen und Kollegen weniger Vorurteile und sagten sich, „die ist normal, die ist wie wir, die will uns nicht bekehren“, erzählt Dorothea. „Diese Vertrauensbasis, diese Freundschaft, die da entsteht, öffnet Türen, um miteinander zu leben.“ So wie bei ihr und einem muslimischen Kollegen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Wir waren gemeinsam auf dem Weg“</h3><p>Die Ordensfrau erzählt, wie dieser Kollege trotz der schweren Küchenarbeit den Ramadan, die muslimische Fastenzeit, eingehalten hat. Dorothea war tief beeindruckt, dass er bis zum Sonnenuntergang nichts aß und trank. Sie hinterfragte dann ihr eigenes Fasten: „Bin ich zu lax?“ Und sie tröstete ihren Kollegen, der einmal darunter litt, dass er am Vortag während der Arbeit einen Schluck Wasser getrunken hatte. Sie sagte ihm, dass Gott auch barmherzig ist und gewiss nicht strafen kann, dass man bei Hitze einen Schluck Wasser zu sich nimmt. So stellt sich Dorothea&nbsp; den Weg der Emmausjünger vor: „Es ging um etwas, das uns beiden sehr wertvoll war, wir waren gemeinsam auf dem Weg.“</p><p>Dann erzählt sie von einer Begegnung in ihrer Gemeinschaft. Die Arbeitskollegin einer ihrer Mitschwestern war zu Besuch. Bei Kaffee und Keksen entstand ein angeregtes Gespräch. Die junge Frau sagte etwas traurig, sie könne nicht an einen Gott als Person glauben, vielleicht gebe es aber so was wie eine höhere Macht. Dorotheas Mitschwester antwortete ihr: „Schau doch mal, wie du in deinem Leben geführt worden bist, da ist etwas ganz Lebendiges in dir. Ich nenne es Gott, du nennst es anders.“ Irgendwann sagte die Kollegin: „Ja, so verstehe ich es.“</p><p>Für Dorothea ist das eine Emmausgeschichte. Die beiden Jünger erkannten den auferstandenen Jesus ja nicht, als er ihnen die Bibel erklärte, sondern als sie miteinander aßen. Dorothea sagt: „Ich glaube, dass bei der gegenseitigen Gastfreundschaft Gott anwesend ist, beim Brotbrechen und bei einem geteilten Keks.“<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p></section><section compid="8A376CFE-CCF2-45DF-AFBA-0786FC7EE367" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Dorothea Allgäuer gehört zur Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu, deren Lebensweise auf Charles de Foucauld und Magdeleine Hutin zurückgeht. Genauso wie die Kleinen Brüder Jesu wollen sie in Freundschaft mit Menschen verschiedener Herkunft und Kulturen leben.</p><p><a href="https://kleineschwesternjesu.net/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.kleineschwesternjesu.net</a></p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71711</guid><pubDate>Sun, 12 Apr 2026 11:43:00 +0200</pubDate><title>Streck deine Hand aus!</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/streck-deine-hand-aus/</link><description>Thomas will die Wunden Jesu anfassen. Er meint, erst dann begreifen zu können, dass sein Freund nicht mehr tot ist, sondern lebt. Bis heute wollen Menschen berühren oder küssen, was ihnen heilig ist. Drei Theologen erklären, warum das wichtig ist.   </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!</p><p>Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.</p><p>Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.</p><p>Thomas, der Didymus – Zwilling – genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.</p><p>Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!</p><p>Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.</p><p>Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt inseinem Namen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 20,19–31</strong></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Muttergottes</h3><p>Wie wichtig und prägend eine Berührung sein kann, hat Richard Schu-Schätter bei seiner Mutter erlebt. Die durfte 1933 als Fünfjährige bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier die Reliquie berühren. „Schon damals war das eigentlich verboten. Nur kleine Kinder wurden zum Rock hochgehoben“, sagt er. Seine Mutter hätte noch auf dem Sterbebett von diesem Moment erzählt. „Diese kurze Berührung hat sie ihr ganzes Leben begleitet.