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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Fri, 06 Mar 2026 12:15:15 +0100</pubDate><lastBuildDate>Fri, 06 Mar 2026 12:15:15 +0100</lastBuildDate><atom:link href="https://sobla.de/aktuelles/nachrichten/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-70932</guid><pubDate>Sun, 08 Mar 2026 07:36:00 +0100</pubDate><title>„Jesus überschreitet regelmäßig Grenzen“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/jesus-ueberschreitet-regelmaessig-grenzen/</link><description>Dass Jesus am Jakobsbrunnen mit einer Frau spricht, wundert sogar seine Jünger, erzählt das Johannesevangelium. Die lange Diskussion ist dabei nur ein Beispiel für seinen unbefangenen Umgang mit damaligen Benimmregeln, sagt die Theologin Annette Jantzen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit kam Jesus zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde.</p><p>Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.</p><p>Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?</p><p>Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.</p><p>Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht.</p><p>Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.</p><p><strong>Johannesevangelium 4,5–15.19b–26.39a.40–42</strong></p><section compid="65ED2CE0-7199-4DB4-A61B-74DEB91C1191" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p><em>Frau Jantzen, ist der Umgang Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen, wie er im Johannesevangelium geschildert wird, typisch für Jesus?</em></p><p>Ja, denn er ist ein Beispiel für das, was Johannes an vielen Stellen aus der Erinnerung an Jesus sehr lebendig hält: dass Jesus keine Vorbehalte hat und mit einer grundsätzlichen Offenheit auf Menschen zugeht. Die Vorstellung „Mit dem oder der redet man nicht!“ teilt Jesus nicht. Das gilt sowohl für den Umgang mit Andersgläubigen, Anderslebenden als auch im Umgang zwischen den Geschlechtern. Jesus überschreitet da sehr regelmäßig Grenzen. Er sieht den Menschen und nicht die Schublade, in die der gesteckt wird.</p><p><em>Was wären weitere Beispiele aus den Evangelien?</em></p><p>Da sind die anderen Gespräche mit Frauen wie etwa das sehr selbstverständliche Lehrgespräch mit Maria von Bethanien. Er überschreitet die Distanz der Geschlechter auch zu Maria Magdalena, die so etwas wie ein Lieblingsmensch in seiner Umgebung ist. Aber dazu zählt – vielleicht überraschend – auch sein Umgang mit unliebsamen Menschen wie etwa dem Zöllner Zachäus als Handlanger der Besatzer. Das provoziert und macht es schwierig für alle, die Jesus vereinnahmen wollen und ihn gerne auf ihrer Seite hätten.</p><p><em>In der Kurzfassung des Evangeliums, die ja in vielen Gottesdiensten gelesen wird, fällt unter anderem der Vers weg, nach dem die Samariter „auf das Wort der Frau hin“ zum Glauben kamen. Eine typische Kürzung?</em></p><p>Die aktuelle Leseordnung wurde in den 1960er Jahren nach dem Konzil entwickelt. Und ja, es zeigt sich oft, dass – mit welcher Absicht, sei dahingestellt – bestimmte Stellen auffallend gekürzt wurden. Das ist nicht ein Problem der biblischen Zeit oder gar des Umgangs Jesu mit Frauen. Da haben die Redakteure der Leseordnung oft ein engeres Bild als die biblischen Autorinnen und Autoren.</p><p><em>Gilt das insgesamt für die Bibel?</em></p><p>Ja, denn es gibt in der gesamten biblischen Überlieferung auch großartige Frauen-Traditionen und Prophetinnen. Das muss man aus den Texten manchmal herauskitzeln und so den Horizont erweitern. Aber in der folgenden Zeit der Überlieferung bis in unsere Zeit hinein hatten es Frauen immer wieder schwer. Da verengt sich manchmal der Blick, zum Beispiel auf Maria Magdalena – und sie wird als Prostituierte diffamiert.</p><p><em>Auch von der Frau am Jakobsbrunnen wird gesagt, dass sie schon fünf Männer hatte und der aktuelle gar nicht ihr Ehemann sei …</em></p><p>Ja, aber das ist keine Kritik an der Frau wegen angeblicher sexueller Zügellosigkeit. Das ist eine sehr deutliche Armutskritik. Eine Frau musste damals eine weitere Ehe eingehen, wenn ihr Mann verstorben war, weil sie kein Erbrecht hatte. Und dass ihr aktueller Mann sie noch nicht mal zur Ehefrau nahm, macht sie noch ausgelieferter. Das richtet sich als Kritik dann gegen ihn, nicht gegen sie.</p><p><em>Im Evangelium heißt es auch, dass die Jünger sich wunderten, dass Jesus mit einer Frau spricht. Wie ungewöhnlich war das? Oder geht es eher um seinen besonderen Umgang mit Randgruppen?</em></p><p>Frauen sind keine Randgruppen – sie waren schon immer die Hälfte der Menschheit! Je mehr man es als Besonderheit herausstellt, dass Jesus mit ihnen spricht, desto mehr verfestigt man das scheinbare Normal, dass Männer nur mit Männern reden. Aus der Sicht Jesu war es womöglich die größere Grenzüberschreitung, dass er nach Samaria ging und mit jemandem von dort gesprochen hat. Dass das dann ausgerechnet eine Frau war, kommt noch hinzu, steht aber nicht an erster Stelle und ist für ihn gar nicht so ungewöhnlich, wie wir das vielleicht annehmen.</p><p><em>Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie in den Geschichten?</em></p><p>Dass es die Ungeliebten waren, denen sich Jesus zuwandte, diejenigen, die Schwierigkeiten gemacht haben, die Anstrengenden. Mit denen hat Jesus keine Berührungsängste. Es gibt ein schönes Zitat der amerikanischen Theologin Elizabeth Johnson. Sinngemäß: Das Problem heute ist nicht, dass Jesus ein Mann war, sondern dass nicht mehr Männer wie Jesus sind.</p><p><em>Was kann man heute aus dieser biblischen Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen lernen?</em></p><p>Offen in ein Gespräch zu gehen – und sich für dieses Gespräch auch Zeit zu nehmen! Das geht uns oft verloren, nicht zuletzt in kirchenpolitischen Debatten. Da genügen ja manchmal schon Stichworte und alle meinen zu wissen, was der oder die andere jetzt sagen wird. Jesus tritt ja nicht ohne eigene Verortung auf. Jesus hat auch eine Position, er weiß genau, wer er ist, wo er hingehört und wohin er gehören will. Aber er nimmt sich dennoch Zeit für die Erfahrung der anderen. Das ist kein Entweder-Oder, kein Schwarz-Weiß. Modern gesprochen: Jesus geht aus seiner Bubble raus. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p></section><section compid="92D576CD-2ED9-44C9-AF01-EA041A10A928" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Annette Jantzen ist promovierte Theologin, Buchautorin und Verfasserin des Blogs <a href="https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/" target="_blank" class="external-link" rel="noreferrer">www.gotteswort-weiblich.de</a>. Gerade erschienen ist ihr Buch: Die ignorierten Frauen der Bibel. Was im Gottesdienst nicht gelesen wird. Herder Verlag, 304 Seiten, 24 Euro</p></section>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70811</guid><pubDate>Sun, 01 Mar 2026 10:16:00 +0100</pubDate><title>„Es ist alles geregelt, fragen Sie einfach nicht“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/es-ist-alles-geregelt-fragen-sie-einfach-nicht/</link><description>Ein Mann aus den USA hat jahrelang der örtlichen Apotheke Geld zugesteckt, um die Medikamente von Bedürftigen zu bezahlen. Sein Beispiel zeigt, welche Wunder man heute bewirken kann, wenn man Gottes Auftrag an Abraham vor ein paar Tausend Jahren beherzigt: Du sollst ein Segen sein!</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.</p><p>Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.</p><p>Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.</p><p>Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.</p><p>Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 17,1–9</strong></p><p></p><p>Die Geschichte von Hody Childress ist die eines Mannes, der sich weniger um sich, dafür aber aus vollem Herzen um Bedürftige kümmerte. Dabei quälte er sich selbst bis zu seinem Tod mit Herzproblemen. Er solle in der Hitze Alabamas das stundenlange Fahren auf dem Mähdrescher oder Traktor aufgeben, hatte seine zweite Frau Martha dem leidenschaftlichen Landwirt schon vor Jahren geraten. „Wenn ich auf dem Traktor sterbe, dann sterbe ich als glücklicher Mann“, konterte er die berechtigte Sorge.</p><p>Irgendwann ist er dann tatsächlich gestorben, mit 80 Jahren. Sein Tod wäre über seine ländliche, in der Nähe von Huntsville gelegene Heimatgemeinde Geraldine hinaus nicht weiter von öffentlichem Interesse. Wäre damit nicht plötzlich ein Geheimnis ans Licht gekommen: Childress hatte mehr als zehn Jahre lang der örtlichen Apotheke Geld zugesteckt, das Bedürftigen für den Erwerb von Medikamenten zugutekam.</p><p>Die Apothekerin Brooke Walker erzählte einer US-Reporterin, wie Childress sie eines Tages zur Seite nahm und fragte, ob es Menschen in der Gemeinde gebe, die ihre Medikamente nicht bezahlen könnten. Das passiere immer mal wieder, so Walker. „Beim nächsten Mal nehmen sie das hier“, gab Childress der verblüfften Apothekerin zur Antwort und steckte ihr einen zerknitterten 100-Dollar-Schein zu.</p><p>Die beiden schlossen einen ganz besonderen Pakt: Die Apothekerin solle gegenüber anderen über seine Wohltat schweigen und er wolle auch nicht wissen, wer Nutznießer sei. „Wenn sie fragen, sagen Sie einfach, dass es ein Segen Gottes ist.“ Und Childress kam regelmäßig, Monat für Monat. Jedes Mal ließ er etwas Bares in der Apotheke.</p><p>Das rettete vermutlich das Leben von Eli Schlageter. Der 15-Jährige zeigte nach einem Hornissen-Stich schwere allergische Reaktionen und drohte fast zu ersticken. Er benötige dringend ein 800 Dollar teures Medikament, sagte sein Arzt. Für Elis Mutter unbezahlbar. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, als die Apothekerin die Arznei gratis über den Ladentisch schob. „Es ist alles geregelt, fragen Sie einfach nicht“, sagte Walker.</p><p>Childress konnte mit seinen milden Gaben im Durchschnitt zwei Menschen pro Monat helfen. „Viele konnten dank Hody länger leben“, sagt die Apothekerin. Dass Childress seine Großherzigkeit im ärmlichen Geraldine an der richtigen Stelle einsetzte, verrät die Statistik: Einer von fünf Einwohnern der 900-Seelen-Gemeinde lebt laut Volkszählung von 2020 unterhalb der Armutsgrenze. Das liegt deutlich über dem nationalen Durchschnitt und sogar über dem des als arm geltenden Südstaats Alabama, der relativ wenig Medicaid-Mittel als Fürsorge für Betroffene bereitstellt.</p><p>Ein Viertel der US-Amerikaner hat große Schwierigkeiten, die in den vergangenen Jahren gestiegenen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu bezahlen. Was dazu führt, dass ein Drittel der Betroffenen laut der Kaiser Family Foundation bei der Pillen-Einnahme spart. Beim Schlucken wird gestreckt, die Dosis halbiert oder nur unregelmäßig eingenommen.</p><p>Als Hody Childress starb, entband das die Apothekerin von ihrem Schweigegelöbnis. Dabei war der Wohltäter kein Krösus: Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, arbeitete er jahrzehntelang bei der Luftwaffe und beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, bevor er sich als Rentner der Landwirtschaft zuwandte. So lebte er stets bescheiden und blieb immer zuversichtlich, wie seine Familie berichtet.</p><p>Dabei hatte ihm das Leben schwere Prüfungen auferlegt. Seine erste Frau quälte sich mit Multipler Sklerose, was ihn nicht davon abhielt, sie jahrelang auf die Football-Tribüne seines Clubs zu tragen. In den 1970er-Jahren verlor er seinen Vater und sein mittleres Kind durch einen Tornado.</p><p>Andere wären an solchen Schicksalsschlägen zerbrochen. Childress hingegen entdeckte die Demut und Großzügigkeit. „Er konnte einfach nicht aufhören zu spenden, er hatte das Gefühl, dass er es tun musste“, sagt Tochter Tania Nix über ihren Vater. Er wollte ein Segen sein für andere.</p><p>Sein Tun hinterlässt Spuren. Als die Washington Post und die New York Times nach dem Tod von Hody über sein großes Herz ausführlich berichteten, meldeten sich reihenweise Helfer aus dem ganzen Land. Sie alle wollen den Apothekenfonds fortführen – ganz zur Freude von Tochter Tania: „Wenn das, was er getan hat, auch nur einen Menschen berührt und zeigt, dass es noch Gutes auf der Welt gibt, dann ist es das wert.“ Was zeigt: Segen wirkt.</p><p class="text-right"><em>Thomas Spang</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70856</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2026 08:12:59 +0100</pubDate><title>Aktiv für die Gemeinschaft</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/aktiv-fuer-die-gemeinschaft/</link><description>Die Abtei Münsterschwarzach ist seit 1914 Teil des Marktes Schwarzach am Main. Bei der Kommunalwahl am 8. März kandidieren sechs Mönche auf einer eigenen Wahlliste, angeführt von Pater Christoph Gerhard. Sein Mitbruder Julian Glienke indes ist für Bündnis 90/Die Grünen aktiv.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="1b266199-fc6d-4959-baee-8e11af53e664" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Seit mehr als 80 Jahren engagieren sich die Mönche in der Lokalpolitik. „Wir sind eng mit dem Ort und den Menschen hier verwurzelt. Das ist eine gute Basis, um sich für ein gutes Miteinander zu engagieren“, sagt Pater Christoph Gerhard, der seit zwei Legislaturperioden Teil des Schwarzacher Gemeinderats ist. Auch in der kommenden Amtszeit möchte er die Gemeinde mitgestalten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kein Wahlkampfgetöse aus der Benediktinerabtei</h3><p>Auf einen großen Wahlkampf verzichten die Münsterschwarzacher Benediktiner. „Die Menschen kennen uns und unsere Werte. Sie wissen, wofür wir eintreten“, sagt Pater Christoph. Auf Informationen für die Bevölkerung verzichten die Brüder dennoch nicht ganz. Schließlich wollen die Wahlberechtigten darüber informiert werden, dass die Klosterliste auch dieses Mal auf dem Wahlzettel steht. „Daher setzen wir auf Anzeigen und verteilen Infomaterial.“</p><p>Der Blick in eben dieses Infomaterial zeigt: Es sind vor allem grundlegende Anliegen, die die Brüder umtreiben. Zentrale Themen der Klosterliste sind die Ortsentwicklung und Steigerung der Lebensqualität, die Unterstützung von jungen Menschen, der Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt. „Die aktuelle Lage in der Welt schafft viel Unsicherheit und Angst bei den Menschen. In diesem Klima ist es umso wichtiger, sich auch politisch für andere einzusetzen“, erläutert Pater Christoph Gerhard.</p><p>Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 hat die Liste der Abtei gut acht Prozent der Stimmen in Schwarzach erhalten, im Ortsteil Münsterschwarzach haben etwa 40 Prozent der Einwohner für sie gestimmt. Das bedeutete letztlich einen Sitz im Gemeinderat. „Es wäre ein schöner Erfolg, wieder ein ähnliches Ergebnis zu erzielen“, sagt Pater Christoph. Als Spitzenkandidat der Klosterliste hofft er nun auf eine dritte Amtszeit – und auf die Stimmen seiner Mitbrüder.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gut in der Gemeinschaft und von der Schöpfung leben</h3><p>Unter diesen Mitbrüdern gibt es jedoch einen, der bei einer der etablierten Parteien seine politische Heimat gefunden hat: Bruder Julian Glienke engagiert sich im Kreisvorstand der Kitzinger Grünen und hat beispielsweise an deren regionalem Wahlprogramm mitgearbeitet. Schon lange treibt es ihn um, „dass wir mit unserem Lebensstil die natürlichen Grundlagen zerstören, von denen wir abhängen“.</p><p>Dieser Gedanke verweise wiederum direkt auf sein Leben als Mönch. „Zum einen ist die Betrachtung der Schönheit der Natur eine stetige Quelle von Gotteserfahrung. Zum anderen beschäftigt mich die Frage, was ich wirklich brauche“, sagt Bruder Julian. „So gesehen ist das Leben im Kloster ein alternativer Lebensstil, bei dem wir versuchen, gut in Gemeinschaft untereinander und auch mit der Schöpfung zu leben. Die gibt uns das Nötige zum Leben, und die wollen wir erhalten.“ Aus dem Wahlkampf hält sich der Mönch heraus. Er organisiert lieber im Hintergrund, um sich und Parteifreunde zu vernetzen und so die demokratische Mitte zu stärken.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Über die große Politik wird nur gelegentlich gesprochen</h3><p>Für den Gemeinderat kandidiert der Benediktiner aus Münsterschwarzach ebenfalls nicht. Er möchte der Klosterliste seiner Mitbrüder keine Konkurrenz machen. So erwächst aus seinem parteipolitischen Engagement höchstens einmal eine beherzte Diskussion hinter den Klostermauern, aber garantiert kein Streit. „Intern sprechen wir gelegentlich über die große Politik und ihre Folgen“, sagt Bruder Julian, „tragen aber keine politische Auseinandersetzungen in den Konvent hinein“.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p><p></p></section><section compid="c4cfdb3e-3441-4f6f-a137-93158b3b6734" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_1">Veranstaltung: Kirche und Politik</h3><p>„Demokratie und…“ heißt die Veranstaltungsreihe von Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried, Domschule Würzburg, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Akademie Frankenwarte, Kolping Akademie sowie Volkshochschule Würzburg und Umgebung. Am Dienstag, 10. März, 19 Uhr geht es um die Positionierung der christlichen Kirchen bei politischen Themen. Zu Gast ist Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats und ehemaliger Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern. Anmeldung zur Veranstaltung im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus (Wilhelm-Schwinn-Platz 3, 97070 Würzburg) bis 3. März per Telefon 0931 321750 oder E-Mail an <a href="mailto:mail@schroeder-haus.de">mail@schroeder-haus.de</a>.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70855</guid><pubDate>Fri, 27 Feb 2026 08:07:34 +0100</pubDate><title>Neuer Name, neues Team, bewährte Ziele</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/neuer-name-neues-team-bewaehrte-ziele/</link><description>Die neue Leiterin Katharina Leniger und einige ihrer Mitarbeiter berichten, was sich ändert und was gleich bleibt.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von Exerzitien an verschiedenen Orten in und außerhalb des Bistums bis zum Frauen-Wochenende im Tagungszentrum Schmerlenbach, von Jahreszeiten-Gottesdiensten in Himmelspforten bis zur spirituellen Auszeit für kirchlich Engagierte, von Abendwanderungen bis zum Taizé-Tag, vom meditativen Bogenschießen für Frauen bis zum Berufungswochenende: Das aktuelle Jahres-Programm des neu benannten Referats Spritualität umfasst mehr als 50 Angebote aus unterschiedlichen Bereichen. Der Titel „Innehalten – Kraft schöpfen – Orientierung finden“ gibt die inhaltliche Richtung vor.</p><p>Sophia Hagmaier, Jugendbildungsreferentin im Diözesanverband Würzburg der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, hat beim Auszeit-Wochenende aus dem Programm wertvolle Erfahrungen gemacht: „Ich habe erfahren, was es bedeutet, sich die Freiheit zu nehmen, einmal innezuhalten und wirklich zu fühlen, wie es mir geht – jenseits vom Alltag.“ Dabei seien viele Fragen aufgekommen, zum Beispiel: „Was bewegt mich? Was trägt mich? Und was ist es eigentlich, das meinem Leben Bedeutung gibt?“ Hagmaiers Fazit nach dem Angebot des Referats Spiritualität: „Egal, ob miteinander gelacht, geweint oder geschwiegen wurde – es war eine bedeutungsvolle Zeit, geprägt von echten Begegnungen, gedankenreichen Gesprächen, einer besonderen Atmosphäre und einmaligen Momenten, die direkt ins Herz gehen.“</p><p>Geleitet hat das Auszeit-Wochenende im Tagungshaus Schmerlenbach Katharina Leniger. Die Theologin wechselte im Herbst 2024 von der theologischen Fakultät der Uni Würzburg zur Diözese Würzburg und leitet das Referat Spiritualität. „Mit den Angeboten im Bereich Lebensorientierung und Berufung möchten wir Menschen begleiten, die sich in ihrem Leben gerade nach einer Neuausrichtung oder Reflexion ihrer Zukunftsvorstellungen sehnen“, sagt die 34-Jährige. „Dazu gehört, den Grund zu spüren, auf dem jede Person steht und diesen auch und immer wieder im Glauben an Gott zu erfahren.“</p><p>Die Veranstaltungen im Bereich Lebensorientierung und Berufung für jüngere Menschen seien ähnlich zu anderen Formaten wie spirituelle Auszeiten, Exerzitien oder Besinnungstage. „Sogar Veranstaltungen im Bereich der spirituellen Bildung thematisieren immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Lebensweg, mit dem Glauben an Gott und seiner Bedeutung für das eigene Leben und die Begegnung mit anderen Menschen“, sagt Leniger.</p><p>Die Theologin ist beim Wechsel zur Diözese in große Fußstapfen getreten: Domvikar Paul Weismantel hatte das bisherige Referat Geistliches Leben (RGL) über Jahrzehnte aufgebaut und geprägt. „Spiritualität ist mein Leben, ich arbeite gerne weiter mit“, fasst Weismantel seine heutige Rolle im neu benannten Referat zusammen. Er betreut als Geistlicher Leiter das Exerzitienhaus Himmelspforten, leitet selbst noch Schweige-Exerzitien und Besinnungstage und bringt weiter seine Broschüren zur Fasten- und Adventszeit heraus.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Von Berufungsportal bis Exerzitien</h3><p>Die drei Schwerpunkte Berufungspastoral, Personalseelsorge und Exerzitien hätten sich im Bistum Würzburg über Jahrzehnte etabliert. Mit seiner Nachfolgerin und der Umbennung des RGL komme er sehr gut klar: „Aus den Leitungsfragen halte ich mich raus“, betont Weismantel. Eigentlich hätte er im vergangenen Jahr zum 70. Geburtstag in Ruhestand gehen sollen. „Meine Stelle wurde um ein Jahr verlängert, ob das heuer ein weiteres Jahr verlängert wird, entscheidet der Bischof.“</p><p>Nach den Worten von Katharina Leniger würden viele Menschen unter „Geistlichem Leben“ häufig besondere Lebensformen verstehen, nämlich vor allem die der Priester und Ordensleute. „Unser Angebot ist aber für alle Personen und richtet sich dezidiert auch an Menschen, die (noch) nicht so geübt und versiert im Bereich christliche Spiritualität sind“, betont die neue Referatsleiterin. Das Programm biete möglichst offene und breit gefächerte Angebote: draußen, schweigend, in Gemeinschaft, im Bereich Bildung und vieles mehr. Auch strukturell habe es Änderungen gegeben: Die Unterreferate seien aufgelöst, aber die bewährten Inhalte beibehalten worden. Die Referate „Exerzitien und Spirituelle Arbeit“, „Personalseelsorge“ und die Diözesanstelle „Berufung und Lebensorientierung“ wurden zu den Schwerpunkten „Geistliche Begleitung“, „Spirituelle Angebote-Exerzitien“, „Lebensorientierung-Berufung“ und „Personalseelsorge“, wobei spezifisch Diakone und Priester seelsorglich begleitet werden.</p><p>Wichtig sei ihr, nicht nur für und in Würzburg tätig zu sein, sondern „ins Bistum hinein zu wirken und so auch Kontakt zu den Dekanaten und Pastoralen Räumen zu suchen“. Es gebe ein weiterhin großes Interesse an spirituellen Angeboten und auch an Geistlicher Begleitung. „Nur wissen die Menschen oft nicht, was es alles gibt.“ Deshalb wolle sie die Kooperation mit Tagungshäusern, den Teams in den Patoralen Räumen und Klöstern intensivieren. Schwerpunkt der eigenen Arbeit seien die Bildungsangebote im Exerzitienhaus Himmelspforten. Einen besonderen Stellenwert hätten zudem die Geistlichen Teamtage für Mitarbeiter in Pastoralen Räumen, die das Referat Spiritualität mit der Gemeindeberatung anbietet.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">„Menschen offen begleiten“</h3><p>Katharina Leniger und Domvikar Manuel Thomas stellen zudem in Absprache mit der Abteilung Personalgewinnung die Berufungspastoral neu auf. „Wir vertreten dabei einen weiten Begriff von Berufung“, sagt Leniger. Das bedeute, Menschen zu begleiten, ihren Platz zu finden und beim Hören darauf, wo sie gerufen sind, in der Welt zu wirken. Wichtig ist ihr dabei: „Christ:in sein in der Welt kann jede Person auch jenseits kirchlicher Tätigkeiten oder Berufe.“ Und Priester Manuel Thomas ergänzt: „Es ist uns wichtig, Menschen, die zu uns kommen mit dem Anliegen, einen geistlichen Weg zu gehen, offen zu begleiten.“ Spiritualität habe viel mit der Haltung zu tun, ob Menschen Gott in ihr Leben lassen.</p><p>Pastoralreferentin Gabriele Saft begleitet unter anderem Studierende während des Studiums und ihrer pastoralen Ausbildung. „Kirche wird oft sehr auf Liturgie und Katechese reduziert, Spiritualität trauen uns viele gar nicht zu“, berichtet die Geistliche Begleiterin. Dabei sei die „Herzensbildung“ so wichtig für Christinnen und Christen. „Spiritualität wird jetzt bunter“, kommentiert Gabriele Saft die Umbenennung des früheren Referats Geistliches Leben.</p><p>Die mehr als 50 Angebote im Programm wenden sich an Menschen verschiedenen Alters und in unterschiedlichen Lebensphasen. Sie seien etwa nach dem Verlust von lieben Angehörigen oder nach dem Ausstieg aus dem Beruf auf der Suche. Pastoralreferentin Elke Wallrapp betreut unter anderem „Frauen im Alltagstrubel“. Neben einem Wochenende für Frauen in Kooperation mit der Frauen-Seelsorge des Bistums biete sie unter dem Motto „Wachsen und Reifen“ am 28. und 29. Dezember einen spirituellen Jahresrückblick an.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wanderexerzitien in den Alpen</h3><p>„Ich erlebe, dass viele Menschen auf der Suche sind, am Scheideweg oder durch Schicksalsschläge“, erzählt Pastoralreferent Holger Oberle-Wiesli. Mit seinen regelmäßigen Wanderexerzitien geht er im wörtlichen Sinn neue Wege mit den Teilnehmern. Im vergangenen Herbst stand wieder das Oberinntal auf dem Programm, weil er die Gegend aus seiner Studienzeit kennt. 17 Teilnehmer suchten eine Woche lang innere Einkehr beim Wandern in der herbstlichen Bergwelt. „Dem Schöpfer so nahe“ lautet für viele das Motto.</p><p>Holger Oberle-Wiesl steuerte täglich spirituelle Texte, Lieder und Gebete bei, es gab Morgenimpulse in der Klosterkirche, in Kapellen am Wegesrand oder auch in freier Natur. Der Wallfahrtsweg von Flies nach Faggen oberhalb des Inns inspirierte zur Dankbarkeit. Weitere inhaltliche Schwerpunkte waren Erbarmen zeigen, Mitgefühl, Nächstenliebe, maßvolles Leben und das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit.