Seit 15 Jahren ist Michael Mahr Kirchenpfleger in Motten, und seit 15 Jahren beherrscht vor allem ein Thema seine ehrenamtliche Tätigkeit: Wie geht es mit der Pfarrkirche weiter? In seinem ersten Amtsjahr sei es noch um die Sanierung der alten Kirche aus dem Jahr 1968 gegangen. Nach einer Sitzung stellte Mahr dann die wegweisende Frage: „Warum reißen wir die Kirche nicht einfach ab?“ Im Jahr 2012 fiel in Abstimmung mit der Bauabteilung genau dieser Beschluss.
14 Jahre später steht nun der Neubau. Schon alleine wegen seines sägezahnförmigen Sheddaches wurde das alte Kirchenschiff im Volksmund oft als „Fabrik“ bezeichnet. Kalt und für die immer geringere Zahl an Kirchenbesuchern viel zu groß war das mehr als 600 Quadratmeter große Kirchenschiff. Der Neubau hat gerade einmal 240 Quadratmeter Grundfläche. „In der alten Kirche fühlte man sich verloren, in der neuen fühlt man sich geborgen“, fasst Architektin Traudel Schwarz von der Abteilung Bau der Diözese Würzburg die Veränderung zusammen.
Kirche hoch über dem Dorf
Nachdem 2012 der Beschluss für einen Neubau gefallen war, wurde zunächst ein Architekt gesucht. Nach mehreren Absagen wandte sich die Bauabteilung des Bistums an das Büro Staib in Sommerhausen, das schon mehrere Kirchen im Bistum umgebaut oder saniert hat. Architekt Friedrich Staib zögerte zunächst, ließ sich aber nach eigenen Worten von der lebendigen Gemeinde und der Lage des Gebäudes überzeugen: „Die Kirche passt auf das ganze Tal auf“, sagt Staib. Für ihn sei schnell klar gewesen, dass der Kirchenraum auch die Natur ringsum mit einbeziehen soll.
Beim Neubau in den 1960er Jahren hatte der damalige Architekt Emil Mai aus Schweinfurt den Altar in Richtung Norden gestellt, die Kirchenbesucher hatten den Turm rechts von sich und das große Glasfenster mit einer Darstellung des blutenden Herzens von Ernst Tesar hinter sich. Der Neubau ist nun wieder geostet, der verkleinerte Altar steht an historischer Stelle im Turm, über der Wand darüber sind Wandanschlüsse zu erkennen, die vermutlich von einem früheren Kirchenschiff übrig geblieben sind. „Wir haben diese Verletzungen absichtlich belassen“, betont Staib.
Diözese übernimmt 97 Prozent
Lange gerungen wurde auch um die Finanzierung, die Diözese stimmte schließlich einem Zuschuss von 97 Prozent zu. „Das ist noch ein Altfall, heute wäre ein solcher Fördersatz nicht mehr möglich“, stellt Diözesanbaumeisterin Katja Mark-Engert klar. Mitten in die Planung kam das Bau-Moratorium des Bistums Würzburg, also ein Stopp für alle Bauprojekte. Der Abriss der alten Bausubstanz begann deshalb erst im Frühjahr 2024. Sakristei, Turm sowie die Süd- und ein Teil der Westwand blieben stehen. Ab Herbst 2024 wurde dann neu gebaut, vor einem Jahr feierte die Kirchenverwaltung Richtfest.
Als Bausumme waren rund 3,8 Millionen Euro veranschlagt, nach aktuellem Stand bleibe der Neubau auch im Kostenrahmen. Das sei möglich gewesen, weil die Kirchenverwaltung laut Mark-Engert auf „Schnickschnack“ verzichtet habe. „Wir wollten die Architektur pur lassen“, ergänzt Architekt Friedrich Staib und verweist unter anderem auf den ungestrichenen Kratzputz im Innenraum. Auch technisch gab es oft nur die Mindestlösung: Heizkörper sucht man etwa im Kirchenschiff vergeblich. Eine Wandtemperierung im Sockelbereich, um die Fenster und am Übergang zum Dach sorgt lediglich für eine Grund-Temperierung. „Es geht darum, das Bauwerk trocken zu halten.“ Geheizt wird mit Holz-Pellets.
Pfarrhaus und Pfarrheim verkauft
Für die Kirchenverwaltung war der Kirchen-Neubau trotz der hohen Förderung ein großer Kraftakt. Zur Finanzierung trug bei, dass das Pfarrhaus an eine Privatperson und das benachbarte Josefsheim an die Gemeinde Motten verkauft wurden. Daneben gab es Spenden und die Kirchenvwerwaltung musste einen Kredit aufnehmen. Kirchenpfleger Michael Mahr hofft, dass auch die Betriebskosten für die Kirche auf höchstens ein Drittel des früheren Stands sinken.
Ehrenamtliche brachten zudem Eigenleistung ein, indem sie zum Beispiel die Baustelle reinigten oder die alten Bänke aufarbeiteten. „Wir haben versucht, unseren Beitrag zu leisten“, sagt Kirchenpfleger Michael Mahr und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro und der Abteilung Bau in Würzburg. „Es war immer jemand da, der tolle Vorschläge gemacht hat.“ Mahr hofft, dass die Kirchengemeinde durch den Neubau nun gut für die Zukunft gerüstet ist.
Die neue Orgel für die Mottener Kirche stammt aus dem Übungsraum der Kirchenmusik im Torhaus am Kardinal-Döpfner-Platz in Würzburg. Die Klais-Orgel wurde überarbeitet, frühere Draht-Züge durch Holzlamellen ersetzt und ein Gehäuse ergänzt. Das Kunstreferat steuerte einen Tabernakel aus Frauenroth bei. Die alte Orgel und der alte Tabernakel stehen heute in Polen. Auch der alte Beichtstuhl wurde verkauft. Die historischen Kreuzweg-Bilder sowie die Skulpturen (darunter eine Emmausgruppe) der Bergtheimer Holzbildhauer Karl und Tilmar Hornung kehrten in den Kirchenraum zurück. Der große Altar aus Kalkstein wurde in mehrere Blöcke gesägt und aufgeteilt.
Bischof Jung kommt nach Motten
Bischof Dr. Franz Jung kommt am Sonntag, 7. Juni, zu einem Pontifikalgottesdienst mit Altarweihe nach Motten. Die Kirche selbst wird laut Liturgiereferent Dr. Stephan Steger trotz der umfangreichen Umbauarbeiten nicht neu geweiht. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr, die musikalische Gestaltung übernehmen die Döllautaler Musikanten und der Kirchenchor unter Leitung von Dieter Blum.
Von Ralf Ruppert










