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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Thu, 14 May 2026 19:24:00 +0200</pubDate><lastBuildDate>Thu, 14 May 2026 19:24:00 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://sobla.de/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-72417</guid><pubDate>Sun, 17 May 2026 07:35:00 +0200</pubDate><title>Genau so ist Gott</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/genau-so-ist-gott/</link><description>Gott ist ganz anders, hört man oft. Das stimmt vielleicht – aber doch nur zum Teil. Denn wir haben ihn zwar nie gesehen, aber dafür kennen wir Jesus. Und es ist nicht verwegen, von ihm auf seinen Vater zu schließen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.</p><p>Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!</p><p>Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.</p><p>Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 17,1–11a</strong></p><p>Es ist auf den ersten Blick eine etwas ungewöhnliche Wahl, dass an den letzten drei Sonntagen der Osterzeit aus den Abschiedsreden Jesu gelesen wird. Im Abendmahlssaal hat er sie, so erzählt es der Evangelist Johannes, gehalten. Also vor Ostern. Andererseits naht mit Riesenschritten der endgültige Abschied. 40 Tage nach Ostern enden die Erscheinungen des Auferstandenen: Jesus geht zum Vater. Da tut es gut, noch mal seine Abschiedsworte zu hören. „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück“ zum Beispiel. Oder: „Ich gehe, um euch einen Platz vorzubereiten.“</p><p>In den Abschiedsreden des Johannesevangeliums wird auch noch einmal klar formuliert, wer Jesus ist. „Ich und der Vater sind eins“, steht dort zum Beispiel. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Oder an diesem Sonntag: „Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein.“</p><p>Warum wird hier, kurz vor dem Abschied, das alles nochmal so eingeschärft? Vielleicht, könnte man meinen, aus dogmatischen Gründen: um Irrtümer abzuwehren, die im jungen Christentum über Jesus im Umlauf waren. Vielleicht aber auch, um den Jüngerinnen und Jüngern aller Zeiten eine Hilfestellung zu geben. Um ihnen deutlich zu machen: „Meint nicht, ihr wisst nichts von Gott, nur weil ihr ihn nicht seht. Ihr habt doch Jesus erlebt oder zumindest gehört, wie er war, was er getan und gepredigt hat. Genau so ist Gott!“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott will das Heil der Menschen</h3><p>Dass Jesus nur Gutes für jeden einzelnen Menschen will, zieht sich durch sein ganzes irdisches Leben. Von „Euch ist heute der Retter geboren“ auf den Feldern Betlehems bis „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ am Kreuz erzählen die Evangelien von dem einen großen Wunsch Jesu: Glück, Heil, gelingendes Leben für alle.</p><p>Das ist der Kern seiner Heilungen: wenn er macht, dass Blinde sehen, Lahme sich aufrichten und Aussätzige in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Das ist der Kern seiner Predigt: wenn er sagt, dass der Sabbat für den Menschen da ist, nicht der Mensch für den Sabbat und dass die glücklich sind, die Frieden stiften und für Gerechtigkeit eintreten. Das ist der Kern seines Verhaltens: wenn er mit Zöllnern und Sündern isst, wenn er Brautleute vor Peinlichkeiten rettet oder Frauen vor der Steinigung.</p><p>Jesus will ganz offensichtlich das Heil und das Glück der Menschen. Und Gott will es auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott kommt es im Kern auf Nächstenliebe an</h3><p>Jesus ist ein frommer Mann, ja. Er betet. Er geht in die Synagoge. Aber er steht auch in der Tradition der Propheten: „Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der Herr. Bringt mir nicht länger nutzlose Gaben, Räucheropfer, die mir ein Gräuel sind! Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Lernt erst, Gutes zu tun! Sucht das Recht! Schreitet ein gegen den Unterdrücker! Verschafft den Waisen Recht! Streitet für die Witwen!“ (Jesaja 1)</p><p>Auch Jesus kritisiert die vermeintlich Frommen. Den Priester und den Leviten zum Beispiel, die im Gleichnis an dem von Räubern Überfallenen vorübergehen, um nicht unrein zu werden. Oder die, die sich mit Fasten und Beten brüsten, aber den Armen nicht helfen. Am ausdrücklichsten formuliert ist dieser Gedanke aber in Jesu Rede vom Endgericht (Matthäus 25). Zu Gott kommen demnach jene, die Hungrige speisen, Nackte kleiden, Kranke besuchen, Obdachlose aufnehmen. Gebet und Gottesdienst sind von Jesus geschätzt und praktiziert. Aber dass sie ein Kriterium für das Himmelreich sind, ist mit keiner Silbe erwähnt. Noch nicht einmal gefragt werden die Menschen danach.</p><p>Für Jesus ist Glaube praktische Tat. Er will, dass wir unsere Nächsten, Übernächsten und sogar die Fremden lieben. Nicht nur theoretisch als frommer Spruch, sondern konkret und sichtbar im täglichen Leben. Und Gott will es auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott kann auch streng sein</h3><p>Jesus ist kein sanfter Ist-doch-alles-egal-Typ. Er hat klare Prinzipien und streitet dafür. So schickt er die Ehebrecherin mit den Worten nach Hause: „Geh und sündige von nun an nicht mehr.“ Den begriffsstutzigen Petrus weist er hart zurecht: „Tritt hinter mich, du Satan.“ Die Händler und Geldwechsler prügelt er aus dem Tempel. Nett ist das nicht.</p><p>Zu Pharisäern und Schriftgelehrten, den Frommen seiner Zeit, ist Jesus besonders streng. Er beschimpft sie als „Heuchler“ und „blinde Narren“. „Weh euch“, sagt er. „Ihr werdet nicht ins Himmelreich kommen!“ Das 13. Kapitel bei Matthäus ist eine einzige öffentliche Schmährede.</p><p>Jesus ist auch nicht der Meinung, dass jeder machen kann, was er will. „Kein Jota“ des Gesetzes wolle er aufheben, sagt er. Im Gegenteil verschärft er es: „Jeder, der zu seinem Bruder sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ Männern, die Frauen hinterherschauen, rät er: „Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“</p><p>Jesus ist fordernd. Und manchmal auch sehr streng. Er will, dass wir das Gute tun und die Gebote halten. Und Gott will das auch.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Gott vergibt dem, der Vergebung sucht</h3><p>Strenge hin oder her: Jesus ist groß im Vergeben. So groß, dass seine Jünger ihn einmal skeptisch fragen: „Wie oft muss ich vegeben?“ Die Antwort Jesu ist ernüchternd: „Unendlich oft.“ Und Jesus geht mit gutem Beispiel voran. „Deine Sünden sind dir vergeben“, sagt er verschiedenen Menschen und zum Entsetzen der Frommen, die sagen: „Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?“</p><p>Jesus sagt aber auch: Vergebung gibt es nicht umsonst. „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vegeben unseren Schuldigern“, heißt es im Vaterunser. Und „Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“</p><p>Jesus will vergeben. Denen, die darum bitten und selbst danach handeln. Und Gott will es auch.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72268</guid><pubDate>Sun, 10 May 2026 09:57:00 +0200</pubDate><title>Lebe so, dass du gefragt wirst</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/lebe-so-dass-du-gefragt-wirst/</link><description>In den Lesungen der Osterzeit wird erzählt, wie die Jünger beseelt auszogen, um den Glauben an Christus zu verkünden. Gehört Mission zur DNA der Kirche? Und warum ist das so ein schwieriges Thema? Der Benediktiner Maurus Runge gibt Antworten.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.</p><p>Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch&nbsp; ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.</p><p>Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 14,15–21</strong></p><p></p><p><em>Pater Maurus, „wir wollen ja nicht missionieren“ ist ein häufig gehörter Satz, auch in der Kirche. Gehört Mission nicht zur DNA der Kirche?</em></p><p>Mission meint dem Wort nach „Sendung“ – und das gehört schon zur DNA der Kirche. Wir haben eine frohe Botschaft, die es wert ist, weitererzählt zu werden. Das Problem ist, was daraus gemacht worden ist, als wir Europäer imperialistisch und kolonialistisch gemeint haben, dass wir anderen Kulturen und Völkern sagen müssen, wo es langgeht. Das macht den Begriff heute für viele schwierig und verbrannt.</p><p><em>Auch der Papst hat ja kürzlich ein solches Missionsverständnis kritisiert.</em></p><p>Ja, Papst Leo war ja selbst über viele Jahre Missionar in Peru, hat auch einen internationalen Orden geleitet und kennt die Situation und Geschichte.</p><p><em>Dennoch stellt sich die Frage: Wenn man eine gute Botschaft hat, ist es dann nicht nur zum Besten für die, denen man sie überbringt?</em></p><p>Es kommt auf die Art und Weise an. Wenn ich von einer Botschaft überzeugt bin, dann möchte ich auch andere davon überzeugen. Jeder, der evangelisieren will, muss erst selbst evangelisiert sein. Aber das geht nicht mit Gewalt. Vor einigen Jahren haben die französischen Bischöfe das Wort geprägt „Den Glauben anbieten“. Das ist eher eine Einladung als eine allein seligmachende Wahrheit, die man überstülpt – auch wenn das lange Zeit so im Verständnis der katholischen Kirche war.</p><p><em>Wie kam es dazu?</em></p><p>In den ersten Jahrhunderten musste sich das Christentum gegen Verfolgung durchsetzen und behaupten. Ab dem vierten Jahrhundert mit der sogenannten Konstantinischen Wende wurde das Christentum dann Staatsreligion und damit auch der Versuchung der politischen Macht ausgesetzt. Das ist immer gefährlich und hat letztlich auch zu den unseligen Akten des Imperialismus und Kolonialismus geführt.</p><p><em>Wann hat sich das geändert?</em></p><p>Spätestens das Zweite Vatikanische Konzil hat in den 1960er Jahren sehr klar gemacht, dass auch in anderen Religionen und Kulturen wenigstens Saatkörner der Wahrheit zu finden sind. Die haben wir nicht exklusiv – und da können wir auch von anderen Religionen und Kulturen lernen, nicht zuletzt im interreligiösen Dialog.</p><p><em>Die Missionsbenediktiner haben das Wort Mission schon im Namen. Was ist das Besondere ihrer Mission?</em></p><p>Das Wichtigste ist, dass nie nur mit dem Wort verkündigt wurde, sondern dass die Mitbrüder auch bei den Menschen waren, sie zum Teil aus der Sklaverei herausgekauft haben, Brunnen gebohrt haben, die Armut bekämpft, die Gesundheitsversorgung mit aufgebaut oder die Schulbildung ermöglicht haben und so weiter. Das ist ein ganzheitlicher Ansatz von Mission, der uns wichtig ist.</p><p><em>Gilt das auch heute noch so?</em></p><p>Früher haben wir von Heimatklöstern im deutschsprachigen Raum gesprochen und von Missionsklöstern etwa in Afrika. Heute sind alle unsere Klosterniederlassungen Heimatklöster für die Menschen, die dort leben – und gleichzeitig Missionsklöster. Es gibt eine Präsenz auf Kuba, wo wir von den Einheimischen eine große Wertschätzung dafür erfahren, dass unsere Mitbrüder unter schwierigen Bedingungen vor Ort bei den Menschen bleiben. Und es gab vor einigen Jahren eine Gründung der „Cella Sankt Benedikt“ als Stadtkloster in Hannover. Mission ist keine Einbahnstraße mehr. Das geht bis dahin, dass auch Mitbrüder aus Afrika nach Deutschland kommen, um älter werdende Gemeinschaften hier zu unterstützen.</p><p><em>Was sind Kriterien für eine gelingende Mission?</em></p><p>Das Leben der Menschen zu teilen, auf Augenhöhe, ohne Besserwisserei und Überheblichkeit und im Austausch miteinander, das ist eine der ersten Missionsmethoden – „bescheiden und ehrfürchtig“, wie es im 1. Petrusbrief heißt, der ja auch die zweite Lesung dieses Sonntags ist.</p><p><em>Wie sieht das konkret aus?</em></p><p>Mein Verständnis von Mission wird sehr gut in dem Satz aus der Lesung ausgedrückt: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt. Ich möchte ergänzen: Aber dann lebe auch so, dass du danach gefragt wirst! Die Menschen merken, ob man von oben herab ihnen etwas überstülpen will, oder ob ich erfüllt bin von dem, was und wie ich lebe. Auch das ist Mission und das geht ja auch virtuell mit den Möglichkeiten des Internets. Bei den Menschen zu sein, erstreckt sich auch auf die digitalen Kanäle.</p><p><em>Sie selbst sind auch auf Social Media unterwegs ...</em></p><p>Ja, und da erlebe ich, dass Menschen, die mit Kirche wenig zu tun haben und auch nicht zum Gottesdienst gehen, doch Bedürfnisse haben, die das alltägliche Leben übersteigen. Die melden sich und bitten etwa um ein Gebet für jemanden, der krank oder gestorben ist – oder zünden eine Kerze an. Das geht ganz konkret in unserer Marienkapelle im Kloster oder auch virtuell auf unserer Internetseite.</p><p><em>Was kann man von diesem Missionsverständnis als einfacher Christ, als Christin lernen?</em></p><p>Jeder Missionar ist zuerst ein Lernender. Der Blick nach innen, von was wir erfüllt sind, und der Blick nach außen, für wen wir da sein wollen, was wir erreichen wollen, gehören zusammen – Vision und Mission. Aber das gilt ja ganz grundsätzlich: Auch Firmen formulieren heute für sich oft eine „Vision“ und eine „Mission“ in ihrer Firmenphilosophie. Der Unterschied ist, dass es bei uns nicht um Quartalsabschlüsse und Zahlen geht, sondern unsere Botschaft langfristig angelegt ist und das ganze Leben betrifft, nicht nur die Arbeit.</p><p class="text-right"><em>Interview: Michael Kinnen</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Zur Person</h3><p>Pater Maurus Runge ist Missionsbenediktiner in der Abtei Königsmünster in Meschede. Als Missionsprokurator hält er Kontakt zu Klöstern weltweit.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72347</guid><pubDate>Fri, 08 May 2026 09:00:28 +0200</pubDate><title>Barrieren benennen und einreißen lassen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/barrieren-benennen-und-einreissen-lassen/</link><description>Die Veranstalter wollen Programm und Orte so gestalten, dass der Kreis der Teilnehmenden groß und vielfältig ist. Inklusionsaktivistin Evi Gerhard pocht auf diese Barrierefreiheit, auch auf einem Podium des Diözesan-Caritasverbands.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="88a47175-6db4-443a-8b06-29df212f5d80" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Evi Gerhard ist Aktivistin. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Maximalforderungen zu stellen. „Barrierefreiheit ist unverzichtbar: in Vortragsräumen, in Toiletten, online“, sagt sie. „Ich erwarte, dass 80 Prozent der Veranstaltungen beim Katholikentag barrierefrei sind: erreichbar mit dem Rollstuhl, nachzuverfolgen für Seh- und Hörbehinderte und für Personen, die Ruheräume benötigen oder eine Übersetzung in leichte Sprache.“</p><p>Hannah Aldenborg stellt sich den Maximalforderungen. Sie ist im Katholikentagsbüro für Barrierefreiheit zuständig. Aldenborg vermittelt zwischen den Ansprüchen von Personen mit Einschränkungen und den Möglichkeiten der Veranstalter. Eine barrierefreie Großveranstaltung über fünf Tage wird auch sie nicht gestalten können. „Aber wir versuchen, für alles eine Lösung zu finden“, verspricht sie, „und vor allem kommunizieren wir offen, was wir tun können und was nicht.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Barrierefreiheit bedingt Teilhabe aller</h3><p>Evi Gerhard hat Aldenborg samt Kolleginnen und Kollegen regelmäßig Rückmeldung gegeben zu Barrieren in der Stadt und im Katholikentagsprogramm. „Teilhabe heißt, trotz Einschränkungen an Aktivitäten aller Art teilnehmen zu können“, erklärt sie. „Barrierefreiheit ist die technische, bauliche Voraussetzung dafür.“</p><p>Deshalb hat sie auf Hürden aufmerksam gemacht, die ihr eine Teilnahme am Katholikentag erschweren: die nur durch einen barrierefreien Eingang an der Talavera erreichbare, unübersichtliche Kirchenmeile; klein gedruckte Symbole im Katholikentags-Programm; hohe Eintrittspreise; wenige online verfolgbare Veranstaltungen, Gebärdendolmetscher und barrierefreie Toiletten. „Und komme ich zu einer interessanten Veranstaltung im 3. Obergeschoss des Siebold-Gymnasiums?“</p><p>Fragen wie diese landen früher oder später bei Hannah Aldenborg –&nbsp; auch über einen Online-Fragebogen, bei dem etwa 200 Gäste des Katholikentags Angaben zum eigenen Unterstützungsbedarf gemacht haben. In den Wochen vor der Veranstaltung ist Aldenborg nun damit beschäftigt, die barrierefreie Unterbringung, An- und Abreise von Gästen zu organisieren, Sitzplatzkarten für die zentralen Veranstaltungen zu verschicken, die Beschilderung für die Veranstaltungsorte vorzubereiten, Gebärdendolmetscher einzuteilen sowie die Personen einzuarbeiten, die vor Ort ansprechbar sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gespräche mit den lokalen Experten</h3><p>Fragen zur Barrierefreiheit fallen auch auf die gastgebende Stadt zurück. In Würzburg kam deshalb der Beirat „Katholikentag barrierefrei“ seit Oktober 2025 monatlich zusammen, er bestand aus etwa zehn Personen aus der Würzburger Zivilgesellschaft und Verwaltung, mit und ohne Behinderung. Auch soziale Barrieren kamen hier zur Sprache: Denn trotz öffentlicher Förderung kostet eine Dauerkarte fürs Großevent 135 Euro, ein Tagesticket 39 Euro. Für viele ist das zu teuer. „Im Gegenzug kann alles, was draußen passiert, kostenlos besucht werden; dazu alle Gottesdienste und Livestreams. Ein gutes Basisangebot“, sagt Hannah Aldenborg.</p><p>Gespräche gab es auch mit dem Behindertenbeirat der Stadt und dem kommunalen Beauftragten Julian Wendel. Der lobt die „offene, engagierte, zielorientierte Netzwerkarbeit“. Nach Wendels Ansicht nehmen die christlichen Kirchen hierzulande eine Vorreiterfunktion in Sachen Inklusion ein. „Zwei Beispiele: Selbst alte, kleine Kirchen auf dem Land sind meist barrierefrei betretbar. Bei den Ministranten, in Jugendarbeit und Kinderkirche werden Gleichberechtigung, Teilhabe und Behinderung selbstverständlich thematisiert.“</p><p>Doch nütze das nichts, wenn es beim Katholikentag darum gehe, akute Bedürfnisse aller Besucher bei allen Veranstaltungen in allen Gebäuden zu erfüllen. „Das ist schlichtweg nicht möglich“, sagt Wendel. Die größtmögliche Barrierefreiheit sei nur mit deutlich mehr Geld, Personal und zeitlichem Vorlauf zu erreichen.</p><p>Ihren Ruf nach Barrierefreiheit wird Evi Gerhard auf dem Katholikentag wiederholen. Zum Motto „Ist es lohnend, Mut zu haben? Am Rand der Gesellschaft oder mit Mut mittendrin“ diskutiert sie dann mit Würzburgs ehemaligem Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Jürgen Dusel, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Keine Angst vor großen Namen</h3><p>Angst vor großen Namen kennt Evi Gerhard nicht. Sie weiß: „Ich habe genug Verbündete und brauche nur den letzten Funken Mut, um tatsächlich auf die Bühne zu gehen.“ Erzählen wird sie dann auch von den vielen Gesprächen, die nötig waren, bis sie ihren Platz in der Runde zum Thema Inklusion sicher hatte – und bis das Podium, neben der barrierefreien Erreichbarkeit für sie selbst, ergänzt war um Livestream und Gebärdensprach-Dolmetschung für das Publikum.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Alle Schwierigkeiten dokumentieren</h3><p>Für den Verlauf des Großevents hat sich Gerhard viel vorgenommen. Wenn alle Fahrdienste organisiert sind („in die überfüllte Straßenbahn traue ich mich während des Katholikentags nicht“), möchte sie dokumentieren, was ihr vor Ort Schwierigkeiten bereitet. Helfende Hände seien dabei herzlich willkommen. Währenddessen wird Hannah Aldenborg im Hintergrund Unterstützung vermitteln, wo sie nötig ist. „Niemand darf vor verschlossenen Türen stehen und ohne Hilfe bleiben“, sagt sie. Auch sie wird die Barrieren dokumentieren, damit sie beim Katholikentag 2028 verschwinden. Dafür wird sie die Impulse von Evi Gerhard dankbar annehmen.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p></section><section compid="86f9c197-985f-4fc1-9777-a8052fac6715" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p></p></section><section compid="c375613b-405f-4b73-9855-6e57e96303d6" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_1">Barrieren vor Ort?</h3><p>Wer vor und beim Katholikentag Fragen zur Barrierefreiheit hat, einen Begleit- oder Fahrdienstbenötigt, kann sich an die Service-Hotline wenden: Telefon 0931 870 93 002.</p><p>Am Würzburger Hauptbahnhof öffnet in Zusammenarbeit mit der Bahnhofsmission ein Infostand,an dem entsprechende Anliegen bearbeitet werden. Natürlich sind auch die Mitarbeitenden weiterer Servicepunkte ansprechbar.</p><p></p></section><section compid="65503114-32c4-4f09-a442-3b88a9cc6309" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p><strong>Das Podium mit Evi Gerhard</strong> wird vom Caritasverband für die Diözese Würzburg vorbereitet und findet am Donnerstag um 14 Uhr im Congress Centrum statt, auch im Livestream. Zudem hält sie den Workshop „Teilhabe schafft Vertrauen – mitmachen fördert Demokratie“ mit Stefan Lutz-Simon (Jugendbildungsstätte Unterfranken) am Samstag um 11 Uhr in der Demokratiekirche (Marienkapelle).</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72346</guid><pubDate>Fri, 08 May 2026 08:55:38 +0200</pubDate><title>Springer für die Pfarrbriefe</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/springer-fuer-die-pfarrbriefe/</link><description>Der Pfarrbriefexperte hatte meistens Standdienst. Auf kleinem Raum wurde er Teil einer großen Geschichte.</description><content:encoded><![CDATA[<p>An seinen ersten Katholikentag erinnert sich Johannes Simon bis heute. 1994 war das, die Gastgeberstadt hieß Dresden. Die Deutsche Einheit lag wenige Jahre zurück und Sachsens Hauptstadt beherbergte gläubige Christen aus dem ganzen Bundesgebiet. „Wir haben die Chance der offenen Grenze genutzt“, erinnert sich Simon. Er war damals im Bistum Würzburg für die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrei zuständig und fuhr mit einem Eichstätter Kollegen nach Dresden. Dort gaben sie bei einem Workshop Tipps, wie ein guter Pfarrbrief aufgebaut sein sollte.</p><p>In Dresden begegneten ihnen braunkohlehaltige Luft und die Reste der zerfallenen Frauenkirche. Aber die Laune sei gut gewesen, erzählt Simon: „Es herrschte Aufbruchsstimmung und wir waren froh, dabei zu sein. Es ergaben sich Kontakte zu Menschen mit anderer Lebenswelt und -geschichte. Das war damals ein guter Anfang.“ Heute sind alle ostdeutschen Bistümer ins Netzwerk Pfarrbriefservice.de eingebunden. Simon ist der Initiator des Netzwerks und leitete es von 2002 bis zu seinem Ruhestand 2025.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Nie zum privaten Vergnügen</h3><p>Gäbe es einen Pokal für die häufigste Teilnahme an Katholiken&shy;tagen, käme Simon wohl in die engere Auswahl. Seit 1994 war er bei fast jedem Katholikentag dabei und dazu noch bei den Ökumenischen Kirchentagen 2003 in Berlin, 2010 in München und 2021in Frankfurt am Main. Allerdings war er nie zum privaten Ver&shy;gnügen dort, sondern immer im Auftrag des Bistums Würzburg. „Meine Erfahrungen mit dem Katholikentag beziehen sich vorallem auf die Quadratmeter des Standes von Bistum und Pfarrbriefservice.de. Das ist mein Raum gewesen.“ Mit dem Pfarrbriefservice-Team und Mitgliedern des Diözesanrats der Katholiken erledigte Simon die Aufgaben am Stand: Gespräche führen, Probiermengen aus dem Bocksbeutel ausschenken, Tischkalender und Postkarten verteilen. Das Team empfing und betreute namhafte Persönlichkeiten aus dem Bistum Würzburg, etwa Bischof Dr. Franz Jung, die damalige Generaloberin Schwester Dr. Katharina Ganz oder den Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Peter Bofinger.</p><p>Der Katholikentag zog von Ort zu Ort. Auf die Hafenmetropole Hamburg folgte die Münsterstadt Ulm, auf Regensburg mit seinem Bischofssitz das weitgehend kirchenferne Leipzig. Eine erfolgreiche Präsenz beim Katholikentag hängt aus Simons Sicht aber nicht von der jeweiligen Stadt ab. „Es kommt darauf an, ein Thema zu setzen, das nicht nur für die kirchlichen Insider relevant ist“, bekräftigt er. Gelungen sei dies zum Beispiel 2008 in Osnabrück. Dort erwiesen sich Postkarten mit dem Aufdruck „Kinder bringen Farbe ins Leben“ als Renner. Das Standteam habe Tausende solcher Karten unter die Leute gebracht, erinnert sich Simon. 2014 in Regensburg standen Darsteller der Passionsspiele Sömmersdorf in ihren Originalkostümen am Stand. Mit Römerhelm, Brustpanzer und Langarm-Tunika zogen sie zahlreiche Besucher an. Auch diesen Katholikentag verbucht Simon als Erfolg.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">32 Jahre nach dem Auftakt</h3><p>Mittlerweile ist der Pastoralreferent 66 Jahre alt. Da er das Berufsleben hinter sich gelassen hat, steht bald eine Premiere an: 32 Jahre nach seinem Einstand beim Katholikentag wird er zum ersten Mal eine solche Versammlung privat besuchen. Auf diese Erfahrung in Würzburg freut er sich schon, wie er schmunzelnd durchblicken lässt: „Dann geht die Privatperson Johannes Simon zum Katholikentag und trinkt nun auch mal an einem Stand ein Schöppchen.“</p><p class="text-right"><em>Ulrich Bausewein</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72142</guid><pubDate>Sun, 03 May 2026 08:04:00 +0200</pubDate><title>„Vielleicht ist es wieder an der Zeit“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/vielleicht-ist-es-wieder-an-der-zeit/</link><description>Die Lesung aus der Apostelgeschichte verstehen viele als die Stelle, mit der das Diakonat eingesetzt wurde. Ganz so einfach ist es nicht, sagt der Theologe Andreas Müller. Und erzählt, welche Aufgaben Diakone hatten. Und welche Diakoninnen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.