</p><p>„Die morgendliche Impulsandacht ist immer ein inspirierender Start in den Tag“, sagt Teilnehmer Hermann Scherpf. Das Gehen in der Natur, begleitet von kurzen Impulsen und Zeiten der Stille, helfe ihm, innerlich zur Ruhe zu kommen und Wesentliches neu zu ordnen. „Ich erlebe diese Tage als wohltuende Unterbrechung meines Alltags, die mir Klarheit schenkt und Dankbarkeit wachsen lässt.“ Die Wanderexerzitien ermöglichten Tiefe – durch Bewegung, Natur und Reflexion.</p><p>Seine Frau Gabriele Scherpf bezeichnet die Wanderexerzitien jedes Jahr als „Highlight, um mit der Schöpfung, mir selbst und der Gemeinschaft ganz eng in Berührung zu kommen“. Und weiter: „Die Großartigkeit und Erhabenheit der Bergwelt lässt mich die Unfassbarkeit des Schöpfergottes erahnen und erfüllt mich immer wieder aufs Neue mit dem absoluten Gefühl der Ehrfurcht und Dankbarkeit.</p><p>Mit auf den Weg durchs Oberinntal hat sich auch Stefan Fries gemacht. Sein Herz schlage höher, wenn er in den Bergen wandere. „Beeindruckende Landschaften, herzige Leute, gute Gespräche und berührende Impulse, Gebete und Lieder. Das alles zusammen berührt meine Seele und macht mich glücklich, dankbar und zufrieden und ich fühle mich so eng verbunden mit der Schöpfung.“</p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p><p>Infos, Programm und Bestellformular für den Newsletter finden Sie auf <a href="https://spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/" target="_blank" class="external-link">www.spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de</a>.</p><p></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Das neue Team</h3><p>Die Theologin Katharina Leniger leitet seit Herbst 2024 das Referat Spiritualität. Pastorale Mitarbeitende sind Pastoralreferent Holger Oberle-Wiesli (je 50 Prozent im Referat und im Pastoralen Raum Elsenfeld), Pater Jakob Olschweski OSA (50 Prozent, Priesterseelsorge mit Sitz in Münnerstadt), Diakon Karl Pöppel (80 Prozent, Diakonen-Seelsorge und Spiritual für Diakone in Ausbildung), Pastoralreferentin Gabriele Saft (75 Prozent, Personalseelsorge und Mentorin für Auszubildende in der Pastoral), Domvikar Manuel Thomas (je eine halbe Stelle in Berufungspastoral und im Pastoralen Raum Würzburg Süd-Ost), Pfarrer Werner Vollmuth (50 Prozent, Priesterseelsorge), Pastoralreferentin Elke Wallrapp (50 Prozent) und Domvikar Paul Weismantel (25 Prozent, Geistliche Leitung des Exerzitienhauses Himmelspforten). In der Verwaltung unterstützen Silke Beetz, Ruth Lerch und Petra Möhricke.</p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Geistliche Begleitung</h3><p>Geistliche Begleitung ist laut Katharina Leniger „ein seelsorgerliches Gesprächsangebot, das hilft, den eigenen Weg mit Gott (neu) zu entdecken und zu vertiefen.“ Grundlage sind Gespräche über Leben, Glauben, Beziehung zu Gott, Sehnsucht, Ängste, Fragen, Wünsche, Hoffnungen und vieles mehr. Geistliche Begleitung zeige „die feinen Linien auf, diedas Leben und den Glauben miteinander verbinden“. Mit Gott an der Seite werde der Blick auf das Wesentliche geweitet, um so das „Mehr“ im eigenen Leben zu entdecken. In der Diözese Würzburg gibt es derzeit rund 40 Geistliche Begleiterinnen und Begleiter – Ehrenamtliche und Personen, die im seelsorgerlichen (pastoralen) Dienst sind, darunter Gemeinde- und Pastoralreferenten, Diakone, Priester und Ordensleute. Die Geistlichen Begleiter leben und arbeiten somit in unterschiedlichen Lebenskontexten und Berufen. Besonders beachtet werden die Themen Prävention und Intervention sexuellen Missbrauchs und des Missbrauchs geistlicher Autorität. In den kommenden Jahren sollen weitere Geistliche Begleiter ausgebildet und gefördert werden.</p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic">Zuschüsse möglich</h3><p>Das Bistum Würzburg gewährt für viele Veranstaltungen des Referats Spiritualität Zuschüsse. Eine der Voraussetzungen dafür ist, dass die Angebote mindestens drei Übernachtungen beinhalten. Weitere Informationen zu den Rahmenbedingungen für Veranstaltungen und für Teilnehmer sind auf der Seite <a href="https://spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/zuschuesse/bezuschussung-exerzitien" target="_blank" class="external-link">www.spiritualitaet.bistum-wuerzburg.de/zuschuesse/bezuschussung-exerzitien</a> zusammen gestellt.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70656</guid><pubDate>Sun, 22 Feb 2026 07:48:00 +0100</pubDate><title>Was die Tat teuflisch macht</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/was-die-tat-teuflisch-macht/</link><description>Immer am 1. Fastensonntag wird im Evangelium verkündet, wie Jesus in der Wüste in Versuchung geführt wird. Wenn man sein weiteres Leben betrachtet, merkt man: Jesus hat wohl nicht prinzipiell etwas gegen die Vorschläge des Teufels. Ihn stört das Ziel: der Eigennutz.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.</p><p>Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.</p><p>Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.</p><p>Darauf ließ der Teufel von ihm ab und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 4,1–11</strong></p><p>Die bei Matthäus und Lukas sehr ausführlich erzählte, geradezu dramatische Geschichte der Begegnung Jesu mit dem Versucher ist so bekannt, dass man kaum noch über sie nachdenkt. Ist doch klar, dass Jesus gewinnt. Ist doch klar, dass er den Verführungen des Teufels widersteht.</p><p>Aber was ist eigentlich das Teuflische an der Sache? Denn wenn man genau hinschaut, ist Jesus im Grunde den drei Vorschlägen des Teufels gar nicht so abgeneigt. Oder noch genauer: Eigentlich macht er das, was der Teufel will. Nur später. Und mit anderer Zielrichtung. Das glauben Sie nicht? Schauen wir mal ...</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Steine zu Brot</h3><p>Jesus hat Hunger. Kein Wunder: Seit 40 Tagen hält er sich in der Wüste auf, um zu fasten und zu beten. Noch ist er nur ein Zimmermannssohn aus Nazaret, aber er ist auf der Suche nach seiner wahren Berufung. Und um die zu finden, geht er in die Einsamkeit. So wie viele vor und nach ihm. Fasten und beten – ein religiöses Urprinzip.</p><p>Und dann kommt die Versuchung: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Aber Jesus tut es nicht. Mit einer frommen Begründung: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“</p><p>Zeitsprung: Jesus ist mit Hunderten oder gar Tausenden Menschen in einer einsamen Gegend zusammen. Sie sind gekommen, um ihn zu hören: Männer, Frauen und Kinder. Den ganzen Tag sind sie schon zusammen und irgendwann knurrt ihnen der Magen. Matthäus erzählt: „Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!“ (Mt 14,15)</p><p>Was dann folgt, wissen Sie: die wunderbare Brotvermehrung. Nein, Jesus macht nicht aus Steinen Brot, aber er sorgt doch dafür, dass es alle zu essen haben. „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.“ (Mt 14,19–20)</p><p>Sie merken, so unähnlich ist die Situation gar nicht: Es geht um eine einsame Gegend, um Menschen, die aus religiösen Gründen dorthin gekommen sind, es geht um Hunger und Wunderkräfte. Einmal verweigert sich Jesus, einmal wirkt er das Wunder. Der Unterschied: Einmal geht es um ihn selbst, das andere Mal um andere Menschen. Offensichtlich ist das für Jesus entscheidend: Ob er sich selbst satt macht oder die, die ihm gefolgt sind, um ihm zuzuhören. Ob er sich selbst Gutes tut oder anderen. Anders gesagt: Ob er aus Egoismus handelt oder aus Nächstenliebe. Egoismus ist teuflisch, Nächstenliebe göttlich.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Stürz dich hinab</h3><p>Die zweite Versuchung spielt auf dem Dach des Tempels. Jesus steht am Abgrund, es geht um Leben und Tod. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab!“ Die Engel, so die Logik, würden ihn schon auffangen. Wieder weigert sich Jesus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen!“</p><p>Zeitsprung: Jesus wird von Maria und Martha nach Betanien gerufen. Ihr Bruder Lazarus ist krank. Jesus kann heilen, das wissen die Frauen. Doch Jesus verspätet sich und als er kommt, ist es zu spät: Lazarus ist tot. Sogar bestattet ist er schon. Und Maria klagt: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ (Johannes 11,32).</p><p>Was dann folgt, wissen Sie: Jesus erweckt den Toten zum Leben. Aber nicht aus eigener Kraft. Bei Johannes heißt es: „Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast“ (11,41). Offensichtlich hat Jesus gebetet, seinen Vater angefleht, Lazarus aus dem Tod zu holen – und hat damit Gott auf die Probe gestellt.</p><p>Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: Es geht um Leben und Tod. Und es geht um die Bitte, Gott möge jemanden wundersam erretten. Der Unterschied: Einmal geht es um Jesus selbst und eine ziemlich sinnfreie Show. Das andere Mal geht es um Lazarus, um seine weinenden Schwestern und um alle, die dabei sind. Jesus betet: „Vater, ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Gott zu bitten um der Show willen, ist teuflisch. Ihn zu bitten, um zu retten, ist göttlich.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Alle Reiche der Welt</h3><p>Schließlich die dritte Versuchung: Der Teufel geht mit Jesus auf einen hohen Berg. „Er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben.“ Und wieder widersteht Jesus: „Weg mit dir, Satan!“</p><p>Zeitsprung: Wir befinden uns ganz am Ende des Matthäusevangeliums. Jesus ist auferstanden von den Toten. In Galiläa, auf einem hohen Berg, zeigt er sich seinen Jüngern und erteilt ihnen einen Auftrag. Er sagt: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“</p><p>Auch hier erkennen Sie die Ähnlichkeit: der Berg, die Reiche der Welt, die Menschen, die alle Jesus gehören sollen, der Macht hat im Himmel wie auf Erden. Der Unterschied: Im ersten Fall soll Jesus sie bekommen im Namen des Bösen und mutmaßlich mit Gewalt, denn das ist der Preis: dass „du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“. Im zweiten Fall will Jesus die Reiche der Welt erobern im Namen der Liebe und mutmaßlich durch Verkündigung und Vorbild, denn Jesus sagt: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“</p><p>Was diese kleine Gegenüberstellung zeigt? Dass es nicht immer auf die Tat selbst ankommt, sondern auf den Geist, in dem sie vollbracht wird. Auf das Ziel. Und da gilt: Egoismus, Selbstdarstellung und Gewalt sind teuflisch. Nächstenliebe, Hilfe und die Kraft der Liebe sind göttlich. Und wir alle stehen wie Jesus in der Wüste in der Spannung zwischen diesen Polen.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>

]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70655</guid><pubDate>Tue, 17 Feb 2026 07:42:31 +0100</pubDate><title>Eine Wahl, der Ideen und Aktionen folgen werden</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/eine-wahl-der-ideen-und-aktionen-folgen-werden/</link><description>Unübersehbar sind die Plakate für die Kommunalwahl am 8. März. Doch schon eine Woche vorher steht die Pfarrgemeinderatswahl an. Durch Briefwahl, Urnengang oder per Akklamation besetzen Katholiken in den Gemeinden Ehrenämter.</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Gemeinsam gestalten – gefällt mir“ ist das Leitmotiv für die Wahl. So viel Optimismus das Motto verbreitet, die Kandidatensuche ist kein Selbstläufer. Diese Erfahrung machen Verantwortliche in Pfarrgemeinden. Die Bereitschaft, sich für ein Ehrenamt vier Jahre lang zu binden, sinkt. Helfer für einzelne Projekte zu finden sei einfacher, sagt Nicole Schönbrod von der Pfarrei St. Justinus Alzenau. Besonders junge Leute seien nur schwer zu gewinnen, berichtet Claudia König von der Pfarreiengemeinschaft (PG) „Liborius Wagner“ in Stadtlauringen. Das bestätigt Sonja Großmann aus der PG Franziska Streitel in Mellrichstadt. Frauen seien eher bereit zu kandidieren als Männer, beobachtet Nicole Schönbrod und ergänzt: „Wir müssen dankbar sein für jeden, der sich in der Kirche engagiert.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Menschen bringen sich ein</h3><p>Am 1. März werden entweder örtliche Gemeindeteams oder ein Gemeinsamer Pfarrgemeinderat für eine Pfar&shy;reiengemeinschaft gewählt. Wird über einen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat abgestimmt, soll vor Ort ein Zusammenschluss Ehrenamtlicher das Gemeindeteam bilden.</p><p>In der PG „Franziska Streitel“ Mellrichstadt wählen die Katholiken einen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Ursprünglich vorgesehen waren jeweils zwei Sitze für sechs Gemeinden, also zwölf Sitze. Da sich in einer Gemeinde nur eine Kandidatin gefunden hat, werden jedoch nur elf Sitze besetzt. Ziel in der PG ist eigentlich, dass möglichst jede Gemeinde die gleiche Anzahl an Sitzen hat. Die Ortsgröße spielt dabei keine Rolle. 100-prozentig klappt das jetzt nicht. Dank der Proporzwahl ist aber sicher, dass jede Gemeinde im neuen Pfarrgemeinderat vertreten sein wird, teilt Pastoralreferent Ulrich Emge erfreut mit.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Echte Wahlmöglichkeit</h3><p>Auch Sonja Großmann ist mit den bisherigen Wahlvorbereitungen in der PG Franziska Streitel zufrieden. Die Leiterin des Wahlausschusses und amtierende Vorsitzende des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats und des Rats im Pastoralen Raum stellt fest: „Bei uns läuft es ganz gut.“ Positiv ist für sie auch, dass es in diesem Jahr eine echte Wahlmöglichkeit gibt. Es gibt 14 Bewerber um die elf Sitze.</p><p>Die Wahl eines Gemeinsamen Pfarrgemeinderats habe sich bewährt, erklären Großmann und Emge. Großmann schätzt daran, dass sie dort mit den Vertretern der anderen Gemeinden ins Gespräch kommt. In den meisten Ortschaften gelinge es zudem, Ehrenamtliche für ein Gemeindeteam zu gewinnen. Die Teams vor Ort seien sehr wichtig, so Großmann. Wo sich kein Gemeindeteam zusammenfindet, werde es schwierig mit örtlichen Aktivitäten. „Da passiert dann wenig“, sagt auch Emge.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wie viele Gremien sind nötig?</h3><p>Die Pfarreiengemeinschaft „Liborius Wagner“ in Stadtlauringen verabschiedet sich 2026 vom bisherigen Gemeinsamen Pfarrgemeinderat und wählt Gemeindeteams, die Delegierte direkt in den Rat im Pastoralen Raum entsenden. Das liegt nach Auskunft von Claudia König (Vorstand Pfarrgemeinderat) nicht etwa an schlechten Erfahrungen. Die Verantwortlichen wollen vielmehr eine einheitliche, gangbare Lösung für den Pastoralen Raum „Schweinfurter Oberland“, zu dem Stadtlauringen gehört. „Wir wollten nicht noch mehr Gremien – für Ortschaft, Pfarreiengemeinschaft, Pastoralen Raum – haben“, führt König als Begründung an. Um die Zahl der Sitzungen überschaubar zu halten, soll auf Ebene der Pfarreiengemeinschaft ein Ausschuss arbeiten.</p><p>König ist froh, dass sich in ihrem Heimatort Stadtlauringen die meisten Ehrenamtlichen des bisherigen Gemeinsamen Pfarrgemeinderats wieder zur Wahl stellen. Allerdings gab es bis Ende Januar etwas weniger Kandidaten als Sitze in den Gemeindeteams. Deshalb sollten nochmals Männer und Frauen angesprochen werden. Auch eine Box für Wahlvorschläge stand bis Monatsende in der Kirche.</p><p>In Alzenau wählen die Gläubigen ebenfalls Gemeindeteams. „In Alzenau und in den Ortsteilen Albstadt, Michelbach, Kälberau, Wasserlos und Hörstein machen die meisten Mitglieder der Gemeindeteams weiter“, weiß Nicole Schönbrod. Sie ist vor Ort im Gemeindeteam aktiv und betreut die Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei. Für die Stadtgemeinde Alzenau ging Schönbrod Ende Januar davon aus, dass etwas weniger Kandidaten als zu vergebende Sitze zur Verfügung stehen. Aber das könne sich kurzfristig ändern. Das Team wolle noch mögliche Kandidaten und Kandidatinnen ansprechen. Es habe durchaus schon Männer und Frauen gegeben, die sich in letzter Minute zur Wahl aufstellen ließen, ist Schönbrods Erfahrung.</p><p>In der gesamten Pfarrei Alzenau können noch bis zum 15. Februar Kandidaten auf die Liste genommen werden, weil dort per Akklamation gewählt wird. Anders als bei der Briefwahl braucht dieser Modus keine so lange Vorlaufzeit. Nach dem Gottesdienst am 1. März findet eine Versammlung in der Kirche statt. Die Teilnehmer geben ihre Wahlentscheidung durch Handabstimmung bekannt, ohne dass eine Stimmauszählung notwendig wäre. Schönbrod hofft, dass am Wahlsonntag viele Gemeindemitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Briefwahl und Urnengang</h3><p>In Mellrichstadt haben sich die Verantwortlichen für die Briefwahl entschieden. Dort wurden die Briefwahlunterlagen bei einem gemeinsamen Termin eingetütet und ab Ende Januar/Anfang Februar verteilt. „Wir sind zuversichtlich, dass die Wahl gut angenommen wird“, betont Sonja Großmann. In Stadtlauringen gibt es den klassischen Urnengang direkt am Wahlsonntag. Allerdings können Wahlberechtigte auch Briefwahlunterlagen anfordern, so Claudia König.</p><p>Die Verantwortlichen aus Alzenau, Mellrichstadt und Stadtlauringen gehen mit Zuversicht in die Pfarrgemeinderatswahl und in die bevorstehende neue Amtsperiode. Denn alle berichten von schönen Aktionen und positiven Erfahrungen in den vergangenen Jahren und sind guter Dinge, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird.</p><p>Pastoralreferent Ulrich Emge hält die Arbeit in den Gemeindeteams, in den Pfarrgemeinderäten und Räten im Pastoralen Raum für ausgesprochen wichtig. Die Ideen und Aktivitäten, die hier entstehen, sind für Emge eine „Einflugschneise für den Heiligen Geist“.</p><p class="text-right"><em>Heike Beudert</em></p><p></p><p><strong>Informationen zur Pfarrgemeinderatswahl im Bistum Würzburg finden Sie online unter <a href="https://pfarrgemeinderatswahl.de/" target="_blank" class="external-link">www.pfarrgemeinderatswahl.de</a>.</strong></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70521</guid><pubDate>Sun, 15 Feb 2026 08:02:00 +0100</pubDate><title>Auch das Nein muss man üben</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/auch-das-nein-muss-man-ueben/</link><description>Jesus fordert im Evangelium ein klares Ja und ein klares Nein. Dabei ist das Ja oft lieber gesehen – in der Kirche wie in privaten Beziehungen. Warum es gut ist, auch mal Nein zu sagen, erklärt die Diplom-Psychologin Andrea Stachon-Groth.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.</p><p>Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.</p><p>Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe! Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist! Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.</p><p>Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.</p><p>Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben. Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.</p><p>Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs! Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen. Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 5,17–37</strong></p><p></p><p><em>Frau Stachon-Groth, warum fällt es uns oft so schwer, Nein zu sagen?</em></p><p>Wir Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Da wird ein Nein schnell als Ablehnung und als beziehungsschädigend angesehen, weil das Gegenüber enttäuscht werden könnte. Manche haben Sorge, dass sie dann als egoistisch und nicht hilfsbereit gelten, wenn sie Nein sagen. Sie fühlen sich verantwortlich für das Wohlbefinden der anderen, gehen in eine überhöhte Verantwortung oder versuchen, Konflikte zu vermeiden.</p><p><em>Kann das gut gehen?</em></p><p>Vordergründig vielleicht, aber dann kann es schnell passieren, dass ich an meine eigenen Grenzen komme. Wenn ich die nicht ernst nehme, gerate ich in die Überlastung und kann meinem Gegenüber auch nichts mehr geben.</p><p><em>Fällt ein Nein im sozialen, zwischenmenschlichen oder kirchlichen Bereich schwerer als etwa im Berufsleben?</em></p><p>Wenn ich im Beruf abhängig bin oder an einem unsicheren Arbeitsplatz, ist ein Nein genauso schwer wie im sozialen oder zwischenmenschlichen Bereich. Da überlege ich dann vielleicht, ob ich mir das beruflich leisten kann. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es außerdem viele emotionale Erwartungen an mich. Viele merken aber, dass es, wenn sie mal ein Nein ausgesprochen haben, auch eine Klarheit und Sicherheit gibt, die gut tut. Dann weiß man, woran man ist. Das hilft oft mehr, als wenn man nur ein halbherziges Ja sagt.</p><p><em>Jesus fordert im Evangelium, sich klar für Ja oder Nein zu entscheiden. Wie kann ich Nein-Sagen lernen?</em></p><p>Das Wichtigste ist, sich nicht gleich aus einem Affekt heraus auf ein Ja oder Nein festzulegen. Es braucht Zeit, sich bei schwierigen Entscheidungen, die auch Konsequenzen haben, erstmal zu prüfen: Was will ich eigentlich? Kann ich das leisten, was da erwartet wird? Es kommt auch auf die Art und Weise an, wie ich es dann kommuniziere. Da hilft es, dem Gegenüber wertschätzend zu signalisieren, dass ich verstehe, dass derjenige sich etwas von mir wünscht. Aber dann auch klar und authentisch – und ohne viele Entschuldigungen und Rechtfertigungen – sagen, was ich selbst will. Das gelingt am besten, wenn ich es im Kleinen übe.</p><p><em>Was heißt das konkret?</em></p><p>Es müssen ja nicht gleich die großen Lebensentscheidungen sein. Ein Nein kann auch mal angebracht sein, wenn man in der Alltagsbanalität gefragt wird, ob man noch schnell einkaufen gehen kann. Wenn es eben nicht passt, weil ich in Zeitdruck bin, kann ich da auch ein Nein üben, ohne dass gleich die Welt untergeht.</p><p><em>Und dann?</em></p><p>Daraus kann ich lernen, wie ich mit den unangenehmen Situationen beim Nein-Sagen umgehen kann. Viele gehen in eine Vermeidungshaltung. Aber das löst nichts, denn wir lernen nur über Erfahrung.</p><p><em>Haben Sie dafür ein Beispiel?</em></p><p>Ich kann schlecht mit dem Auto rückwärts einparken. Aber wenn ich das deshalb nie mehr mache, wird es ja auch nicht besser und wird sogar vielleicht zur Angst vor dem Einparken. Ich muss es immer wieder in harmlosen Situationen ausprobieren, um so Schritt für Schritt etwas zu verändern. Dann ist das auch ein Erfolg, der gut tut. Gleichzeitig ist wichtig, dass ich nicht Nein sage um des Nein-Sagens willen. Es geht ja um die Prüfung, ob mir das, was ich entscheide, guttut.</p><p><em>Nach welchen Kriterien kann ich entscheiden, ob ein Ja oder ein Nein für mich besser ist?</em></p><p>Emotionen sind oft schneller als der Kopf beim Verstehen. Es gibt dann klare körperliche Signale. Manche merken das, wenn ihnen die Luft wegbleibt, dass sie Kopfschmerzen bekommen oder der Magen reagiert. Das sind Signale, die ich wahrnehmen und ernst nehmen muss, damit ich nicht Ja zu etwas sage, was ich eigentlich gar nicht will und kann.</p><p><em>Wenn ich mich nun für Ja oder Nein entschieden habe: Darf ich dann gar nicht mehr meine Meinung ändern und umfallen? Bei Jesus klingt das so …</em></p><p>Ich finde es zunächst wichtig, das nicht gleich als Umfallen zu bewerten. Meine Entscheidung kam ja nicht aus einer Laune heraus. Negativ wäre es nur, wenn ich etwa ein Ja strategisch einsetze, um mich beliebt zu machen, und dann immer wieder zurückrudere. Vielleicht wird im Lauf der Zeit aber deutlich, dass sich Umstände geändert haben oder ich bestimmte Dinge nicht vorhersehen konnte. Wenn ich nur stur eine Entscheidung durchziehe trotz aller Entwicklungen, bin ich ja auch nicht lern- und veränderungsfähig.</p><p><em>Was macht das mit den Beziehungen zu anderen, wenn ich meine Entscheidung ändere?</em></p><p>Es gehört natürlich Mut dazu, zu seinen Schwächen zu stehen und auch mal festzustellen: Hier muss ich ein Ja aufgeben und doch Nein sagen, weil ich es doch nicht schaffe. Aber genau das kann eine Beziehung auch stärken. Das Gegenüber merkt ja, ob es authentisch und wahrhaftig ist, was ich sage. Das kann zu einer größeren Nähe und Vertrautheit auch innerhalb der Beziehungen führen. Wenn ich merke, dass ich geliebt werde, auch wenn ich nicht perfekt funktioniere, nicht alle Erwartungen erfülle und zu allem Ja sage: Das stärkt eine Beziehung und auch mich selbst.</p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p><p></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Andrea Stachon-Groth ist Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster und Vorsitzende der Katholischen Bundeskonferenz der EFLs.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70620</guid><pubDate>Fri, 13 Feb 2026 15:19:48 +0100</pubDate><title>Von Synodalität bis Bätzing-Nachfolge</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/von-synodalitaet-bis-baetzing-nachfolge/</link><description>Die aktuell 59 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz 
treffen sich vom 23. bis 26. Februar in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung. Auf der Tagesordnung stehen die 
