Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Gedenken an Julius Kardinal Döpfner

50. Todestag
Bischof Dr. Franz Jung feiert in Würzburg und Hausen Gedenkgottesdienste zum 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner. An seinem Vor-Vor-Vor-Vorgänger schätzt Jung die „Beheimatung in der Tradition und Offenheit für die Fragen der Zeit“.

Mit zwei Gedenkgottesdiensten hat das Bistum Würzburg an den 50. Todestag von Julius Kardinal Döpfner erinnert. Er habe „in schwieriger Zeit dieses Bistum geleitet, den Wiederaufbau begleitet und sich zu einer wichtigen Figur der katholischen Kirche in Deutschland und weltweit entwickelt. Dankbar gedenken wir seines Wirkens“, begrüßte Bischof Dr. Franz Jung die Gläubigen am 24. Juli im Würzburger Kiliansdom. Zwei Tage später kam Jung in Döpfners Geburtsort Hausen.

1976 an einem Herzinfarkt gestorben

Julius Döpfner war von 1948 bis 1957 Bischof von Würzburg, danach Bischof von Berlin und Erzbischof von München. 1958 wurde er zum Kardinal ernannt, 1965 wurde er nach der Gründung der Deutschen Bischofskonferenz deren erster Vorsitzender. Döpfner starb am 24. Juli 1976 in München an einem Herzinfarkt.

„Schön, dass ihr das Gedächtnis an diesen großen Seelsorger und Bischof wach haltet“, sagte Bischof Jung zu Beginn des Gottesdienstes in Hausen. Döpfner habe seine Kraft den Menschen geschenkt. Diakon Christoph Glaser erinnerte daran, dass Döpfner selbst seine Ehrentitel nicht wichtig gewesen seien. Überliefert ist eine Begegnung mit dem damaligen Bürgermeister von Hausen, bei der Döpfner nach der offiziellen Begrüßung sagte: „Hör doch auf, ich bin und bleib euer Julius vom Berg.“

„Rückzugsort“ an der Saale

Andreas Wehner von der Kirchenverwaltung Hausen bezeichnete den Bad Kissinger Stadtteil als „Rückzugsort“ des Kardinals. „Sein Erbe möge uns stets begleiten und uns an die Bedeutung des Miteinanders erinnern.“ Zu den vielen Besucherinnen und Besuchern des Gedenkgottesdienstes, die noch persönliche Erinnerungen an Julius Kardinal Döpfner haben, zählt Roswitha Vorbeck (73). Lachend erzählt sie, dass sie als Kinder bei einem Empfang in Hausen im Auftrag der Sternschwestern ein Gedicht aufsagen mussten. Ein Junge habe am Ende zum hohen Besucher gesagt: „So ein Kradinal wie du möchte ich auch mal werden.“ Er habe bei Spaziergängen auch immer mit den Kindern geplaudert und wollte wissen, wer die Eltern sind. „Kardinal Döpfner hat immer interessiert nachgefragt“, erinnert sich Roswitha Vorbeck.

Vor allem um persönliche Erinnerungen ging es auch bei einer Begegnung im Burkardushaus, zu der unter anderem die Neffen des Kardinals, Konrad und Dr. Burkard Döpfner, gekommen waren. Beide sind Söhne von Kardinal Döpfners Bruder Paul. Der ehemalige Pastoral­referent Burkard Döpfner teilte persönliche Familiengeschichten mit den Anwesenden.

Führung durchs Döpfner-Museum

In Hausen führte Werner Martin durch das Julius-Kardinal-Döpfner-Museum im ehemaligen Prämonstratenserkloster. In einem Gang und zwei Räumen sind viele Erinnerungen an den Hausener Ehrenbürger zu sehen, vom Foto mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst, über die Doktorurkunde aus Rom bis zu Kleidungsstücken Döpfners. Bischof Jung hat sich intensiv mit dem Leben Döpfners beschäftigt und konnte viele Erinnerungsstücke spontan in den historischen Kontext einordnen.

In seiner Predigt charakterisierte Jung seinen Vor-Vor-Vor-Vorgänger als zupackend und energisch, lernbereit und „beratungswillig, ja beratungshungrig“. Er habe sich in seinen drei Diözesen Würzburg, Berlin und München vieler Herausforderungen angenommen und als einer der vier Moderatoren für einen guten Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils wie auch später der Würzburger Synode gesorgt.

"Kometenhafter Aufstieg"

Döpfners „kometenhafter Aufstieg“ zeige, wie sehr man in Rom seine direkte Herangehensweise an Probleme und seine Durchsetzungskraft geschätzt habe. Seine strukturierte Persönlichkeit, sein Organisationstalent und sein geschärfter Blick für Verfahren und Regelwerke seien „eine durchaus seltene Begabung, die gerade jetzt bei der Stärkung der Synodalität der Kirche wieder dringend benötigt wird und die wir beim Synodalen Weg so manches Mal schmerzlich vermisst haben“. Döpfner habe auch Fachleute gehört, darunter den Theologen Karl Rahner. Die Formulierung „in dieser Stunde der Kirche“ sei eines seiner Markenzeichen gewesen. Viele seiner Worte seien bis heute aktuell, etwa der Ausspruch „Wohnungsbau ist heute in Wahrheit Dombau, Wohnungssorge ist Seelsorge“ nach dem Zweiten Weltkrieg.

„Werft der Erneuerung“

Ein weiteres Zitat, „Antisemitismus ist dem Christen vom Wesen her fremd“, sei heute wieder „von erschreckender Aktualität“. Döpfner habe während der Synode sehr unter den Spannungen zwischen „Erneuerern" und „Bewahrern" gelitten. Doch in seiner Schlussansprache sagte er: „Wir wurden zu einem Prozess gezwungen, dem wir einen neuen Stil des Miteinanders und Miteinanderumgehens zwischen Bischöfen, Priestern und Laien verdanken. Den möchten wir nicht mehr missen.“ Die Kirche sah er nicht „auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung“. Bei allem Streben nach Erneuerung habe Döpfner eine „nüchterne Liebe" zur Kirche angemahnt. Das Ziel müsse immer die konkrete Kirche sein, „die hier und jetzt zum Zeugnis für Gottes erlösendes Wirken gerufen ist“.

Unterfranken war für ihn "Kiliansland"

Bischof Jung sagte, dass ihn immer wieder die tiefe Verbundenheit Döpfners mit seiner fränkischen Heimat berühre. Unterfranken war für ihn „Kiliansland“, Franken insgesamt „Marienland“. In Döpfners Zeit fielen die Rückführung der Reliquien der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan aus Gerolzhofen nach Würzburg 1949 sowie die 1200-Jahr-Feier der Erhebung der Gebeine der Frankenapostel 1952.

Döpfner sei als Franke vor seinem Wirken in München durchaus skeptisch gewesen, habe München als „anmaßenden Emporkömmling“ gegenüber dem „alten, noblen Würzburg“ betrachtet. „Man kann eine neue Heimat finden, wenn man den liebenden Blick, den einem die eigene Heimat schärfte, nun auch anderen Menschen und ihren Lebensräumen schenkt", zitierte Jung Döpfner. Beheimatung in der Tradition und Offenheit für die Fragen der Zeit habe Döpfner in seiner Person vereint. Das mache ihn zu einem „vorbildlichen Hirten bis heute“. Jung schloss mit dem Wunsch: „Der Herr vergelte ihm, was er Gutes für unser Bistum Würzburg und die Kirche in Deutschland wie die Weltkirche getan hat.“

nach oben