</p><p>Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.</p><p>Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 14,1–12</strong></p><section compid="8888C777-841E-4E0A-B2DA-37EC5FE9B129" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p><em>Herr Professor Müller, sind die Diakone aus der Apostelgeschichte vergleichbar mit Diakonen heute?</em></p><p>Da gilt es zunächst, mit einem Missverständnis aufzuräumen: Im sechsten Kapitel der Apostelgeschichte ist gar nicht von Diakonen die Rede. Dass dem Siebenerkreis um Stephanus so etwas wie ein Diakonenamt zugeschrieben wird, findet erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts statt. Diakonia heißt Dienst – und hier gleich zweimal: „Dienst des Tisches“ des Stephanus-Kreises und „Dienst des Wortes“ der zwölf Jünger. Das eine bezeichnet die Sorge um bedürftige Witwen, das andere die Wortverkündigung. Diakonia meint hier also keineswegs nur karitative Tätigkeit.</p><p><em>Welche Aufgabe hatten die ersten Diakone dann?</em></p><p>Wenn Diakone – bei Paulus auch Diakoninnen – erwähnt werden, geht es wohl um Gemeindeleitung. Das bezieht sich auf die Verwaltung des Geldes, aber Diakone waren auch Gesandte und Repräsentanten ihrer Gemeinde zu anderen Gemeinden, um dort zu berichten. Dem Wort nach ist ein Diakon ein für einen Dienst Beauftragter – und zwar neben den Episkopen, die später dann mit den Bischöfen identifiziert werden. Der Auftrag kommt zunächst von der Gemeinde, nicht vom Bischof.</p><p><em>Eine Unterordnung im dreigliedrigen Amt von Bischöfen, Priestern und Diakonen gab es also nicht?</em></p><p>Zumindest nicht in den neutestamentlichen Texten. Das kam erst später mit der Institutionalisierung und Organisation der Kirche. Das ist Folge einer sehr langen Entwicklung mit vielen Veränderungen.</p><p><em>Wann begann das?</em></p><p>Zum Ende des zweiten und Beginn des dritten Jahrhunderts kam immer mehr die Frage auf, wer die Gemeinde leiten soll. Das wurde dann der Bischof, der damit auch der einzige Leiter der Gemeinden wurde. Man spricht von dem monarchischen Episkopat. Erst ab da ordnete sich ein Diakon dem Bischof unter. Je institutioneller die Kirche wurde, desto mehr haben sich dann solche Ämter herausgebildet, wie wir sie heute kennen.</p><p><em>Und wie sieht es mit den karitativen und mit den liturgischen Aufgaben für Diakone aus?</em></p><p>Die wurden im Lauf der Jahrhunderte immer präziser festgelegt. Die Witwenversorgung, wie sie in der Apostelgeschichte erwähnt wird, hat schon eine lange Tradition, auch im Judentum. Die liturgischen Aufgaben, etwa bei der Taufe, sind keineswegs nur Assistenz, sondern in manchen Texten eigenständige Aufgaben. Allerdings ist die Eucharistiefeier da ausgenommen. Die Hauptaufgabe war aber die Leitung.</p><p><em>Das klingt für heutige Ohren ungewohnt und etwas überraschend.</em></p><p>Ja, für Diakone, die sich mehr Einfluss in der Gemeinde wünschen oder auch für Frauen, die einen Zugang zum diakonischen Amt wollen, sind das spannende Texte.</p><p><em>Sie sagten gerade, dass Paulus aus den damaligen Gemeinden auch weibliche Diakone kannte?</em></p><p>Das Wort „diakonos“ kann je nach Artikel sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet werden. Es gab sicher belegt Frauen mit dem Titel „Diakon“. Die waren möglicherweise auch in der Gemeindeleitung tätig. Die Protagonistin für weibliche Diakone war Phoebe, diakonos der Gemeinde von Kenchreae in der Nähe von Korinth, wie es im Römerbrief heißt. Sogar Paulus ordnet sich ihr unter und bezeichnet sie als seine „Patronin“ – was auch immer das konkret heißen mag. Auf jeden Fall hatten Frauen – auch etwa Iounias oder Lydia – eine starke Stellung in den paulinischen Gemeinden.</p><p><em>Das hat sich dann aber geändert …</em></p><p>Es gibt eine syrisch überlieferte Kirchenordnung aus dem dritten Jahrhundert, in der die Diakoninnen mit einem eigenen Amt gegen Witwen abgegrenzt werden. Witwen waren oft nicht nur Frauen, die ihre Männer verloren hatten, sondern vielen von ihnen kamen eigene Aufgaben zu, etwa in der Caritas oder im Gebet. Diakoninnen dagegen wurden klar dem Bischof untergeordnet und damit zwar mit einem eigenen Amt ausgestattet, aber eben domestiziert. Die großen ökumenischen Konzilien haben das dann nach und nach ausgestaltet, aber es ist unumstritten, dass es ein Diakonenamt für Frauen gab. Was das für heute bedeutet, bleibt aber offen.</p><p><em>Welche Aufgaben hatten Diakoninnen?</em></p><p>Bei den Erwachsenentaufen waren sie oft assistierend tätig, wenn es um Ganzkörpersalbungen bei Frauen ging. Das ist dann auch eine liturgische Aufgabe. Ein anderes Beispiel sind Hausbesuche in Haushalten, in denen es für Männer anstößig gewesen wäre, sie zu betreten – etwa, weil Nichtchristen dazugehörten.</p><p><em>Wo gibt es heute in der christlichen Ökumene Diakoninnen?</em></p><p>Koptische Christen pflegen das Amt schon lange wieder. Die griechische Orthodoxie diskutiert es. Dabei geht es dann nicht nur um eine karitative, sondern auch um eine liturgische Rolle in den Gemeinden. Der orthodoxe Patriarch von Alexandrien hat kürzlich sogar eine entsprechende Weihe durchgeführt. In der frühen Kirche ist nicht einheitlich geregelt, ob es eine Handauflegung oder gar eine Weihe für Frauen in diese Ämter geben soll.</p><p><em>Wo sehen Sie als Historiker die Lehren aus dieser Geschichte?</em></p><p>Die Kirchen sind heute in einer großen Umbruchsphase; das bezieht sich nicht nur auf den Personalmangel, sondern auch auf Gemeindestrukturen. Da sollte man überlegen: Was ist theologisch möglich und historisch sogar schon erprobt? Es gab Zeiten, in denen weder die Gemeindeleitung durch Diakone noch die Einsetzung von weiblichen Diakonen theologisch ein Problem war; die damaligen Zeitumstände förderten es sogar. Vielleicht ist es heute in Europa wieder an der Zeit, darüber auch in der katholischen Kirche ernsthaft nachzudenken.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Interview von Michael Kinnen</em></p></section><section compid="4AD0E89C-EEF9-4AE5-88C8-E98003336B63" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Andreas Müller studierte Evangelische Theologie in Bethel, Bern und Heidelberg und Orthodoxe Theologie in Thessaloniki. Er ist Professor für Kirchen- und Religionsgeschichte des 1. Jahrtausends an der Universität Kiel.</p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-72181</guid><pubDate>Thu, 30 Apr 2026 13:21:21 +0200</pubDate><title>Leser gehen auf Reisen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/leser-gehen-auf-reisen/</link><description>Unter dem Motto „Auf den Spuren des Apostels Paulus“ erkundet das Würzburger katholische Sonntagsblatt im Oktober antike Stätten in Griechenland.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="328467A3-D3FA-4C16-B804-8C5B31F5EF58" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Pfarrer Frank Elsesser freut sich schon auf die nächste Leserreise des Würzburger katholischen Sonntagsblatts: „Die griechische Kultur und Geschichte hat mich schon immer interessiert“, erzählt der Teampfarrer im Pastoralen Raum Würzburg links des Mains. Trotzdem sei er noch nie dort gewesen. Von Mittwoch, 21., bis Mittwoch, 28. Oktober, begleiten er und Redaktionsleiter Ralf Ruppert die nächste Leserreise der Bistumszeitung.</p><p>Im Programm hat sich Elsässer bereits die Station Korinth vorgemerkt. „Die Korinther-Briefe sind mir sehr wertvoll“, sagt Elsesser. Die Texte des Apostels Paulus seien ihm besonders vertraut. „Die Paulus-Texte verbinden das Leben Jesu mit der Zeit.“ Paulus habe dazu beigetragen, die christliche Welt zu weiten. In Vorbereitung auf die Reise habe er sich zudem über die Meteora-Klöster informiert, die wie riesige Adlerhorste auf hohen Felsen gebaut wurden.</p><p>Pfarrer Elsässer ist bei der Leserreise für die geistliche Begleitung zuständig. Er bietet unter anderem an den acht Tagen Gespräche an. Auf der Fahrt zum Flughafen wird es zudem einen spirituellen Impuls und einen Reise-Segen geben. Außerdem feiert Pfarrer Elsässer mindestens einen Gottesdienst mit der Reisegruppe, voraussichtlich am Sonntag, 25. Oktober, in Delphi. Details werden aber noch geklärt.</p><p>Die Reise verspricht eine Verbindung aus antiker Geschichte, frühchristlicher und byzantinischer Spiritualität, Begegnungen mit den Wurzeln Europas und mediterraner Lebensfreude. Busse holen die Teilnehmer am Mittwoch, 21. Oktober, in Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg ab. Um 14.40 Uhr hebt das Flugzeug nach Thessaloniki in Frankfurt ab. Am Abend sind der Bezug des Hotels und ein Abendessen vorgesehen. Vor Ort wartet eine deutsch sprechende Reiseleitung. Um die Wege kurz zu halten, wechselt die Gruppe drei Mal das Hotel. Erste Station am Donnerstag, 22. Oktober, ist Philippi. Der Apostel Paulus besuchte die 360 vor Christus gegründete Stadt während seiner Missionsreise und gründete dort die erste christliche Gemeinde Europas. Nach dem Besuch von Agora, Theater und Basilika geht es weiter nach Kavala, dem antiken Neapolis, wo Paulus europäischen Boden betrat.</p><p>Am Freitag, 23. Oktober, steht eine Stadtrundfahrt durch Thessaloniki an. Nach zwei Nächten im ersten Hotel fährt die Reisegruppe weiter in die beiden antiken Orte Veria und Vergina. Übernachtet wird in Kalambaka unterhalb der Meteora-Felsen, dem Reiseziel für Samstag, 24. Oktober: Die Klöster dort gehören zum Unesco-Weltkulturerbe und zu den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Griechenlands. Die Sonntagsblatt-Leser besuchen zwei Klöster mit einzigartigen Wandmalereien. Am Abend geht es zur Übernachtung nach Delphi, wo die Gruppe den größten Teil des Sonntags verbringt.</p><p>Am Sonntagabend bringt der Bus die Gruppe zur Klosteranlage Ossios Lukas und in den Küstenort Mati, rund 30 Kilometer von Athen entfernt, wo die Gruppe die verbleibenden drei Tage übernachtet. Den Montag, 26. Oktober, können die Teilnehmer entweder eigenständig verbringen oder einen Ausflug auf die Halbinsel Peleponnes mit Stationen in Korinth, Mykene und Epidaurus buchen. Für Dienstag, 27. Oktober stehen Athen mit der Akropolis und Kap Sounion im Programm. Am Mittwoch, 28. Oktober, landet das Flugzeug voraussichtlich um 16.20 Uhr in Frankfurt, von wo die Gruppe wieder mit dem Bus abgeholt wird.</p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p></section><section compid="3F976729-56DF-48CE-AE97-FD7F27056963" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p></p></section><section compid="0568110C-8C82-4FB3-B291-062F0D952B1B" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_2">Anmeldung</h3><p>Weitere Informationen gibt es direkt beim Würzburger katholischen Sonntagsblatt. Ein ausführliches Programm mit Zeiten, Preisen und Geschäftsbedingungen können Sie anfordern unter 0931 386-11220 oder per Mail an <a href="mailto:info@sobla.de">info@sobla.de</a>.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-72001</guid><pubDate>Sun, 26 Apr 2026 12:58:00 +0200</pubDate><title>„Geh da durch, du schaffst das“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/geh-da-durch-du-schaffst-das/</link><description>„Lasst euch retten!“, beschwört Petrus in der Lesung seine Zuhörer. Dass der eigene Wunsch, gerettet zu werden, entscheidend ist, weiß auch Pater Christian. Er hilft auf einem besonderen Hof Suchtkranken, ins Leben zurückzufinden.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.</p><p>Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.</p><p>Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 10,1–10</strong></p><p></p><p>„Du musst Bock auf dieses Leben haben“, sagt Pater Christian. Jeder Mann, der sich bei ihm auf der Fazenda da Esperanca im brandenburgischen Nauen vorstellt, hört diesen Satz. Es sind Männer, die eine Suchterkrankung haben – und auf dem „Hof der Hoffnung“ einen Neustart wagen wollen. „Die eigene Motivation ist dafür entscheidend“, sagt Pater Christian. Jeder Bewerber muss ein Motivationsschreiben verfassen und kann zu einem Probe-Wohnen kommen, ehe er sich für zwölf Monate der Gemeinschaft auf dem Hof anschließen kann.</p><p>„Wir nehmen niemanden, der uns einfach von der Justiz geschickt wird“, sagt Pater Christian und denkt dabei an die Frage Jesu: Was willst du, dass ich dir tue? „Der Blinde sagt, dass er wieder sehen möchte. Erst dann heilt Jesus ihn. Er muss aktiv werden. Jesus tut nichts gegen seinen Willen.“ So passt auch das Wort aus der Apostelgeschichte an diesem Sonntag: „Lasst euch retten“, ruft Petrus den Menschen zu, die sich um ihn und die anderen Apostel versammelt haben. Sie müssen selbst tätig werden, müssen das Leben als Christ wirklich wollen und sich dafür entscheiden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kein Alkohol, kein Internet</h3><p>Die „Höfe der Hoffnung“, die Fazenda da Esperanca, wurden 1983 in Brasilien gegründet. Mitglieder der Kirchengemeinde der Stadt Guaratingueta bei Sao Paulo hatten damals den Wunsch, das Evangelium in die Tat umzusetzen. Ein junger Mann namens Nelson nahm sich einen Satz aus dem Paulusbrief besonders zu Herzen: „Ich bin dem Schwachen ein Schwacher geworden.“ Täglich lief er auf dem Weg zu seiner Arbeit an einer Gruppe Drogenabhängiger vorbei. Schließlich unterhielt er sich mit einem Mann, der ein Armband knüpfte – und besuchte ihn und die anderen fortan regelmäßig. „Nicht, um zu missionieren oder sie vom Drogenkonsum abzuhalten, sondern um Freundschaft mit ihnen zu leben“, sagt Pater Christian, der selbst viele Jahre in Brasilien lebte. Irgendwann vertraute jener Drogenabhängige Nelson an, dass er die Drogen hinter sich lassen will – und Nelson half ihm beim Entzug. „Mit Nelson und Antonio, dem ersten Rekuperanten, hat unsere Arbeit begonnen“, sagt Pater Christian.</p><p>Auf dem Gut Neuhof in Brandenburg führt er sie weiter. Momentan leben dort 15 Männer. Sie haben eine Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht oder leiden unter Depressionen. „Ich weiß von einem Mann, der die letzten zwei Jahre nur im Bett gelegen hat. Ihm fehlte jeder Antrieb“, sagt Pater Christian. Um auf dem Hof zu leben, müssen die Männer erst einen Entzug machen und dann in der Lage sein, sich an die Regeln zu halten: keine Drogen, kein Alkohol, keine Zigaretten – und kein Internet oder Telefon. „Es geht darum, neue Beziehungen aufzubauen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, sagt Pater Christian – weit weg von allen Reizen, die wieder zur Sucht führen könnten. In den ersten drei Monaten darf auch die Familie nicht zu Besuch kommen, nur das Schreiben von Briefen ist jederzeit möglich.</p><p>Der Geistliche erlebt, dass sich die Bewohner in der Gemeinschaft oft schnell weiterentwickeln, dass die Männer sich verändern, dass sie gerettet werden wollen. Er erinnert sich an einen Mann, der schon im ersten Brief an seine Mutter schrieb, er fühle sich auf dem Hof wohl. „Die Mutter erzählte mir, er habe sich seit mehr als drei Jahren nirgends mehr wohlgefühlt“, sagt Pater Christian. Oder ein 16-Jähriger, der nach dem Probe-Wohnen am liebsten gleich auf dem Hof geblieben wäre, weil er sich dort so gut aufgenommen fühlte. Oder ein Rockmusiker, der sich nach einem Monat auf dem Hof die lange Mähne abschnitt. „Keiner hatte ihm gesagt, er solle sich die Haare schneiden. Aber es war sein Ausdruck für die Veränderung.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Wir geben aufeinander acht“</h3><p>Die Männer auf dem Hof stützen sich gegenseitig beim Kampf gegen die Sucht. „Wir leben wie in einer Familie“, sagt Pater Christian. „Wir geben aufeinander acht, sind füreinander da.“ Wenn der Wunsch nach einem Joint oder einem Schluck Schnaps übermächtig wird, dann sind es die ehemaligen Bewohner des Hofes, die heute noch zu Besuch kommen oder mithelfen und sagen: „Ey, mir ging es genauso. Geh da durch, du schaffst das.“ Das sporne an durchzuhalten, sagt Pater Christian.</p><p>Die Männer leben gemeinsam – und sorgen auch gemeinsam für ihren Unterhalt. Sie arbeiten auf dem Hof, im Stall, im Garten, im Gästehaus oder im Hofcafé. Jeder trägt zum Unterhalt bei. Und jeder nimmt an den Gebetszeiten und Gottesdiensten teil. „Das religiöse Programm ist bei uns Pflicht“, sagt Pater Christian. Fünfmal in der Woche feiern sie die Heilige Messe, morgens wird der Rosenkranz gebetet und das Tagesevangelium gehört. „Wir nehmen einen Satz daraus und gehen mit diesen Worten durch den Tag. Zum Beispiel: Hab Mut, dich zu verändern. Und am Abend schauen wir noch einmal, wo es uns gelungen ist, dieses Wort zu leben.“</p><p>Die Einbindung in die katholische Spiritualität sei sicherlich das Ungewöhnlichste bei dieser Form der Suchttherapie. „Die Männer hier sind nicht alle Christen oder gläubig und die müssen auch nicht katholisch werden“, sagt Pater Christian. „Aber sie müssen bessere Menschen werden. Wir helfen ihnen, dass sie lernen zu lieben – sich und die anderen.“ Er müsse Gott nicht zu den Männern bringen. „Jeder Mensch ist gut. In jedem Menschen ist Gott schon da. Ich werde nie an den Punkt kommen zu sagen: Ich habe keine Hoffnung mehr für dich.“</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><p class="text-right"></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Hintergrund</h3><p>Weitere Informationen zur christlichen Suchthilfe auf den verschiedenen Höfen der Fazenda da Esperanca finden Sie unter <a href="https://www.fazenda.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.fazenda.de</a>. Pater Christian erreichen Sie per E-Mail: <a href="mailto:gut-neuhof@fazenda.de">gut-neuhof@fazenda.de</a></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71874</guid><pubDate>Sun, 19 Apr 2026 15:11:00 +0200</pubDate><title>Geteiltes Brot, geteilter Keks</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/geteiltes-brot-geteilter-keks/</link><description>Kann man anderen den Glauben erklären, wie Jesus es bei den Emmausjüngern versucht? Worte reichen nicht. Es braucht noch mehr, sagt Dorothea Allgäuer von den Kleinen Schwestern Jesu. </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah: Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.</p><p>Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn?</p><p>Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.</p><p>Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!</p><p>Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah: Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.</p><p>Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Lukasevangelium 24,13–35</strong></p><section compid="5BD47306-7249-4D78-A3E9-A446ED85AEDA" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Es sind fast immer ihre Mitmenschen und oft die Nichtgläubigen oder die Andersgläubigen, durch die Dorothea Allgäuer ihrem eigenen Glauben näherkommt. So fühlt sie es zumindest. Dabei ist ihr der Glaube von Kindheit an vertraut.</p><p>Dorothea (52) gehört zur Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu und möchte entsprechend der Geschwisterlichkeit, die sie mit allen zu leben versucht, in diesem Text mit Vornamen genannt werden.</p><p>Eigentlich sollte es im Interview mit ihr darum gehen, wie man als gläubiger Mensch anderen den Glauben erklärt, so wie Jesus den Emmausjüngern erklärt, dass er auferstanden ist. Die beiden sind schockiert über seinen Tod und gehen von Jerusalem, dem Ort seiner Kreuzigung, weg. Auf dem Weg gesellt Jesus sich zu ihnen. Aber trotz seiner kundigen Worte verstehen sie ihn nicht.</p><p>Dorothea liebt diese Geschichte; sie erinnert sie daran, wie sie selbst mit Jesus in Kontakt gekommen ist. Erklärungen und Glaubenswissen waren dabei nützlich, haben sie aber irgendwann nicht mehr weitergeführt. Stattdessen war es das Mitleben mit anderen Menschen, durch das sie etwas vom Glauben an Gott begriff. So wie vor Jahrzehnten bei einem Freiwilligeneinsatz, einer Mission auf Zeit in Kirgisistan.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Es ist ein Geben und ein Nehmen</h3><p>„Ich habe Menschen getroffen, die hatten nichts, die waren arm bis aufs Hemd und haben mir doch so eine Zufriedenheit und Lebensfreude entgegengebracht.“ Sie fragte sich, warum alles, was sie besaß, sie dennoch so unerfüllt zurückließ. Den Menschen in Kirgisistan habe sie es zu verdanken, dass sie ihr Leben umgekrempelt hat, sagt die Ordensfrau. Sie wollte „ein Stück weit werden wie sie – freier von Besitz und was man tut und hat, und freier für Gott und die Mitmenschen“.</p><p>Glauben komme eben „nicht von oben, nicht von jemandem, der alles erklärt und alles weiß“, sagt sie. Stattdessen sind es Beziehungen und das gemeinsame Leben, „dieses Gegenseitige, das für uns ganz wichtig ist“. So war es ja auch bei den Emmausjüngern. Sie erkannten Jesus nicht durch das, was er ihnen erklärte, sondern als er mit ihnen das Brot brach.</p><p>Mit ihrer Gemeinschaft lebt Dorothea dort, wo man „eine Ordensfrau nicht unbedingt erwarten würde“, sagt sie: in einer Wohnung in einem Plattenbau am Stadtrand von Halle an der Saale. Obwohl sie ausgebildete Krankenpflegerin ist, arbeitet sie als Küchenhilfe in einer Großküche. So wie alle Kleinen Schwestern und Kleinen Brüder Jesu verdient sie den Lebensunterhalt ihrer Gemeinschaft mit geringbezahlten Tätigkeiten, für die man keine Ausbildung braucht.</p><p>Sind es dann also Nachbarinnen und Kollegen, mit denen Glaubensgespräche entstehen? „Ich spüre, dass die Menschen nicht als Erstes nach dem Glauben fragen“, sagt Dorothea. „Es ist eher so, dass die Menschen Interesse an meiner Lebensform als Ordensfrau haben. Manchmal ergeben sich dann auch tiefere Gespräche.“</p><p>Dass sie in einer katholischen Gemeinschaft lebt, kann man ihr nicht immer ansehen. Sie trägt kein Ordenskleid und das kleine Holzkreuz und den Ring muss sie vor der Küchenarbeit ablegen. Wenn sich herausstelle, dass sie Ordensfrau ist, hätten ihre Kolleginnen und Kollegen weniger Vorurteile und sagten sich, „die ist normal, die ist wie wir, die will uns nicht bekehren“, erzählt Dorothea. „Diese Vertrauensbasis, diese Freundschaft, die da entsteht, öffnet Türen, um miteinander zu leben.“ So wie bei ihr und einem muslimischen Kollegen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Wir waren gemeinsam auf dem Weg“</h3><p>Die Ordensfrau erzählt, wie dieser Kollege trotz der schweren Küchenarbeit den Ramadan, die muslimische Fastenzeit, eingehalten hat. Dorothea war tief beeindruckt, dass er bis zum Sonnenuntergang nichts aß und trank. Sie hinterfragte dann ihr eigenes Fasten: „Bin ich zu lax?“ Und sie tröstete ihren Kollegen, der einmal darunter litt, dass er am Vortag während der Arbeit einen Schluck Wasser getrunken hatte. Sie sagte ihm, dass Gott auch barmherzig ist und gewiss nicht strafen kann, dass man bei Hitze einen Schluck Wasser zu sich nimmt. So stellt sich Dorothea&nbsp; den Weg der Emmausjünger vor: „Es ging um etwas, das uns beiden sehr wertvoll war, wir waren gemeinsam auf dem Weg.“</p><p>Dann erzählt sie von einer Begegnung in ihrer Gemeinschaft. Die Arbeitskollegin einer ihrer Mitschwestern war zu Besuch. Bei Kaffee und Keksen entstand ein angeregtes Gespräch. Die junge Frau sagte etwas traurig, sie könne nicht an einen Gott als Person glauben, vielleicht gebe es aber so was wie eine höhere Macht. Dorotheas Mitschwester antwortete ihr: „Schau doch mal, wie du in deinem Leben geführt worden bist, da ist etwas ganz Lebendiges in dir. Ich nenne es Gott, du nennst es anders.“ Irgendwann sagte die Kollegin: „Ja, so verstehe ich es.“</p><p>Für Dorothea ist das eine Emmausgeschichte. Die beiden Jünger erkannten den auferstandenen Jesus ja nicht, als er ihnen die Bibel erklärte, sondern als sie miteinander aßen. Dorothea sagt: „Ich glaube, dass bei der gegenseitigen Gastfreundschaft Gott anwesend ist, beim Brotbrechen und bei einem geteilten Keks.“<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p></section><section compid="8A376CFE-CCF2-45DF-AFBA-0786FC7EE367" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Dorothea Allgäuer gehört zur Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu, deren Lebensweise auf Charles de Foucauld und Magdeleine Hutin zurückgeht. Genauso wie die Kleinen Brüder Jesu wollen sie in Freundschaft mit Menschen verschiedener Herkunft und Kulturen leben.</p><p><a href="https://kleineschwesternjesu.net/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.kleineschwesternjesu.net</a></p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71711</guid><pubDate>Sun, 12 Apr 2026 11:43:00 +0200</pubDate><title>Streck deine Hand aus!</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/streck-deine-hand-aus/</link><description>Thomas will die Wunden Jesu anfassen. Er meint, erst dann begreifen zu können, dass sein Freund nicht mehr tot ist, sondern lebt. Bis heute wollen Menschen berühren oder küssen, was ihnen heilig ist. Drei Theologen erklären, warum das wichtig ist.   </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!</p><p>Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.</p><p>Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.</p><p>Thomas, der Didymus – Zwilling – genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.</p><p>Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!</p><p>Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.