Dem Alltag entfliehen
Noch klappt vieles nicht so, wie es sich Rolf Düchting vorstellt. Zur Premiere am 17. November soll jedoch alles sitzen. Bis dahin feilen die neun Laiendarsteller an ihren Rollen, mindestens zweimal in der Woche und manchmal auch noch am Wochenende. Den Rest des Jahres gehen sie ihre eigenen Wege. Auch für die inzwischen Erfahrenen unter ihnen bedeutet jedes Stück von neuem eine Verwandlung. Die meisten stehen im Beruf und haben eine Familie. Ohne Idealismus und unbändige Lust am Spiel geht das nicht. „Es ist eine Riesenfreude, in eine andere Rolle zu schlüpfen und den Alltag ganz zu vergessen“, erzählt Barbara Dell, die zu den Schauspielern der ersten Stunde gehört. Ihre Tochter Bettina war bereits als Zweijährige regelmäßig bei den Proben dabei und steht nun schon seit Jahren selbst auf der Bühne.Erstmal Bauerntheater
Los ging das ganze Theater im Jahr 1969, als Mitglieder der Pfarrjugend ihre Erfahrungen mit der Schauspielerei in den Pfarrgemeinderat trugen und beim damaligen Dompfarrer Heribert Brander auf offene Ohren stießen. Die Idee war geboren: Ein Gruppe um Wolfgang Endres, Peter Buschkühl, Rolf Düchting und Barbara Dell begab sich ans Werk und stellte eine kleine Mimenschar zusammen. „Wir wussten damals nicht, ob Leute kommen, um sich das anzuschauen“, erinnert sich Regisseur Düchting. Doch die Leute kamen. Beim ersten Auftritt am 25. November 1969 mit dem Schwank „Das Wunder des heiligen Florian“ war das Würzburger Kolpinghaus randvoll. Es gab gleich reichlich Applaus und – das Theatervirus war übergesprungen. Scheinbar problemlos gelang es den „Domerern“ bereits in den ersten Jahren, die Zuschauer vom heimatlichen Sofa zur Bühne zu locken. Auch Tourneen in die fränkischen Dörfer folgten. Zu Beginn lag der Schwerpunkt ganz auf Stücken des bäuerlichen Volkstheaters. 1987 wagte die Truppe dann erstmals, ein anderes Genre anzugehen. Mit den „Meisterboxern“ entdeckten sie das Boulevardtheater, es folgten Stücke wie „Charleys Tante“ oder die „Hosenknopfaffäre“. Bei der Auswahl der Komödien meiden sie bewusst seichte Vertreter der Gattung. Nur gelungene Klassiker kommen auf die Bühne. Gründungsmitglied Wolfgang Endres hält auch nichts davon, auch einmal ein ernstes oder ein Problemstück zu spielen. „Unser Publikum möchte einfach einen unbeschwerten Abend genießen.“ Bis heute haben es die „Domerer“ auf rund 250 Aufführungen gebracht. Manchmal standen dabei bis zu 18 Personen auf der Bühne. Auf 2700 schätzt Franz-Josef Götz, der Leiter der Truppe, die Besucherzahl, die zu den neun, üblicherweise vollbesetzten Aufführungen kommt. Eine Auslastung, auf die das Mainfrankentheater nur neidisch blicken kann. Mit dabei sind auch Bischof Friedhelm und Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran, deren herzhaftes Lachen trotz der rund 300 Besucher pro Aufführung meist kaum zu überhören ist.Christian Ammon
