„Was will denn der Bischof von mir?“, fragte sich Laura Kunz, als sie den verpassten Anruf auf ihrem Telefon sah. Sie rief zurück. Ein Mitarbeiter des Bischofshauses war dran und fragte, ob Kunz nicht Lust hätte, ein Kapitel für ein Buch zum Katholikentag beizusteuern. Der Bischof sei derzeit auf der Suche nach Autorinnen und Autoren. Das Motto: „Hab Mut, steh auf!“
Die 30-Jährige ließ es sich durch den Kopf gehen und kam zu dem Schluss, dass ihr Lebensweg von mutigen Schritten geprägt ist. Gerade erst hatte sie ihren Job gewechselt und die Stelle als Geistliche Leiterin der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) in Würzburg übernommen. Sie sagt, es sei kein leichter Schritt gewesen, das Gewohnte zu verlassen und Neues zu wagen.
So sagte sie zu und schrieb über Mut, aus ihrer eigenen, einer jungen Perspektive. Berichtete davon, wie schwer es sei, Entscheidungen zu treffen. Als junger Mensch, der gerade noch dabei ist, den eigenen Weg zu finden, habe sie sich manchmal mehr Anleitung gewünscht. Mutig sei, so Kunz, die Schritte trotzdem zu wagen – wenn auch nicht ganz klar sei, wo man am Ende damit hinkäme.
Als ob es nur Schwarz und Weiß gäbe und nichts dazwischen
Junge Menschen, sagt Kunz, bräuchten oft Mut, um in dieser Welt und dieser Zeit zu bestehen. Viele machten sich Sorgen um die Zukunft und fragten: Wie soll es weitergehen? Wie kann ich mit all den Unsicherheiten umgehen? Die Jugendlichen wachsen in Zeiten von Klimakrise und Krieg auf. Kunz sagt: „Da einfach zu sagen, ich nehme das ein Stück weit an als das Leben, das es gerade ist, das erfordert richtig Mut.“ Denn es bedeute auch, sich einzugestehen, dass man nicht alles kontrollieren kann. Ganz nebenbei müssen junge Menschen ihren Alltag in Schule, Ausbildung oder Studium meistern. Kunz sagt: „Man muss ja trotzdem seinen Weg finden und dabei die Kraft haben, nach vorne zu schauen.“
Mut brauchen junge Menschen auch, um sich in einer Gesellschaft zu bewegen, die oft in Extremen denkt. Kunz sagt: „Ich habe das Gefühl und das erlebe ich auch oft im Umgang mit jungen Menschen: Es gibt nur noch Schwarz und Weiß, aber immer häufiger kein Dazwischen mehr.“ Kunz sagt, es werde stark polarisiert. Menschen ordne man schnell bestimmten politischen Rändern zu: „Vorurteile entstehen, obwohl die Realität viel differenzierter ist.“ Es erfordere Mut, sich nicht vereinnahmen zu lassen. Was das bedeuten kann? Kunz sagt: „Laut aussprechen, was die eigene Haltung ist, sich aber gleichzeitig auf Kompromisse einigen können.“
Auch das kennt Kunz, schließlich arbeitet sie für die Kirche. Und sie hat Momente, in denen sie sich mehr Mut wünscht. „Ich bin schon eine ziemlich große Zweiflerin, auch am System Kirche“, sagt sie. „Es gibt immer wieder so Löcher, so mutlose Momente, wo man denkt, es könnte doch viel einfacher gehen, da stehen wir uns als System selbst im Weg.“ Wenn es etwa darum geht, Strukturen zukunftsfähig zu machen. Oder darum, wie man trotz größerer Einheiten mit weniger hauptberuflichem Personal klarkommen kann. Kunz sagt: „Unabhängig davon, ob man das gut oder schlecht findet, muss man sich damit auseinandersetzen.“
Sie sagt, sie bekomme „Mutschubser“, wenn sie auf ihre aktuellen Aufgaben in der kirchlichen Jugendarbeit blickt: „Das ist ein Schatz. Die Leute in der KjG wollen super viel bewegen, sind motiviert und haben Lust, was gemeinsam auf die Beine zu stellen.“ Sie wirken bei großen und kleinen Aktionen mit. Bei Zeltlagern zum Beispiel, bei dem politischen Kinder- und Jugendgipfel „LautStark“ und bei der 72-Stunden-Aktion.
Was es für sie bedeutet, wenn junge Menschen Mut zeigten? Kunz sagt: „Auch wenn es vielleicht ein bisschen abgedroschen klingt: Es zeigt, dass niemand zu klein ist, um was zu verändern.“ Die großen Krisen, wie etwa den Klimawandel, könnten Einzelne nicht aufhalten. Doch wenn jeder und jede Mut habe, könne gemeinsam Bewegung entstehen. „Ich denke da zum Beispiel an Greta Thunberg und die Anfänge von Fridays for Future. Sie hat alleine angefangen und später sind super viele junge Menschen in Bewegung gekommen“, sagt Kunz.
Bei ihrer Arbeit in der KjG hört sie von jungen Menschen oft, „dass für sie gerade alles super viel“ ist. Weil viele Zukunftssorgen da sind, weil die Krisen sich häufen, weil die Technik sich schneller entwickelt. Aber sie beobachtet auch, dass junge Menschen gut darin sind, sich gegenseitig Mut zuzusprechen. Und vielleicht sagen sie dann ja: „Hab Mut, steh auf.“
Lisa Discher
Buchtipp
Bischof Franz-Josef Jung (Hg.): Hab Mut, steh auf. Ermutigungen, das Leben in die Hand zu nehmen. Echter, 200 Seiten, 16,95 Euro