</p><p>Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt inseinem Namen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 20,19–31</strong></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Muttergottes</h3><p>Wie wichtig und prägend eine Berührung sein kann, hat Richard Schu-Schätter bei seiner Mutter erlebt. Die durfte 1933 als Fünfjährige bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier die Reliquie berühren. „Schon damals war das eigentlich verboten. Nur kleine Kinder wurden zum Rock hochgehoben“, sagt er. Seine Mutter hätte noch auf dem Sterbebett von diesem Moment erzählt. „Diese kurze Berührung hat sie ihr ganzes Leben begleitet.“</p><p>Schu-Schätter arbeitet als Pilgerseelsorger im münsterländischen Telgte. Er kann nachvollziehen, warum es den Gläubigen, die etwa mit den großen Fußwallfahrten aus Osnabrück oder Altenrheine in die Stadt kommen, so wichtig ist, das Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes zu berühren. „Die Leute haben einen kilometerlangen, anstrengenden Marsch hinter sich. Jetzt sind sie angekommen und können all das, was ihnen unterwegs durch Kopf und Herz gegangen ist, vor Maria abladen.“ Für viele sei es schon ausreichend, das Gnadenbild zu sehen, und in den Kirchenbänken zu verweilen. „Für manche ist aber auch die Berührung wichtig. Das ist nochmal intensiver“, sagt Schu-Schätter.</p><p>Der Pastoralreferent hat beobachtet, wie die Gläubigen nach vorne kommen, den Fuß oder den Sockel der Statue berühren, kurz innehalten, vielleicht eine Kniebeuge machen, das Kreuzzeichen schlagen. Die Berührung sei ein Zeichen der Verbundenheit – mit dem eigenen Glauben, mit Maria und mit all den Pilgern, die in den Jahrhunderten zuvor nach Telgte gekommen sind. „Es ist ein urmenschliches Bedürfnis etwas zu berühren. Wir begreifen durch Berührung“, sagt Schu-Schätter. Die Muttergottes anzufassen, sei ein Beten mit dem Körper.</p><p>Dabei müsse man immer im Blick haben, das kunsthistorisch wertvolle Stück zu schützen. „Noch gibt es keine Veränderungen am Sockel. Da ist nichts abgenutzt oder blank geputzt“, sagt der Seelsorger. Die Konservatorinnen hätten ein wachsames Auge darauf. „Aber es ist eben auch kein Museumsstück, sondern ein Andachtsgegenstand und der lebt davon, dass Menschen in Beziehung mit ihm sind.“</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Die Mesusa</h3><p>Die Sache mit dem Berühren ist im Judentum gar nicht so einfach, sagt Rabbiner Daniel Fabian. Denn manches „ist einfach zu heilig, als dass man es berühren dürfe“. Die längst verschollene Bundeslade zum Beispiel. „Wenn sie transportiert wurde, trug man sie auf Stangen.“</p><p>Heute erkennt man diese Idee an dem Yad, einer Art Zeigestock, der in einem kunstvollen Finger endet, und den diejenigen benutzen, die im Gottesdienst aus der Tora-Rolle vorlesen. „Einerseits weil der eigene Zeigefinger die Tinte verschmieren könnte“, sagt Fabian. „Wichtiger ist aber, dass die Torarolle, das Wort Gottes, so heilig ist, dass man sie nicht anfassen soll.“</p><p>Was viele Juden berühren, ist die Mesusa, die kleine Kapsel, die sie am Türstock ihrer Wohnungen befestigt haben. Darin steckt ein Pergament mit den ersten beiden Absätzen des jüdischen Glaubensbekenntnisses Schma Israel. Fabian sagt: „Eine Mesusa an der Tür zu haben, ist eine Vorschrift aus der Tora. Sie beim Hinein- oder Hinausgehen zu berühren, davon ist keine Rede.“ Warum wird es trotzdem oft gemacht? „Es hilft, sich den Glauben bewusst zu machen, ihn nicht zu vergessen“, sagt Fabian. Deshalb berühren orthodoxe Juden, die die traditionellen Gebetsriemen tragen, sie mehrmals während des Gebets. „Auch in den kleinen Kästchen am Arm und vor der Stirn steckt das Schma Israel. Wenn wir sie berühren, wollen wir uns das Gebet vergegenwärtigen, es bewusst spüren.“</p><p>Näher zu Gott zu kommen, indem man etwas berührt, diese Vorstellung gibt es im Judentum dagegen nicht. Für einen Glauben, der sogar Bilder verbietet, wäre das befremdlich. Vielleicht hat der Jude Thomas den auferstandenen Jesus deshalb schlussendlich doch nicht berührt. Vielleicht war er einfach zu heilig, um ihn anzufassen.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_3">Die Ikone</h3><p>Wer jemandem zur Begrüßung einen Kuss schenkt, sagt: Du bedeutest mir viel, ich liebe dich. Für Christinnen und Christen der byzantinischen Tradition ist das Küssen auch eine Geste für Gott.</p><p>Zum Beispiel, wenn sie eine Kirche betreten. Nahe hinter dem Eingang steht ein kleiner Tisch, Tetrapod genannt. Darauf liegt eine Ikone, die entweder Jesus, die Gottesmutter Maria, die Kirchenpatrone oder die Heiligen des Tages zeigt. Die Gläubigen treten heran, bekreuzigen sich, beugen sich zu der Ikone herunter und küssen sie.</p><p>„Indem ich die Ikone küsse, verehre ich Gott und die Heiligen, die auf der Ikone dargestellt sind“, sagt Nazariy Yasinovskyy, der Pfarrer der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Osnabrück. „Die Ehre, die wir dem Bild erweisen, geht auf das Urbild über. Es ist wie mit dem Foto eines geliebten Menschen“, sagt Yasinovskyy. „Wir schauen das Foto an und küssen es, es ist ein Ausdruck der Liebe zu diesem Menschen.“</p><p>Ihm ist wichtig, dass die Geste nicht der Ikone an sich gilt. „Ikonen sind keine Götterbilder“, sagt er, wer sie küsst, ehrt nicht das Bild, das Holz oder das Kunstwerk, sondern Gott und die Heiligen, die durch die Ikonen gegenwärtig sind.</p><p>Das Küssen der Ikonen ist byzantinischen Christinnen und Christen so wichtig, dass es ein eigenes Fest dafür gibt. Mit dem Fest der Orthodoxie am ersten Fastensonntag erinnern sie an das Jahr 787, in dem es wieder erlaubt wurde, Ikonen zu verehren. Bis dahin fürchtete man, dass Ikonen als Götterbilder missverstanden werden.</p><p>Für Pfarrer Yasinovskyy ist die Sache klar: „Mit dem Kuss sage ich Gott, dass ich mit ihm verbunden bin und dass ich ihm noch näher sein möchte.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71738</guid><pubDate>Wed, 08 Apr 2026 13:56:19 +0200</pubDate><title>Ideen gefragt</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/ideen-gefragt/</link><description></description><content:encoded><![CDATA[<section compid="658DCCF7-360F-4E30-960E-657DD31DC0CB" complabel="titel" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-gross%3aHead_Charter_45_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro45Roman" para_overrideid="p_1">1. Welche Texte und Motive wir uns wünschen:</h3></section><section compid="765D7E15-18C8-4167-9595-580BDEE0AD7F" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Das Würzburger katholische Sonntagsblatt sucht Ihre Geschichten und Fotos von zurückliegenden Katholikentagen und von den Vorbereitungen auf den 104. Katholikentag in Würzburg. Sie zehren bis heute von einem schönen Gemeinschaftserlebnis, haben bleibende Kontakte geschlossen oder einen netten Schnappschuss gemacht? Sie treffen sich regelmäßig, um einen Auftritt in Würzburg vorzubereiten? Sie erkunden schon einmal die Veranstaltungsorte? Dann teilen Sie das gerne mit uns. Wenn Sie möchten, können Sie dabei die Playmobil-Figuren der Frankenapostel in Szene setzen. Oder Sie schicken uns einfach so eine Szene mit den bunten Kunststoff-Figuren.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_5">2. Wie Sie sich am Gewinnspiel beteiligen können:</h3><p>Bitte schicken Sie uns Texte mit maximal 1500 Zeichen. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine handschriftlichen Aufzeichnungen übertragen, um Fehler zu vermeiden. Bei den Fotos wählen Sie bitte maximal zwei Motive aus, schicken Sie uns keine Videos oder Bilderserien. Bitte kurze Erläuterung, wer und was abgebildet ist. Am besten lassen Sie uns das Material per Mail an info@sobla.de zukommen, maximal 20 MB pro Mail, bitte mit Kontaktdaten für Nachfragen sowie bei Fotos mit Vor- und Zuname des Fotografen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_7">3. Was mit den Texten und Bildern passiert:</h3><p>Eine Auswahl des eingereichten Materials wollen wir in der letzten Ausgabe vor dem Katholikentag veröffentlichen. Diese erscheint zum 10. Mai, Einsendeschluss beim Gewinnspiel ist deshalb am Mittwoch, 22. April. Zum anderen stellen wir einen Teil der Einsendungen beim Katholikentag aus: Von Donnerstag, 14. Mai, bis Samstag,16. Mai, können Sie die Ergebnisse in der Austauschbücherei des Medienhauses der Diözese Würzburg (Kardinal-Döpfner-Platz 5) anschauen. An allen drei Tagen gibt es von 12 bis 12.45 Uhr auch Führungen durch die Redaktion des Sonntagsblatts. Bei allem, was Sie uns schicken, setzen wir voraus, dass wir die Texte und Bilder auch veröffentlichen dürfen, also insbesondere die abgebildeten Personen einverstanden sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold" para_overrideid="p_9">4. Was Sie gewinnen können:</h3><p>Als Dankeschön verlosen wir unter allen Teilnehmern 20 Preise im Gesamtwert von rund 400 Euro, von der Eintrittskarte für den Katholikentag über die Playmobil-Frankenapostel bis zu Büchern. Siehe Übersicht unten. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />(raru)</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71541</guid><pubDate>Sun, 05 Apr 2026 08:28:00 +0200</pubDate><title>Verheißung und Versuchung</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/verheissung-und-versuchung/</link><description>Die erste Lesung der Osternacht denkt groß über den Menschen. „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn“, heißt es im Buch Genesis. Schön gesagt, aber worin besteht diese Ebenbildlichkeit?</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.</p><p>Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weilder andere Jünger schneller war als Petrus, kam er alsErster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinen-binden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.</p><p>Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.&nbsp;</p><p>Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammerhinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.</p><p>Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.</p><p>Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.</p><p>Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 20,1–18</strong></p><p>Die Szene ist weltberühmt: Gottvater, schwebend und von Engeln umgeben, streckt seinen Arm aus und deutet mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf den Zeigefinger Adams. Fast berühren sich die ausgestreckten Finger.</p><p>So stellt sich Michelangelo in den Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle in Rom die Erschaffung des Menschen vor. Am sechsten Schöpfungstag, so steht es in der ersten Lesung der Osternacht aus dem Buch Genesis, beschließt Gott: „Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich!“ Und so kommt es: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.“</p><p>Der Mensch als Abbild Gottes. Was heißt das? Sieht Gott aus wie die 8,3 Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben? Das kann wohl nicht gemeint sein. Doch was ist es dann, was uns zum Ebenbild Gottes macht?</p><p>Bleiben wir erst einmal bei Äußerlichkeiten, bei der <strong>Schönheit</strong>. Es gibt sie, die Schönheit. Bei Menschen. Schöne Gesichter, schöne Körper, ein schönes Lächeln. Nicht jeder findet denselben Menschen oder dieselbe Eigenschaft schön, zudem wechseln Schönheitsideale im Lauf der Zeit und der Kultur. Aber jede und jeder findet Schönheit in anderen Menschen. Makellose Schönheit, so subjektiv sie letztlich ist, ist bestimmt eine Eigenschaft Gottes.</p><p>Doch vor allem sind es wohl die inneren Werte, die uns Gott ähnlich machen. Da ist zunächst einmal der <strong>Verstand </strong>zu nennen: Menschen können denken, sich selbst infrage stellen, ihr Verhalten ändern, nach Wahrheit und Erkenntnis suchen. Wir können verstehen und lernen. Dass Menschen, seit es sie gibt, Gott suchen, ist wohl ein Teil davon.</p><p>Wir haben einen <strong>freien Willen</strong> und eine freie Wahl. Unser Verhalten ist nicht nur das Ergebnis von Reiz und Reaktion, wir können Entscheidungen treffen. So wie Gott, der aus eigenem Entschluss die Welt erschuf und damit Pflanzen, Tiere, Menschen. Seit dem Sündenfall, so erzählt es die Bibel, können wir auch zwischen Gut und Böse unterscheiden. Das war ja das Verlockende, das die Schlange versprach: „Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ (Genesis 3,5)</p><p>Tatsächlich erreichen wir hier aber schnell die Grenze unserer Gottesebenbildlichkeit: Wir sind eben auch fähig, Böses zu tun. Und allzu oft tun wir das. Sonst wäre die Welt ja nicht so, wie sie ist. Gott, so glauben wir, ist aber die unendliche Liebe. Und die würde sich nie für das Böse entscheiden. Woraus folgt: Je seltener wir das Böse tun, desto ebenbildlicher sind wir.</p><p>Die <strong>Liebe </strong>ist das nächste Stichwort. Wir können lieben, in Beziehung treten. Wir brauchen menschliche Beziehungen. Ohne verkümmern wir, werden krank. Gott selbst ist auch Beziehung. Gottvater, Sohn und Heiliger Geist: ein Gott, der sich in drei aufeinander bezogenen Personen zeigt. Der darüber hinaus den Menschen geschaffen hat, weil er in Beziehung treten und seine Liebe weitergeben will. Wie Eltern, die sich für ein Kind entscheiden.</p><p>Wir können <strong>verzeihen </strong>und neu anfangen. Das ist nicht leicht, aber möglich. Und wirklich gottebenbildlich. Denn die Bibel kennt viele Geschichten, in denen Gott Menschen verzeiht und mit ihnen einen neuen Anfang wagt – von der Arche Noah bis zum verlorenen Sohn.</p><p>Menschen sind <strong>Schöpfer</strong>, wie Gott. Menschen probieren aus, erdenken, planen und bauen. Viele Naturwissenschaftler sind fasziniert von der Schöpfung. Weil sie so genial sei, weil so vieles so perfekt ineinandergreife, erkennen sie dahinter die Handschrift eines Schöpfers und keinen Zufall. Menschen können das auch: Sie gewinnen Energie, bauen Maschinen, entwickeln Impfstoffe. Wo will man anfangen, den menschlichen Erfindungsreichtum zu loben? Bei der Dampfmaschine, dem Telefon, dem Auto, dem Computer?</p><p>Menschen erschaffen auch großartige Kunst. Wieder zurück zu Michelangelo. Bevor er die Fresken der Sixtinischen Kapelle schuf, hatte er sich im Alter von nur 25 Jahren mit einer Statue ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt: die Pietà im Petersdom. Maria, die Mutter Jesu, hält ihren toten Sohn in den Armen. Bis in kleinste Details ist das Kunstwerk perfekt: die Muskeln Jesu, die Adern auf seinem Arm, der Wurf der Falten in Marias Gewand. Der strahlend weiße Marmor tut ein Übriges dazu. Denken wir aber auch an Literatur, Malerei oder Musik. Egal, ob Mozart oder die Rolling Stones: Überall zeigt sich geniale menschliche Schaffenskraft.</p><p>Schließlich die <strong>Ewigkeit</strong>. Zu Ostern macht Gott uns Menschen ihm in noch einem Punkt gleich. Jesus überwindet den Tod und verheißt uns allen die Auferstehung. Damit ist auch uns das ewige Leben verheißen. Wie Gott. Bei Gott.</p><p>Und doch: Der <strong>Mensch bleibt Mensch</strong>, wie Herbert Grönemeyer – auch so ein genialer Schöpfer – singt. Denn der Mensch ist nicht Gott. Er missbraucht immer wieder Verstand und Kreativität, um Waffen zu erfinden und um höchst fantasievoll andere Menschen zu unterjochen. Er wählt das Böse und liebt den äußeren Schein. Wie Gott zu sein, ist eben nicht nur biblische Verheißung. Es ist vor allem Versuchung.</p><p class="text-right"><em>Ulrich Waschki</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71362</guid><pubDate>Sun, 29 Mar 2026 11:54:00 +0200</pubDate><title>Der Schmerz des Vaters</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/der-schmerzdes-vaters/</link><description>Eine Pietà steht in vielen Kirchen: eine Skulptur, in der Maria ihren toten Sohn im Schoß hält. Weit seltener sind Darstellungen, in denen Gottvater seinen toten Sohn im Schoß hält. Hat das mit der Vorstellung zu tun, dass Väter nicht weinen? Oder hatte Gott am Karfreitag keinen Grund zum Trauern?</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="04D97BEE-641A-4DAA-8B25-DEEDBEF6BA2B" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger aus und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.</p><p>Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 21,1–11</strong></p></section><section compid="F11284FF-8DAB-4F3E-B935-70C468CE3F42" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"><p>Zusätzlich zum Evangelium vom Einzug in Jerusalem wird im Gottesdienst die Passion gelesen: Matthäus 26,14–27,66.</p><p>Es ist eine schwierige Frage, warum Jesus sterben musste. Um die Welt zu erlösen? Weil die Römer einen potenziellen Aufrührer beseitigen wollten? Weil der jüdische Hohe Rat einen unliebsamen Reformer – und Gotteslästerer – erledigt wissen wollte? Oder: weil Gott es so wollte?</p><p>Jesus wollte es vermutlich nicht. Schließlich bat er, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge – und unterwarf sich doch den Plänen Gottes: „Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.“ Wenn Jesu Tod am Kreuz aber Gottes Wille war: Warum hätte er dann am Karfreitag trauern sollen?</p><p>In der mittelalterlichen Kunst scheint das tatsächlich die Frage gewesen zu sein. Dort gibt es Bilder, die Kunstgeschichtler als „Gnadenstuhl“ bezeichnen. Typisch ist dabei, dass Gottvater das Kreuz mit Jesus daran in seinen Händen hält – und das mit einer durchaus stolzen Geste: Seht her, scheint er zu sagen, dieses Opfer habe ich für euch gebracht. Oft versteckt sich im Ensemble auch eine kleine Taube als Symbol für den Heiligen Geist; dann ist der Gnadenstuhl ein Symbol für die Dreifaltigkeit.</p><p>Es gibt aber auch einige wenige Skulpturen, die ganz anders sind. So wie die rechts, die um 1500 in der Werkstatt von Tilmann Riemschneider gefertigt wurde und die heute im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen ist. Gottvater ist hier einerseits so dargestellt, wie man ihn aus der Kunstgeschichte kennt und wie er bildlich nicht nur in Kinderköpfen steckt: ein alter Mann mit Bart; die Krone auf dem Kopf kennzeichnet seine göttliche Würde.</p><p>Doch sonst ist bei dieser Skulptur vieles anders. Gottvater hält Jesus im Arm. Er hält ihn genau so, wie wir es von Maria kennen, der trauernden Mutter. Sein Gesicht zeigt nichts als Schmerz. Da ist keine Spur von göttlichem Triumph, keine Spur von Auferstehung. Den toten Jesus umgibt kein Glanz, kein schimmernder Heiligenschein. Hier ist die Kreuzigung keine Durchgangsstation zur Auferweckung. Hier ist sie, was sie ist: ein elender, quälender Tod. Und Gottvater, den Jesus Abba – Papa – nannte, scheint das zu wissen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Warum hat sich diese Kunstform nicht durchsetzen können?</h3><p>Wer in Kirchen geht, sieht oft Kerzen vor der Pietà, der leidenden Muttergottes, brennen. Seit Jahrhunderten suchen und finden Mütter Trost bei der Frau, die ihr eigenes Kind hat sterben sehen – das Schrecklichste, das Eltern passieren kann. Sie wissen ihren Schmerz im Schmerz Mariens aufgehoben. Warum, fragt man sich, hat der trauernde Gottvater es selten in Kirchen geschafft?</p><p>Der spätmittelalterliche Holzschnitzer hat eine fast menschliche Szene geschaffen: Gott hält Jesus so im Arm, wie jeder trauernde Vater sein totes Kind halten könnte – damals wie heute und überall auf der Welt: in der Ukraine, im Iran, im Sudan oder in Deutschland. Wäre die Skulptur nicht ein gutes Andachtsbild für Väter, ein Anlaufpunkt, um Leid und Schmerz vor Gott zu tragen, der dasselbe durchgemacht hat?</p><p>Es ist Spekulation, aber ich vermute, dass es zwei Dinge sind, die dieser Kunstform erst zu einem Schattendasein und dann zu einem schnellen Ende verholfen haben.</p><p>Erstens: das Gottesbild. Dass Gott liebt – ja, das glauben wir. Aber dass er leidet? Gott ist doch der Allmächtige, der Herrscher über Himmel und Erde. Würde Leid, wie Menschen es empfinden, nicht an seiner Würde kratzen? Ist er darüber nicht erhaben? Wegen dieses Empfindens haben sich ja jahrhundertelang die Menschen lieber an Maria und die Heiligen gewandt: weil Gott so fern war, so groß, so übermächtig, dass es Vermittlung brauchte. Der Vater, der Schmerz empfindet, passte einfach nicht ins Bild.</p><p>Zweitens: das Männerbild. Dass auch Väter um tote Kinder trauern – ja, das glauben wir. Aber zeigen sollten sie es früher nicht. Mannsein hieß stark sein. Zu weinen und sich mit dem eigenen Kummer zu Maria zu flüchten, das konnten sich nur Frauen leisten. Männer sollten schnell wieder zum Alltagsgeschäft übergehen und einen Panzer um ihren Schmerz legen. Und irgendwie, ganz tief in unseren Rollenmustern drin, ist es doch heute noch so, oder?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Vorhang zerriss, Gott war den Augen aller preisgegeben</h3><p>Gott, der tief um den toten Jesus trauert:Vielleicht kann dieses Bild Sie ja in die Karwoche hinein begleiten. Vielleicht kann es einen neuen Blick eröffnen auf das Geschehen am Karfreitag. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichten ungewohnt einmütig davon, dass zur Todeszeit Jesu der Vorhang des Tempels zerriss. Das heißt: Das Allerheiligste, das Symbol für Gottes Gegenwart, lag plötzlich ungeschützt vor aller Augen. Gott war zu sehen – in all seinem Entsetzen, seiner Trauer, seinem Schmerz über das, was Menschen Jesus angetan haben. Warum auch immer Jesus sterben musste: Für Gott war es kein Tag der Freude, als es geschah.</p><p>Vielleicht kann dieses Bild Sie aber auch begleiten, wenn Sie Nachrichten schauen, hören oder lesen – die aus der großen, weiten Welt oder die aus der kleinen Nachbarschaft. Wenn Bomben fallen, Raketen einschlagen oder Drohnen den Tod bringen, wenn der Krebs zuschlägt oder der furchtbare Unfall, dann sind konkrete Menschen die Opfer. Und mit ihnen ihre Angehörigen, ihre Väter und Mütter, Großeltern, Geschwister, ihre Frauen, Männer und Kinder. Ihr Schmerz kann nicht unser Schmerz sein, aber zumindest können wir versuchen, ihn mitzutragen. Und ihn mit hinein zu nehmen in unser Gebet. Das Leid am Karfreitag und das Leid der Welt – so weit sind sie nicht auseinander.</p><p>Und schließlich kann das Bildnis Sie vielleicht begleiten, wenn Sie selbst einen Schicksalsschlag erlebt haben – gerade dann, wenn Sie ein Mann sind. Den Schmerz zu zeigen, offen und ehrlich, was soll daran peinlich sein? Gott selbst hat es doch vorgemacht: „Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile von oben bis unten. Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“ (Markus 15,38–39)</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71386</guid><pubDate>Wed, 25 Mar 2026 09:34:31 +0100</pubDate><title>„Vielfalt bereichert Caritas und Kirche“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/vielfalt-bereichert-caritas-und-kirche/</link><description>Ann Mariya (20) ist 2024 aus dem indischen Bundesstaat Kerala nach Würzburg gekommen, um im Bischof-Scheele-Haus auf dem Heuchelhof den Beruf der Pflegefachfrau zu erlernen. Bei Bewohnern, Kollegen und den Verantwortlichen kommt das Projekt gut an. Und selbst manche Kirche wird dadurch voller.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Immer freundlich, immer lächelnd, immer hilfsbereit: So erlebt Bewohner Johann Peter (86) die indischen Auszubildenden im Bischof-Scheele-Haus, einer Senioreneinrichtung der „Caritas-Einrichtungen gGmbH“ (CEG). Das Pflegeheim auf dem Heuchelhof hat 70 Pflegeplätze und 85 Mitarbeiter, darunter aktuell neun Auszubildende aus Indien. „Wir schätzen die Pflegekräfte aus Indien“, sagt Bewohnerin Hannelore Peter (72), die mit ihrem Mann Johann ins Bischof-Scheele-Haus gezogen ist. Beide sind gesundheitlich angeschlagen und haben beschlossen, ihren gemeinsamen Lebensabend in der CEG-Einrichtung zu verbringen. Das freundliche Team habe diese Entscheidung erleichtert.</p><p>„Bei uns rufen täglich Menschen an, die einen Platz für ihre Angehörigen suchen“, berichtet CEG-Geschäftsführer Georg Sperrle. Die CEG betreibt im Bistum Würzburg 13 Seniorenheime und zwei Senioren-Tagesstätten. Unter den rund 1100 Mitarbeitern der CEG sind laut Sperrle Menschen aus 58 Nationen. „Vom Handwerk bis zur Pflege: Es mangelt überall an Fachkräften“, betont der CEG-Geschäftsführer. Wegen Personalmangels könnten alleine bei der CEG aktuell rund acht Prozent der knapp 1000 Pflegeplätze nicht belegt werden.</p><p>Nach Angaben von Domkapitular Monsignore Clemens Bieber, dem Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbands, ist die Quote an unbelegten Pflegeplätzen insgesamt sogar noch höher: Unter dem Dach der Caritas gebe es im Bistum aktuell 43 Senioren-Tagesstätten, 44 ambulante Pflegedienste („Sozialstationen“) und 41 Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 2972 vollstationären Pflegeplätzen. „Wir können derzeit rund zehn Prozent der vorhandenen Pflegeplätze nicht belegen“, sagt Bieber mit Hinweis auf den Personalmangel.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Tausende Pflegekräfte notwendig</h3><p>Und wegen des demographischen Wandels wächst der Bedarf stetig. Laut dem Diözesan-Caritasverband wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen bis zum Jahr 2050 um 95.000 Menschen zunehmen, das seien etwa 35 Prozent mehr als im Jahr 2021. „Die Konsequenz ist: Wir brauchen bis 2050 weitere 2200 Pflegefachkräfte und ebenso viele Pflegehelfer“, sagt Clemens Bieber, und: „In dieser Situation sind wir sehr dankbar für die Unterstützung und Verstärkung von Pflegekräften aus anderen Kontinenten.