Wahl eines neuen Vorsitzenden, ein Studientag zum christlich-muslimischen Dialog und gesellschaftspolitische Fragen.</description><content:encoded><![CDATA[<p><strong>1. Welche Bedeutung haben die Bischofskonferenzen weltweit?</strong></p><p>Die Vatikanischen Jahrbücher listen regelmäßig die weltweit bestehenden römisch-katholischen Bischofskonferenzen auf. Die genaue Zahl variiert durch Zusammenschlüsse, im Jahr 2018 gab es<br />114 Bischofskonferenzen und 18 Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen. Sie setzen sich aus den Ortsbischöfen verschiedener Länder oder Regionen zusammen und dienen der Koordination pastoraler Aufgaben der rund 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.</p><p><strong>2. Wie ist die Deutsche Bischofskonferenz aufgestellt?</strong></p><p>Der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gehören die Diözesanbischöfe oder -administratoren der 27 deutschen (Erz-)Bistümer und sämtliche Weihbischöfe an. Derzeit hat die Bischofskonferenz 59 Mitglieder und vertritt rund 19,8 Millionen Katholiken in Deutschland. Rechtsträger der Deutschen Bischofskonferenz ist der&nbsp; Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der am 4. März 1968 als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet wurde. Die Konferenz hat ihren Sitz in Bonn, oberstes Organ ist die jeweils im Frühjahr und im Herbst tagende Vollversammlung.</p><p><strong>3. Wer leitet die Deutsche Bischofskonferenz?</strong></p><p>Die Vollversammlung wählt alle sechs Jahre einen Vorsitzenden, der die Konferenz nach außen vertritt. Während alle 59 Mitglieder wählen dürfen, können lediglich die 27 Diözesanbischöfe gewählt werden. Die Wahl ist geheim. Das Amt ist auf zwei Amtszeiten, also zwölf Jahre, begrenzt. Aktueller Vorsitzender ist seit März 2020 der Limburger Bischof Georg Bätzing. Der 64-Jährige hat bereits angekündigt, nicht erneut zur Wahl anzutreten. Der VDD wird bei Rechtsgeschäften entweder durch den DBK-Vorsitzenden oder durch den Vorsitzenden des Verbandsrates (seit Juni 2020 der Würzburger Bischof Dr. Franz Jung) oder den VDD-Geschäftsführer (aktuell Dr. Beate Gilles) vertreten.</p><p><strong>4. Wie und wann ist die Bischofskonferenz entstanden?</strong></p><p>Die erste offizielle Versammlung deutschsprachiger Bischöfe fand vom 22. Oktober bis 26. November 1848 in Würzburg statt und war eine Reaktion auf die Revolutionsjahre und die zunehmende Gründung kirchlicher Laienverbände. Erst ab dem Jahr 1867 etablierte sich die Fuldaer Bischofskonferenz, die schließlich im Jahr 1966 in Deutsche Bischofskonferenz umbenannt wurde. Parallel dazu treffen sich die (Erz-)Bischöfe von München und Freising, Bamberg, Augsburg, Passau, Regensburg, Eichstätt, Speyer und Würzburg bis heute zur Freisinger Bischofskonferenz.</p><p><strong>5. Wo tagen die deutschen Bischöfe im Frühjahr und im Herbst?</strong></p><p>Die Herbstvollversammlung tagt üblicherweise in Fulda, also am Grab des „Apostels der Deutschen“, des heiligen Bonifatius. Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Würzburg war zuletzt 2008 Gastgeber-Bistum – damals im Gedenken an die erste Bischofskonferenz 1848. Üblicherweise trifft sich der Ständige Rat der DBK (bestehend aus den 27 Diözesanbischöfen) fünf Mal pro Jahr im Würzburger Exerzitienhaus Himmelspforten.</p><p><strong>6. Wie läuft die Vollversammlung in Würzburg ab?</strong></p><p>Die Vollversammlung startet am Montag, 23. Februar, im Burkardushaus. Für 18.30 Uhr ist der Eröffnungsgottesdienst im Dom geplant, die Predigt hält DBK-Vorsitzender Bätzing. Für die folgenden drei Tage stehen jeweils um 7.30 Uhr Gottesdienste im Neumünster sowie Pressegespräche auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Gottesdiensten ist die Vollversammlung nicht-öffentlich. Gäste sind unter anderem der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, sowie Erzbischof Samuel Kleda und Pauline Maiday aus der Diözese Douala/Kamerun.</p><p><strong>7. Worüber wird im Würzburger Burkardushaus beraten?</strong></p><p>Wichtigster formaler Punkt ist die Wahl des neuen DBK-Vorsitzenden für die kommenden sechs Jahre. Die Wahl ist geheim, notwendig ist in den ersten beiden Wahlgängen eine Zwei-Drittel-Mehrheit, ab dem dritten Wahlgang reicht laut DBK-Pressesprecher Dr. Matthias Kopp eine einfache Mehrheit. Der neue Vorsitzende soll am Dienstag um 11.30 Uhr vorgestellt werden. Zudem beschäftigen sich die Bischöfe mit der Satzung der Synodalkonferenz und aktuellen Fragen des christlich-muslimischen Dialogs. Auf der Tagesordnung stehen zudem die weitere Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs, die Ehrenamtsentwicklung, die Situation der Christen im Nahen Osten und die politische Weltlage.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/284-neuer-dbk-vorsitzender-gesucht-die-vollversammlung-der-deutschen-bischofe-tagt-in-wurzburg/embed?context=external&amp;token=J31FczrAgDzhjG9gtLv1UQ" style="border: 0" border="0" height="380" width="100%"></iframe></p><p class="text-right"><em>Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70352</guid><pubDate>Sun, 08 Feb 2026 08:18:00 +0100</pubDate><title>Wir lassen euch nicht allein</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wir-lassen-euch-nicht-allein/</link><description>Christen sollen Licht der Welt sein, sagt Jesus im Evangelium. Oft gelingt das erstaunlich gut. Drei Beispiele, wie Gläubige das Leben anderer hell machen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.</p><p>Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.</p><p>So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 5,13–16</strong></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Frühstück für Wohnungslose</h3><p>Der heilige Franziskus küsst den Leprakranken. Alle anderen haben Angst, sich zu infizieren. Lepra gilt als unheilbar, die Gesellschaft duckt sich vor den Leprakranken weg. Franziskus von Assisi hat in dieser Zeit seine Umkehrmomente. Vom Lebemann und Genusssüchtigen zur selbstlosen Nachfolge Jesu Christi. Franziskus küsst den Aussätzigen, er zeigt ihm seine Liebe.</p><p>Diese Szene in Assisi soll sich im Jahr 1205 zugetragen haben. Franziskus stellt sich die Frage, was Jesus Christus in dieser Situation getan hätte. Danach handelt er. Ich als Kapuziner möchte beiden nachfolgen, das ist untrennbar: Jesus Christus und dem heiligen Franziskus.</p><p>Salzburg, im Jahr 2025: In der Unterkunft für Geflüchtete kümmert sich das Rote Kreuz um Menschen aus Syrien, Somalia, Afghanistan und Tschetschenien, die auf Asyl warten. Ein Bewohner der Unterkunft sagt: „Hier erleben wir, dass es doch noch Menschlichkeit gibt.“ Ich habe dort zwei Jahre lang, bis zum Jahresende, als Sozialbetreuer gearbeitet, stets nach den Maßstäben von Jesus und Franz. Meine Schützlinge kommen aus Kriegsgebieten, wo sie alles verloren haben, wo nur Verzweiflung herrscht und „wo viele nach den leidvollen Erfahrungen schon nicht mehr an Gott glauben“, wie der Bewohner erzählt. Ihm wurde hier das Zeichen gegeben, schildert der Bewohner weiter: „Ihr Geflüchteten seid hier nicht allein gelassen!“</p><p>Von Salzburg nach Frankfurt am Main: Menschlichkeit braucht es auch im Franziskustreff in der Frankfurter Innenstadt. Die Warteschlange ist meist schon lang, wenn um 7.45 Uhr die Tür aufgesperrt wird. Besonders bei den eisigen Temperaturen dieser Jahreszeit. 60 Ehrenamtliche verteilen sich auf die Schichten. Sie bekommen kein Geld für ihren Einsatz, helfen unverzweckt. Ohne sie würde nichts gehen in der Frühstücksstube in der Frankfurter City, die ich seit Jahresbeginn leiten darf. Bis zu 200 wohnungslosen und bedürftigen Menschen jeden Tag eine Mahlzeit geben. Bis zu 200 Mal Salz der Erde und Licht der Welt sein.</p><p class="text-right"><em>Michael Maldacker</em></p><p class="text-right"></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Gottesdienst für Trauernde</h3><p>Sieben Kerzen werden entzündet. Für jeden der sechs Toten und eine für alle Betroffenen. Musik, Lieder, Gebete drücken Trauer aus, aber auch Hoffnung. Rund 300 Menschen sind in die Johanniskirche gekommen. Viele versammeln sich draußen vor der Videoleinwand. Magdeburg am20. Dezember vergangenen Jahres: der ökumenische Gedenkgottesdienst an die Opfer des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt ein Jahr zuvor.</p><p>Selbstverständlich gehört der Gottesdienst zum Jahresgedenken an die schreckliche Tat. In einer Gegend, in der sich nur wenige Menschen zum christlichen Glauben und zu einer Kirche bekennen.</p><p>„Formen zu finden für das Gedenken und die Trauer“, sei eine Aufgabe der Kirchen, sagt Kathedralpfarrer Daniel Rudloff. Schon damals, am Tag nach dem Attentat, gab es einen Trauergottesdienst. „Die Menschen haben das Bedürfnis, ihre Trauer auszudrücken und nicht allein zu sein“, sagt Rudloff. Die Kirchen können das: Gemeinschaft stiften, Worte und Rituale angesichts eines unfassbaren Geschehens anbieten. „Gott, wir bringen unsere Sprachlosigkeit angesichts des Geschehens vor dich“, hatte Rudloff vor einem Jahr in dem Gottesdienst gebetet.</p><p>Beim Jahresgedenken verwies Bischof Gerhard Feige in seiner Predigt auf Hoffnungszeichen: Mit ihrer Hilfe direkt nach der Tat seien „viele einander zu Nächsten geworden und haben dadurch die Finsternis nach dieser menschenverachtenden Tat durchbrochen und ein Licht angezündet“. Denn gläubige Menschen seien überzeugt: „Nie aber kann die Dunkelheit das ganze Licht erfassen. Immer wieder lässt Gott es auf neue Weise aufflackern oder sogar erstrahlen.“ Schließlich hat Jesus uns genau das aufgetragen: Licht der Welt zu sein.</p><p class="text-right"><em>Ulrich Waschki</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_18" wwclass="Charter_BT_Pro18Italic">Protest für Menschenwürde</h3><p>Die Krippe der katholischen St.-Susanna-Kirche in Dedham im US-Bundesstaat Massachusetts blieb am vergangenen Weihnachtsfest leer. Statt der Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind war nur ein Blatt Papier an der Glasscheibe des Stalls von Betlehem auf dem Kirchhof zu sehen. Darauf stand: „ICE war hier.“</p><p>ICE ist die Abkürzung für die Einwanderungsbehörde der USA. Seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trumphat sie damit begonnen, Menschen ausihren Wohnungen zu holen, sie auf der Straße, vor Schulen, Kindergärten und an anderen Orten festzunehmen, um sie abzuschieben – ohne Anhörung und ohne Rücksicht auf Familien. Viele trauen sich kaum noch vor die Tür und verzichten darauf, indie Stadt zu gehen, wenn es nicht notwendig ist.</p><p>Die Krippendarstellung mit der von der ICE abgeschobenen Heiligen Familie ist eines von vielen Beispielen, wie katholische Christinnen und Christen gegen das Vorgehen der Einwanderungsbehörde protestieren. Auch katholische Bischöfe erheben die Stimme und kritisieren die Trump-Regierung für ihre restriktive Migrationspolitik. Vor Weihnachten gab die US-Bischofskonferenz eine offizielle Stellungnahme heraus. „Wir sind betrübt über die Verunglimpfung von Einwanderern“, heißt es darin. Ebenfalls betrübt seien sie, so betonten die US-Bischöfe, „wenn wir Eltern begegnen, die Angst haben, in Haft genommen zu werden, wenn sie ihre Kinder zur Schule bringen. Und wir sind traurig, wenn wir versuchen, all jene zu trösten, die schon von ihren Angehörigen getrennt wurden.“</p><p>Sie setzen Zeichen, die – wie Jesus es nannte – ein Licht für die Welt sind und vor allem die Dunkelheit jener erhellen, die Angst vor Gewalt und Abschiebung haben. So feierten Bischöfe und Priester vor Weihnachten einen Gottesdienst mit 300 Insassen im Abschiebegefängnis Adelanto in Kalifornien. Bischof Alberto Rojas von San Bernardino sagte dem Sender ABC7: „Die Inhaftierten sollen wissen, dass sie nicht vergessen sind. Die Kirche begleitet sie in ihrer Unsicherheit.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category><category>Gedanken zum Evangelium</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-70180</guid><pubDate>Sun, 01 Feb 2026 08:51:00 +0100</pubDate><title>Richtig glücklich</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/richtig-gluecklich/</link><description>Die Seligpreisungen gehörten zu den Lieblingstexten von Papst Franziskus. Für ihn sind sie „der Personalausweis der Christen“. Im Herbst 2020 sprach er bei neun Mittwochsaudienzen darüber – und das mit unerwarteten Ansätzen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:</p><p>Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.</p><p>Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.</p><p>Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.</p><p>Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.</p><p>Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.</p><p>Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.</p><p>Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.</p><p>Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.</p><p>Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.</p><p><strong>Matthäusevangelium 5,1–12a</strong></p><p>Selig ist ein unmodernes Wort. In manchen Bibeln steht deshalb „glücklich“. Papst Franziskus mochte das. Die Seligpreisungen, sagte er, seien nicht Gebote für die Superfrommen, sondern „ein Weg zum Glück“ für alle. Auch wenn sie nicht so klingen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich</h3><p>In unserer Welt, sagt Franziskus, muss man Erfolg haben, jemand sein. Das aber mache nicht glücklich. „Wenn ich jemand sein muss, dann stehe ich im Wettbewerb mit anderen und lebe in übertriebener Sorge um mein Ego. Dann hasse ich alles, was mir meine Schwäche in Erinnerung ruft.“ Das sei Stress pur. Glücklich hingegen seien die, die sich davon befreien können. Die wissen, dass sie vor Gott immer arm sein werden. Die das Gegenteil sind zu den stolzen Pharisäern mit ihrer zur Schau getragenen Frömmigkeit. Die nicht auf andere herabschauen, sondern zu Gott hinauf. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden</h3><p>Viele denken bei dieser Seligpreisung an die, die um einen lieben Menschen weinen. Franziskus rückt jedoch einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: die Tränen über sich selbst. „Wenn das Herz blutet über den Schmerz, Gott und den Nächsten verletzt zu haben.“</p><p>Ein Beispiel sei Petrus, der nach seiner Verleugnung Jesu bittere Tränen weinte. „Diese Trauer reinigt, sein Herz wurde erneuert.“ Denn: „Gott vergibt immer, auch die schlimmsten Sünden. Vergessen wir das nicht!“ Tröstlich sei, zur eigenen Schuld zu stehen und Vergebung zu finden. Diese Menschen werden glücklich. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben</h3><p>Sanftmütig, sagt Franziskus, seien die, die „freundlich, gütig, liebenswürdig, gewaltlos“ sind. So werde man glücklicher als durch Kampf und Streit. Das Land, das die Sanftmütigen erben werden, versteht er bildlich. Jesus sei es nicht um Geografie gegangen, sondern um das praktische Miteinander. So sagt Franziskus: „Es gibt kein schöneres Land als das Herz des anderen, es gibt kein schöneres Gebiet zu gewinnen als den Frieden mit einem Bruder. Und das ist das Land, das nur mit Sanftmut zu erben ist!“ Haben Sie so eine Erbschaft schon gemacht?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden</h3><p>Natürlich ist es gut und richtig, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten. Aber Franziskus findet, dazu passe der Satz „… sie werden gesättigt werden“ nur eingeschränkt. Denn der sei passiv, für Gerechtigkeit auf Erden müsse man sich aktiv einsetzen. Franziskus bezieht Hungern und Dürsten auf Gott, über den es heißt: „Dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele“ (Psalm 63). Und auf den Hunger „nach Liebe, nach Zärtlichkeit, nach Annahme“, ohne die ein glückliches Leben nicht möglich ist. Franziskus sagt: „Jesus verkündigt in dieser Seligpreisung, dass es einen Durst gibt, der nicht ungestillt bleiben wird; einen Durst, der, wenn man ihm nachkommt, gestillt werden und immer zu einem guten Ende kommen wird.“ Haben Sie diesen Durst?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.</h3><p>Nett zu sein, ist immer auch ein bisschen Eigennutz: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es eben wieder heraus. Auch die Evangelien durchzieht die Wechselseitigkeit des Guten, sagt Franziskus. „Jesus sagt: Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!“ Und im Vaterunser steht: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Matthäus 6,12).</p><p>Nötig, sagt Franziskus, haben wir das Erbarmen unserer Mitmenschen alle. „Jeder Mensch weiß, dass er nicht der Vater oder die Mutter ist, der oder die er sein sollte, der Ehemann oder die Ehefrau, der Bruder oder die Schwester, der oder die er sein sollte. Wir alle stehen im Defizit. Und wir brauchen Barmherzigkeit.“ Glücklich sind die, die sie schenken und geschenkt bekommen. Gehören Sie dazu?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen</h3><p>Gott schauen macht glücklich. Und Franziskus meint: Das kann man auch im Hier und Jetzt. Voraussetzung: sein Herz aufräumen. Reinigen von allerlei Müll und Kram und „Platz für Gott schaffen“. Auf Erleuchtung oder Ekstase warten muss man dann nicht. Gott zu schauen, geht viel irdischer: „Gott zu sehen, bedeutet, seine Gegenwart in unseren Brüdern und Schwestern, besonders in den Armen und Leidenden, zu erkennen.“ Haben Sie das schon mal?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden</h3><p>„Wenn man auf Hebräisch ‚Shalom‘ wünscht“, sagt Franziskus, „dann wünscht man ein schönes, erfülltes Leben im Wohlergehen, aber auch in Wahrheit und Gerechtigkeit.“ Das bedeutet nicht, dass es keine Auseinandersetzungen gibt, der Frieden ist kein billiger, manchmal ist er sogar hart erkämpft. Und er kommt nur mit Gottes Hilfe. „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus in den Abschiedsreden. So betont Franziskus: „Friede ist ein Zeichen der von Christus empfangenen Gnade: Er ist unser Friede und hat uns zu Kindern Gottes gemacht.“ Fühlen Sie sich wie eines?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_OHNEEinzug_pLTo" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; ihnen gehört das Himmelreich</h3><p>Nein, verfolgt zu werden, ist kein Weg ins Glück. Andererseits, so sagt Papst Franziskus, ist es auch nicht unwahrscheinlich: „Die Welt mit ihren Götzenbildern, ihren Kompromissen und ihren Prioritäten kann die Armut, die Sanftmut oder die Reinheit nur ablehnen und das evangeliumsgemäße Leben nur zum Irrtum oder Problem erklären, zu etwas, das an den Rand gedrängt werden muss.“ Das muss nicht Verfolgung bis aufs Blut sein – Ablehnung und Verachtung sind auch schwer zu ertragen. Aber, zitiert Franziskus: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Markus 8,36) „Viel!“, würden viele sagen. Was sagen Sie?</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70267</guid><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 13:30:08 +0100</pubDate><title>Steine mit viel Gefühl</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/steine-mit-viel-gefuehl/</link><description>Der Skulpturenweg „Pilgervolk“ entstand zum 500-jährigen Bestehen der Wallfahrt zur Kirche Maria im Sand. Als steinernes Gedächtnis und modernes Wahrzeichen erinnert er seitdem an das Jubiläum – und lockt ins pittoreske Städtchen Dettelbach.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="f2f67def-1816-4ae2-b580-4eb7d714e2cc" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Sieben Künstlerinnen und Künstler hatten sich im Jahr 2005 mit dem Pilgerthema auseinandergesetzt. Vier Wochen lang arbeiteten sie sich in ihren Stein hinein und durch ihren Stein hindurch – unter den Augen der interessierten Öffentlichkeit an der Dettelbacher Mainlände. Auf diese Weise entstanden Skulpturen über einen „fundamentalen Aspekt der menschlichen Existenz“, wie es im Begleitheft zum Projekt heißt. „Leben ist immer Pilgerschaft, wie immer die selbst gesteckten oder vorgegebenen inneren oder äußerlichen Ziele auch heißen mögen.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Übergang und Durchblick</h3><p>Wer den Skulpturenweg entdecken will und mit dem Auto nach Dettelbach unterwegs ist (mit dem Bus braucht es von Würzburg aus eine halbe Stunde), stellt dieses am besten am Parkplatz am Maintor ab. Von dort aus sind es keine 100 Meter die Straße zurück zum Startpunkt. Ebenso ist es möglich, das Auto am anderen Ende des Skulpturenwegs abzustellen und vom Friedhof am Haslauer Platz in entgegengesetzter Richtung zu gehen.</p><p>Der wuchtige Block „In Transito“, gefertigt von der italienischen Künstlerin Emanuela Camacci, eröffnet den Skulpturenweg. Ein Übergang ist dargestellt: Die Bewegung während des Pilgerns ins Innere hinein. Innen ein großer Kreis, dazwischen Platz für Luft und Leere – und Platz für den Durchblick auf den Grünstreifen entlang der Stadtmauer.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Acht Köpfe, Körper, Blicke</h3><p>Diesem Grünstreifen folgend erreicht man nach wenigen Minuten Caroline Bachmanns Figur „Die Acht“. Sie zeigt ebenso viele Pilger, Köpfe, Seelen, Gefühle, Blicke. „Die Zahl acht ist eine Endlosschleife. Die Pilger, wir alle, durchwandern diese Schleifen“, erklärt die Schweizer Bildhauerin. Mit ihren Figuren hat sie dem Steinblock besonderes Leben eingehaucht, und sie lässt sogar ein Wesen von ihrer Skulptur hinabblicken, das einer alten, weisen Schildkröte gleicht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Unfertig Unterwegs</h3><p>Der Skulpturenweg macht nun, weiter an der Stadtmauer entlang, einen Bogen nach links. Es geht treppauf zur nächsten steinernen Figur, geschaffen von Winnie Henke aus Hannover. Die Gestalt mit dem Namen „Unterwegs“ scheint noch in der Entstehung begriffen: Eine unfertige Hälfte liegt neben ihr auf dem Boden, sie selbst hat keine Augen, mit denen sie einen Weg erkennen könnte, doch hat sie Ohren, um zu verstehen, was um sie herum geschieht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Wo Kilian Pause macht</h3><p>Weiter geht es die Treppen an der Stadtbefestigung hinauf. Auf der Höhe des Faltertores geht es nach rechts, vorbei an Schützenhaus und Stadtverwaltung, und dann nochmals leicht rechts in den Wallfahrtsweg hinein. Hier beginnt zusätzlich die Dettelbacher Via Dolorosa, der „Weg der Sieben Schmerzen Mariens“, auf geradem Weg bis zur Wallfahrtskirche Maria im Sand.</p><p>Kleine Bildstöcke fordern zum Innehalten auf, und ebenso die nächste Station des Skulpturenwegs: „Kilians Rest“ (also Kilians Rast, Pause, Erholung) der irischen Bildhauerin Eileen MacDonagh. Aus dem klobigen Stein, mit Sitzgelegenheit für eine schmale Person, ragt ein Bäumchen. Das spendet Schatten oder schützt vor Regen und sorgt so dafür, dass eine Unterhaltung mit dem heiligen Kilian gerne etwas länger dauern darf.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Ein Steinblock vor der Wallfahrtskirche</h3><p>Etwas mehr Platz zum Sitzen gibt es ein paar hundert Meter weiter an der Wallfahrtskirche. Unter großen Kastanien ist Gelegenheit für eine Pause mit Blick auf Maria im Sand – und auf „Camino“, die fünfte Skulptur. In den liegenden Steinblock hat Susanne Tunn aus dem niedersächsischen Alfhausen einen (Pilger-)Weg hineingeschliffen. Der Weg ist nicht gerade, mäandert über und um den Stein herum, wird vom Regen durchspült, oder auch mal vom Schnee gänzlich verdeckt.</p><p>Wer auf dem Skulpturenweg unterwegs ist, sollte nun die 1613 fertiggestellte Wallfahrtskirche besuchen. Zumindest, um einen Blick auf die Schmerzhafte Muttergottes zu werfen. Die spätgotische Pietà steht seit fast 250 Jahren hinter Glas inmitten eines prächtigen Rokoko-Altars. Dass sie ein wundertätiges Gnadenbild sein soll, bezeugen zwei Dutzend Votivbilder.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Zwei Figuren mit Aussicht</h3><p>Der Pilgervolk-Weg führt rechts an der Kirche vorbei, an der Straße entlang, zum Haslauer Platz, wo sich ein schöner Blick über die Umgebung eröffnet. Schon von weitem sind auch die beiden letzten Skulpturen zu sehen. Zunächst ein „Fremder“: Ein Findling aus Granit, vom Österreicher Hermann Gschaider in einen großen Block aus Muschelkalk gesetzt. Die Figur des tschechischen Bildhauers Miloslav Chlupác hat die Szenerie im Blick. Sein „Jakobsstein“ trägt Muschel und Stab als Zeichen der Pilgerschaft. Sein Pilger ist angekommen. Den Stab nutzt er nicht mehr für die Bewegung, sondern zum Verweilen, und denkt dabei nach über die Frage: War es die Mühe wert?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Zum Abschluss in die Altstadt</h3><p>Da die Mühe bei diesem Spaziergang über einen Kilometer nicht allzu groß ist, empfiehlt sich auf dem Rückweg ein Abstecher in die Dettelbacher Altstadt: Vom Wallfahrtsweg kommend durch das Faltertor hindurch in den Ortskern. Durch die enge Falterstraße geht es geradewegs auf die Kirche St. Augustinus zu, die ebenso einen Besuch lohnt wie das direkt unterhalb gelegene Kultur- und Kommunikationszentrum und das spätgotische Rathaus, das den Dettelbach überbrückt. Zu guter Letzt in einer der örtlichen Konditoreien die berühmten Muskazinen verspeisen – dann hat sich der Besuch in Dettelbach endgültig gelohnt!</p><p class="text-right"><em>Sebastian Haas</em></p></section><section compid="b2047cb3-71e0-4fa3-ab27-c0a5ecb7ff06" complabel="bildunterschrift" comptype="text" isdirty="false"></section><section compid="0c9ac5fa-6451-4015-a620-a8f5ce8a2072" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Das Museum zur Tour</h3><p>Im Baumannschen Haus von 1487 ist das „Kunstmuseum Dettelbach Pilger und Wallfahrer“ untergebracht. Integriert ist es in das Kultur- und Kommunikationszentrum mit Tourist-Information, Stadtbibliothek und Vinothek, geöffnet montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr. Gezeigt wird Kunst vom Mittelalter bis heute, die sich mit der Tradition des Pilgerns und Wallfahrens beschäftigt.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70235</guid><pubDate>Thu, 29 Jan 2026 10:47:41 +0100</pubDate><title>Synodaler Weg: Würzburger Bischof Franz Jung hofft auf Zustimmung aus Rom</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/synodaler-weg-wuerzburger-bischof-franz-jung-hofft-auf-zustimmung-aus-rom/</link><description>Bischof Dr. Franz Jung nimmt vom 29. bis 31. Januar an der letzten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart teil. Im Interview spricht er über seine Bilanz des Reformprozesses, die schwierige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, den Lernprozess im Bistum und den nächsten Schritt bei der Bischofsvollversammlung im Februar in Würzburg.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Jahr 2010 erschütterten Berichte über sexuellen Missbrauch unter anderem am Berliner Canisius-Kolleg die katholische Kirche. 2014 gaben die deutschen Diözesen deshalb ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland in Auftrag, das von Wissenschaftlern in Mannheim, Heidelberg und Gießen bearbeitet wurde, daher der Name MHG-Studie. Als Reaktion da&shy;rauf wurde der Reformprozess „Synodaler Weg“ von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert. Da&shy;rüber hat das <em><strong>Würzburger katholische Sonntagsblatt </strong></em>mit dem Würzburger Bischof Dr. Franz Jung gesprochen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Herr Bischof Jung, was sollte mit dem Synodalen Weg erreicht werden?