Seit mehr als 80 Jahren engagieren sich die Mönche in der Lokalpolitik. „Wir sind eng mit dem Ort und den Menschen hier verwurzelt. Das ist eine gute Basis, um sich für ein gutes Miteinander zu engagieren“, sagt Pater Christoph Gerhard, der seit zwei Legislaturperioden Teil des Schwarzacher Gemeinderats ist. Auch in der kommenden Amtszeit möchte er die Gemeinde mitgestalten.
Kein Wahlkampfgetöse aus der Benediktinerabtei
Auf einen großen Wahlkampf verzichten die Münsterschwarzacher Benediktiner. „Die Menschen kennen uns und unsere Werte. Sie wissen, wofür wir eintreten“, sagt Pater Christoph. Auf Informationen für die Bevölkerung verzichten die Brüder dennoch nicht ganz. Schließlich wollen die Wahlberechtigten darüber informiert werden, dass die Klosterliste auch dieses Mal auf dem Wahlzettel steht. „Daher setzen wir auf Anzeigen und verteilen Infomaterial.“
Der Blick in eben dieses Infomaterial zeigt: Es sind vor allem grundlegende Anliegen, die die Brüder umtreiben. Zentrale Themen der Klosterliste sind die Ortsentwicklung und Steigerung der Lebensqualität, die Unterstützung von jungen Menschen, der Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt. „Die aktuelle Lage in der Welt schafft viel Unsicherheit und Angst bei den Menschen. In diesem Klima ist es umso wichtiger, sich auch politisch für andere einzusetzen“, erläutert Pater Christoph Gerhard.
Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 hat die Liste der Abtei gut acht Prozent der Stimmen in Schwarzach erhalten, im Ortsteil Münsterschwarzach haben etwa 40 Prozent der Einwohner für sie gestimmt. Das bedeutete letztlich einen Sitz im Gemeinderat. „Es wäre ein schöner Erfolg, wieder ein ähnliches Ergebnis zu erzielen“, sagt Pater Christoph. Als Spitzenkandidat der Klosterliste hofft er nun auf eine dritte Amtszeit – und auf die Stimmen seiner Mitbrüder.
Gut in der Gemeinschaft und von der Schöpfung leben
Unter diesen Mitbrüdern gibt es jedoch einen, der bei einer der etablierten Parteien seine politische Heimat gefunden hat: Bruder Julian Glienke engagiert sich im Kreisvorstand der Kitzinger Grünen und hat beispielsweise an deren regionalem Wahlprogramm mitgearbeitet. Schon lange treibt es ihn um, „dass wir mit unserem Lebensstil die natürlichen Grundlagen zerstören, von denen wir abhängen“.
Dieser Gedanke verweise wiederum direkt auf sein Leben als Mönch. „Zum einen ist die Betrachtung der Schönheit der Natur eine stetige Quelle von Gotteserfahrung. Zum anderen beschäftigt mich die Frage, was ich wirklich brauche“, sagt Bruder Julian. „So gesehen ist das Leben im Kloster ein alternativer Lebensstil, bei dem wir versuchen, gut in Gemeinschaft untereinander und auch mit der Schöpfung zu leben. Die gibt uns das Nötige zum Leben, und die wollen wir erhalten.“ Aus dem Wahlkampf hält sich der Mönch heraus. Er organisiert lieber im Hintergrund, um sich und Parteifreunde zu vernetzen und so die demokratische Mitte zu stärken.
Über die große Politik wird nur gelegentlich gesprochen
Für den Gemeinderat kandidiert der Benediktiner aus Münsterschwarzach ebenfalls nicht. Er möchte der Klosterliste seiner Mitbrüder keine Konkurrenz machen. So erwächst aus seinem parteipolitischen Engagement höchstens einmal eine beherzte Diskussion hinter den Klostermauern, aber garantiert kein Streit. „Intern sprechen wir gelegentlich über die große Politik und ihre Folgen“, sagt Bruder Julian, „tragen aber keine politische Auseinandersetzungen in den Konvent hinein“.
Sebastian Haas
Veranstaltung: Kirche und Politik
„Demokratie und…“ heißt die Veranstaltungsreihe von Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried, Domschule Würzburg, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Akademie Frankenwarte, Kolping Akademie sowie Volkshochschule Würzburg und Umgebung. Am Dienstag, 10. März, 19 Uhr geht es um die Positionierung der christlichen Kirchen bei politischen Themen. Zu Gast ist Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats und ehemaliger Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern. Anmeldung zur Veranstaltung im Rudolf-Alexander-Schröder-Haus (Wilhelm-Schwinn-Platz 3, 97070 Würzburg) bis 3. März per Telefon 0931 321750 oder E-Mail an mail@schroeder-haus.de.