“</p><p>Schu-Schätter arbeitet als Pilgerseelsorger im münsterländischen Telgte. Er kann nachvollziehen, warum es den Gläubigen, die etwa mit den großen Fußwallfahrten aus Osnabrück oder Altenrheine in die Stadt kommen, so wichtig ist, das Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes zu berühren. „Die Leute haben einen kilometerlangen, anstrengenden Marsch hinter sich. Jetzt sind sie angekommen und können all das, was ihnen unterwegs durch Kopf und Herz gegangen ist, vor Maria abladen.“ Für viele sei es schon ausreichend, das Gnadenbild zu sehen, und in den Kirchenbänken zu verweilen. „Für manche ist aber auch die Berührung wichtig. Das ist nochmal intensiver“, sagt Schu-Schätter.</p><p>Der Pastoralreferent hat beobachtet, wie die Gläubigen nach vorne kommen, den Fuß oder den Sockel der Statue berühren, kurz innehalten, vielleicht eine Kniebeuge machen, das Kreuzzeichen schlagen. Die Berührung sei ein Zeichen der Verbundenheit – mit dem eigenen Glauben, mit Maria und mit all den Pilgern, die in den Jahrhunderten zuvor nach Telgte gekommen sind. „Es ist ein urmenschliches Bedürfnis etwas zu berühren. Wir begreifen durch Berührung“, sagt Schu-Schätter. Die Muttergottes anzufassen, sei ein Beten mit dem Körper.</p><p>Dabei müsse man immer im Blick haben, das kunsthistorisch wertvolle Stück zu schützen. „Noch gibt es keine Veränderungen am Sockel. Da ist nichts abgenutzt oder blank geputzt“, sagt der Seelsorger. Die Konservatorinnen hätten ein wachsames Auge darauf. „Aber es ist eben auch kein Museumsstück, sondern ein Andachtsgegenstand und der lebt davon, dass Menschen in Beziehung mit ihm sind.“</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Mesusa</h3><p>Die Sache mit dem Berühren ist im Judentum gar nicht so einfach, sagt Rabbiner Daniel Fabian. Denn manches „ist einfach zu heilig, als dass man es berühren dürfe“. Die längst verschollene Bundeslade zum Beispiel. „Wenn sie transportiert wurde, trug man sie auf Stangen.“</p><p>Heute erkennt man diese Idee an dem Yad, einer Art Zeigestock, der in einem kunstvollen Finger endet, und den diejenigen benutzen, die im Gottesdienst aus der Tora-Rolle vorlesen. „Einerseits weil der eigene Zeigefinger die Tinte verschmieren könnte“, sagt Fabian. „Wichtiger ist aber, dass die Torarolle, das Wort Gottes, so heilig ist, dass man sie nicht anfassen soll.“</p><p>Was viele Juden berühren, ist die Mesusa, die kleine Kapsel, die sie am Türstock ihrer Wohnungen befestigt haben. Darin steckt ein Pergament mit den ersten beiden Absätzen des jüdischen Glaubensbekenntnisses Schma Israel. Fabian sagt: „Eine Mesusa an der Tür zu haben, ist eine Vorschrift aus der Tora. Sie beim Hinein- oder Hinausgehen zu berühren, davon ist keine Rede.“ Warum wird es trotzdem oft gemacht? „Es hilft, sich den Glauben bewusst zu machen, ihn nicht zu vergessen“, sagt Fabian. Deshalb berühren orthodoxe Juden, die die traditionellen Gebetsriemen tragen, sie mehrmals während des Gebets. „Auch in den kleinen Kästchen am Arm und vor der Stirn steckt das Schma Israel. Wenn wir sie berühren, wollen wir uns das Gebet vergegenwärtigen, es bewusst spüren.“</p><p>Näher zu Gott zu kommen, indem man etwas berührt, diese Vorstellung gibt es im Judentum dagegen nicht. Für einen Glauben, der sogar Bilder verbietet, wäre das befremdlich. Vielleicht hat der Jude Thomas den auferstandenen Jesus deshalb schlussendlich doch nicht berührt. Vielleicht war er einfach zu heilig, um ihn anzufassen.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_3">Die Ikone</h3><p>Wer jemandem zur Begrüßung einen Kuss schenkt, sagt: Du bedeutest mir viel, ich liebe dich. Für Christinnen und Christen der byzantinischen Tradition ist das Küssen auch eine Geste für Gott.</p><p>Zum Beispiel, wenn sie eine Kirche betreten. Nahe hinter dem Eingang steht ein kleiner Tisch, Tetrapod genannt. Darauf liegt eine Ikone, die entweder Jesus, die Gottesmutter Maria, die Kirchenpatrone oder die Heiligen des Tages zeigt. Die Gläubigen treten heran, bekreuzigen sich, beugen sich zu der Ikone herunter und küssen sie.