Evangelium
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus.
Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
Matthäusevangelium 17,1–9
Die Geschichte von Hody Childress ist die eines Mannes, der sich weniger um sich, dafür aber aus vollem Herzen um Bedürftige kümmerte. Dabei quälte er sich selbst bis zu seinem Tod mit Herzproblemen. Er solle in der Hitze Alabamas das stundenlange Fahren auf dem Mähdrescher oder Traktor aufgeben, hatte seine zweite Frau Martha dem leidenschaftlichen Landwirt schon vor Jahren geraten. „Wenn ich auf dem Traktor sterbe, dann sterbe ich als glücklicher Mann“, konterte er die berechtigte Sorge.
Irgendwann ist er dann tatsächlich gestorben, mit 80 Jahren. Sein Tod wäre über seine ländliche, in der Nähe von Huntsville gelegene Heimatgemeinde Geraldine hinaus nicht weiter von öffentlichem Interesse. Wäre damit nicht plötzlich ein Geheimnis ans Licht gekommen: Childress hatte mehr als zehn Jahre lang der örtlichen Apotheke Geld zugesteckt, das Bedürftigen für den Erwerb von Medikamenten zugutekam.
Die Apothekerin Brooke Walker erzählte einer US-Reporterin, wie Childress sie eines Tages zur Seite nahm und fragte, ob es Menschen in der Gemeinde gebe, die ihre Medikamente nicht bezahlen könnten. Das passiere immer mal wieder, so Walker. „Beim nächsten Mal nehmen sie das hier“, gab Childress der verblüfften Apothekerin zur Antwort und steckte ihr einen zerknitterten 100-Dollar-Schein zu.
Die beiden schlossen einen ganz besonderen Pakt: Die Apothekerin solle gegenüber anderen über seine Wohltat schweigen und er wolle auch nicht wissen, wer Nutznießer sei. „Wenn sie fragen, sagen Sie einfach, dass es ein Segen Gottes ist.“ Und Childress kam regelmäßig, Monat für Monat. Jedes Mal ließ er etwas Bares in der Apotheke.
Das rettete vermutlich das Leben von Eli Schlageter. Der 15-Jährige zeigte nach einem Hornissen-Stich schwere allergische Reaktionen und drohte fast zu ersticken. Er benötige dringend ein 800 Dollar teures Medikament, sagte sein Arzt. Für Elis Mutter unbezahlbar. Sie konnte ihr Glück kaum fassen, als die Apothekerin die Arznei gratis über den Ladentisch schob. „Es ist alles geregelt, fragen Sie einfach nicht“, sagte Walker.
Childress konnte mit seinen milden Gaben im Durchschnitt zwei Menschen pro Monat helfen. „Viele konnten dank Hody länger leben“, sagt die Apothekerin. Dass Childress seine Großherzigkeit im ärmlichen Geraldine an der richtigen Stelle einsetzte, verrät die Statistik: Einer von fünf Einwohnern der 900-Seelen-Gemeinde lebt laut Volkszählung von 2020 unterhalb der Armutsgrenze. Das liegt deutlich über dem nationalen Durchschnitt und sogar über dem des als arm geltenden Südstaats Alabama, der relativ wenig Medicaid-Mittel als Fürsorge für Betroffene bereitstellt.
Ein Viertel der US-Amerikaner hat große Schwierigkeiten, die in den vergangenen Jahren gestiegenen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu bezahlen. Was dazu führt, dass ein Drittel der Betroffenen laut der Kaiser Family Foundation bei der Pillen-Einnahme spart. Beim Schlucken wird gestreckt, die Dosis halbiert oder nur unregelmäßig eingenommen.
Als Hody Childress starb, entband das die Apothekerin von ihrem Schweigegelöbnis. Dabei war der Wohltäter kein Krösus: Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, arbeitete er jahrzehntelang bei der Luftwaffe und beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, bevor er sich als Rentner der Landwirtschaft zuwandte. So lebte er stets bescheiden und blieb immer zuversichtlich, wie seine Familie berichtet.
Dabei hatte ihm das Leben schwere Prüfungen auferlegt. Seine erste Frau quälte sich mit Multipler Sklerose, was ihn nicht davon abhielt, sie jahrelang auf die Football-Tribüne seines Clubs zu tragen. In den 1970er-Jahren verlor er seinen Vater und sein mittleres Kind durch einen Tornado.
Andere wären an solchen Schicksalsschlägen zerbrochen. Childress hingegen entdeckte die Demut und Großzügigkeit. „Er konnte einfach nicht aufhören zu spenden, er hatte das Gefühl, dass er es tun musste“, sagt Tochter Tania Nix über ihren Vater. Er wollte ein Segen sein für andere.
Sein Tun hinterlässt Spuren. Als die Washington Post und die New York Times nach dem Tod von Hody über sein großes Herz ausführlich berichteten, meldeten sich reihenweise Helfer aus dem ganzen Land. Sie alle wollen den Apothekenfonds fortführen – ganz zur Freude von Tochter Tania: „Wenn das, was er getan hat, auch nur einen Menschen berührt und zeigt, dass es noch Gutes auf der Welt gibt, dann ist es das wert.“ Was zeigt: Segen wirkt.
Thomas Spang