“</p><p>Seit September 2024 läuft speziell die Zusammenarbeit mit Indien: 42 junge Menschen sind seitdem aus dem Bundesstaat Kerala nach Unterfranken gekommen. Besonders lobt Bieber die guten Deutschkenntnisse der neuen Auszubildenden. Zu den ersten 13 Frauen und drei Männern, die vor eineinhalb Jahren in Deutschland landeten, gehört Ann Mariya. Die mittlerweile 20-Jährige hatte sich zuvor zehn Monate lang auf den Aufenthalt vorbereitet. „Ich konnte Englisch, kannte also die Buchstaben, aber Deutsch war neu für mich“, erzählt sie.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wohnung fertig eingerichtet</h3><p>Nach der Landung in Frankfurt am Main wurden Ann Mariya und die anderen 15 neuen Mitarbeiter mit dem Bus abgeholt. Ihre erste Wohnung war direkt im Bischof-Scheele-Haus, die CEG sorgte für Möbel und füllte sogar den Kühlschrank zum Start auf. Diese Fürsorge schätzt Ann Mariya bis heute: „Wenn wir Hilfe brauchen, können wir uns an unseren Arbeitgeber wenden.“ Auch Kollegen und Bewohner seien sehr hilfsbereit und hätten alle die Ankunft erleichtert.</p><p>Im April 2025 kam dann Alkka Maria Thomas nach. „Alle sind sehr nett, und ich habe immer gute Erfahrungen gemacht“, fasst die 25-Jährige ihre Eindrücke zusammen. Beide junge Frauen absolvieren die Ausbildung zur Pflegefachfrau. „Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind sehr lernwillig und fleißig“, sagt Pfleger Christoph Peter, der auch Vorsitzender der Mitarbeiter-Vertretung im Bischof-Scheele-Haus ist.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Stellen würden unbesetzt bleiben</h3><p>Der Pfleger ist sich mit Einrichtungsleiter Sven Vinzens und CEG-Geschäftsführer Sperrle einig, dass die indischen Auszubildenden niemandem die Arbeit wegnehmen, sondern die Ausbildungsstellen sonst unbesetzt bleiben würden. „Es ist wichtig und wertvoll, Menschen aus anderen Ländern für die Pflege zu gewinnen, damit wir als Kirche und Caritas helfen können, wenn hilfs- und pflegebedürftige Menschen Versorgung und Pflege benötigen“, betont Sperrle. Clemens Bieber als Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes ist zudem wichtig, dass „wir Indien keine Pflegekräfte wegnehmen und somit dort eine Versorgungslücke entsteht“.</p><p>Das kann auch der aus Kerala stammende indische Pfarrer Augustin Thomas Parambakathu bestätigen: Die Provinz im Südwesten Indiens habe ein niedriges Durchschnittsalter und eine hohe Arbeitslosenquote bei jüngeren Menschen. Viele würden deshalb eine Perspektive suchen. Lange Zeit seien das die USA und andere englischsprachige Länder gewesen. „Bis vor fünf Jahren hat fast niemand die deutsche Sprache gelernt“, berichtet Pfarrer Augustin. Weil die Sprache die wichtigste Voraussetzung für Integration sei, habe er 2022 die Theresien-Akademie in seiner Heimat mitgegründet: Dort können sich junge Frauen und Männer auf einen Aufenthalt in Deutschland vorbereiten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Seit 20 Jahren in Deutschland</h3><p>Die CEG hat als Voraussetzung für eine Ausbildung in ihren Einrichtungen das Sprachniveau B 2 festgelegt. Das bedeutet: Bewerber müssen komplexe Inhalte verstehen, sich spontan und fließend ausdrücken sowie Texte zu abstrakten Themen verfassen können. Augustin Parambakathu reist selbst zwei bis drei Mal im Jahr nach Kerala, gibt Online-Kurse an der Theresien-Akademie und erläutert den Schülern das deutsche Pflegesystem. Pfarrer Augustin kam vor 20 Jahren nach Deutschland, seit 2008 ist er Priester in der Diözese Würzburg, aktuell als Moderator und Teampfarrer im Pastoralen Raum Spessart-Mitte und Vorsitzender der Caritas Sozialstation „St. Martin“ im Spessart. In Deutschland habe er ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und ist längst deutscher Staatsbürger. „Heute kann ich etwas zurückgeben“, beschreibt er die Motivation, sich in dem Projekt der Caritas zu engagieren.</p><p>Mittlerweile werden in der Akademie in Kerala rund tausend junge Menschen unterrichtet. Bei allen, die bislang ins Bistum Würzburg kamen, kenne er die Familien. Der größte Teil sei katholisch, die Schule nehme allerdings Menschen aller Religionen auf. Pfarrer Augustin ist zufrieden, dass bisher auch alle Auszubildenden in Deutschland geblieben seien. Das zeige, dass die jungen Menschen aus Indien sich zum einen hier wohl fühlen und zum anderen auch dringend gebraucht werden.</p><p>„Ich möchte hier in Deutschland bleiben“, ist auch die klare Ansage der 20-jährigen Ann Mariya. Am liebsten würde sie sogar ihre Eltern und ihre Schwester nachholen. Einige der Auszubildenden sind mittlerweile vom Bischof-Scheele-Haus ins ehemaligen Kloster St. Alfons umgezogen. Laut CEG-Geschäftsführer Georg Sperrle haben die Pfarrei St. Alfons und die Verantwortlichen im Bistum, allen voran Finanzdirektor Gerald Düchs, die Caritas „maßgeblich unterstützt, um an dieser Stelle Wohnraum zu schaffen“. Die Caritas-Stiftung unterstützte das Projekt mit dem Ziel, Erfahrungen daraus auch anderen Trägern zur Verfügung zu stellen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Christlicher Glaube und Herzlichkeit</h3><p>Das Zusammenleben gehe über die Arbeit hinaus: „Die jungen indischen Auszubildenden leben ihren christlichen Glauben sehr aktiv und strahlen eine Herzlichkeit aus, die bei unseren Bewohnern und Mitarbeitenden wirklich ankommt.“ Zudem würden viele an ihren jeweiligen Wohnorten die Gottesdienste besuchen. „Vielfalt bereichert Kirche und Caritas“, fasst deshalb Sperrle die Vorteile zusammen.</p><p>Das bestätigt auch Christoph Gewinner, Gemeindereferent in der Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost: „Die jungen Menschen aus Indien bereichern das Leben der Gemeinde allein schon dadurch, dass sie hier im Kloster leben und die Räume mit Leben, Lebendigkeit und nicht zuletzt auch dem Duft nach indischem Essen füllen“, berichtet der Sozialarbeiter. Weil auf der Keesburg Pfarrbüro, Kloster und die von der Gemeinde genutzten Räume alle unter einem Dach sind, gebe es regelmäßige Gottesdienst-Besuche und Kontakte zu Gemeindemitgliedern.</p><p>Über Pfarrer Augustin Parambakathu ist neben den Auszubildenden auch eine Ordensgemeinschaft aus Indien nach Würzburg gekommen: die Visitation Sisters Of Don Bosco. Seit März 2025 arbeiten vier Schwestern im Caritas-Seniorenzentrum St. Thekla mit. Laut CEG-Geschäftsführer Sperrle kommen bis zum Jahr 2029 jedes Jahr zwei weitere Schwestern, so dass in Würzburg nach und nach ein eigener Konvent mit 14 Schwestern entsteht.&nbsp;</p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71206</guid><pubDate>Sun, 22 Mar 2026 07:54:00 +0100</pubDate><title>Da war nur noch eine Null-Linie</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/da-war-nur-noch-eine-null-linie/</link><description>Auch wenn die Auferweckung des Lazarus nicht direkt zu vergleichen ist mit Reanimation und Nahtoderfahrung: Wer wie Maximilian Kesselstatt schon einmal zurückgeholtwurde, ist dankbar. Und lebt anders weiter.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Die Schwestern des Lazarus sandten Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.</p><p>Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.</p><p>Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.</p><p>Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?</p><p>Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg.</p><p>Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!</p><p>Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 11,3–7.17.20–27.33b–45</strong></p><p></p><section compid="96A81857-DA78-473D-B33B-736FC66E4E9A" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Auf einmal war einfach alles dunkel. Schwarz. Leere. Nichts. Maximilian Kesselstatt hat keinerlei Erinnerungen oder Gefühle an die zwei Minuten, in denen er tot war. Am 12. Februar 2017, einem Sonntag, war er mit Schmerzen und Sodbrennen in ein Krankenhaus in Wiesbaden gegangen. „Normalerweise hätte ich mich einfach ins Bett gelegt und gehofft, dass die Beschwerden am nächsten Tag weg sind“, sagt er. „Zum Glück habe ich das nicht gemacht. Sonst wäre ich heute nicht mehr hier.“</p><p>In der Notaufnahme erlitt er einen schweren Herzinfarkt. „Ich bin am Empfang weggesackt“, sagt er. Da war nur noch eine Null-Linie – sowohl im EKG als auch in seinen Erinnerungen. Erst am nächsten Tag wachte er auf der Intensivstation der Klinik auf. Die Ärzte hatten ihn reanimiert und ihm in einer Notoperation drei Stents gesetzt, um den Blutfluss zum Herzen zu regulieren. „Diese Zeit, als ich bewusstlos war und operiert wurde, fühlte sich im Nachhinein ganz anders an“, sagt Kesselstatt. „Wenn ich schlafe, habe ich trotzdem ein Zeitgefühl. Aber in diesen Stunden war da einfach eine Leere.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Sohn deutet den Traum</h3><p>Einer, der auch tot war und auferweckt wurde, ist Lazarus. Von ihm erzählt das Johannesevangelium an diesem Sonntag. Was Lazarus in den vier Tagen gefühlt oder erlebt haben mag, in denen er tot in der Höhle lag, wissen wir nicht. Menschen, die heute eine Nahtoderfahrung machen, berichten manchmal von einem Licht, auf das sie zugehen, von Wärme, von liebevollen Stimmen, von guten Gefühlen. „All das hatte ich nicht“, sagt Kesselstatt, „und genau das hat mir auch Angst gemacht.“</p><p>In der Nacht nach seiner Reanimation und OP konnte und wollte Kesselstatt nicht schlafen. „Ich hatte Angst vor der Dunkelheit, wieder in diese Leere zu fallen. Letztlich hatte ich Angst vor dem Tod. Die kam da ganz deutlich durch“, erinnert er sich. Medikamente und Beruhigungsmittel lehnte er ab – und schlief schließlich doch ein.</p><p>Und er träumte: von einem wilden Sturm, von einem Unwetter auf einem See, von riesigen Wellen, die über ihm zusammenschlugen. „Ich träumte, dass ich in einem kleinen Holzboot lag, mitten in diesem Sturm gefangen“, sagt Kesselstatt. „Dieser Traum wirkte so real – und trotzdem hatte ich keine Angst. Im Gegenteil: Ich hatte ein tiefes Gefühl der Sicherheit. Ich fühlte mich geborgen. Ich war ganz ruhig. Es war wunderschön.“</p><p>Wochen später erzählte er seinem damals neunjährigen Sohn von diesem Traum. „Der flitzte los in sein Kinderzimmer, holte seine Kinderbibel und zeigte mir die Geschichte von der Stillung des Sturms auf dem See. Da habe ich eine Gänsehaut bekommen“, sagt Kesselstatt. Auf einmal habe es bei ihm Klick gemacht: „In dem Traum fühlte ich mich so getragen und beschützt. Da wurde mir klar, dass Gott in dieser Zeit bei mir war.“</p><p>Seit seiner Reanimation engagiert sich Maximilian Kesselstatt im Verein „Hand aufs Herz“. Der Notfallmediziner und Kardiologe Joachim Ehrlich, der damals auch Kesselstatt behandelte, hat den Verein gegründet und ihn eingeladen, mitzumachen. „Wir wollen die Menschen informieren: über den plötzlichen Herztod und darüber, wie sie Menschen durch Wiederbelebung und Defibrillation retten können“, sagt Kesselstatt. Denn mehr als 150 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Herzstillstand; manche könnten gerettet werden, wenn Helfer da wären.</p><p>Angeschlossen an den Verein ist eine Selbsthilfegruppe. Auch Kesselstatt nimmt regelmäßig an den Treffen teil. „Ich habe nach der Reanimation schnell gemerkt, dass ich mit jemandem über meine Erfahrungen sprechen möchte – und zwar über Reha-Maßnahmen und Herzsport hinaus“, sagt Kesselstatt. Regelmäßig trifft sich die Gruppe in Wiesbaden und tauscht sich aus. Manchmal ist auch ein Psychologe bei den Runden dabei. „Wir sprechen schon recht intensiv“, sagt Kesselstatt. Auf die Treffen möchte er nicht verzichten: „Sie geben mir neue Energie.“</p><p>Sein Leben hat sich durch den Herzinfarkt grundlegend verändert. Der heute 65-Jährige konnte nach der Krankheit nicht mehr arbeiten. Er musste lernen, seinem Körper wieder zu vertrauen und nicht gleich mit dem Schlimmsten zu rechnen, wenn ein Arm oder der Kopf schmerzt. Und noch etwas ist anders, sagt Kesselstatt: „Vor allem bin ich dankbar für mein Leben.“ Regelmäßig geht er in Kirchen und dankt Gott, dass er weiterleben darf, dass er weiter bei seiner Familie sein kann.</p><p>Immer am 12. Februar feiert er seinen zweiten Geburtstag. „Jeder Mensch weiß, dass er sterben wird – und doch ist es uns nicht klar. Als ich dann auf einmal mit meiner eigenen Sterblichkeit so deutlich konfrontiert war, war das schwierig für mich“, sagt Kesselstatt. Aber er hadere nicht, wolle nicht ängstlich in die Zukunft blicken: „Ich bin umso dankbarer für alles, was ich jetzt erleben darf.“<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p><p></p></section><section compid="337B3A7B-FA3F-4B62-B9FF-62A097DCE52D" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Maximilian Kesselstatt (65) hatte eine Nahtoderfahrung. Seitdem engagiert er sich ehrenamtlich im Verein „Hand aufs Herz“, der mit Informationen und Schulungen zur Reanimation bei Herzstillstand dazu beitragen will, dass weniger Menschen am plötzlichen Herztod sterben. Infos: <a href="https://www.verein-hand-aufs-herz.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.verein-hand-aufs-herz.de</a></p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-71069</guid><pubDate>Sun, 15 Mar 2026 08:28:00 +0100</pubDate><title>Was im Dunkeln bleiben soll</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/was-im-dunkeln-bleiben-soll/</link><description>In der Österlichen Bußzeit ist viel von Sünde die Rede. „Du bist ganz und gar in Sünden geboren“, sagen die Pharisäer über den Geheilten. „Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis“, warnt der Epheserbrief. So was hören wir heute nicht mehr gerne.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde, dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.</p><p>Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.</p><p>Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.</p><p>Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannesevangelium 9,1.6–9.13–17.34–38</strong></p><p>Jeder, der sich mal mit dem Christentum beschäftigt hat, kennt das Wort Sünde. Die Sünde kommt so oft vor, dass man meinen könnte, sie sei das Hauptthema dieser Religion. Katholiken wurden früher sogar die Feinheiten beigebracht: lässliche Sünde, schwere Sünde, Todsünde. Jedes Vergehen war klar zugeordnet. Buchhalterisch korrekt im Bußbuch abgeheftet.</p><p>Dann kam die Zeit, in der die Menschen das nicht mehr mitmachen wollten. Das Wort kam außer Mode. Aus Sünden wurden kleine Fehler, Menschlich-Allzumenschliches, fast schon niedlich. Kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben, niemand ist perfekt.</p><p>Aber ganz so einfach ist es ja auch nicht. Denn erstens verschwindet etwas nicht einfach, wenn es nicht mehr erwähnt wird. Und zweitens spricht auch Jesus davon: von Sünde und – mindestens genauso oft – von der Vergebung derselben. Stellt sich nur die Frage: Was ist Sünde eigentlich?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">1. Sünde ist Tat, kein Verhängnis</h3><p>Die Pharisäer im Evangelium machen es sich ein bisschen zu einfach. „Du bist ganz und gar in Sünde geboren“, werfen sie dem geheilten Blinden vor. Dahinter steckt die Idee, dass blind geboren zu werden, eine Strafe Gottes sein muss. Auch die Jünger fragten Jesus, als sie an dem Mann vorbeikamen: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?“ Jesus ist da klar in seiner Antwort: „Weder er noch seine Eltern!“</p><p>Auch an anderen Stellen, an denen Jesus von Sünde spricht, wird deutlich, dass es ihm um eine eigene Entscheidung, eine selbst verantwortete Tat geht. „Geh und sündige von nun an nicht mehr“, sagt er der Ehebrecherin (Johannes 8,11). Und für das menschliche Miteinander betont er: „Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er umkehrt, vergib ihm!“ (Lukas 17,3)</p><p>Jeder und jede von uns hat keine absolute, aber doch eine ziemlich große Freiheit, sein Handeln selbst zu bestimmen. Ohne Freiheit keine Verantwortung. Und keine Sünde.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">2. Sünde ist Handeln gegen das eigene Gewissen</h3><p>Früher war es in gewisser Weise einfach: Da gab es einen Katalog von Ge- und Verboten – und wer gegen diesen Katalog verstieß, sündigte und musste dafür büßen. So wie bei der Straßenverkehrsordnung: Rote Ampel missachtet – das wird teuer. Egal, ob fahrlässig im Feierabendverkehr oder vorsichtig nachts um drei bei freier Strecke auf dem Weg zur Entbindung.</p><p>Aber das moralische Leben ist komplizierter. Maßstab ist nicht die gesetzliche Norm, die bietet nur Orientierung. Maßstab ist vielmehr das eigene Gewissen. Das muss gebildet werden, klar. Aber viele Menschen ahnen schon, was gut und was böse ist. Was sie tun und was sie lassen sollten. Dann doch anders zu handeln – aus Bequemlichkeit, aus Lust, aus Gier –, das ist Sünde. Eigentlich ist es also ein Vergehen gegen sich selbst, gegen das, was man grundsätzlich selbst für richtig hält, gegen das eigene Gewissen.</p><p>Das würden Sie nie tun? Naja … vielleicht wissen Sie schon, dass es längst mal wieder Zeit wäre für einen Besuch im Heim bei der dementen Oma – aber das zieht einen immer so runter und außerdem kriegt sie es ja auch nicht mehr richtig mit. Oder Sie wissen schon, dass es falsch ist, Steuern zu hinterziehen oder den Handwerker bar auf Tatze zu bezahlen – aber es ist halt billiger. Oder Sie wissen schon … weitere Beispiele fallen Ihnen bestimmt ein.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">3. Ein Kennzeichen der Sünde ist Heimlichkeit</h3><p>Die Lesung aus dem Epheserbrief bringt es ganz gut auf den Punkt: „Lebt als Kinder des Lichts!“ Denn mit allem, was gut, wahr und rechtschaffen ist, geht man gerne ans Licht, an die Öffentlichkeit. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt man dann.</p><p>Anders ist es, wenn man etwas unbedingt verheimlichen will. „Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis“, sagt der Epheserbrief. „Denn von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden, ist schändlich.“ Was im Dunkeln bleiben muss, ist verdächtig.</p><p>Zwei Beispiele, die das unmittelbar einsichtig machen. Das erste ist der Kindesmissbrauch. „Keiner darf es wissen.“ „Sag es nicht weiter.“ „Das ist unser Geheimnis“ – all das sind Kennzeichen des Missbrauchs und Kennzeichen der Sünde. Dass das Erzbistum Köln die Mappe über Priester, die Missbrauchstäter waren, „Brüder im Nebel“ genannt haben soll und unter Verschluss hielt, bestätigt das nur.</p><p>Das zweite Beispiel habe ich in Erinnerung, seit mein Professor für Moraltheologie es in meinem Studium nannte. Es war in der Vorlesung über Sünde und es ging um die Frage, wie sündig sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe sind. Formal – mein Studium endete 1991 – war die Sache klar: Jede sexuelle Beziehung außerhalb der Ehe ist Sünde. Mein Professor sah das anders. Er nannte als ein wichtiges Kriterium, dass man sich in dieser Beziehung und mit dem Partner oder der Partnerin sehen lassen kann. Und dann ist eben die (früher sogenannte) Ehe ohne Trauschein ganz anders zu bewerten als der Seitensprung, die zweite Ehe nach Scheidung oder die feste homosexuelle Partnerschaft in Liebe und Treue anders als der Quickie in der Besenkammer.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">4. Und was hat Gott damit zu tun?</h3><p>Sündigen kann nur, und das ist der erste Punkt, wer an Gott glaubt, denn Sünde ist ein religiöses Wort. Alle anderen können nur schuldig werden – an sich selbst und an anderen.</p><p>Religiöse Menschen glauben, dass sie Gott in ihrem Herzen begegnen können – und damit in ihrem Gewissen. „Das Gewissen ist die Stimme Gottes in uns“, sagte schon der heilige Augustinus. Wenn wir also gegen das eigene Gewissen handeln, handeln wir gegen Gott.</p><p>Das wird schon im Wort „Sünde“ deutlich. Darin steckt nämlich „sondern“ im Sinne von absondern, trennen. Sünde trennt: von anderen Menschen, von meinem eigenen Guten, von Gott. Allerdings sagt uns nicht nur der Glaube, sondern auch die Erfahrung: Diese Trennung muss nicht für ewig sein. Wir können uns versöhnen mit anderen, mit uns selbst und mit Gott. Nur wollen muss man es. Vielleicht ja jetzt vor Ostern.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-71122</guid><pubDate>Thu, 12 Mar 2026 11:26:39 +0100</pubDate><title>Einfach mal was wagen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/einfach-mal-was-wagen/</link><description>„Hab Mut, steh auf!“, so lautet das Motto des Katholikentags Mitte Mai in Würzburg. Ein Buch zeigt nun, wie breit dieses Thema verstanden wird. Laura Kunz, die Geistliche Leiterin der KjG, hat mitgeschrieben. Sie sagt: „Man muss die Kraft haben, nach vorne zu schauen.“</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Was will denn der Bischof von mir?“, fragte sich Laura Kunz, als sie den verpassten Anruf auf ihrem Telefon sah. Sie rief zurück. Ein Mitarbeiter des Bischofshauses war dran und fragte, ob Kunz nicht Lust hätte, ein Kapitel für ein Buch zum Katholikentag beizusteuern. Der Bischof sei derzeit auf der Suche nach Autorinnen und Autoren. Das Motto: „Hab Mut, steh auf!“</p><p>Die 30-Jährige ließ es sich durch den Kopf gehen und kam zu dem Schluss, dass ihr Lebensweg von mutigen Schritten geprägt ist. Gerade erst hatte sie ihren Job gewechselt und die Stelle als Geistliche Leiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in Würzburg übernommen. Sie sagt, es sei kein leichter Schritt gewesen, das Gewohnte zu verlassen und Neues zu wagen.</p><p>So sagte sie zu und schrieb über Mut, aus ihrer eigenen, einer jungen Perspektive. Berichtete davon, wie schwer es sei, Entscheidungen zu treffen. Als junger Mensch, der gerade noch dabei ist, den eigenen Weg zu finden, habe sie sich manchmal mehr Anleitung gewünscht. Mutig sei, so Kunz, die Schritte trotzdem zu wagen – wenn auch nicht ganz klar sei, wo man am Ende damit hinkäme.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Als ob es nur Schwarz und Weiß gäbe und nichts dazwischen</h3><p>Junge Menschen, sagt Kunz, bräuchten oft Mut, um in dieser Welt und dieser Zeit zu bestehen. Viele machten sich Sorgen um die Zukunft und fragten: Wie soll es weitergehen? Wie kann ich mit all den Unsicherheiten umgehen? Die Jugendlichen wachsen in Zeiten von Klimakrise und Krieg auf. Kunz sagt: „Da einfach zu sagen, ich nehme das ein Stück weit an als das Leben, das es gerade ist, das erfordert richtig Mut.“ Denn es bedeute auch, sich einzugestehen, dass man nicht alles kontrollieren kann. Ganz nebenbei müssen junge Menschen ihren Alltag in Schule, Ausbildung oder Studium meistern. Kunz sagt: „Man muss ja trotzdem seinen Weg finden und dabei die Kraft haben, nach vorne zu schauen.“</p><p>Mut brauchen junge Menschen auch, um sich in einer Gesellschaft zu bewegen, die oft in Extremen denkt. Kunz sagt: „Ich habe das Gefühl und das erlebe ich auch oft im Umgang mit jungen Menschen: Es gibt nur noch Schwarz und Weiß, aber immer häufiger kein Dazwischen mehr.“ Kunz sagt, es werde stark polarisiert. Menschen ordne man schnell bestimmten politischen Rändern zu: „Vorurteile entstehen, obwohl die Realität viel differenzierter ist.“ Es erfordere Mut, sich nicht vereinnahmen zu lassen. Was das bedeuten kann? Kunz sagt: „Laut aussprechen, was die eigene Haltung ist, sich aber gleichzeitig auf Kompromisse einigen können.“</p><p>Auch das kennt Kunz, schließlich arbeitet sie für die Kirche. Und sie hat Momente, in denen sie sich mehr Mut wünscht. „Ich bin schon eine ziemlich große Zweiflerin, auch am System Kirche“, sagt sie. „Es gibt immer wieder so Löcher, so mutlose Momente, wo man denkt, es könnte doch viel einfacher gehen, da stehen wir uns als System selbst im Weg.“ Wenn es etwa darum geht, Strukturen zukunftsfähig zu machen. Oder darum, wie man trotz größerer Einheiten mit weniger hauptberuflichem Personal klarkommen kann. Kunz sagt: „Unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet, muss man sich damit auseinandersetzen.“</p><p>Sie sagt, sie bekomme „Mutschubser“, wenn sie auf ihre aktuellen Aufgaben in der kirchlichen Jugendarbeit blickt: „Das ist ein Schatz. Die Leute in der KjG wollen super viel bewegen, sind motiviert und haben Lust, was gemeinsam auf die Beine zu stellen.“ Sie wirken bei großen und kleinen Aktionen mit. Bei Zeltlagern zum Beispiel, bei dem politischen Kinder- und Jugendgipfel „LautStark“ und bei der 72-Stunden-Aktion.&nbsp;</p><p>Was es für sie bedeutet, wenn junge Menschen Mut zeigten? Kunz sagt: „Auch wenn es vielleicht ein bisschen abgedroschen klingt: Es zeigt, dass niemand zu klein ist, um was zu verändern.“ Die großen Krisen, wie etwa den Klimawandel, könnten Einzelne nicht aufhalten. Doch wenn jeder und jede Mut habe, könne gemeinsam Bewegung entstehen. „Ich denke da zum Beispiel an Greta Thunberg und die Anfänge von Fridays for Future. Sie hat alleine angefangen und später sind super viele junge Menschen in Bewegung gekommen“, sagt Kunz.</p><p>Bei ihrer Arbeit in der KjG hört sie von jungen Menschen oft, „dass für sie gerade alles super viel“ ist. Weil viele Zukunftssorgen da sind, weil die Krisen sich häufen, weil die Technik sich schneller entwickelt. Aber sie beobachtet auch, dass junge Menschen gut darin sind, sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Und vielleicht sagen sie dann ja: „Hab Mut, steh auf.