</p><p>„Indem ich die Ikone küsse, verehre ich Gott und die Heiligen, die auf der Ikone dargestellt sind“, sagt Nazariy Yasinovskyy, der Pfarrer der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Osnabrück. „Die Ehre, die wir dem Bild erweisen, geht auf das Urbild über. Es ist wie mit dem Foto eines geliebten Menschen“, sagt Yasinovskyy. „Wir schauen das Foto an und küssen es, es ist ein Ausdruck der Liebe zu diesem Menschen.“</p><p>Ihm ist wichtig, dass die Geste nicht der Ikone an sich gilt. „Ikonen sind keine Götterbilder“, sagt er, wer sie küsst, ehrt nicht das Bild, das Holz oder das Kunstwerk, sondern Gott und die Heiligen, die durch die Ikonen gegenwärtig sind.</p><p>Das Küssen der Ikonen ist byzantinischen Christinnen und Christen so wichtig, dass es ein eigenes Fest dafür gibt. Mit dem Fest der Orthodoxie am ersten Fastensonntag erinnern sie an das Jahr 787, in dem es wieder erlaubt wurde, Ikonen zu verehren. Bis dahin fürchtete man, dass Ikonen als Götterbilder missverstanden werden.</p><p>Für Pfarrer Yasinovskyy ist die Sache klar: „Mit dem Kuss sage ich Gott, dass ich mit ihm verbunden bin und dass ich ihm noch näher sein möchte.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71738</guid><pubDate>Wed, 08 Apr 2026 13:56:19 +0200</pubDate><title>Ideen gefragt</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/ideen-gefragt/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<section compid="658DCCF7-360F-4E30-960E-657DD31DC0CB" complabel="titel" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-gross%3aHead_Charter_45_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro45Roman" para_overrideid="p_1">1. Welche Texte und Motive wir uns wünschen:</h3></section><section compid="765D7E15-18C8-4167-9595-580BDEE0AD7F" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Das Würzburger katholische Sonntagsblatt sucht Ihre Geschichten und Fotos von zurückliegenden Katholikentagen und von den Vorbereitungen auf den 104. Katholikentag in Würzburg. Sie zehren bis heute von einem schönen Gemeinschaftserlebnis, haben bleibende Kontakte geschlossen oder einen netten Schnappschuss gemacht? Sie treffen sich regelmäßig, um einen Auftritt in Würzburg vorzubereiten? Sie erkunden schon einmal die Veranstaltungsorte? Dann teilen Sie das gerne mit uns. Wenn Sie möchten, können Sie dabei die Playmobil-Figuren der Frankenapostel in Szene setzen. Oder Sie schicken uns einfach so eine Szene mit den bunten Kunststoff-Figuren.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_5">2. Wie Sie sich am Gewinnspiel beteiligen können:</h3><p>Bitte schicken Sie uns Texte mit maximal 1500 Zeichen. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine handschriftlichen Aufzeichnungen übertragen, um Fehler zu vermeiden. Bei den Fotos wählen Sie bitte maximal zwei Motive aus, schicken Sie uns keine Videos oder Bilderserien. Bitte kurze Erläuterung, wer und was abgebildet ist. Am besten lassen Sie uns das Material per Mail an info@sobla.de zukommen, maximal 20 MB pro Mail, bitte mit Kontaktdaten für Nachfragen sowie bei Fotos mit Vor- und Zuname des Fotografen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_7">3. Was mit den Texten und Bildern passiert:</h3><p>Eine Auswahl des eingereichten Materials wollen wir in der letzten Ausgabe vor dem Katholikentag veröffentlichen. Diese erscheint zum 10. Mai, Einsendeschluss beim Gewinnspiel ist deshalb am Mittwoch, 22. April. Zum anderen stellen wir einen Teil der Einsendungen beim Katholikentag aus: Von Donnerstag, 14. Mai, bis Samstag,16. Mai, können Sie die Ergebnisse in der Austauschbücherei des Medienhauses der Diözese Würzburg (Kardinal-Döpfner-Platz 5) anschauen. An allen drei Tagen gibt es von 12 bis 12.45 Uhr auch Führungen durch die Redaktion des Sonntagsblatts. Bei allem, was Sie uns schicken, setzen wir voraus, dass wir die Texte und Bilder auch veröffentlichen dürfen, also insbesondere die abgebildeten Personen einverstanden sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_9">4. Was Sie gewinnen können:</h3><p>Als Dankeschön verlosen wir unter allen Teilnehmern 20 Preise im Gesamtwert von rund 400 Euro, von der Eintrittskarte für den Katholikentag über die Playmobil-Frankenapostel bis zu Büchern. Siehe Übersicht unten. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />(raru)</p></section>]]></content:encoded></item></channel></rss>