</h3><p>Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie 2018 beschloss die Deutsche Bischofskonferenz bei der Frühjahrsvollversammlung 2019, gemeinsam mit dem ZdK über die notwendigen Konsequenzen aus der Studie zu beraten. Anstatt eine Nationalsynode abzuhalten, verständigte man sich auf den „Synodalen Weg“, ein neues Format, bei dem in einem überschaubaren Zeitraum eine strukturierte Debatte ermöglicht werden sollte zu der bedrängenden Frage: Wie kann Missbrauch in der Kirche künftig verhindert werden? Vier Themenkomplexe wurden identifiziert, die sich in den vier Foren des Synodalen Wegs niederschlugen: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und „Leben in gelingenden Beziehungen“. Ein Ziel war auch, diese synodale Arbeitsweise auf Dauer zu stellen in einem künftigen „Synodalen Rat“ oder der „Synodalkonferenz“, wie das gemeinsame Beratungsgremium von DBK und ZdK nach Rücksprache mit Rom jetzt heißt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Wir sprechen oft von Synodalität. Was bedeutet das eigentlich?</h3><p>Es gibt keine feste Definition von Synodalität. Synodal heißt zunächst einmal, gemeinsam einen Weg zu gehen. Es wird also nicht einsam entschieden, sondern Entscheidungen sind immer rückgebunden an eine qualifizierte Beratung. Dazu hat die Weltsynode bestimmte Elemente formuliert. Wir haben versucht, diese in eine Satzung zu gießen, um für die Zukunft festzuhalten: Die Deutsche Bischofskonferenz entscheidet nicht im Alleingang, sondern hört auch die Vertretung der Laien, um zu guten Entscheidungen zu kommen, die alle mittragen können.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was ist seit der letzten Synodalversammlung passiert?</h3><p>Ganz viel: Auf Ebene der Weltkirche hat Papst Franziskus eine Synode angestoßen zum Thema Synodalität. Gleichzeitig haben wir auch beim Synodalen Weg über die Zukunft dieses Beratungsformats diskutiert. Es ist ein Übungsweg, den wir momentan reflektieren. Bei der nun anstehenden sechsten Synodalversammlung wollen wir das alles zusammentragen. Die Jahre nach der fünften Synodalversammlung 2023 waren geprägt von dem Bemühen im sogenannten Synodalen Ausschuss, einen Synodalen Rat vorzubereiten, also ein synodales Gremium auf nationaler Ebene. Wir haben – nach enger Rücksprache mit den Behörden im Vatikan – dazu einen Satzungsentwurf erarbeitet, den das ZdK bereits gebilligt hat. Bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe hier in Würzburg soll dann auch die Bischofskonferenz diesem Synodalen Rat oder der „Synodalkonferenz“, wie das Gremium nach Rücksprache mit Rom jetzt heißt, zustimmen. Dann wird das Ganze abschließend dem Vatikan zur Rekognoszierung vorgelegt, also zur abschließenden Prüfung und Billigung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Es ist ja bekannt, dass sich mehrere Bischöfe nicht beteiligen. Was ist trotzdem möglich?</h3><p>Das ist jetzt sehr spannend, weil wir die Satzung für die Synodalkonferenz in ganz enger Abstimmung mit den vatikanischen Behörden konzipiert haben. Vor der letzten Sitzung des Synodalen Ausschusses in Fulda im November des vergangenen Jahres wurden von Rom noch einmal ganz konkrete Hinweise gegeben, die wir auch in die Satzung übernommen haben. Darüber haben wir im Synodalen Ausschuss sehr intensiv diskutiert und um viele Positionen gerungen, aber am Ende haben wir doch einen Konsens erreicht. Ich denke also, dass der nun vorliegende Satzungsentwurf vom Vatikan gebilligt werden könnte. Wenn es aber nun so ist, dass der Vatikan diese Satzung gutheißt, ist das nicht eine Einladung an die Bischöfe, die sich bislang zurückgenommen haben, jetzt wieder teilzunehmen?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was könnte die Bischöfe umstimmen?</h3><p>Der Vatikan beäugt unseren Weg nicht nur kritisch, sondern sagt uns: „Probiert das mal aus. Ihr seid als Kirche in Deutschland anders aufgestellt, als andere nationale Bischofskonferenzen. Ihr habt Strukturen, Gremien und große theologische Kompetenz. Damit habt Ihr auch eine gewisse Vorreiterrolle und wir werden sehen, was dabei herauskommt.“ Ich meine, diese Einladung kann jeder ohne Gesichtsverlust annehmen. Es ist eine Chance, subjektive Befindlichkeiten und Vorbehalte beiseite zu lassen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Und was ist, wenn das nicht klappt?</h3><p>Wenn Synodalität dazu führt, dass sich einzelne verabschieden, ist das Konzept eigentlich gescheitert. Die Weltsynode zur Synodalität hat nicht umsonst den Begriff des „Konsenses“ in den Mittelpunkt gestellt. Das heißt nicht, dass immer jeder hundertprozentig hinter einer Entscheidung stehen muss, aber zumindest sollte niemand fundamentale Einwände haben. Ein solcher Konsens gelingt nur mit einer entsprechenden Beratungskultur aus dem Heiligen Geist: immer wieder aufeinander hören, keine Abkürzungen in den Beratungsschleifen, kein Durchboxen mit Verweis auf angeblich hohe Dringlichkeit. Wenn klar ist, dass etwas noch nicht entscheidungsreif ist oder es noch gewichtige Einwände gibt, dann hilft es nicht, unter Zeitdruck zu entscheiden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Konservative Kreise werfen dem Synodalen Weg „institutionelle Blockade“ vor, befürchten eine Spaltung der Kirche und haben den Vatikan wiederholt aufgefordert, den Prozess zu stoppen. Was sagen Sie dazu?</h3><p>Man kann diesen Vorwurf in beide Richtungen erheben. Das ist aber wenig hilfreich. Das große Gut des Synodalen Weges war, dass wir in vielen Punkten Sprachfähigkeit erlernt haben. Es ist anstrengend, das einzuüben, sich einander zuzumuten und wirklich aufeinander zu hören. Das hieß für die Vertreter des ZdK, die Bischöfe zu hören, in ihrer Verantwortung, die undelegierbar ist. Die Bischöfe mussten wiederum auf das Gottesvolk hören und erkennen, dass Probleme seit Jahren nie richtig artikuliert oder unter den Teppich gekehrt wurden. Das war ein anstrengender Lernweg, aber keine Blockade. Eine Blockade stellen die Probleme dar, die nicht behandelt werden. Daran geht jede Institution, auch die Kirche, zugrunde. Mit unserem gemeinsamen Weg versuchen wir ja gerade diese Blockade zu lösen. Gegenseitige Vorwürfe helfen uns dabei nicht weiter.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Umgekehrt geht es vielen Christinnen und Christen nicht schnell genug. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe in Berlin sind circa 16 Jahre vergangen. Was hat sich aus Ihrer Sicht seitdem verändert?</h3><p>Sehr viel! Durch die Veröffentlichungen der Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg im Jahr 2010 hat sich mit einem Schlag die Perspektive gewendet. Vorher wurde bei Fällen sexuellen Missbrauchs nur auf die einzelne Verantwortung der Täter geschaut und zugleich dafür gesorgt, die Institution selbst zu schützen. Jetzt wurde zum ersten Mal nach den Betroffenen gefragt. Ihre Berichte wurden gehört und ihr Schmerz wahrgenommen. Es war zu spüren, wie schmerzhaft es für die Betroffenen ist, sich diesem Teil der eigenen Biografie zu stellen und damit in die Öffentlichkeit zu gehen und sich damit noch einmal verletzlich zu machen. Die ersten Jahre herrschten Fassungslosigkeit und eine gewisse Abwehrhaltung: „Das kann irgendwie gar nicht sein.“ Erst langsam wurde das ganze Ausmaß der Verbrechen sexualisierter Gewalt zur Kenntnis genommen und zum ersten Mal die Systemfrage gestellt. Wieso konnten Täter sich jahrzehntelang sicher fühlen? Warum hat nie jemand nach den Betroffenen gefragt? Wieso war der Schutz der Institution wichtiger als der Auftrag des Evangeliums, sich um die Geschundenen zu kümmern? Wie konnte es dazu kommen, dass durch die Kirche, die doch die Erlösungsbotschaft verkünden soll, so vielen Menschen furchtbares Leid zugefügt wurde? In diesen 16 Jahren seit 2010 haben wir eine ganz große Lernkurve hingelegt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Und was hat sich konkret geändert?</h3><p>Wir haben umfangreiche Maßnahmen und Programme entwickelt zur Sensibilisierung und Prävention. Aber vor allem haben wir festgestellt, dass wir den Umgang mit sexualisierter Gewalt nicht für uns alleine regeln können. Wir brauchen den Schulterschluss mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Es ist ihre Aufgabe, Vorwürfe zu prüfen und zu ermitteln, unsere Zuständigkeit beginnt erst danach. Trotz allem ist der Weg noch lange nicht abgeschlossen. Solange es Menschen gibt, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, müssen wir ihnen gerecht werden, sie begleiten und unsere gesellschaftspolitische Verantwortung als Kirche wahrnehmen. Für mich ist interessant, dass immer häufiger Freiwillige Feuerwehren, Sportvereine oder Schulen bei uns anfragen für Präventionsschulungen. Das zeigt, dass wir doch viel erreicht haben. Und gleichzeitig lernen wir immer noch. Man ist mit dem Thema nie fertig.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Unterm Strich bleibt vor allem die Frage der Macht, natürlich auch die der Diözesanbischöfe. Wo haben Sie konkret Macht abgegeben und wo wollen Sie das noch tun?</h3><p>Ich kann mit dieser Frage nichts anfangen, weil es mir nicht um Macht geht und auch nie gegangen ist. Es geht um Verantwortung. Natürlich hat Verantwortung auch mit Macht zu tun. Umso wichtiger ist es, Verantwortung gut wahrzunehmen. Ein Bischof ist zum Beispiel in Finanz-Gremien seines Bistums anwesend und hört, aber die Entscheidungen treffen andere. Ich nehme diese Gremien sehr ernst, weil wir vor schwerwiegenden Entscheidungen stehen, die ich als Bischof nicht allein treffen kann und möchte. Ich brauche den Rat der Fachleute, die für Finanzen ausgebildet sind und entsprechende Erfahrung haben. In diesem Sinn sind wir momentan auch dabei, den Diözesanpastoralrat neu aufzustellen. Wir greifen damit den Impuls der Welt&shy;synode auf, mehr Synodalität zu wagen. Ich glaube, das ist ein guter Weg.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Was heißt das in der Praxis?</h3><p>Wir haben viele große Fragen, etwa zur pastoralen Struktur der Zukunft, die ich als Bischof nicht einfach für mich entscheiden kann, sondern zu denen ich Rückmeldungen aus dem Bistum einholen muss. Daneben haben wir unseren Strategieprozess synodal angelegt, damit die Ergebnisse möglichst viele mittragen. Darin wurde ja auch in klaren Prozentzahlen hinterlegt, wie viel Geld künftig in welche Bereiche fließen soll. Es wird sicher kein Spaziergang werden, sich auch von bestimmten Dingen zu trennen. Solche Entscheidungen brauchen eine breite Basis, die sagt: „Wir haben das gemeinsam mit dem Bischof beraten und jetzt wird es auch gemacht.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Könnte denn ein konservativer Nachfolger Ihre Änderungen alle zurücknehmen?</h3><p>In der Weltkirche ist die Richtung der Entwicklungen aus meiner Sicht eindeutig. Das kann ein einzelner Bischof nicht einfach zurückdrehen. Papst Leo XIV. hat ja auch betont, dass er das Thema Synodalität weiter vorantreiben will.</p><p class="text-right"><em>Das Interview führten Anna-Lena Ils und Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-70018</guid><pubDate>Sun, 25 Jan 2026 08:08:00 +0100</pubDate><title>Erst Riss, dann Graben</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/erst-riss-dann-graben/</link><description>Im Brief an die Gemeinde in Korinth mahnt Paulus: „Duldet keine Spaltungen unter euch!“ Wahrscheinlich war ihm schon damals klar: Durch einen kleinen Keil kann eine Trennung entstehen – und zwar für immer. Auch zwischen Christen und Christen.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, kehrte er nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.</p><p>Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.</p><p>Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus nach.</p><p>Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.</p><p><strong>Matthäusevangelium 4,12–23</strong></p><p>Vielleicht haben Sie das ja auch schon mal erlebt, in der Familie, in der Clique, im Verein: Da gibt es diesen Punkt, über den man sich nicht einigen kann – die einen meinen so, die anderen anders. Und dann gewinnt dieser eine Punkt so sehr an Bedeutung, dass das Gemeinsame nichts mehr zählt. Man geht auseinander, löst den Verein auf, geht seinen eigenen Weg. Und nach ein paar Jahren hat man sich in völlig andere Richtungen weiterentwickelt.</p><p>Genauso ist es den christlichen Kirchen in der Geschichte immer wieder ergangen: Man konnte sich über irgendeinen Punkt nicht einigen, vergaß das Gemeinsame, lief schimpfend auseinander und die Unterschiede wurden immer größer. Unüberbrückbar größer. Aber im Rückblick fragt man sich: War das Problem wirklich so wichtig?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">1. <img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Altorientalen</h3><p>Im Jahr 325, beim Konzil von Nizäa, hatte es noch funktioniert: Die verschiedenen christlichen Richtungen einigten sich auf ein gemeinsames Glaubensbekenntnis. Einfach war es nicht, und sicher hatte geholfen, dass die abgesandten Bischöfe und Theologen von Kaiser Konstantin gehörig unter Druck gesetzt wurden. Der wollte Einheit im Reich. Christologische Spitzfindigkeiten hatten dahinter zurückzustehen.</p><p>126 Jahre später sah die Sache anders aus. Im Jahr 451, beim Konzil von Chalcedon, prallten zwei theologische Meinungen aufeinander: Die Westkirche Roms im Verbund mit ostkirchlichen Bischöfen aus Antiochia und Konstantinopel vertraten die Zwei-Naturen-Lehre: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Deshalb hat er zum Beispiel wirklich und wahrhaftig als Mensch am Kreuz gelitten. Die Kirchen in Ägypten, Ostsyrien und Armenien waren anderer Meinung: Christus hatte nur eine Natur – alles Menschliche ist immer schon aufgehoben im Göttlichen.</p><p>Als sie unterlagen, machten sie sich selbstständig. Aus theologischen, aber auch aus kirchenpolitischen Gründen: Sie fühlten sich vom Patriarchat in Antiochia bevormundet, unterdrückt und schlecht behandelt. Auch wenn die christologische Frage heute weitgehend ausgeräumt ist: Die Kirchen- und Sakramentsgemeinschaft wurde nie wiederhergestellt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">2. <img wcmltype="ace" xdataid="2" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Orthodoxie</h3><p>600 Jahre später, noch waren die großen Kirchen des Westens und Ostens einig, stritt man über den Heiligen Geist. Die Kirche Roms hatte eigenmächtig das Große Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 451 ergänzt. Über den Heiligen Geist hieß es nun, dass er „aus dem Vater und dem Sohn hervorging“.</p><p>„Und dem Sohn“, das auf Latein sogenannte „filioque“, das war der Knackpunkt. Denn die Ostkirchen und ihre Patriarchen bestanden darauf, dass der Heilige Geist nur aus dem Vater hervorgeht. Und überhaupt dürfe Rom, das auch politisch um die Vorherrschaft mit Konstantinopel stritt, so etwas nicht im Alleingang entscheiden.</p><p>1054 spalteten sich die Ostkirchen, die sich nun orthodox, also rechtgläubig, nannten, ab. Beide Kirchen entfernten sich immer weiter voneinander: in Leben und Lehre, in Liturgie und Frömmigkeit. Selbst wenn man sich – wie Papst Leo und Patriarch Bartholomaios kürzlich sagten – nach 1000 Jahren in der filioque-Frage einigen könnte: Wer jemals in einem orthodoxen Gottesdienst war, weiß: Inzwischen sind das ziemlich entfernte Verwandte.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">3. <img wcmltype="ace" xdataid="3" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Reformation</h3><p>Rund 450 Jahre dauerte es bis zur nächsten großen Spaltung. Ein deutscher Mönch zettelte sie an, der eigentlich nur seine, die katholische Kirche reformieren und Missstände beim Namen nennen und beenden wollte: weniger Macht und Reichtum, mehr Liebe und Erbarmen; weniger Papst, mehr Jesus; weniger Recht, mehr Gnade.</p><p>Doch Rom verweigerte sich. Woraufhin Martin Luther und seine Anhänger ihre eigene Kirche gründeten, die evangelische, weil sie sich am Evangelium ausrichten sollte. Um sich besser abzugrenzen, änderten sie in relativ kurzer Zeit vieles, was sie früher kannten und liebten: die Orden, die Heiligen- und Marienverehrung, die sieben Sakramente. Von beiden Seiten machte sich Gewalt breit: Bildersturm, der 30-jährige Krieg. Und das alles, weil sich Luther und Papst nicht einigen konnten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_Initial_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">4. <img wcmltype="ace" xdataid="4" acecode="7" title="Tabulator für Einzug bis hierhin" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Die Altkatholiken</h3><p>Nach der Reformation spalteten sich immer wieder weitere Gruppen ab: Anglikaner und Calvinisten, Baptisten, Methodisten, Puritaner. Die katholische Kirche versuchte dagegen- und zusammenzuhalten. Auch, indem sie sich enger um den Papst scharte und sich auf ihn hin organisierte. Wer es wagte, ihm zu widersprechen, setzte sich dem Vorwurf aus, das nächste Schisma zu provozieren.</p><p>Höhepunkt dieser theologischen Schule war das Erste Vatikanische Konzil. Dem Papst wurde dort eine unbeschreibliche Machtfülle zugesprochen: der Primat in Rechtsprechung und Lehre – bis hin zum Dogma von der Unfehlbarkeit in ebendiesen Fragen.</p><p>Einigen Bischöfen, besonders aus dem deutschsprachigen Raum, war das zu viel. Sie stimmten gegen die entsprechenden Beschlüsse. Nach einiger Zeit des Gebets und des Nachdenkens kamen sie zu dem Schluss, dass sie dieser neu strukturierten katholischen Kirche nicht mehr angehören können. Sie gründeten eine Kirche, die sie altkatholisch nannten, weil sie sich am Althergebrachten orientieren sollte. Glaube, Sakramente, Liturgie – alles sollte bleiben, wie es war. Nur ohne einen Papst.</p><p>Natürlich blieb über die nächsten 150 Jahre nicht alles, wie es war. Bald wurde der Zölibat abgeschafft, und 1996 weihte man die ersten Frauen zu Priesterinnen. Jedenfalls in einigen Teilkirchen, andere machen das bis heute nicht. Was aber für niemanden ein Grund zur Spaltung ist.</p><p>Waren die Spaltungen nötig? Hätte es keine Wege gegeben zusammenzubleiben? War das Gemeinsame nicht viel größer als die Unterschiede? Wer kann schon sicher wissen, wie Gottvater, Sohn und Heiliger Geist im Detail zu definieren sind? Und kann man Unterschiede nicht einfach mal akzeptieren? In der Kirche, aber auch in Familie, Clique oder Verein?&nbsp; Diese Fragen haben nichts an Aktualität verloren.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69889</guid><pubDate>Sun, 18 Jan 2026 10:17:00 +0100</pubDate><title>Wie für mich gemacht?</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-fuer-mich-gemacht/</link><description>Jesaja spricht davon, dass Gott ihn „schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat“. Gibt es das? Dass man eine Aufgabe findet, die mehr ist als ein Job? Eine Ärztin und ein Krankenpfleger erzählen von Beruf und Berufung. </description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.</p><p>Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir sagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.</p><p>Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.</p><p><strong>Johannesevangelium 1,29–34</strong></p><p>Der Gedanke, dass sie mal Ärztin werden will, kam immer wieder. „Das erste Mal, dass ich Medizin machen wollte, muss in der achten, neunten Klasse gewesen sein“, sagt Johanna Engelhard. Sie hat sich auch über andere Ausbildungen informiert, nach dem Abitur absolvierte sie einen Freiwilligendienst im Bereich Schulsozialarbeit. Doch der Berufswunsch blieb.</p><p>Heute arbeitet die 26-Jährige am Klinikum Osnabrück. Dass sie das sechs Jahre dauernde Studium geschafft hat und sich nun in der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin befindet, schreibt sie nicht nur ihrem eigenen Fleiß zu. „Auch da hat ab und zu jemand mitgeholfen“, sagt sie.</p><p>Hatte Gott einen Plan für sie? „Es war immer wieder dasselbe Thema, mit dem ich mich konfrontiert fühlte“, sagt sie. „Irgendwann war klar, dass es Medizin wird.“ Sie glaubte immer daran, dass Ärztin zu sein ihre Aufgabe ist, trotz vieler Zweifel.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Weg zum Ziel war nicht immer schön</h3><p>Die begannen schon während der Schulzeit. „Im letzten Schuljahr habe ich meine Hobbys aufgegeben und jede freie Minute gelernt“, erzählt sie. Sie habe ständig die Schule im Kopf gehabt, um eine Abiturnote zu erhalten, mit der sie zum Medizinstudium zugelassen wird. „Das hat nicht nur Spaß gemacht“, sagt sie.</p><p>Später war es der Berufseinstieg, der sie desillusioniert hat. „Der Praxisschock trifft alle hart“, sagt Engelhard. Sie kann ihren Patientinnen und Patienten nicht so nahe sein, wie sie gerne möchte. „Man verbringt enorm viel Zeit am Computer, ordnet medizinische Maßnahmen an und meldet Untersuchungen an“, sagt sie. Die Arbeitsbelastung ist hoch. Engelhard berichtet von Überstunden, die Normalität sind, und davon, dass sie auf Familienfeiern verzichtet, um im Krankenhaus einzuspringen.</p><p>Warum hat sie an ihrem Plan festgehalten? „Zumindest in der Zeit, in der ich am Patienten bin, kann ich den Menschen beistehen. Das ist eine total schöne Aufgabe“, sagt Engelhard. Dabei gehe es nicht ausschließlich um körperliche Beschwerden, sondern auch darum, dass viele Menschen Angst haben, mit ihren Gebrechen allein zu sein.</p><p>Kranke unterstützen will auch Karl-Heinz Meyer. Dass er darin einmal seine Berufung sieht, kam ihm lange nicht in den Sinn. Nach seinem Realschulabschluss machte er eine Ausbildung zum Dreher in einem Metallbetrieb und arbeitete dort anschließend als Geselle. Mit 19 Jahren und bei gutem Verdienst machte ihm seine Arbeit durchaus Spaß, doch sie erfüllte ihn nicht. „Irgendwas hat gefehlt“, sagt er.</p><p>Heute ist der 55-Jährige Krankenpfleger bei einem ambulanten Pflegedienst. Doch der Weg dahin war lang und nicht geplant. Während seiner Tätigkeit im Metallbetrieb hat er das Fachabitur nachgemacht und anschließend noch Werkstofftechnik studiert, um Berufsschullehrer zu werden. An einen Pflegeberuf hat er auch damals nicht gedacht; niemand in seiner Familie arbeitete je im Gesundheitswesen.</p><p>Viele würden sagen, es sei Zufall gewesen. Meyer sagt, dass es „sich gefügt hat“: Als er relativ spät im Leben noch seinen Zivildienst leisten musste, bekam er als einzige freie Stelle die eines Pflegehelfers im Klinikum Osnabrück. Der erste Tag im Krankenhaus war ein Schock. Er erzählt, dass er von einer dementen Patientin eine Backpfeife bekam. Der Anblick so vieler Krankheiten und Leiden ließ ihn zweifeln, ob er die 18 Monate durchhält.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Der Weg zum Zie lwar extrem kurvenreich</h3><p>Doch mit der Zeit hat er sich wohlgefühlt. „Es war ein großer Zusammenhalt im Team und die Arbeit im Dienst an den Menschen war sehr erfüllend“, sagt er. Später hat er in den Semesterferien immer wieder Dienste als Pflegehelfer übernommen. Die Arbeit gefiel ihm und half auch, sein Studium zu finanzieren.</p><p>Bald stand er vor einem Dilemma. Sollte er als Diplom-Ingenieur noch mal eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen? Sollte er sein Ziel Berufsschullehrer aufgeben? Auch seine Freunde rieten ihm davon ab. Heute sagt er: „Ich habe es trotzdem gemacht und ich muss sagen, dass ich als Krankenpfleger mit meinem Leben sehr zufrieden bin.“</p><p>Wer Meyer und Engelhard zuhört, ahnt, dass es das gibt: eine Aufgabe fürs Leben, ein Beruf, der wie für einen gemacht ist. Um sie zu finden, sind die Ärztin und der Krankenpfleger ihren Zweifeln nachgegangen, haben Unzufriedenheit ernstgenommen, haben sich auf Unbekanntes eingelassen und auf Freizeit verzichtet. Die Anzeichen, die sie beschreiben und die dafür sprechen, dass man seine Berufung gefunden hat, sind Glück und Zufriedenheit.</p><p>Dafür ging Meyer mit Anfang 50 noch mal ein Risiko ein. Er wechselte vom Krankenhaus in den ambulanten Pflegedienst, um wieder mehr Zeit für die Patienten zu haben. Es hat sich gelohnt, er ist glücklich auf seiner neuen Stelle. Einerseits glaubt er, dass Gott die Menschen „schon ein bisschen dahinlenkt, wo ihr Platz ist“. Andererseits müsse man sein Leben selbst in die Hand nehmen und auch mal neue Wege riskieren, sagt Meyer. Dabei dürfe man „auf Gott vertrauen. Er wird für dich sorgen.“</p><p>Dass es im Leben immer weitergeht, glaubt auch Johanna Engelhard. Wirklich berufen fühlt sie sich für die Palliativmedizin, also die Begleitung von Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt. Sie sagt: „Dann wäre ich wirklich bei meiner Aufgabe angekommen.“</p><p class="text-right"><em>Barbara Dreiling</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69956</guid><pubDate>Fri, 16 Jan 2026 18:24:02 +0100</pubDate><title>Neuer Wiener Erzbischof Josef Grünwidl studierte in den 1980er Jahren in Würzburg</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/neuer-wiener-erzbischof-josef-gruenwidl-studierte-in-den-1980er-jahren-in-wuerzburg/</link><description>Josef Grünwidl wird am 24. Januar zum neuen Erzbischof von Wien geweiht. Nach eigenen Worten fiel seine Entscheidung zum Priesterberuf während eines Studienjahres in Unterfranken. Eine Spurensuche.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Der künftige Wiener Erzbischof Josef Grünwidl verdankt seine Berufung unter anderem einem Jahr in Deutschland. Das sagte er in einem Interview mit der österreichischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Demnach fiel seine Entscheidung für den Priesterberuf während seines Auslandsjahrs 1983/84 in Würzburg. Schon als Ministrant in seiner Heimatgemeinde hätten ihn die Liturgie und die Kirchenmusik fasziniert. In Würzburg habe ihn vor allem die Gemeindearbeit bestärkt: „Da habe ich gesagt: ‚Das ist meine Berufung: Ich möchte in der Kirche für die Menschen und für Christus arbeiten.‘“ Eine Sprecherin des Erzbistums Wien teilte auf Nachfrage des Sonntagsblatts mit, dass Grünwidl während seines Auslandsjahres als Seminarist vor allem in den Pfarreien Heidingsfeld und am Heuchelhof tätig war.