“</p><p class="text-right"><em>Lisa Discher</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Buchtipp</h3><p>Bischof Franz-Josef Jung (Hg.): Hab Mut, steh auf. Ermutigungen, das Leben in die Hand zu nehmen. Echter, 200 Seiten, 16,95 Euro</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70932</guid><pubDate>Sun, 08 Mar 2026 07:36:00 +0100</pubDate><title>„Jesus überschreitet regelmäßig Grenzen“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/jesus-ueberschreitet-regelmaessig-grenzen/</link><description>Dass Jesus am Jakobsbrunnen mit einer Frau spricht, wundert sogar seine Jünger, erzählt das Johannesevangelium. Die lange Diskussion ist dabei nur ein Beispiel für seinen unbefangenen Umgang mit damaligen Benimmregeln, sagt die Theologin Annette Jantzen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.</p><p>Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.</p><p>Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?</p><p>Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.</p><p>Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht.</p><p>Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.</p><p><strong>Johannesevangelium 4,5–15.19b–26.39a.40–42</strong></p><section compid="65ED2CE0-7199-4DB4-A61B-74DEB91C1191" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p><em>Frau Jantzen, ist der Umgang Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen, wie er im Johannesevangelium geschildert wird, typisch für Jesus?</em></p><p>Ja, denn er ist ein Beispiel für das, was Johannes an vielen Stellen aus der Erinnerung an Jesus sehr lebendig hält: dass Jesus keine Vorbehalte hat und mit einer grundsätzlichen Offenheit auf Menschen zugeht. Die Vorstellung „Mit dem oder der redet man nicht!“ teilt Jesus nicht. Das gilt sowohl für den Umgang mit Andersgläubigen, Anderslebenden als auch im Umgang zwischen den Geschlechtern. Jesus überschreitet da sehr regelmäßig Grenzen. Er sieht den Menschen und nicht die Schublade, in die der gesteckt wird.</p><p><em>Was wären weitere Beispiele aus den Evangelien?</em></p><p>Da sind die anderen Gespräche mit Frauen wie etwa das sehr selbstverständliche Lehrgespräch mit Maria von Bethanien. Er überschreitet die Distanz der Geschlechter auch zu Maria Magdalena, die so etwas wie ein Lieblingsmensch in seiner Umgebung ist. Aber dazu zählt – vielleicht überraschend – auch sein Umgang mit unliebsamen Menschen wie etwa dem Zöllner Zachäus als Handlanger der Besatzer. Das provoziert und macht es schwierig für alle, die Jesus vereinnahmen wollen und ihn gerne auf ihrer Seite hätten.</p><p><em>In der Kurzfassung des Evangeliums, die ja in vielen Gottesdiensten gelesen wird, fällt unter anderem der Vers weg, nach dem die Samariter „auf das Wort der Frau hin“ zum Glauben kamen. Eine typische Kürzung?</em></p><p>Die aktuelle Leseordnung wurde in den 1960er Jahren nach dem Konzil entwickelt. Und ja, es zeigt sich oft, dass – mit welcher Absicht, sei dahingestellt – bestimmte Stellen auffallend gekürzt wurden. Das ist nicht ein Problem der biblischen Zeit oder gar des Umgangs Jesu mit Frauen. Da haben die Redakteure der Leseordnung oft ein engeres Bild als die biblischen Autorinnen und Autoren.</p><p><em>Gilt das insgesamt für die Bibel?</em></p><p>Ja, denn es gibt in der gesamten biblischen Überlieferung auch großartige Frauen-Traditionen und Prophetinnen. Das muss man aus den Texten manchmal herauskitzeln und so den Horizont erweitern. Aber in der folgenden Zeit der Überlieferung bis in unsere Zeit hinein hatten es Frauen immer wieder schwer. Da verengt sich manchmal der Blick, zum Beispiel auf Maria Magdalena – und sie wird als Prostituierte diffamiert.</p><p><em>Auch von der Frau am Jakobsbrunnen wird gesagt, dass sie schon fünf Männer hatte und der aktuelle gar nicht ihr Ehemann sei …</em></p><p>Ja, aber das ist keine Kritik an der Frau wegen angeblicher sexueller Zügellosigkeit. Das ist eine sehr deutliche Armutskritik. Eine Frau musste damals eine weitere Ehe eingehen, wenn ihr Mann verstorben war, weil sie kein Erbrecht hatte. Und dass ihr aktueller Mann sie noch nicht mal zur Ehefrau nahm, macht sie noch ausgelieferter. Das richtet sich als Kritik dann gegen ihn, nicht gegen sie.</p><p><em>Im Evangelium heißt es auch, dass die Jünger sich wunderten, dass Jesus mit einer Frau spricht. Wie ungewöhnlich war das? Oder geht es eher um seinen besonderen Umgang mit Randgruppen?</em></p><p>Frauen sind keine Randgruppen – sie waren schon immer die Hälfte der Menschheit! Je mehr man es als Besonderheit herausstellt, dass Jesus mit ihnen spricht, desto mehr verfestigt man das scheinbare Normal, dass Männer nur mit Männern reden. Aus der Sicht Jesu war es womöglich die größere Grenzüberschreitung, dass er nach Samaria ging und mit jemandem von dort gesprochen hat. Dass das dann ausgerechnet eine Frau war, kommt noch hinzu, steht aber nicht an erster Stelle und ist für ihn gar nicht so ungewöhnlich, wie wir das vielleicht annehmen.</p><p><em>Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie in den Geschichten?</em></p><p>Dass es die Ungeliebten waren, denen sich Jesus zuwandte, diejenigen, die Schwierigkeiten gemacht haben, die Anstrengenden. Mit denen hat Jesus keine Berührungsängste. Es gibt ein schönes Zitat der amerikanischen Theologin Elizabeth Johnson. Sinngemäß: Das Problem heute ist nicht, dass Jesus ein Mann war, sondern dass nicht mehr Männer wie Jesus sind.</p><p><em>Was kann man heute aus dieser biblischen Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen lernen?</em></p><p>Offen in ein Gespräch zu gehen – und sich für dieses Gespräch auch Zeit zu nehmen! Das geht uns oft verloren, nicht zuletzt in kirchenpolitischen Debatten. Da genügen ja manchmal schon Stichworte und alle meinen zu wissen, was der oder die andere jetzt sagen wird. Jesus tritt ja nicht ohne eigene Verortung auf. Jesus hat auch eine Position, er weiß genau, wer er ist, wo er hingehört und wohin er gehören will. Aber er nimmt sich dennoch Zeit für die Erfahrung der anderen. Das ist kein Entweder-Oder, kein Schwarz-Weiß. Modern gesprochen: Jesus geht aus seiner Bubble raus. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p></section><section compid="92D576CD-2ED9-44C9-AF01-EA041A10A928" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Annette Jantzen ist promovierte Theologin, Buchautorin und Verfasserin des Blogs <a href="https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.gotteswort-weiblich.de</a>. Gerade erschienen ist ihr Buch: Die ignorierten Frauen der Bibel. Was im Gottesdienst nicht gelesen wird. Herder Verlag, 304 Seiten, 24 Euro</p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70811</guid><pubDate>Sun, 01 Mar 2026 10:16:00 +0100</pubDate><title>„Es ist alles geregelt, fragen Sie einfach nicht“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/es-ist-alles-geregelt-fragen-sie-einfach-nicht/</link><description>Ein Mann aus den USA hat jahrelang der örtlichen Apotheke Geld zugesteckt, um die Medikamente von Bedürftigen zu bezahlen. Sein Beispiel zeigt, welche Wunder man heute bewirken kann, wenn man Gottes Auftrag an Abraham vor ein paar Tausend Jahren beherzigt: Du sollst ein Segen sein!</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.</p><p>Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.</p><p>Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.</p><p>Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.</p><p>Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 17,1–9</strong></p><p></p><p>Die Geschichte von Hody Childress ist die eines Mannes, der sich weniger um sich, dafür aber aus vollem Herzen um Bedürftige kümmerte. Dabei quälte er sich selbst bis zu seinem Tod mit Herzproblemen. Er solle in der Hitze Alabamas das stundenlange Fahren auf dem Mähdrescher oder Traktor aufgeben, hatte seine zweite Frau Martha dem leidenschaftlichen Landwirt schon vor Jahren geraten. „Wenn ich auf dem Traktor sterbe, dann sterbe ich als glücklicher Mann“, konterte er die berechtigte Sorge.</p><p>Irgendwann ist er dann tatsächlich gestorben, mit 80 Jahren. Sein Tod wäre über seine ländliche, in der Nähe von Huntsville gelegene Heimatgemeinde Geraldine hinaus nicht weiter von öffentlichem Interesse. Wäre damit nicht plötzlich ein Geheimnis ans Licht gekommen: Childress hatte mehr als zehn Jahre lang der örtlichen Apotheke Geld zugesteckt, das Bedürftigen für den Erwerb von Medikamenten zugutekam.</p><p>Die Apothekerin Brooke Walker erzählte einer US-Reporterin, wie Childress sie eines Tages zur Seite nahm und fragte, ob es Menschen in der Gemeinde gebe, die ihre Medikamente nicht bezahlen könnten. Das passiere immer mal wieder, so Walker. „Beim nächsten Mal nehmen sie das hier“, gab Childress der verblüfften Apothekerin zur Antwort und steckte ihr einen zerknitterten 100-Dollar-Schein zu.</p><p>Die beiden schlossen einen ganz besonderen Pakt: Die Apothekerin solle gegenüber anderen über seine Wohltat schweigen und er wolle auch nicht wissen, wer Nutznießer sei. „Wenn sie fragen, sagen Sie einfach, dass es ein Segen Gottes ist.“ Und Childress kam regelmäßig, Monat für Monat. Jedes Mal ließ er etwas Bares in der Apotheke.</p><p>Das rettete vermutlich das Leben von Eli Schlageter. Der 15-Jährige zeigte nach einem Hornissen-Stich schwere allergische Reaktionen und drohte fast zu ersticken. Er benötige dringend ein 800 Dollar teures Medikament, sagte sein Arzt. Für Elis Mutter unbezahlbar. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, als die Apothekerin die Arznei gratis über den Ladentisch schob. „Es ist alles geregelt, fragen Sie einfach nicht“, sagte Walker.</p><p>Childress konnte mit seinen milden Gaben im Durchschnitt zwei Menschen pro Monat helfen. „Viele konnten dank Hody länger leben“, sagt die Apothekerin. Dass Childress seine Großherzigkeit im ärmlichen Geraldine an der richtigen Stelle einsetzte, verrät die Statistik: Einer von fünf Einwohnern der 900-Seelen-Gemeinde lebt laut Volkszählung von 2020 unterhalb der Armutsgrenze. Das liegt deutlich über dem nationalen Durchschnitt und sogar über dem des als arm geltenden Südstaats Alabama, der relativ wenig Medicaid-Mittel als Fürsorge für Betroffene bereitstellt.</p><p>Ein Viertel der US-Amerikaner hat große Schwierigkeiten, die in den vergangenen Jahren gestiegenen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu bezahlen. Was dazu führt, dass ein Drittel der Betroffenen laut der Kaiser Family Foundation bei der Pillen-Einnahme spart. Beim Schlucken wird gestreckt, die Dosis halbiert oder nur unregelmäßig eingenommen.</p><p>Als Hody Childress starb, entband das die Apothekerin von ihrem Schweigegelöbnis. Dabei war der Wohltäter kein Krösus: Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, arbeitete er jahrzehntelang bei der Luftwaffe und beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, bevor er sich als Rentner der Landwirtschaft zuwandte. So lebte er stets bescheiden und blieb immer zuversichtlich, wie seine Familie berichtet.</p><p>Dabei hatte ihm das Leben schwere Prüfungen auferlegt. Seine erste Frau quälte sich mit Multipler Sklerose, was ihn nicht davon abhielt, sie jahrelang auf die Football-Tribüne seines Clubs zu tragen. In den 1970er-Jahren verlor er seinen Vater und sein mittleres Kind durch einen Tornado.</p><p>Andere wären an solchen Schicksalsschlägen zerbrochen. Childress hingegen entdeckte die Demut und Großzügigkeit. „Er konnte einfach nicht aufhören zu spenden, er hatte das Gefühl, dass er es tun musste“, sagt Tochter Tania Nix über ihren Vater. Er wollte ein Segen sein für andere.</p><p>Sein Tun hinterlässt Spuren. Als die Washington Post und die New York Times nach dem Tod von Hody über sein großes Herz ausführlich berichteten, meldeten sich reihenweise Helfer aus dem ganzen Land. Sie alle wollen den Apothekenfonds fortführen – ganz zur Freude von Tochter Tania: „Wenn das, was er getan hat, auch nur einen Menschen berührt und zeigt, dass es noch Gutes auf der Welt gibt, dann ist es das wert.“ Was zeigt: Segen wirkt.</p><p class="text-right"><em>Thomas Spang</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70856</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2026 08:12:59 +0100</pubDate><title>Aktiv für die Gemeinschaft</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/aktiv-fuer-die-gemeinschaft/</link><description>Die Abtei Münsterschwarzach ist seit 1914 Teil des Marktes Schwarzach am Main. Bei der Kommunalwahl am 8. März kandidieren sechs Mönche auf einer eigenen Wahlliste, angeführt von Pater Christoph Gerhard. Sein Mitbruder Julian Glienke indes ist für Bündnis 90/Die Grünen aktiv.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="1b266199-fc6d-4959-baee-8e11af53e664" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Seit mehr als 80 Jahren engagieren sich die Mönche in der Lokalpolitik. „Wir sind eng mit dem Ort und den Menschen hier verwurzelt. Das ist eine gute Basis, um sich für ein gutes Miteinander zu engagieren“, sagt Pater Christoph Gerhard, der seit zwei Legislaturperioden Teil des Schwarzacher Gemeinderats ist. Auch in der kommenden Amtszeit möchte er die Gemeinde mitgestalten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kein Wahlkampfgetöse aus der Benediktinerabtei</h3><p>Auf einen großen Wahlkampf verzichten die Münsterschwarzacher Benediktiner. „Die Menschen kennen uns und unsere Werte. Sie wissen, wofür wir eintreten“, sagt Pater Christoph. Auf Informationen für die Bevölkerung verzichten die Brüder dennoch nicht ganz. Schließlich wollen die Wahlberechtigten darüber informiert werden, dass die Klosterliste auch dieses Mal auf dem Wahlzettel steht. „Daher setzen wir auf Anzeigen und verteilen Infomaterial.“</p><p>Der Blick in eben dieses Infomaterial zeigt: Es sind vor allem grundlegende Anliegen, die die Brüder umtreiben. Zentrale Themen der Klosterliste sind die Ortsentwicklung und Steigerung der Lebensqualität, die Unterstützung von jungen Menschen, der Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt. „Die aktuelle Lage in der Welt schafft viel Unsicherheit und Angst bei den Menschen. In diesem Klima ist es umso wichtiger, sich auch politisch für andere einzusetzen“, erläutert Pater Christoph Gerhard.</p><p>Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 hat die Liste der Abtei gut acht Prozent der Stimmen in Schwarzach erhalten, im Ortsteil Münsterschwarzach haben etwa 40 Prozent der Einwohner für sie gestimmt. Das bedeutete letztlich einen Sitz im Gemeinderat. „Es wäre ein schöner Erfolg, wieder ein ähnliches Ergebnis zu erzielen“, sagt Pater Christoph. Als Spitzenkandidat der Klosterliste hofft er nun auf eine dritte Amtszeit – und auf die Stimmen seiner Mitbrüder.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gut in der Gemeinschaft und von der Schöpfung leben</h3><p>Unter diesen Mitbrüdern gibt es jedoch einen, der bei einer der etablierten Parteien seine politische Heimat gefunden hat: Bruder Julian Glienke engagiert sich im Kreisvorstand der Kitzinger Grünen und hat beispielsweise an deren regionalem Wahlprogramm mitgearbeitet. Schon lange treibt es ihn um, „dass wir mit unserem Lebensstil die natürlichen Grundlagen zerstören, von denen wir abhängen“.</p><p>Dieser Gedanke verweise wiederum direkt auf sein Leben als Mönch. „Zum einen ist die Betrachtung der Schönheit der Natur eine stetige Quelle von Gotteserfahrung. Zum anderen beschäftigt mich die Frage, was ich wirklich brauche“, sagt Bruder Julian. „So gesehen ist das Leben im Kloster ein alternativer Lebensstil, bei dem wir versuchen, gut in Gemeinschaft untereinander und auch mit der Schöpfung zu leben. Die gibt uns das Nötige zum Leben, und die wollen wir erhalten.“ Aus dem Wahlkampf hält sich der Mönch heraus. Er organisiert lieber im Hintergrund, um sich und Parteifreunde zu vernetzen und so die demokratische Mitte zu stärken.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Über die große Politik wird nur gelegentlich gesprochen</h3><p>Für den Gemeinderat kandidiert der Benediktiner aus Münsterschwarzach ebenfalls nicht. Er möchte der Klosterliste seiner Mitbrüder keine Konkurrenz machen. So erwächst aus seinem parteipolitischen Engagement höchstens einmal eine beherzte Diskussion hinter den Klostermauern, aber garantiert kein Streit. „Intern sprechen wir gelegentlich über die große Politik und ihre Folgen“, sagt Bruder Julian, „tragen aber keine politische Auseinandersetzungen in den Konvent hinein“.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p><p></p></section><section compid="c4cfdb3e-3441-4f6f-a137-93158b3b6734" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_1">Veranstaltung: Kirche und Politik</h3><p>„Demokratie und…“ heißt die Veranstaltungsreihe von Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried, Domschule Würzburg, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Akademie Frankenwarte, Kolping Akademie sowie Volkshochschule Würzburg und Umgebung. Am Dienstag, 10. März, 19 Uhr geht es um die Positionierung der christlichen Kirchen bei politischen Themen. Zu Gast ist Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats und ehemaliger Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern. Anmeldung zur Veranstaltung im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus (Wilhelm-Schwinn-Platz 3, 97070 Würzburg) bis 3. März per Telefon 0931 321750 oder E-Mail an <a href="mailto:mail@schroeder-haus.de">mail@schroeder-haus.de</a>.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70855</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2026 08:07:34 +0100</pubDate><title>Neuer Name, neues Team, bewährte Ziele</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/neuer-name-neues-team-bewaehrte-ziele/</link><description>Die neue Leiterin Katharina Leniger und einige ihrer Mitarbeiter berichten, was sich ändert und was gleich bleibt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von Exerzitien an verschiedenen Orten in und außerhalb des Bistums bis zum Frauen-Wochenende im Tagungszentrum Schmerlenbach, von Jahreszeiten-Gottesdiensten in Himmelspforten bis zur spirituellen Auszeit für kirchlich Engagierte, von Abendwanderungen bis zum Taizé-Tag, vom meditativen Bogenschießen für Frauen bis zum Berufungswochenende: Das aktuelle Jahres-Programm des neu benannten Referats Spritualität umfasst mehr als 50 Angebote aus unterschiedlichen Bereichen. Der Titel „Innehalten – Kraft schöpfen – Orientierung finden“ gibt die inhaltliche Richtung vor.</p><p>Sophia Hagmaier, Jugendbildungsreferentin im Diözesanverband Würzburg der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, hat beim Auszeit-Wochenende aus dem Programm wertvolle Erfahrungen gemacht: „Ich habe erfahren, was es bedeutet, sich die Freiheit zu nehmen, einmal innezuhalten und wirklich zu fühlen, wie es mir geht – jenseits vom Alltag.“ Dabei seien viele Fragen aufgekommen, zum Beispiel: „Was bewegt mich? Was trägt mich? Und was ist es eigentlich, das meinem Leben Bedeutung gibt?“ Hagmaiers Fazit nach dem Angebot des Referats Spiritualität: „Egal, ob miteinander gelacht, geweint oder geschwiegen wurde – es war eine bedeutungsvolle Zeit, geprägt von echten Begegnungen, gedankenreichen Gesprächen, einer besonderen Atmosphäre und einmaligen Momenten, die direkt ins Herz gehen.“</p><p>Geleitet hat das Auszeit-Wochenende im Tagungshaus Schmerlenbach Katharina Leniger. Die Theologin wechselte im Herbst 2024 von der theologischen Fakultät der Uni Würzburg zur Diözese Würzburg und leitet das Referat Spiritualität. „Mit den Angeboten im Bereich Lebensorientierung und Berufung möchten wir Menschen begleiten, die sich in ihrem Leben gerade nach einer Neuausrichtung oder Reflexion ihrer Zukunftsvorstellungen sehnen“, sagt die 34-Jährige. „Dazu gehört, den Grund zu spüren, auf dem jede Person steht und diesen auch und immer wieder im Glauben an Gott zu erfahren.“</p><p>Die Veranstaltungen im Bereich Lebensorientierung und Berufung für jüngere Menschen seien ähnlich zu anderen Formaten wie spirituelle Auszeiten, Exerzitien oder Besinnungstage. „Sogar Veranstaltungen im Bereich der spirituellen Bildung thematisieren immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Lebensweg, mit dem Glauben an Gott und seiner Bedeutung für das eigene Leben und die Begegnung mit anderen Menschen“, sagt Leniger.</p><p>Die Theologin ist beim Wechsel zur Diözese in große Fußstapfen getreten: Domvikar Paul Weismantel hatte das bisherige Referat Geistliches Leben (RGL) über Jahrzehnte aufgebaut und geprägt. „Spiritualität ist mein Leben, ich arbeite gerne weiter mit“, fasst Weismantel seine heutige Rolle im neu benannten Referat zusammen. Er betreut als Geistlicher Leiter das Exerzitienhaus Himmelspforten, leitet selbst noch Schweige-Exerzitien und Besinnungstage und bringt weiter seine Broschüren zur Fasten- und Adventszeit heraus.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Von Berufungsportal bis Exerzitien</h3><p>Die drei Schwerpunkte Berufungspastoral, Personalseelsorge und Exerzitien hätten sich im Bistum Würzburg über Jahrzehnte etabliert. Mit seiner Nachfolgerin und der Umbennung des RGL komme er sehr gut klar: „Aus den Leitungsfragen halte ich mich raus“, betont Weismantel. Eigentlich hätte er im vergangenen Jahr zum 70. Geburtstag in Ruhestand gehen sollen. „Meine Stelle wurde um ein Jahr verlängert, ob das heuer ein weiteres Jahr verlängert wird, entscheidet der Bischof.“</p><p>Nach den Worten von Katharina Leniger würden viele Menschen unter „Geistlichem Leben“ häufig besondere Lebensformen verstehen, nämlich vor allem die der Priester und Ordensleute. „Unser Angebot ist aber für alle Personen und richtet sich dezidiert auch an Menschen, die (noch) nicht so geübt und versiert im Bereich christliche Spiritualität sind“, betont die neue Referatsleiterin. Das Programm biete möglichst offene und breit gefächerte Angebote: draußen, schweigend, in Gemeinschaft, im Bereich Bildung und vieles mehr. Auch strukturell habe es Änderungen gegeben: Die Unterreferate seien aufgelöst, aber die bewährten Inhalte beibehalten worden. Die Referate „Exerzitien und Spirituelle Arbeit“, „Personalseelsorge“ und die Diözesanstelle „Berufung und Lebensorientierung“ wurden zu den Schwerpunkten „Geistliche Begleitung“, „Spirituelle Angebote-Exerzitien“, „Lebensorientierung-Berufung“ und „Personalseelsorge“, wobei spezifisch Diakone und Priester seelsorglich begleitet werden.</p><p>Wichtig sei ihr, nicht nur für und in Würzburg tätig zu sein, sondern „ins Bistum hinein zu wirken und so auch Kontakt zu den Dekanaten und Pastoralen Räumen zu suchen“. Es gebe ein weiterhin großes Interesse an spirituellen Angeboten und auch an Geistlicher Begleitung. „Nur wissen die Menschen oft nicht, was es alles gibt.“ Deshalb wolle sie die Kooperation mit Tagungshäusern, den Teams in den Patoralen Räumen und Klöstern intensivieren. Schwerpunkt der eigenen Arbeit seien die Bildungsangebote im Exerzitienhaus Himmelspforten. Einen besonderen Stellenwert hätten zudem die Geistlichen Teamtage für Mitarbeiter in Pastoralen Räumen, die das Referat Spiritualität mit der Gemeindeberatung anbietet.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Menschen offen begleiten“</h3><p>Katharina Leniger und Domvikar Manuel Thomas stellen zudem in Absprache mit der Abteilung Personalgewinnung die Berufungspastoral neu auf. „Wir vertreten dabei einen weiten Begriff von Berufung“, sagt Leniger. Das bedeute, Menschen zu begleiten, ihren Platz zu finden und beim Hören darauf, wo sie gerufen sind, in der Welt zu wirken. Wichtig ist ihr dabei: „Christ:in sein in der Welt kann jede Person auch jenseits kirchlicher Tätigkeiten oder Berufe.“ Und Priester Manuel Thomas ergänzt: „Es ist uns wichtig, Menschen, die zu uns kommen mit dem Anliegen, einen geistlichen Weg zu gehen, offen zu begleiten.“ Spiritualität habe viel mit der Haltung zu tun, ob Menschen Gott in ihr Leben lassen.</p><p>Pastoralreferentin Gabriele Saft begleitet unter anderem Studierende während des Studiums und ihrer pastoralen Ausbildung. „Kirche wird oft sehr auf Liturgie und Katechese reduziert, Spiritualität trauen uns viele gar nicht zu“, berichtet die Geistliche Begleiterin. Dabei sei die „Herzensbildung“ so wichtig für Christinnen und Christen. „Spiritualität wird jetzt bunter“, kommentiert Gabriele Saft die Umbenennung des früheren Referats Geistliches Leben.</p><p>Die mehr als 50 Angebote im Programm wenden sich an Menschen verschiedenen Alters und in unterschiedlichen Lebensphasen. Sie seien etwa nach dem Verlust von lieben Angehörigen oder nach dem Ausstieg aus dem Beruf auf der Suche. Pastoralreferentin Elke Wallrapp betreut unter anderem „Frauen im Alltagstrubel“. Neben einem Wochenende für Frauen in Kooperation mit der Frauen-Seelsorge des Bistums biete sie unter dem Motto „Wachsen und Reifen“ am 28. und 29. Dezember einen spirituellen Jahresrückblick an.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wanderexerzitien in den Alpen</h3><p>„Ich erlebe, dass viele Menschen auf der Suche sind, am Scheideweg oder durch Schicksalsschläge“, erzählt Pastoralreferent Holger Oberle-Wiesli. Mit seinen regelmäßigen Wanderexerzitien geht er im wörtlichen Sinn neue Wege mit den Teilnehmern. Im vergangenen Herbst stand wieder das Oberinntal auf dem Programm, weil er die Gegend aus seiner Studienzeit kennt. 17 Teilnehmer suchten eine Woche lang innere Einkehr beim Wandern in der herbstlichen Bergwelt. „Dem Schöpfer so nahe“ lautet für viele das Motto.</p><p>Holger Oberle-Wiesl steuerte täglich spirituelle Texte, Lieder und Gebete bei, es gab Morgenimpulse in der Klosterkirche, in Kapellen am Wegesrand oder auch in freier Natur. Der Wallfahrtsweg von Flies nach Faggen oberhalb des Inns inspirierte zur Dankbarkeit. Weitere inhaltliche Schwerpunkte waren Erbarmen zeigen, Mitgefühl, Nächstenliebe, maßvolles Leben und das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit.</p><p>„Die morgendliche Impulsandacht ist immer ein inspirierender Start in den Tag“, sagt Teilnehmer Hermann Scherpf. Das Gehen in der Natur, begleitet von kurzen Impulsen und Zeiten der Stille, helfe ihm, innerlich zur Ruhe zu kommen und Wesentliches neu zu ordnen. „Ich erlebe diese Tage als wohltuende Unterbrechung meines Alltags, die mir Klarheit schenkt und Dankbarkeit wachsen lässt.“ Die Wanderexerzitien ermöglichten Tiefe – durch Bewegung, Natur und Reflexion.</p><p>Seine Frau Gabriele Scherpf bezeichnet die Wanderexerzitien jedes Jahr als „Highlight, um mit der Schöpfung, mir selbst und der Gemeinschaft ganz eng in Berührung zu kommen“. Und weiter: „Die Großartigkeit und Erhabenheit der Bergwelt lässt mich die Unfassbarkeit des Schöpfergottes erahnen und erfüllt mich immer wieder aufs Neue mit dem absoluten Gefühl der Ehrfurcht und Dankbarkeit.</p><p>Mit auf den Weg durchs Oberinntal hat sich auch Stefan Fries gemacht. Sein Herz schlage höher, wenn er in den Bergen wandere. „Beeindruckende Landschaften, herzige Leute, gute Gespräche und berührende Impulse, Gebete und Lieder. Das alles zusammen berührt meine Seele und macht mich glücklich, dankbar und zufrieden und ich fühle mich so eng verbunden mit der Schöpfung.“</p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p><p>Infos, Programm und Bestellformular für den Newsletter finden Sie auf <a href="https://spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/" target="_blank" class="external-link">www.spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de</a>.</p><p></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Das neue Team</h3><p>Die Theologin Katharina Leniger leitet seit Herbst 2024 das Referat Spiritualität. Pastorale Mitarbeitende sind Pastoralreferent Holger Oberle-Wiesli (je 50 Prozent im Referat und im Pastoralen Raum Elsenfeld), Pater Jakob Olschweski OSA (50 Prozent, Priesterseelsorge mit Sitz in Münnerstadt), Diakon Karl Pöppel (80 Prozent, Diakonen-Seelsorge und Spiritual für Diakone in Ausbildung), Pastoralreferentin Gabriele Saft (75 Prozent, Personalseelsorge und Mentorin für Auszubildende in der Pastoral), Domvikar Manuel Thomas (je eine halbe Stelle in Berufungspastoral und im Pastoralen Raum Würzburg Süd-Ost), Pfarrer Werner Vollmuth (50 Prozent, Priesterseelsorge), Pastoralreferentin Elke Wallrapp (50 Prozent) und Domvikar Paul Weismantel (25 Prozent, Geistliche Leitung des Exerzitienhauses Himmelspforten). In der Verwaltung unterstützen Silke Beetz, Ruth Lerch und Petra Möhricke.</p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Geistliche Begleitung</h3><p>Geistliche Begleitung ist laut Katharina Leniger „ein seelsorgerliches Gesprächsangebot, das hilft, den eigenen Weg mit Gott (neu) zu entdecken und zu vertiefen.“ Grundlage sind Gespräche über Leben, Glauben, Beziehung zu Gott, Sehnsucht, Ängste, Fragen, Wünsche, Hoffnungen und vieles mehr. Geistliche Begleitung zeige „die feinen Linien auf, diedas Leben und den Glauben miteinander verbinden“. Mit Gott an der Seite werde der Blick auf das Wesentliche geweitet, um so das „Mehr“ im eigenen Leben zu entdecken. In der Diözese Würzburg gibt es derzeit rund 40 Geistliche Begleiterinnen und Begleiter – Ehrenamtliche und Personen, die im seelsorgerlichen (pastoralen) Dienst sind, darunter Gemeinde- und Pastoralreferenten, Diakone, Priester und Ordensleute. Die Geistlichen Begleiter leben und arbeiten somit in unterschiedlichen Lebenskontexten und Berufen. Besonders beachtet werden die Themen Prävention und Intervention sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs geistlicher Autorität. In den kommenden Jahren sollen weitere Geistliche Begleiter ausgebildet und gefördert werden.</p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Zuschüsse möglich</h3><p>Das Bistum Würzburg gewährt für viele Veranstaltungen des Referats Spiritualität Zuschüsse. Eine der Voraussetzungen dafür ist, dass die Angebote mindestens drei Übernachtungen beinhalten. Weitere Informationen zu den Rahmenbedingungen für Veranstaltungen und für Teilnehmer sind auf der Seite <a href="https://spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/zuschuesse/bezuschussung-exerzitien" target="_blank" class="external-link">www.spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/zuschuesse/bezuschussung-exerzitien</a> zusammen gestellt.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70656</guid><pubDate>Sun, 22 Feb 2026 07:48:00 +0100</pubDate><title>Was die Tat teuflisch macht</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/was-die-tat-teuflisch-macht/</link><description>Immer am 1. Fastensonntag wird im Evangelium verkündet, wie Jesus in der Wüste in Versuchung geführt wird. Wenn man sein weiteres Leben betrachtet, merkt man: Jesus hat wohl nicht prinzipiell etwas gegen die Vorschläge des Teufels. Ihn stört das Ziel: der Eigennutz.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.</p><p>Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.</p><p>Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.</p><p>Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 4,1–11</strong></p><p>Die bei Matthäus und Lukas sehr ausführlich erzählte, geradezu dramatische Geschichte der Begegnung Jesu mit dem Versucher ist so bekannt, dass man kaum noch über sie nachdenkt. Ist doch klar, dass Jesus gewinnt. Ist doch klar, dass er den Verführungen des Teufels widersteht.</p><p>Aber was ist eigentlich das Teuflische an der Sache? Denn wenn man genau hinschaut, ist Jesus im Grunde den drei Vorschlägen des Teufels gar nicht so abgeneigt. Oder noch genauer: Eigentlich macht er das, was der Teufel will. Nur später. Und mit anderer Zielrichtung. Das glauben Sie nicht? Schauen wir mal ...</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Steine zu Brot</h3><p>Jesus hat Hunger. Kein Wunder: Seit 40 Tagen hält er sich in der Wüste auf, um zu fasten und zu beten. Noch ist er nur ein Zimmermannssohn aus Nazaret, aber er ist auf der Suche nach seiner wahren Berufung. Und um die zu finden, geht er in die Einsamkeit. So wie viele vor und nach ihm. Fasten und beten – ein religiöses Urprinzip.</p><p>Und dann kommt die Versuchung: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Aber Jesus tut es nicht. Mit einer frommen Begründung: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“</p><p>Zeitsprung: Jesus ist mit Hunderten oder gar Tausenden Menschen in einer einsamen Gegend zusammen. Sie sind gekommen, um ihn zu hören: Männer, Frauen und Kinder. Den ganzen Tag sind sie schon zusammen und irgendwann knurrt ihnen der Magen. Matthäus erzählt: „Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ (Mt 14,15)</p><p>Was dann folgt, wissen Sie: die wunderbare Brotvermehrung. Nein, Jesus macht nicht aus Steinen Brot, aber er sorgt doch dafür, dass es alle zu essen haben. „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.“ (Mt 14,19–20)</p><p>Sie merken, so unähnlich ist die Situation gar nicht: Es geht um eine einsame Gegend, um Menschen, die aus religiösen Gründen dorthin gekommen sind, es geht um Hunger und Wunderkräfte. Einmal verweigert sich Jesus, einmal wirkt er das Wunder. Der Unterschied: Einmal geht es um ihn selbst, das andere Mal um andere Menschen. Offensichtlich ist das für Jesus entscheidend: Ob er sich selbst satt macht oder die, die ihm gefolgt sind, um ihm zuzuhören. Ob er sich selbst Gutes tut oder anderen. Anders gesagt: Ob er aus Egoismus handelt oder aus Nächstenliebe. Egoismus ist teuflisch, Nächstenliebe göttlich.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Stürz dich hinab</h3><p>Die zweite Versuchung spielt auf dem Dach des Tempels. Jesus steht am Abgrund, es geht um Leben und Tod. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab!“ Die Engel, so die Logik, würden ihn schon auffangen. Wieder weigert sich Jesus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen!“</p><p>Zeitsprung: Jesus wird von Maria und Martha nach Betanien gerufen. Ihr Bruder Lazarus ist krank. Jesus kann heilen, das wissen die Frauen. Doch Jesus verspätet sich und als er kommt, ist es zu spät: Lazarus ist tot. Sogar bestattet ist er schon. Und Maria klagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ (Johannes 11,32).</p><p>Was dann folgt, wissen Sie: Jesus erweckt den Toten zum Leben. Aber nicht aus eigener Kraft. Bei Johannes heißt es: „Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (11,41). Offensichtlich hat Jesus gebetet, seinen Vater angefleht, Lazarus aus dem Tod zu holen – und hat damit Gott auf die Probe gestellt.</p><p>Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: Es geht um Leben und Tod. Und es geht um die Bitte, Gott möge jemanden wundersam erretten. Der Unterschied: Einmal geht es um Jesus selbst und eine ziemlich sinnfreie Show. Das andere Mal geht es um Lazarus, um seine weinenden Schwestern und um alle, die dabei sind. Jesus betet: „Vater, ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Gott zu bitten um der Show willen, ist teuflisch. Ihn zu bitten, um zu retten, ist göttlich.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Alle Reiche der Welt</h3><p>Schließlich die dritte Versuchung: Der Teufel geht mit Jesus auf einen hohen Berg. „Er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben.“ Und wieder widersteht Jesus: „Weg mit dir, Satan!“</p><p>Zeitsprung: Wir befinden uns ganz am Ende des Matthäusevangeliums. Jesus ist auferstanden von den Toten. In Galiläa, auf einem hohen Berg, zeigt er sich seinen Jüngern und erteilt ihnen einen Auftrag. Er sagt: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“</p><p>Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: der Berg, die Reiche der Welt, die Menschen, die alle Jesus gehören sollen, der Macht hat im Himmel wie auf Erden. Der Unterschied: Im ersten Fall soll Jesus sie bekommen im Namen des Bösen und mutmaßlich mit Gewalt, denn das ist der Preis: dass „du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“. Im zweiten Fall will Jesus die Reiche der Welt erobern im Namen der Liebe und mutmaßlich durch Verkündigung und Vorbild, denn Jesus sagt: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“</p><p>Was diese kleine Gegenüberstellung zeigt? Dass es nicht immer auf die Tat selbst ankommt, sondern auf den Geist, in dem sie vollbracht wird. Auf das Ziel. Und da gilt: Egoismus, Selbstdarstellung und Gewalt sind teuflisch. Nächstenliebe, Hilfe und die Kraft der Liebe sind göttlich. Und wir alle stehen wie Jesus in der Wüste in der Spannung zwischen diesen Polen.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>

]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70655</guid><pubDate>Tue, 17 Feb 2026 07:42:31 +0100</pubDate><title>Eine Wahl, der Ideen und Aktionen folgen werden</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/eine-wahl-der-ideen-und-aktionen-folgen-werden/</link><description>Unübersehbar sind die Plakate für die Kommunalwahl am 8. März. Doch schon eine Woche vorher steht die Pfarrgemeinderatswahl an. Durch Briefwahl, Urnengang oder per Akklamation besetzen Katholiken in den Gemeinden Ehrenämter.</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Gemeinsam gestalten – gefällt mir“ ist das Leitmotiv für die Wahl. So viel Optimismus das Motto verbreitet, die Kandidatensuche ist kein Selbstläufer. Diese Erfahrung machen Verantwortliche in Pfarrgemeinden. Die Bereitschaft, sich für ein Ehrenamt vier Jahre lang zu binden, sinkt. Helfer für einzelne Projekte zu finden sei einfacher, sagt Nicole Schönbrod von der Pfarrei St. Justinus Alzenau. Besonders junge Leute seien nur schwer zu gewinnen, berichtet Claudia König von der Pfarreiengemeinschaft (PG) „Liborius Wagner“ in Stadtlauringen. Das bestätigt Sonja Großmann aus der PG Franziska Streitel in Mellrichstadt. Frauen seien eher bereit zu kandidieren als Männer, beobachtet Nicole Schönbrod und ergänzt: „Wir müssen dankbar sein für jeden, der sich in der Kirche engagiert.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Menschen bringen sich ein</h3><p>Am 1. März werden entweder örtliche Gemeindeteams oder ein Gemeinsamer Pfarrgemeinderat für eine Pfar&shy;reiengemeinschaft gewählt. Wird über einen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat abgestimmt, soll vor Ort ein Zusammenschluss Ehrenamtlicher das Gemeindeteam bilden.</p><p>In der PG „Franziska Streitel“ Mellrichstadt wählen die Katholiken einen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Ursprünglich vorgesehen waren jeweils zwei Sitze für sechs Gemeinden, also zwölf Sitze. Da sich in einer Gemeinde nur eine Kandidatin gefunden hat, werden jedoch nur elf Sitze besetzt. Ziel in der PG ist eigentlich, dass möglichst jede Gemeinde die gleiche Anzahl an Sitzen hat. Die Ortsgröße spielt dabei keine Rolle. 100-prozentig klappt das jetzt nicht. Dank der Proporzwahl ist aber sicher, dass jede Gemeinde im neuen Pfarrgemeinderat vertreten sein wird, teilt Pastoralreferent Ulrich Emge erfreut mit.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Echte Wahlmöglichkeit</h3><p>Auch Sonja Großmann ist mit den bisherigen Wahlvorbereitungen in der PG Franziska Streitel zufrieden. Die Leiterin des Wahlausschusses und amtierende Vorsitzende des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats und des Rats im Pastoralen Raum stellt fest: „Bei uns läuft es ganz gut.“ Positiv ist für sie auch, dass es in diesem Jahr eine echte Wahlmöglichkeit gibt. Es gibt 14 Bewerber um die elf Sitze.</p><p>Die Wahl eines Gemeinsamen Pfarrgemeinderats habe sich bewährt, erklären Großmann und Emge. Großmann schätzt daran, dass sie dort mit den Vertretern der anderen Gemeinden ins Gespräch kommt. In den meisten Ortschaften gelinge es zudem, Ehrenamtliche für ein Gemeindeteam zu gewinnen. Die Teams vor Ort seien sehr wichtig, so Großmann. Wo sich kein Gemeindeteam zusammenfindet, werde es schwierig mit örtlichen Aktivitäten. „Da passiert dann wenig“, sagt auch Emge.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wie viele Gremien sind nötig?</h3><p>Die Pfarreiengemeinschaft „Liborius Wagner“ in Stadtlauringen verabschiedet sich 2026 vom bisherigen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat und wählt Gemeindeteams, die Delegierte direkt in den Rat im Pastoralen Raum entsenden. Das liegt nach Auskunft von Claudia König (Vorstand Pfarrgemeinderat) nicht etwa an schlechten Erfahrungen. Die Verantwortlichen wollen vielmehr eine einheitliche, gangbare Lösung für den Pastoralen Raum „Schweinfurter Oberland“, zu dem Stadtlauringen gehört. „Wir wollten nicht noch mehr Gremien – für Ortschaft, Pfarreiengemeinschaft, Pastoralen Raum – haben“, führt König als Begründung an. Um die Zahl der Sitzungen überschaubar zu halten, soll auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft ein Ausschuss arbeiten.</p><p>König ist froh, dass sich in ihrem Heimatort Stadtlauringen die meisten Ehrenamtlichen des bisherigen Gemeinsamen Pfarrgemeinderats wieder zur Wahl stellen. Allerdings gab es bis Ende Januar etwas weniger Kandidaten als Sitze in den Gemeindeteams. Deshalb sollten nochmals Männer und Frauen angesprochen werden. Auch eine Box für Wahlvorschläge stand bis Monatsende in der Kirche.</p><p>In Alzenau wählen die Gläubigen ebenfalls Gemeindeteams. „In Alzenau und in den Ortsteilen Albstadt, Michelbach, Kälberau, Wasserlos und Hörstein machen die meisten Mitglieder der Gemeindeteams weiter“, weiß Nicole Schönbrod. Sie ist vor Ort im Gemeindeteam aktiv und betreut die Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei. Für die Stadtgemeinde Alzenau ging Schönbrod Ende Januar davon aus, dass etwas weniger Kandidaten als zu vergebende Sitze zur Verfügung stehen. Aber das könne sich kurzfristig ändern. Das Team wolle noch mögliche Kandidaten und Kandidatinnen ansprechen. Es habe durchaus schon Männer und Frauen gegeben, die sich in letzter Minute zur Wahl aufstellen ließen, ist Schönbrods Erfahrung.</p><p>In der gesamten Pfarrei Alzenau können noch bis zum 15. Februar Kandidaten auf die Liste genommen werden, weil dort per Akklamation gewählt wird. Anders als bei der Briefwahl braucht dieser Modus keine so lange Vorlaufzeit. Nach dem Gottesdienst am 1. März findet eine Versammlung in der Kirche statt. Die Teilnehmer geben ihre Wahlentscheidung durch Handabstimmung bekannt, ohne dass eine Stimmauszählung notwendig wäre. Schönbrod hofft, dass am Wahlsonntag viele Gemeindemitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Briefwahl und Urnengang</h3><p>In Mellrichstadt haben sich die Verantwortlichen für die Briefwahl entschieden. Dort wurden die Briefwahlunterlagen bei einem gemeinsamen Termin eingetütet und ab Ende Januar/Anfang Februar verteilt. „Wir sind zuversichtlich, dass die Wahl gut angenommen wird“, betont Sonja Großmann. In Stadtlauringen gibt es den klassischen Urnengang direkt am Wahlsonntag. Allerdings können Wahlberechtigte auch Briefwahlunterlagen anfordern, so Claudia König.</p><p>Die Verantwortlichen aus Alzenau, Mellrichstadt und Stadtlauringen gehen mit Zuversicht in die Pfarrgemeinderatswahl und in die bevorstehende neue Amtsperiode. Denn alle berichten von schönen Aktionen und positiven Erfahrungen in den vergangenen Jahren und sind guter Dinge, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.</p><p>Pastoralreferent Ulrich Emge hält die Arbeit in den Gemeindeteams, in den Pfarrgemeinderäten und Räten im Pastoralen Raum für ausgesprochen wichtig. Die Ideen und Aktivitäten, die hier entstehen, sind für Emge eine „Einflugschneise für den Heiligen Geist“.</p><p class="text-right"><em>Heike Beudert</em></p><p></p><p><strong>Informationen zur Pfarrgemeinderatswahl im Bistum Würzburg finden Sie online unter <a href="https://pfarrgemeinderatswahl.de/" target="_blank" class="external-link">www.pfarrgemeinderatswahl.de</a>.</strong></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70521</guid><pubDate>Sun, 15 Feb 2026 08:02:00 +0100</pubDate><title>Auch das Nein muss man üben</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/auch-das-nein-muss-man-ueben/</link><description>Jesus fordert im Evangelium ein klares Ja und ein klares Nein. Dabei ist das Ja oft lieber gesehen – in der Kirche wie in privaten Beziehungen. Warum es gut ist, auch mal Nein zu sagen, erklärt die Diplom-Psychologin Andrea Stachon-Groth.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.</p><p>Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.</p><p>Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe! Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.</p><p>Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.</p><p>Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.</p><p>Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs! Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 5,17–37</strong></p><p></p><p><em>Frau Stachon-Groth, warum fällt es uns oft so schwer, Nein zu sagen?</em></p><p>Wir Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Da wird ein Nein schnell als Ablehnung und als beziehungsschädigend angesehen, weil das Gegenüber enttäuscht werden könnte. Manche haben Sorge, dass sie dann als egoistisch und nicht hilfsbereit gelten, wenn sie Nein sagen. Sie fühlen sich verantwortlich für das Wohlbefinden der anderen, gehen in eine überhöhte Verantwortung oder versuchen, Konflikte zu vermeiden.</p><p><em>Kann das gut gehen?</em></p><p>Vordergründig vielleicht, aber dann kann es schnell passieren, dass ich an meine eigenen Grenzen komme. Wenn ich die nicht ernst nehme, gerate ich in die Überlastung und kann meinem Gegenüber auch nichts mehr geben.</p><p><em>Fällt ein Nein im sozialen, zwischenmenschlichen oder kirchlichen Bereich schwerer als etwa im Berufsleben?</em></p><p>Wenn ich im Beruf abhängig bin oder an einem unsicheren Arbeitsplatz, ist ein Nein genauso schwer wie im sozialen oder zwischenmenschlichen Bereich. Da überlege ich dann vielleicht, ob ich mir das beruflich leisten kann. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es außerdem viele emotionale Erwartungen an mich. Viele merken aber, dass es, wenn sie mal ein Nein ausgesprochen haben, auch eine Klarheit und Sicherheit gibt, die gut tut. Dann weiß man, woran man ist. Das hilft oft mehr, als wenn man nur ein halbherziges Ja sagt.</p><p><em>Jesus fordert im Evangelium, sich klar für Ja oder Nein zu entscheiden. Wie kann ich Nein-Sagen lernen?</em></p><p>Das Wichtigste ist, sich nicht gleich aus einem Affekt heraus auf ein Ja oder Nein festzulegen. Es braucht Zeit, sich bei schwierigen Entscheidungen, die auch Konsequenzen haben, erstmal zu prüfen: Was will ich eigentlich? Kann ich das leisten, was da erwartet wird? Es kommt auch auf die Art und Weise an, wie ich es dann kommuniziere. Da hilft es, dem Gegenüber wertschätzend zu signalisieren, dass ich verstehe, dass derjenige sich etwas von mir wünscht. Aber dann auch klar und authentisch – und ohne viele Entschuldigungen und Rechtfertigungen – sagen, was ich selbst will. Das gelingt am besten, wenn ich es im Kleinen übe.</p><p><em>Was heißt das konkret?</em></p><p>Es müssen ja nicht gleich die großen Lebensentscheidungen sein. Ein Nein kann auch mal angebracht sein, wenn man in der Alltagsbanalität gefragt wird, ob man noch schnell einkaufen gehen kann. Wenn es eben nicht passt, weil ich in Zeitdruck bin, kann ich da auch ein Nein üben, ohne dass gleich die Welt untergeht.</p><p><em>Und dann?</em></p><p>Daraus kann ich lernen, wie ich mit den unangenehmen Situationen beim Nein-Sagen umgehen kann. Viele gehen in eine Vermeidungshaltung. Aber das löst nichts, denn wir lernen nur über Erfahrung.</p><p><em>Haben Sie dafür ein Beispiel?</em></p><p>Ich kann schlecht mit dem Auto rückwärts einparken. Aber wenn ich das deshalb nie mehr mache, wird es ja auch nicht besser und wird sogar vielleicht zur Angst vor dem Einparken. Ich muss es immer wieder in harmlosen Situationen ausprobieren, um so Schritt für Schritt etwas zu verändern. Dann ist das auch ein Erfolg, der gut tut. Gleichzeitig ist wichtig, dass ich nicht Nein sage um des Nein-Sagens willen. Es geht ja um die Prüfung, ob mir das, was ich entscheide, guttut.</p><p><em>Nach welchen Kriterien kann ich entscheiden, ob ein Ja oder ein Nein für mich besser ist?</em></p><p>Emotionen sind oft schneller als der Kopf beim Verstehen. Es gibt dann klare körperliche Signale. Manche merken das, wenn ihnen die Luft wegbleibt, dass sie Kopfschmerzen bekommen oder der Magen reagiert. Das sind Signale, die ich wahrnehmen und ernst nehmen muss, damit ich nicht Ja zu etwas sage, was ich eigentlich gar nicht will und kann.</p><p><em>Wenn ich mich nun für Ja oder Nein entschieden habe: Darf ich dann gar nicht mehr meine Meinung ändern und umfallen? Bei Jesus klingt das so …</em></p><p>Ich finde es zunächst wichtig, das nicht gleich als Umfallen zu bewerten. Meine Entscheidung kam ja nicht aus einer Laune heraus. Negativ wäre es nur, wenn ich etwa ein Ja strategisch einsetze, um mich beliebt zu machen, und dann immer wieder zurückrudere. Vielleicht wird im Lauf der Zeit aber deutlich, dass sich Umstände geändert haben oder ich bestimmte Dinge nicht vorhersehen konnte. Wenn ich nur stur eine Entscheidung durchziehe trotz aller Entwicklungen, bin ich ja auch nicht lern- und veränderungsfähig.</p><p><em>Was macht das mit den Beziehungen zu anderen, wenn ich meine Entscheidung ändere?</em></p><p>Es gehört natürlich Mut dazu, zu seinen Schwächen zu stehen und auch mal festzustellen: Hier muss ich ein Ja aufgeben und doch Nein sagen, weil ich es doch nicht schaffe. Aber genau das kann eine Beziehung auch stärken. Das Gegenüber merkt ja, ob es authentisch und wahrhaftig ist, was ich sage. Das kann zu einer größeren Nähe und Vertrautheit auch innerhalb der Beziehungen führen. Wenn ich merke, dass ich geliebt werde, auch wenn ich nicht perfekt funktioniere, nicht alle Erwartungen erfülle und zu allem Ja sage: Das stärkt eine Beziehung und auch mich selbst.</p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Andrea Stachon-Groth ist Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster und Vorsitzende der Katholischen Bundeskonferenz der EFLs.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70620</guid><pubDate>Fri, 13 Feb 2026 15:19:48 +0100</pubDate><title>Von Synodalität bis Bätzing-Nachfolge</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/von-synodalitaet-bis-baetzing-nachfolge/</link><description>Die aktuell 59 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz 
treffen sich vom 23. bis 26. Februar in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung. Auf der Tagesordnung stehen die 
