Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Neue Glocken für die Kirche St. Sebastian in Gauaschach

Unterwegs ins Bistum Passau
In der einzigen bayerischen Glockengießerei, der Firma Perner, entstehen zwei neue Glocken für den Hammelburger Stadtteil. Zum Guss der ersten Glocke fuhr ein Bus nach Passau.

Vor rund zehn Jahren hat der damalige Gauaschacher Kirchenpfleger Thomas Ziegler zum ersten Mal festgestellt, dass im Turm der Kirche St. Sebastian etwas nicht passt: „Der Glockenstuhl hat sich beim Läuten der Glocken verwunden und es hat alles gescheppert“, erinnert er sich. Im Mai 2020 wurde das Geläut dann offiziell außer Betrieb genommen, drei Monate später folgte eine baudynamische Untersuchung des Kirchturmes, bei der auch das Schwingungsverhalten des Glockenstuhles gemessen wurde. Ergebnis: Glocke 2 darf weiter läuten, die anderen drei bleiben dauerhaft abgeschaltet.

Gesamte Glockenstube wird erneuert

Die Kirchenverwaltung Gauaschach (Pastoraler Raum Hammelburg) musste sich also mit der Frage beschäftigen, wie es nun weitergehen soll. Die Empfehlung der Experten war eindeutig: Der alte Glockenstuhl aus Stahl muss raus und drei der vier Glocken sind es nicht wert, noch einmal neu montiert zu werden. Ausgerechnet die älteste Glocke aus dem Jahr 1920 ist die beste, weil sie aus Glocken-Bronze besteht. Allerdings kann sie aktuell nicht läuten, weil das Joch Schäden aufweist. Die anderen drei wurden im Jahr 1948 nur aus Weißbronze gefertigt. „Die hören sich an wie alte Blecheimer“, beschreibt Ziegler den Klang. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Bronze knapp gewesen. Damals sei auch der Stahl-Glockenstuhl eingebaut worden, der mittlerweile Rost und andere Mängel aufweist.

Legierung aus Kupfer und Zinn

Während Glocken-Bronze aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn besteht, enthält Weißbronze noch Zink und Nickel. Diese Legierung klingt nicht nur schlechter, sondern hat auch einen höheren Verschleiß und bricht leichter. An den Gauaschacher Glocken ist zu sehen, dass sie schon vier Mal neu aufgehängt und dabei leicht gedreht wurden. Der Sachverständige gab den alten Glocken höchstens noch zehn Jahre und riet deshalb davon ab, sie noch einmal in einen neuen Glockenstuhl aus Eiche einzubauen.

Deshalb hat die Kirchenverwaltung vor zwei Jahren beschlossen, bei der Firma Perner in Passau einen neuen Holz-Glockenstuhl für nur noch drei Glocken sowie zwei neue Bronze-Glocken zu bestellen. Die gute Nachricht: Die örtliche Waldgenossenschaft zahlt – unter anderem mit Einnahmen aus den zahlreichen Windrädern rund um Gauaschach – eine der beiden Glocken. Dafür erhält die Glocke auch die Aufschrift „Waldgenossenschaft/ Gauaschach/ 2026“ und „Heiliger Sebastian/ Schutzpatron/ Wache über Dorf, Wald und Flur“. „Der Heilige Sebastian ist der Schutzpatron der Waldarbeiter, das passt also sehr gut“, sagt Simon Lilienweiß, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Gauaschach. Alle Mitglieder seien einbezogen worden und eine große Mehrheit habe sich dafür ausgesprochen, die 45.000 Euro teure Glocke zu bezahlen.

Die zweite Glocke ist beschriftet mit „Ave Maria/ In Dankbarkeit für unsere Heimat/ Damals und Heute“ und auf der Rückseite „Ortsbürger Gauaschach/ 2026“. Auch für diese Glocke gebe es eine große Spendenbereitschaft, berichtet der Hammelburger Pfarrer Thomas Eschenbacher. Die Gemeinde sei bei der Gestaltung und dem Klang der neuen Glocken mit einbezogen worden. „Ich bin komplett überwältigt“, kommentiert Eschenbacher die große Beteiligung der Pfarrgemeinde Gauaschach mit knapp 500 Gläubigen.

46 Gauaschacher beim Guss dabei

Der Zusammenhalt zeigte sich auch beim Guss der ersten Glocke in der vergangenen Woche in Passau, zu der 46 Interessierte im Bus mitfuhren. Thomas Ziegler, von 2000 bis 2024 Kirchenpfleger im Ort, ist zwar eigentlich nicht mehr im Amt, begleitet aber die Erneuerung des Geläuts weiter. „Das habe ich der neuen Kirchenverwaltung versprochen.“ In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Verzögerungen gegeben, vom Baumoratorium des Bistums Würzburg bis zur Pandemie.

Den Glockenguss in Passau nennt Ziegler ein „einmaliges Erlebnis“: „Das macht mich glücklich, jetzt geht’s nicht mehr zurück.“ Im Oktober soll der Turm eingerüstet und der alte Glockenstuhl abgebaut werden. Der Boden der Glockenstube werde komplett erneuert. Danach baue die Firma Perner den neuen Glockenstuhl aus Eichenholz ein. Auch die Öffnungen im Turm sollen neue Holz-Verkleidungen erhalten, die den Schall der Glocken besser verbreiten, aber gleichzeitig die Lautstärke im unmittelbaren Umfeld der Kirche dämpfen. Zudem muss das Schiefer-Dach des Turmes neu gedeckt werden. Die Kosten schätzt Ziegler auf 170.000 Euro. Ein großer Teil sei bereits gedeckt, Spenden sind aber natürlich noch willkommen.

nach oben