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Quartier bei Protestanten</h3><p>Das Jahr in Würzburg sei eine intensive Zeit mit tollen Professoren gewesen, heißt es weiter aus Wien. Es habe schöne, ökumenische Begegnungen gegeben, unter anderem habe er bei einer evangelischen Familie gewohnt. „Würzburg ist eine wunderschöne Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe“, zitiert die Sprecherin den künftigen Erzbischof. Kontakte nach Würzburg gebe es heute allerdings keine mehr, weil sowohl die Vermieter als auch die Pfarrer von damals bereits verstorben seien.</p><p>Die Spurensuche im Bistum Würzburg ist schwierig: Die Redaktion hat niemanden gefunden, der sich an den jungen österreichischen Austausch-Studenten erinnert. Den Priester-Weihe-Jahrgängen Mitte der 1980er Jahre sagt auf Nachfrage der Name Josef Grünwidl nichts. Dr. Helmut Gabel fungierte ab 1983 als Subregens im Priesterseminar: „Wenn jemand als Seminarist sein Freijahr in einer anderen Diözese macht, wohnt er ja privat und hat in der Regel keine Verbindung zum dortigen Priesterseminar.“</p><p>Auch am Heuchelhof ging die Spurensuche ins Leere. Wolfgang Bullin, langjähriger Chefredakteur des Sonntagsblatts und mittlerweile stellvertretender Vorstand der Kirchenverwaltung Heuchelhof, hat keine Zeitzeugen gefunden, die sich an den jungen Josef Grünwidl erinnern. In Heidingsfeld erinnert sich Ernst Reusch (79) zwar an einen im Ort tätigen Priester, der später Bischof wurde, der hieß jedoch Franz Xaver Eder. Eder (1925–2013) studierte in den 1960er Jahren in Würzburg und arbeitete in Heidingsfeld mit. Von 1984 bis 2001 war er Passauer Bischof.</p><h3>Amt zunächst abgelehnt</h3><p>Josef Grünwidl wurde nach seiner Zeit in Würzburg Zeremoniar des damaligen Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl (1931–2023). Das habe die Erfahrungen aus Würzburg untermauert: „Ich war dann zwei Jahre mit ihm unterwegs, auch bei vielen Pfarrbesuchen, und habe auch sehr viele Kontakte mit Pfarrgemeinden und Menschen gehabt – und da ist noch einmal klarer geworden: Das ist mein Weg, als Priester bei den Menschen zu sein und Kirche zu leben.“</p><p>Grünwidl wünscht sich, auch als Bischof Seelsorger bleiben zu können und nah bei den Menschen zu sein. „Ich hoffe, dass ich als Bischof der Erzdiözese Wien nicht im Management und in reinen Verwaltungsaufgaben aufgehe.“ Grünwidl hatte das Amt des Erzbischofs von Wien zunächst „aus großem Respekt vor diesem hohen Amt und auch vor den großen Herausforderungen“ abgelehnt. Allerdings habe er viel Zuspruch von Gläubigen bekommen, auch der Apostolische Nuntius blieb hartnäckig. Grünwidl hat am Ende nach eigenen Worten erkannt: „Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar.“ Jetzt könne er „aus vollem Herzen ‚Ja‘“ zu seiner neuen Aufgabe sagen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Vorgänger Schönborn</h3><p>Grünwidl wird am 24. Januar zum 33. Bischof und 17. Erzbischof von Wien geweiht. Die Feier beginnt um 14 Uhr im Stephansdom und wird von Grünwidls Vorgänger geleitet, dem emeritierte Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn. Er wurde 1945 im Sudetenland als Christoph Maria Michael Hugo Damian Peter Adalbert Graf von Schönborn geboren. Damit gibt es eine weitere Verbindung nach Unterfranken, weil das Geschlecht der Schönborns drei Würzburger Fürstbischöfe stellte: Johann Philipp von Schönborn (1642–1673), Johann Philipp Franz von Schönborn (1719–1724) und Friedrich Karl von Schönborn (1729–1746).</p><p>Der aktuelle Würzburger Bischof Dr. Franz Jung hat Josef Grünwidl zu seiner Ernennung gratuliert. Bei der Bischofsweihe in Wien ist allerdings keine Vertretung aus dem Bistum Würzburg geplant.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_3">Wissen Sie mehr?</h3><p>Unsere Spurensuche war erfolglos, aber vielleicht können Sie sich an Josef Grünwidl in Würzburg erinnern oder haben sogar ein Foto aus der Zeit? Dann freuen wir uns über eine Nachricht an info@sobla.de.</p><p class="text-right"><em>Von Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69950</guid><pubDate>Fri, 16 Jan 2026 13:43:45 +0100</pubDate><title>Pfarrer Thomas Elbert baut Bibel-Szenen mit bunten Lego-Steinen nach</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/pfarrer-thomas-elbert-baut-bibel-szenen-mit-bunten-lego-steinen-nanch/</link><description>Thomas Elbert hat in der Rhön bereits den Spitznamen Lego-Pfarrer. Das sieht der 43-Jährige gelassen, weil sein spielerischer Ansatz nicht nur Kinder und Jugendliche abholt. Das ungewöhnliche Hobby vereint persönliche Entspannung und praktische Seelsorge.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Von der Weihnachtskrippe bis zur Arche Noah, von den Pyramiden bis zur Geschichte von Josef und seinen Brüdern, vom armen Lazarus vor der Tür des reichen Mannes bis zum Auszug des Volkes Israel aus Ägypten durchs Rote Meer: Thomas Elbert hat dutzende Bibel-Szenen in Lego nachgebaut. „In meiner Zeit am Lehrstuhl für Neues Testament ist zum ersten Mal die Idee entstanden, Gleichnisse aus der Bibel bildlich darzustellen“, erzählt der Pfarrer. Ab 23. Januar ist vieles davon in Sandberg zu sehen. Bis dahin ist aber noch viel zu tun: „Ich muss sicher noch einige Nachtschichten einlegen“, sagt Elbert lachend.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kaplan in Fladungen</h3><p>Schon als Kind habe er gerne und viel mit Lego gespielt. In der Corona-Zeit hätten dann seine Neffen die Lego-Steine wiederentdeckt. Elbert, Jahrgang 1982, ist spätberufen. Er stammt aus Wenighösbach (Pastoraler Raum Aschaffenburg-Ost). Nach Realschulabschluss, kaufmännischer Ausbildung und Berufsoberschule studierte er Betriebswirtschaft und Recht. Als Diplom-Betriebswirt (FH) arbeitete er bei der Börsen-Zeitung und bei der Bundesbank im Bereich Bundeswertpapiere. 2014 trat er ins Würzburger Priesterseminar ein, von 2015 bis 2020 studierte er in Würzburg und Fribourg (Schweiz) Katholische Theologie. Nach der Priesterweihe am 4. Juni 2022 war Elbert Kaplan im Pastoralen Raum Haßberge Süd. Ab September 2022 wirkte er als Kaplan im Pastoralen Raum Mellrichstadt.</p><p>In Rauhenebrach habe er für Kindergartenkinder 2021 eine erste Lego-Krippe aufgebaut, weil es während der Corona-Pandemie einfach so wenige Möglichkeiten zur direkten Begegnung gegeben habe. In seiner Zeit in Fladungen seien dann vor allem Anregungen aus dem Lehrplan dazugekommen. Die Idee kam gut an: „Zum freiwilligen Bastel-Termin sind alle Schüler gekommen.“ In Fladungen machte er auch seine ersten Ausstellungen, damals ausgehend von der Weihnachtskrippe noch im Advent. Wie begeistert die Kinder waren, sieht man auch am Abschiedsgeschenk der Grundschule Nordheim: Schülerinnen und Schüler haben ihm eine Vase aus beschrifteten Lego-Steinen gebastelt und mit Lego-Blumen gefüllt. Das Geschenk hat einen Ehrenplatz in seiner Wohnung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Umzug ins Sandberger Pfarrhaus</h3><p>Seit 1. September sind nun Thomas Elbert und Bertram Ziegler die beiden neuen Teampfarrer für den Pastoralen Raum „Am Kreuzberg“. Elbert wohnt zunächst im Sandberger Pfarrhaus, seine Wohnung dort und die frühere Wohnung der Haushälterin sind nun Lego-Werkstatt. Mehrere Millionen Steine habe er mittlerweile verbaut. Den Ruf als „Lego-Pfarrer“ habe er von Fladungen mit nach Sandberg genommen, erzählt er lachend. Der Spitzname macht dem 43-Jährigen aber nichts aus: „Beim Gespräch über die Lego-Szenen ist wirklich Seelsorge möglich“, berichtet er, und: „Es kommen viele zu den Ausstellungen, die sonst nie mit einem Priester sprechen würden.“</p><p>Der Zugang ist spielerisch: Szenen wie die Weihnachtskrippe oder Moses im Körbchen würden sich von selbst erklären, bei anderen Szenen liefert Elbert kleine Texte. Ältere Kinder würden die Geschichten aus der Bibel selbst lesen, bei jüngeren Kindern lesen Erwachsene vor. „Das ist ganz selbstverständlich, während vermutlich daheim nie jemand auf die Idee käme, aus der Bibel vorzulesen.“</p><p>Für Elbert ist das Zusammenstecken der Lego-Bausteine ein guter Ausgleich zum Alltag. Wenn er aus Sitzungen oder von Notfällen komme, setze er sich oft an den Basteltisch. „Das ist eine gute Möglichkeit, den Kopf frei zu kriegen.“ Wenn er mit seinen Schulklassen arbeite, sei das immer ein Gemeinschaftserlebnis und gegenseitige Inspiration. Eine frühere Schulklasse habe sich zum Beispiel selbst beim Zug durchs Rote Meer dargestellt. Auf dem Foto kann Elbert heute noch die Namen aller Schüler aufzählen, die in der Gruppe mit kleinen Lego-Figuren verewigt sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Kostspielige Wertanlage</h3><p>Die Lego-Steine kauft er gebraucht von Händlern, trotzdem sei das ein teures Hobby. „Da steckt ein Kleinwagen drin“, sagt er mit Blick auf die vielen Tafeln. Allerdings ist sich der frühere Banker sicher, dass es eine beständige Wertanlage ist. Schließlich würden einzelne Figuren aus seiner Sammlung mittlerweile teuer gehandelt. Manchmal tausche er Sets gegen Steine ein oder verkaufe seltene Sammlerstücke.</p><p>40 auf 40 Zentimeter sind die Grundelemente groß. Sie werden aneinander gelegt und mit Steinen verbunden. Die größte Ausstellungsfläche bestehe mittlerweile auf sechs mal 13 Platten, also 2,40 auf 5,20 Meter. Viele Landschaften sind noch aufgebaut, manches hat den Umzug allerdings nicht überstanden, so sind zum Beispiel auf dem Weinberg viele Rebstöcke umgefallen. Die Figuren hat Pfarrer Elbert alle rausgenommen, vieles muss also neu aufgebaut werden. Zudem hat er sich neue Projekte für die Ausstellung in Sandberg vorgenommen, etwa eine 80 Zentimeter lange Sphinx. Ob die allerdings rechtzeitig fertig wird, ist noch offen. Anregungen für seine Figuren holt er sich aus dem Internet, beim Bau selbst improvisiere er aber. Manchmal komme auch erst beim Bau die Idee, wie er ein Gleichnis mit den kleinen bunten Steinen am besten erzählt.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Info zur Ausstellung</h3><p>Zu sehen ist die Ausstellung „Bibel einmal anders“ in der Pfarrscheune Sandberg, Kreuzbergstraße 14, an folgenden Tagen: an den Freitagen 23. und 30. Januar sowie 6. Februar jeweils von 13 bis 18 Uhr, an den Samstagen und Sonntagen 24. und 25. Januar, 31. Januar und 1. Februar sowie 7. und 8. Februar von 12 bis 18 Uhr. Pfarrer Thomas Elbert ist an diesen Tagen selbst vor Ort.</p><p>Ministranten- und Kommunion-Gruppen können Zusatztermine bei Pfarrer Elbert anfragen: Telefon 09701 9079721, Mail thomas.elbert@bistum-wuerzburg.de.</p><p>Der Eintritt ist frei, Spenden gehen ans Caritas-Kinderdorf Riedenberg. Theatergruppe, Kirchenchor, Minis und Frauenbund sorgen für die Verpflegung, der Erlös davon bleibt im Ort.</p><p class="text-right"><em>Von Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69712</guid><pubDate>Sun, 11 Jan 2026 09:15:00 +0100</pubDate><title>Er war der Erste</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/er-war-der-erste/</link><description>Die Lesung aus der Apostelgeschichte klingt unscheinbar. Spannend wird sie erst, wenn man sich anschaut, wann, wo und warum sie gehalten wurde. Und wer ungenannt im Mittelpunkt steht: der römische Hauptmann Kornelius.</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Schriftlesung</h3><p>In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus: Dieser ist der Herr aller. Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm.</p><p><img wcmltype="ace" xdataid="3" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /><strong>Apostelgeschichte 10,34–38</strong></p><p>In der Lesung aus der Apostelgeschichte an diesem Sonntag taucht der Name Kornelius nicht auf. Stattdessen redet Petrus – darüber, dass die Menschen vor Gott gleich sind, dass Jesus Christus der Herr aller ist und dass er, von Gott gesalbt, umherzog und Gutes tat. Dabei ist der Auftritt von Kornelius an dieser Stelle wichtig für die weitere Geschichte der christlichen Kirche.</p><p>Die ersten Christen waren zu dieser Zeit in einer entscheidenden Phase. Viele Juden hatten sich ihnen angeschlossen, erste Gemeinden außerhalb Jerusalems waren gegründet worden. Die Apostel zogen umher und verkündeten Gottes Wort und die frohe Botschaft von Jesus und seiner Auferstehung. Auch immer mehr Heiden hörten davon – und fanden zum Glauben. Doch die Apostel waren sich uneins: Konnte man den christlichen Glauben annehmen, ohne zuvor Jude zu sein? Konnte man Jesus folgen, ohne die jüdischen Speisevorschriften einzuhalten, ohne beschnitten worden zu sein? Konnten Heiden direkt Christen werden?</p><p>An dieser Stelle taucht Kornelius auf. Er war römischer Hauptmann in der Stadt Caesarea, die am Mittelmeer lag, und befehligte rund 100 Soldaten. Die Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten Römern glaubte Kornelius an den Gott Israels – ohne allerdings Jude zu sein. In der Bibel heißt es: „Er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott.“ (Apg 10,2) Dieser Kornelius hatte eines Tages eine Vision: Ein Engel kam und beauftragte ihn, einige Männer nach Joppe, dem heutigen Jaffa bei Tel Aviv, zu schicken, um Simon Petrus von dort zu holen.</p><p>Zu gleicher Zeit war Petrus zu Gast bei einem Gerber namens Simon, der in Joppe ein Haus am Meer besaß. In der Mittagszeit stieg Petrus auf das Dach, um zu beten – und auch er hatte eine Vision (Apg 10,11–16). Er sah den Himmel offen und eine Art Gefäß wurde aus dem Himmel zu ihm herabgelassen. Die Bibel beschreibt es wie ein Leinentuch, das an seinen vier Ecken gehalten wurde. In diesem Tuch waren alle möglichen Käfer, Insekten, Kriechtiere und Vögel. Eine Stimme verlangte nun von Petrus: „Schlachte und iss!“</p><p>Für Petrus ein Unding: Er war Anhänger Jesu und gehörte zu den Christen – zugleich war er aber auch Jude und befolgte die jüdischen Speisegebote und Reinheitsvorschriften. Diese Tiere zu essen, war ihm verboten und so antwortete er: „Niemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen.“ Da sagte die Stimme aus dem Himmel: „Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein!“ Das wiederholte sich noch zweimal. Petrus aber blieb ratlos auf dem Dach zurück. Was sollte diese seltsame Aufforderung nur bedeuten?</p><p>Kurz nach Petrus’ Vision erreichten die Männer, die Kornelius geschickt hatte, das Haus des Gerbers. Und Petrus machte sich am nächsten Tag mit ihnen auf den Weg nach Caesarea zu Kornelius. Der erwartete die Gruppe bereits und hatte einige Freunde und Verwandte zusammengerufen, um die Männer zu begrüßen. Als er Petrus sah, warf er sich ehrfürchtig zu Boden – eine Geste, die bei Petrus, der sicherlich skeptisch war, einen römischen Hauptmann zu besuchen, Wirkung zeigte. „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch“, sagte er. (Apg 10,25f)</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Petrus hat eine neue Erkenntnis</h3><p>Zugleich machte er aber deutlich, welche Besonderheit es ist, dass er das Haus des Römers betrat: „Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten.“ Er gab aber auch zu, dass er zu Kornelius gekommen sei, weil er inzwischen wisse, dass „man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf“. (Apg 10,28)</p><p>Kornelius erzählte Petrus von seiner Vision und vom Auftrag der Engel, Petrus in sein Haus zu holen. Da erkannte Petrus endgültig Gottes Plan und sprach jene Sätze, die wir an diesem Sonntag in der Lesung hören: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“</p><p>Petrus predigte vor den versammelten Menschen im Haus über Gott, von seiner Größe und Macht, über Jesus und alles, was in Galiläa und Jerusalem passiert war. Und noch während Petrus redete, kam der Heilige Geist auf alle herab. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gereist waren, konnten es nicht fassen, dass der Geist auch auf die römischen Heiden niederging. Petrus aber wies sie zurecht: „Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?“ Und er taufte Kornelius und alle, die dort versammelt waren – eine Sensation!</p><p>Kornelius ist der erste Getaufte, der in der Bibel explizit als Heidenchrist dargestellt wird. Das zeigt: Die frühen Christen öffneten sich in dieser Frage. Es sind nicht nur Juden, die gläubig werden und den Geist empfangen können – eine Vorstellung, die auch Petrus lange bevorzugte. Er erkannte, dass auch Heiden getauft werden können, ohne zunächst den jüdischen Glauben annehmen zu müssen. Mit dieser Meinung hielt Petrus sich nicht mehr länger zurück: Im Konflikt mit den anderen Aposteln setzte auch er sich auf dem sogenannten Apostelkonzil in Jerusalem für die Öffnung der christlichen Gemeinden zu den Heiden ein. (Apg 15,6–11)</p><p class="text-right"><em>Kerstin Ostendorf</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69645</guid><pubDate>Sun, 04 Jan 2026 09:22:00 +0100</pubDate><title>Sätze, die Mut machen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/saetze-die-mut-machen/</link><description>Paulus lobt die Epheser und dankt Gott für ihren Glauben. Das Evangelium spricht vom göttlichen Wort unter den Menschen. Die Texte zeigen, wie Sprache das Leben verändern kann – zum Guten.</description><content:encoded><![CDATA[<h3>Evangelium</h3><p>Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.</p><p>Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.</p><p>Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.</p><p>Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.</p><p>Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.</p><p>Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Johannes 1,1–18</strong></p><p>Eine der besonders unangenehmen Seiten von Donald Trump ist seine Sprache. Da nennt er halb im Spaß einen politischen Gegner einen Fettsack, sagt zu einer Journalistin „Schweig, Schweinchen“ oder kanzelt Reporter als „Lügenpresse“ ab. Trump langt zu, eben auch verbal. Wie muss es jemandem gehen, der von diesen Worten getroffen wird? Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten vor laufender Kamera niedergemacht. Solche Worte treffen ins Mark, erschüttern, vernichten.</p><p>Das totale Gegenteil der Worte, von denen das Evangelium an diesem ersten Sonntag des neuen Jahres spricht: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ Und weiter: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ Das göttliche Wort erleuchtet das Leben. Es will nicht niedermachen, es will aufrichten, ins Leben führen.</p><p>Deshalb beten wir in der Eucharistiefeier: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Dieser Satz geht zurück auf einen römischen Hauptmann, von dem die Bibel berichtet. Er sagt zu Jesus: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund.“ Ein Wort Jesu reicht. Keine Berührung, keine langen Reden, ein einziges Wort.</p><p>Ein einziges Wort kann auch heute reichen, um niederzumachen oder aufzurichten. Wie gehen wir mit unserer Sprache um? Achtsam und friedfertig? Oder wie mit einem Vorschlaghammer? In der zweiten Lesung lobt Paulus die Gemeinde in Ephesus überschwänglich: „Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken ... denn ich habe von eurem Glauben an Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.“ Welch ein Satz. Die jungen Christen in Ephesus müssen stolz gewesen sein, so etwas von Paulus zu lesen. Der Satz dürfte Ansporn sein, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das kennt man von Paulus auch anders. Mit Kritik und Tadel. Aber ein solches Wort motiviert doch viel stärker als eine strenge Ermahnung.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Jesus und die Schule der Liebe</h3><p>Das Evangelium geht noch einen Schritt weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Gott bleibt nicht weit weg, in himmlischer Ferne, er wird Mensch. Das haben wir gerade erst zu Weihnachten gefeiert. Ein Mensch aus Fleisch und Blut, der das Leben mit uns teilt. Jesus ist das menschgewordene Wort Gottes. In ihm sind Reden und Leben eins. Er ruft zu Umkehr und Liebe auf, sogar am Kreuz betet er für seine Mörder. Und wir? Wie groß ist der Graben zwischen dem, was wir sagen und was wir tun? Reden wir von Nächstenliebe und meckern über den Nachbarn oder den Kollegen? Rufen wir zur Versöhnung auf oder machen wir anderen das Leben schwer?</p><p>Worte verändern. „I have a dream.“ Dieser Satz von Martin Luther King ist ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Er ruft nicht zum Kampf auf, sondern zur Versöhnung, zum friedlichen Miteinander. Mit solchen Worten und einer solchen Haltung wird die Welt friedlicher und besser. Es sind Worte, die Licht bringen.</p><p>Bestimmt können wir mit unseren Worten auch uns selbst verändern. Wenn wir versuchen, bewusst zu sprechen. Das einschränkende „Aber“ wegzulassen, das vorschnelle „Nein“, schlechte und negative Worte zu unterlassen. Schwierig. Aber eine Übung wert. Und wenn wir so über unsere eigenen Worte nachdenken, ändert sich unsere Haltung, ändert sich die Art, wie wir über Menschen und Dinge denken. „Gewaltfreie Kommunikation“ nennt sich ein Konzept des Psychologen Marshall Rosenberg. Volkshochschulen bieten Kurse an, um diese Art des Miteinanders zu erlernen. Man lernt dabei, auf die eigenen Bedürfnisse und die des Gegenübers zu achten und Verurteilungen zu unterlassen, um destruktiven Streit zu vermeiden und Brücken zu bauen.</p><p>„Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“, sagt Jesus in der Bergpredigt. Sprache und Denken hängen zusammen. Mit meiner Sprache beeinflusse ich mein Denken und umgekehrt. Jesus bietet uns seine Schule der Liebe an. Die Liebe ist die Haltung, die seine Jüngerinnen und Jünger prägen soll. Ihr Herz, ihren Verstand, ihren Mund.&nbsp;</p><p>„Im Anfang war das Wort“ – dieser Satz erinnert uns daran, dass Sprache etwas Göttliches hat. Sie kann zerstören, aber sie kann auch heilen, kann versöhnen und Mut machen. Jeden Tag haben wir die Wahl: Welches Wort sage ich heute? Welches Wort verschenke ich? „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“ – vielleicht ist es ja mein Wort, das heute jemand anderem guttut.</p><p class="text-right"><em>Ulrich Waschki</em></p>

]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69554</guid><pubDate>Wed, 24 Dec 2025 08:13:00 +0100</pubDate><title>Zwischen Muh, Mäh und Gloria</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/zwischen-muh-maeh-und-gloria/</link><description>Wie klingt Weihnachten? Dieser Frage haben wir uns auf unseren Schwerpunktseiten gewidmet und hatten dabei das Hier und Jetzt im Blick. Nun schauen wir nach Betlehem. Denn auch dort war die heilige Nacht wohl voller Klänge und Töne.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.</p><p>So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.</p><p>Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.</p><p>In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.</p><p>Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Lukasevangelium 2,1–14</strong></p><p>Nein, natürlich wissen wir nicht, wie es bei der Geburt Jesu genau zuging. Die Geschichte, die wir im Evangelium des Lukas lesen, ist eine Legende. Aber eine, die die ganze Welt kennt und die das Bild von Weihnachten für alle Zeit geprägt hat. Und die, wenn man sie deutet, viel Potenzial hat für den Glauben an den, der da geboren ist.</p><p>Versuchen wir es also und bemühen wir ein wenig unsere Fantasie: Wie mag Weihnachten im Stall von Betlehem geklungen haben? Und könnten wir daraus etwas für das Heute ableiten?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Die Stimmen der Eltern</h3><p>Wenn Kinder geboren werden, erschrecken sie sich. Eben noch war es warm und dunkel im Bauch der Mutter – plötzlich ist alles kalt und hell. Und laut, denn auch die natürliche Dämpfung im Mutterleib fällt weg. Das geht voll auf die Ohren. Das macht Angst. Und deshalb ist es gut, wenn das Neugeborene als Erstes vertraute Stimmen hört: die von Vater und Mutter.</p><p>Ich erinnere mich gut, wie es war in den Minuten nach der Geburt unserer Kinder: wie sie im Arm lagen und wir ihnen zugeflüstert haben, dass sie willkommen sind und geliebt. Dass wir sie, so gut es geht, beschützen wollen. Dann habe ich ihnen ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet und einen Segen gemurmelt. Ganz leise, um sie nicht zu ängstigen. Und vielleicht auch, damit sich das Personal im Kreißsaal nicht wunderte – es bestand schließlich keine Lebensgefahr.</p><p>Im Stall von Betlehem stelle ich es mir ähnlich vor. Jesus ist geboren, liegt im Arm seiner Mutter und Maria flüstert ihm liebevolle Worte zu. Oder Josef wiegt ihn, eingewickelt in einen warmen Umhang, hin und her und spricht das Kind mit seinem Namen an: Jeshua, Jesus, das heißt: Gott rettet.</p><p>Ja, das wird wohl das erste gewesen sein, das Jesus gehört hat: die Stimmen seiner Eltern. Die Stimmen derjenigen, die ihn nähren und erziehen werden. Die ihm von Gott erzählen und mit ihm beten werden. Die ihm Vorbild und Wegbegleiter sein werden. Die mit ihm streiten und ihn manchmal nicht verstehen werden. Auch wenn die Stimmen vertraut sind.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Muh, I-ah und Mäh</h3><p>Das Lukasevangelium erzählt, dass Jesus nicht in einem geschützten Raum geboren wurde, sondern in einer Notunterkunft, weil in der Herberge kein Platz für die Familie war. Die Tradition hat daraus einen Stall gemacht, weshalb in den meisten Krippen zu Hause, in Kirchen und auf Märkten allerlei Getier Platz gefunden hat.</p><p>Vielleicht war es ja wirklich so. Und zu den ersten Geräuschen, die an Jesu Ohr drangen, gehörten das I-ah des Esels, der die schwangere Maria getragen hat, das Muh des Ochsen und das Mäh der Schafe. Vielleicht haben Maria und Josef sich gefreut, dass die Tiere den kalten Stall ein wenig aufgewärmt haben, und vielleicht fanden sie es gar nicht seltsam, den Platz mit ihnen zu teilen. Weil jahrhundertelang Mensch und Tier so eng zusammenlebten, wie wir es uns heute allenfalls mit Hund und Katze vorstellen können.</p><p>Was macht das mit einem Menschen, wenn er von Beginn an nicht nur Menschen-, sondern auch Tierstimmen hört, tagtäglich mit Ochs und Esel, Huhn und Schaf aufwächst? Vielleicht bekommt er einen weiteren Blick auf die Schöpfung, einen selbstverständlichen Respekt vor den anderen Wesen, die auch der Liebe Gottes entstammen. Der erwachsene Jesus hat jedenfalls oft Vergleiche aus dem Zusammenleben von Mensch und Tier und der Natur benutzt. Zum Beispiel den vom guten Hirten, der die Seinen beschützt. Oder von den Lilien auf dem Feld.