Wahl eines neuen Vorsitzenden, ein Studientag zum christlich-muslimischen Dialog und gesellschaftspolitische Fragen.</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>1. Welche Bedeutung haben die Bischofskonferenzen weltweit?</strong></p><p>Die Vatikanischen Jahrbücher listen regelmäßig die weltweit bestehenden römisch-katholischen Bischofskonferenzen auf. Die genaue Zahl variiert durch Zusammenschlüsse, im Jahr 2018 gab es<br />114 Bischofskonferenzen und 18 Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen. Sie setzen sich aus den Ortsbischöfen verschiedener Länder oder Regionen zusammen und dienen der Koordination pastoraler Aufgaben der rund 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.</p><p><strong>2. Wie ist die Deutsche Bischofskonferenz aufgestellt?</strong></p><p>Der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gehören die Diözesanbischöfe oder -administratoren der 27 deutschen (Erz-)Bistümer und sämtliche Weihbischöfe an. Derzeit hat die Bischofskonferenz 59 Mitglieder und vertritt rund 19,8 Millionen Katholiken in Deutschland. Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz ist der&nbsp; Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der am 4. März 1968 als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet wurde. Die Konferenz hat ihren Sitz in Bonn, oberstes Organ ist die jeweils im Frühjahr und im Herbst tagende Vollversammlung.</p><p><strong>3. Wer leitet die Deutsche Bischofskonferenz?</strong></p><p>Die Vollversammlung wählt alle sechs Jahre einen Vorsitzenden, der die Konferenz nach außen vertritt. Während alle 59 Mitglieder wählen dürfen, können lediglich die 27 Diözesanbischöfe gewählt werden. Die Wahl ist geheim. Das Amt ist auf zwei Amtszeiten, also zwölf Jahre, begrenzt. Aktueller Vorsitzender ist seit März 2020 der Limburger Bischof Georg Bätzing. Der 64-Jährige hat bereits angekündigt, nicht erneut zur Wahl anzutreten. Der VDD wird bei Rechtsgeschäften entweder durch den DBK-Vorsitzenden oder durch den Vorsitzenden des Verbandsrates (seit Juni 2020 der Würzburger Bischof Dr. Franz Jung) oder den VDD-Geschäftsführer (aktuell Dr. Beate Gilles) vertreten.</p><p><strong>4. Wie und wann ist die Bischofskonferenz entstanden?</strong></p><p>Die erste offizielle Versammlung deutschsprachiger Bischöfe fand vom 22. Oktober bis 26. November 1848 in Würzburg statt und war eine Reaktion auf die Revolutionsjahre und die zunehmende Gründung kirchlicher Laienverbände. Erst ab dem Jahr 1867 etablierte sich die Fuldaer Bischofskonferenz, die schließlich im Jahr 1966 in Deutsche Bischofskonferenz umbenannt wurde. Parallel dazu treffen sich die (Erz-)Bischöfe von München und Freising, Bamberg, Augsburg, Passau, Regensburg, Eichstätt, Speyer und Würzburg bis heute zur Freisinger Bischofskonferenz.</p><p><strong>5. Wo tagen die deutschen Bischöfe im Frühjahr und im Herbst?</strong></p><p>Die Herbstvollversammlung tagt üblicherweise in Fulda, also am Grab des „Apostels der Deutschen“, des heiligen Bonifatius. Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Würzburg war zuletzt 2008 Gastgeber-Bistum – damals im Gedenken an die erste Bischofskonferenz 1848. Üblicherweise trifft sich der Ständige Rat der DBK (bestehend aus den 27 Diözesanbischöfen) fünf Mal pro Jahr im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten.</p><p><strong>6. Wie läuft die Vollversammlung in Würzburg ab?</strong></p><p>Die Vollversammlung startet am Montag, 23. Februar, im Burkardushaus. Für 18.30 Uhr ist der Eröffnungsgottesdienst im Dom geplant, die Predigt hält DBK-Vorsitzender Bätzing. Für die folgenden drei Tage stehen jeweils um 7.30 Uhr Gottesdienste im Neumünster sowie Pressegespräche auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Gottesdiensten ist die Vollversammlung nicht-öffentlich. Gäste sind unter anderem der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, sowie Erzbischof Samuel Kleda und Pauline Maiday aus der Diözese Douala/Kamerun.</p><p><strong>7. Worüber wird im Würzburger Burkardushaus beraten?</strong></p><p>Wichtigster formaler Punkt ist die Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden für die kommenden sechs Jahre. Die Wahl ist geheim, notwendig ist in den ersten beiden Wahlgängen eine Zwei-Drittel-Mehrheit, ab dem dritten Wahlgang reicht laut DBK-Pressesprecher Dr. Matthias Kopp eine einfache Mehrheit. Der neue Vorsitzende soll am Dienstag um 11.30 Uhr vorgestellt werden. Zudem beschäftigen sich die Bischöfe mit der Satzung der Synodalkonferenz und aktuellen Fragen des christlich-muslimischen Dialogs. Auf der Tagesordnung stehen zudem die weitere Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, die Ehrenamtsentwicklung, die Situation der Christen im Nahen Osten und die politische Weltlage.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/284-neuer-dbk-vorsitzender-gesucht-die-vollversammlung-der-deutschen-bischofe-tagt-in-wurzburg/embed?context=external&amp;token=J31FczrAgDzhjG9gtLv1UQ" style="border: 0" border="0" height="380" width="100%"></iframe></p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70352</guid><pubDate>Sun, 08 Feb 2026 08:18:00 +0100</pubDate><title>Wir lassen euch nicht allein</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wir-lassen-euch-nicht-allein/</link><description>Christen sollen Licht der Welt sein, sagt Jesus im Evangelium. Oft gelingt das erstaunlich gut. Drei Beispiele, wie Gläubige das Leben anderer hell machen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.</p><p>Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.</p><p>So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 5,13–16</strong></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Frühstück für Wohnungslose</h3><p>Der heilige Franziskus küsst den Leprakranken. Alle anderen haben Angst, sich zu infizieren. Lepra gilt als unheilbar, die Gesellschaft duckt sich vor den Leprakranken weg. Franziskus von Assisi hat in dieser Zeit seine Umkehrmomente. Vom Lebemann und Genusssüchtigen zur selbstlosen Nachfolge Jesu Christi. Franziskus küsst den Aussätzigen, er zeigt ihm seine Liebe.</p><p>Diese Szene in Assisi soll sich im Jahr 1205 zugetragen haben. Franziskus stellt sich die Frage, was Jesus Christus in dieser Situation getan hätte. Danach handelt er. Ich als Kapuziner möchte beiden nachfolgen, das ist untrennbar: Jesus Christus und dem heiligen Franziskus.</p><p>Salzburg, im Jahr 2025: In der Unterkunft für Geflüchtete kümmert sich das Rote Kreuz um Menschen aus Syrien, Somalia, Afghanistan und Tschetschenien, die auf Asyl warten. Ein Bewohner der Unterkunft sagt: „Hier erleben wir, dass es doch noch Menschlichkeit gibt.“ Ich habe dort zwei Jahre lang, bis zum Jahresende, als Sozialbetreuer gearbeitet, stets nach den Maßstäben von Jesus und Franz. Meine Schützlinge kommen aus Kriegsgebieten, wo sie alles verloren haben, wo nur Verzweiflung herrscht und „wo viele nach den leidvollen Erfahrungen schon nicht mehr an Gott glauben“, wie der Bewohner erzählt. Ihm wurde hier das Zeichen gegeben, schildert der Bewohner weiter: „Ihr Geflüchteten seid hier nicht allein gelassen!“</p><p>Von Salzburg nach Frankfurt am Main: Menschlichkeit braucht es auch im Franziskustreff in der Frankfurter Innenstadt. Die Warteschlange ist meist schon lang, wenn um 7.45 Uhr die Tür aufgesperrt wird. Besonders bei den eisigen Temperaturen dieser Jahreszeit. 60 Ehrenamtliche verteilen sich auf die Schichten. Sie bekommen kein Geld für ihren Einsatz, helfen unverzweckt. Ohne sie würde nichts gehen in der Frühstücksstube in der Frankfurter City, die ich seit Jahresbeginn leiten darf. Bis zu 200 wohnungslosen und bedürftigen Menschen jeden Tag eine Mahlzeit geben. Bis zu 200 Mal Salz der Erde und Licht der Welt sein.</p><p class="text-right"><em>Michael Maldacker</em></p><p class="text-right"></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Gottesdienst für Trauernde</h3><p>Sieben Kerzen werden entzündet. Für jeden der sechs Toten und eine für alle Betroffenen. Musik, Lieder, Gebete drücken Trauer aus, aber auch Hoffnung. Rund 300 Menschen sind in die Johanniskirche gekommen. Viele versammeln sich draußen vor der Videoleinwand. Magdeburg am20. Dezember vergangenen Jahres: der ökumenische Gedenkgottesdienst an die Opfer des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt ein Jahr zuvor.</p><p>Selbstverständlich gehört der Gottesdienst zum Jahresgedenken an die schreckliche Tat. In einer Gegend, in der sich nur wenige Menschen zum christlichen Glauben und zu einer Kirche bekennen.</p><p>„Formen zu finden für das Gedenken und die Trauer“, sei eine Aufgabe der Kirchen, sagt Kathedralpfarrer Daniel Rudloff. Schon damals, am Tag nach dem Attentat, gab es einen Trauergottesdienst. „Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Trauer auszudrücken und nicht allein zu sein“, sagt Rudloff. Die Kirchen können das: Gemeinschaft stiften, Worte und Rituale angesichts eines unfassbaren Geschehens anbieten. „Gott, wir bringen unsere Sprachlosigkeit angesichts des Geschehens vor dich“, hatte Rudloff vor einem Jahr in dem Gottesdienst gebetet.</p><p>Beim Jahresgedenken verwies Bischof Gerhard Feige in seiner Predigt auf Hoffnungszeichen: Mit ihrer Hilfe direkt nach der Tat seien „viele einander zu Nächsten geworden und haben dadurch die Finsternis nach dieser menschenverachtenden Tat durchbrochen und ein Licht angezündet“. Denn gläubige Menschen seien überzeugt: „Nie aber kann die Dunkelheit das ganze Licht erfassen. Immer wieder lässt Gott es auf neue Weise aufflackern oder sogar erstrahlen.“ Schließlich hat Jesus uns genau das aufgetragen: Licht der Welt zu sein.</p><p class="text-right"><em>Ulrich Waschki</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Protest für Menschenwürde</h3><p>Die Krippe der katholischen St.-Susanna-Kirche in Dedham im US-Bundesstaat Massachusetts blieb am vergangenen Weihnachtsfest leer. Statt der Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind war nur ein Blatt Papier an der Glasscheibe des Stalls von Betlehem auf dem Kirchhof zu sehen. Darauf stand: „ICE war hier.“</p><p>ICE ist die Abkürzung für die Einwanderungsbehörde der USA. Seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trumphat sie damit begonnen, Menschen ausihren Wohnungen zu holen, sie auf der Straße, vor Schulen, Kindergärten und an anderen Orten festzunehmen, um sie abzuschieben – ohne Anhörung und ohne Rücksicht auf Familien. Viele trauen sich kaum noch vor die Tür und verzichten darauf, indie Stadt zu gehen, wenn es nicht notwendig ist.</p><p>Die Krippendarstellung mit der von der ICE abgeschobenen Heiligen Familie ist eines von vielen Beispielen, wie katholische Christinnen und Christen gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde protestieren. Auch katholische Bischöfe erheben die Stimme und kritisieren die Trump-Regierung für ihre restriktive Migrationspolitik. Vor Weihnachten gab die US-Bischofskonferenz eine offizielle Stellungnahme heraus. „Wir sind betrübt über die Verunglimpfung von Einwanderern“, heißt es darin. Ebenfalls betrübt seien sie, so betonten die US-Bischöfe, „wenn wir Eltern begegnen, die Angst haben, in Haft genommen zu werden, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen. Und wir sind traurig, wenn wir versuchen, all jene zu trösten, die schon von ihren Angehörigen getrennt wurden.“</p><p>Sie setzen Zeichen, die – wie Jesus es nannte – ein Licht für die Welt sind und vor allem die Dunkelheit jener erhellen, die Angst vor Gewalt und Abschiebung haben. So feierten Bischöfe und Priester vor Weihnachten einen Gottesdienst mit 300 Insassen im Abschiebegefängnis Adelanto in Kalifornien. Bischof Alberto Rojas von San Bernardino sagte dem Sender ABC7: „Die Inhaftierten sollen wissen, dass sie nicht vergessen sind. Die Kirche begleitet sie in ihrer Unsicherheit.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70180</guid><pubDate>Sun, 01 Feb 2026 08:51:00 +0100</pubDate><title>Richtig glücklich</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/richtig-gluecklich/</link><description>Die Seligpreisungen gehörten zu den Lieblingstexten von Papst Franziskus. Für ihn sind sie „der Personalausweis der Christen“. Im Herbst 2020 sprach er bei neun Mittwochsaudienzen darüber – und das mit unerwarteten Ansätzen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:</p><p>Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.</p><p>Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.</p><p>Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.</p><p>Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.</p><p>Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.</p><p>Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.</p><p>Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.</p><p>Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.</p><p>Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.</p><p><strong>Matthäusevangelium 5,1–12a</strong></p><p>Selig ist ein unmodernes Wort. In manchen Bibeln steht deshalb „glücklich“. Papst Franziskus mochte das. Die Seligpreisungen, sagte er, seien nicht Gebote für die Superfrommen, sondern „ein Weg zum Glück“ für alle. Auch wenn sie nicht so klingen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich</h3><p>In unserer Welt, sagt Franziskus, muss man Erfolg haben, jemand sein. Das aber mache nicht glücklich. „Wenn ich jemand sein muss, dann stehe ich im Wettbewerb mit anderen und lebe in übertriebener Sorge um mein Ego. Dann hasse ich alles, was mir meine Schwäche in Erinnerung ruft.“ Das sei Stress pur. Glücklich hingegen seien die, die sich davon befreien können. Die wissen, dass sie vor Gott immer arm sein werden. Die das Gegenteil sind zu den stolzen Pharisäern mit ihrer zur Schau getragenen Frömmigkeit. Die nicht auf andere herabschauen, sondern zu Gott hinauf. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden</h3><p>Viele denken bei dieser Seligpreisung an die, die um einen lieben Menschen weinen. Franziskus rückt jedoch einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: die Tränen über sich selbst. „Wenn das Herz blutet über den Schmerz, Gott und den Nächsten verletzt zu haben.“</p><p>Ein Beispiel sei Petrus, der nach seiner Verleugnung Jesu bittere Tränen weinte. „Diese Trauer reinigt, sein Herz wurde erneuert.“ Denn: „Gott vergibt immer, auch die schlimmsten Sünden. Vergessen wir das nicht!“ Tröstlich sei, zur eigenen Schuld zu stehen und Vergebung zu finden. Diese Menschen werden glücklich. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben</h3><p>Sanftmütig, sagt Franziskus, seien die, die „freundlich, gütig, liebenswürdig, gewaltlos“ sind. So werde man glücklicher als durch Kampf und Streit. Das Land, das die Sanftmütigen erben werden, versteht er bildlich. Jesus sei es nicht um Geografie gegangen, sondern um das praktische Miteinander. So sagt Franziskus: „Es gibt kein schöneres Land als das Herz des anderen, es gibt kein schöneres Gebiet zu gewinnen als den Frieden mit einem Bruder. Und das ist das Land, das nur mit Sanftmut zu erben ist!“ Haben Sie so eine Erbschaft schon gemacht?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden</h3><p>Natürlich ist es gut und richtig, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten. Aber Franziskus findet, dazu passe der Satz „… sie werden gesättigt werden“ nur eingeschränkt. Denn der sei passiv, für Gerechtigkeit auf Erden müsse man sich aktiv einsetzen. Franziskus bezieht Hungern und Dürsten auf Gott, über den es heißt: „Dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele“ (Psalm 63). Und auf den Hunger „nach Liebe, nach Zärtlichkeit, nach Annahme“, ohne die ein glückliches Leben nicht möglich ist. Franziskus sagt: „Jesus verkündigt in dieser Seligpreisung, dass es einen Durst gibt, der nicht ungestillt bleiben wird; einen Durst, der, wenn man ihm nachkommt, gestillt werden und immer zu einem guten Ende kommen wird.“ Haben Sie diesen Durst?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.</h3><p>Nett zu sein, ist immer auch ein bisschen Eigennutz: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es eben wieder heraus. Auch die Evangelien durchzieht die Wechselseitigkeit des Guten, sagt Franziskus. „Jesus sagt: Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!“ Und im Vaterunser steht: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Matthäus 6,12).</p><p>Nötig, sagt Franziskus, haben wir das Erbarmen unserer Mitmenschen alle. „Jeder Mensch weiß, dass er nicht der Vater oder die Mutter ist, der oder die er sein sollte, der Ehemann oder die Ehefrau, der Bruder oder die Schwester, der oder die er sein sollte. Wir alle stehen im Defizit. Und wir brauchen Barmherzigkeit.“ Glücklich sind die, die sie schenken und geschenkt bekommen. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen</h3><p>Gott schauen macht glücklich. Und Franziskus meint: Das kann man auch im Hier und Jetzt. Voraussetzung: sein Herz aufräumen. Reinigen von allerlei Müll und Kram und „Platz für Gott schaffen“. Auf Erleuchtung oder Ekstase warten muss man dann nicht. Gott zu schauen, geht viel irdischer: „Gott zu sehen, bedeutet, seine Gegenwart in unseren Brüdern und Schwestern, besonders in den Armen und Leidenden, zu erkennen.“ Haben Sie das schon mal?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden</h3><p>„Wenn man auf Hebräisch ‚Shalom‘ wünscht“, sagt Franziskus, „dann wünscht man ein schönes, erfülltes Leben im Wohlergehen, aber auch in Wahrheit und Gerechtigkeit.“ Das bedeutet nicht, dass es keine Auseinandersetzungen gibt, der Frieden ist kein billiger, manchmal ist er sogar hart erkämpft. Und er kommt nur mit Gottes Hilfe. „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus in den Abschiedsreden. So betont Franziskus: „Friede ist ein Zeichen der von Christus empfangenen Gnade: Er ist unser Friede und hat uns zu Kindern Gottes gemacht.“ Fühlen Sie sich wie eines?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; ihnen gehört das Himmelreich</h3><p>Nein, verfolgt zu werden, ist kein Weg ins Glück. Andererseits, so sagt Papst Franziskus, ist es auch nicht unwahrscheinlich: „Die Welt mit ihren Götzenbildern, ihren Kompromissen und ihren Prioritäten kann die Armut, die Sanftmut oder die Reinheit nur ablehnen und das evangeliumsgemäße Leben nur zum Irrtum oder Problem erklären, zu etwas, das an den Rand gedrängt werden muss.“ Das muss nicht Verfolgung bis aufs Blut sein – Ablehnung und Verachtung sind auch schwer zu ertragen. Aber, zitiert Franziskus: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Markus 8,36) „Viel!“, würden viele sagen. Was sagen Sie?</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70267</guid><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 13:30:08 +0100</pubDate><title>Steine mit viel Gefühl</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/steine-mit-viel-gefuehl/</link><description>Der Skulpturenweg „Pilgervolk“ entstand zum 500-jährigen Bestehen der Wallfahrt zur Kirche Maria im Sand. Als steinernes Gedächtnis und modernes Wahrzeichen erinnert er seitdem an das Jubiläum – und lockt ins pittoreske Städtchen Dettelbach.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="f2f67def-1816-4ae2-b580-4eb7d714e2cc" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Sieben Künstlerinnen und Künstler hatten sich im Jahr 2005 mit dem Pilgerthema auseinandergesetzt. Vier Wochen lang arbeiteten sie sich in ihren Stein hinein und durch ihren Stein hindurch – unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit an der Dettelbacher Mainlände. Auf diese Weise entstanden Skulpturen über einen „fundamentalen Aspekt der menschlichen Existenz“, wie es im Begleitheft zum Projekt heißt. „Leben ist immer Pilgerschaft, wie immer die selbst gesteckten oder vorgegebenen inneren oder äußerlichen Ziele auch heißen mögen.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Übergang und Durchblick</h3><p>Wer den Skulpturenweg entdecken will und mit dem Auto nach Dettelbach unterwegs ist (mit dem Bus braucht es von Würzburg aus eine halbe Stunde), stellt dieses am besten am Parkplatz am Maintor ab. Von dort aus sind es keine 100 Meter die Straße zurück zum Startpunkt. Ebenso ist es möglich, das Auto am anderen Ende des Skulpturenwegs abzustellen und vom Friedhof am Haslauer Platz in entgegengesetzter Richtung zu gehen.</p><p>Der wuchtige Block „In Transito“, gefertigt von der italienischen Künstlerin Emanuela Camacci, eröffnet den Skulpturenweg. Ein Übergang ist dargestellt: Die Bewegung während des Pilgerns ins Innere hinein. Innen ein großer Kreis, dazwischen Platz für Luft und Leere – und Platz für den Durchblick auf den Grünstreifen entlang der Stadtmauer.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Acht Köpfe, Körper, Blicke</h3><p>Diesem Grünstreifen folgend erreicht man nach wenigen Minuten Caroline Bachmanns Figur „Die Acht“. Sie zeigt ebenso viele Pilger, Köpfe, Seelen, Gefühle, Blicke. „Die Zahl acht ist eine Endlosschleife. Die Pilger, wir alle, durchwandern diese Schleifen“, erklärt die Schweizer Bildhauerin. Mit ihren Figuren hat sie dem Steinblock besonderes Leben eingehaucht, und sie lässt sogar ein Wesen von ihrer Skulptur hinabblicken, das einer alten, weisen Schildkröte gleicht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Unfertig Unterwegs</h3><p>Der Skulpturenweg macht nun, weiter an der Stadtmauer entlang, einen Bogen nach links. Es geht treppauf zur nächsten steinernen Figur, geschaffen von Winnie Henke aus Hannover. Die Gestalt mit dem Namen „Unterwegs“ scheint noch in der Entstehung begriffen: Eine unfertige Hälfte liegt neben ihr auf dem Boden, sie selbst hat keine Augen, mit denen sie einen Weg erkennen könnte, doch hat sie Ohren, um zu verstehen, was um sie herum geschieht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Wo Kilian Pause macht</h3><p>Weiter geht es die Treppen an der Stadtbefestigung hinauf. Auf der Höhe des Faltertores geht es nach rechts, vorbei an Schützenhaus und Stadtverwaltung, und dann nochmals leicht rechts in den Wallfahrtsweg hinein. Hier beginnt zusätzlich die Dettelbacher Via Dolorosa, der „Weg der Sieben Schmerzen Mariens“, auf geradem Weg bis zur Wallfahrtskirche Maria im Sand.</p><p>Kleine Bildstöcke fordern zum Innehalten auf, und ebenso die nächste Station des Skulpturenwegs: „Kilians Rest“ (also Kilians Rast, Pause, Erholung) der irischen Bildhauerin Eileen MacDonagh. Aus dem klobigen Stein, mit Sitzgelegenheit für eine schmale Person, ragt ein Bäumchen. Das spendet Schatten oder schützt vor Regen und sorgt so dafür, dass eine Unterhaltung mit dem heiligen Kilian gerne etwas länger dauern darf.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Ein Steinblock vor der Wallfahrtskirche</h3><p>Etwas mehr Platz zum Sitzen gibt es ein paar hundert Meter weiter an der Wallfahrtskirche. Unter großen Kastanien ist Gelegenheit für eine Pause mit Blick auf Maria im Sand – und auf „Camino“, die fünfte Skulptur. In den liegenden Steinblock hat Susanne Tunn aus dem niedersächsischen Alfhausen einen (Pilger-)Weg hineingeschliffen. Der Weg ist nicht gerade, mäandert über und um den Stein herum, wird vom Regen durchspült, oder auch mal vom Schnee gänzlich verdeckt.</p><p>Wer auf dem Skulpturenweg unterwegs ist, sollte nun die 1613 fertiggestellte Wallfahrtskirche besuchen. Zumindest, um einen Blick auf die Schmerzhafte Muttergottes zu werfen. Die spätgotische Pietà steht seit fast 250 Jahren hinter Glas inmitten eines prächtigen Rokoko-Altars. Dass sie ein wundertätiges Gnadenbild sein soll, bezeugen zwei Dutzend Votivbilder.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Zwei Figuren mit Aussicht</h3><p>Der Pilgervolk-Weg führt rechts an der Kirche vorbei, an der Straße entlang, zum Haslauer Platz, wo sich ein schöner Blick über die Umgebung eröffnet. Schon von weitem sind auch die beiden letzten Skulpturen zu sehen. Zunächst ein „Fremder“: Ein Findling aus Granit, vom Österreicher Hermann Gschaider in einen großen Block aus Muschelkalk gesetzt. Die Figur des tschechischen Bildhauers Miloslav Chlupác hat die Szenerie im Blick. Sein „Jakobsstein“ trägt Muschel und Stab als Zeichen der Pilgerschaft. Sein Pilger ist angekommen. Den Stab nutzt er nicht mehr für die Bewegung, sondern zum Verweilen, und denkt dabei nach über die Frage: War es die Mühe wert?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Zum Abschluss in die Altstadt</h3><p>Da die Mühe bei diesem Spaziergang über einen Kilometer nicht allzu groß ist, empfiehlt sich auf dem Rückweg ein Abstecher in die Dettelbacher Altstadt: Vom Wallfahrtsweg kommend durch das Faltertor hindurch in den Ortskern. Durch die enge Falterstraße geht es geradewegs auf die Kirche St. Augustinus zu, die ebenso einen Besuch lohnt wie das direkt unterhalb gelegene Kultur- und Kommunikationszentrum und das spätgotische Rathaus, das den Dettelbach überbrückt. Zu guter Letzt in einer der örtlichen Konditoreien die berühmten Muskazinen verspeisen – dann hat sich der Besuch in Dettelbach endgültig gelohnt!</p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p></section><section compid="b2047cb3-71e0-4fa3-ab27-c0a5ecb7ff06" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"></section><section compid="0c9ac5fa-6451-4015-a620-a8f5ce8a2072" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Das Museum zur Tour</h3><p>Im Baumannschen Haus von 1487 ist das „Kunstmuseum Dettelbach Pilger und Wallfahrer“ untergebracht. Integriert ist es in das Kultur- und Kommunikationszentrum mit Tourist-Information, Stadtbibliothek und Vinothek, geöffnet montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr. Gezeigt wird Kunst vom Mittelalter bis heute, die sich mit der Tradition des Pilgerns und Wallfahrens beschäftigt.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70235</guid><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 10:47:41 +0100</pubDate><title>Synodaler Weg: Würzburger Bischof Franz Jung hofft auf Zustimmung aus Rom</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/synodaler-weg-wuerzburger-bischof-franz-jung-hofft-auf-zustimmung-aus-rom/</link><description>Bischof Dr. Franz Jung nimmt vom 29. bis 31. Januar an der letzten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart teil. Im Interview spricht er über seine Bilanz des Reformprozesses, die schwierige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, den Lernprozess im Bistum und den nächsten Schritt bei der Bischofsvollversammlung im Februar in Würzburg.