&nbsp; Oder von den Spatzen am Himmel. Oder vom Baum, der Früchte trägt. Nach Ausbeutung der Natur und der Tiere stand Jesus sicher nicht der Sinn.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Die Gespräche der Hirten</h3><p>Die ersten Besucher der Eltern und des Neugeborenen waren, so erzählt es Lukas, die Hirten von den Feldern Betlehems. Viele Geschichten spinnen aus, wie sie zum Stall kamen und kleine Geschenke mitbrachten: ein warmes Schaffell, etwas Milch für die stillende Mutter, einen Strohballen, um weicher zu liegen. Vielleicht war es ja wirklich so und der kleine Jesus hörte im Halbschlaf das Getrappel ihrer Füße, ihre leisen Gespräche und neugierigen Fragen, vielleicht sogar das Flötenspiel eines Hirtenjungen, wie eine andere Erzählung ausmalt.</p><p>Vielleicht hat Jesus an den Besuchern gemerkt, dass es mehr gibt als Vater-Mutter-Kind. Er ist in einer Gesellschaft von Großfamilien aufgewachsen, in der zum eigenen Hausstand längst nicht nur Blutsverwandte gehörten. Ja, der erwachsene Jesus verstieg sich sogar zu dem Satz: „Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“</p><p>Hirten gehörten, wie man weiß, zur Unterschicht. Schlechtbezahlte Tagelöhner waren sie meist, die Schafe gehörten dem Gutsherrn. Trotzdem verglich sich Jesus mit einem Hirten, redete mit Zöllnern, aß mit Gesindel. Die bessere Gesellschaft der damaligen Zeit warf ihm das vor. Aber bevor jetzt jemand über die Schriftgelehrten von damals lästert: Wie wäre es denn heute, wenn Jesus Betrüger, Obdachlose und Prostituierte in die Kirche holte?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der Gesang der Engel</h3><p>Der Evangelist Lukas erzählt nichts davon, dass der neugeborene Jesus den Gesang der Engel hören konnte. Der himmlische Chor erklang ja ein gutes Stück entfernt bei den Hirten auf dem Feld. Trotzdem kommen die wenigsten Krippen ohne einen singenden Engel aus und wir können es uns ja zumindest vorstellen: dass zum Ersten, das der neugeborene Jesus hörte, himmlische Klänge gehörten, Töne der Freude über seine Geburt. Dass er lauschte und lächelte.</p><p>Musik, sagt man, wirkt auf kleine Kinder beruhigend. Deshalb singen wir Schlaflieder oder ziehen Spieluhren auf. Auch wer keine Worte hat, kann Musik fühlen. Bei Jesus wird das nicht anders gewesen sein.</p><p>Der Gesang der Engel schlägt aber noch einen anderen Bogen: den in die Ewigkeit. Kaum eine Vorstellung vom Paradies kommt ohne Harfenklänge aus, ohne Engelschöre, die uns dorthin begleiten. Himmlische Musik von der Geburt bis zum Tod, von der Krippe bis zum Kreuz und weiter in die Auferstehung hinein.</p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69393</guid><pubDate>Sun, 21 Dec 2025 09:27:00 +0100</pubDate><title>Zwei Modelle, eine Wahrheit</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/zwei-modelle-eine-wahrheit/</link><description>Paulus betont im Brief an die Römer, dass Jesu „dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids“; Matthäus setzt bei der Herkunft auf Jungfrauengeburt und göttliche Zeugung. Ein Widerspruch? Fragen an den Neutestamentler Michael Hölscher.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.</p><p>Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.</p><p>Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 1,18–24</strong></p><p><em>Herr Professor Hölscher, warum hören wir im Gottesdienst zwei so unterschiedliche Texte an einem Sonntag direkt hintereinander?</em></p><p>Die Frage nach der Leseordnung, also warum wann welche Textpassagen gelesen werden, müsste jemand aus der Liturgiewissenschaft beantworten. Aber ich kann für die Exegese sagen, dass ich da inhaltlich gar keinen Widerspruch in den beiden Lesungen sehe.</p><p><em>Inwiefern?</em></p><p>Sowohl Paulus als auch Matthäus geht es um eine sehr ähnliche Aussage: Man kann in diesem Jesus den Sohn Gottes erblicken. Und weil Jesus ein Nachkomme Davids ist, ist er auch der erhoffte Messias. Wie Jesus nun genau zum Sohn Gottes und Sohn Davids wird, das erklären uns die Texte unterschiedlich.</p><p><em>Aber warum erzählt nur Matthäus von der göttlichen Zeugung, Paulus aber nicht?</em></p><p>Paulus setzt ganz auf die Herkunft Jesu: Jesus ist Nachkomme Davids. Matthäus beschreibt das übrigens wenige Verse vor dem Evangelium von diesem Sonntag ebenso, nämlich im Stammbaum Jesu. In der an diesem Sonntag gelesenen Stelle des Evangeliums betont Matthäus dann die göttliche Zeugung und das Wirken des Heiligen Geistes. Das ist in der Antike ein sehr gängiges und damals leicht verständliches Modell, um die außerordentliche Bedeutung einer Person herauszustellen. Etwa auch für Alexander den Großen, der im vierten vorchristlichen Jahrhundert lebte, sind Erzählungen über eine göttliche Zeugung überliefert.</p><p><em>Dann sind die Texte also nicht wortwörtlich zu verstehen?</em></p><p>Ich meine, dass es auf den Kontext ankommt, sowohl historisch als auch literarisch und vor allem auf die dahinter liegende Aussageabsicht und tiefer gehende Wahrheit – nicht auf die Reduzierung auf einzelne Worte und wie wir sie heute verstehen.</p><p><em>Wie meinen Sie das?</em></p><p>Zum Beispiel ist beim Stammbaum Jesu nicht die historische Abfolge bis in Namen und Zahlen hinein entscheidend – Lukas überliefert etwa einen ganz anderen Stammbaum. Sondern die grundlegende und außergewöhnliche Bedeutung Jesu, die sich aus seiner Herkunft ergibt. Die Aussage ist: Jesus gehört zur Familiengeschichte des Gottesvolkes Israel. Ja, mehr noch: Er ist Nachkomme Davids und deshalb kann er der Messias sein. Der Kern der Erzählung von der göttlichen Zeugung und Jungfrauengeburt ist: Gott greift schöpferisch in die Geschichte ein.</p><p><em>Es sind also zwei Modelle, um die Besonderheit Jesu zu erklären?</em></p><p>Ja, Jesus als Sohn Gottes und Sohn Davids – und damit als Messias – zu verstehen, sind zwei Modelle. Paulus bekennt sich in dem Lesungstext aus dem Römerbrief kurz und knapp zu Jesus als Sohn Gottes und Sohn Davids. Matthäus erzählt eine ganze Kindheitsgeschichte über Jesus und entfaltet darin seine Bedeutung als Davidsohn und Sohn Gottes. Interessant ist übrigens, dass Jesus bei Matthäus durch die göttliche Zeugung zum Sohn Gottes wird; bei Paulus wird Jesus erst mit seiner Auferweckung als Sohn Gottes eingesetzt.</p><p><em>Und die Jungfrauengeburt?</em></p><p>Die ist eine weitere Perspektive, die Matthäus – und übrigens auch Lukas – einspielen, um die außerordentliche Bedeutung Jesu herauszustellen. Dadurch kommt ein wichtiger Gedanke hinzu: Gott schafft mit Jesus etwas ganz Neues, das sich Menschen selbst nicht schaffen können. Ich denke, man muss alle diese Perspektiven zusammen sehen, nicht als Widerspruch. Kein Modell erklärt die Bedeutung Jesu vollständig und vor allem nicht losgelöst vom Kontext.</p><p><em>Welche Rolle spielt Josef in der Erzählung?</em></p><p>Er hat eine oft verkannte Schlüsselrolle. Denn im Stammbaum des Matthäus wird Jesus nicht in direkter Linie auf David zurückgeführt, sondern Josef. Indem Josef Jesus den Namen gibt, wie ihm der Engel aufgetragen hat, adoptiert er Jesus und macht ihn dadurch zum Sohn Davids.</p><p><em>Was bedeutet das für uns heute?</em></p><p>Entscheidend ist, dass Jesus als Davidsohn der Sohn Gottes und der erwartete Messias ist. Diese tiefe Überzeugung steht hinter den Aussagen und Versen. Das gilt für Paulus wie für Matthäus – und für uns heute.</p><p><em>Was empfehlen Sie einem Gottesdienstbesucher, wenn er durch die beiden Lesungen dennoch verwirrt wird?</em></p><p>Das gilt nicht nur für Gottesdienstbesucher: Es gibt gute Lese- und Verstehenshilfen des Katholischen Bibelwerkes zu den Texten; es gibt Bibelkreise, die sich mit der Frage auseinandersetzen, was die Bibelstellen für das persönliche Leben bedeuten; es gibt hoffentlich auch gute Predigten und gute exegetische Fachkompetenz. Und nicht zuletzt gilt immer der Tipp, dass Bibelstellen im Zusammenhang gelesen werden, also auch die Verse, die vor und nach der im Gottesdienst gehörten Lesung stehen; vielleicht auch die Verse, die bei der Lesung ausgelassen wurden. Im Evangelium dieses Sonntags wird zum Beispiel der letzte Vers gar nicht gelesen, obwohl er doch so wichtig ist: Josef „gab ihm den Namen Jesus“.</p><p class="text-right"><em>Michael Kinnen</em></p><p>Zur Person</p><p>Michael Hölscher (42) ist Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.</p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-69410</guid><pubDate>Tue, 16 Dec 2025 15:38:40 +0100</pubDate><title>Kleine Chöre in guten Händen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/kleine-choere-in-guten-haenden/</link><description>Rainer Aberle ist seit fast drei Jahren Diözesanmusikdirektor des Bistums Würzburg. Für ihn ist Musik „weit mehr, als Worte sagen können“. Im Interview mit dem Sonntagsblatt spricht er über Facetten der Kirchenmusik und ihre Bedeutung im Glauben.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Rainer Aberle, Jahrgang 1962, stammt aus Freudenstadt im Schwarzwald. Nach dem Abitur studierte er Katholische Kirchenmusik in Rottenburg (Bachelor) und Regensburg (Master). Ein Pädagogikstudium im Anschluss beendete er als Diplom-Musiklehrer. Zusätzlich absolvierte Aberle ein Aufbaustudium im Künstlerischen Orgelspiel an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen. Von 1986 bis 1990 wirkte er als hauptamtlicher Dekanatskirchenmusiker in Dunningen (Bistum Rottenburg-Stuttgart). Von 1990 bis 2022 arbeitete Aberle als Regionalkantor in Schweinfurt und als Amtlicher Orgelsachverständiger.</p><p><em>Herr Aberle, welches Weihnachtslied ist Ihr liebstes und warum?</em></p><p>Mein liebstes Weihnachtslied steht im Gotteslob unter Nummer 241: „Nun freut euch, ihr Christen“. Die Melodie kommt einer Hymne gleich, ist festlich und prächtig. Wenn man den Text anschaut, die Freude über das neugeborene Kind, unseren Heiland, über die Offenbarung Gottes in der Niedrigkeit der menschlichen Gestalt – dieses Lied überwältigt mich jedes Jahr aufs Neue. Das ist eine einzigartige Liebeserklärung an uns Menschen.</p><p><em>Welche Rolle spielt die Musik in Ihrem persönlichen Glaubensleben?</em></p><p>Musik ist mehr als Worte sagen können. Ich habe als Ministrant angefangen, Kirchenmusik bewusst zu erleben und sang dann im Knabenchor. Mit meinem kirchenmusikalischen Auftrag, dem ich mich schon als Jugendlicher verschrieben habe, begleite ich Generationen von Menschen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen, frohe Menschen oder traurige Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten. Wenn ich eine Taufe musikalisch mitgestalten darf oder eine Firmung, eine Hochzeit oder einen Trauergottesdienst – dann ist das für mich musikalische Seelsorge.</p><p><em>Welche Bedeutung kommt der Musik in der Liturgie zu?</em></p><p>Musik unterstreicht und vertieft das gesprochene Wort. Als Kirchenmusiker muss ich in der Lage sein, das Wort Gottes in Klänge zu übertragen und eine Atmosphäre zu schaffen, die auf das Geheimnis, das wir feiern, einstimmt. Dafür ist die Kunst der Improvisation besonders geeignet. Ein Beispiel: Wenn ich im Gottesdienst zum Credo einen Wechselgesang mit einem Kantor gestalte und es kommt die Stelle „am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel“, begleite ich auf der Orgel diesen Text von unten nach oben. Damit vermittle ich Menschen, die den Satz gerade hören: Jetzt in diesem Moment findet Ostern statt!</p><p><em>Welche Herausforderungen gibt es bei der Auswahl von Musikstücken für den Gottesdienst?</em></p><p>Wenn ich einen Gottesdienst vorbereite, dann muss ich mir Gedanken machen, wer überhaupt zum Gottesdienst kommt. Welches liturgische Format ist musikalisch zu gestalten? Lieder und Musik sollten den Texten, den Mitfeiernden und dem Anlass gerecht werden. Musik und gesprochenes Wort müssen für die Gläubigen zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis werden, das im besten Falle in die Gesellschaft hinauswirkt.</p><p><em>Wie beschreiben Sie das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation in der Kirchenmusik?</em></p><p>Dazu muss man fragen: Was hält die Kirche zusammen? Es ist der Glaube in seinem Wesenskern. Dieser drückt sich in der Musik aus. Die Weitergabe der Reich-Gottes-Verkündigung, das biblische Fundament und das Leben von Jesus Christus in das Heute zu übersetzen – dazu brauchen wir alte und neue Formen. Melodien, die Menschen berühren. Ob es jetzt der feierliche Gregorianische Choral oder eine zeitgenössische, vielleicht jazzige Musik ist. In diesem Spannungsfeld zwischen alt und neu ist Musik geradezu prädestiniert, in ihrer Vielfalt unterschiedliche Glaubenszugänge zu befördern.</p><p><em>Als Sie vor fast drei Jahren Diözesanmusikdirektor wurden, haben Sie die musikalische Förderung in der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral als persönlichen Schwerpunkt benannt. Warum?</em></p><p>Leider hat die Coronapandemie eine riesige Delle in der Chormusikarbeit hinterlassen. So sind Chöre kleiner geworden, teilweise so klein, dass ihre Existenz nicht fortbestehen konnte. Unsere Gottesdienste werden immer leerer, Familien sieht man kaum noch, dabei singt jedes Kind gerne. Aber man muss auch mit dem Kind singen und das ist nicht überall gewährleistet. Kinderchorarbeit, wie ich sie mir vorstelle und wie sie auch in unserer Diözese an vielen Stellen gepflegt wird, bringt Familien in nachhaltigen Kontakt zur Kirche. Kinder werden zu Glaubensboten. Sie verkündigen den Schatz des Evangeliums mit ihrer Musik. Das klingt alles enorm großartig und hoffnungsvoll, allein uns fehlt vielerorts das Fachpersonal.</p><p><em>Was konnten Sie bisher in der Kinder-, Jugend- und Familienpastoral erreichen?</em></p><p>Ich würde die Erfolge sehr realistisch als kleine Pflänzchen sehen, die noch wachsen müssen. Das erste, was wir gemacht haben, war einen Spezialisten für diesen Fachbereich einzusetzen. Dieser Kollege, sein Name ist Christian Stegmann, hat dieses Jahr zum ersten Mal eine Ausbildung für das Singen mit Kindern angeboten. Methodisch, didaktisch, stimmbildnerisch. Und tatsächlich hat auch eine der Teilnehmerinnen einen Kinderchor gründen können, der heute besteht. Insofern darf man durchaus positiv in die Zukunft blicken, wenngleich man auch sagen muss, dort, wo wir diese Menschen nicht haben, ist es ungleich schwieriger geworden überhaupt etwas auf die Beine zu stellen. Deswegen gibt es bei unseren Versuchen immer wieder Enttäuschungen, wenn wir feststellen, dass es niemanden gibt, der die Kinder anleitet.</p><p><em>Was, glauben Sie, sind die langfristigen Trends im Bereich der Kirchenmusik?</em></p><p>Kirchenchöre werden kleiner. Es wird mehr Projektchöre geben. Die Regelmäßigkeit im Chorgesang wird weiter abnehmen. Menschen binden sich nicht mehr wie früher. Das stellen auch Vereine fest. Und was ganz prekär ist: Viele junge Leute studieren heute nicht mehr Musik. Sowohl Kirchenmusik als auch Musikpädagogik. In Konsequenz werden wir auch Schüler verlieren, für die einfach kein Lehrer mehr da ist. Ich glaube auch, dass weniger Menschen Kirchenmusik studieren, weil sie sagen: Ich weiß ja nicht, wie in zehn, 20 und 30 Jahren die Kirche noch als Arbeitgeber funktionieren wird. Und wir werden Zeiten sehen, in denen nebenamtliche Musiker den hauptamtlichen Kirchenmusiker mindestens teilweise ersetzen. Da tut die Kirche gut daran, das Ehrenamt in der Zukunft sehr stark zu fördern.</p><p><em>Was gibt Ihnen Hoffnung?</em></p><p>Zuversicht. Kirche und Kirchenmusik müssen sich den Herausforderungen in der heutigen Zeit und auch in Zukunft stellen, dürfen aber auch Zuversicht ausstrahlen. Das spiegelt sich in einem wunderschönen Lied im Gotteslob wider: In „Sonne der Gerechtigkeit“, das ist die Nummer 481. Denn dieses Lied bringt Herausforderungen und Zuversicht zusammen. Das begleitet mich immer wieder und und gibt mir persönlich Trost für die Zukunft.</p><p class="text-right"><em>Interview von Angelina Horosun</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69407</guid><pubDate>Tue, 16 Dec 2025 14:50:20 +0100</pubDate><title>Krippenspiel in Rottenbauer</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/krippenspiel-in-rottenbauer/</link><description>Es weihnachtet sehr in der Kirche St. Josef in Rottenbauer. Hier übt ein gutes Dutzend Kommunionkinder im Altarraum der Kirche das diesjährige Krippenspiel ein. Das ist im südlichsten der Würzburger Stadtteile immer ein ganz besonderes.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="17f54ba0-73a6-4bdc-bb7e-011252c2542d" complabel="titel" comptype="text" isdirty="false"><p>Eine beeindruckende Mischung aus Gesang und Schauspiel sorgt dafür, dass am Nachmittag des 24. Dezember ein großer Teil der Gemeinde nach St. Josef in Rottenbauer strömt. In den Kirchenraum, der für knapp 150 Personen ausgelegt ist, zwängen sich dann weit mehr als 200 Zuschauerinnen und Zuschauer aus allen Altersgruppen; die jüngsten nehmen auf Kissen vor der ersten Bankreihe Platz</p><p>„Unser Krippenspiel mit Chorgesang, Solisten und Begleitband mit Saxofon, Piano, Percussion und Violine wirkt für mich wie ein kleines Musical“, sagt Gemeindereferent Frank Greubel. Hauptdarsteller sind am Heiligabend die Kommunionkinder des Folgejahres. Verantwortlich für die Inszenierung ist zum vierten Mal in Folge Theresa Rücker. Sie leitet auch den Kinder- und Jugendchor von St. Josef, der das Krippenspiel musikalisch untermalt. Mit im Organisationsteam sind außerdem Sabine Dorbath, Nadja Herbolsheimer, Marina Kirchner und Sabine Schwab.</p><h3>Wichtige Regie-Anweisungen</h3><p>Den Buß- und Bettag haben die Organisatorinnen für die ersten Proben genutzt – und zugleich einigen Eltern die Kinderbetreuung am schulfreien Vormittag abgenommen. Auf dem Programm standen eine kleine katechetische Einheit, Trockenübungen in Sachen Text und Schauspiel sowie das Bemalen von Holzfiguren für die heimische Krippe.</p><p>Beim ersten Durchlauf des Krippenspiels im Kirchenraum wird eines sehr schnell deutlich: Kinder prägen sich Texte schnell ein, wenn sie mit Melodien verbunden sind. Die Weihnachtsgeschichte wird schon bei dieser Probe sehr flüssig erzählt, die teils gesungenen Textstellen sitzen. Theresa Rücker kann sich daher nützlichen Regieanweisungen widmen. „Ihr seht zum ersten Mal einen Engel, also schaut überrascht“, sagt sie an die Hirten gewandt. Auch Frank Greubel, der selbst regelmäßig bei den Passionsspielen in Sömmersdorf auftritt, gibt den Kindern einen Rat: „Ihr könnt nicht zu viel schauspielern: Streckt die Hände aus, macht große Bewegungen.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt er: „Es ist schön, wenn die Zuschauer eure Gesichter sehen, und nicht euren Rücken.</p><p>In dem kleinen Rottenbauerer Ensemble hat Theresa Rücker zum dritten Mal in vier Jahren ein eigenes (Kommunion-)Kind untergebracht. Ihr Ehemann Wolfgang spielt bei der Aufführung das Piano.</p><h3>Besinnlich wird’s dann später</h3><p>Das Krippenspiel als Familienunternehmen? „Alle fünf sind beteiligt. Die beiden Großen singen im Chor, unser Sohn spielt zusätzlich die Trompete beim Auftritt des Boten“, sagt Rücker. Sie steckt jedes Jahr einige Stunden an ehrenamtlicher Arbeit in die Vorbereitungen – gerade am Heiligabend.</p><p>„Besinnlicher wird es erst, wenn in der Kirche alles so aufgeräumt ist, dass die Christmette am Abend stattfinden kann, und wir wieder zuhause sind“, sagt sie, und zuckt kaum merklich mit den Schultern. So sei es eben. Denn wie alle Beteiligten weiß sie, wofür sie sich engagiert: Für die freudig leuchtenden Kinderaugen in den vorderen Reihen. Und für die Eltern und Großeltern, deren Augen vor Rührung wahrscheinlich eher etwas glasig werden dürften.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p></section><section compid="bb75c874-cf51-448f-8a51-595188a4d4ab" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p class="text-right"><em>Von Sebastian Haas</em></p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69218</guid><pubDate>Tue, 09 Dec 2025 13:34:14 +0100</pubDate><title>„Es braucht Menschen, die an dich glauben“</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/es-braucht-menschen-die-an-dich-glauben/</link><description>„Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht.“ Was der Prophet Jesaja verheißt, klingt großartig, ist aber leichter gesagt als getan. Niemand weiß das besser als Tomasz Moron.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten des Christus. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?</p><p>Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.</p><p>Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Siehe, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.</p><p>Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen?Ja, ich sage euch: sogar mehr als einen Propheten. Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bahnen wird.</p><p>Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.</p><p><strong><img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" />Matthäusevangelium 11,2–11</strong></p><p>Tomasz Moron hatte alles verloren. Er war wohnungslos, alkoholabhängig, am Ende. „Wie die meisten aus der Szene“, sagt er, „wäre ich wahrscheinlich irgendwann einfach eingeschlafen und nie wieder aufgewacht.“</p><p>Dass es einmal so weit kommen würde? Früher unvorstellbar. Doch ein Schicksalsschlag folgte dem nächsten. Wie schon sein Vater griff auch er irgendwann zur Flasche. Erst gelegentlich, dann täglich. „Dann ging alles ganz schnell“, sagt er. Ehe zerbrochen, Wohnung weg, Halt verloren. „Und plötzlich hat man nichts mehr“, sagt er, „bis auf den Alkohol.“</p><p>Morgens aufwachen, trinken, um zu vergessen oder das Leben jeden Tag zu feiern. Er feierte, dass es regnete, dass die Sonne schien, dass ein Wind wehte – stieß darauf an, mit einem Glas Wodka nach dem anderen. Bis zu zwei Flaschen am Tag. So sah sein Leben aus. „Dann war ich am Tiefpunkt, Mut war da nicht mehr“, sagt Moron. Doch er sagt auch: „Das war mein Wendepunkt, dass ich fast gestorben bin.“</p><p>Fünf Jahre ist das her. Damals saß Moron auf den Stufen der Wärmestube in Osnabrück, einem Zufluchtsort für Wohnungslose. Dort gab es warme Mahlzeiten – und ein bisschen Kraft und Mut dazu. Es ist der Ort, an dem sein altes Leben endete und das neue begann. Moron sagt: „Wäre die Schwester nicht gewesen, dann hätte ich das nicht überlebt.“</p><p>Die Schwester heißt Benedicta und ist Franziskanerin. Sie arbeitet in der Wärmestube und ist bis heute mit Moron in Kontakt. Sie erinnert sich: „Er war alkoholisiert, hatte Wasserblasen an den Beinen, die zum Teil offen waren, nachts schlief er sitzend im Auto eines Freundes auf dem Parkplatz.“ Als er sie um einen Eimer kaltes Wasser und ein Handtuch bat, um sich abzukühlen, fühlte sie an seiner Stirn. „Er hatte hohes Fieber.“ Darum versuchte sie, ihn zu überreden. „Ich rufe den Notarzt. Du gehörst ins Krankenhaus“, sagte sie ihm. Vergeblich. „Ich habe ihn dann ausnahmsweise ein paar Nächte in der Wärmestube schlafen lassen und ihn versorgt“, erzählt sie.</p><p>Doch irgendwann ging das nicht mehr. „Ich sagte zu ihm: Bitte fahre jetzt mit, das ist eine Chance, sonst kann es übel ausgehen.“ Doch Moron ging erst, als der Diakon hinzukam, ihn anschrie: „Geh mit den Sanitätern mit!“ Da machte es Klick. „Das hat mir das Leben gerettet“, sagt Moron. Das hat ihm die Augen geöffnet.</p><p>Im Krankenhaus konnte er keinen Alkohol trinken – ein Anfang. Doch die wahre Rettung, so Moron, kam von der Erkenntnis: „So kann es nicht weitergehen.“ Und von der Zuwendung anderer, die ihm die Kraft gab, die er längst verloren hatte. Schwester Benedicta besuchte ihn im Krankenhaus, machte seine Wäsche. Moron sei erstaunt gewesen, dass da jemand war, der ihm half, sagt Schwester Benedicta: „Aber genau das hat er gebraucht und ich wusste: Ich kann ihn jetzt nicht aufgeben.“ Und Moron fasste Zutrauen.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Fast zu sterben, hat gereicht</h3><p>Sie half ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Nicht durch große Worte, wie sie sagt. „Worte können das nicht beschreiben, was es in so einer Situation braucht.“ Immer wieder habe sie versucht, ihm Kraft zu geben, indem sie einfach da war. Ihm zeigte: „Ich vertraue dir!“ Sie sprach mit ihm, über früher und Ängste und Sorgen und die Zukunft. Noch während er im Krankenhaus war, organisierte sie Moron einen Platz im Osnabrücker Laurentiushaus, einer Unterkunft für Wohnungslose. Dort begann er dann richtig: der Neuanfang.</p><p>Keinen Tropfen Alkohol rührte er ab da an. „Fast zu sterben, hat mir gereicht“, sagt Moron. Noch etwas kann helfen, falls die Knie doch wieder wanken sollten. „Ich wollte die Menschen, die mir so sehr geholfen haben, nicht enttäuschen.“</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Mit Glück und Mut</h3><p>Und das hat er nicht. Im Laurentiushaus begleitete ihn Heidrun Ramirez. Damals war sie seine Sozialarbeiterin, heute sind die beiden Kollegen. Sie sagt: „Wenn jemand zweifelt, mutlos ist, dann höre ich mir die Gründe dafür erstmal an.“ Denn die seien berechtigt, begründet in der eigenen Vergangenheit. „Nur wenn man diese Sorgen ernst nimmt, die Person auch ernst nimmt, kann man gemeinsam Lösungen finden.“</p><p>Bei Moron bedeutete das: kleine Schritte. Gemeinsame Gespräche auf Spaziergängen, Zuhören, Vertrauen aufbauen. „Immer wieder gemeinsam zurückblicken und aufzeigen, was schon alles geschafft ist“, sagt Ramirez. Denn Erfolge machen stark und vertreiben die Angst.</p><p>Bald half Moron in der Cafeteria des Laurentiushauses aus. Übernahm kleinere Aufgaben. Man merkte: Auf ihn ist Verlass. Nach und nach bekam er immer mehr Verantwortung. Heute arbeitet er fest als Mitarbeiter mit, ist Teil des Kollegiums – an der Seite derer, die ihm in größter Not halfen.</p><p>Moron sagt: „Mein Glück? Das waren die Menschen, die mich gerettet haben und mir Mut gemacht haben.“ Schwester Benedicta fügt hinzu: „Mut und Demut, beides trägt Tomasz in sich.“ Denn beides gehöre zusammen. Es brauche Demut, sein Leben mit der eigenen Geschichte zu akzeptieren, und Mut, so offen darüber zu sprechen.</p><p>Das tut Tomasz Moron. Und wenn ihn heute ein Bewohner im Laurentiushaus fragt: „Wie hast du es nur rausgeschafft?“ Dann antwortet er: „Mit Menschen, die an dich glauben, einer Portion Mut und einer Portion Glück.“</p><p class="text-right"><em>Lisa Discher</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69061</guid><pubDate>Sun, 07 Dec 2025 12:57:00 +0100</pubDate><title>Wie im Himmel so auf Erden?</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/wie-im-himmel-so-auf-erden/</link><description>Nach all den Kriegen seiner Zeit träumt der Prophet Jesaja von Gerechtigkeit und Frieden. So wie viele Menschen zu allen Zeiten. Wie ist es, wenn Friede wird – nach dem Zweiten Weltkrieg oder heute in Syrien? Ist dann alles gut?</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!</p><p>Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.</p><p>Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.</p><p>Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; und er wird seine Tenne reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.</p><p><strong>Matthäusevangelium 3,1–12</strong></p><section compid="D55942BF-FF94-48F5-A783-710F3DA7CE6A" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>„Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein“, schreibt Jesaja in der Lesung zum Zweiten Advent. „Kuh und Bärin freunden sich an.“ Das soll wohl heißen: Alte Feinde – Hand in Hand. Ist das so, wenn ein Krieg endlich endet? War das so? Wird das jemals so sein?</p><p>Zeitzeugenberichte über das Ende des Zweiten Weltkriegs sprechen vor allem von der Freude darüber, dass keine Bomben mehr fallen. „Plötzlich herrschte ungewohnte Stille. Der Fluglärm, die Bombenabwürfe, der Kanonendonner, die Geschosseinschläge, die seit Monaten zu unserem Alltag gehört hatten, hörten auf. Wir durften wieder im eigenen Bett schlafen“, schrieb etwa der frühere Ministerpräsident Bernhard Vogel zum 75. Jahrestag des Kriegsendes für das Portal faz.net. Noch etwas hat ihn beeindruckt: „Die Verdunkelung war aufgehoben. Zum ersten Mal sah ich mit Bewusstsein eine von elektrischem Licht erleuchtete Stadt. Ein für mich damals unglaublicher Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe.“ Wenn Friede bedeutet, dass nach langer Dunkelheit Licht in die Welt kommt, hat Bernhard Vogel das so erlebt.</p><p>Sein älterer Bruder Hans-Jochen war bei Kriegsende in Gefangenschaft: Im April 1945 war er mit anderen von italienischen Partisanen aufgegriffen und an die Amerikaner überstellt worden, an den Feind. Vogel schreibt: „Die Übergabe fand auf einem Friedhof statt, was uns erst beunruhigte. Die Amerikaner – unter ihnen viele Farbige – haben uns aber freundlich behandelt.“ Was nicht wenig war.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">An Freundschaftwar nicht zu denken</h3><p>Weil Vogel Englisch konnte, wurde er beauftragt, täglich die amerikanische Armeezeitung „Stars and Stripes“ zu lesen und einige Meldungen ins Deutsche übersetzt im Lager auszuhängen. Am 9. Mai 1945 auch die vom Kriegsende. Zwar herrschte, schreibt er, „Erleichterung darüber, dass nun das Töten und vor allem auch die Luftangriffe ein Ende hatten“. Überlagert wurde das aber „von dem Gefühl der totalen Niederlage und des völligen Ausgeliefertseins. Uns beschlich die Vorstellung, dass wir wohl lange Jahre Gefangene bleiben würden, um das wiedergutzumachen, was wir Deutsche in Europa an schlimmen Zerstörungen angerichtet hatten.“ Dass „Kuh und Bärin“, dass Deutsche und Amerikaner, Franzosen, Briten sich anfreunden könnten, das überstieg wohl die damalige Vorstellungskraft.</p><p>Und heute?</p><p>Joni Dib (44) ist griechisch-orthodoxer Christ. Als in seiner syrischen Heimatstadt Latakia Bomben einschlugen und die Lebensgefahr immer größer wurde, floh er nach Deutschland, im November 2015 war das. Damals endeten für ihn der Krieg und die Angst zu sterben. Bald konnte auch seine Frau mit seinem ältesten Sohn nachkommen. Er sagt: „Wenn Frieden herrscht, gibt es keine Grenzen mehr zwischen den Menschen. Dann können wir unsere Überzeugungen so ausleben, wie wir es möchten, und dabei diejenigen respektieren, die mit uns dasselbe Land teilen.“ Andere zu respektieren, unabhängig von ihren Überzeugungen, sei das Wichtigste.</p><p>So erlebt es Dib in Deutschland. Er ist angekommen. Mit seiner Familie wohnt er in Leipzig, er und seine Frau sind berufstätig, die Kinder gehen zur Schule. „Es ist ein großer Segen von Jesus Christus, dass wir hier leben dürfen“, sagt Dib. „Jesus hat uns Gutes geschenkt. Ihm haben wir die deutsche Staatsangehörigkeit zu verdanken.“ Er genießt es, dass er Freunde treffen kann, dass er in der Stadt unterwegs sein kann ohne Lebensgefahr, dass er zu Kulturveranstaltungen und zu seiner christlichen Gemeinde gehen kann. Frieden bedeutet für ihn Sicherheit und Freiheit.&nbsp;</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Wie Fremde im eigenen Land</h3><p>Und was ist mit der Freundschaft zu den Feinden? Angeblich soll ja auch in Syrien Frieden herrschen. Dib hört da Anderes. Seine Schwester und sein Vater, die noch in Syrien leben, erzählen, dass die Christen dort ihren Glauben verbergen müssten. „Sie haben Angst, in der Öffentlichkeit ein Kreuz zu tragen, besonders in muslimischen Vierteln, oder christliche Bücher in öffentlichen Buchhandlungen zu kaufen“, sagt er. Der Krieg ist für ihn nicht einfach vorbei. Er hat tiefe Gräben zwischen Alawiten, Sunniten, Schiiten und Christen hinterlassen. Unter der neuen Regierung fürchten jetzt die Minderheiten um ihre Rechte. Als Christen fühlten sich seine Angehörigen „in ihrem eigenen Land wie Fremde“, sagt Dib.</p><p>Egal ob nach dem Zweiten Weltkrieg, in Syrien oder irgendwann einmal in der Ukraine: Bis zur Freundschaft mit alten Feinden dauert es lange, sehr lange. Da braucht es viel guten Willen und viel Glauben an das Gute im Anderen. Jesaja wusste das, er war nicht naiv. Im Gegenteil: Echter Friede, glaubte er, ist Gottes Werk.</p><p>Ja, vielleicht ist echter Friede, echte Freundschaft zwischen alten Feinden sogar nur in Gottes Reich möglich. „Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg“, heißt es in der Lesung. Was aber nicht bedeutet, dass wir Gottes Auftrag an uns vernachlässigen dürften: Schritte des Friedens zu gehen, wo immer es möglich ist. Und dass viel möglich ist, haben die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt. Gott sei Dank.<img wcmltype="ace" xdataid="1" acecode="8" title="Tabulator für Einzug rechts" src="data:image/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==" /></p><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp und Barbara Dreiling</em></p></section><section compid="A9C9C5C0-E2AC-4734-A69E-56A04ADA1402" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium"></h3><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_rechts_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium">Zur Person</h3><p>Joni Dib lebt mit seiner Familie in Leipzig. Er stammt aus Latakia in Syrien. Sein Vater und seine Schwestern leben noch dort.</p></section>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69115</guid><pubDate>Thu, 04 Dec 2025 11:03:58 +0100</pubDate><title>Pfarrgeschichte bewahren</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/pfarrgeschichte-bewahren/</link><description>Vergangenheit aufarbeiten und Gegenwart festhalten, das ist das Leitmotiv des Pfarrarchivs in Kleinostheim. Vor über 30 Jahren steckten Ehrenamtliche dafür die Grundpfeiler. Über 60 Veröffentlichungen und 15 Ausstellungen sind aus der Arbeit der Archivare hervorgegangen. Die jüngste ist ein Familienbuch.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Pfarrarchiv in Kleinostheim (Landkreis Aschaffenburg) stehen 400 Boxen voll Unterlagen, Kreuze und Habseligkeiten ehemaliger Pfarrer. Außerdem finden sich dort Bilder, Figuren und Stangen für den Tragehimmel. Der älteste eingelagerte Gegenstand ist ein Wetterhahn aus dem Jahr 1712.</p><p>„Wir schmeißen nichts weg“, erklärt Edwin Lang, Archivleiter in der Pfarrei St. Laurentius. „Was heute Zeitgeschehen ist, ist später vielleicht interessant.“ Die Ehrenamtlichen sammeln unter anderem religiöse Bilder und Bücher sowie Devotionalien.</p><p>Seit 1993 ist Lang für das Archiv zuständig. Als Kirchenverwaltungsmitglied kam ihm diese Aufgabe zu. Damals wurden die Archivalien auf dem Speicher des Pfarrhauses aufgehoben, erinnert er sich. Und zwar nur aufgehoben – nicht archiviert. Mit Blaumann und Besen schaffte Lang Ordnung, wie er erzählt. Er besuchte das Diözesanarchiv, ließ sich dort aufklären und kaufte erste Kisten zur Wahrung.</p><p>Einen eigenen Finanztopf für das Pfarrarchiv gibt es nicht. Da es zum Pfarrbüro gehört, ist das Team auf Investitionen der Kirchenverwaltung oder Spender angewiesen. Aktuell beteiligen sich neben Lang sechs weitere Ehrenamtliche im Archiv.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_6">Daten von 55.000 Familien</h3><p>Zum Beispiel Margarete Boss. Sie ist seit etwa zehn Jahren für die Organisation zuständig. Das heißt: Alles, was im Pfarrarchiv landet, wird von ihr systematisch eingeordnet. Harald Oftring kümmert sich seit über 15 Jahren um das Einspeisen von Informationen in digitale Datenbanken. Außerdem ist er Experte für Sterbebilder. Ewald Knichelmann hat vor 40 Jahren mit der Ahnenforschung begonnen und mittlerweile Daten von 55.000 Familien aus der Region Aschaffenburg gesammelt. „Es gibt oftmals kaum Kenntnisse darüber, wer vor den eigenen Großeltern da war. Und wenn man das wissen will, kommt man in die Spirale der Ahnenforschung“, weiß Oftring.</p><p>„Das verbindet uns alle“, sagt Dr. Robert Fecher, „die Liebe zur Familie, zur Vergangenheit, zur Geschichte.“ Der Archäologe und Antiquar wirkt seit etwa sieben Jahren im Pfarrarchiv. Als er erfuhr, dass auf Grundlage 18 Matrikelbücher eine Genealogie Kleinstostheims geplant war, bot er seine Hilfe an. Die Vorarbeit für die Veröffentlichung hat der bereits verstorbene Professor Günter Wegner geleistet, indem er die Matrikel in den 1990er Jahren mit Unterstützung anderer Engagierter eingescannt und in eine Datenbank übertragen hat. Die Originale lagern im Diözesanarchiv.</p><p>Alle zehn Jahre meldet das Pfarrarchiv dem Diözesanarchiv sein Inventar. Sonst gibt es keine Zusammenarbeit, sagt Archivleiter Lang. Einerseits sei das bequem, weil sie keine Anweisungen bekommen. Andererseits würden sie sich über mehr Informationsaustausch freuen, wenn sie zum Beispiel Teil eines E-Mail-Verteilers wären.</p><p>Die Archivpflege ist Grundlage für Ausstellungen und Forschungsarbeiten. Auch Filme und Bücher werden mithilfe der Quellen aus dem Pfarrarchiv angereichert. Etwa Werke über den Heiligen Laurentius. Edwin Lang gilt nach jahrelanger Forschung als Experte für den Namensgeber der Pfarrei.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold" para_overrideid="p_9">Zuzug aus Tirol und der Schweiz</h3><p>Das Ergebnis der Matrikelarbeit ist mittlerweile veröffentlicht: Auf über 1200 Seiten lassen sich Familienbeziehungen Kleinostheims seit 1628 nachvollziehen. Doch der 30-jährige Krieg sei ein starker Bruch in der Geschichte, sagt Robert Fecher. Nur eine Handvoll Familien hätten diese Zeit überdauert, die meisten wurden vertrieben oder seien verstorben. Durch Steuererleichterungen wurden Familien aus beispielsweise der Schweiz oder Tirol nach Kleinostheim gelockt. Ihre Nachkommen leben zum Teil noch immer in der Region.</p><p class="text-right"><em>von Angelina Horosun</em></p><p><em>Tipps von Archivar Edwin Lang</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_25_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro25Italic" para_overrideid="p_2">Wie baut man ein Archiv systematisch auf?</h3><p><strong>1. Mit Archiv-System vertraut machen</strong></p><p>Sie brauchen Interesse an Geschichte, Ordnungssinn und Ausdauer: Orientieren Sie sich an bestehenden Archiv-Systemen, zum Beispiel an dem des Diözesanarchivs. Geltende Richtlinien können direkt bei den genannten Stellen angefragt werden. Archiv-Systeme haben gegenüber einfacher Verschlagwortung mehrere Vorteile: Die Systematik kann zu jedem Zeitpunkt nachvollzogen werden und begrenzt sich nicht auf den Wortschatz und die Sortierung eines Archivars. Außerdem ist es zugänglicher für Menschen, die mit Archivarbeit vertraut sind, zum Beispiel Wissenschaftler.</p><p><strong>2. Bestand aufarbeiten und erfassen</strong></p><p>Erfassen Sie den Bestand nach dem ausgewählten Archiv-System. Das analoge Archivieren können Sie gleich mit der digitalen Archivarbeit ergänzen, insofern Sie Zugriff auf ein passendes Programm haben. Archiv-Programme bieten viele nützliche Vorsortierungen, zum Beispiel die Berücksichtigung des Personenstandsgesetzes, das Sie bei Veröffentlichungen berücksichtigen müssen. Außerdem erleichtern sie die Ahnenforschung, indem sie Familien-Stammbäume automatisch erkennen, auf Herkunftsfamilie und spätere Familiengründung verweisen.</p><p><strong>3. In Lagermöbel investieren</strong></p><p>Sobald Sie den Bestand archiviert haben, sollten Sie für die künftige Archivarbeit Platz schaffen. Investieren Sie in Aktenkisten, Schränke und andere Möbel, die Sie zur Lagerung benötigen. Halten Sie Ausschau nach Spendern. Pfarrarchivalien müssen unter kirchlichem Dach gelagert werden. Es stellt sich also auch die Frage nach den zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und ob diese erweitert werden können.</p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-69106</guid><pubDate>Thu, 04 Dec 2025 10:04:09 +0100</pubDate><title>Pfarrgemeinderat: Kandidaten im Blick</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/pfarrgemeinderat-kandidaten-im-blick/</link><description>Ob bei Adventsandacht, Prozession oder Pfarrfest – aktive Ehrenamtliche sind nicht weit. Für sie ist die Pfarrgemeinderatswahl 2026 im Bistum Würzburg ein äußerst wichtiger Termin. Das kirchliche Leben vor Ort hängt von dieser Wahl ab.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Im Advent lohnt sich das Hinsehen. Dann leuchten in Karbach (Landkreis Main-Spessart) auf einmal geschmückte Fenster oder Hauseingänge in der Nacht. Papiersterne, Lichterketten, Kerzen und Krippenfiguren kündigen das nahe Weihnachtsfest an. Mitglieder der Gemeinde feiern am Sonntagabend vor einem der festlich gestalteten „Adventsfenster“ eine Andacht. Danach bleiben sie noch stehen, plaudern und stärken sich mit Glühwein und Gebäck. „So erreichen wir auch viele, die sonst nicht in die Kirche kommen“, erläutert Sandra Laudenbacher.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Aktive stiften Zusammenhalt</h3><p>Die 49-Jährige ist Vorsitzende des Karbacher Gemeindeteams. Mit den anderen sieben Angehörigen ihres Teams lädt sie zu den Adventsandachten unter freiem Himmel ein. Die Abläufe und die Aufgabenverteilung haben sich eingespielt. Das sei wichtig, betont Laudenbacher. „Denn ein Ehrenamt ist auch mit Aufwand verbunden.“ Das Gemeindeteam wirbt Gastgeber für die „Adventsfenster“ an, bereitet die Andachten vor, hilft manchmal auch beim Auf- und Abbau.</p><p>Mitglieder eines Gemeindeteams stiften sozialen Zusammenhalt. Sie telefonieren, schreiben WhatsApp-Nachrichten, stellen Tische und Bänke für gemeinsame Feiern auf. Immer mit einem Ziel: damit andere Menschen miteinander in Kontakt kommen und zur Gemeinde werden können.</p><p>Am 1. März 2026 stehen in den bayerischen (Erz-)Bistümern Pfarrgemeinderatswahlen an. Dann werden im Bistum Würzburg entweder die Mitglieder von Gemeindeteams oder von Gemeinsamen Pfarrgemeinderäten neu gewählt. Während sich ein Gemeindeteam vorwiegend um das kirchliche Leben einer bestimmten Kirchengemeinde kümmert, tragen die Gemeinsamen Pfarrgemeinderäte Mitverantwortung für alle Gemeinden einer Pfarreiengemeinschaft. Welches Gremium sich zur Wahl stellt, entscheiden die Verantwortlichen vor Ort selbst. In Karbach werde das Gemeindeteam wohl wieder beim Gottesdienst gewählt, erzählt Sandra Laudenbacher. Pfarrer Stefan Redelberger hatte bei der Wahl 2022 die Gottesdienstbesucher um ihr Votum gebeten. Ihr Applaus ersetzte die Kreuze auf Wahlzetteln. Es war eine Wahl per Akklamation.</p><p>Zu Laudenbachers ehrenamtlichen Aktivitäten zählt auch das Kuchenbacken. Eier, Mehl und Backpulver brauchen sie und andere Freiwillige etwa für die Aktion „Kuchen to go“. Diese findet immer wieder statt. Dann verteilen die Mitglieder des Gemeindeteams Kuchenstücke in Paketen. Alle, die mögen, können gegen eine Spende ein Paket bekommen. Mit dem Spendengeld unterstützt das Gemeindeteam die Kirchenverwaltung, die Geld für die laufende Kirchenrenovierung braucht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Weitermachen oder nicht?</h3><p>Insgesamt kann sich Laudenbacher über viel Unterstützung aus den Reihen der Dorfgemeinschaft freuen. Bei den Adventsandachten beteiligen sich zum Beispiel die Dorfmusikanten, der Gesangverein oder der Fußballclub.</p><p>Trotz dieser guten Erfahrungen hat Laudenbacher entschieden, nach acht Jahren nicht mehr für das Gemeindeteam zu kandidieren. Insgesamt scheiden im kommenden Jahr in Karbach vier der acht Aktiven aus. „Es ist gut, wenn es immer wieder mal neue Mitglieder gibt“, findet sie. „Dann kommen frische Ideen rein, ohne die vieles eingefahren wäre.“ Sandra Laudenbacher wird sich dennoch weiter für die Gemeinde engagieren. Wenn eine Kuchenbäckerin oder eine Helferin beim Getränkeausschank gebraucht wird, will sie sich weiter einbringen. Rückendeckung ihres Ehemanns hat sie in jedem Fall. Dieser spielt in Karbach die Orgel.</p><p>In Ochsenfurt blickt Josef Pfeuffer, 65, auf Jahrzehnte im Pfarrgemeinderat zurück. Erfahrene Kräfte und Neumitglieder ergeben zusammen eine ideale Mischung, findet er. Zur Zeit stehen in den Pfar&shy;reiengemeinschaften Ochsenfurt und Tückelhausen in neun Kirchen Sammelboxen. Die sind bestimmt für die Zettel, auf denen Kirchenbesucher Kandidaten für die Wahl des Gemeinsamen Pfarrgemeinderats vorschlagen können. „Die Anzahl von Vorschlägen ist niedrig, aber alle namentlich genannten Leute werden angefragt“, versichert Stephanie Klaiber, 56. Sie gehört dem Pfarrgemeinderat seit 2010 an.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Teamarbeit auch unter den Pfarreien</h3><p>In Ochsenfurt und Tückelhausen kooperieren die Pfarrgemeinderäte seit 2023. Die gewählten Vertreter der neun Kirchengemeinden sind in einem Gemeinsamen Pfarrgemeinderat vereint. Dieser trifft sich etwa alle acht Wochen zu abendfüllenden Sitzungen. Martina Pohl, 52, vertritt Hopferstadt, das zur Pfarreiengemeinschaft Tückelhausen gehört. Sie hat nun ihre erste Wahlperiode hinter sich. „Die Arbeit im Team macht Spaß“, erklärt sie. Es sei gelungen, unterschiedliche Gemeinden miteinander zu vernetzen. Da gibt es zum Beispiel Unterschiede zwischen der Stadt Ochsenfurt und den Gemeinden im Umland.</p><p>„Es ist schwerer, in der Stadt Menschen zu organisieren“, findet Pfeuffer. Die Anonymität ist größer als zum Beispiel in Hopferstadt. Dort haben 2024 und 2025 alle Erstkommunionkinder mit dem Ministrieren begonnen, worüber sich Pohl besonders freut. Dann gibt es in manchen Gemeinden Bittgänge, in anderen nicht. Manche haben sich bei der Fronleichnamsprozession zusammengetan oder bei den Rorategottesdiensten im Advent. Der Wunsch von Kirchengemeinden nach Eigenständigkeit werde in jedem Fall respektiert, betonen die drei Ehrenamtlichen. Ebenso wie das Bedürfnis nach verstärkter Kooperation.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Plattform für schnellen Austausch</h3><p>Beim Vernetzen und Zusammenwachsen hilft die App „Ochsenfurt katholisch“. Diese biete eine sichere Plattform für den schnellen Austausch, loben die Pfarrgemeinderatsmitglieder. Gemeindeteams, Gottesdienstbeauftragte, Ministranten und andere können sich über die Anwendung in mehreren offenen oder geschlossenen Gruppen austauschen.</p><p>Mithilfe der App werben die Ehrenamtlichen für ihre Aktionen, zum Beispiel für den Kleinochsenfurter Adventsmarkt oder das „Pilgern mit Pedalen“. Dabei fuhren am 1. Juni rund zwei Dutzend Radfreunde durch den Ochsenfurter Gau. Das niedrigschwellige Angebot richtete sich gezielt auch an Menschen, die der Sonntagsgottesdienst nicht mehr erreicht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Ermutigung motiviert fürs Ehrenamt</h3><p>Ermutigung aus den Gemeinden motiviert die Ehrenamtlichen. „Nach dem Friedhofsgang an Allerheiligen haben wir zum Beispiel von mehreren gehört, dass es sehr schön war“, erinnert sich Martina Pohl. Sie wird sich im März 2026 wieder zur Wahl stellen, ebenso wie ihre Kollegen Stephanie Klaiber und Josef Pfeuffer. „Wenn man eine positive Rückmeldung bekommt, denkt man sich: Es hat sich gelohnt“, unterstreicht Klaiber.</p><p class="text-right"><em>Von Ulrich Bausewein</em></p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Head-mittel%3aHead_Charter_20_pHL" wwclass="Charter_BT_Pro20Italic">Pfarrgemeinderatswahl am1. März 2026 – kurz erklärt</h3><p>Die Pfarrgemeinderatswahl am 1. März 2026 in Bayern steht unter dem Motto „Gemeinsam gestalten – gefällt mir“. Die Wahl findet alle vier Jahre statt. Im Bistum Würzburg sind Katholiken ab 14 Jahren in der Gemeinde wahlberechtigt, in der sie wohnen. Wählbar sind Katholiken ab 16 Jahren. Die Gemeinsamen Pfarrgemeinderäte im Bistum Würzburg haben in Rücksprache mit den örtlichen Gemeindeteams entschieden, ob der Gemeinsame Pfarrgemeinderat oder die Gemeindeteams einer Pfarreiengemeinschaft zur Wahl stehen. Die Entscheidung darüber steht den Ehrenamtlichen frei.</p><p>Die Wahlausschüsse haben mit Gemeindeteams oder Gemeinsamen Pfarrgemeinderäten geklärt, wie die Wahl ablaufen soll. Bei der Wahl eines Gemeindeteams sind Allgemeine Briefwahl, Urnenwahl oder die Wahl in einer Versammlung möglich. So wird das Gemeindeteam in Karbach zum Beispiel beim Sonntagsgottesdienst gewählt. Bei der Wahl eines Gemeinsamen Pfarrgemeinderats sind Urnenwahl oder Allgemeine Briefwahl möglich. Die Allgemeine Briefwahl wird zum Beispiel in den Pfarreiengemeinschaften Ochsenfurt und Tückelhausen angewandt.</p><p>Die Pfarrgemeinderatswahl kann als Listenwahl oder als Persönlichkeitswahl stattfinden. Bei der Listenwahl kreuzen die Wahlberechtigten auf der Kandidatenliste die Personen ihrer Wahl an. Eine Persönlichkeitswahl findet statt, wenn weniger oder genauso viele Kandidaten gefunden wurden, wie gewählt werden können. Dann können Wahlberechtigte weitere Personen auf dem Stimmzettel ergänzen und sogar alle ihre Stimmen an diese eigenständig Ergänzten vergeben. Findet eine Persönlichkeitswahl statt, informiert der zuständige Wahlausschuss die Wahlberechtigten. Die Anzahl der maximal abzugebenden Stimmen hängt von der Größe des zu wählenden Gremiums ab.</p><p class="text-right"><em>von Ulrich Bausewein</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-68892</guid><pubDate>Sun, 30 Nov 2025 14:01:00 +0100</pubDate><title>Das Erste unter Gleichen</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/das-ersteunter-gleichen/</link><description>Mit dem Advent beginnt in der Liturgie ein neues Lesejahr. Sonntags wird nun überwiegend das Evangelium nach Matthäus verkündet. Was zeichnet dieses Buch aus? Was sind die theologischen Linien? Und warum gilt dieses Evangelium als besonders wichtig?</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Evangelium</h3><p>In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sofort nach den Tagen der großen Drangsal wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde wehklagen und man wird den Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.</p><p>Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr das alles seht, dass das Ende der Welt nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.</p><p>Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.</p><p>Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.</p><p><strong>Matthäusevangelium 24,29–44</strong></p><p>Egal, ob man ein mittelalterliches Evangeliar aufschlägt oder online durch das Neue Testament surft: Den Anfang macht immer Matthäus – und das, obwohl das Markus-evangelium nachweislich älter ist und Matthäus Markus als eine Quelle genutzt hat. Auch die gottesdienstliche Verkündigung war bis zur Liturgiereform von diesem Evangelium dominiert – es gab bis 1969 quasi nur Matthäus-Jahre. Und in der wissenschaftlichen Theologie wurden zu keinem Evangelium so viele Kommentare geschrieben wie zu diesem. Warum das alles?</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der Verfasser</h3><p>Das Matthäusevangelium wurde zwischen den Jahren 80 und 90 geschrieben und war schnell ein Bestseller. Dazu trug auch Papias von Hierapolis bei. Der brachte den Apostel Matthäus als Verfasser ins Spiel. Er sei gleichzusetzen mit dem Zöllner, den Markus und Lukas Levi nennen – und der bei Matthäus Matthäus heißt. Mit dieser Namenswahl habe sich der Autor selbst entlarvt. Später stimmten dem einflussreiche Theologen wie Augustinus zu, die zugleich deutlich machten, dass ein Apostelevangelium in höherem Rang steht als eines von Markus oder Lukas, die als Paulusschüler galten.</p><p>Heute wissen wir, dass der Verfasser des Evangeliums sicher kein Begleiter Jesu war und dass sein Name unbekannt ist. Sicher ist, dass er gutes Griechisch sprach und schrieb, weshalb er vermutlich im heutigen Syrien beheimatet war. Weil er sich andererseits extrem gut in der jüdischen Tradition auskannte, war er vermutlich selbst jüdisch erzogen worden. Beides passt gut zusammen, weil nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 viele Juden und Judenchristen aus Judäa flohen, sich in Syrien ansiedelten und dort auf Griechisch sprechende Heidenchristen trafen. Was für die Theologie des Evangeliums wichtig sein wird.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der erste Satz</h3><p>Vielleicht steht das Evangelium auch deshalb immer vorne, weil sich sein erster Satz als Überschrift über das gesamte Neue Testament eignet: „Das ist das Buch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Was hier mit „Ursprung“ übersetzt ist, heißt im Griechischen „Genesis“ und ist als Begriff nicht eindeutig. Früher wurde „Stammbaum“ übersetzt, aber das ist wohl zu kurz gefasst. Eher ist Jesu gesamte Herkunft und Geschichte gemeint, seine Genese und die Genese der Kirche.