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 2010 erschütterten Berichte über sexuellen Missbrauch unter anderem am Berliner Canisius-Kolleg die katholische Kirche. 2014 gaben die deutschen Diözesen deshalb ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland in Auftrag, das von Wissenschaftlern in Mannheim, Heidelberg und Gießen bearbeitet wurde, daher der Name MHG-Studie. Als Reaktion da&shy;rauf wurde der Reformprozess „Synodaler Weg“ von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert. Da&shy;rüber hat das <em><strong>Würzburger katholische Sonntagsblatt </strong></em>mit dem Würzburger Bischof Dr. Franz Jung gesprochen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Herr Bischof Jung, was sollte mit dem Synodalen Weg erreicht werden?</h3><p>Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie 2018 beschloss die Deutsche Bischofskonferenz bei der Frühjahrsvollversammlung 2019, gemeinsam mit dem ZdK über die notwendigen Konsequenzen aus der Studie zu beraten. Anstatt eine Nationalsynode abzuhalten, verständigte man sich auf den „Synodalen Weg“, ein neues Format, bei dem in einem überschaubaren Zeitraum eine strukturierte Debatte ermöglicht werden sollte zu der bedrängenden Frage: Wie kann Missbrauch in der Kirche künftig verhindert werden? Vier Themenkomplexe wurden identifiziert, die sich in den vier Foren des Synodalen Wegs niederschlugen: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und „Leben in gelingenden Beziehungen“. Ein Ziel war auch, diese synodale Arbeitsweise auf Dauer zu stellen in einem künftigen „Synodalen Rat“ oder der „Synodalkonferenz“, wie das gemeinsame Beratungsgremium von DBK und ZdK nach Rücksprache mit Rom jetzt heißt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Wir sprechen oft von Synodalität. Was bedeutet das eigentlich?</h3><p>Es gibt keine feste Definition von Synodalität. Synodal heißt zunächst einmal, gemeinsam einen Weg zu gehen. Es wird also nicht einsam entschieden, sondern Entscheidungen sind immer rückgebunden an eine qualifizierte Beratung. Dazu hat die Weltsynode bestimmte Elemente formuliert. Wir haben versucht, diese in eine Satzung zu gießen, um für die Zukunft festzuhalten: Die Deutsche Bischofskonferenz entscheidet nicht im Alleingang, sondern hört auch die Vertretung der Laien, um zu guten Entscheidungen zu kommen, die alle mittragen können.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was ist seit der letzten Synodalversammlung passiert?</h3><p>Ganz viel: Auf Ebene der Weltkirche hat Papst Franziskus eine Synode angestoßen zum Thema Synodalität. Gleichzeitig haben wir auch beim Synodalen Weg über die Zukunft dieses Beratungsformats diskutiert. Es ist ein Übungsweg, den wir momentan reflektieren. Bei der nun anstehenden sechsten Synodalversammlung wollen wir das alles zusammentragen. Die Jahre nach der fünften Synodalversammlung 2023 waren geprägt von dem Bemühen im sogenannten Synodalen Ausschuss, einen Synodalen Rat vorzubereiten, also ein synodales Gremium auf nationaler Ebene. Wir haben – nach enger Rücksprache mit den Behörden im Vatikan – dazu einen Satzungsentwurf erarbeitet, den das ZdK bereits gebilligt hat. Bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe hier in Würzburg soll dann auch die Bischofskonferenz diesem Synodalen Rat oder der „Synodalkonferenz“, wie das Gremium nach Rücksprache mit Rom jetzt heißt, zustimmen. Dann wird das Ganze abschließend dem Vatikan zur Rekognoszierung vorgelegt, also zur abschließenden Prüfung und Billigung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Es ist ja bekannt, dass sich mehrere Bischöfe nicht beteiligen. Was ist trotzdem möglich?</h3><p>Das ist jetzt sehr spannend, weil wir die Satzung für die Synodalkonferenz in ganz enger Abstimmung mit den vatikanischen Behörden konzipiert haben. Vor der letzten Sitzung des Synodalen Ausschusses in Fulda im November des vergangenen Jahres wurden von Rom noch einmal ganz konkrete Hinweise gegeben, die wir auch in die Satzung übernommen haben. Darüber haben wir im Synodalen Ausschuss sehr intensiv diskutiert und um viele Positionen gerungen, aber am Ende haben wir doch einen Konsens erreicht. Ich denke also, dass der nun vorliegende Satzungsentwurf vom Vatikan gebilligt werden könnte. Wenn es aber nun so ist, dass der Vatikan diese Satzung gutheißt, ist das nicht eine Einladung an die Bischöfe, die sich bislang zurückgenommen haben, jetzt wieder teilzunehmen?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was könnte die Bischöfe umstimmen?</h3><p>Der Vatikan beäugt unseren Weg nicht nur kritisch, sondern sagt uns: „Probiert das mal aus. Ihr seid als Kirche in Deutschland anders aufgestellt, als andere nationale Bischofskonferenzen. Ihr habt Strukturen, Gremien und große theologische Kompetenz. Damit habt Ihr auch eine gewisse Vorreiterrolle und wir werden sehen, was dabei herauskommt.“ Ich meine, diese Einladung kann jeder ohne Gesichtsverlust annehmen. Es ist eine Chance, subjektive Befindlichkeiten und Vorbehalte beiseite zu lassen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Und was ist, wenn das nicht klappt?</h3><p>Wenn Synodalität dazu führt, dass sich einzelne verabschieden, ist das Konzept eigentlich gescheitert. Die Weltsynode zur Synodalität hat nicht umsonst den Begriff des „Konsenses“ in den Mittelpunkt gestellt. Das heißt nicht, dass immer jeder hundertprozentig hinter einer Entscheidung stehen muss, aber zumindest sollte niemand fundamentale Einwände haben. Ein solcher Konsens gelingt nur mit einer entsprechenden Beratungskultur aus dem Heiligen Geist: immer wieder aufeinander hören, keine Abkürzungen in den Beratungsschleifen, kein Durchboxen mit Verweis auf angeblich hohe Dringlichkeit. Wenn klar ist, dass etwas noch nicht entscheidungsreif ist oder es noch gewichtige Einwände gibt, dann hilft es nicht, unter Zeitdruck zu entscheiden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Konservative Kreise werfen dem Synodalen Weg „institutionelle Blockade“ vor, befürchten eine Spaltung der Kirche und haben den Vatikan wiederholt aufgefordert, den Prozess zu stoppen. Was sagen Sie dazu?</h3><p>Man kann diesen Vorwurf in beide Richtungen erheben. Das ist aber wenig hilfreich. Das große Gut des Synodalen Weges war, dass wir in vielen Punkten Sprachfähigkeit erlernt haben. Es ist anstrengend, das einzuüben, sich einander zuzumuten und wirklich aufeinander zu hören. Das hieß für die Vertreter des ZdK, die Bischöfe zu hören, in ihrer Verantwortung, die undelegierbar ist. Die Bischöfe mussten wiederum auf das Gottesvolk hören und erkennen, dass Probleme seit Jahren nie richtig artikuliert oder unter den Teppich gekehrt wurden. Das war ein anstrengender Lernweg, aber keine Blockade. Eine Blockade stellen die Probleme dar, die nicht behandelt werden. Daran geht jede Institution, auch die Kirche, zugrunde. Mit unserem gemeinsamen Weg versuchen wir ja gerade diese Blockade zu lösen. Gegenseitige Vorwürfe helfen uns dabei nicht weiter.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Umgekehrt geht es vielen Christinnen und Christen nicht schnell genug. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe in Berlin sind circa 16 Jahre vergangen. Was hat sich aus Ihrer Sicht seitdem verändert?</h3><p>Sehr viel! Durch die Veröffentlichungen der Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg im Jahr 2010 hat sich mit einem Schlag die Perspektive gewendet. Vorher wurde bei Fällen sexuellen Missbrauchs nur auf die einzelne Verantwortung der Täter geschaut und zugleich dafür gesorgt, die Institution selbst zu schützen. Jetzt wurde zum ersten Mal nach den Betroffenen gefragt. Ihre Berichte wurden gehört und ihr Schmerz wahrgenommen. Es war zu spüren, wie schmerzhaft es für die Betroffenen ist, sich diesem Teil der eigenen Biografie zu stellen und damit in die Öffentlichkeit zu gehen und sich damit noch einmal verletzlich zu machen. Die ersten Jahre herrschten Fassungslosigkeit und eine gewisse Abwehrhaltung: „Das kann irgendwie gar nicht sein.“ Erst langsam wurde das ganze Ausmaß der Verbrechen sexualisierter Gewalt zur Kenntnis genommen und zum ersten Mal die Systemfrage gestellt. Wieso konnten Täter sich jahrzehntelang sicher fühlen? Warum hat nie jemand nach den Betroffenen gefragt? Wieso war der Schutz der Institution wichtiger als der Auftrag des Evangeliums, sich um die Geschundenen zu kümmern? Wie konnte es dazu kommen, dass durch die Kirche, die doch die Erlösungsbotschaft verkünden soll, so vielen Menschen furchtbares Leid zugefügt wurde? In diesen 16 Jahren seit 2010 haben wir eine ganz große Lernkurve hingelegt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Und was hat sich konkret geändert?</h3><p>Wir haben umfangreiche Maßnahmen und Programme entwickelt zur Sensibilisierung und Prävention. Aber vor allem haben wir festgestellt, dass wir den Umgang mit sexualisierter Gewalt nicht für uns alleine regeln können. Wir brauchen den Schulterschluss mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Es ist ihre Aufgabe, Vorwürfe zu prüfen und zu ermitteln, unsere Zuständigkeit beginnt erst danach. Trotz allem ist der Weg noch lange nicht abgeschlossen. Solange es Menschen gibt, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, müssen wir ihnen gerecht werden, sie begleiten und unsere gesellschaftspolitische Verantwortung als Kirche wahrnehmen. Für mich ist interessant, dass immer häufiger Freiwillige Feuerwehren, Sportvereine oder Schulen bei uns anfragen für Präventionsschulungen. Das zeigt, dass wir doch viel erreicht haben. Und gleichzeitig lernen wir immer noch. Man ist mit dem Thema nie fertig.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Unterm Strich bleibt vor allem die Frage der Macht, natürlich auch die der Diözesanbischöfe. Wo haben Sie konkret Macht abgegeben und wo wollen Sie das noch tun?</h3><p>Ich kann mit dieser Frage nichts anfangen, weil es mir nicht um Macht geht und auch nie gegangen ist. Es geht um Verantwortung. Natürlich hat Verantwortung auch mit Macht zu tun. Umso wichtiger ist es, Verantwortung gut wahrzunehmen. Ein Bischof ist zum Beispiel in Finanz-Gremien seines Bistums anwesend und hört, aber die Entscheidungen treffen andere. Ich nehme diese Gremien sehr ernst, weil wir vor schwerwiegenden Entscheidungen stehen, die ich als Bischof nicht allein treffen kann und möchte. Ich brauche den Rat der Fachleute, die für Finanzen ausgebildet sind und entsprechende Erfahrung haben. In diesem Sinn sind wir momentan auch dabei, den Diözesanpastoralrat neu aufzustellen. Wir greifen damit den Impuls der Welt&shy;synode auf, mehr Synodalität zu wagen. Ich glaube, das ist ein guter Weg.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was heißt das in der Praxis?</h3><p>Wir haben viele große Fragen, etwa zur pastoralen Struktur der Zukunft, die ich als Bischof nicht einfach für mich entscheiden kann, sondern zu denen ich Rückmeldungen aus dem Bistum einholen muss. Daneben haben wir unseren Strategieprozess synodal angelegt, damit die Ergebnisse möglichst viele mittragen. Darin wurde ja auch in klaren Prozentzahlen hinterlegt, wie viel Geld künftig in welche Bereiche fließen soll. Es wird sicher kein Spaziergang werden, sich auch von bestimmten Dingen zu trennen. Solche Entscheidungen brauchen eine breite Basis, die sagt: „Wir haben das gemeinsam mit dem Bischof beraten und jetzt wird es auch gemacht.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Könnte denn ein konservativer Nachfolger Ihre Änderungen alle zurücknehmen?</h3><p>In der Weltkirche ist die Richtung der Entwicklungen aus meiner Sicht eindeutig. Das kann ein einzelner Bischof nicht einfach zurückdrehen. Papst Leo XIV. hat ja auch betont, dass er das Thema Synodalität weiter vorantreiben will.</p><p class="text-right"><em>Das Interview führten Anna-Lena Ils und Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70018</guid><pubDate>Sun, 25 Jan 2026 08:08:00 +0100</pubDate><title>Erst Riss, dann Graben</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/erst-riss-dann-graben/</link><description>Im Brief an die Gemeinde in Korinth mahnt Paulus: „Duldet keine Spaltungen unter euch!“ Wahrscheinlich war ihm schon damals klar: Durch einen kleinen Keil kann eine Trennung entstehen – und zwar für immer. Auch zwischen Christen und Christen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.</p><p>Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.</p><p>Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.</p><p>Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.</p><p><strong>Matthäusevangelium 4,12–23</strong></p><p>Vielleicht haben Sie das ja auch schon mal erlebt, in der Familie, in der Clique, im Verein: Da gibt es diesen Punkt, über den man sich nicht einigen kann – die einen meinen so, die anderen anders. Und dann gewinnt dieser eine Punkt so sehr an Bedeutung, dass das Gemeinsame nichts mehr zählt. Man geht auseinander, löst den Verein auf, geht seinen eigenen Weg. Und nach ein paar Jahren hat man sich in völlig andere Richtungen weiterentwickelt.</p><p>Genauso ist es den christlichen Kirchen in der Geschichte immer wieder ergangen: Man konnte sich über irgendeinen Punkt nicht einigen, vergaß das Gemeinsame, lief schimpfend auseinander und die Unterschiede wurden immer größer. Unüberbrückbar größer. Aber im Rückblick fragt man sich: War das Problem wirklich so wichtig?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">1. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Altorientalen</h3><p>Im Jahr 325, beim Konzil von Nizäa, hatte es noch funktioniert: Die verschiedenen christlichen Richtungen einigten sich auf ein gemeinsames Glaubensbekenntnis. Einfach war es nicht, und sicher hatte geholfen, dass die abgesandten Bischöfe und Theologen von Kaiser Konstantin gehörig unter Druck gesetzt wurden. Der wollte Einheit im Reich. Christologische Spitzfindigkeiten hatten dahinter zurückzustehen.</p><p>126 Jahre später sah die Sache anders aus. Im Jahr 451, beim Konzil von Chalcedon, prallten zwei theologische Meinungen aufeinander: Die Westkirche Roms im Verbund mit ostkirchlichen Bischöfen aus Antiochia und Konstantinopel vertraten die Zwei-Naturen-Lehre: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Deshalb hat er zum Beispiel wirklich und wahrhaftig als Mensch am Kreuz gelitten. Die Kirchen in Ägypten, Ostsyrien und Armenien waren anderer Meinung: Christus hatte nur eine Natur – alles Menschliche ist immer schon aufgehoben im Göttlichen.</p><p>Als sie unterlagen, machten sie sich selbstständig. Aus theologischen, aber auch aus kirchenpolitischen Gründen: Sie fühlten sich vom Patriarchat in Antiochia bevormundet, unterdrückt und schlecht behandelt. Auch wenn die christologische Frage heute weitgehend ausgeräumt ist: Die Kirchen- und Sakramentsgemeinschaft wurde nie wiederhergestellt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">2. <img wcmltype="ace" xdataid="2" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Orthodoxie</h3><p>600 Jahre später, noch waren die großen Kirchen des Westens und Ostens einig, stritt man über den Heiligen Geist. Die Kirche Roms hatte eigenmächtig das Große Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 451 ergänzt. Über den Heiligen Geist hieß es nun, dass er „aus dem Vater und dem Sohn hervorging“.</p><p>„Und dem Sohn“, das auf Latein sogenannte „filioque“, das war der Knackpunkt. Denn die Ostkirchen und ihre Patriarchen bestanden darauf, dass der Heilige Geist nur aus dem Vater hervorgeht. Und überhaupt dürfe Rom, das auch politisch um die Vorherrschaft mit Konstantinopel stritt, so etwas nicht im Alleingang entscheiden.</p><p>1054 spalteten sich die Ostkirchen, die sich nun orthodox, also rechtgläubig, nannten, ab. Beide Kirchen entfernten sich immer weiter voneinander: in Leben und Lehre, in Liturgie und Frömmigkeit. Selbst wenn man sich – wie Papst Leo und Patriarch Bartholomaios kürzlich sagten – nach 1000 Jahren in der filioque-Frage einigen könnte: Wer jemals in einem orthodoxen Gottesdienst war, weiß: Inzwischen sind das ziemlich entfernte Verwandte.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">3. <img wcmltype="ace" xdataid="3" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Reformation</h3><p>Rund 450 Jahre dauerte es bis zur nächsten großen Spaltung. Ein deutscher Mönch zettelte sie an, der eigentlich nur seine, die katholische Kirche reformieren und Missstände beim Namen nennen und beenden wollte: weniger Macht und Reichtum, mehr Liebe und Erbarmen; weniger Papst, mehr Jesus; weniger Recht, mehr Gnade.</p><p>Doch Rom verweigerte sich. Woraufhin Martin Luther und seine Anhänger ihre eigene Kirche gründeten, die evangelische, weil sie sich am Evangelium ausrichten sollte. Um sich besser abzugrenzen, änderten sie in relativ kurzer Zeit vieles, was sie früher kannten und liebten: die Orden, die Heiligen- und Marienverehrung, die sieben Sakramente. Von beiden Seiten machte sich Gewalt breit: Bildersturm, der 30-jährige Krieg. Und das alles, weil sich Luther und Papst nicht einigen konnten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">4. <img wcmltype="ace" xdataid="4" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Altkatholiken</h3><p>Nach der Reformation spalteten sich immer wieder weitere Gruppen ab: Anglikaner und Calvinisten, Baptisten, Methodisten, Puritaner. Die katholische Kirche versuchte dagegen- und zusammenzuhalten. Auch, indem sie sich enger um den Papst scharte und sich auf ihn hin organisierte. Wer es wagte, ihm zu widersprechen, setzte sich dem Vorwurf aus, das nächste Schisma zu provozieren.</p><p>Höhepunkt dieser theologischen Schule war das Erste Vatikanische Konzil. Dem Papst wurde dort eine unbeschreibliche Machtfülle zugesprochen: der Primat in Rechtsprechung und Lehre – bis hin zum Dogma von der Unfehlbarkeit in ebendiesen Fragen.</p><p>Einigen Bischöfen, besonders aus dem deutschsprachigen Raum, war das zu viel. Sie stimmten gegen die entsprechenden Beschlüsse. Nach einiger Zeit des Gebets und des Nachdenkens kamen sie zu dem Schluss, dass sie dieser neu strukturierten katholischen Kirche nicht mehr angehören können. Sie gründeten eine Kirche, die sie altkatholisch nannten, weil sie sich am Althergebrachten orientieren sollte. Glaube, Sakramente, Liturgie – alles sollte bleiben, wie es war. Nur ohne einen Papst.</p><p>Natürlich blieb über die nächsten 150 Jahre nicht alles, wie es war. Bald wurde der Zölibat abgeschafft, und 1996 weihte man die ersten Frauen zu Priesterinnen. Jedenfalls in einigen Teilkirchen, andere machen das bis heute nicht. Was aber für niemanden ein Grund zur Spaltung ist.</p><p>Waren die Spaltungen nötig? Hätte es keine Wege gegeben zusammenzubleiben? War das Gemeinsame nicht viel größer als die Unterschiede? Wer kann schon sicher wissen, wie Gottvater, Sohn und Heiliger Geist im Detail zu definieren sind? Und kann man Unterschiede nicht einfach mal akzeptieren? In der Kirche, aber auch in Familie, Clique oder Verein?&nbsp; Diese Fragen haben nichts an Aktualität verloren.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69889</guid><pubDate>Sun, 18 Jan 2026 10:17:00 +0100</pubDate><title>Wie für mich gemacht?</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-fuer-mich-gemacht/</link><description>Jesaja spricht davon, dass Gott ihn „schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat“. Gibt es das? Dass man eine Aufgabe findet, die mehr ist als ein Job? Eine Ärztin und ein Krankenpfleger erzählen von Beruf und Berufung. </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.</p><p>Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir sagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.</p><p>Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.</p><p><strong>Johannesevangelium 1,29–34</strong></p><p>Der Gedanke, dass sie mal Ärztin werden will, kam immer wieder. „Das erste Mal, dass ich Medizin machen wollte, muss in der achten, neunten Klasse gewesen sein“, sagt Johanna Engelhard. Sie hat sich auch über andere Ausbildungen informiert, nach dem Abitur absolvierte sie einen Freiwilligendienst im Bereich Schulsozialarbeit. Doch der Berufswunsch blieb.</p><p>Heute arbeitet die 26-Jährige am Klinikum Osnabrück. Dass sie das sechs Jahre dauernde Studium geschafft hat und sich nun in der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin befindet, schreibt sie nicht nur ihrem eigenen Fleiß zu. „Auch da hat ab und zu jemand mitgeholfen“, sagt sie.</p><p>Hatte Gott einen Plan für sie? „Es war immer wieder dasselbe Thema, mit dem ich mich konfrontiert fühlte“, sagt sie. „Irgendwann war klar, dass es Medizin wird.“ Sie glaubte immer daran, dass Ärztin zu sein ihre Aufgabe ist, trotz vieler Zweifel.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Weg zum Ziel war nicht immer schön</h3><p>Die begannen schon während der Schulzeit. „Im letzten Schuljahr habe ich meine Hobbys aufgegeben und jede freie Minute gelernt“, erzählt sie. Sie habe ständig die Schule im Kopf gehabt, um eine Abiturnote zu erhalten, mit der sie zum Medizinstudium zugelassen wird. „Das hat nicht nur Spaß gemacht“, sagt sie.</p><p>Später war es der Berufseinstieg, der sie desillusioniert hat. „Der Praxisschock trifft alle hart“, sagt Engelhard. Sie kann ihren Patientinnen und Patienten nicht so nahe sein, wie sie gerne möchte. „Man verbringt enorm viel Zeit am Computer, ordnet medizinische Maßnahmen an und meldet Untersuchungen an“, sagt sie. Die Arbeitsbelastung ist hoch. Engelhard berichtet von Überstunden, die Normalität sind, und davon, dass sie auf Familienfeiern verzichtet, um im Krankenhaus einzuspringen.</p><p>Warum hat sie an ihrem Plan festgehalten? „Zumindest in der Zeit, in der ich am Patienten bin, kann ich den Menschen beistehen. Das ist eine total schöne Aufgabe“, sagt Engelhard. Dabei gehe es nicht ausschließlich um körperliche Beschwerden, sondern auch darum, dass viele Menschen Angst haben, mit ihren Gebrechen allein zu sein.</p><p>Kranke unterstützen will auch Karl-Heinz Meyer. Dass er darin einmal seine Berufung sieht, kam ihm lange nicht in den Sinn. Nach seinem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Dreher in einem Metallbetrieb und arbeitete dort anschließend als Geselle. Mit 19 Jahren und bei gutem Verdienst machte ihm seine Arbeit durchaus Spaß, doch sie erfüllte ihn nicht. „Irgendwas hat gefehlt“, sagt er.</p><p>Heute ist der 55-Jährige Krankenpfleger bei einem ambulanten Pflegedienst. Doch der Weg dahin war lang und nicht geplant. Während seiner Tätigkeit im Metallbetrieb hat er das Fachabitur nachgemacht und anschließend noch Werkstofftechnik studiert, um Berufsschullehrer zu werden. An einen Pflegeberuf hat er auch damals nicht gedacht; niemand in seiner Familie arbeitete je im Gesundheitswesen.</p><p>Viele würden sagen, es sei Zufall gewesen. Meyer sagt, dass es „sich gefügt hat“: Als er relativ spät im Leben noch seinen Zivildienst leisten musste, bekam er als einzige freie Stelle die eines Pflegehelfers im Klinikum Osnabrück. Der erste Tag im Krankenhaus war ein Schock. Er erzählt, dass er von einer dementen Patientin eine Backpfeife bekam. Der Anblick so vieler Krankheiten und Leiden ließ ihn zweifeln, ob er die 18 Monate durchhält.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Weg zum Zie lwar extrem kurvenreich</h3><p>Doch mit der Zeit hat er sich wohlgefühlt. „Es war ein großer Zusammenhalt im Team und die Arbeit im Dienst an den Menschen war sehr erfüllend“, sagt er. Später hat er in den Semesterferien immer wieder Dienste als Pflegehelfer übernommen. Die Arbeit gefiel ihm und half auch, sein Studium zu finanzieren.</p><p>Bald stand er vor einem Dilemma. Sollte er als Diplom-Ingenieur noch mal eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen? Sollte er sein Ziel Berufsschullehrer aufgeben? Auch seine Freunde rieten ihm davon ab. Heute sagt er: „Ich habe es trotzdem gemacht und ich muss sagen, dass ich als Krankenpfleger mit meinem Leben sehr zufrieden bin.“</p><p>Wer Meyer und Engelhard zuhört, ahnt, dass es das gibt: eine Aufgabe fürs Leben, ein Beruf, der wie für einen gemacht ist. Um sie zu finden, sind die Ärztin und der Krankenpfleger ihren Zweifeln nachgegangen, haben Unzufriedenheit ernstgenommen, haben sich auf Unbekanntes eingelassen und auf Freizeit verzichtet. Die Anzeichen, die sie beschreiben und die dafür sprechen, dass man seine Berufung gefunden hat, sind Glück und Zufriedenheit.</p><p>Dafür ging Meyer mit Anfang 50 noch mal ein Risiko ein. Er wechselte vom Krankenhaus in den ambulanten Pflegedienst, um wieder mehr Zeit für die Patienten zu haben. Es hat sich gelohnt, er ist glücklich auf seiner neuen Stelle. Einerseits glaubt er, dass Gott die Menschen „schon ein bisschen dahinlenkt, wo ihr Platz ist“. Andererseits müsse man sein Leben selbst in die Hand nehmen und auch mal neue Wege riskieren, sagt Meyer. Dabei dürfe man „auf Gott vertrauen. Er wird für dich sorgen.“</p><p>Dass es im Leben immer weitergeht, glaubt auch Johanna Engelhard. Wirklich berufen fühlt sie sich für die Palliativmedizin, also die Begleitung von Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt. Sie sagt: „Dann wäre ich wirklich bei meiner Aufgabe angekommen.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item></channel></rss>