</p><p>Schon im ersten Satz klingt außerdem an, was das gesamte Neue Testament theologisch beschäftigt: Für wen ist Jesus gekommen? Matthäus sagt: Zuerst für die Juden, denn Jesus ist Sohn Davids. Er war aber auch Sohn Abrahams, über den es heißt: „Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.“ Also auch die Heiden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der letzte Satz</h3><p>Matthäus war ein guter Autor. Denn er schlug einen großen Bogen vom ersten zum letzten Satz. Der Satz ist berühmt, er ist so etwas wie ein Gründungsauftrag der Kirche. Kein anderes Evangelium kennt etwas Vergleichbares. Der Satz, den Sie alle kennen, lautet: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,19–20)&nbsp;</p><p>Entscheidend für die junge Kirche ist hier dreierlei: Erstens ihr Auftrag, missionarisch zu sein – was etwa das Judentum nie war und bis heute nicht ist. Zweitens die trinitarische Formel von Vater, Sohn und Heiligem Geist, die hier erstmals so deutlich bezeugt ist. Und drittens die sichere Zusage der bleibenden Gegenwart Jesu in seiner Kirche. Literarisch brillant gemacht.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der Vermittelnde</h3><p>Was zur Beliebtheit des Evangeliums in den ersten Jahrhunderten beitrug, war seine vermittelnde Position. Der Autor muss Judenchrist gewesen sein: Er präsentiert Jesus als den in den jüdischen Schriften verheißenen Messias. Allein 19-mal schreibt er: „So sollte sich das Schriftwort erfüllen ...“ oder ähnlich. Das beginnt, um zwei Beispiele zu nennen, bei der Geburt Jesu, in der er die Prophetie des Jesaja erfüllt sieht: „Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären ...“ und endet in der Leidensgeschichte, wo es etwa heißt: „So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke – das ist der Preis, den er den Israeliten wert war ...“ Das Evangelium war also anschlussfähig für gläubige Juden.</p><p>Aber es war nicht ausschließend, denn ebenso wichtig sind die Christen der matthäischen Gemeinde, die früher Heiden waren. Darum nimmt das Evangelium auch die Tora-Kritik auf und betont die Universalität der Sendung Jesu. Es will die verschiedenen Pole, die die junge Kirche manchmal zu zerreißen drohten, versöhnen durch ein Sowohl-als-auch. Wie gleich zu Anfang: sowohl Sohn Davids als auch Sohn Abrahams. Ökumenisch hat man dieses Evangelium deshalb manchmal genannt: für die ganze Erde.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_rot_pZWT" wwclass="Bliss_Pro10Bold">Der Prägende</h3><p>Vielleicht bedingt es einander: Weil Matthäus so oft verkündet wird, haben wir so viele Texte von ihm im Kopf; weil er so viele herausragende Geschichten erzählt, werden sie so oft verkündet. Vier Beispiele:</p><ul><li appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_Liste_pLIFT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Die Sterndeuter aus dem Osten, die Jesus Geschenke bringen: Diese Weihnachtsgeschichte des Matthäus kennt beinahe jedes Kind.</li><li appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_Liste_pLIFT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">In der Bergpredigt fasst Matthäus viele Worte Jesu&nbsp; kompakt zusammen, die in anderen Evangelien verstreut sind. Darum ist sie viel bekannter als etwa die viel kürzere Feldrede bei Lukas.</li><li appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_Liste_pLIFT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Die Rede vom Endgericht gibt es nur hier. „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.“ Und: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Solche Sätze sind im christlichen Gedächtnis tief verankert.</li><li appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aLauftext_Liste_pLIFT" wwclass="Charter_BT_Pro10Roman">Matthäus ist der Papstmacher. „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Dieser Vers hat die Geschichte der Kirche entscheidend verändert; keine andere Schrift des Neuen Testaments gibt Petrus eine auch nur annähernd so große Bedeutung.</li></ul><p class="text-right"><em>Susanne Haverkamp</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68759</guid><pubDate>Sun, 23 Nov 2025 09:41:00 +0100</pubDate><title>&quot;Das Königtum Christi ist anders&quot;</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/das-koenigtum-christi-ist-anders/</link><description>Er werde ins Paradies kommen, verspricht Jesus dem einen Schächer – weil der ihn am Kreuz hängend anerkennt. Ist das gerecht? Ist Jesus wie Donald Trump, der seine Fans auch willkürlich begnadigt? Fragen an den Theologen Markus Lau (48), Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Würzburg.</description><content:encoded><![CDATA[<h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aInterview_Frage_pIVF" wwclass="Charter_BT_Pro11Italic">Evangelium</h3><p>In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.</p><p><strong>Lukasevangelium 23,35b–43d</strong></p><p><em><strong>Herr Professor Lau, reicht Reue in letzter Minute?</strong></em></p><p>Das ist eine gängige Interpretation für diese Bibelstelle mit Jesus und den Schächern am Kreuz. Aber ich glaube, es geht da noch um mehr.</p><p><em><strong>Nämlich?</strong></em></p><p>Von Reue ist ja gar nicht direkt die Rede. Der eine Schächer am Kreuz spricht in Konfrontation mit dem anderen davon, dass ihnen Recht geschieht mit dieser Strafe, dass aber Jesus unschuldig ist. Hier wird also der klassische Tun-Ergehen-Zusammenhang problematisiert: Wer etwas angestellt hat, wird dafür bestraft; wer am Kreuz stirbt, ist ein von Gott Verfluchter. Und andersherum: Wer Gutes tut, der wird belohnt. Der Schächer erkennt, dass das für Jesus gerade nicht gilt. Er erkennt im Gekreuzigten einen Gerechten, ja den wahren König, wenn er zu Jesus sagt: Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!</p><p><em><strong>Wird die Stelle auch deshalb gerade zum Fest Christkönig gelesen?</strong></em></p><p>Ja, das passt. Denn der Schächer erkennt die tiefe Wahrheit hinter der Inschrift über dem Kreuz Jesu, die eigentlich ja als Spott angebracht wurde: &quot;Dieser ist der König der Juden&quot;. Das Königtum Christi ist etwas ganz anderes als die weltlichen Herrschaftsverhältnisse.</p><p><em><strong>Warum wird dann in Auslegungen die Sündenvergebung in letzter Minute so sehr betont?</strong></em></p><p>Das liegt vielleicht auch daran, dass das für unsere Zeit besonders gut verständlich ist. Es ist hilfreich für meine persönlichen Fragen, wie ich mit Schuld und Vergebung und der Jenseitshoffnung umgehe. Und das ist ja auch nicht falsch. Aber ich finde es eine positive Horizonterweiterung, wenn auch der Aspekt hinzukommt, wer wirklich der König ist, also wie das Reich Gottes aufgestellt ist – nämlich ganz anders, als das menschliche Kategorien vermuten lassen.</p><p><em><strong>Das kann aber auch verwirren.</strong></em></p><p>Ja, aber es ist auch eine Chance, denn dieser Text kann unsere Grundkoordinaten heilsam durcheinanderbringen. Er warnt nämlich indirekt vor vorschnellen Urteilen: Wer ist gut, wer ist böse; für wen gibt es Hoffnung, für wen nicht? Da sollten wir vorsichtig sein mit unseren Urteilen. In der Perspektive Jesu sind die Würfel noch nicht gefallen, auch wenn es aus menschlicher Sicht so aussieht, dass alles zu Ende ist, wenn jemand als Verbrecher am Kreuz hängt.</p><p><em><strong>Jesus verspricht das Paradies: Ist das nicht eine willkürliche Begnadigung? Ist so ein König gerecht?</strong></em></p><p>Jesus sagt ja nicht zu dem anderen Verbrecher: &quot;Dieses Versprechen gilt für dich nicht!&quot; Er bittet Gottvater sogar ein paar Verse zuvor: &quot;Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!&quot; Der lukanische Jesus hat in Sachen Vergebung eine große Weite, von der auch der andere Schächer nicht einfach ausgeschlossen ist. Es gibt Hoffnung für alle, nicht nur für ein paar Auserwählte, besonders Begnadete oder vom König Begnadigte.</p><p><em><strong>In den USA wendet sich die Bewegung &quot;No Kings&quot;, &quot;Keine Könige&quot;, gerade dagegen, dass Trump Verurteilte nach eigenen Vorstellungen begnadigt ...</strong></em></p><p>Und genau hier wird deutlich: Das ist etwas ganz anderes. Trump begnadigt die, die ihm passen, die sein Wohlwollen erreichen, seine politischen Freunde. Seine Begnadigungen folgen einer klaren Logik des Tun-Ergehen-Zusammenhangs: was ihm Vorteile bringt oder wie er Loyalität zu ihm belohnt. Er wendet sich gerade nicht den Ausgegrenzten zu, den Schwachen, Randständigen, Marginalisierten. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu Jesus, der diesen eindimensionalen Zusammenhang durchbrochen hat. Er schenkt Vergebung und Gnade nicht zum eigenen Vorteil, nicht nur für seine Fans und nicht entlang des Tun-Ergehen-Zusammenhangs.</p><p><em><strong>Trump sieht sich aber auch als Friedensfürst und spielt mit dem Motiv des Königs.</strong></em></p><p>Wie gesagt: Das ist genau der Unterschied zum jesuanischen Verständnis. Jesus belohnt nicht die Seinen mit dem Ziel, selbst groß zu werden, dafür gelobt zu werden und gut dazustehen. Er ist nicht der Friedensfürst, der den Friedensnobelpreis haben will. Trump folgt in seinem Bestreben, als Friedensbringer zu erscheinen, eher der Logik mancher römischer Kaiser, die sich als Friedensbringer darstellen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Der uns in der lukanischen Weihnachtsgeschichte begegnende Kaiser Augustus ist dafür ein gutes Beispiel. Er will sich als Friedensfürst zeigen, um zu sagen: &quot;Mit meiner Herrschaft beginnen goldene Zeiten des Friedens und Wohlstands&quot; – auch das findet sich übrigens bei Trump. Lukas hält dagegen und stellt Augustus nicht als Friedensbringer, sondern als Steuereinnehmer vor, der alle Welt in Steuerlisten eintragen will. Goldene Zeiten beginnen für Lukas mit Jesus.</p><p><em><strong>Damit sind wir dann auch wieder beim Fest Christkönig, das vor genau einhundert Jahren, 1925, eingeführt wurde.</strong></em></p><p>Ja, und ich denke, das Christkönigsfest ist auch heute in seiner Bedeutung hilfreich und aktuell. Es ist ein sehr herrschaftskritisches Fest. Die Botschaft ist: Es gibt mit Blick auf die Ewigkeit nur einen König, und der ist anders – und größer –, als wir uns das in menschlichen Kategorien und bei weltlichen Herrschern denken, so mächtig sie auch erscheinen. Es gibt eine andere, größere Gerechtigkeit. Das lässt hoffen und durchaus kritisch auf die Herren der Welt blicken.</p><p class="text-right"><em>Interview: Michael Kinnen</em></p>]]></content:encoded><category>Impulse</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-68816</guid><pubDate>Fri, 21 Nov 2025 11:51:45 +0100</pubDate><title>Heilige Pforten und dem Papst ganz nah</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/heilige-pforten-und-dem-papst-ganz-nah/</link><description>Dutzende Gruppen aus dem Bistum Würzburg reisten im Heiligen Jahr als Pilger der Hoffnung nach Rom. Darunter waren auch die Teilnehmer einer Leserreise des Sonntagsblatts. Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran als Herausgeber und Redaktionsleiter Ralf Ruppert haben sogar Papst Leo XIV. persönlich getroffen.</description><content:encoded><![CDATA[<p>Antike Ruinen wie das Kolosseum, Kunst und Architektur aus Jahrtausenden, Metropole voller hupender Autos, Sperrungen für Staatsgäste sowie für Christen Wallfahrtsort und Herzkammer der katholischen Kirche: Rom ist einer der meistbesuchten Orte der Welt. Mehr als 20 Millionen Menschen kommen jährlich in die Stadt, für das Heilige Jahr 2025 werden sogar mehr als 30 Millionen erwartet. Dazu gehören auch Dutzende Gruppen mit mehreren Hundert Gläubigen aus dem Bistum Würzburg. Das Würzburger katholische Sonntagsblatt erkundete mit 44 Leserinnen und Lesern die Ewige Stadt.</p><p>„Extrem überwältigt“ von der Reise ist Thomas Brand aus Kleinheubach im Landkreis Miltenberg. „Die Eindrücke reichen für fünf Reisen“, meint der Lehrer, der kurz vor der Reise 50. Geburtstag feierte. Er, seine Frau Annette und seine Schwester Christine wurden zu der Pilgerreise eingeladen: Als Thomas Brands Mutter über die Leserreise des Sonntagsblatts las, wollte sie ihren Kindern und ihrer Schwiegertochter dieses besondere Erlebnis ermöglichen. Das Geschenk ist gelungen: „Es war eine sehr schöne Reise mit einer wunderbaren Gemeinschaft und gemeinsamen Gottesdiensten“, schwärmt Annette Brand. Ihre Schwägerin Christine Brand freute sich zudem über die vielen Informationen von Stadtführerin Kerstin Thiel-Lunghini zu den Gewohnheiten der Römer und den vielen Legenden rund um Kirchen und Heilige.</p><h3>Bekannte aus dem Ort in der Stadt</h3><p>Während es für die Brands die erste Rom-Reise war, war Johanna Hillenbrand (73) aus dem Oberschwarzacher Gemeindeteil Siegendorf bereits zum siebten Mal in Rom. Sie reiste mit ihren Geschwistern Christine (62) und Manfred (71). Groß war ihre Freude, als sie in Rom gleich mehrfach weiteren Siegendorfern über den Weg liefen: Pfarrer Andreas Engert war mit einer Pilgergruppe des Pastoralen Raumes Gerolzhofen gleichzeitig in der Stadt, so dass zehn Prozent der gut 80 Siegendorfer in Rom weilten. Neben den vielen Eindrücken lobte Johanna Hillenbrand die Organisation, allen voran die Begleitung durch Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran, der sechs Jahre lang in Rom lebte und studierte.&nbsp;</p><p>Mit seinen Sprach- und Ortskenntnissen manövrierte Vorndran die Gruppe durch den Trubel der Stadt und gab viele praktische Tipps, etwa zum Bestellen eines Kaffees in den Pausen. Er öffnete der Gruppe auch manche Tür, die sonst verschlossen ist, etwa die zum Dikasterium für die Glaubenslehre gleich neben dem Petersplatz. Von dessen Dach-Terrasse hatten die Teilnehmer in der blauen Stunde einen einmaligen Blick auf die Peterskirche. Als „perfekt“ bezeichnet Christine Hillenbrand die Kombination aus spirituellen Erlebnissen und geschichtlichen Informationen. Zudem hatte die Gruppe an fast allen Tagen Sonne und strahlend blauen Himmel: „So ein Wetter kriegt man nur, wenn man einen guten Draht zum Himmel hat“, meint die 62-Jährige schmunzelnd.</p><h3>###GALERIE###</h3><h3><br />&quot;Das bleibt ewig in Erinnerung&quot;</h3><p>Zum ersten Mal fuhr Fridolin Riedmann (66) aus dem Karlstädter Stadtteil Rohrbach nach Rom. Für den erfahrenen Kreuzberg-Wallfahrer war es eine besondere Ehre, das Pilgerkreuz in die Peterskirche zu tragen: „Das bleibt einem ewig in Erinnerung.“ Angelika Stockinger aus Schweinfurt erlebte bereits ihr drittes reguläres Heiliges Jahr in Rom. Die 69-Jährige war 1975 zufällig mit ihrer Abitur-Abschluss-Klasse in der Ewigen Stadt. Im Jahr 2000 besuchte sie dann Rom mit der Familie im Rahmen eines Italien-Urlaubs. „Als ich die Anzeige im Sonntagsblatt sah, dachte ich: Die Tradition setze ich fort“, sagt die Schweinfurterin.</p><p>Bereits zum fünften Mal waren Caroline (58) und Michael (67) Kunkel in Rom. „Ich war überrascht, wie sich die Stadt auf die Pilgerströme vorbereitet hat und wie die Sicherheitsvorkehrungen optimiert wurden“, sagt Michael Kunkel. Seine Höhepunkte seien die Generalaudienz bei Papst Leo und das Besteigen der Kuppel der Peterskirche gewesen. Bei seiner Frau Caroline weckte der Besuch des schlichten Grabs von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore starke Emotionen. Zu Papst Franziskus habe sie einen ganz besonderen Bezug. „Die Welt braucht mehr Gebet“, laute eine seiner Botschaften, die ihr nahe gehen.</p><p>„Das Besondere an der Leserreise des Sonntagsblatts waren die Begegnungen“, lautet die Bilanz von Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran. „Emotional sehr bewegend“ sei vor allem seine erste persönliche Begegnung mit Papst Leo XIV. nach der Generalaudienz gewesen. Vorndran begleitete im Mai die erste von drei Mitarbeiter-Wallfahrten der Diözese Würzburg. Anreisetag war der 8. Mai, am Abend besuchten die Pilger zum Abschluss noch einmal müde den Petersplatz, als über der Sixtinischen Kapelle plötzlich weißer Rauch aufstieg. Kurze Zeit später erlebten sie live mit, wie Papst Leo XIV. auf dem Balkon erschien.&nbsp;</p><h3>Zwei Ausgaben im Gepäck</h3><p>Genau ein halbes Jahr später kam es auf Vermittlung des Würzburger Bischofs nun zum persönlichen Treffen: Generalvikar Vorndran als Herausgeber des Sonntagsblatts und Redaktionsleiter Ralf Ruppert stellten dem Heiligen Vater kurz das Würzburger katholische Sonntagsblatt vor. Die Kirchenzeitung feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen und ist somit eine der ältesten noch existierenden Kirchenzeitungen weltweit. Papst Leo begegnete den Gästen aus Würzburg sehr präsent und konzentriert. Die Begrüßung auf Deutsch erwiderte er mit einem freundlichen „Guten Morgen! Ah, aus Würzburg“. Vorndran interpretiert das so, dass sich der Papst gut an seinen Besuch in Würzburg erinnert.&nbsp;</p><p>Ruppert und Vorndran hatten ihm zwei Ausgaben das Sonntagsblatts mit nach Rom gebracht: Die erste Ausgabe des Jahres 2025, in dem die Geschichte der Kirchenzeitung seit 1850 beleuchtet wird, und eine Ausgabe aus dem Sommer, bei der Augustinerpater Markus Reis aus Münnerstadt auf dem Cover abgebildet ist. Papst Leo hatte in seiner Zeit als Generalprior des Augustinerordens Münnerstadt besucht. Vorndran sprach noch die Rede von Papst Leo XIV. an die Medienschaffenden an, in der er vier Tage nach seiner Wahl zu einer „Entwaffnung der Worte“ aufgerufen hatte. Als Erinnerung an die Begegnung erhielten beide einen Rosenkranz in einem Etui mit dem Papstwappen.&nbsp;</p><p>Vorndran erwähnt in seiner Bilanz auch die vielen Begegnungen und Glaubensgespräche innerhalb der Pilgergruppe. „Diese Gemeinschaft im Glauben hat den Funken überspringen lassen und allen spürbar gut getan“, sagt Vorndran, und: „Ich hatte den Eindruck, dass alle Pilgerinnen und Pilger menschlich bereichert und im Glauben gestärkt nach Hause zurückgekehrt sind. Dafür bin ich sehr dankbar.“</p><p>Eine weitere interessante Begegnungen hatte die Gruppe mit Prälat Peter Klasvogt, seit kurzem neuer Rektor im Campo Santo Teutonico. Er stellte die Geschichte des wenige Tage zuvor aufgestellten Altars von Lucas Cranach aus dem Naumburger Dom mit den neuen Tafeln von Michael Triegel vor. Im Dikasterium für die Glaubenslehre traf die Gruppe aus Würzburg schließlich Pfarrer Dr. Manfred Bauer, der seit mehr als zehn Jahren dort tätig ist. „Wir erhielten nicht nur Einblick in den vatikanischen Alltag, sondern durften am Ende auch von der Dachterrasse einen Panoramablick auf den Petersdom werfen“, sagt Vorndran.</p><h3>Mitarbeiter der Diözese in Rom</h3><p>Vor und nach der Leserreise des Sonntagsblatts besuchten zwei weitere Gruppen mit jeweils rund 50 Mitarbeitenden der Diözese Würzburg Rom. Nachdem Generalvikar Vorndran die Gruppe im Mai begleitet hatte, fuhren im Oktober Bischof Franz Jung und im November Weihbischof Paul Reder mit. Auf dem Programm standen auch Ausflüge nach Castel Gandolfo und zum Kloster Subiaco. „Bei den Reisen war zu spüren, dass die Gemeinschaft auch gut für die Dienstgemeinschaft war“, berichtet Johannes Weismantel, der mit seiner Agentur „Spiritel“ die Reisen organisierte. Er und seine Frau Cornelia begleiteten im Heiligen Jahr sieben Pilgergruppen mit insgesamt rund 330 Teilnehmern aus der Diözese Würzburg.</p><p>Alleine in den Herbstferien wurden bei der Generalaudienz vier Gruppen aus dem Bistum begrüßt: Diakon Kim Sell war mit zehn Pilgern aus Bad Brückenau in Rom, die Pfarrer Andreas Kneitz und Andreas Engert mit jeweils knapp 50 Gläubigen aus den Pastoralen Räumen Würzburg Nord-West und Gerolzhofen.</p><p class="text-right"><em>Von Ralf Ruppert</em></p>]]></content:encoded></item><item><guid isPermaLink="false">news-68776</guid><pubDate>Wed, 19 Nov 2025 09:51:17 +0100</pubDate><title>Bienenprojekt im Kongo</title><link>https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/bienenprojekt-im-kongo/</link><description>Die Jagd auf Bienen ist in der Demokratischen Republik Kongo verbreitet. Menschen vernichten die Insekten, um ihren Honig zu vermarkten. Ein Projekt des Augustinerordens hält dagegen. Es verbindet Artenschutz mit sozialer Hilfe für die Menschen.</description><content:encoded><![CDATA[<section compid="acef2a4d-7302-4eb1-858f-5ab7ade61ba1" complabel="lauftext" comptype="text" isdirty="false"><p>Honigjäger sammeln keine Trophäen. Was sie erbeuten, machen sie zu Geld. So entspricht es der Tradition in der Demokratischen Republik Kongo und anderen afrikanischen Ländern. Jäger spüren die Nester von Bienenvölkern auf, verschaffen sich mit Macheten Zugang, brennen die Nester mit Fackeln aus und nehmen die Waben mit dem Honig an sich. Diesen verkaufen sie dann in Flaschen abgefüllt auf Märkten.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Gefahren für Leib und Leben</h3><p>Bruder Peter Reinl vom Würzburger Augustinerkonvent kennt die Tradition der Honigjagd und hat bei einem Kongobesuch selbst mit Jägern gesprochen. „Sie haben erzählt, dass sie nach einer Jagd zwei, drei Tage in ihren Hütten liegen, weil sie Hunderte von Stichen haben.“</p><p>Die Honigjagd ist für Menschen gefährlich, weil dabei Unfälle passieren. Zudem schadet die Vernichtung ganzer Bienenvölker dem natürlichen Kreislauf. Die Augustiner in der Demokratischen Republik Kongo haben vor Jahren ein Konzept entwickelt, wie Menschen mit nachhaltiger Honiggewinnung Geld verdienen können. Die Idee: Der Orden lässt fachkundig Imker ausbilden, die Bienen in sogenannten Bienenbeuten ansiedeln. Das sind große Holzkästen mit Stäben, an denen Bienen ihre Waben anbringen können. Durch die Honigernte bekommen Menschen eine Verdienstmöglichkeit. Honig ist süße Nahrung und Medizin zugleich. Nach Bruder Peters Erfahrung lassen sich mit zwölf Kilo Honig auf dem Markt 30 Dollar einnehmen. Das entspreche einem halben Monatslohn.</p><p>„Das Projekt gibt den Leuten eine Ausbildungs- und Einnahmemöglichkeit, wodurch die Landflucht verringert wird. Wenn Menschen an ihrem Wohnort einen Verdienst haben, wandern sie nicht in die Städte ab, wo sie als billige Arbeitskräfte oder Prostituierte unter die Räder kommen“, erläutert Bruder Peter. Mit seinem Mitbruder Marcel Holzheimer koordiniert er die Arbeit des Augustinus-Missionswerks der deutschen Augustiner in der Demokratischen Republik Kongo.</p><p>Mit Hilfe des Werks konnte das Projekt 2019 anlaufen. Damals begannen die ersten beiden Kongolesen, eine Frau und ein Mann, eine Imkerausbildung. Der Mann arbeitete bereits vorher mit den Augustinern in der Landwirtschaft zusammen. Die Frau hatte gerade an einer kirchlichen Schule ihren Abschluss gemacht und sich auf Landwirtschaft spezialisiert. Ihre Ausbildung habe jeweils mehrere Tausend Dollar gekostet, berichtet Bruder Peter. Unterkunft, Verpflegung, Lehrmittel und Reisekosten summierten sich.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Investition mit Zukunft</h3><p>Doch die Ausbildung erwies sich als zu-kunftsweisend. Beide Imker arbeiten nach wie vor im Projekt mit und bilden andere Einheimische aus. Nahe der Augustinerklöster in Amadi und Dungu im nordöstlichen Kongo lernen die künftigen Imker, wie sie Bienen in Beuten aus Holz ansiedeln können. Bruder Peter hat durch seine häufigen Besuche mittlerweile selbst einiges über die Imkerei gelernt. Er erklärt: Die Bienenbeuten sollten an einem günstigen Platz stehen, in dessen Umgebung blütenreiche Pflanzen wachsen. Durch das Ausreiben der Beuten mit Zitronengras und das Anbringen von Wachs an den Holzstäben lässt sich die Attraktivität der Behausung erhöhen. „Und dann ist tägliche Kontrolle nötig, ob sich Spinnen, Termiten oder Geckos eingenistet haben“, erklärt der Ordensmann.</p><p>Die Ausbildung von Imkern dauert vier Wochen. An jedem Klosterstandort können jedes Jahr 20 Frauen und 10 Männer das Imkerhandwerk erlernen. Frauen werden in größerer Zahl ausgebildet, weil sie die Trägerinnen des Familienlebens im Kongo sind. Wenn Frauen Geld verdienen, profitieren davon in jedem Fall ihre Kinder. Nach der Ausbildung bekommt jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eine Bienenbeute. Die Holzkisten mit den Stäben stellen die Klosterschreinereien in Amadi und Dungu her. Sobald die ausgebildeten Imker es geschafft haben, ihre Beute mit Bienen zu besiedeln, bekommen sie noch eine zweite Beute dazu. In einem Jahr ließen sich so bei einer durchschnittlichen Ernte 60 Dollar erwirtschaften, rechnet Bruder Peter vor. Diese Summe könnten Familien für Arztbesuche, Medikamente, Schulgebühren und ähnliches verwenden.</p><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Basic%3aZwischentitel_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Bold">Honighäuser in Klöstern</h3><p>Die Augustinerklöster vor Ort verfügen über „Honighäuser“. Dort können die Imker ihren Honig abliefern. Er reift, wird gefiltert und für den Verkauf in Flaschen abgefüllt. Schon mehr als 200 Kongolesen seien mittlerweile zu Imkern ausgebildet, erzählt Bruder Peter. 2026 solle als dritter Projektstandort das Augustinerkloster in Poko dazukommen. Auch dieser Ort liegt im ländlichen Nordosten des Kongo. Die Augustiner im Land hatten sich anfangs das Ziel gesetzt, 1500 Ausbildungen zu ermöglichen. Das Vorhaben könnte ein Langzeitprojekt werden.</p><p class="text-right"><em>von Ulrich Bausewein</em></p></section><section compid="0571e98a-5f44-452c-afa2-07071fd83395" complabel="infobox" comptype="text" isdirty="false"><h3 appliedstyle="ParagraphStyle/Kasten%3aHead_Kasten_Linie_links_pZWT" wwclass="Bliss_Pro13Medium" para_overrideid="p_3">Mit Spenden aus Deutschland</h3><p>Das Augustinus-Missionswerk der deutschen Augustiner ist seit über 60 Jahren in der Demokratischen Republik Kongo aktiv. Bei der Ausbildung von Imkern kooperiert das Missionswerk mit der Nichtregierungsorganisation acadec (www.acadec.eu). Spenden an das Missionswerk (Verwendungszweck „Bienenprojekt“) bitte über IBAN: DE20 7509 0300 0103 0151 22; BIC: GENODEF1M05.</p></section>]]></content:encoded></item></channel></rss>